Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 13.03.2010, 14.25 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Ich war verstört

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas. 

Die Welt, 13.03.2010

Der bislang wichtigste Text zum Thema pädophile Priester. Der österreichische Schriftsteller Joseph Haslinger erzählt von seiner Zeit im Internat, als Erziehung bedeutete, dass er und seine Mitschüler erniedrigt und mit dem Stock geschlagen wurden. "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit. Das Kloster war ein Exzess in dieser und jener Richtung." Heute ist es das wichtigste, dass Kinder geschützt werden - das macht Haslinger unmissverständlich klar, aber eine "Hexenjagd" auf Pädophile, deren Taten längst verjährt sind, lehnt er ab. "Ich hatte zu Gleichaltrigen und Älteren dieselben Kontakte wie andere auch. Ich war kein sozial gestörtes Kind, das hilflos dem Triebleben sakraler Päderasten ausgeliefert war. Ich war verstört, weil ich zu dieser Zeit ja auch noch ein sehr religiöser Mensch war und selbst Priester werden wollte. Die moralische Verstörung war weitaus übler als die erotische Konfusion. Es liegt mir daran, in einem Moment, in dem alle Welt sich plötzlich über solche Vorgänge entrüstet, als hätten sie keine Tradition, nicht nur über die Verstörung, sondern über alle Gefühle Auskunft zu geben. Gefühle, die man gehabt hat, sollte man im Nachhinein nicht einfach zugunsten einer moralischen Entrüstung abschütteln, als hätte es sie nicht gegeben. Es war nicht nur eine Last, ein solches Geheimnis zu haben, es war auch etwas Besonderes."


Außerdem: Elmar Krekeler schickt aus dem Jahr 2040 einen Nachruf auf die Buchwelt. Tilman Krause trifft den Hamburger Lyriker Mirko Bonne. Abgedruckt ist ein Auszug aus Necla Keleks neuem Buch "Himmelsreise".

Besprochen werden unter anderem Philip Roth' Roman "Demütigung", Meir Shalevs Buch über das Alte Testament "Aller Anfang", Tony Judts Buch über "Das vergessene 20. Jahrhundert", Volker Reinhardts Michelangelo-Biografie "Der Göttliche" und Eric Karpeles' Band über "Marcel Proust und die Gemälde aus der 'Verlorenen Zeit'".

Im Feuilleton berichtet Sebastian Seidler über das Ende des Berliner Plattenlabels Louisville - für ihn der Anfang vom Ende der kleinen Indie-Labels. Uta Baier gratuliert dem Künstler Günther Uecker zum Achtzigsten. Dankwart Guratzsch ist fasziniert von der neuen Synagoge in Herford. Eine Meldung informiert uns, dass die Zuschauerzahlen an den Berliner Bühnen im vergangenen Jahr eher zu- als abgenommen haben. Besprochen wird Barbara Freys Inszenierung von Shakespeares "Was ihr wollt" mit Nina Hoss in Zürich.

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Weitere Medien, 13.03.2010

Im Guardian nimmt Timothy Garton Ash Stellung zur Polen erschütternden Kapuscinski-Affäre. Er hat Artur Domoslawskis Biografie gelesen und den Reporter darin durchaus auch in seiner Großartigkeit wiedergefunden. Und er stellt in Sachen Reporter-Ethos klar: "Ja, in unserer Auswahl der Fakten, der Bilder und Zitate, in der Charakterisierung realer Personen, über die wir schreiben, arbeiten Reporter in vielerlei Hinsicht wie Schriftsteller. Aber angesichts unserer Verantwortung gegenüber der Geschichte wie auch des Non-fiction-Versprechens, das wir unseren Lesern geben, müssen wir bei den Fakten bleiben, wie wir sie vorfinden. Wir dürfen nicht einmal leicht die Reihenfolge der Ereignisse ändern oder etwas 'anspitzen', was sich in Anführungszeichen befindet. Wir machen alle Fehler. Niemand sieht das ganze Bild oder kann wahrhaft objektiv sein. Jeder hat einen Blickwinkel. Aber wenn ich sage, ich habe etwas gesehen, dann hab ich es gesehen. Es war nicht in einer anderen Straße, zu einer anderen Zeit und wurde mir nicht von jemandem an der Hotelbar erzählt."


Die britische Financial Times meldet: "Google legt detaillierte Pläne vor, um seine chinesische Suchmaschine zu schließen und ist heute zu 99,9 Prozent sicher, dass es diese Pläne auch ausführen will, da Gespräche mit der chinesischen Regierung über Zensur in einer Sackgasse geendet  seien."

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Frankfurter Rundschau, 13.03.2010

Arno Widmann lauschte Herta Müller und Ai Weiwei auf der lit.cologne. Besonders Ai Weiwei hat es ihm angetan, schon wegen seiner schieren körperlichen Präsenz: "Ai Weiwei lacht ins Publikum. Dass er mehr als Tausend Chinesen, die niemals eine Chance dazu gehabt hätten, einen kurzen Blick ins ferne westliche Deutschland ermöglicht hat, dass er den Mächtigen ein Schnippchen schlug, amüsiert ihn nicht nur, das macht ihn glücklich. Jetzt ist er einer jener bebauchten, bärtigen Buddhas, die so gar nichts gemein haben mit dem durchgeistigten asketischen Ideal, das uns hier vom Erleuchteten vor Augen steht. Ein heiterer Silen aus Fernost - also jener trunkene Waldschrat, den König Midas in Fesseln schlug, den er folterte, um zu erfahren, wie der Mensch glücklich sein könne. Der Silen gab ihm die fatale Antwort, das Beste für den Menschen sei, nicht geboren zu werden. Dann lachte er und trieb weiter seine Scherze."


Weitere Artikel: Sehr kritisch beschreibt Nikolaus Bernau die vom Büro David Chipperfield für die Berliner Museumsinsel geplante James-Simon-Galerie: Sie werde erstens ihren praktischen Aufgaben nicht gerecht und verdecke zweitens "die kostbare Westfassade des Neuen Museums". Michael Rüsenberg resümiert das Festival Sonic Acts XIII in Amsterdam. Jürgen Otten gratuliert dem Komponisten Dieter Schnebel zum Achtzigsten. Marcia Pally erklärt uns, warum Frauen sich dünn und Männer sich fett saufen.

Besprochen werden einige Bücher, darunter Barbara Yelins Comic "Gift" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Neue Zürcher Zeitung, 13.03.2010

Daniel Ender unterhält sich in Literatur und Kunst mit dem Komponisten Beat Furrer, dessen neues Werk "Wüstenbuch" nächste Woche in Basel uraufgeführt wird. Es ist eine Auseinandersetzung mit der altägyptischen Kultur, in die auch der Papyrus Berlin 3024 Eingang gefunden hat: "In den Texten ist immer ein Grundtenor spürbar: Die Gesellschaft verfällt, es gibt keine Freude mehr. Das sind Zerfallsphantasien, die es wahrscheinlich schon immer gegeben hat, die aber bei einer Kultur, die am Beginn der Menschheit steht, doch ziemlich eigenartig sind. Und dann antwortet der Ba dem Mann und sagt ihm etwas Epikureisches: Genieße den Tag, lerne zu leben. Das ist doch etwas Ungeheuerliches inmitten dieser Welt, die immer nur auf den Tod hinlebt und vom Tod phantasiert!"


Sehr bewandert, aber ohne erkennbaren Anlass schreibt Martin Meyer über Churchill und seinen titanischen Kampf gegen Hitler. Martin Seel liest die nun edierten Transkriptionen von Adornos Ästhetik-Vorlesungen. Uwe Justus Wenzel stellt Kurt Flaschs "Meister Eckhart" vor.

Im Feuilleton widmet sich Andrea Köhler ausführlich der amerikanischen Tea-Party-Kampagne, die in einer unangenehmen Mischung aus Mischung aus Ressentiment und Demagogie gegen Steuern und das Establishment agitiert: "Obama, der außer mit allerlei Zoogetier auch mit Hitler verglichen wird, steht im Verdacht, die Krise strategisch herbeigeführt zu haben, um eine sozialistische Diktatur auszurufen."

Außerdem: "Als wundersam schwerelos dahingleitenden und trotzdem klar gezeichneten Traum" hat Barbara Villiger Heilig Barbara Freys Inszenierung von Shakepeares "Was ihr wollt" in Zürich erlebt. Ursula Schnyder porträtiert die Regisseurin Kathryn Bigelow. Albrecht Buschmann schreibt zum Tod des Schriftstellers Miguel Delibes.

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Die Tageszeitung, 13.03.2010

Die glücklichsten Gesellschaften sind die, in denen die Einkommensunterschiede am geringsten sind, glaubt die britische Sozialepidemiologin Kate Pickett. In einem ausführlichen Interview erklärt sie, warum auch Reiche unter Einkommensungleichheit leiden: "Die soziale Distanz zwischen den Menschen ist größer, die Mühe, die man hat, um sozial aufzusteigen oder oben zu bleiben, ist größer. Der Stress, den das verursacht, ist viel stärker. Wenn ich jemand aus einer ungleicheren Gesellschaft mit einer guten Bildung und gutem Einkommen in eine gleichere Gesellschaft einbinden würde, würde dieser Mensch vermutlich länger leben, und seine Kinder wären besser in der Schule."


Auf der Meinungsseite erklärt Ahmet Altan, Chefredakteur der türkischen Zeitung Taraf, warum er sich nicht gedemütigt fühlt, wenn der amerikanische Kongress den Völkermord an den Armeniern verurteilt: "Sich selbst zu erniedrigen heißt, zu Hause nägelkauend auf das Urteil eines fremden Parlaments zu warten. Die Türkei wird nicht deshalb beleidigt, weil dieser Ausschuss mit der Mehrheit einer einzigen Stimme diese Entscheidung getroffen hat. Sie ist gedemütigt, weil sie ihre Vergangenheit nicht selbst auszuleuchten vermag. Weil sie dies anderen überlässt. Weil sie eine höllische Angst vor ihrer eigenen Geschichte zu haben scheint. Weil sie offenbar alles tut, um die Wahrheit zu übertünchen."

Außerdem: taz-Literaturredakteur Dirk Knipphals versucht anlässlich der anstehenden Leipziger Buchmesse, den Literaturbetrieb zu erklären und führt dazu ein Interview mit seinem besten Gewährsmann - sich selbst. Rainer Wandler porträtiert den spanischen Richter Baltasar Garzon, der durch seine Ermittlungen zu Verbrechen der Franco-Ära ins Visier von Revisionisten geraten ist. Tim Caspar Boehme stellt das hippe Pariser Musik- und Modelabel Kitsune vor.

Besprochen werden die Memoiren von Patti Smith, Margaret Atwoods Roman "Das Jahr der Flut", Jeremy Rifkins Ausführungen zur Klimakrise und Georg Kleins "Roman unserer Kindheit" (hier eine Leseprobe).

Es ist Samstag: Tom in Farbe.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.03.2010

Wir werden Abschied nehmen müssen von der linearen historischen Erzählung, wie sie uns das Papier präsentiert hat, meint der amerikanische Science-Fiction-Autor und Wired-Blogger Bruce Sterling, und unser Wissen ganz neu organisieren. In Zukunft werde sich jedes "intellektuelle Langzeitgeschäft" in der Netzwerkkultur bewähren müssen: "Was uns bevorsteht, ist eher ein Jahrzehnt der Notrettungen, der Elastizität, des Bemühens um Nachhaltigkeit als ein Geradeausmarsch in Richtung neuer zivilisatorischer Gipfelpunkte. Jetzt beginnt ein Zeitalter des Verfalls und der Neuausrichtung zerbrochener Strukturen, eine Dekade neuer sozialer Erfindungen in Netzwerken, eine Welt des Gothic Hightech und des Favela Chic, wie ich es genannt habe, ein betrügerischer vernetzter Basar der Geschichte und Zukünftigkeit - statt einer Kathedrale der Geschichte und einer Utopie der Zukünftigkeit." (Hier der Artikel im Original)


Weitere Artikel: Gerhard Stadelmaier darf in der Randglosse erklären,warum er Barbara Freys "Was ihr wollt" in Zürich verpasst hat: Sein Flieger ging nicht. Jürgen Dollase preist den Bayerischen Hof als vorbildliches Spitzenhotel. Recht missmutig resümiert Oliver Jungen die wohl etwas maue Diskussion zwischen Herta Müller und Ai Weiwei in Köln. Jürg Altwegg liest französische Zeitschriften. Hubert Spiegel stellt die Köchin Daniela Borgnolo vor, die nach Darmstadt nun auch China mit italienischen Restaurants beglücken soll. Walter Haubrich schreibt zum Tod des spanischen Schriftstellers Miguel Delibes.

Auf der Medienseite berichtet Nina Rehfeld, dass amerikanische Zeitungen die berüchtigten Polizeifotos - Mugshots - jetzt auch online stellen.

Besprochen werden Juliane Kanns Stück "Wir werden sehen" in Stuttgart, Mariss Jansons Aufführung von Verdis "Requiem", eine Gesamtedition von Franz Liszts Liedern und Bücher, darunter der Venedig-Atlas "Migropolis", Daniel Kehlmanns Erzählungen "Unter der Sonne" als Hörbuch sowie Philip Roth' Roman "Die Demütigung" (siehe auch unsere Bücherschau des Tages ab 14 Uhr)

In Bilder und Zeiten spürt die Autorin Alena Wagnerova dem tschechischen Kaufmann Karel Baumann nach, einem angeheirateten Verwandten Kafkas, von dem sie aber vor allem Reiseanträgen und Strafmandate entdeckt hat. Abgedruckt werden die Passagen aus Martin Walsers Tagebüchern, in denen er auf Marcel Reich-Ranickis heftigen Verriss seines Romans "Jenseits der Liebe" reagiert: "Jenseits der Literatur, das klang sofort wie eine Ausweisung. Es ist für einen Schriftsteller schlimmer, aus der Literatur hinausgewiesen zu werden als aus seinem Land ins Exil, in ein anderes Land vertrieben zu werden." Der Roman selbst wird von Felicitas von Lovenberg besprochen. Jürg Altwegg unterhält sich schließlich mit den beiden französischen Filmemachern Isabelle Clarke und Daniel Costelle über ihre colorierte Weltkriegsdoku "Der Krieg".

In der Frankfurter Anthologie stellt Michael Braun Goethes "Erinnerung" vor:

"Er:
Gedenkst Du noch der Stunden
Wo eins zum andern drang..."

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Süddeutsche Zeitung, 13.03.2010

Der Schriftsteller Jonathan Safran Foer hat mit "Eating Animals" ein Plädoyer für den Vegetarismus geschrieben, das in den USA ein Bestseller wurde. Warum? Vielleicht, weil die Zeit einfach reif dafür ist, meint Burkhard Müller. "Die Stärke von Foers Ansatz liegt also in seinem synthetischen Gradualismus. Schon sieht er die Ernährung ohne tote Tiere (und ohne fortgesetzte Qual für die lebendigen) in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Bedenken Sie, sagt er, dass 18 Prozent aller amerikanischen College-Studenten bereits jetzt Vegetarier sind! Aus ihnen aber würden sich ohne Zweifel die politischen, ökonomischen und intellektuellen Eliten der Zukunft rekrutieren. Und man solle sich erinnern, wie sich in kurzer Zeit die Haltung zum Rauchen verändert habe. Er bietet einen Ausweg aus der individuellen Überforderung, die jeder bislang zu spüren bekam, der es mit der Sache des Vegetarismus ernst meinte."


Weitere Artikel: Susan Vahabzadeh untersucht aus Anlass des Regie-Oscars für Katherine Bigelow, die Rolle, die Frauen im amerikanischen Kino spielen - ihr Befund: eine sekundäre. Peter Münch schildert, wie Mitarbeiter des Goethe-Instituts eigenhändig Bücher für ihre Bibliothek in Gaza-Stadt in den Gaza-Streifen schmuggelten - Israel erlaubt seit dem Krieg vor Jahresfrist nur noch die Einfuhr humanitärer Güter, zu denen Bücher ausdrücklich nicht gehören. Christine Dössel stellt die sieben Stücke vor, die um den Mühlheimer Dramatikerpreis konkurrieren. Die Kunstsammlerin Gabriele Henkel gratuliert dem Künstler Günther Uecker zum 80. Geburtstag und Wolfgang Schreiber den Theologen und Komponisten Dieter Schnebel ebenfalls zum Achtzigsten. Javiere Caceres schreibt einen Nachruf auf den spanischen Schriftsteller Miguel Delibes. Gemeldet wird die Verleihung des Hildegard-von-Bingen-Preises für Publizistik an den Autor und Literaturkritiker Fritz J. Raddatz. Catrin Lorch weist auf die diesjährige European Fine Art Fair in Maastricht hin.

Besprochen werden die Ausstellung "L’Eta della Conquista" über die Faszination Roms an der Kunst der Griechen in den Kapitolinischen Museen Rom, Martina Abramovics Performance-Retrospektive im New Yorker Museum of Modern Art, der Roman "Und die Nilpferde kochten in ihren Becken" über einen realen Mordfall, den William S. Burroughs und Jack Kerouac gemeinschaftlich verfassten (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

In der SZ am Wochenende schreibt Petra Steinberger über das große Missverständnis in der Sehnsucht nach Natur. Harald Hordoych stellt die als Kind missbrauchte Autorin Mona Michelsen und ihr Buch "Flüsterkind" vor, ein "Horrorbuch über eine verlorene Kindheit". Zu lesen ist außerdem ein Interview mit der Sängerin Sade, die ein neuen Album vorlegt.

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Zeitung lebt

12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen

Damals war die Zukunft heute

11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen

Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen

10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter,  meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In  taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen

Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel

09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Schwirren und fliegen und sausen

08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen

Denken Sie an Klaviersaitendraht

06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen

Antipathie gegen Beton und Stahl

05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen

Ein Fingernagel in ihrer Suppe

04.03.2010. In der FR erzählt Liao Yiwu, wie ihn das Gefängnis zum Reportageschriftsteller machte. Golem meldet: Die Telekom löscht 19 Terabyte Vorratsdaten. In der NZZ trägt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf zur weiteren Ernüchterung Margot Käßmanns bei. Die Welt warnt: Man kann Joanna Newson nicht einfach den New Weird Americana zuordnen. In der taz kritisiert Ralf Bönt das neue Prestige der Religionen.  Mehr lesen

Ein Trost am Rand meines Grabes

03.03.2010. Liao Yiwu schickt seinen deutschen Lesern einen Trauergesang  für die Dongxiao - die taz bringt ihn. Philip Gourevitch trägt außerdem im New Yorker einige sehr interessante Links zu Liao bei. Der NZZ geht das Urteil zur Vorratsdatenspeicherung nicht weit genug: Sie fragt, was aus dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung geworden ist. In Sachen Leistungsschutzrechte spielt die Bundesjustizminsterin im Magazin promedia auf Zeit.In der FR schreibt der chilenische Autor Ariel Dorfman über das Erdbeben. Mehr lesen

Ich saß bereits im Flugzeug

02.03.2010. Die Debatte über Ryszard Kapuscinski geht weiter. Laut Welt war er ein parteilicher Autor, der es mit der Wahrheit nicht so genau nahm. In der NZZ erklärt Martin Pollack, warum er die Biografie nicht übersetzen will - nicht wegen ihrer Wahrheiten, sondern wegen ihres Tons. Die FAZ beklagt den Einfluss der Sammler auf den heutigen Kunstbetrieb. In der SZ fordert Ulrich Johannes Schneider: Digitalisiert die Bücher! Die taz präsentiert die furiose Geigerin Patricia Kopatchinskaja und NPR das neue Album der Gorillaz. Mehr lesen

Eine Kultur der Jetzigkeit

01.03.2010. Die SZ  berichtet über die Demontage eines Denkmals in Polen: Ryszard Kapuscinski wird vorgeworfen, dass er nicht nur dem Regime recht nahe stand, sondern auch ganz schön geflunkert hat.  Die NZZ ist auf dem Quivive und hat herausgefunden, dass Brooklyn inzwischen angesagter ist als Manhattan, vor allem bei den "Helicopter Moms". Die FAZ liest mit Staunen Cory Doctorows Roman "Little Brother".  Das Blog Carta meldet, dass die SZ 21 Stellen in der Redaktion streicht. Mehr lesen

Tack, und der Ton ist weg

27.02.2010. In der NZZ erklärt der Pianist Krystian Zimerman den Unterschied zwischen Lautstärke und Dynamik. Die taz war dabei als Frank Schirrmacher Martin Walser pathologisch nannte und Walser Schirrmacher quotensüchtig. In der Welt polemisiert Sonja Margolina gegen die Gesinnungskontrolle der liberalen Mainstream-Medien. Sascha Anderson (im ND) und Josef Haslinger (im Standard) nehmen Stellung zu Helene Hegeman. Die FR beobachtet, wie She She Pop auf der Bühne mit ihren Väter diskutieren. In der FAZ erklärt die "Human-Resources-Managerin" Anke Maruschka, wie man seinen Mitarbeitern kündigt. Die SZ weiß auch nicht, warum sie gerade beim Computerspiel "Heavy Rain" Probleme hat, jemanden zu erschießen. Mehr lesen

Nicht an das Große rühren

26.02.2010. Von jenseits des Grabes erklingt nochmal die Stimme Johnny Cashs und lässt den einen oder anderen Feuilletonisten erschauern. Die NZZ präsentiert eine gute Idee für einen großen Teil der neuesten Kunst: Michael Landys' Kunstabfallcontainer. Die Welt bringt ein Gespräch mit dem Historiker Norbert Leithold, der einst das Pornokino reformieren wollte. Die FAZ feiert Michael Lentz' Sprache der Liebe, die SZ den Architekten Ole Scheeren, der den Westen schon hinter sich hat. Mehr lesen

Ein Stück Rindfleisch unter der Heizung

25.02.2010. War das wirklich ein guter Scherz?, fragt Dirk von Gehlen in seinem Blog zum Grünbeinschen Hegemann-Späßchen. "Plagiat. Was denn sonst", diagnostiziert der Experte Philipp Theisohn in der NZZ zum selben Fall.  Außerdem verweisen wir auf zwei instruktive Prä-Hegemann-Texte. Timothy Snyder klärt im Blog der NYRB über Stepan Bandera und ukrainischen Nationalismus auf. In der Berliner Zeitung krümmt sich der gekerbte Raum der ortsgebundenen Dienste. Die FAZ feiert Caravaggio.  Mehr lesen

Und dann die große moralische Frage

24.02.2010. Grünbeins Hegemann-Verteidigung in der FAZ ist zwar von Benn, aber er nimmt kein Wort zurück! Die SZ bringt nochmal mehrere Sonderseiten zum Fall Hegemann. Besonders rigide gegen jegliches Plagiat äußert sich hier der noch selber schreibende Feridun Zaimoglu. In der Welt versichert Petros Markaris: die Griechen sind selber schuld. Jakob Michael Reinhold Lenz ist nicht Kurt Cobain, erfahren wir von Frank Castorf in der taz. In der NZZ fragt Adam Krzeminski: Wie weit im Westen liegt heute der Osten? Oder umgekehrt? Mehr lesen

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