Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 09.02.2012, 20.50 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

17.01.2007. Spiegel Online fühlt sich durch die Berliner Biermann-Posse an beste Politbüro-Zeiten erinnert. Im Tagesspiegel spricht Ilija Trojanow über Kräfte der Fanatisierung, die das Kopftuch ablehnen. Die NZZ kann Dani Levys Film "Mein Führer" durchaus Erkenntnisse abgewinnen. Die FR sinniert aus Anlass von Muhammed Alis 65. Geburtstag über Boxen und HipHop. Die SZ staunt auf der Kölner Möbelmesse über Möbel, die versuchen, gesund auszusehen und andere Gründe, unsere Zimmer zu verlassen.

Spiegel Online, 17.01.2007

Reinhard Mohr kommentiert den glücklichen Ausgang der Berliner Dramen um Wolf Biermann: "Nichts, was derzeit auf den Theaterbühnen Berlins gespielt wird, schon gar nicht Christoph Schlingensiefs Talkshow-Performance 'Die Piloten', kam an diese Realsatire heran, an eine historische Groteske, die an beste Politbüro-Zeiten erinnerte. Es wurde gelogen und geheuchelt, dass sich die roten Balken bogen. Die Farce um Wolf Biermanns Ehrenbürgerschaft war so peinlich und geschichtslos, dass man am liebsten die Mauer wieder hochziehen würde. 'Und merkt nicht, dass eure Vernunft aus den Hirnen der Zwerge / Aus den Schwänzen der Ratten / Aus den Ritzen der Kriechtiere entliehen ist', schrieb Biermann einst und meinte seine alten Genossen in der DDR. Viele von ihnen, so wissen wir längst, sind immer noch da und beschimpfen den Rechtsstaat, den sie frechfeige bis zur letzten Instanz nutzen, um ihre Stasirenten einzuklagen."

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Berliner Zeitung, 17.01.2007

Jan Thomsen ist nach den Wirren um Biermann noch ganz mitgenommen von den Niedrigkeiten der Berliner Politik: "Der Stil der CDU, dem sich Grüne und FDP billig anschlossen, war übel, aber erfolgreich."

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Frankfurter Rundschau, 17.01.2007

Muhammad Ali wird 65, und die FR widmet ihm gleich zwei Texte. Im Feuilleton untersucht Claus Lochbihler den Zusammenhang zwischen HipHop und Boxen und erklärt, warum Ali der erste Rapper war. "Gleichwertig ist das Verhältnis Boxen zu HipHop dennoch nicht, denn im Grunde hat HipHop - als Boxkampf mit Worten, als Ausweg aus dem Ghetto, als frauenfeindliches Männlichkeitsghetto, als eine der wenigen Chancen für Schwarze, ein weißes Massenpublikum zu erreichen - das reale Boxen abgelöst. Darum sind beide sich auch so ähnlich - strukturell, soziodemografisch, ideologisch. Sogar die Abgründe sind gemeinsame." Auf den Hintergrundseiten ist außerdem eine Hommage von Christoph Albrecht-Heider an den Boxer zu lesen.


Weiteres: Daniel Bartetzko erläutert am zum Haus am Dom umgebauten ehemaligen Hauptzollamt von 1927 das "irrationale" Verhältnis der Frankfurter zu ihrer Altstadt. Und in Times mager räsoniert Hans-Jürgen Linke über unnütz gewordene Mars-Sonden und wiedergefundene Euroschecks.

Besprochen werden Clint Eastwoods Film "Flags of our Fathers", der "dem Denkmalfilm neue Formen" eröffne und Bücher, darunter zwei Studien über junge Muslime in Deutschland mit den Titeln "Zwischen Pop und Dschihad" und "Zwischen Ramadan und Reeperbahn" sowie ein Buch über den Strafvollzug im NS-Staat (mehr dazu in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Die Tageszeitung, 17.01.2007

Ines Kappert kommentiert das Kasperletheater in der bayrischen CSU und stellt fest: "Die so blutselige wie feudalistische Rhetorik im Parteistreit markiert nichts anderes als Ersatzhandlungen, die sich als nötig erweisen, wo Aktionen gegen die Führungsspitze nicht opportun oder verfassungsmäßig abgesichert sind. Ihr Vorteil: Sie inszenieren eine Lebendigkeit, eine Beweglichkeit, ein Parteileben sozusagen, wo doch nur trübe Parteiroutine regiert. Die Herren also machen sich keiner Entgleisung schuldig, sondern leisten brav PR-Arbeit."


Weiteres: Alexander Cammann resümiert eine Podiumsdiskussion im Deutschen Historischen Museum in Berlin zum Thema Öffnung der Stasiakten. Besprochen werden Clint Eastwoods Film "Flags of Our Fathers" (den Tom Holert für eine "erstaunliche Untersuchung über öffentliche Bilderproduktion, die Sinnlosigkeit moderner Kriege, die Notwendigkeit der historischen Erinnerung, die Moral der Propaganda und die damals noch junge Celebrity-Ökonomie" hält) und eine Werkschau des Fotografen Timm Rautert im Museum der bildenden Künste Leipzig.

Auf der Meinungsseite poltert Noam Chomsky im Interview mit Peter Kripgans gegen die Außen- und Kriegspolitik der Regierung Bush.

Und hier Tom.

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Neue Zürcher Zeitung, 17.01.2007

Auch Alexandra Stäheli schwärmt nicht von Dani Levys Film "Mein Führer", und doch hat sie aus den Schauspielunterrichtszenen des Films einiges mitgenommen - nämlich dass es dem Film hier gelinge, "genau jene Problematik explizit zu verhandeln (und ironisch zu kommentieren), die bei Erscheinen von Oliver Hirschbiegels 'Der Untergang' vor zwei Jahren für Diskussionen gesorgt hatte: die Frage nämlich, ob sich ein Schauspieler überhaupt in so etwas Unergründliches wie die Psyche eines Monsters einfühlen kann, darf, soll - um sie dann den Zuschauern über den Kino-Effekt empathischer Identifikation letztlich verstehbar zu machen."


Besprochen werden außerdem Calixto Bieitos Inszenierung von Janaceks "Jenufa" in Stuttgart und Michael Stauffers Lyrikband "Normal".

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Der Tagesspiegel, 17.01.2007

Im Interview mit Andreas Schäfer spricht "Weltensammler" Ilija Trojanow über das tiefere Wesen von Multikulturalismus: "Was wir als Tradition bezeichnen, ist eine vergessene Hybridisierung. Wir vergessen auch oft, dass die Leute, die uns kanonisch erscheinen, nicht aus dem Zentrum kamen, sondern von den Randgebieten. Kafka, Celan, Canetti. Doch in bestimmen Momenten wird das Selbstverständliche zum Problem, weil eine bestimmte politische oder religiöse Ideologie das zuspitzt. Es gibt Kräfte der Fanatisierung, die diese Vielheit angreifen, weil sie ihre Kontrolle gefährdet. Wenn jemand heute hysterisch reagiert, weil eine Frau ein Kopftuch trägt, muss man fragen: Was bedroht das Kopftuch eigentlich? Inwieweit ist die Reaktion der Provokation angemessen?"

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Süddeutsche Zeitung, 17.01.2007

Gerhard Matzig besuchte die Kölner Möbelmesse und fand Erstaunliches, etwa Möbel, die sich "Mühe geben, gesund auszusehen" und Matratzen, die sich die Schlafposition des Schläfers merken können. Sein Resümee: "Pascal hatte schon recht: Das Unglück der Welt rührt daher, dass wir nicht still in unseren Zimmern bleiben. Einige Gründe, warum wir dort nicht bleiben, sind derzeit in Köln zu besichtigen."


Weiteres: Holger Liebs berichtet über den internationalen Expansionsdrang der Museen, dem neben dem Louvre auch das Centre Pompidou anheimfällt, das Dependancen in Metz und Shanghai plant, und mit dem Guggenheim für einen neuen, von Norman Foster entworfenen Kulturdistrikt in Hong Kong kooperiert: "An der Politik des Pompidou ist jedoch nichts Ehrenrühriges, wie dieselben Kritiker argwöhnen, die auch dem Louvre Ausverkauf und Kommerzialisierung vorwerfen. Von seinen 58 000 Stücken im Depot stellt das Centre, in halbjährlichem Wechsel, gerade mal 0,5 Prozent aus.

Susan Vahabzadeh kommentiert die Verleihung des Hauptpreises bei den Golden Globes an den Film "Babel" des Mexikaners Alejandro Gonzalez Inarritu. Dirk Peitz reist durchs "Nirgendwo der Popmusik". Stefan Koldehoff fragt sich, was nach dem Tod von Rudolf August Oetker nun mit seiner Kunstsammlung geschehen wird. Karl Forster gratuliert Eartha Kitt zum 80. Geburtstag.

Die Schallplattenseite ist heute Dietrich Buxtehude gewidmet. Reinhard J. Brembeck protokolliert die Meinung des Dirigenten Ton Koopmann über den "Revolutionär und Geschäftsmann". Hermann Unterstöger beschreibt das Vergnügen, Kantaten von Buxtehude zu singen. Helmut Mauro stellt Einspielungen vor, die den "Stylus Phantasticus" des Komponisten belegen. Vorgestellt werden außerdem der Vokalzyklus "Membra Jesu Nostri" und das Oratorium "Wachet!"

Besprochen werden Clint Eastwoods als "grimmig" apostrophierter Kriegsfilm "Flags of our Fathers" und Bücher, darunter eine Betrachtung über "Die Frau von 50 Jahren" der Journalistin Petra Gerster und Hjalmar Söderbergs Roman "Verirrungen" (siehe dazu unsere Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Die Welt, 17.01.2007

Michael Pilz schwärmt von der neuen Platte der Berliner Band Contriva, die klingt wie der Prenzlauer Berg vor dem Mauerfall: "Wenn Berlin-Brandenburg eine Art Countrystil besäße, seine eigene Überlandmusik, sie müsste wie Contriva klingen. Analoger Folk, der auf die Club- und Rockmusik zurückschaut und dabei zur Stille und zum Stillstand neigt. Preußischer Soul, spartanisch, spröde, skizzenhaft. Wer so eine Musik herstellt, erinnert an vergessene Lebenstechniken. Genügsamkeit, Distanz und Schweigen."


Weiteres: Auf der Kölner Modemesse hat Christiane Hoffmann einen neuen Trend ausgemacht: die geordnete Lebensführung: "Es scheint, als begleiteten die Designer den Wirtschaftsaufschwung mit Möbeln, die Müßiggang geradezu verbieten: Kantig, fest und klar definiert sind sie jetzt." Berthold Seewald erkennt in Edmund Stoiber einen Wiedergänger des Grafen Montgelas, der ebenfalls Bayern reformierte und darüber stürzte. Uwe Schmitt fragt sich angesichts zahlreicher müder Altherrenwitze, was die Vergabe der Golden Globes eigentlich zu einem bedeutendes Ereignis gemacht hat. Johanna Schmeller hat einen verwirrenden Abend mit Christoph Schlingensief verbracht. Hendrik Werner hält nicht viel von dem Plan, die Straßen der deutschen Monopoly-Ausgabe umzubenennen. Lothar Schmidt-Mühlisch schreibt zum Tod der Schauspielerin Gisela Uhlen. Und Ulrich Weinzierl hat sich einen "Rigoletto" in Graz angesehen.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.01.2007

Heute beginnt in Braunschweig der Prozess gegen VW-Manager Peter Hartz. Jürgen Kaube ruft laut nach einem Karl Marx oder Balzac, der einen Romanzyklus über die Affäre schreibt. Als Titel schlägt er vor "Im Paradies der Nutten" oder "Glanz und Elend des Geschlechtsverkehrs auf Firmenkosten". In der Glosse macht uns Jordan Mejias mit Einzelheiten aus "If I Did It", O. J. Simpsons "fiktivem" Bericht über den Mord an seiner Frau bekannt. Dieter Bartetzko schreibt zum Achtzigsten der Sängerin Eartha Kitt. Andreas Kilb schreibt zum Tod der Schauspielerin Gisela Uhlen. Gina Thomas schreibt zum Tod des Unternehmers und Kunstmäzens Rudolf August Oetker und zum Tod des holländischen Galeristen Robert Noortman. Gemeldet wird, dass Martin Scorsese den Golden Globe als bester Regisseur für "Departed" erhalten hat. Alle Preise hier.


Auf der Medienseite informiert uns eine Meldung, dass der Chefredakteur der marokkanischen Wochenzeitung Nichane und eine Autorin zu "drei Jahren Gefängnis mit Bewährung und zu einer Geldstrafe von mehr als siebentausend Euro" verurteilt wurden, weil sie in einem Artikel Witze über den Islam gerissen hatten. Außerdem ist die Wochenzeitung für zwei Monate verboten worden. Auf der letzten Seite schickt Jürg Altwegg ein steinerweichendes, kurzes Porträt von Andre Gorz, geboren 1924, Sozialtheoretiker und Journalist, der gerade seine Frau Dorine - "Du wirst 82, du bist um sechs Zentimeter geschrumpft, du wiegst nur noch 45 Kilo, und du bist immer noch schön und begehrenswert." - in einem Buch verewigt hat. Regina Mönch war in Berlin bei "einer Podiumsdiskussion über die Staatssicherheit, ihre Opfer und die Sieger der Geschichte", die von den Medien kaum beachtet wurde, obwohl der Saal wegen Überfüllung geschlossen werden musste. Und Klaus Ungerer frönt seiner Fußballbegeisterung beim Spiel der Ehrenfelder Erdferkel, Hannover Hangovers oder des FC Killerschnecken auf der Website managerzone.com.

Besprochen werden Clint Eastwoods Film "Flags of Our Fathers", Gore Vidals bisher nur auf Englisch erschienene Erinnerungen "Point to Point Navigation", Calixto Bieitos Inszenierung von Janaceks "Jenufa" in Stuttgart ("Wieder ist es Bieito gelungen, sein Ensemble zu selbstentäußernder Intensität zu bringen", schreibt Gerhard R. Koch) und ein Gastspiel der Merce Cunningham Dance Company in Leverkusen und Heilbronn.

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

Die Augenbrauen des Holofernes

25.01.2012. Die Welt lernt das Alphabet des Umsturzes. Die Frankfurter Rundschau fürchtet, dass die Berliner High Society nicht mit der Provinz mithalten kann. Die Japaner verlieren ihren Glauben an die Technik, beobachtet die NZZ. Die SZ konstatiert: Leistung lohnt sich nicht, wenn keiner hinsieht. Die FAZ versammelt Beispiele der französischen Liebe zu Amerika. Mehr lesen

Vergegenwärtigungskunst

24.01.2012. In der französischen Huffington Post attackiert Caroline Fourest den tunesischen Präsidenten Moncef Marzouki. Wer sich für Freiheit im Netz einsetzt, arbeitet in Wahrheit dem Kapital in die Hände, findet der Tagesspiegel.  Die Welt begibt sich auf die Suche nach der Kairoer Kunstszene, findet sie aber nicht so recht. Die SZ staunt über Hans Holbeins Schutzmantelmadonna in Schwäbisch Hall. De FAZ bringt eine kleine Hommage auf den Künstler Denis Limonow, der durch eine tollkühne Aktion zwei weißrussische Jugendliche vor der Hinrichtung bewahren will. Mehr lesen

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