Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

16.02.2004. Recht zufrieden kommentieren die Feuilletons den Goldenen Bären für Fatih Akins Film "Gegen die Wand". Die FAZ hält es mit Frances McDormand: Dieser Film ist Rock'n'Roll. Die SZ bezweifelt allerdings die Lebensnähe von "Brutalschlägereien, Vollräuschen und Rumvögeln" in diesem Film. Die NZZ ist auch mit dem Wettbewerb insgesamt zufrieden, während die FR auf den "schlechtesten Wettbewerb seit Menschengedenken schimpft".

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.02.2004

Die führenden Kritiker der FAZ sind zufrieden mit dem Goldenen Bären für Fatih Akins Film "Gegen die Wand" (Ekkehard Knörer im Perlentaucher übrigens auch). Michael Althen berichtet, dass die Jurypräsidentin Frances McDormand dem Preisträger im Moment der Preisübergabe zugeflüstert haben soll: "Your film is really Rock'n'Roll", was Althen zu dem Kommentar veranlasst: "Wer die wunderbare Schauspielerin gerade in 'Was das Herz begehrt' gesehen hat, kann ermessen, dass dieser Satz aus ihrem Munde schätzungsweise genausoviel wert ist wie die Auszeichnung selbst. Denn wann hätte zuletzt ein deutscher Film ein solches Lob erfahren? Rock 'n' Roll ist alles, was deutsches Kino in der Regel nicht ist: kraftvoll, energisch, drangvoll, laut, mit Rhythmus im Blut. Den Satz kann sich Akin definitiv übers Bett nageln."


Und Andreas Kilb porträtiert Akin als "hamburgischen Regisseur mit türkischen Wurzeln": "Akin gehört zu einer Generation von Regisseuren türkischer Herkunft, für die die Auseinandersetzung mit den Ansprüchen ihrer Väter und Mütter nicht mehr das einzige Thema ist. Für ihn wie für Thomas Arslan ('Der schöne Tag') aus Berlin oder Züli Aladag ('Elefantenherz') aus Stuttgart ist das Leben und Drehen in Deutschland so selbstverständlich, dass sie es auch auf der Leinwand nicht mehr in Frage stellen müssen. Statt dessen erzählen sie Geschichten aus der Welt, die sie täglich umgibt: Liebesgeschichten, Gangstergeschichten, Familiengeschichten, Geschichten zwischen Bottrop und Sizilien, Altona und Istanbul."

Weitere Artikel: Joseph Hanimann schickt in der Reihe über den Verfall der christlichen Werte im Abendland eine schöne Reportage über den Landpfarrer Francois Foudrat aus Saint-Martin-d'Auxigny im Berry. Lorenz Jäger sieht uns Deutsche von unversöhnlichen Ex-Feinden umstellt, nachdem die Tschechen die Benes-Dekrete nicht widerrufen, die Polen gegen ein Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin optieren und nun die Briten Absolution in Frederick Taylors Buch "Dresden - Tuesday 13 February 1945" suchen, das die hohe Zahl der Bombenopfer einem mangelhaften Bunkerbau zuschreibt (hier ein Auszug aus dem Buch, hier die Kritik von Michael Burleigh aus dem Guardian). Mark Siemons hat die Premiere von Rolf Hochhuths Stück "McKinsey kommt" in Brandenburg gesehen, die die Provokationen des Stücks virtuos abschwächte. Niklas Maak zeigt sich ganz und gar nicht begeistert von der Berlin-Biennale, möchte die Institution selbst aber nicht in Frage stellen. Franz Solms-Laubach hat einem Kolloquium über das Werk Ernst-Wilhelm Händlers zugehört. Regina Mönch freut sich, dass die Stadt Halle trotz schwieriger Zeiten einen Neubau für ihre Kunstsammlungen in Auftrag gibt. Jürgen Kaube unterhält sich mit Ex-Außenminister Klaus Kinkel, der als Präsident der Deutschen Telekom Stiftung Wiederauferstehung feiert - die Stiftung will sich um Bildung und Forschung verdient machen. Gina Thomas meldet, dass die Londoner ihr Exemplar von Raffaels "Nelkenmadonna" nun doch nicht ans Getty-Museum in Los Angeles verlieren.

Auf der Medienseite konstatiert Michael Hanfeld eine neue Blüte der Samstagsabendshow. Auf der letzten Seite liest Andreas Rosenfelder Fanbriefe, die einst von verzückten Deutschen an "Adilie" geschickt wurden. Und Christian Schwägerl stellt uns die Parkinson- und Alzheimer-Forscherin Susan Greenfield vor, deren Aufnahme in die British Society umstritten ist, weil sie nicht nur intelligent, sondern auch noch attraktiv ist.

Besprochen werden zwei Opernabende in Köln und Mönchengladbach mit Francis Poulencs "Dialogues des Carmelites" und Antonio Bibalos Strindberg-Oper "Fräulein Julie" und Sachbücher, darunter ein Buch von Karin Wieland über "Die Geliebte des Duce".

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Neue Zürcher Zeitung, 16.02.2004

Alexandra Stäheli resümiert zufrieden die Berlinale, die "die Schere zwischen komplexem, stilsicherem Autorenfilm und amerikanischem Genrekino zum Teil weit aufzumachen wagte": "Da waren dann also auf der einen Seite mit exaltierter Gestik angerührte Schicksalsepen wie Anthony Minghellas 'Cold Mountain', John Boormans 'Country of My Skull' oder auch 'Beautiful Country' des Norwegers Hans Petter Moland anzutreffen, die allesamt jene 'großen Erzählungen' und welterklärenden Sinnentwürfe aufboten, welche die neunziger Jahre beinahe ebenso emphatisch verabschiedet hatten." Auf der anderen Seite fand sie jedoch Filme, "die  große Themen ganz wundervoll im Spiegelsplitter kleinster biografischer Begebenheiten zu reflektieren vermochten" - etwa Richard Linklaters "Before Sunset".


Weiteres: Andrea Köhler porträtiert "Amerikas Superhausfrau" Martha Stewart, der nun wegen Insider-Geschäften der Proezss gemacht wird. Peter Hagmann berichtet von einem "selbstironischen" Symposion mit dem Klangforum Wien, Samuel Herzog kommentiert die Eröffnung der dritten Berliner Kunst-Biennale, die uns klar machen will, dass "das Leben kein Zuckerschlecken" ist, und Marc Zitzmann macht mit der Europäischen Kulturhauptstadt Lille bekannt.

 

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Frankfurter Rundschau, 16.02.2004

"Der Wettbewerb, am Samstag mit der Preisverleihung zu Ende gegangen, war der schlechteste seit Menschengedenken", resümiert Daniel Kothenschulte die Berlinale, gratuliert dem Überraschungsgewinner Fatih Akin und seufzt wissend: "Wäre die Liebe nicht, wo triebe es diese visionslose Berlinale hin." Hier noch einmal alle Bären auf einen Blick.


Christian Thomas beäugt die Siegermodelle (der Gewinner) für den Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt, der die denkmalgeschützte Großmarkthalle Martin Elsaessers inkorporieren, aber vor allem eines werden soll: gewaltig. "Alle drei präpotenten Entwürfe machen deutlich, dass die gewaltige Beton- und Backstein-Architektur Elsaessers zum Zukünftigen steht wie ein Torhäuschen zu einer Festung. Der Schweger-Entwurf hat gar einen Wasserpark für das Areal im Frankfurter Ostviertel vorgeschlagen, mit dem stärker noch als in den anderen Fällen der Eindruck einer urban uneinnehmbaren Zitadelle entstehen würde. Er hat etwas Französisch-Mitterrandhaftes."

Weitere Artikel: Tanja Busse denkt in Times mager an die türkische Boxerin Hülyia Sahin, die sich aus Vermarktungsgründen jetzt Julia nennen muss. Thomas Medicus würdigt den Münchner Althistoriker Christian Meier (mehr), der heute 75 Jahre alt wird, und dessen Lebensweg öffentlicher Intervention. Und auf der Medienseite meditiert Oliver Gehrs über die Berliner Zeitung und deren neue Sieben-Minuten-Seite.

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Die Tageszeitung, 16.02.2004

Die Berlinale ist natürlich Tagesthema in der taz, und Cristina Nord bewundert ausgiebig die unschlagbar lässige Frances McDormand in Nadelstreifen, Gewinner Fatih Akin (mehr) und die mutige Jury: "Darüber hinaus zeigt die Entscheidung für 'Gegen die Wand', dass wagemutiges Kino geschätzt wird. Gelten die Sonntagsreden über die neue Kraft des deutschen Films gewöhnlich Konsensfilmen wie 'Das Wunder von Bern', 'Good Bye, Lenin!' oder 'Rosenstraße', so bildet Akins Film eine wohltuende Ausnahme, eben weil er sich nicht auf faule Kompromisse und die Mittel von Opas Kino einlässt." Hier noch ein paar Reaktionen auf die Entscheidung.


Im Feuilleton zeigt sich Brigitte Werneburg angenehm überrascht von der dritten Biennale, die sicher zum "Vorzeigeprojekt der Berliner Republik" in Belangen der zeitgenössischen Kunst aufsteigen wird. Ralph Bollmann fragt sich auf der zweiten Meinungsseite, ob der Weinbau in Mecklenburg wirklich Sinn macht. Edith Kresta versucht in der taz zwei hinter das Erfolgsgeheimnis der Schweizerin Corinne Hofmann zu kommen, die mit ihren publizierten Obsessionen für schwarze Massai Millionen Frauenherzen verzaubert (hier die Kurzversion). Dem Krieg zwischen einem Österreicher und einem Deutschen, die im Kongo (mehr) um eine Mine kämpfen, widmet Dominic Johnson schließlich eine kenntnisreiche Reportage auf der Tagesthemenseite.

Besprochen werden die Uraufführung von Rolf Hochhuths Politdrama "McKinsey kommt", Colson Whiteheads viel umjubelter, "wuchtiger Angeber- und Durchblickerroman" "John Henry Days" sowie Richard W. Dills Erfahrungsreport "Neue Demokratien - neuer Rundfunk" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Schließlich Tom.

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Süddeutsche Zeitung, 16.02.2004

Skandalös fand Susan Vahabzadeh die Aggression, die Romuald Karmakar bei der Berlinale entgegenschlug. Über den Goldenen Bären für Fatih Akin freut sie sich, meldet aber doch einen leisen Zweifel an dem Film an: "Eine Frage muss aber noch sein, bevor sie in der Begeisterung untergeht: Ob die Behauptung, die da herumgeistert, 'Gegen die Wand' sei so 'dicht am Leben', wirklich berechtigt ist. An wessen Leben eigentlich? Exemplarisch für die zweite Generation türkischer Immigranten mögen ja die Probleme mit der Übertragbarkeit von Traditionen in eine andere Kultur sein; aber dass kinotauglich überhöhte Brutalschlägereien, Vollräusche und Rumvögeln die Markenzeichen einer Generation von Deutschtürken sind, will uns doch hoffentlich keiner weismachen."


Der Politiker und Politikwissenschaftler Reinhard Loske (die Homepage des Vielbeschäftigten) wettert in scharfem Ton gegen die neue Wachstumsfrömmigkeit und fordert den Mut zu weniger. "Ganz anders stellt es sich aber dar, wenn die Konsumdebatte nicht als Verzichtsdebatte geführt wird, sondern als Qualitätsdebatte. Ist es etwa nicht zutreffend, dass alles daran gesetzt wird, unsere Kinder durch ein Dauerbombardement mit Werbung zu kleinen Konsumäffchen zu machen? Dass Shopping zunehmend zum Surrogat für die Befriedigung sozialer Bedürfnisse geworden ist? Dass die Konsumorientierung mehr und mehr in Konflikt gerät mit Tugenden wie Konzentration, Kreativität und Leistungsbereitschaft?"

Der Schriftsteller Georg Klein (mehr) rechnet damit, dass die aktuelle Biotechnik-Hysterie bald vorüber ziehen wird und versucht sprachmächtig, die Haltung eines kleinen chinesischen Glücksgottes einzunehmen. Denn "für den, der den Abstand einer anderen Weltsicht einnehmen kann, wirkt der Fetisch Gesundheit samt seines gewaltigen kulturellen Überbaus vielleicht jetzt schon so albern wie das letzte gusseisern gepanzerte Riesenschlachtschiff."

Weitere Artikel: "Imue" weist auf die gängige Methode der auktorialen Selbstrezension hin, die durch einen Fehler bei Amazon jetzt wieder offensichtlich geworden ist. Johannes Willms freut sich, dass Paris mit den Tuilerien (auf dem entsprechenden Degas-Bild sieht man leider nicht viel vom Schloss) nun auch seine Wiederaufbau-Debatte hat. G.K. bedauert den Fotografen Touhami Ennadre, dessen Schwarz-in-Schwarz-Technik (Beispiele) jetzt für die Werbung abgekupfert wird (ganz deutlich hier bei Leica). Wolf Lepenies feiert den 100. Geburtstag des amerikanischen Diplomaten und Historikers George F. Kennan. Holger Liebs erlebt die theoriestarke dritte Berlin-Biennale als Proseminar für Subkultur. Gisa Funck glaubt nach einer Kölner Tagung über "Evidenz" nicht mehr viel. Gemeldet wird, dass Quentin Tarantino der Cannes-Jury vorstehen wird, dass Mel Gibson die Gewalt in seinem Jesus-Film The Passion verteidigt und dass die Serie falscher Van Goghs nun in Stockholm eine Fortsetzung erfährt.

Auf der Medienseite prophezeit Klaus Ott kostenpflichtiges Privatfernsehen, falls die Kabel Deutschland GmbH ihr Quasi-Monopol errichten darf. Und Hans Hoff empfiehlt wärmstens den heimeligen Jürgen von der Lippe.

Besprochen werden Rolf Hochhuths umstrittenes Stück "McKinsey kommt" in Brandenburg, Jan Bosses Hamburger Inszenierung von Becketts "Warten auf Godot" als "bunten Abend im Seniorenheim", ein Konzert der Münchner Philharmoniker unter der Leitung von Ingo Metzmacher, der neue Rugrats-Film "Rugrats Go Wild", und viele Bücher, darunter Joachim Sartorius' Gedichtband "Ich habe die Nacht", Hanif Kureishis Fabel-Roman "In fremder Haut", Dörthe Kaisers Erfahrungsbericht "Arbeitslos für Fortgeschrittene" sowie eine Kompilation von Walter Benjamins Radiosendungen "Aufklärung für Kinder (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

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08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

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