Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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- Die Zeitungen und die Freien
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- Der 8. Mai war keine Befreiung
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- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
- Marie-Luise Scherer
- Das Ende der Berliner Seiten
- Gustav Seibt über Götz Aly
- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
19.04.2001.
Die Zeit | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung
Die Zeit, 19.04.2001
Internationales Debattenfeuilleton heute in der Zeit.
Der israelische Schriftsteller Yoram Kaniuk stimmt einen Klagegesang von geradezu alttestamentlicher Wucht über die Lage in seiner Heimat an und kommt in einer interessanten Passage noch mal auf den todtraurigen Fall des Ehud Barak zurück: "Die aus einem jahrelangen Traum frustriert erwachte Linke trat Barak ins Knie, weil der nun mal verfügbar war. Arafat, der alles tat, damit Scharon gewählt wurde, hat allem Anschein nach keine Lust, ein kleines Land mit Steuern, Wassersorgen und Abwasserproblemen zu führen und zieht es vor, ein großer Freiheitskämpfer wie Saladin zu bleiben. Und die israelischen Araber, die zu Recht empört waren über eine Regierung, deren Polizeikräfte dreizehn demonstrierende Staatsbürger arabischer Herkunft einfach über den Haufen schossen, rächten sich an Barak, womit sie sich selbst eine riesige Kugel ins Bein jagten."
Umberto Eco erklärt in einem Artikel, den die Zeit aus der Repubblica übernimmt (was sie nicht dazusagt), warum Silvio Berlusconis Wahlkampf so effizient ist: Nicht nur weil man sich nach neuesten Erkenntnissen der Reklame mit einfachen Slogans begnügt, sondern auch weil man Techniken der Kommunisten und der 68er übernimmt: "Vom Modell der 68er-Bewegung finden sich viele Elemente in Berlusconis Parteienbündnis. Erstens die Identifikation eines Feindes, der viel subtiler und weniger sichtbar als die Vereinigten Staaten ist, wie die multinationalen Konzerne oder die Trikontinenetale und die Anprangerung ihres permanenten Komplotts. Zweitens die Methode, dem Gegner nie etwas zu konzedieren, ihn unentwegt zu dämonisieren, was immer er auch vorschlagen mag, und folglich die Verweigerung des Dialogs und der Konfrontation (auch Verweigerung jedes Interviews mit Journalisten, die ja ihrem Wesen nach Knechte der Macht sind)." Wir empfehlen in diesem Zusammenhang auch unsere Post aus Neapel von Gabriella Vitiello, die weitere Links zum Thema gibt.
Aufmacher des Literaturteils ist Helga Hirschs Interview mit Jan Tomas Gross, dessen (bisher nur auf englisch vorliegendes) Buch "Neighbours" die Debatte um das polnische Massaker an den Juden in Jedwabne auslöste. Gross bleibt bei seinem Standpunkt, dass die Polen, nicht die Deutschen die Hauptverantwortlichen des Verbrechens sind: "Für mich ist nach wie vor klar, dass sich an jenem fraglichen 10. Juli keine größere Anzahl von Deutschen in dem Ort aufgehalten hat. Dafür, dass 232 Soldaten einer Spezialeinheit angereist sein sollen, kann Staatsanwalt Waldemar Monkiewicz, der sich Ende der sechziger Jahre mit dem Fall befasste, keinerlei Belege vorlegen. Mehrere Zeugen erwähnen hingegen einen Personenwagen, in dem höchstens fünf Personen gewesen sein können. Das halte ich für wahrscheinlich."
Weitere Artikel: Jens Jessen kommentiert in der Leitkolumne den Fund der Gestapo-Akten von Wien. Renate Klett porträtiert den Künstler Hans-Peter Litscher, der falsche, aber stets sehr wahrscheinlich klingende Biografien erfindet. Thomas Groß macht in einer Besprechung von Nick Caves neuer Platte auf "Gefahren der Überästhetisierung" aufmerksam. Besprochen werden überdies die Filme "Beau Travail" und "You Can Count on Me".
Hinzuweisen ist außerdem auf eine Polemik des Politologen Wilhelm Hennis zur Feigheit der Staatsanwaltschaft in der CDU-Parteispendenaffäre und auf Thomas Fischermanns Dossier, das von Internetunternehmern im rechtsfreien Raum handelt –denn immer mehr Spielcasinos und andere dunkle Betriebe haben ihre Rechner auf Karibikinseln stehen und sparen Steuern und Rechtstreitigkeiten.
Die Zeit | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung
Süddeutsche Zeitung, 19.04.2001
Der israelische Historiker Moshe Zimmermann, glaubt, dass es kein Zufall ist, wenn die israelische Armee den Gaza-Streifen so kurz vor dem Holocaust-Gedenktag, dem 18. April, besetzte: "Seit dem Fall der Mauer ist Auschwitz... auch für hohe Offiziere des israelischen Militärs zum Reiseziel geworden. Die Gegenüberstellung von jüdischer Machtlosigkeit, symbolisiert durch Auschwitz, und jüdischer Macht, am deutlichsten über das Bild der israelischen Militärs vermittelt... dient als entscheidender Hintergrund für die angeblich zentrale Schlussfolgerung, die man als Zionist... aus der Geschichte der Shoa ziehen soll: Nie wieder dürfen Juden machtlos, waffenlos, den Feinden ausgeliefert sein."
Tobias Timm hat die Ausstellung "Bitstreams" im New Yorker Whitney-Museum besucht, die sich digitalen Verfahren in der Kunst widmet. Besonder beeindruckt hat ihn eine Arbeit von Jon Haddock, der Reportagefotos bearbeitet: "Jeder kennt das Foto aus dem Vietnamkrieg, auf dem weinende Kinder nach einem Napalm-Angriff eine Landstraße entlangrennen. Obwohl Jon Haddock alle Menschen aus dem Foto entfernt hat, so dass nur noch eine leere vietnamesische Straße zu sehen ist, erkennt man das Bild wieder. Man hat es tausendfach gesehen... doch im Zuge dieses ewigen Wieder-Sehens hat dieses Bild auch seine Kraft verloren... Paradoxerweise rücken die Opfer und die Gewalt, unter der sie litten, erst durch ihre Auslassung wieder in den Vordergrund." Haddocks Fotos und Weiteres zur Ausstellung finden Sie in unserem Link des Tages ab zehn Uhr.
Weitere Artikel: Harald Staun stellt einen Zusammenhang zwischen BSE-Krise, dem Wunsch nach exotischer Nahrung und dem Geheimnis der Kochkunst her. Besprochen werden eine konzertante Aufführung von Franz Lehars früher Oper "Tatjana" in Berlin, Händels "Ariodante" in Paris und Wedekinds "Lulu" in London.
Auf der Kinoseite geht es um den Film "Arbeiter/Bauern", das neue Werk von Straub/Huillet, um "You Can Count on Me", um den japanischen Animationsfilm "Prinzessin Mononoke" und um die irische Komödie "The Closer You Get". Das Star-Album ist Jean Reno gewidmet.
Die Zeit | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung
Frankfurter Rundschau, 19.04.2001
Am Wochenende entscheiden die Montenegriner über die Frage, ob sie bei Jugoslawien bleiben wollen oder nicht. Der Slawist Milos Okuka schreibt: "In seiner Geschichte war der kleine Bergstaat (mit circa 600 000 Einwohner) niemals so geteilt wie heute. In den montenegrinischen Gesellschaft haben sich zwei starke Lager gebildet: Fürsprecher alles Montenegrinischen, die Ethnogeneser, und Fürsprecher des Allserbischen, die Serbophilen. Der Schauplatz ihrer Konflikte eskaliert besonders in der Auslegung der montenegrinischen Nation, in Diskussionen über den Kosovo-Mythos, im Verhältnis zur serbischen Geschichte und Literatur sowie über den Status der orthodoxen Kirche in Montenegro." Stöhn!
Helene Carrere d'Encausse, secretaire perpetuelle der Academie francaise nimmt im Interview mit Hans-Hagen Bremer Stellung zum französischen Streit um die Feminisierung von Berufsbezeichnungen: "Le Secretaire perpetuel muss es natürlich heißen. Das ist eine grammatikalische Regel. Das Amt ist Neutrum. Im Französischen gibt es aber kein Neutrum, es wird vom Maskulinum eingeschlossen. Sekretär bezeichnet die Funktion, keinen Beruf wie den der Sekretärin, der Stenotypistin." Und hat die Sekretärin keine Funktion? Und seit wann heißt es im Deutschen das Minister?
Der unvermeidliche Kulturphilosoph Slavoj Zizek fordert, dass nach Milosevic nun auch Henry Kissinger vor das Haager Tribunal gestellt wird: "Während seiner Zeit als erster nationaler Sicherheitsberater und später als Außenminister unter Nixon und Ford war er immer zur Stelle, um die Armen und Hilflosen zu bombardieren oder anderweitig zu zerstören, von Chile bis Kambodscha, und einen strategischen 'Deal' mit den Machthabern zu machen, selbst mit Mao."
Besprochen werden Matthieu Kassovitz' Film "Die purpurnen Flüsse", die Pariser Ausstellung über den "erotischen Picasso" im Jeu de Paume, Aaron Coplands "The Tender Land" in Nordhausen, Caryl Churchills "In weiter Ferne" an der Berliner Schaubühne und der Film "Texas Story".
Die Zeit | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.2001
Vor zwei Jahrzehnten erschien Nadine Gordimers Roman "Julys Leute". Darin schützt ein schwarzer Dienstbote seine weiße Herrschaft vor Verfolgung in einem fiktiven südafrikanischen Bürgerkrieg. Es war der erste Roman Gordimers, der in Südafrika selbst erscheinen konnte. "Nun droht Nadine Gordimer ein Opfer der Zensur jener zu werden, für deren Rechte und Freiheit sie ein Leben lang eingetreten ist", schreibt Hubert Spiegel, denn eine Provinz will den Roman für die Lektüre in den Schulen verbieten – wegen angeblichen Rasissmus. Spiegel fürchtet die "Rückkehr altbekannter Strukturen unter umgekehrten Vorzeichen."
Der schwedische Historiker Pär Frohnert schildert den Fall des Karikaturisten Lars Hillersberg, der gerne mal antisemitische Zeichnungen vorlegt und nun einen bedeutenden Staatspreis bekommt. Da er ein Linker ist, wird er weithin verteidigt, zum Beispiel mit Argumenten wie diesem: "Es sei 'nicht ganz einfach zu entscheiden', ob Hillersberg Antisemit sei. Aber außer Frage habe gestanden, dass 'er kein Rassist' sei."
In der Reihe "System Builders" präsentiert der Informatiker Alois Knoll den Robotervisionär Hans Moravec, der für die Zeit nach 2050 voraussieht, "dass die Produktivität der roboterbetriebenen Weltwirtschaft dem Menschen einen vollständigen Rückzug aus dem Erwerbsleben ermöglichen wird. Die tägliche Arbeitszeit gehe trotz ständig steigenden Lebensstandards für die breite Masse beständig gegen Null. Nicht nur das, auch die Lebensarbeitszeit werde immer kürzer, bis auch sie verschwindet. Als Mensch wird man sein Bewusstsein in ganz neue Arten von Körpern transferieren lassen, um dann als 'Ex-Mensch' alle Beschränkungen der Biologie nebst Sterblichkeit zu überwinden und in neue Räume vorzustoßen." Vorerst sollen die Roboter aber erstmal staubsaugen lernen.
Weitere Artikel: Rainer Hermann berichtet über die drohende Schließung der privaten Fatih-Universität in Istanbul – Grund: Man hat dort Studentinnen mit Kopftüchern gesehen. Der evangelische Bischof Gerhard Müller antwortet auf einen Artikel des katholischen Bischofs Paul Josef Cordes, der die päpstliche Erklärung "Dominus Iesus" mit dem Argument verteidigt hatte, die evangelische Kirche sei ja in Wahrheit gar keine Kirche. Müller findet, das sie doch eine ist. Jürgen Kaube gratuliert dem Sozialistoriker Jürgen Kocka zum Sechzigsten. Florian Rötzer plädiert gegen die Präimplantationsdiagnostik. Timo John freut sich, dass Baden-Württemberg sich die epochengetreue Ausstattung seiner Schlösser etwas kosten lässt.
Besprochen werden ein Konzert der Manic Street Preachers in Hamburg, ein Tanzstück von Anna Huber in Luzern, Caryl Churchills "In weiter Ferne" an der Berliner Schaubühne, , die "Kontrapunkte" bei den Salzburger Festspielen, eine Ausstellung des Bildhauers Franz Bernhard in Heilbronn, der "Ring" in Meiningen (auch Stephan Mösch findet wie die Kritiker vor ihm die Leistung des Dirigenten Kirill Petrenko bewundernswert), eine Ausstellung deutscher Künstler in Siena, der Film "Texas Story" und ein Symposion in Bombay über den Tanz in Indien und in Deutschland. Auf der Bücher-und-Themen-Seite schreibt Tilman Spreckelsen über die Artus-Sage.
Die Zeit | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung
Neue Zürcher Zeitung, 19.04.2001
Die NZZ bringt heute vor allem Buchbesprechungen, denen wir uns bekanntlich ab 14 Uhr in unserer Bücherschau widmen. Unter anderem geht es um J.M. Coetzees neu übersetzten Roman "Warten auf die Barbaren", um Leon de Winters Roman "Leo Kaplan" und um das neue Heft der Zeitschrift "Du", das dem portugiesischen Architekten Eduardo Souto Moura gewidmet ist.
Die britisch-ägyptische Popsängerin Natacha Atlas kritisiert im Interview mit Thomas Burkhalter die Globalisierung: "Die Popdivas setzen auf westliche Traummaße, auf eine 90/60/90-Figur und MTV-Tauglichkeit. Überall derselbe Quatsch, das ärgert mich. Als Künstlerin möchte ich mit meiner Musik und Persönlichkeit überzeugen: wie die Rapperin Missy Elliot oder die ägyptische Legende Umm Kalthoum."
Weitere Besprechungen gelten dem Stück "In weiter Ferne" an der Berliner Schaubühne, neuen Schweizer Jazzplatten und Erich Wolfgang Korngolds "Toter Stadt" in Straßburg.
Die Zeit | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung
Die Tageszeitung, 19.04.2001
Brigitte Werneburg stellt Barbara Vinkens polemisches Buch über den Mythos der deutschen Mutter vor. Sie hat die Autorin für das Buch getroffen. Unter anderem erfährt man darin, dass in Ländern wie Frankreich und Norwegen der Anteil arbeitender Frauen wesentlich höher ist – und die Geburtenrate auch. Grund ist die bessere staatliche Kinderbetreuung. "'Für meine französischen wie für meine amerikanischen Freundinnen', sagt Barbara Vinken an einem der ersten warmen Tage im Garten des Cafe Einstein, 'ist es vollkommen normal, Kinder und eine Karriere zu haben. Das ist für sie absolut selbstverständlich, dass das zwei zu vereinbarende Sachen sind. Die Französinnen bekommen die Kinder früh und lassen sie in den staatlichen Einrichtungen betreuen. In Amerika bekommen die Frauen die Kinder erst spät. Wenn klar ist, dass ihre Karriere gesichert ist und so viel Geld da ist, dass man ein Kindermädchen anstellt.'"
Weitere Artikel: Barbara Lorey de Lacharriere hält Eindrücke vom 13. Nordischen Filmfestival im nordnorwegischen Kautoteino fest. Bersprochen werden die Filme "You Can Count on Me", "Prinzessin Mononoke" und "Die purpurnen Flüsse".
Auf der Internetseite befasst sich Angelika Hoffmann mit Psychotherapie über das Netz.
Schließlich Tom.
Archiv: Heute in den Feuilletons
Geheimsache des Heiligen Offiziums
22.03.2010. Die FR übernimmt Christopher Hitchens' Slate-Artikel zur Verantwortung Benedikts XVI. an der Vertuschung der Sexualdelikte in seiner Kirche. Auch die FAZ kritisiert den Papst. Der Tagesspiegel besucht den Kölner Ground Zero um das versehentlich geschleifte Stadtarchiv und stößt auf das schiere Nichts. In der SZ erklärt der Philosoph Wolfram Eilenberger sein Misstrauen gegen den allseits kompatiblen Begriff der Nachhaltigkeit. Die Meldung vom Tod Wolfgang Wagners kam zu spät für die Zeitungen. Mehr lesen
Muss ich etwas zu sagen haben?
20.03.2010. Die Welt trifft den Dichter Bei Dao in Hongkong, dessen Bücher in China immerhin wieder erscheinen dürfen. In der FAZ erklärt Jürgen Kuri, dass nur Soziale Netzwerke Googles amoralischen Algorithmen etwas entgegensetzen können. In der SZ bekommen Mädchen und Damen wieder Zustände. In der taz hört Klaus Theweleit Jimi Hendrix. Mehr lesen
Zurück in die Münzfernsprecher-Epoche
19.03.2010. In der FR erkennt Verena Auffermann in der Diskussion um Helene Hegemann die Angst vor der digitalen Zukunft. In der Welt bestätigt dies eine Studie und nennt auch eine Zahl: über 70 Prozent der Deutschen sind nie in der digitalen Gesellschaft angekommen. In der taz ist Liao Yiwu froh, dass seine Bücher illegal kopiert werden, sonst könnte sie niemand lesen. Die SZ porträtiert den künftigen tschetschenischen Nobelpreisträger Kanta Ibragimow, der seinen jüngsten Roman nur dank eines geschmuggelten USB-Sticks veröffentlichen konnte. In der FAZ rauft sich Constanze Kurz die Haare: Sendezeiten im Internet? Wo leben unsere Landespolitiker? Mehr lesen
Arrondierte Männergruppen
18.03.2010. Die FR spekuliert über die Frage,ob Günter Grass von westlichen Geheimdiensten ausspioniert wurde. Im Welt-Interview mit Julia Kristeva stellt sich heraus, das es der Poststrukturalismus mit dem Tod des Subjekts gar nicht so gemeint hat. In der Presse erklärt Andre Müller, warum es für sein Metier von Vorteil ist, ohne Vater aufgewachsen zu sein. In der FAZ warnt der Internetskeptiker Evgeny Morozov vor Twitter und Co. Der Zeit ist eins klar: Wenn Männer Männer missbrauchen, sind auf jeden Fall schon mal Männer schuld. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
2010123456789101112200912345678910111220081234567891011122007123456789101112200612345678910111220051234567891011122004123456789101112200312345678910111220021234567891011122001123456789101112
Archiv: Heute in den Feuilletons
Dinge zusammenzuleimen ist sehr einfach
17.03.2010. Die "Leipziger Erklärung" entfacht die Hegemann-Debatte neu. Die Welt erklärt, warum Christa Wolf Literatur ist, obwohl sie Sätze von Faulkner ohne Dank und Tüttel übernommen hat. Die SZ erklärt, warum Peter Esterhazy Literatur ist, obwohl er ganze Kapitel anderer Autoren abschrieb. In der SZ erklärt Sibylle Lewitscharoff, warum sie von Mashups nichts hält. In der Welt erklärt Claude Lanzmann, warum die Juden nicht gerettet werden konnten. Auch die Debatten um die Abgründe der Reformpädagogik und des Katholizismus gehen weiter: Hans Küng fordert in der SZ ein Mea Culpa des obersten Vertuschers. Mehr lesen
Ein Mann wie Winnetou
16.03.2010. Der Tagesspiegel bringt eine Petition deutscher Großschriftsteller von Grass bis Wolf gegen einen möglichen Leipziger Buchpreis für Helene Hegemann. Gerhard Amendt belehrt in der Welt Josef Haslinger, dass er in seinem Text über pädophile Priester an einem kindlichen Zustand der seelischen Ohnmacht festhalte. Micha Brumlik findet für die taz von Anfang an homoerotische Aspekte in der deutschen Reformpädagogik. In der FAZ kritisiert Necla Kelek die islamischen Verbände in Deutschland. Mehr lesen
Dass er zu einem Eis am Stiel wird, dann splittert
15.03.2010. In der Welt warnt Ibn Warraq vor den Scharia-Gerichten in England. In der SZ schreibt Richard Swartz über Korruption in Kroatien. Die FAZ erinnert an Zeiten, als zum Frommen der Kunst Knaben kastriert wurden. Gawker gefriert bei Ian McEwans Satire auf den Klimawandel und deckt eine von Sean Penn begangene Ungerechtigkeit auf. Und im Tagesspiegel gratuliert Jürgen Neffe dem Perlentaucher zum Zehnten. Mehr lesen
Ich war verstört
13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas. Mehr lesen
Zeitung lebt
12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen
Damals war die Zukunft heute
11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen
Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen
10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter, meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen
Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel
09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen
Schwirren und fliegen und sausen
08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen
Denken Sie an Klaviersaitendraht
06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen
Antipathie gegen Beton und Stahl
05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen






