Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
21.06.2023. Die FAZ erlebt, wie Hans-Jürgen Syberberg mit seinen "Denimmer Gesängen" eine Kleinstadt aus der Reserve lockt. Sie bewundert auch die Eleganz, mit der Renzo Piano an seinem Museum für moderne Kunst in Istanbul die Sonne und Wellen des Mittelmeers spiegelt. Die taz lernt vom japanischen Fotografen Daido Moriyama die Poesie der Unvollkommenheit. Die Welt verteidigt das Groupietum gegen Rammstein: Ein Groupie ist eine coole Frau. Die SZ feiert den Musiker Jason Isbell als besten Geschichtenerzähler der gegenwärtigen Countrymusik. Außerdem geht die SZ mit der amerikanischen Lyrikerin Ada Limon und der Nasa auf Mondfahrt.
20.06.2023. Salman Rushdie erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. FAZ und SZ feiern die "brillante Wahl" und Rushdie als idealen Preisträger. Nur die FR fragt: Warum erst jetzt? Warum nicht schon 1989? Die taz erlebt im Münchner Haus der Kunst, wie Leyla Yenirce die Ehre jesidischer Frauen wiederherstellt. SZ und Nachtkritik treffen sich bei Matthias Lilienthals Festival "Performing Exiles" in der Pinguin Bar. Die Welt lauscht den dahinfließenden Klängen des gerade sehr gehypten Komponisten Joseph Bologne, Chevalier de Saint-Georges.
19.06.2023. Die FAS lernt in einer Ausstellung des französischen Autors und Fotografen Hervé Guibert, das Leben als Abenteuer zu nehmen. Im Standard würde die Autorin Hélène Alice Bailleul die Armeen von Einfaltspinseln gern ins Nirgendwo der Endlosigkeit schicken. Die Jungle World streift mit Jörg Buttgereit durch die Geisterbahnhöfe des Berliner Undergrounds. Die FAZ verteidigt die bösen Lieder vor den Kurzschlüssen des Feuilleton.
17.06.2023. Im Filmdienst erklärt die Autorin Esther Kinsky, warum sie gern ein Kino eröffnen würde. Unbedingt im Kino erleben sollte man auch die latent magische Welt von Masahiro Shinodas Geisterfilm "Demon Pond" aus dem Jahr 1979, meint die FAZ. Der Freitag lernt von Kim Hyesoon, wie existenziell die Sprache des Gedichts ist. Die nachtkritik beobachtet am Staatstheater Darmstadt, wie Anne Lepper in "Jugend ohne Chor" den Kapitalismus zu überwinden versucht. Welt und Berliner Zeitung ermuntern zum Besuch des neu gestaltenen Hamburger Bahnhofs in Berlin. Die NZZ erscheint heute als Kunstausgabe mit Bildern von Neo Rauch.
16.06.2023. Die taz schwingt die Hüften zum Astro-Nubian Electronic Dance Sound from the Fashaga Underground. Die SZ begutachtet den versprochenen Park auf dem umgebauten Luftschutzbunker in St. Pauli und versichert den Kritikern: Das vermisste Grün muss einfach noch wachsen. Die FAZ bewundert Albrecht Dürer in Berlin. Die FR lernt in der Berliner Ausstellung über CLARA MOSCH, was subversive DDR-Performance-Kunst war. Die SZ freut sich in Düsseldorf über Demis Volpis queer-polyamourös-feministische "Giselle".
15.06.2023. Das Nationale Museum für Altertümer im niederländischen Leiden hat sich mit einer Ausstellung über den Einfluss ägyptischer Kultur auf afroamerikanische Künstler den Zorn ägyptischer Behörden zugezogen, die ihm kulturelle Aneignung vorwerfen. In der FR erzählt Judith Schalansky, wie sie beim Flirt mit der Nachwelt in eine mittlere Schreibkrise geriet. Die FAZ bestaunt die transzendenzoffene Philologie der Frankfurter Poetikvorlesung von Clemens J. Setz. Die NZZ begeistert sich für die betörende Tonmalerei von Giorgio Batistellis Adaption des Pasolini-Films "Teorema" an der Deutschen Oper Berlin.
14.06.2023. Die Feuilletons sind sich uneins, ob Wes Andersons Retro-Manie weiterhin liebenswert ist oder allmählich so langweilig wird wie KI. Nachtkritik und Standard tanzen mit Julien Gosselin in Wien der Auslöschung der Menschheit entgegen. Die FAZ entdeckt im Haus am Lützowplatz eben die kritische Kunst aus Israel, die sie auf der Documenta nicht zu sehen bekam. Und die Welt trauert um Cormac McCarthy, der in Sätzen von gewaltiger Schönheit mit der modernen Welt haderte.
13.06.2023. NZZ und FAZ empören sich über die Schweizer Literaturförderung, die den Autor Alain Claude Sulzer zu seinem Gebrauch des Wortes Zigeuner befragen wollte. Die FAZ erschaudert vor einem Mephisto in Moskau. Der Observer lässt sich von den luxuriösen Textilarbeiten der malawischen Künstlerin Billie Zangewa betören. In der FR fürchtet Franzobel vor allem die Humorlosigkeit künstlicher Intelligenz. Die SZ pustet kräftig in die modischen Begriffswolken, mit denen die Popkritik belanglosen R'n'B so gern umhüllt.
12.06.2023. Die NZZ fragt, warum der Kunstunternehmer Walter Smerling schon wieder öffentliche Gelder ohne Ausschreibung erhalten hat, diesmal für ein Kunstprojekt der Bahn. FAZ und Tagesspiegel lassen sich von Giorgio Battistellis Teorema-Oper an Pasolinis bitter-ernsthafte Selbstbefragung erinnern. Im Standard feiert Klaus Maria Brandauer das Theaterleben. ZeitOnline vertieft sich in die neue Väterliteratur, in der sich die Autoren selbst als Opfer männlicher Härte sehen.
10.06.2023. Der Guardian streift mit Anselm Kiefer durch James Joyce' "Finnegans Wake" und stößt auf psychedelische Monets. Die FAZ sieht Hoffnung für das vom Abriss bedrohte Potsdamer Rechenzentrum: Die deutsche Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Die Theaterkritiker amüsieren sich prächtig auf Yael Ronens "Planet B", wo aktivistische Hühner und sexpositive Influencer-Füchse dem Artensterben trotzen. Die Welt fürchtet, dass Wes Anderson von KI-Klonen zu Tode umarmt wird. Im VAN-Gespräch enthüllt der Musikwissenschaftler Maarten Norduin: Beethovens Spätwerk wird zu langsam gespielt.