Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 09.02.2010, 16.23 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Notschrei eines blutjungen Originalgenies

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

09.02.2010. Das Wall Street Journal attackiert das "German Cultural Appeasement". Das Chinese Law Prof Blog bringt Liu Xiaobos Rede vor dem Gericht, das ihn zu elf Jahren verurteilte: eine Weigerung zu hassen. Die FR bejubelt das Comeback des Gil Scott-Heron. Die FAZ bringt: Hegemann - Hermeneutik und Kritik. Die NZZ bilanziert die Auswirkungen des Erdbebens auf die Kulturlandschaft Haitis.  Und die Welt fragt: Was machen Niall Ferguson und Ayaan Hirsi Ali denn da? Schmusen die?

Die Welt, 09.02.2010

Da war ja was los beim Literaturfestival im indischen Jaipur! Erst erklärte der nigerianische Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka, England sei eine Terroristen ausbrütende "Jauchegrube" (mehr gleich in unserer Magazinrundschau). Und dann machten dort öffentlich schmusend Ayaan Hirsi Ali und Niall Ferguson ihr Verhältnis öffentlich, meldet Thomas Kielinger. "Die offene Demonstration intimer Nähe zwischen zwei Zelebritäten im globalen Salon entging den Welt-Medien bis zum vergangenen Wochenende, als endlich die britische Zeitung Daily Mail enthüllen ('The history man and fatwa girl') konnte: Niall Ferguson wird sich nach 17 Jahren Ehe scheiden lassen, für Hirsi Ali, die Neue in seinem Leben. Ein sprechendes Foto aus Jaipur, plötzlich aufgetaucht, lässt an der Geschichte keinen Zweifel. Ohnehin macht der in Schottland geborene Historiker keinen Hehl aus seiner neuen Liaison. Schon im vergangenen Sommer will er sie seiner Frau Susan Douglas, 52, gestanden haben."


Helene Hegemann wird von Cosima Lutz gnadenlos als Vertreterin ihrer Generation ausgequetscht, antwortet aber brav. Zu den Plagiatsvorwürfen sagt sie: "Ich selbst empfinde es nicht als geklaut, weil ich ja das ganze Material in einen völlig anderen und eigenen Kontext eingebaut habe und von vornherein immer damit hausieren gegangen bin, dass eben überhaupt nichts von mir ist. Wenn da die komplette Zeit über reininterpretiert wird, dass das, was ich geschrieben habe, so ein Stellvertreterroman für die Nullerjahre ist, muss auch anerkannt werden, dass der Entstehungsprozess mit diesem Jahrzehnt und den Vorgehensweisen dieses Jahrzehnts zu tun hat, also mit der Ablösung von diesem ganzen Urheberrechtsexzess durch das Recht zum Kopieren und zur Transformation."

Der ägyptische Journalistenverband hat drei Journalisten verurteilt, weil sie "Kontakte zu Israelis hatten oder nach Israel reisten", berichtet Birgit Svensson. "Nach einer heftigen Debatte im Hauptquartier des Journalistenverbandes im Zentrum von Kairo wurde der stellvertretende Chefredakteur der Wochenzeitung Oktober Magazin mit einer dreimonatigen Schreibsperre bestraft. Zwei weitere Journalisten erhielten Verwarnungen. Hussein Serage war mit einem Kollegen für eine Reportage nach Israel gereist und kam demnach in Kontakt mit den Einwohnern. Hala Moustafa, Chefredakteurin des Monatsmagazins Demokratie, empfing den israelischen Botschafter in Kairo zu einem Interview in ihrem Büro."

Weiteres: Sophia Seiderer erzählt, dass die für die Weltausstellung in Schanghai geplante deutsch-chinesische Ausstellung "Kunst der Aufklärung" in Peking ausfällt, weil das Hamburger Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner mit dem Neubau des Nationalmuseums nicht rechtzeitig fertig wurde. Schinkels Bauakademie Unter den Linden wird mangels großzügigem Investor nicht nachgebaut werden, meldet Eckhard Fuhr. Besprochen wird eine Ausstellung über den Jesuiten und China-Reisenden Matteo Ricci.

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Weitere Medien, 09.02.2010

Die deutsche Islamdebatte wird jetzt auch in amerikanischen Medien aufgegriffen. Unter dem Titel "German Cultural Appeasement" attackiert Benjamin Weinthal  im Wall Street Journal scharf das kritikophobe  Feuilleton. Neben FAZ-Autoren wie Patrick Bahners und Lorenz Jäger wird auch Thomas Steinfeld aus der SZ angesprochen: "Mr Steinfeld from the SZ went as far as to pooh pooh the recent murder attempt against Danish cartoonist Kurt Westergaard by a 28-year-old Somali with links to the Islamist al-Shabab militia as another bogus excuse to pounce on Islam: 'All we need is for something to happen, a failed attack, for example, like the one at the beginning of the month, and the debate will start all over again, with the same arguments-no, what's being offered there are not arguments, but slogans.' It is as if the Somali's radical Islamic ideology, which animated his plan to murder Mr. Westergaard, was non-existent."

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Frankfurter Rundschau, 09.02.2010

Thomas Winkler bejubelt das Comeback des Gil Scott-Heron, "Godfather des Souls" und "schwarzer Bob Dylan", der nach Jahren im Knast und an der Crackpfeife ein neues Album herausgebracht hat: "Es sind nicht mehr Nachrichten von der vordersten Front des Kampfes gegen den Rassismus, den Scott-Heron einst kämpfte, aber doch, wie es an einer Stelle des Albums heißt, ebenso maßgebliche Zwischenmeldungen aus 'the ruins of another black man's life'. Die Musik dazu erinnert nur selten an den pumpenden Soulfunk, über dem Scott-Heron früher seine Tiraden auszuspucken pflegte. Es finden sich Restbestände von Gospel und Blues, aber vor allem aber düstere Samples, Keyboardschlieren, verschleppte Beats, die auch von einem angesagten Elektronik-Produzenten wie Burial stammen könnten."




Peter Michalzik schreibt nur leicht zerknirscht über die ans Licht gekommene Unoriginalität von Helene Hegemanns Roman "Axolotl": "Auch für die Kritik, wir geben es gerne zu, liegt etwas Peinliches in dem Vorgang. Wer ehrlich ist, wird das Gefühl, jemandem auf den Leim gegangen zu sein, nicht verleugnen wollen. Der Fall erinnert daran, dass Helene Hegemanns wesentliche Leistung vielleicht darin besteht, eine Erfahrung von der Sub- in die Hochkultur (schau an, die beiden gibt's ja doch noch!) transponiert zu haben. Deswegen haben wir Kulturzirkel davon überhaupt Notiz genommen. Auch das bedeutet: Das Buch bleibt das gleiche, aber wir schauen es jetzt mit anderen Augen an."

Besprochen werden Stephan Kimmigs Inszenierung von Schillers "Kabale und Liebe" in München, eine Aufführung von Verdis "I Masnadieri" und Bücher, darunter Martin Walsers Novelle "Mein Jenseits" (über die Arno Widmann recht überschwänglich schreibt) sowie eine weiterer Teil der Autobiografie J.M. Coetzees, der heute siebzig Jahre alt wird (siehe auch unsrere Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Aus den Blogs, 09.02.2010

Donald C. Clarke, Professor an der George Washington University Law School, präsentiert auf dem Chinese Law Prof Blog Liu Xiaobos Rede vor dem Gericht, das ihn zu elf Jahren Haft verurteilte. Er erklärt darin, warum er sich weigert, seine Gegner zu hassen - weil nur der Abschied von einer Mentalität des Hasses sein Land zur Reform führen kann: "Externally abandoning 'anti-imperialism and anti-revisionism', and internally abandoning 'class struggle' may be called the basic premise of the continuance of China's reform and opening to this day. The market orientation of the economy; the cultural trend toward diversity; and the gradual change of order to the rule of law, all benefited from the dilution of this mentality."


Auch Clarke sagt in seiner Einleitung zu Lius Text zwei bemerkenswerte Sätze: "It is not, in general, the prisoners who talk about the need to respect Chinese cultural values; it is their jailers (who also claim the right to define them). The prisoners almost invariably speak in the language of universal values."

Google scheint gmail zu einer sozialen Plattform ausbauen zu wollen. Um 10 Uhr Silicon-Valley-Zeit gibt es eine Pressekonferenz. "Facebook might be the new Gmail, but now Gmail is the new Facebook, bitches", kommentiert Matt Buchanan in Gizmodo. Aufgebracht hat die Meldung das Wall Street Journal.

Der Autor SurfGuard verteidigt in seinem Blog The Boy in the Bubble den Gebrauch von Pseudonymen im Netz gegen Internetpessimisten wie Jaron Lanier: "Das Pseudonym 'SurfGuard' ermöglicht es mir, meine private und meine berufliche Sphäre auch im Web getrennt zu halten. Ich halte es für eine gesellschaftliche Notwendigkeit, dieses Bedürfnis, das Menschen immer schon hatten, auch im Web abzubilden. Wenn es zukünftig ein besseres Konzept geben sollte als die Wahl eines Pseudonyms, dann bin ich möglicherweise dabei."

Die Bundesregierung rückt von dem ursprünglich geplanten Kinderpornosperrengesetz ab, meldet Markus Beckedahl in Netzpolitik: "Das ist schön und gut. 'Löschen statt Sperren' hatten wir immer gefordert... Aber es bleiben Fragen offen: Wird mit der Umformulierung des Gesetzes zukünftig nachhaltig verhindert, dass weitere Sperrfantasien wieder auferstehen? Und was ist mit der angeschafften Sperrinfrastruktur bei den Providern? Werden wir hier eine konsequente Abrüstung erleben oder bleibt die durch die Sperrverträge installierte Zensurinfrastruktur erhalten, die derzeit innerhalb von Minuten/Stunden angeschaltet werden kann?"

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Neue Zürcher Zeitung, 09.02.2010

Von den katastrophalen Auswirkungen des Erdbebens in Haiti auf die Kulturinstitutionen berichtet Emmilie Prophete, die Chefin der haitianischen Direction Nationale du Livre. Sämtliche Instituitionen, Archive und Kunstgegenstände liegen in Trümmern, Plünderungen erschweren den Wideraufbau: "Das Zentrum der Hauptstadt, wo sich die meiste Administration befand, ist zerstört. Nur die Nationalbibliothek wurde einigermaßen geschont, sie könnte an sich wieder fürs Publikum geöffnet werden, doch liegt sie in einem Ruinenfeld: Wie soll sie da funktionieren, inmitten von Kadavergeruch und wachsender Seuchengefahr?"


Joachim Güntner vergleicht den Plagiatsvorwurf, der Helene Hegemann mit ihrem Debüt "Axolotl" gemacht wird, mit demjenigen gegenüber Uwe Tellkamps "Turm" und resümiert: "Die Autorin weiß genau, wie man dem Affen Zucker füttert, wenn sie anfügt: 'Originalität gibt's sowieso nicht, nur Echtheit. Und mir ist es völlig egal, woher Leute die Elemente ihrer ganzen Versuchsanordnungen nehmen, die Hauptsache ist, wohin sie sie tragen.' Eklektizismus ist fruchtbar, das lernt man an der Volksbühne, und zum Remixen gibt die Internetgemeinde ihren Segen. Mit der These, dass wir immer schon in Zitaten reden, wenn wir den Mund aufmachen, operiert die ganze postmoderne Intertextualitäts-Theorie. Nur dass deren Vordenker im Rauschen der Texte auch den Autor untergehen sahen. So viel Selbstdemontage hat Hegemanns Ego nicht zu bieten. Ihr Lieblingswort bleibt 'ich'."

Weitere Artikel: Der italienische Regisseur Antonio Latella, der in Neapel das kleines Nuovo Teatro Nuovo übernommen hat, macht mit einem sechsstündigen Marathon zum Thema "Krankheit und Literatur" Furore, berichtet Renate Klett. Angela Schader gratuliert dem Schriftsteller J. M. Coetzee zum Siebzigsten.

Besprochen werden die Aufführung von Alban Bergs "Lulu" im Genfer Grand Theatre, Arno Geigers neuer Roman "Alles über Sally" und Ulrike Kolbs Roman "Yoram" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Die Tageszeitung, 09.02.2010

Eva-Christina Meier und Andreas Fanizadeh unterhalten sich mit dem Journalisten Horacio Verbitsky über linke Politik in Argentinien. Nina Apin berichtet von der Affäre um Helene Hegemanns Remix-Künsten, die sich in einem weit entfernten Literaturbetrieb abzuspielen scheint. Isabelle Reicher war auf dem Filmfestival von Rotterdam. Der Grüne Aram Lintzel macht sich Gedanken über den Größenwahn der Linkspartei. Besprochen wird Amir Hassan Cheheltans Roman "Teheran Revolutionsstraße".


Isolde Charim hält auf der Meinungsseite nichts von einem Burka-Verbot, vor allem weil sie nichts von der Burka hält: "Die Burka ist Symbol für das Fremde, das man guten Gewissens ablehnen darf. Jeder. Auch Sie. Auch ich."

Und Tom.

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Süddeutsche Zeitung, 09.02.2010

Zusammen mit dem berühmtesten Autor der Stadt, Douglas Coupland ("Generation X") besucht Jörg Häntzschel die Stadt "in der obersten linken Ecke der westlichen Welt" Vancouver, wo demnächst die Winterspiele stattfinden: "Wovon Vancouver heute wirklich lebt, das kann auch Coupland nicht erklären: 'Handel, Einwanderung, Immobilien - Schlupflöcher. Wir produzieren nichts.' Dass es der Stadt dennoch bestens geht, und dass man hier kaum etwas spürte vom jüngsten Crash, das liegt vor allem an den Chinesen und an dem vielen Geld, das sie in die Stadt schwemmen."


Weitere Artikel: Willi Winkler kompiliert die Recherchen des Blogs Gefühlskonserve zu Helene Hegemanns Roman "Axolotl Roadkill", der in Passagen abgeschrieben ist, und spottet über die "Feuilletonfriseure" der anderen Zeitungen, die für ihre Elogen des Romans auch nicht recherchiert hatten, aber früher dran waren als die SZ, und geißelt mit einer Formel Brechts die "Laxheit in Fragen geistigen Eigentums" in dieser verwahrlosten Internetgeneration. Abgedruckt wird Daniel Birnbaums Laudatio auf den Soziologen und Philosophen Bruno Latour zum Erhalt des Kulturpreises der Münchner Universitätsgesellschaft. Till Briegleb resümiert Debatten um die Kosten der kommenden Elbphilharmonie. China-Korrespondent Henrik Bork berichtet von einem dringlichen Brief des chinesischen Autors Liao Yiwu an Angela Merkel, mit dem er eine Ausreisegenehmigung für die litcologne erwirken möchte.

Besprochen werden eine Bernd-und-Hilla-Becher-Ausstellung in Bottrop, Karin Henkels "Alkestis"-Inszenierung  in Zürich und Bücher, darunter J.M. Coetzees autobiografischer Roman "Sommer des Lebens".

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.02.2010

Nachdem jetzt alle wissen, dass Helene Hegemann für ihren Roman "Axolotl Roadkill" fleißig geremixt, d.h. originell abgeschrieben hat, müssen die schnellbegeisterten Feuilletons nachsitzen. Andreas Kilb hat die ruchbar gewordene Inspirationsquelle, Airens Roman "Strobo", historisch-kritisch vergleichend gelesen und findet Hegemanns Werk erstens durchaus besser und zweitens gibt er nicht zuletzt den Feuilletons schuld am Fehlen des Quellenverzeichnisses: "Das Einzige, was die kluge Dichterin Hegemann versäumt hat, ist der Nachweis der Quellen, aus denen ihre Selbsterfahrungsprosa strömt... Natürlich hätte sich Helene Hegemanns Roman nicht halb so gut am Markt und in den Feuilletons plazieren können, wenn er nur als Talentprobe einer formbewussten, literarisch versierten Debütantin aufgetreten wäre. Nein, dieses Buch musste der Notschrei eines blutjungen Originalgenies sein, ein poetisches Protokoll aus den wildesten Ecken des Hauptstadtlebens."


Weitere Artikel: Im ausführlichen Gespräch erläutert der Dirigent Christian Thielemann nicht nur seine Pläne für Dresden, sondern warnt auch davor, Musik zu machen, die ebenso austauschbar sei wie Nicole Kidmans Botox-Gesicht. In der Glosse macht Lorenz Jäger darauf aufmerksam, dass ein scharfmacherischer Artikel, in dem Daniel Pipes Barack Obama aufforderte, den Iran zu bombardieren, aus dem Online-Angebot der Welt wieder gelöscht wurde, und zwar ausdrücklich, weil er "redaktionell nicht vertretbar" sei. (Im Google Cache findet er sich derzeit noch.) Aus der Schweiz vermeldet Jürg Altwegg zwar nach dem angekündigten Steuersünder-CD-Ankauf eine Hochkonjunktur von Deutschland-Beschimpfungen (gern mit NS-Bezug), hält das aber für ein vorübergehendes Phänomen. Paul Ingendaay berichtet, dass ein Kolumnist ("eine seriöse Quelle") der spanischen Zeitung El mundo kolportiert, dass der im Exil in Miami lebende kubanische Autor Norberto Fuentes in einem noch nicht erschienenen Memoirenbuch kolportiert, dass der kubanische Geheimdienst Gabriel Garcia Marquez beim Sex in einer von seinem Freund Fidel Castro zur Verfügung gestellten Villa gefilmt haben soll.

Swantje Karich meldet in einer knappen Notiz, dass sich iranische Schriftsteller und Literaturkritiker in einer Petition für ihren seit September inhaftierten, keineswegs im Widerstand aktiven Kollegen Khalil Dormanki einsetzen. Auf der Medienseite erklärt Friederike Haupt, wie es kommt, dass Facebook unheimliche Kenntnisse sogar über Nicht-Mitglieder besitzt. Außerdem gratuliert der Autor und Verleger Michael Krüger seinem Freund Hubert Burda zum Siebzigsten.

Besprochen werden ein Konzert von Lou Barlow in Köln, Krzysztof Warlikowskis Pariser Inszenierung von "Endstation Sehnsucht" (bzw. "Un Tramway") mit Isabelle Huppert, Stephan Kimmigs Inszenierung von "Kabale und Liebe" in Berlin, ein Ballettabend mit Choreografien von Forsythe, Kylian, Cranko und Scholz in Stuttgart, und Bücher, darunter J.M. Coetzes jüngstes Stück romanhafter Autobiografie "Sommer des Lebens" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Härteste Türpolitik

08.02.2010. Das Blog Gefühlskonserve hat herausgefunden, dass Helene Hegemanns Roman "Axolotl" ein bisschen arg von dem Untergrundroman "Strobo" des Bloggers Airen inspiriert ist. Große Aufregung! Vielleicht lernen die aus dem Internet jetzt auch, was Urheberrecht ist, hofft die FAZ. In der FR beschreibt der italienische Staatsanwalt Roberto Scarpinato, wie Zersetzung des Staats und Aufstieg der Mafia zusammenhängen. Inszenierung des Wochenendes: Koltes' "Quai West" in der Regie von Andrea Breth in Wien. Mehr lesen

Verhängt die Fenster

06.02.2010. In der FAZ sieht Stephen Baker das menschliche Gehirn auf dem Rückzug. Die NZZ fragt, ob Apple das Internet in kleine herstellerabhängige Netze zerschlagen wird. Die Welt trifft die Deutschen in der Kälteregion des Daseins. Die taz erkennt mit Thea von Harbou auf die List der Geschichte. In der FR beklagt Ulrich Beck die McDonaldisierung der Universitäten. Der Tagesspiegel begibt sich auf die Spur des Clans, der Hatun Sürücü ermorden ließ. Und im Perlentaucher unterstützt Herta Müller die Forderung nach dem Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo. Mehr lesen

Pneumatische Prozesse

05.02.2010. Die Welt staunt über Pat Metheny, der sich mit großem Tüftleraufwand ein Orchestrion zusammenbauen ließ. In der NZZ denkt Thomas Hettche über das Soldatische, aber auch über den Pergamon-Altar nach. Die FR fordert ein Wahlrecht für Migranten. Die FAZ begleitet Österreich in seinem verzweifelten Ringen um Restsouveränität. Die SZ erklärt, wie man Regeln der Scharia übernimmt, ohne den Rechtsstaat zu verraten.  Mehr lesen

Wie Einbrecher in der Nacht

04.02.2010. Im Tagesspiegel erklärt der Pädophilie-Experte Klaus Beier, warum die katholische Kirche eine solche Anziehung auf Pädophile hat. Immer schon, wie die SZ vermerkt. Der Freitag bemüht sich um Differenzierung beim Islam: Dschihad heißt sich abmühen. Die taz wäre gegen die Burka, wenn es nicht islamfeindlich wäre, gegen die Burka zu sein. In der Zeit erklärt Werner Herzog, warum er keine andere Wahl hat als Filme zu machen. Die FAZ ermisst den realen Ernst der virtuellen Lage. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

So viel wie ein junges Nashorn

03.02.2010. Wie uralt ist diese Bundesrepublik!, ruft die Welt nach Ansehen einer DVD-Edition mit Kulturfilmen von Bernhard Grzimek. Ebenfalls in der Welt empfiehlt Zafer Sencoak in der aktuellen Islamdebatte einen Blick auf die Türkei. Die FR berichtet vom Fajr Film Festival in Teheran, das von den Juroren boykottiert wird. Auf den Seiten des amerikanischen PEN Clubs schlägt Kwame Anthony Appiah den Autor und Dissidenten Liu Xiaobo für den Friedensnobelpreis vor. Die chinesische Regierung warnt vor dieser Idee. Mehr lesen

Irgendwo in einer fernen Wolke

02.02.2010. Anders als die Kritikophoben gehen die Islamkritiker ein persönliches Risiko ein, meint die NZZ. Nichts ist wohlfeiler als Kritik am Islam, meint dagegen Stefan Weidner im Rheinischen Merkur.  Die FR fühlt sich von der Islamdebatte verstört. Spiegel Online berichtet über die geheimen Verhandlungen zum internationalen Copyright-Abkommen ACTA. In der FAZ sieht der New York Times-Redakteur John Markoff den Ipad auch als ein Statement gegen die sozialen Netze. Mehr lesen

Vermutlich wurde er ermordet, vermutlich in Tokio

01.02.2010. Die Washington Post enthüllt, wie viele CDs man verkaufen muss, um auf Platz 1 der amerikanischen Klassikcharts zu landen. Die Beliebigkeit der Literaturkritik ist nicht nur ökonomischem Druck geschuldet, findet die Jungle World. In der NZZ erzählt Angelika Overath von der Verfertigung eines Schulhausromans in Sankt Moritz. Die Zerstörung in Haiti bestürzt mehrere Feuilletons. Die SZ legt nach im Islam-Streit. Die Berliner Zeitung bekennt in der gleichen Sache ihre Ratlosigkeit. Mehr lesen

Circa anderthalb goddamns pro Seite

30.01.2010. In der Welt polemisiert Ulrike Ackermann gegen einen Staat, der uns aus lauter Liebe lauter Freiheiten nimmt.  Die NZZ erinnert an den brasilianischen Journalisten Euclides da Cunhas, dessen Buch "Krieg im Sertao" von 1902 die Schrecken des 20. Jahrhunderts ankündigte. In der FAZ verteidigt Sonja Margolina das Recht auf Islamkritik. Die FR bringt einen Essay Salman Rushdies über die siebte Tosünde - die Trägheit. In der SZ staunt Joachim Kaiser über Maurizio Pollini, der alles richtig macht. Außerdem wird in einigen Zeitungen noch J.D. Salinger gewürdigt. Mehr lesen

Und am Ende siegt immer diese Traurigkeit

29.01.2010. Im Hinblick auf den kommenden Tory-Sieg in Großbritannien informiert die NZZ schon mal über die angesagten Gummistiefelmarken zum Abschreiten der Landsitze. In der Berliner Zeitung wünscht sich Berlinale-Chef Dieter Kosslick Slow Filmfood. Für die FAZ ist jetzt ganz klar: Netz ändert Hirn. Carta fragt: Wer zahlt eigentlich Hotel und Jahrgangswein, wenn Vattenfall "Führende Medienmacher" zum Plausch einlädt? Die SZ bringt eine Sonderseite zu Ruhr 2010. Mehr lesen

Ein Fünkchen Leben, ein bisschen Idiotie

28.01.2010. Der Freitag polemisiert gegen den "postkolonialen Feminismus", der einen Abbau von Frauenrechten gutheißt, jedenfalls in anderen Kulturen. Das Ipad ist da: Gizmodo gibt Tipps für den Gebrauch. Im Tagesspiegel sieht die Juristin Sibylle Tönnies das Verbot der Burka in öffentlichen Gebäuden als Maßnahme in der Nachfolge des französischen Revolutionsterrors. Die Zeit geht in Dantes Hölle spielen. Mehr lesen

Nur Frankfurt kam mit keinem Wort vor

27.01.2010. Für die Welt ist Andrzej Stasiuk nach Belzec gefahren, wo es kaum noch Spuren des ehemaligen Todeslagers gibt. Im Guardian erklärt Chefredakteur Alan Rusbridger, warum er eine Paywall ablehnt: Seine Zeitung würde Millionen Leser verlieren. In der New Republic plädiert Lawrence Lessig gegen das Google Book Settlement. Alle waren beim Suhrkamp-Empfang in Prenzlauer Berg. Auch Martin Walser. Bei Spiegel Online erklärt Henryk Broder, dass er seine Karriere als Hassprediger aufgeben und jetzt Taliban werden will. Mehr lesen

Mit einem Martini und einem Orden

26.01.2010. Die FR bringt eine Diskussion über den Afghanistan-Einsatz. Die New York Times staunt über die Diskriminierung arbeitender Mütter in Deutschland. Netzpolitik und das 1 & 1-Blog diskutieren geplante Jugendschutzmaßnahmen, die es den Anbietern auferlegen, ausnahmslos jederzeit sämtliche Inhalte zu kontrollieren. Die Welt staunt über Brecht, der einen Kult für Kälte mit einer Abneigung gegen harte Butter in Einklang brachte. In der SZ spricht Jimmy Wales über die Erzeugung von Objektivität in der Wikipedia - dank der englischen Sprache. Die taz-Feministinnen zupfen weiter am Kopftuch. Stephan Grigat fordert in der Presse eine linke Kritik an der islamischen Menschenzurichtung. Mehr lesen

Menschenfreundliche Wortwundverbände

25.01.2010. In der Berliner Zeitung klagt Wolfgang Benz über den "Hass", der ihm entgegenschlug. Im Tagesspiegel erklärt Henryk Broder, warum er es als Kompliment begreift, wenn ihn deutsche Feuilletonisten als "Hassprediger" bezeichnen. Die SZ berichtet über eine Kontroverse um Yannick Haenels Roman "Jan Karski". Die FAZ bringt einen Lobgesang auf den Jungdramatiker Nis-Momme Stockmann.  Und die Welt stellt den Autor Markus Albers vor, der sich künftig selbst verlegt. Mehr lesen

Tempel des digitalen Zeitalters

23.01.2010. Die taz erklärt, warum Feminismus und Islamkritik sich vielleicht doch nicht ausschließen müssen. Die FR fordert nach Lektüre von Seyran Ates neuem Buch mehr Differenzierung bei der Betrachtung des Islam. Die NZZ feiert Conlon Nancarrows hochkomplexe Musik für mechanische Klaviere. In der Welt begrüßen Berliner Suhrkamp-Autoren ihren Verlag im neuen Domizil und geben Überlebenstipps für die Hauptstadt. In der SZ warnt Jaron Lanier vor dem maoistischen Google. In der FAZ erkennt Frank Schirrmacher in Google eine Akademie der Aufklärung. Mehr lesen

Der Drops ist gelutscht

22.01.2010. In der FAZ möchte Necla Kelek gerne wissen, warum Kritik am Islam so gern weggebissen wird, vor allem wenn sie von Muslimen kommt. Die SZ möchte bei allem Verständnis für Ayaan Hirsi Ali an ihrer toleranten Haltung festhalten. Die taz feiert Fritz Langs endlich komplettierten Film "Metropolis".  In der Welt spricht Martin Suter über die so überflüssige wie notwendige Kunst der Molekularküche. In den Blogs gibt es zur Zeit viele interessante Diskussionen über den Kampf der Giganten Google, Microsoft und Apple. Auf der Website des Datenschutzvereins FoeBuD e.V. fordert Gerhart Baum eine Bürgerbewegung für Datenschutz. Mehr lesen

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