Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 21.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Sabotage, Verschwörung, Häme, Denunziation

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

08.12.2007. Die SZ würdigt Karlheinz Stockhausen als Romantiker im eigentlichen Sinne des Wortes. Außerdem ärgert sie sich im Namen der Qualität über das Netz. Die NZZ besucht das weltweit erste und einzige Mahnmal für 68. In der Welt macht sich Niall Ferguson Gedanken über die Hochkonjunktur des Gedenkens. In der taz gibt Tariq Ramadan beruhigende Antworten auf islamkritische Fragen.

Neue Zürcher Zeitung, 08.12.2007

Man sieht die Spiegel-Titel und FAZ-Glossolalien schon förmlich vor sich, die sich durch einiges Wetterleuchten in dieser Zeitung auch schon ankündigten. Bald erscheint in Deutschland Jonathan Littells angekündigter Bestseller "Die Wohlgesinnten". Da nützt es, dass Marc Zitzmann nochmal die Karriere des Romans in Frankreich resümiert. Es wird auch Änderungen in der deutschen Ausgabe gegenüber dem franzöischen Original geben, berichtet er: "So wird Aue ganz am Schluss des Romans Hitler nicht mehr bloß in die Nase kneifen, sondern richtig beißen."


Besprochen werden Christoph Marthalers Produktion "Platz Mangel" in Zürich und neue Werke Luciano Berios und Georg Friedrich Haas' beim Festival Wien Modern.

Und noch ein anderes Ereignis wirft seine Schatten voraus: 40 Jahre 68. Anne Huffschmid besucht für eine schöne Reportage In Literatur und Kunst, das erste 68-Memorial weltweit in Mexiko-Stadt - es erinnert nicht an das Massaker an mexikanischen Studenten in diesem Jahr, sondern auch an die Zeitstimmung: "1968 in Mexiko ist mehr als Mord und Totschlag. Dass es ein Vorher und auch ein Nachher gab, wird in dem Rundgang durch das Memorial deutlich. Eine psychedelisch anmutende Animation zum Beginn nimmt die mexikanischen Sixties als Kreuzungspunkt grenzüberschreitender Kulturbewegungen in den Blick - eine für Mexiko ungewöhnlich 'globale'' Perspektive. Fidel und Janis Joplin, Angela Davis, Andy Warhol, Mao und die mexikanische Schamanin Maria Sabina - die Bilder wirbeln durcheinander, dazwischen sieht man toupierte Mexikanerinnen im Minirock, ein Transparent 'Prohibido prohibir' (Verbieten verboten), über allem schwebt 'Lucy in the sk'."

Den Artikel flankieren einige Besprechungen neuer Übersetzungen von Alberto Manguel (hier), Juan Carlos Onetti (hier) und Jorge Luis Borges (hier).

Weitere Artikel: Georges Waser erklärt, was es mit dem Londoner Sozialtypus des Sloane Ranger auf sich hat. Thomas Hermann liest Autobiografisches und Erfundenes von P. G. Wodehouse. Urs Hafner erinnert an den Berner Intellektuelle Carl Albert Loosli. Theresia Walser betrachtet Caspar David Friedrichs Gemälde "Hügel mit Bruchacker bei Dresden".

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Frankfurter Rundschau, 08.12.2007

Die Rede, die die diesjährige Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing, da sie aus Gesundheitsgründen nicht anreist, in Stockholm nicht selbst halten wird, druckt die FR heute schon ab. Es geht darin um das Schreiben und das Lesen, um Bücher in Zimbabwe und eine zerteilte Anna Karenina in Indien - aber auch zu den jüngsten Tendenzen der Lese- und Schreibkultur äußert sich Doris Lessing: "Wir haben es da mit einer unglaublichen Erfindung zu tun, Computer und das Internet und das Fernsehen, mit einer Revolution. (...) Tollkühn wie wir sind, haben wir das alles wie immer hingenommen und nie die Frage gestellt: 'Was wird mit uns passieren, jetzt, wo der Buchdruck erfunden ist?' Und ebenso wenig haben wir ein einziges Mal innegehalten und gefragt: Wie werden wir uns, wie wird sich unser Geist verändern durch dieses neue Internet, das eine ganze Generation mit seinen Belanglosigkeiten verführt hat, sodass selbst einigermaßen vernünftige Leute zugeben, dass man sich nur schwer losreißen kann, wenn man einmal süchtig ist, und es sein kann, dass auf einmal ein ganzer Tag mit Bloggen und Bluggen und so weiter vergangen ist."


Weitere Artikel: Marcia Pally empört sich in ihrer Amerika-Kolumne darüber, dass Christine Comer, die für die Naturwissenschaften zuständige Direktorin in der texanischen Schulbehörde, gefeuert wurde, weil sie sich von einem Kritiker des "Intelligent Design" (also der akademischen Variante des Kreationismus) nicht distanzieren wollte. In einer thematisch sehr ähnlichen Times Mager nimmt Christian Schlüter den mormonischen Präsidentschaftskandidatenanwärter, den Republikaner Mitt Romney, in den Blick. Auf der Medienseite kommentiert Henrik Schmitz überrascht die mutmaßliche Ernennung des heute-journal-Moderators Claus Kleber zum neuen Spiegel-Chefredakteur.

Besprochen werden Patrice Chereaus "Tristan"-Inszenierung in der Mailänder Scala und zwei Matthias-Grünewald-Ausstellungen in Karlsruhe und Colmar.

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Die Tageszeitung, 08.12.2007

Auf der Meinungsseite beruhigt der umstrittene Islam-Prediger Tariq Ramadan (Website) seinen Gesprächspartner Robert Misik: "Es gibt Probleme? Ja. Aber essentialisieren wir sie nicht, islamisieren wir nicht soziale Probleme. Das wird dann zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Und dramatisieren wir die Probleme nicht. Die Dinge bewegen sich doch in eine positive Richtung. Innerhalb von zwei Generationen haben sich die muslimischen Communities unglaublich verändert. Die Frauen arbeiten, sie übernehmen Verantwortung in den Communities, sie engagieren sich für mehr Freiräume und Liberalität, sie führen das Leben, das sie für richtig halten."


Auf den Kulturseiten wird Andreas Beck interviewt, der Intendant des Wiener Schauspielhauses. Zur Lage deutschsprachiger Gegenwartsdramatik meint er: "Grundsätzlich bewegt sich der Markt sicher schneller als früher und man kann eine Tendenz zum kurzfristigen Hype beobachten." Wolf-Dieter Vogel kommentiert die Entscheidung des marokkanischen Künstlers Fouad Bellamine (hier mehr), ein Werk, das Courbets "Origine du monde" mit einer Moschee in Kontakt brachte, nach Drohungen des iranischen Botschafters in Mexiko aus einer Ausstellung zurückzuziehen. In der zweiten taz schreibt Jan Feddersen einen Nachruf zu Lebzeiten auf die Legende Alice Schwarzer, die im nächsten Jahr die Chefredaktion der Emma abgeben wird. Daniel Bax verteidigt den Sänger Muhabbet, dessen mit Chorbegleitung durch Frank-Walter Steinmeier und Bernard Kouchner eingespielter "Deutschland"-Song jetzt im Handel ist.

Ausführlich, aber zurückhaltend kommentiert wird im vorderen Teil die noch nicht endgültig bestätigte Personalie Claus Kleber als neuer Spiegel-Chefredakteur. Steffen Grimberg schildert die Vorgeschichte der Wahl, Klaus Raab auch. Dirk Knipphals stellt den politisch schwer einzuordnenden Ex-ZDF-Amerika-Korrespondenten und derzeitigen heute-journal-Moderator etwas genauer vor.

Besprochen werden Christoph Marthalers Züricher Inszenierung "Platz Mangel", der Film "Für den unbekannten Hund" von Dominik und Benjamin Reding und Bücher, darunter Neues von Peter Kurzeck, Russell H. Greenans wiederentdeckter Roman "In Boston?" und der von Stefanie Peter herausgegebene Band "Alphabet der polnischen Wunder" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Das Dossier des taz mag erinnert zum vierzigsten Jahrestag an die westliche Intervention im afrikanischen Biafra-Konflikt, deren Bedeutung, wie Dominic Johnson findet, kaum zu unterschätzen ist. Judith Luig stellt nigerianische Schriftstellerinnen vor, die über Biafra schreiben. Mona Hope informiert über eine neue Separatistenbewegung in Nigeria. Im Interview klagt der für Hilfsorganisationen tätige Fotograf Thomas Einberger: "Ich glaube, dass die Bilder heute wohnzimmertauglich sein müssen. Man versucht, lächelnde Kinder zu präsentieren."

Und Tom.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2007

Konstanze Crüwell empfiehlt dringend zwei große Grünewald-Ausstellungen in Karlsruhe und Colmar, wo auch erstmals vier als Grisaillen ausgeführte und "bezaubernd lebendige" Heiligenfiguren wiedervereint sind - sie zierten einst einen Frankfurter Altar. Jordan Mejias beobachtet Oprah Winfrey auf Wahlkampftour für Barack Obama. Regina Mönch kommentiert die neupublizierten Fälle von Kindesvernachlässigung und -tötung ("Die immer wieder öffentlich gemachten Fälle haben bewirkt, dass es heute mehr Menschen wagen, einen Verdacht, eine Befürchtung rechtzeitig zu äußern") Jürgen Dollase empfiehlt in seiner Gastro-Kolumne einige Kochbücher avantgardistischer Köche aus Italien und Belgien. Reiner Burger hat die amerikanische Publizistin Diane McWhorter vor, die gerade in der American Academy in Berlin logiert - sie forscht über Wernher von Braun und sein hierzulande unbekanntes Eintreten für die Bürgerrechtsbewegung in Alabama. Joseph Hanimann beklagt uneffizient bürokratische Eingriffe der neuen französischen Kulturministerin Christine Albanel in funktionierende Theaterstrukturen. Zu Karlheinz Stockhausens Tod bringt das FAZ.Net eine Tickermeldung.


Auf der Schallplatten-und Phono-Seite begrüßt Sven Beckstette eine vorbildiche Neuedition sämtlicher Singles des Motown-Labels durch das Hip-oselect-Label. Außerdem geht's um ein Recital von Anne-Sophie Mutter und um eine CD des Artis-Klavierquartetts, das den Komponisten Paul Juon wiederentdeckt. Auf der Medienseite findet sich ein vorsichtig optimistischer Kommentar Michael Hanfelds über die Neubesetzung des Postens von Stefan Aust beim Spiegel - Nachfolger wird bekanntlich der ZDF-Anchorman Claus Kleber. Berichtet wird außerdem über ein Urteil gegen den Blogger Stefan Niggemeier, das Internetpublikationen zwingen könnte, Leserkommentare stets erst nach Prüfung zu veröffentlichen (hier Niggemeiers eigener Beitrag zum Thema). Für die letzte Seite wirft Günter Wirth einen Blick auf das katholische Milieu Berlins, dem der verstorbene FAZ-Herausgeber Joachim Fest entstammt. Gemeldet wird, dass die deutsche Klavierfirma Ibach ihren Kampf gegen die asiatische Konkurrenz aufgibt und ihre ihre Produktion einstellt.

Besprochen werden Christoph Marthalers liederreiche Produktion "Platz Mangel" in Zürich, ein Konzert der Popsängerin Kate Nash in Köln, ein Liederabend Marisol Montalvos' in Frankfurt und eine über die königliche Ägypten-Expedition der Jahre 1842 bis 45 in Berlin.

In Bilder und Zeiten resümiert Rose-Maria Gropp das Geschehen am Kunstmarkt in diesem Jahr (21 Millionen Dollar für ein Metallherz von Jeff Koons und ähnliche Rekorde). Tom Felix Jöhnk schickt eine interessante Reportage aus Bangladesch, das wie in Pakistan im Ausnahmezustand lebt und die Inder wegen seiner Bevölkerungsexplosion zu einem 4000 Kilometer langen Grenzzaun veranlasst. Manfred Flügge erzählt die Geschichte einer Heine-Statue, die einst in Sissis Garten ihrer Villa in Korfu stand, dann nach Deutschland kam und unter den Nazis nach Menton an der Côte d'Azur emigrieren musste. Cord Riechelmann legt einen Essay über die Vision einer qua Klimakatastrophe endgültig freigelegten Beringstraße vor. Tobias Rüther macht klar, welche Umstellung es für einen Berliner bedeutet, sich in Frankfurt anzusiedeln. Auf der Literaturseite nötigt Kurt Steinmanns Neuübersetzung der "Odyssee" Kurt Flasch Respekt ab. Und auf der letzten Seite unterhält sich Irene Bazinger mit dem Kabarettisten Christof Stählin.

In der Frankfurter Anthologie stellt Uwe Wittstock ein Gedicht Robert Gernhardts vor - "Nachdem er durch Metzingen gegangen war:

Dich will ich loben, Hässliches
du hast so was Verlässliches (...)"

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Die Welt, 08.12.2007

In eimem Text, der vor einem Monat schon in der britischen Financial Times veröffentlicht wurde, macht sich Niall Ferguson nun in der Literarischen Welt Gedanken über die Hochkunjunktur des Gedenkens. Die Menschen brauchen Mythen. "Die Fähigkeit von Staaten und sozialen Gruppen, Mythen zu schaffen und zu verbreiten, hat sich als bemerkenswert zählebig erwiesen - auch wenn die 'Gedenkstätten' heutiger Tage wahrscheinlich eher Internetseiten sind und die Denkmäler der Gegenwart womöglich in die Hosentasche passen. Nehmen Sie Ihre Börse nur mal heraus und schauen Sie, was für große Männer und Frauen dort hineingestopft sind. In den Vereinigten Staaten bringen es Politiker auf Banknoten; in Großbritannien sind es Wissenschaftler, Schriftsteller und Künstler, die sich an unserer ewig jungen Königin reiben. Wir wechseln das Medium des Gedenkens, nicht die Botschaft."


Im Feuilleton erlebte Werner Bloch auf der Berliner "Worldtronics" israelischen Elektro-Pop. Thomas Delekat erklärt Ikea zum winterlichen Single-Treff. Besprochen werden die Ausstellungen zu Matthias Grünewald in Karlsruhe und Colmar.

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Süddeutsche Zeitung, 08.12.2007

Reinhard J. Brembeck und Andrian Kreye würdigen den verstorbenen Komponisten Karlheinz Stockhausen: "Stockhausen kennt jeder - zumindest den Namen, wenn auch nicht unbedingt seine fast 300 Stücke. Mit diesem Namen verbinden sich Revolution, Umsturz, Provokation, Wahnsinn, Umdeutung aller Werte. Stockhausen war also ein Romantiker im eigentlichen Sinne des Wortes. Einer, der die Zukunft suchte, dem Vergangenheit und Gegenwart nur Durchgangszustände waren für seine Visionen, an denen er einerseits mit dem tiefsten vorstellbaren Ernst und andrerseits mit einer kindlichen Naivität arbeitete, die so völlig im Widerspruch zu jener menschenverschreckenden, harschen Intellektualität zu stehen schien, die seiner Musik gerade von seinen Kritikern gerne angedichtet wurde."


Weitere Artikel: Alex Rühle kommentiert die empfindlichen Reaktionen in Frankreich auf die (nur in Europa erschienene) Time-Titelgeschichte über den "Tod der französischen Kultur". Svenja Flasspöhle fordert, dass auf angemessenem Niveau über die Selbstmordhilfe nachgedacht werden sollte. Christopher Schmidt war mit dem German Theater Abroad in den USA unterwegs. Aus Florenz meldet Henning Klüver die Eröffnung eines Zentrums für Gegenwartskunst. 2007 war das Jahr des deutschen Reggae und insbesondere der Band Ohrbooten, konstatiert Jonathan Fischer. Jörg Hänztschel berichtet von der Art Basel in Miami. Von Ärger um die Gedenkstätte Hohenschönhausen weiß Franziska Augstein.

Auf der Literaturseite geht es in erster Linie um Alexander von Humboldts Reise "durch Hessen, die Pfalz, längs des Rheins und durch Westfalen im Herbst 1789". Rezensiert wird unter anderem der Memoirenband "Mein Prag" des Literaturwissenschaftlers Peter Demetz (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Besprochen werden DV8s Berliner Aufführung von Lloyd Newsons Tanztheater "To Be Straigt With You", die Ferdinand-Hodler-Werkschau im Pariser Musee d'Orsay, die Ausstellung zum Komponisten Erich Wolfgang Korngold im Jüdischen Museum Wien und Angela Schanelecs zwei Monate nach seinem Berliner Start jetzt offenbar in München angekommener Film "Nachmittag".

Im Aufmacher der SZ am Wochenende zieht Bernd Graff unter der Überschrift "Web 0.0" gegen das Internet vom Leder. Gegen jene "Idiotae", genauer gesagt, die sich darin ohne Erlaubnis des Qualitätsjournalismus zu äußern wagen, und dann auch noch kritisch: "Sie zetteln Debattenquickies an, pöbeln nach Gutsherrenart und rauschen dann zeternd weiter. Sie erschaffen wenig und machen vieles runter. Diese Diskutanten des Netzes sind der Diskurstod, getrieben von der Lust an Entrüstung. Haben wir Entrüstung gesagt? Setzen Sie dafür bitte beliebig ein: Sabotage, Verschwörung, Häme, Denunziation, Verächtlichmachung, Hohn, Spott. Ja, wir müssen uns die Kräfte des freien Meinungsmarktes als äußerst destruktiv vorstellen." (Erst Frank Schirrmacher mit den beiden Versionen seiner Internetrede, dann der DJV-Vorsitzende Michal Konken, der das Netz "quantitatv entrümpeln" will, und nun einer der Macher des so brillanten Online-Auftritts der SZ, dem im Netz die Kontrolle und Selbstkontrolle fehlt  - wahrlich, das Imperium schlägt zurück!)

Außerdem: Willi Winkler hat den Kunstprofessor Bazon Brock in Zürich besucht. Jonathan Fischer war bei Designer Marc Ecko (Shop) in New York. Auf der Historienseite geht es um die Geschichte des Zauns zwischen Israel und Palästina. Zu lesen gibt es von Brigitte Kronauer die Erzählung "Die Türschwelle". Im Interview spricht Miuccia Prada über Mode und Kunst und stellt fest: "Wenn Kleider den Körper nicht enthüllen, hat man eher die Chance, den eigenen Geist zu offenbaren."

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

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01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

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27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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