Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Martina Rellin: Klar bin ich eine Ost-Frau!

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- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
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- Olaf Sundermeyer und der Perlentaucher: Richtigstellungen
- Die Perlentaucher-Affäre und das System Schirrmacher
- Der sogenannte neue Übersetzerstreit
- Die Zeitungen und die Freien
- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
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- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
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- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
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- Der biedere Untergang
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- Das Ende der Berliner Seiten
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- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
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- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
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- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
18.11.2005. Die taz beleuchtet die klassische Prosa Osama bin Ladens. Die Welt untersucht neueste Tendenzen der Begräbniskultur. Die NZZ (und die FAZ) kritisieren die französische Schulen als frontalpädagogische Paukanstalten. Die FAZ stellt die chauvinistischen Thriller des türkischen Autors Burak Turna vor. Im Tagesspiegel setzt Georg Klein Hoffnungen auf das zivilisatorische Potenzial des Fußballs.
Die Tageszeitung | Die Welt | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Frankfurter Rundschau | Der Tagesspiegel | Süddeutsche Zeitung
Die Tageszeitung, 18.11.2005
Der US-amerikanische Professor Bruce Lawrence hat ein Buch mit Texten von Osama bin Laden herausgegeben. Peter Böhm erfährt von ihm im Interview, dass Bin Ladens Botschaften in der arabischen Welt vor allem auf Kassetten zirkulieren und sehr elegant formuliert sind. "Wenn Sie zum ersten Mal die Prosa von Osama bin Laden lesen oder ihn sprechen hören, werden Sie erstaunt sein, wie gut er seine Gedanken formuliert. Er benutzt keinerlei Umgangssprache, keinerlei Neologismen. Er spricht so, als sei er jemand, der im 7. Jahrhundert lebt und den Propheten Mohammed verehrt."
Weiteres: Christian Broecking unterhält sich mit dem New Yorker Jazzmusiker und Dichter Gil Scott-Heron, der über Jazz Poetry als Vorläufer des Rap aufklärt und über die heutige Dominanz von ABAB- AB-Reimen klagt. Jony Eisenberg bezeichnet die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, dass Manfred Stolpe nun nicht mehr als Stasi-Mitarbeiter bezeichnet werden darf, in der zweiten taz als "schwarzen Tag" für die Pressefreiheit. Die Ausschreitungen im Sükrü-Saracoglu-Stadion nach dem WM-Qualifikationsspiel der Türkei gegen die Schweiz sind kein rein türkisches Problem, meint Arno Frank. Chefredakteur Stefan Aust hat die Querelen um die politische Ausrichtung des Spiegels nicht nur unbeschadet, sondern gestärkt überstanden, meldet Oliver Gehrs auf der Medienseite.
Besprochen werden Alben von jüngeren Bands wie My Morning Jacket, Rogue Wave und Wolf Parade sowie Andrej Zholdaks fast fünfstündige Inszenierung von "Medea in der Stadt" an der Berliner Volksbühne.
Schließlich Tom.
Die Tageszeitung | Die Welt | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Frankfurter Rundschau | Der Tagesspiegel | Süddeutsche Zeitung
Die Welt, 18.11.2005
Annabel Dillig untersucht im Aufmacher neueste Tendenzen der Begräbniskultur: "Um Individualität zu beweisen, muss es nicht gleich die zum Urnentransport verdonnerte Weltraumkapsel sein. Aber Friedwälder zum Beispiel: Eine Mischung aus Natursehnsucht, dem Wunsch nach Anonymität und Individualität führt dazu, dass viele - naturgemäß vorwiegend Agnostiker und Menschen aus dem Norden und Osten des Landes - in einer Urne unter einem Baum bestattet werden möchten. Die Internet-Präsenz bringt den Veranstaltern der Friedwald GmbH Interessenten aus dem gesamten Bundesgebiet. In nur vier Jahren sind zehn dieser Wälder aus dem Boden gewachsen. Rund 800 Euro kostet die letzte Ruhestätte im Grünen, eine Garantie gegen Blitzschlag gibt's gratis dazu."
Weitere Artikel: Gernot Facius unterhält sich mit Hans Joachim Meyer vom Zentralkomitee der Katholiken in Deutschland über Sterbehilfe, Multikulti, Leitkultur. Wieland Freund schreibt zum Tod des Kinderbuchautors Hans-Georg Noack. Manfred Quiring hat eine Tagung über Raubkunst in Moskau verfolgt, in der sich keine Veränderung der russischen Position abzeichnete. Berthold Seewald beklagt die Ausplünderung archäologischer Stätten im Irak und fordert eine Aufhebung des Antiken-Handels. Und Andrea Seibel verfolgte eine Konferenz über Megastädte in London.
Die Tageszeitung | Die Welt | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Frankfurter Rundschau | Der Tagesspiegel | Süddeutsche Zeitung
Neue Zürcher Zeitung, 18.11.2005
In Frankreich diskutiert man darüber, wie das französische Bildungssystem so verbessert werden kann, dass tatsächlich Chancengleichheit zwischen den Pariser Schülern und denen aus den Vorstädten entsteht. Jürgen Ritte sieht da wenig Hoffnung: Man müsste "gewaltige, geradezu utopische Investitionen" in den Schulen der Vorstädte tätigen. Zweifelhaft sei, ob das überhaupt helfen würde. "... denn 'Pädagogik' und 'Didaktik' sind Begriffe, die republikanisch-jakobinischen Hardlinern in Frankreich (sie sind in der Mehrheit), links wie rechts, geradezu als Schimpfwörter gelten. Sie sehen die Schule zuerst als frontalpädagogische Paukanstalt. Die meisten Lehrer werden mit spärlichstem didaktischem Werkzeug in die Schulen entlassen. Die jüngsten, die im Juni noch, im Wettbewerb ums Lehramt, ihre Kenntnisse über den mittelhochdeutschen Wigoleis unter Beweis stellen mussten, stehen im September vor einer Klasse in Clichy-sous-Bois, die niemand mit den Geheimnissen des französischen Konjunktivs vertraut gemacht hat."
Weiteres: Hubertus Adam berichtet über den Prozess gegen die Kuratorin des Getty-Museums Marion True in Rom, die 42 antike, aus Raubgrabungen stammende Objekte erworben haben soll. Klaus Englert stellt die neue Kunstakademie München von Coop Himmelb(l)au vor. Und Roman Bucheli schreibt zum Tod des Autors Werner Schmidli. Besprochen wird eine Ausstellung zu Leonore Mau und Hubert Fichte im Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen.
Auf der Filmseite resümiert Heinz Kersten das 15. Festival des osteuropäischen Films in Cottbus. Besprochen werden Hans-Ulrich Schlumpfs Film "Ultima Thule" und "Ouaga Saga", ein Film von Dani Kouyate über Jugendliche aus dem Quartier Bo-Bo in Ouagadougou.
Auf der Medien- und Informatikseite berichtet set. über den Kampf der Musikindustrie gegen die Tauschbörsen im Internet. Viel Zeit und Energie wird darauf verwendet, statt sich dem eigentlichen Problem zu widmen: "Die Musikindustrie muss sich den Vorwurf gefallen lassen, den technologischen Wandel verschlafen zu haben. Lange war die Anheuerung von Anwälten die einzige Antwort auf das Problem. Die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle für das Online-Zeitalter überließ man der Computerindustrie; heute dominieren Firmen wie Apple, Microsoft oder Amazon das Geschäft."
Weitere Artikel: Irena Ristic berichtet über die geplante Neugründung einer Tageszeitung in Österreich durch die Brüder Fellner. Zit. berichtet, wie die französischen Qualitätsblätter optisch und inhaltlich ihren Auftritt auffrischen, um wieder mehr Leser zu gewinnen. Flü. meldet das Erscheinen der dritten Boulevardzeitung in Polen: Nowy Dzien (Neuer Tag) gehört dem Verlag Agora, der auch die Gazeta Wyborcza herausbringt und soll Fakt, dem Boulevardblatt von Springer Konkurrenz machen.
Die Tageszeitung | Die Welt | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Frankfurter Rundschau | Der Tagesspiegel | Süddeutsche Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.11.2005
Joseph Croitoru stellt den chauvinistischen Thriller "Der Dritte Weltkrieg" des jungen Autors Burak Turna vor, der in der Türkei zur Zeit massenhaften Absatz findet. Der Roman spielt in naher Zukunft. Europa wird darin am Ende von einer russisch-türkischen Allianz erobert. Und vorher geht es so zu: "Die multikulturellen Gesellschaften des Westens brechen zusammen, die europäischen Demokratien kapitulieren eine nach der anderen vor den Faschisten, die in Deutschland und Frankreich an die Macht gelangt sind. Organisierte Banden terrorisieren mit staatlicher Rückendeckung die europäischen Muslime, es herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände. Dann folgt die endgültige Ablehnung eines EU-Beitritts der Türkei, die aufgrund ihres islamischen Charakters als Bedrohung für das christlich-rassistische Europa empfunden wird." Auch das vorige Buch "Metallsturm" war schon ein großer Erfolg in der Türkei: Dort zündet ein türkischer Agent eine Atombombe in den USA.
Weitere Artikel: Im Aufmacher beklagt die 16-jährige Schülerin Theresa Knoblauch, die ein Jahr in Frankreich verbringt, den autoritären und verschulten Charakter des französischen Schulsystems. Jordan Mejias begrüßt den National Book Award für Joan Didions autobiografisches Buch "The Year of Magical Thinking". Karol Sauerland erklärt die Hintergründe einer Äußerung des neuen polnischen Präsidenten Lech Kaczynski zu Thomas Mann - ein Literatenstreit um Manns Figuren Settembrini und Naphta gehörte zum Wetterleuchten vor der Solidarnosc-Bewegung. Und Paul Ingendaay stellt die spanische Band Marlango vor, die durch englische Texte auffällt.
Auf der Medienseite berichtet Robert von Lucius über anhaltende Verstimmung zwischen Dänemark und der Türkei, die nach wie vor gegen die jüngste Veröffentlichung von Karikaturen Mohammeds in der Jyllands-Posten diplomatischen Protest einlegt. Frank Pergande beleuchtet die Zeitungslandschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Christopher Stolzenberg kommentiert den Kompromiss zur Icann beim Informationsgipfel in Tunis. Alfons Kaiser stellt das neue Modemagazin Heckmag vor. Und Michael Hanfeld berichtet von einer Diskussion im Spiegel über die Äußerungen der Augstein-Tochter (und ehemaligen FAZ-Kollegin) Franziska Augstein. Außerdem erfahren wir, dass der Spiegel das Monopol-Magazin nun doch nicht kaufen wird.
Auf der letzten Seite schreibt Jenny Hoch über den Trend zum selbstgestalteten Turnschuh, den man auf den Internetseiten von Nike und Puma realisieren kann. Dirk Schümer kommentiert Äußerungen des italienischen Philosophen Toni Negri zur französischen Jugendrevolte. Und Daniel Veith porträtiert den Unternehmer Klaus Nixdorf, der mit einem Ideen-Express zunächst Brasilien, dann ganz Amerika und schließlich den Rest der Welt voranbringen will.
Besprochen werden die große Ausstellung über die Melancholie in der Kunst in Paris, Fow Pyng Hus Film "Paradise Girls", ein Konzert des Philharmonia Orchestras unter Esa-Pekka Salonen mit Mahlers Siebter in Frankfurt, Konzerte bei den Tagen Alter Musik in Herne, das Stück "Medea in der Stadt" des ukrainischen Dramatikers Andrij Zholdak an der Berliner Volksbühne und Sachbücher, darunter Wolfgang Sofskys neues Buch "Das Prinzip Sicherheit".
Die Tageszeitung | Die Welt | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Frankfurter Rundschau | Der Tagesspiegel | Süddeutsche Zeitung
Frankfurter Rundschau, 18.11.2005
Michael Helbing schildert erste Eindrücke von dem von der Bundeszentrale für politische Bildung ausgerichtete Festival "Politik im freien Theater" in Berlin, wo noch bis Sonntag Kritik an Politik und Theater geübt wird. Hans-Jürgen Linke heißt in einer Times-mager-Kolumne endlich auch die niedergelassenen Fachärzte und Privatpatienten im Kreis der Gesundheitsreform-Verlierer willkommen. Christine Preis gratuliert dem Soziologen Zygmunt Bauman zum achtzigsten Geburtstag.
Auf der Medienseite serviert Markus Brauck genussvoll einige Häppchen von der recht lebendigen Redaktionssitzung beim Spiegel, die einen brüllenden Matthias Matussek, einen reuigen Thomas Darnstädt und einen gestärkten Stefan Aust zeitigte. "Drei Dinge scheinen festzustehen am Ende dieses Machtkampfes beim Spiegel. Erstens: Stefan Aust sitzt fester im Sattel als zuvor. Zweitens: Seine Widersacher können alle Hoffnungen begraben. Drittens: Ein glanzvoller Sieg war das nicht. 'Aust hat eine Lappalie eskalieren lassen, um Darnstädt loszuwerden', sagt ein Redakteur."
Die einzige Besprechung widmet sich der Uraufführung des Theaterprojekts "Märchen: Naive Fragen - Komplexe Antworten" von norton.commander.productions im Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm.
Die Tageszeitung | Die Welt | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Frankfurter Rundschau | Der Tagesspiegel | Süddeutsche Zeitung
Der Tagesspiegel, 18.11.2005
Als Vater zweier Vereinsfussballer setzt der Schriftsteller Georg Klein den Ausschreitungen im WM-Qualifikationsspiel der Schweiz gegen die Türkei weiterhin auf die zivilisierende Wirkung des Fußballs. "Als Vater eines vierzehnjährigen und eines elfjährigen Vereinsfußballers habe ich in den letzten Jahren auf bundesdeutschen Sportanlagen einiges gesehen: geschickt verdeckte Ellenbogenstöße, Anspucken mitten ins Gesicht, selbst gezielte Tritte in den Unterleib des am Boden liegenden Gegenspielers. Auch dem Ohr wird regelmäßig Übles geboten: sexuelle Beschimpfungen niederträchtigster Art, die Androhung von Prügel und rassistisches Sprachgut, mit dem sich bereits die Bevölkerung des Nachbardorfes zu einer minderwertigen Ethnie erklären lässt. (...) Aber wenn das Rohe und Bösartige ausbleibt, wenn der Dämon dem Ritual der Regel gehorcht, beweist gerade der Fußball, wie viel Zivilisation am ewig kampflustigen Mann zu leisten in der Lage ist."
Die Tageszeitung | Die Welt | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Frankfurter Rundschau | Der Tagesspiegel | Süddeutsche Zeitung
Süddeutsche Zeitung, 18.11.2005
Captain America, Spider-Man, X-Men und Daredevil: An seinen Superhelden lässt sich recht genau die US-amerikanische Befindlichkeit ablesen, erfährt Titus Arnu aus einer Studie. "Captain America hat zwar neue Feinde gefunden, gegen die er mit Superkräften kämpft. Aber er ist sich nicht mehr so sicher, ob sein Kampf moralisch noch einwandfrei ist - und wofür er überhaupt antritt."
Weiteres: Die Haltung zur europäischen Verfassung teilt die sozialistische Partei Frankreichs immer noch mittenmang, informiert Clemens Pornschlegel vor dem heutigen Parteitag. Mittlerweile denken einige Verfassungsgegner schon an eine Abspaltung a la Linkspartei. Kai Strittmatter versteht die Gewalt im Länderspiel Schweiz-Türkei als Folge des übertriebenen türkischen Nationalstolzes. Im Gespräch mit Diego Manrique raunt Madonna etwas von auf ihrem Album "Confessions On A Dancefloor" befindlichen Nachrichten: "Die Botschaften werden sich Schritt für Schritt von selbst zeigen." Detlef Esslinger schildert die Dreharbeiten des indischen Films "Humraah" in Heppenheim und weiß jetzt, warum indische Regisseure gerne in der Fußgängerzone vor dem Tchibo-Laden drehen. "Je mehr Deutsche, umso exotischer die Szenen." Jürgen Berger befragt Regisseur Jossi Wiehler zu seiner Inszenierung des Kabuki-Klassikers "Yotsuya Ghost Story" in Tokio und seiner Version von Euripides' "Die Bakchen", die ab Samstag an den Münchner Kammerspielen zu sehen sind. Die scheidende Kulturstaatsministerin Christina Weiss hat sich von den Berliner Feuilletonisten mit einer kleinen Bürofeier und viel "tintigem" Rotwein verabschiedet, kolportiert Gustav Seibt.
Heute wird im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt die Ausstellung "Gebaute Träume und Sehnsüchte" zum nicht unumstrittenen Werk Friedensreich Hundertwassers eröffnet. Auf einer eigenen Seite sucht die SZ-Redaktion in kurzen Vignetten nach den Hundertwassern anderer Sparten.
Auf der Literaturseite lässt sich Katharina Deloglu vom spanischen Schriftsteller Rafael Chirbes anlässlich des 30. Todestags von Franco erläutern, dass die Literatur gar nicht anders kann, als "von den Idealen der Menschen zu erzählen". Im Interview mit Hans-Jürgen Jakobs und Claudia Tieschky erzählt der ehemalige ORF-Intendant Gerd Bacher auf der Medienseite über die Talenteschmiede ORF, Leo Kirch und rechte Intellektualität.
Besprochen werden Kristina Konrads Dokumentarfilm "Unser America" über die sandinistische Vergangenheit Nicaraguas, die Ausstellung "Pasolini und der Tod" in der Münchner Pinakothek der Moderne, und Bücher, darunter der als "Unglaubensgespräche" titulierte Briefwechsel von Hermann Kurzke und Jacques Wirion, die "wunderbaren Erinnerungen des ehemaligen Fischer-Lektors J. Hellmut Freund "Vor dem Zitronenbaum" sowie Björn Kuhligks Urban- und Ruralpoesie "Großes Kino" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Notschrei eines blutjungen Originalgenies
09.02.2010. Das Wall Street Journal attackiert das "German Cultural Appeasement". Das Chinese Law Prof Blog bringt Liu Xiaobos Rede vor dem Gericht, das ihn zu elf Jahren verurteilte: eine Weigerung zu hassen. Die FR bejubelt das Comeback des Gil Scott-Heron. Die FAZ bringt: Hegemann - Hermeneutik und Kritik. Die NZZ bilanziert die Auswirkungen des Erdbebens auf die Kulturlandschaft Haitis. Und die Welt fragt: Was machen Niall Ferguson und Ayaan Hirsi Ali denn da? Schmusen die? Mehr lesen
Härteste Türpolitik
08.02.2010. Das Blog Gefühlskonserve hat herausgefunden, dass Helene Hegemanns Roman "Axolotl" ein bisschen arg von dem Untergrundroman "Strobo" des Bloggers Airen inspiriert ist. Große Aufregung! Vielleicht lernen die aus dem Internet jetzt auch, was Urheberrecht ist, hofft die FAZ. In der FR beschreibt der italienische Staatsanwalt Roberto Scarpinato, wie Zersetzung des Staats und Aufstieg der Mafia zusammenhängen. Inszenierung des Wochenendes: Koltes' "Quai West" in der Regie von Andrea Breth in Wien. Mehr lesen
Verhängt die Fenster
06.02.2010. In der FAZ sieht Stephen Baker das menschliche Gehirn auf dem Rückzug. Die NZZ fragt, ob Apple das Internet in kleine herstellerabhängige Netze zerschlagen wird. Die Welt trifft die Deutschen in der Kälteregion des Daseins. Die taz erkennt mit Thea von Harbou auf die List der Geschichte. In der FR beklagt Ulrich Beck die McDonaldisierung der Universitäten. Der Tagesspiegel begibt sich auf die Spur des Clans, der Hatun Sürücü ermorden ließ. Und im Perlentaucher unterstützt Herta Müller die Forderung nach dem Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo. Mehr lesen
Pneumatische Prozesse
05.02.2010. Die Welt staunt über Pat Metheny, der sich mit großem Tüftleraufwand ein Orchestrion zusammenbauen ließ. In der NZZ denkt Thomas Hettche über das Soldatische, aber auch über den Pergamon-Altar nach. Die FR fordert ein Wahlrecht für Migranten. Die FAZ begleitet Österreich in seinem verzweifelten Ringen um Restsouveränität. Die SZ erklärt, wie man Regeln der Scharia übernimmt, ohne den Rechtsstaat zu verraten. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Wie Einbrecher in der Nacht
04.02.2010. Im Tagesspiegel erklärt der Pädophilie-Experte Klaus Beier, warum die katholische Kirche eine solche Anziehung auf Pädophile hat. Immer schon, wie die SZ vermerkt. Der Freitag bemüht sich um Differenzierung beim Islam: Dschihad heißt sich abmühen. Die taz wäre gegen die Burka, wenn es nicht islamfeindlich wäre, gegen die Burka zu sein. In der Zeit erklärt Werner Herzog, warum er keine andere Wahl hat als Filme zu machen. Die FAZ ermisst den realen Ernst der virtuellen Lage. Mehr lesen
So viel wie ein junges Nashorn
03.02.2010. Wie uralt ist diese Bundesrepublik!, ruft die Welt nach Ansehen einer DVD-Edition mit Kulturfilmen von Bernhard Grzimek. Ebenfalls in der Welt empfiehlt Zafer Sencoak in der aktuellen Islamdebatte einen Blick auf die Türkei. Die FR berichtet vom Fajr Film Festival in Teheran, das von den Juroren boykottiert wird. Auf den Seiten des amerikanischen PEN Clubs schlägt Kwame Anthony Appiah den Autor und Dissidenten Liu Xiaobo für den Friedensnobelpreis vor. Die chinesische Regierung warnt vor dieser Idee. Mehr lesen
Irgendwo in einer fernen Wolke
02.02.2010. Anders als die Kritikophoben gehen die Islamkritiker ein persönliches Risiko ein, meint die NZZ. Nichts ist wohlfeiler als Kritik am Islam, meint dagegen Stefan Weidner im Rheinischen Merkur. Die FR fühlt sich von der Islamdebatte verstört. Spiegel Online berichtet über die geheimen Verhandlungen zum internationalen Copyright-Abkommen ACTA. In der FAZ sieht der New York Times-Redakteur John Markoff den Ipad auch als ein Statement gegen die sozialen Netze. Mehr lesen
Vermutlich wurde er ermordet, vermutlich in Tokio
01.02.2010. Die Washington Post enthüllt, wie viele CDs man verkaufen muss, um auf Platz 1 der amerikanischen Klassikcharts zu landen. Die Beliebigkeit der Literaturkritik ist nicht nur ökonomischem Druck geschuldet, findet die Jungle World. In der NZZ erzählt Angelika Overath von der Verfertigung eines Schulhausromans in Sankt Moritz. Die Zerstörung in Haiti bestürzt mehrere Feuilletons. Die SZ legt nach im Islam-Streit. Die Berliner Zeitung bekennt in der gleichen Sache ihre Ratlosigkeit. Mehr lesen
Circa anderthalb goddamns pro Seite
30.01.2010. In der Welt polemisiert Ulrike Ackermann gegen einen Staat, der uns aus lauter Liebe lauter Freiheiten nimmt. Die NZZ erinnert an den brasilianischen Journalisten Euclides da Cunhas, dessen Buch "Krieg im Sertao" von 1902 die Schrecken des 20. Jahrhunderts ankündigte. In der FAZ verteidigt Sonja Margolina das Recht auf Islamkritik. Die FR bringt einen Essay Salman Rushdies über die siebte Tosünde - die Trägheit. In der SZ staunt Joachim Kaiser über Maurizio Pollini, der alles richtig macht. Außerdem wird in einigen Zeitungen noch J.D. Salinger gewürdigt. Mehr lesen
Und am Ende siegt immer diese Traurigkeit
29.01.2010. Im Hinblick auf den kommenden Tory-Sieg in Großbritannien informiert die NZZ schon mal über die angesagten Gummistiefelmarken zum Abschreiten der Landsitze. In der Berliner Zeitung wünscht sich Berlinale-Chef Dieter Kosslick Slow Filmfood. Für die FAZ ist jetzt ganz klar: Netz ändert Hirn. Carta fragt: Wer zahlt eigentlich Hotel und Jahrgangswein, wenn Vattenfall "Führende Medienmacher" zum Plausch einlädt? Die SZ bringt eine Sonderseite zu Ruhr 2010. Mehr lesen
Ein Fünkchen Leben, ein bisschen Idiotie
28.01.2010. Der Freitag polemisiert gegen den "postkolonialen Feminismus", der einen Abbau von Frauenrechten gutheißt, jedenfalls in anderen Kulturen. Das Ipad ist da: Gizmodo gibt Tipps für den Gebrauch. Im Tagesspiegel sieht die Juristin Sibylle Tönnies das Verbot der Burka in öffentlichen Gebäuden als Maßnahme in der Nachfolge des französischen Revolutionsterrors. Die Zeit geht in Dantes Hölle spielen. Mehr lesen
Nur Frankfurt kam mit keinem Wort vor
27.01.2010. Für die Welt ist Andrzej Stasiuk nach Belzec gefahren, wo es kaum noch Spuren des ehemaligen Todeslagers gibt. Im Guardian erklärt Chefredakteur Alan Rusbridger, warum er eine Paywall ablehnt: Seine Zeitung würde Millionen Leser verlieren. In der New Republic plädiert Lawrence Lessig gegen das Google Book Settlement. Alle waren beim Suhrkamp-Empfang in Prenzlauer Berg. Auch Martin Walser. Bei Spiegel Online erklärt Henryk Broder, dass er seine Karriere als Hassprediger aufgeben und jetzt Taliban werden will. Mehr lesen
Mit einem Martini und einem Orden
26.01.2010. Die FR bringt eine Diskussion über den Afghanistan-Einsatz. Die New York Times staunt über die Diskriminierung arbeitender Mütter in Deutschland. Netzpolitik und das 1 & 1-Blog diskutieren geplante Jugendschutzmaßnahmen, die es den Anbietern auferlegen, ausnahmslos jederzeit sämtliche Inhalte zu kontrollieren. Die Welt staunt über Brecht, der einen Kult für Kälte mit einer Abneigung gegen harte Butter in Einklang brachte. In der SZ spricht Jimmy Wales über die Erzeugung von Objektivität in der Wikipedia - dank der englischen Sprache. Die taz-Feministinnen zupfen weiter am Kopftuch. Stephan Grigat fordert in der Presse eine linke Kritik an der islamischen Menschenzurichtung. Mehr lesen
Menschenfreundliche Wortwundverbände
25.01.2010. In der Berliner Zeitung klagt Wolfgang Benz über den "Hass", der ihm entgegenschlug. Im Tagesspiegel erklärt Henryk Broder, warum er es als Kompliment begreift, wenn ihn deutsche Feuilletonisten als "Hassprediger" bezeichnen. Die SZ berichtet über eine Kontroverse um Yannick Haenels Roman "Jan Karski". Die FAZ bringt einen Lobgesang auf den Jungdramatiker Nis-Momme Stockmann. Und die Welt stellt den Autor Markus Albers vor, der sich künftig selbst verlegt. Mehr lesen
Tempel des digitalen Zeitalters
23.01.2010. Die taz erklärt, warum Feminismus und Islamkritik sich vielleicht doch nicht ausschließen müssen. Die FR fordert nach Lektüre von Seyran Ates neuem Buch mehr Differenzierung bei der Betrachtung des Islam. Die NZZ feiert Conlon Nancarrows hochkomplexe Musik für mechanische Klaviere. In der Welt begrüßen Berliner Suhrkamp-Autoren ihren Verlag im neuen Domizil und geben Überlebenstipps für die Hauptstadt. In der SZ warnt Jaron Lanier vor dem maoistischen Google. In der FAZ erkennt Frank Schirrmacher in Google eine Akademie der Aufklärung. Mehr lesen



