Bücherschau der Woche
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
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Klaus-Michael Bogdal: Europa erfindet die Zigeuner

Ewige Werte
- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
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- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
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- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
30.11.2004. Im Tagesspiegel verfasst Daniel Barenboim eine Hommage auf den "Außenseiter Wilhelm Furtwängler". Die FAZ stellt richtig, dass es unter den Dirigenten viel schlimmere Nazi-Mitläufer gab als ihn. In der taz plädiert der argentinische Autor Cesar Aira für die Hochkultur.
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Neue Zürcher Zeitung, 30.11.2004
Etwas perplex berichtet Joachim Güntner von der Konferenz zur europäischen Kulturpolitik, zu der die Bundeskulturstiftung nach Berlin geladen hatte. Güntner wurde dort Zeuge eines kulturpolitischen Bekenntnisses von allerhöchstem Rang. In seiner Rede verwies der Präsident der EU-Kommission Jose Barroso, der offenbar noch ein schlechtes Gewissen hat, zunächst erwartungsgemäß auf die gegenwärtigen kultur- und bildungspolitischen Errungenschaften der EU, wie etwa die Programme zum internationalen Studentenaustausch. "Doch dann kam das Finale seiner Rede: In der Hierarchie der Werte seien 'die kulturellen höher zu veranschlagen als die wirtschaftlichen', pointierte Barroso. Dergleichen habe er, stellte der freudig verblüffte EU-Generaldirektor für Bildung, Nikolaus van der Pas, daraufhin fest, in seiner ganzen Karriere noch nicht gehört. Nun fragt sich, was daraus folgt. Wird man fortan die Subventionen für Landwirtschaft und Verkehr, die ein Zigfaches des Kulturetats ausmachen, zugunsten der Kultur umschichten?"
Weitere Artikel: Marc Zitzmann hat einer Werkschau des französischen Architekten Christian de Portzamparc in Lille einen Besuch abgestattet. Und Aldo Keel macht sich ganz kurz Gedanken zu Multikulti in Norwegen.
Besprochen werden Antonia S. Byatts neuer Roman "Der Turm zu Babel" (Alexandra Kedves hält das Buch, in dem das ganze Diskursuniversum der 60er Jahre durchschritten werde, für eine "kunstvolle Kartographie einer Epoche und ihres Geisteslebens"), das Finale des Piano-Festivals von Luzern mit Grigory Sokolov, Andras Schiffs Beethoven-Zyklus in Zürich und Bücher, darunter Susanne Fenglers Wahlkampfsatire "Fräulein Schröder", Henning Ahrens apokalyptischer Roman "Langsamer Walzer" und "Stadt der Küsse", ein Buch des "englischen Proteus" Jim Crace (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Frankfurter Rundschau, 30.11.2004
"Brüchige Heimat" war für Rüdiger Suchsland das zentrale Thema auf dem Filmfestival Mannheim-Heidelberg, und er hat dazu ein paar sehr schöne Filme entdeckt. Etwa das Debüt von Nuray Sahin "Folge der Feder": "Die Geschichte einer jungen Frau zwischen zwei, eigentlich drei Zugehörigkeiten. Die im deutsch-türkischen Kino oft ins Zentrum gerückte Bedrohung der Freiheit durch überholte Familientraditionen dreht die Regisseurin um, und zeigt ohne Verklärung auch die beschützende Seite der Tradition - um am Ende aber klar die Freiheit ihrer Hauptfigur gegenüber den vermeintlichen Heimaten zu verteidigen. Stärker noch zählten in diesem Fall die Bilder, die immer wieder das Gewicht der Story unter sich lassen, und atemberaubend leicht wie eine Feder durch Zeit und Raum schweben - Kino als postindustrielles Traumlabor."
Peter Michalzik ist hin und weg von Stephan Kimmigs Inszenierung der "Hedda Gabler" am Hamburger Thalia Theater: "Und das ist ihre Krankheit, die Unbeteiligtheit. Das hört sich nicht so schlimm an, das ist so nebenbei, aber es ist - wie Dr. Stephan Kimmig, zur Zeit zweifelsfrei der führende Analytiker unter Deutschlands Regisseuren, in seinem Hamburger Diagnosezentrum für zeitgenössische Paarbeziehung unmissverständlich zeigt - eine grausame Krankheit."
Weitere Artikel: Michael Braun berichtet von einem diskussionsfaulen Dichtertreffen in Tutzing, auf dem - zum Befremden des Publikums - die Poesie des 21. Jahrhunderts "begrübelt" wurde. Rudolf Walter hat Nicolas Sarkozys neues Buch "Die Republik, die Religionen, die Hoffnung" (Editions du Cerf) gelesen und denkt nun über einen Dialog zwischen Republik und Religionen nach.
Besprochen werden ein Konzert des Rai-Sängers Khaled in der Alten Oper Frankfurt, George Taboris Eigeninszenierung seines surrealen Stücks "Clowns" im Schauspielhaus Zürich, eine Ausstellung von Schätzen aus adligem Privatbesitz im Münchner Haus der Kunst und Bücher, darunter Joachim Fests Band über "Begegnungen" mit Intellektuellen und Künstlern und eine Studie über die "Weltmacht Vatikan" (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr)
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Der Tagesspiegel, 30.11.2004
Daniel Barenboim höchstselbst verfasst im Tagesspiegel eine Hommage auf Wilhelm Furtwängler, der heute vor 50 Jahren starb. Er schildert ihn als Außenseiter: "Zeitgenossen wie Toscanini und Bruno Walter etwa - auch Klemperer - waren ästhetisch viel linientreuer. Es erscheint uns heute grotesk, aber die Emigranten unter den Dirigenten stellen künstlerisch weit weniger gebrochene Persönlichkeiten dar als Furtwängler, der Nazi- Deutschland nicht verließ."
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Die Tageszeitung, 30.11.2004
In einem - in solcher Heiterkeit seltenen - Interview spricht der argentinische Schriftsteller Cesar Aira (mehr hier und hier) launig über sein Vorbild Borges und den Kulturbetrieb. Der außerordentlich erfolgreiche, bekennende Vertreter eines "Elitismus" veröffentlicht auch bei Kleinstverlagen und findet, "dass die Freiheit durch die Populärkultur bedroht wird - gewisse Dinge werden heute geradezu zwanghaft obligatorisch. Zum Beispiel das Mobiltelefon: Zunächst war es ein nützliches Utensil, dann wurde es zu einer zwanghaften Notwendigkeit, und heute ist der Besitz einfach obligatorisch. ... Die Populärkultur wird zum Symbol all dessen, was obligatorisch wird. Hingegen Johann Sebastian Bach, der ist nicht obligatorisch. Bach ist frei. Will ich Bach hören, muss ich eine Aufnahme suchen und manchmal muss ich sehr danach suchen. Und um die Musik zu verstehen, muss ich mich anstrengen. Über diese Hochkultur öffnet sich ein Weg in die Freiheit. Mein Verhältnis zur Populärkultur ist eher dialektisch. Ich beziehe mich bei meiner Arbeit ständig auf die Populärkultur. Aber dabei geht es mir um eine Transformation, die auch die Hochkultur verändert."
Weiteres: In der Rubrik "Schriften zu Zeitschriften" wirft Jan-Hendrik Wulf einen Blick in "Kaleidoskopien" und "Zwischen den Zeilen" und denkt - anlässlich von Aufsätzen von Max Bense und Hans-Jost Frey - darüber nach, ob nun der Mensch den Computer oder der Computer den Menschen verstehen soll. Besprochen wird Stephan Kimmigs Inszenierung von "Hedda Gabler" am Thalia Theater Hamburg ("Gegenwart plus Depression"). Und Ira Mazzoni erzählt die Hintergrundgeschichte einer Ausstellung in der Münchner Pinakothek der Moderne, wo nach 70 Jahren 110 Aufnahmen des aus Weißrussland stammenden Bauhaus-Fotografen Moi Wer zu sehen sind.
Schließlich Tom.
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2004
Eleonore Büning huldigt auf derganzen ersten Seite dem "größten und innovativstenDirigenten, den das Zeitalter der Interpretation bislanghervorgebracht hat": dem vor fünfzig Jahren gestorbenenWilhelm Furtwängler (mehr). Empört zeigt sie sich über"die geballte Borniertheit, Unverfrorenheit und die Anmaßung"der Unesco, ein geplantes Furtwängler-Konzert wieder abzusagen. "Es gibt reichlich Künstler und Wissenschaftler, die sich in Hitlers Deutschland opportunistischer und zynischer verhalten haben und nie ins Rampenlicht gerieten...Zu schweigen von stalinkontaminierten Komponisten wie Prokofieff oder Schostakowitsch."
Weiteres: Jordan Mejias berichtet von der gehörigen Aufregung, die eine neue Oskar-Schindler-Biografie verbreitet. Darin zeichnet der Historiker David M. Crowe ein deutlich nüchterneres Bild von dem Judenretter als Steven Spielberg. Außerdem hat er wohl herausbekommen, dass es Schindlers Liste nicht gab, sondern insgesamt neun, von denen vier ein Mitglied des Jüdischen Ordnungsdiensts des Krakauer Ghettos erstellt haben soll. Andreas Kilb hat sich in Berlin den Blockbuster "G.O.R.A." angesehen,die türkische Version von Michael Herbigs "(T)raumschiff Surprise", undmuss feststellen: "Am Kino wird die Integration der Türkei in Europajedenfalls nicht scheitern."
Auf der letzten Seite wirft Rückentherapeut Dietrich Grönemeyer einen luziden Blick auf die Gesundheitsdiskussion: "Beenden wir ganz schnell die öffentliche Debatte um die Kostenbegrenzung im Gesundheitswesen. Sie führt zu nichts." Jürg Altwegg meldet starken Gegenwind für die radikal muslimischen Brüder Tariq und Hani Ramadan, die sich gern als tolerant und um Integration bemüht darstellen, aber dann doch auch mal die Steinigung rechtfertigen. Dieter Bartetzko bringt uns Johannes Chrysostomos näher, dessen Reliquien nun nach Istanbul zurückgebracht werden, von wo sie 1204 während des vierten Kreuzzugs geraubt worden waren.
Claus Langenbehn berichtet von einer Kant-Konferenz in Teheran. Wolfgang Sandner gratuliert dem Komponisten Klaus Huber zum achtzigsten Geburtstag. Matthias Grünzig hat Richard Neutras 1921 begonnenen Waldriedhof in Luckenwalde besucht. Auf der Medienseite berichtet Christina Demenschina, dass mehrere russische Provinzzeitungen in ihrer Finanznot unbedingte Regierungstreue angeboten haben.
Besprochen werden die neuen Inszenierungen des Pariser Theaterherbstes, ein Jazz-Konzert von Caterina Valente aus den Sechzigern und Helmut Böttigers Literaturgeschichte "Nach den Utopien" (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).
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Süddeutsche Zeitung, 30.11.2004
Thomas Thiel stellt eine in Amerika jüngst gegründete Gruppierung namens "Brights" (mehr) vor, die künftig die "naturalistische Weltsicht" verbreiten und die Welt "zur Wissenschaft erwecken" will; unter ihrem Dach sollen sich "all diejenigen versammeln, deren Weltanschauung frei von übersinnlichen und metaphysischen Elementen ist." Mit den - überwiegend atheistischen - "Brights" trete "ein neuer Typus des Intellektuellen in den Fokus der Öffentlichkeit, der nicht mehr die literarisch- historische, sondern die naturwissenschaftliche Bildung als Grundlage zeitgemäßer Intellektualität" betrachte.
Weitere Artikel: Johannes Wilms fühlt sich angesichts des allgemeinen Überschwangs bei der "Krönung und Salbung" von Nicolas Sarkozy wie Napoleons Mutter, die damals dem Krönungsakt fern geblieben war und gesagt haben soll: "Mal sehen, wie lange das gut geht." Die ukrainische Journalistin und Schriftstellerin Natalka Sniadanko erzählt von der Aufbruchsstimmung und den Ängsten der Ukrainer. Zwei italienische Soziologen erklären uns, was sich aus der italienischen Universitätsreform lernen lässt: "vielleicht eine Reflexivität der Kritik". Jsl. informiert über Auswüchse von Warnhinweisen; so leitete jetzt das christlich-konservative World Magazine ein Interview mit dem Moralphilosophen Peter Singer mit den Worten ein: "Warnung für Eltern: Dieser Artikel erwähnt Kindstötungen und einige abnorme sexuelle Aktivitäten". In der "Zwischenzeit" stellt Wolfgang Schreiber den Münchner Komponisten Karl Amadeus Hartmann vor. Zu lesen ist außerdem ein Interview mit dem Schauspieler Colin Firth ("Bridget Jones 2", "Das Mädchen mit dem Perlenohrring") und schließlich eine Gratulation an den Schweizer Komponisten Klaus Huber zum 80. Geburtstag.
Besprochen werden Stephan Kimmigs Inszenierung von "Hedda Gabler" am Thalia Theater Hamburg ("Ganz und gar schnurz ist Kimmig, dem Arrangeur des Abends, Ibsens Vorlage. Sie taugt ihm bloß für eine laute, laue Studie. Material. Kimmig präsentiert 'Hedda - der Fall'", schreibt C. Bernd Sucher) und Bücher, darunter "Die Schleier der Erinnerung. Grundzüge einer historischen Memorik" von Johannes Fried und Hunter S. Thompsons ins Deutsche übersetzte Roman "The Rum Diary" (siehe hierzu unsere Bücherschau ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Für Ohrfeigen geboren
11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen
Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase
10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen
Wegfall von Arbeit
09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen
Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren
08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Der Graf von Sandwich war in Gefahr
07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen
2000PutIN, 2012PutOUT
06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen
Die ganze Welt inventarisieren
04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen
Hunde und Katzen, Liebe und Tod
03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen
Einschlusslöcher am Gebäudesockel
02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen
So sehr ich Warhol schätze
01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen
Also, Bürger, auf zur Wacht!
31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen
Weil es dem Franz so gefallen hat
30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen
Das korrekte Verfahren für Anarchisten
28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen
Und die Emotionen suchen blind
27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen. Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen
Ein irrer Cut
26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen





