Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 09.02.2012, 20.50 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

29.05.2002. In der FAZ wirft Frank Schirrmacher Martin Walser Antisemitismus vor. In der Zeit warnt Bassam Tibi vor dem Absolutheitsanspruch des Islam. Die taz besucht die In-Clubs von Odessa. Die FR misstraut der Allianz zwischen den USA und Russland. In der SZ schreibt Tariq Ali über den Kaschmirkonflikt.Die NZZ erklärt, warum der Papst nicht zurücktreten kann.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.05.2002

Der Bruch! Über alle Bubis-Debatten und Geschichtsgefühl-Reden hatte die FAZ dem Autor Martin Walser die Treue gehalten. Damit ist es vorbei. Frank Schirrmacher erklärt Martin Walser in einem offenen Brief, warum die FAZ den "wie ein Staatsgeheimnis" behandelten neuen Roman Walsers nicht vorabdrucken will, obwohl es Walser gern so hätte. Der Roman, so Schirrmacher, "ist eine Exekution. Eine Abrechnung ... mit Marcel Reich-Ranicki." Es geht darin um einen Mord (der am Ende keiner ist) am fiktiven Kritiker Andre Ehrl-König. Dann geht's zur Sache. Schirrmacher wirft Walser antisemitische Klischees vor, "aber das alles ist nichts gegen den Clou dieses Buches. Mord, Mordkommission, das alles spielt hier immer mit der Erinnerung an den Massenmord der Nazis. Doch der Kritiker ist nicht tot. Seine Frau, die ... unter ihm leidet, weiß es die ganze Zeit. Warum? Sie sagt es, ein Champagnerglas in der Hand: 'Umgebracht zu werden passt doch nicht zu Andre Ehrl-König.' Es ist dieser Satz, der mich vollends sprachlos macht. Er ist Ihnen so wichtig, dass er zweimal in dem Roman vorkommt. Auf dem Hintergrund der Tatsache, daß Marcel Reich-Ranicki der einzige Überlebende seiner Familie ist, halte ich den Satz, der das Getötetwerden oder Überleben zu einer Charaktereigenschaft macht, für ungeheuerlich."


Der Kunstsammler Werner Berggruen erinnert sich in einer seiner kleinen Schnurren aus seiner Jugend vor der Nazizeit, die die FAZ manchmal abdruckt, an den beleibten Kulturhistoriker Egon Friedell: "Mir wurde berichtet, dass er einmal bemerkt haben sollte: 'Wie ich gerade aus den Gazetten erfuhr, sollen die Amerikaner in ihrer Hemmungslosigkeit jetzt sogar schon im Auto Liebe machen, und das nennt man drüben necking-parties.' Und nach einer Weile habe er hinzugefügt: 'Einmalig, diese Amerikaner! Wo's doch schon im Bett so unbequem ist!'"

Weiteres: Heinrich Wefing schildert einen Museumsboom in den USA. Michael Jeismann hat einem Treffen ehemaliger Danziger Bürger aller Nationen in Danzig beigwohnt. In einer Meldung wird die Krise des Buchmarkts beschworen - Umsatzrückgang: 3,9 Prozent (leider bringen die Berliner Seiten nichts über die traurige Lage beim großen Berliner Buchhändler Kiepert, wo heute Betriebsversammlung abgehalten wird, weil die Gehälter nicht mehr ausgezahllt werden können, darum hier ein Link auf die entsprechende Meldung in der Berliner Zeitung.). Siegfried Stadler meldet, dass die Lutherkanzel aus dem Wittenberger Luthermuseum in die Stadtkirche zurückkehren soll. Joseph Hanimann erzählt, wie die Franzosen den 200. Geburtstag ihres Nationaldichters Victor Hugo begingen. Thomas Wagner meldet, dass der Hezilo-Leuchter in Hildesheim restauriert wird. Katja Gelinsky berichtet über einen amerikanischen Verfassungsstreit um den rechtlichen Status von Verbrechensopfern. Gudrun Escher stellt ein vom Büro Auer und Weber und Götz Guggenberger entworfenes neues Hochhaus in Frankfurt-Niederrad vor. Shi Ming schildert ein von der kommunistischen Führung in China entfachtes "Geschichtsfieber", mit dem politische Absichten der Regierung legitimiert werden sollen.

Auf der Medienseite porträtiert Alexander Bartl die für Arte arbeitende Jorunalistin Annette Gerlach. Und Amelie von Heydenbrink resümiert eine Rede des Springer-Chefs Mathias Döpfner, aus der unter anderem hervorgeht, dass den Zeitungen Welt und Berliner Morgenpost allenfalls noch drei Jahre bleiben, falls die "größte Krise der Printmedien seit dem Zweiten Weltkrieg" noch anhält. Auf der Stilseite stellt Oliver Jungen das "Märchenbordell" des Schriftstellers Peter Verhelst in Brügge vor. Außerdem denkt Andreas Rosenfelder über den Berufsstand des Schiedsrichters nach. Auf der letzten Seite schreibt Dietmar Dath zum 50. Jubilkäum der Fischer-Taschenbücher. Andreas Obst erinnert uns an die Existenz des Glamrockers Gary Glitter. Und Dietmar Polaczek erzählt, wie es die italienischen Behörden schafften, den von Mussonini geraubten Obelisken von Axum nicht nach Äthiopien zurückzubringen, obwohl diese Rückführung seit 1947 zugesagt ist.

Besprochen werden ein Auftritt Gidon Kremers mit Bachs Partiten beim Kronberger Kammermusikfest und der Film "The Majestic" mit Jim Carrey.

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Die Zeit, 29.05.2002

Sowohl der politische Teil als auch das Feuilleton befassen sich mit der Antisemitismus-Debatte. Das American Jewish Committee (AJC) hat in Berlin eine Studie über die deutsche Nahost-Berichterstattung vorgelegt, die dem deutschen Diskurs antisemitische Diskurselemente bescheinigt. Klaus Hartung bemängelt, dass die Studie trotz dieses harten Vorwurfes zu unverbindlich und vage bleibe. Der Verdacht werde suggeriert und inflationär gemacht, was leider auch das Richtige der Studie entwerte. Was das AJC als Relativierung der eigenen Vergangenheit wertet, sei oft nur die übermächtige Schablone der Täter-Opfer-Perspektive. Selbstkritik im Journalismus sei wichtig, "aber soll man am Ende die Realität ignorieren, bloß um sich nicht eines Vorurteils verdächtig zu machen?" Die Studie haben wir im Netz leider nicht gefunden, aber immerhin eine Projektbeschreibung des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung.


Im Feuilleton-Aufmacher denkt Jan Ross über "politische Korrektheit" nach und warnt davor, befreiende Tabubrüche mit enthemmenden Entfesselungen zu verwechseln: "Der Erfolg populistischer Bewegungen und ihrer Führergestalten, wie jüngst in den Niederlanden, hat regelmäßig mit dem Aussprechen des scheinbar Unaussprechlichen zu tun, mit der Rebellion gegen echte oder angebliche Meinungskartelle."

Der Syrer Bassam Tibi, Professor für Internationale Politik, sieht ein Problem im vorpluralistischen Absolutheitsanspruch des Islam und warnt vor falsch verstandener westlich-liberaler Toleranz auf christlicher Seite (dazu auch ein Interview im Deutschlandfunk). Damit es zu dem so notwendigen Dialog zwischen Kulturen und Religionen kommen kann, müssen dafür die Voraussetzungen geschaffen werden: kein verklärter Eskapismus, sondern Begriffsklärungen und zensurfreie Konfliktbereitschaft. "Die Geschäftsgrundlage muss die Akzeptanz des religiösen Pluralismus sein, also die Anerkennung der Gleichberechtigung der Religionen."

Und sonst im Feuilleton: Jörg Lau berichtet begeistert von dem neuen Synagogen-Bau in Chemnitz (mehr dazu hier), der Ernst Blochs Definition der Architektur als "Produktionsversuch menschlicher Heimat" aufgreift. Katja Nicodemus liefert einen Rückblick auf die Filmfestspiele von Cannes und deren Semiotik. Volker Hagedorn schreibt über Albrecht Puhlmann, den umstrittenen Chef der Hannoveraner Oper, und sein aufgebrachtes Publikum. Claudia Herstatt erzählt die Erfolgsgeschichte des Berliner Auktionshauses Villa Grisebach. Der CDU-Abgeordnete Norbert Lammert erörtert, wie die Gründung der Kulturstiftung des Bundes (hier zur Homepage) den deutschen Kulturföderalismus in Schwierigkeiten bringt.

Über den Grand Prix der Eurovision, schlagerfertige Balten und Dimensionsverwirrungen im Baltikum sinniert der estnische Schriftsteller Kaur Kender. Und Thomas E. Schmidt überlegt, ob die norwegische Literatur die Monarchie abschaffen kann.

Besprochen werden zwei Londoner TheaterstückeDouglas Maxwells "Helmet" am Londoner Soho Theatre und "The Power Book" am National Theatre, Etienne Chatiliez' Film "Tanguy" und die Austellung "Manifesta" in Frankfurt.

Im Aufmacher des Literaturteils bespricht Evelyn Finger einen Roman über einen irischen Helden im australischen Outback: Peter Careys "Die wahre Geschichte von Ned Kelly und seiner Gang" (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr). Schließlich soll noch auf das Dossier hingewiesen werden, in dem Georg Blume berichtet, wie sich in der chinesischen Justiz zum ersten Mal Widerstand gegen die Todesstrafe regt.

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Die Tageszeitung, 29.05.2002

In der Clubkolumne der taz führt uns DJ Hans Nieswandt nach Odessa. Zu sehen gibt es dort Eisensteins berühmte Treppe, alte Wolgas und jede Menge schöne Menschen: "Sie tragen enge Jeans mit kunstvollen Bleichungsverläufen, in die oft auch noch Gesäßpartien von Röcken und Perlen eingearbeitet sind oder die mit Lederriemchen seitlich zugebunden werden. In ihrer Begleitung sind starke, kleine Männer in geringelten Polohemden, die über den Muskeln spannen." Enttäuschend dagegen der Tanzstil der Ukrainer: "Kaum einer kann hier schmoov schmooven, stelle ich fest: Entweder sie wiegen sich nur so bedächtig hin und her oder sie pogoen direkt wild auf und ab." Kann man nichts machen.


Außerdem freut sich Thomas Girst über Maurizio Cattelans hemmungslosen Bildband "Charley", der 400 hoffnungsvolle Künstler auf ebenso vielen Seiten präsentiert. Michael Nungesser besucht eine Ausstellung in Hannovers Sprengel Museum, die Horst Antes Werk mit dem seiner Zeitgenossen kommunizieren lässt, und Jürgen Berger staunt, dass Stefan Pucher "Heinrich IV." in Zürich als großräumiges Cinemascope-Theater bringt, während das Volk um Kredite fürs Schauspiel gebeten wird.

Schließlich TOM.

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Frankfurter Rundschau, 29.05.2002

In der FR nimmt Karl Grobe Bushs Moskau-Besuch den Nimbus des Historischen und den Geschmack von Friede, Freude, Eierkuchen: "Den Kalten Krieg haben nicht erst Putin und Bush beendet", erklärt er. "Sie wollen vielmehr den anderen Krieg, den gegen den Terrorismus, gemeinsam gewinnen; aber was in Bushs Ohren als clash of civilisations widerhallt, das klingt in denen Putins tschetschenisch." Außerdem sei Russlands Weg nach Westen weiter als es den Anschein hat. "Da hat Bush ein Danaergeschenk hinterlassen, indem er eine Illusion stärkte. Die Illusion nämlich, Westbindung (Stichwort: Nato) bedeute Wohlstand pronto. Kommt dieser nicht, so folgt machtvertikaler Populismus zur Abwehr gerade der einfordernden zivilen Gesellschaft. Putin und seine Mannschaft mag's erfreuen. Bush wird's nicht sehr kümmern. Doch zwischen Russland und dem übrigen Europa bleibt die Kluft."


Reinhart Wustlich stellt uns den australischen Architekten und diesjährigen Pritzker-Preisträger Glenn Murcutt als bescheidenen Exoten vor. "Times mager" hat ein werbetechnisches Pendant zum endlosen Absturz der T-Aktie gefunden, und Jörg Heiser nimmt uns mit auf einen spannenden Streifzug durch den Kosmos der Filmmusiken und ihrer Funktionen.

Besprechungen widmen sich einer Werkschau des Fotografen Gustave Le Gray (hier einige Bilder) in der Pariser Bibliotheque Nationale und Hans Neuenfels' "Don Giovanni"-Inszenierung in Stuttgart.

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Neue Zürcher Zeitung, 29.05.2002

Jan-Heiner Tück erklärt, "warum der Papst nicht zurücktreten" kann: "In der Hinfälligkeit des Papstes bezeugt gerade das Fleisch eine Liebe zur Transzendenz, die bis zum Äußersten geht. In diesem Zeugnis aber liegt die Kraft des Gebrechens, von der schon Paulus gesprochen hat."


Weiteres: Georges Waser resümiert ein Kolloquium der Balzan-Stiftung in London, welches sich dem Verhältnis von Geistes- und Naturwissenschaften widmete. Besprochen werden eine Ausstellung über den Architekten Jacopo Barozzi da Vignola (1507-73) in Vignola, die Ausstellung "Hexenwahn - Ängste der Neuzeit" im Deutschen Historischen Museum, die Berner Tanztage mit dem Hans Hof Ensemble, CDs mit Werken des Komponisten Valentin Silvestrov, die Sinfonien von Giya Kancheli in Gesamtaufnahme und einige Bücher, darunter Hörbücher mit "Faust" und "Peter Pan"-Rezensionen durch Peter Stein und Leander Haussmann und Christian Meiers Buch "Von Athen bis Auschwitz" (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Süddeutsche Zeitung, 29.05.2002

In der SZ wartet der Schriftsteller Tariq Ali ("The Clash of Fundamentalism") mit einer Lösung für den immer bedrohlicher werdenden Kaschmir-Konflikt zwischen Indien und Pakistan auf: "Gefragt ist eine umfassende wirtschaftliche und politische Regelung, zu deren Früchten auch eine gemeinsame Souveränität über Kaschmir gehörte. Eine Südasiatische Union, teilweise nach dem Vorbild der EU und unter Einschluss Indiens, Pakistans, Bangladeschs, Nepals und Sri Lankas, könnte für die Region insgesamt hilfreich sein. Die Gründerstaaten würden ihre Souveränität behalten, aber eine 'weiche Grenze' zwischen ihnen würde Kaschmir eine echte Autonomie gewähren, die auch auf die tamilischen Regionen Sri Lankas ausgedehnt werden könnte. Die Kaschmiri würden ihre Bereitschaft erklären, auf eine eigene Armee und eine eigene Außenpolitik zu verzichten, sofern eine gemeinsame Souveränität innerhalb eines größeren Rahmens möglich wäre."


Anlässlich der heutigen Verleihung des Pritzker-Preises an Glenn Murcutt, gibt es ein Gespräch mit dem australischen Ausnahme-Architekten, der ausschließlich auf seinem Kontinent baut und auch nur ganz, ganz kleine Häuser. Warum gerade er den Preis bekommt, den sonst nur die Global-Player der Branche einheimsen? "Der Preis soll wohl Anerkennung für einen Architekten sein, der sich mit einfachen Dingen befasst, nämlich damit, wie wir unseren Planeten behandeln. Es geht darum, mit der Natur zu arbeiten, statt gegen sie." Preisverdächtig auch Murcutts Idee, Häuser zu bauen, "die nur an zehn Punkten mit dem Boden verbunden sind. Die kann man auseinander schrauben, und dann weiß man nicht mehr, dass dort ein Haus stand".

Ferner erzählt Gottfried Knapp, wie arrivierte britische Künstler sich für den Erhalt regionaler Museen einsetzen. Ulrich Raulff besucht die Londoner Queen's Gallery im Neubau von John Simpson ("eine Orgonkammer zur Aufladung mit dem sex appeal des Klassizismus"). Pia Frankenberg liefert Impressionen von der Filmreihe "After the War, Before the Wall, German Cinema 1945-60", die das Goethe-Institut und Kirch Media in New York veranstalteten. Fritz Göttler annonciert neue Militainment-Projekte des Produzenten Jerry Bruckheimer ("Pearl Harbor"). Nils Röller war auf einer Weimarer Tagung mit dem kryptischen Titel "Passagen des Experiments", wo Wissenschaftsgeschichte und Medienwissenschaft nicht zueinander fanden. Wir lesen von einer Grass-Ausstellung, mit der die Casa di Goethe in Rom ihren fünften Geburtstag begeht, und Volker Breidecker freut sich über die literarische Belebung der Provinz: Das Literatur- und Musikfestival "Wege durch das Land" zieht durch Westfalen.

Besprochen werden Laurent Chetouanes Inszenierung von Heiner Müllers "Philoktet" am Nationaltheater Mannheim, Robert Wilsons Zürcher "Ring", Costa-Gavras' "Stellvertreter"-Verfilmung "Amen", Jeanine Meerapfels Film "Annas Sommer" und "Down", in dem der Regisseur Dick Maas Hochhaustraumata von New York verarbeitet. Bücher werden natürlich auch vorgestellt: Andreas Maiers Roman "Klausen", Manfred Fuhrmanns etwas anderer Kanon "Bildung" sowie ein Buch, das sich für die Finanzen der Kirchen in Deutschland interessiert (auch in unserer Bücherschau um 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

Die Augenbrauen des Holofernes

25.01.2012. Die Welt lernt das Alphabet des Umsturzes. Die Frankfurter Rundschau fürchtet, dass die Berliner High Society nicht mit der Provinz mithalten kann. Die Japaner verlieren ihren Glauben an die Technik, beobachtet die NZZ. Die SZ konstatiert: Leistung lohnt sich nicht, wenn keiner hinsieht. Die FAZ versammelt Beispiele der französischen Liebe zu Amerika. Mehr lesen

Vergegenwärtigungskunst

24.01.2012. In der französischen Huffington Post attackiert Caroline Fourest den tunesischen Präsidenten Moncef Marzouki. Wer sich für Freiheit im Netz einsetzt, arbeitet in Wahrheit dem Kapital in die Hände, findet der Tagesspiegel.  Die Welt begibt sich auf die Suche nach der Kairoer Kunstszene, findet sie aber nicht so recht. Die SZ staunt über Hans Holbeins Schutzmantelmadonna in Schwäbisch Hall. De FAZ bringt eine kleine Hommage auf den Künstler Denis Limonow, der durch eine tollkühne Aktion zwei weißrussische Jugendliche vor der Hinrichtung bewahren will. Mehr lesen

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