Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 09.02.2010, 16.23 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

19.04.2001.

Die Zeit, 19.04.2001

Internationales Debattenfeuilleton heute in der Zeit.


Der israelische Schriftsteller Yoram Kaniuk stimmt einen Klagegesang von geradezu alttestamentlicher Wucht über die Lage in seiner Heimat an und kommt in einer interessanten Passage noch mal auf den todtraurigen Fall des Ehud Barak zurück: "Die aus einem jahrelangen Traum frustriert erwachte Linke trat Barak ins Knie, weil der nun mal verfügbar war. Arafat, der alles tat, damit Scharon gewählt wurde, hat allem Anschein nach keine Lust, ein kleines Land mit Steuern, Wassersorgen und Abwasserproblemen zu führen und zieht es vor, ein großer Freiheitskämpfer wie Saladin zu bleiben. Und die israelischen Araber, die zu Recht empört waren über eine Regierung, deren Polizeikräfte dreizehn demonstrierende Staatsbürger arabischer Herkunft einfach über den Haufen schossen, rächten sich an Barak, womit sie sich selbst eine riesige Kugel ins Bein jagten."

Umberto Eco erklärt in einem Artikel, den die Zeit aus der Repubblica übernimmt (was sie nicht dazusagt), warum Silvio Berlusconis Wahlkampf so effizient ist: Nicht nur weil man sich nach neuesten Erkenntnissen der Reklame mit einfachen Slogans begnügt, sondern auch weil man Techniken der Kommunisten und der 68er übernimmt: "Vom Modell der 68er-Bewegung finden sich viele Elemente in Berlusconis Parteienbündnis. Erstens die Identifikation eines Feindes, der viel subtiler und weniger sichtbar als die Vereinigten Staaten ist, wie die multinationalen Konzerne oder die Trikontinenetale und die Anprangerung ihres permanenten Komplotts. Zweitens die Methode, dem Gegner nie etwas zu konzedieren, ihn unentwegt zu dämonisieren, was immer er auch vorschlagen mag, und folglich die Verweigerung des Dialogs und der Konfrontation (auch Verweigerung jedes Interviews mit Journalisten, die ja ihrem Wesen nach Knechte der Macht sind)." Wir empfehlen in diesem Zusammenhang auch unsere Post aus Neapel von Gabriella Vitiello, die weitere Links zum Thema gibt.

Aufmacher des Literaturteils ist Helga Hirschs Interview mit Jan Tomas Gross, dessen (bisher nur auf englisch vorliegendes) Buch "Neighbours" die Debatte um das polnische Massaker an den Juden in Jedwabne auslöste. Gross bleibt bei seinem Standpunkt, dass die Polen, nicht die Deutschen die Hauptverantwortlichen des Verbrechens sind: "Für mich ist nach wie vor klar, dass sich an jenem fraglichen 10. Juli keine größere Anzahl von Deutschen in dem Ort aufgehalten hat. Dafür, dass 232 Soldaten einer Spezialeinheit angereist sein sollen, kann Staatsanwalt Waldemar Monkiewicz, der sich Ende der sechziger Jahre mit dem Fall befasste, keinerlei Belege vorlegen. Mehrere Zeugen erwähnen hingegen einen Personenwagen, in dem höchstens fünf Personen gewesen sein können. Das halte ich für wahrscheinlich."

Weitere Artikel: Jens Jessen kommentiert in der Leitkolumne den Fund der Gestapo-Akten von Wien. Renate Klett porträtiert den Künstler Hans-Peter Litscher, der falsche, aber stets sehr wahrscheinlich klingende Biografien erfindet. Thomas Groß macht in einer Besprechung von Nick Caves neuer Platte auf "Gefahren der Überästhetisierung" aufmerksam. Besprochen werden überdies die Filme "Beau Travail" und "You Can Count on Me".

Hinzuweisen ist außerdem auf eine Polemik des Politologen Wilhelm Hennis zur Feigheit der Staatsanwaltschaft in der CDU-Parteispendenaffäre und auf Thomas Fischermanns Dossier, das von Internetunternehmern im rechtsfreien Raum handelt –denn immer mehr Spielcasinos und andere dunkle Betriebe haben ihre Rechner auf Karibikinseln stehen und sparen Steuern und Rechtstreitigkeiten.

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Süddeutsche Zeitung, 19.04.2001

Der israelische Historiker Moshe Zimmermann, glaubt, dass es kein Zufall ist, wenn die israelische Armee den Gaza-Streifen so kurz vor dem Holocaust-Gedenktag, dem 18. April, besetzte: "Seit dem Fall der Mauer ist Auschwitz... auch für hohe Offiziere des israelischen Militärs zum Reiseziel geworden. Die Gegenüberstellung von jüdischer Machtlosigkeit, symbolisiert durch Auschwitz, und jüdischer Macht, am deutlichsten über das Bild der israelischen Militärs vermittelt... dient als entscheidender Hintergrund für die angeblich zentrale Schlussfolgerung, die man als Zionist... aus der Geschichte der Shoa ziehen soll: Nie wieder dürfen Juden machtlos, waffenlos, den Feinden ausgeliefert sein."


Tobias Timm hat die Ausstellung "Bitstreams" im New Yorker Whitney-Museum besucht, die sich digitalen Verfahren in der Kunst widmet. Besonder beeindruckt hat ihn eine Arbeit von Jon Haddock, der Reportagefotos bearbeitet: "Jeder kennt das Foto aus dem Vietnamkrieg, auf dem weinende Kinder nach einem Napalm-Angriff eine Landstraße entlangrennen. Obwohl Jon Haddock alle Menschen aus dem Foto entfernt hat, so dass nur noch eine leere vietnamesische Straße zu sehen ist, erkennt man das Bild wieder. Man hat es tausendfach gesehen... doch im Zuge dieses ewigen Wieder-Sehens hat dieses Bild auch seine Kraft verloren... Paradoxerweise rücken die Opfer und die Gewalt, unter der sie litten, erst durch ihre Auslassung wieder in den Vordergrund." Haddocks Fotos und Weiteres zur Ausstellung finden Sie in unserem Link des Tages ab zehn Uhr.

Weitere Artikel: Harald Staun stellt einen Zusammenhang zwischen BSE-Krise, dem Wunsch nach exotischer Nahrung und dem Geheimnis der Kochkunst her. Besprochen werden eine konzertante Aufführung von Franz Lehars früher Oper "Tatjana" in Berlin, Händels "Ariodante" in Paris und Wedekinds "Lulu" in London.

Auf der Kinoseite geht es um den Film "Arbeiter/Bauern", das neue Werk von Straub/Huillet, um "You Can Count on Me", um den japanischen Animationsfilm "Prinzessin Mononoke" und um die irische Komödie "The Closer You Get". Das Star-Album ist Jean Reno gewidmet.

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Frankfurter Rundschau, 19.04.2001

Am Wochenende entscheiden die Montenegriner über die Frage, ob sie bei Jugoslawien bleiben wollen oder nicht. Der Slawist Milos Okuka schreibt: "In seiner Geschichte war der kleine Bergstaat (mit circa 600 000 Einwohner) niemals so geteilt wie heute. In den montenegrinischen Gesellschaft haben sich zwei starke Lager gebildet: Fürsprecher alles Montenegrinischen, die Ethnogeneser, und Fürsprecher des Allserbischen, die Serbophilen. Der Schauplatz ihrer Konflikte eskaliert besonders in der Auslegung der montenegrinischen Nation, in Diskussionen über den Kosovo-Mythos, im Verhältnis zur serbischen Geschichte und Literatur sowie über den Status der orthodoxen Kirche in Montenegro." Stöhn!


Helene Carrere d'Encausse, secretaire perpetuelle der Academie francaise nimmt im Interview mit Hans-Hagen Bremer Stellung zum französischen Streit um die Feminisierung von Berufsbezeichnungen: "Le Secretaire perpetuel muss es natürlich heißen. Das ist eine grammatikalische Regel. Das Amt ist Neutrum. Im Französischen gibt es aber kein Neutrum, es wird vom Maskulinum eingeschlossen. Sekretär bezeichnet die Funktion, keinen Beruf wie den der Sekretärin, der Stenotypistin." Und hat die Sekretärin keine Funktion? Und seit wann heißt es im Deutschen das Minister?

Der unvermeidliche Kulturphilosoph Slavoj Zizek fordert, dass nach Milosevic nun auch Henry Kissinger vor das Haager Tribunal gestellt wird: "Während seiner Zeit als erster nationaler Sicherheitsberater und später als Außenminister unter Nixon und Ford war er immer zur Stelle, um die Armen und Hilflosen zu bombardieren oder anderweitig zu zerstören, von Chile bis Kambodscha, und einen strategischen 'Deal' mit den Machthabern zu machen, selbst mit Mao."

Besprochen werden Matthieu Kassovitz' Film "Die purpurnen Flüsse", die Pariser Ausstellung über den "erotischen Picasso" im Jeu de Paume, Aaron Coplands "The Tender Land" in Nordhausen, Caryl Churchills "In weiter Ferne" an der Berliner Schaubühne und der Film "Texas Story".

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.2001

Vor zwei Jahrzehnten erschien Nadine Gordimers Roman "Julys Leute". Darin schützt ein schwarzer Dienstbote seine weiße Herrschaft vor Verfolgung in einem fiktiven südafrikanischen Bürgerkrieg. Es war der erste Roman Gordimers, der in Südafrika selbst erscheinen konnte. "Nun droht Nadine Gordimer ein Opfer der Zensur jener zu werden, für deren Rechte und Freiheit sie ein Leben lang eingetreten ist", schreibt Hubert Spiegel, denn eine Provinz will den Roman für die Lektüre in den Schulen verbieten – wegen angeblichen Rasissmus. Spiegel fürchtet die "Rückkehr altbekannter Strukturen unter umgekehrten Vorzeichen."


Der schwedische Historiker Pär Frohnert schildert den Fall des Karikaturisten Lars Hillersberg, der gerne mal antisemitische Zeichnungen vorlegt und nun einen bedeutenden Staatspreis bekommt. Da er ein Linker ist, wird er weithin verteidigt, zum Beispiel mit Argumenten wie diesem: "Es sei 'nicht ganz einfach zu entscheiden', ob Hillersberg Antisemit sei. Aber außer Frage habe gestanden, dass 'er kein Rassist' sei."

In der Reihe "System Builders" präsentiert der Informatiker Alois Knoll den Robotervisionär Hans Moravec, der für die Zeit nach 2050 voraussieht, "dass die Produktivität der roboterbetriebenen Weltwirtschaft dem Menschen einen vollständigen Rückzug aus dem Erwerbsleben ermöglichen wird. Die tägliche Arbeitszeit gehe trotz ständig steigenden Lebensstandards für die breite Masse beständig gegen Null. Nicht nur das, auch die Lebensarbeitszeit werde immer kürzer, bis auch sie verschwindet. Als Mensch wird man sein Bewusstsein in ganz neue Arten von Körpern transferieren lassen, um dann als 'Ex-Mensch' alle Beschränkungen der Biologie nebst Sterblichkeit zu überwinden und in neue Räume vorzustoßen." Vorerst sollen die Roboter aber erstmal staubsaugen lernen.

Weitere Artikel: Rainer Hermann berichtet über die drohende Schließung der privaten Fatih-Universität in Istanbul – Grund: Man hat dort Studentinnen mit Kopftüchern gesehen. Der evangelische Bischof Gerhard Müller antwortet auf einen Artikel des katholischen Bischofs Paul Josef Cordes, der die päpstliche Erklärung "Dominus Iesus" mit dem Argument verteidigt hatte, die evangelische Kirche sei ja in Wahrheit gar keine Kirche. Müller findet, das sie doch eine ist. Jürgen Kaube gratuliert dem Sozialistoriker Jürgen Kocka zum Sechzigsten. Florian Rötzer plädiert gegen die Präimplantationsdiagnostik. Timo John freut sich, dass Baden-Württemberg sich die epochengetreue Ausstattung seiner Schlösser etwas kosten lässt.

Besprochen werden ein Konzert der Manic Street Preachers in Hamburg, ein Tanzstück von Anna Huber in Luzern, Caryl Churchills "In weiter Ferne" an der Berliner Schaubühne, , die "Kontrapunkte" bei den Salzburger Festspielen, eine Ausstellung des Bildhauers Franz Bernhard in Heilbronn, der "Ring" in Meiningen (auch Stephan Mösch findet wie die Kritiker vor ihm die Leistung des Dirigenten Kirill Petrenko bewundernswert), eine Ausstellung deutscher Künstler in Siena, der Film "Texas Story" und ein Symposion in Bombay über den Tanz in Indien und in Deutschland. Auf der Bücher-und-Themen-Seite schreibt Tilman Spreckelsen über die Artus-Sage.

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Neue Zürcher Zeitung, 19.04.2001

Die NZZ bringt heute vor allem Buchbesprechungen, denen wir uns bekanntlich ab 14 Uhr in unserer Bücherschau widmen. Unter anderem geht es um J.M. Coetzees neu übersetzten Roman "Warten auf die Barbaren", um Leon de Winters Roman "Leo Kaplan" und um das neue Heft der Zeitschrift "Du", das dem portugiesischen Architekten Eduardo Souto Moura gewidmet ist.


Die britisch-ägyptische Popsängerin Natacha Atlas kritisiert im Interview mit Thomas Burkhalter die Globalisierung: "Die Popdivas setzen auf westliche Traummaße, auf eine 90/60/90-Figur und MTV-Tauglichkeit. Überall derselbe Quatsch, das ärgert mich. Als Künstlerin möchte ich mit meiner Musik und Persönlichkeit überzeugen: wie die Rapperin Missy Elliot oder die ägyptische Legende Umm Kalthoum."

Weitere Besprechungen gelten dem Stück "In weiter Ferne" an der Berliner Schaubühne, neuen Schweizer Jazzplatten und Erich Wolfgang Korngolds "Toter Stadt" in Straßburg.

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Die Tageszeitung, 19.04.2001

Brigitte Werneburg stellt Barbara Vinkens polemisches Buch über den Mythos der deutschen Mutter vor. Sie hat die Autorin für das Buch getroffen. Unter anderem erfährt man darin, dass in Ländern wie Frankreich und Norwegen der Anteil arbeitender Frauen wesentlich höher ist – und die Geburtenrate auch. Grund ist die bessere staatliche Kinderbetreuung. "'Für meine französischen wie für meine amerikanischen Freundinnen', sagt Barbara Vinken an einem der ersten warmen Tage im Garten des Cafe Einstein, 'ist es vollkommen normal, Kinder und eine Karriere zu haben. Das ist für sie absolut selbstverständlich, dass das zwei zu vereinbarende Sachen sind. Die Französinnen bekommen die Kinder früh und lassen sie in den staatlichen Einrichtungen betreuen. In Amerika bekommen die Frauen die Kinder erst spät. Wenn klar ist, dass ihre Karriere gesichert ist und so viel Geld da ist, dass man ein Kindermädchen anstellt.'"


Weitere Artikel: Barbara Lorey de Lacharriere hält Eindrücke vom 13. Nordischen Filmfestival im nordnorwegischen Kautoteino fest. Bersprochen werden die Filme "You Can Count on Me", "Prinzessin Mononoke" und "Die purpurnen Flüsse".

Auf der Internetseite befasst sich Angelika Hoffmann mit Psychotherapie über das Netz.

Schließlich Tom.

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Notschrei eines blutjungen Originalgenies

09.02.2010. Das Wall Street Journal attackiert das "German Cultural Appeasement". Das Chinese Law Prof Blog bringt Liu Xiaobos Rede vor dem Gericht, das ihn zu elf Jahren verurteilte: eine Weigerung zu hassen. Die FR bejubelt das Comeback des Gil Scott-Heron. Die FAZ bringt: Hegemann - Hermeneutik und Kritik. Die NZZ bilanziert die Auswirkungen des Erdbebens auf die Kulturlandschaft Haitis.  Und die Welt fragt: Was machen Niall Ferguson und Ayaan Hirsi Ali denn da? Schmusen die? Mehr lesen

Härteste Türpolitik

08.02.2010. Das Blog Gefühlskonserve hat herausgefunden, dass Helene Hegemanns Roman "Axolotl" ein bisschen arg von dem Untergrundroman "Strobo" des Bloggers Airen inspiriert ist. Große Aufregung! Vielleicht lernen die aus dem Internet jetzt auch, was Urheberrecht ist, hofft die FAZ. In der FR beschreibt der italienische Staatsanwalt Roberto Scarpinato, wie Zersetzung des Staats und Aufstieg der Mafia zusammenhängen. Inszenierung des Wochenendes: Koltes' "Quai West" in der Regie von Andrea Breth in Wien. Mehr lesen

Verhängt die Fenster

06.02.2010. In der FAZ sieht Stephen Baker das menschliche Gehirn auf dem Rückzug. Die NZZ fragt, ob Apple das Internet in kleine herstellerabhängige Netze zerschlagen wird. Die Welt trifft die Deutschen in der Kälteregion des Daseins. Die taz erkennt mit Thea von Harbou auf die List der Geschichte. In der FR beklagt Ulrich Beck die McDonaldisierung der Universitäten. Der Tagesspiegel begibt sich auf die Spur des Clans, der Hatun Sürücü ermorden ließ. Und im Perlentaucher unterstützt Herta Müller die Forderung nach dem Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo. Mehr lesen

Pneumatische Prozesse

05.02.2010. Die Welt staunt über Pat Metheny, der sich mit großem Tüftleraufwand ein Orchestrion zusammenbauen ließ. In der NZZ denkt Thomas Hettche über das Soldatische, aber auch über den Pergamon-Altar nach. Die FR fordert ein Wahlrecht für Migranten. Die FAZ begleitet Österreich in seinem verzweifelten Ringen um Restsouveränität. Die SZ erklärt, wie man Regeln der Scharia übernimmt, ohne den Rechtsstaat zu verraten.  Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Wie Einbrecher in der Nacht

04.02.2010. Im Tagesspiegel erklärt der Pädophilie-Experte Klaus Beier, warum die katholische Kirche eine solche Anziehung auf Pädophile hat. Immer schon, wie die SZ vermerkt. Der Freitag bemüht sich um Differenzierung beim Islam: Dschihad heißt sich abmühen. Die taz wäre gegen die Burka, wenn es nicht islamfeindlich wäre, gegen die Burka zu sein. In der Zeit erklärt Werner Herzog, warum er keine andere Wahl hat als Filme zu machen. Die FAZ ermisst den realen Ernst der virtuellen Lage. Mehr lesen

So viel wie ein junges Nashorn

03.02.2010. Wie uralt ist diese Bundesrepublik!, ruft die Welt nach Ansehen einer DVD-Edition mit Kulturfilmen von Bernhard Grzimek. Ebenfalls in der Welt empfiehlt Zafer Sencoak in der aktuellen Islamdebatte einen Blick auf die Türkei. Die FR berichtet vom Fajr Film Festival in Teheran, das von den Juroren boykottiert wird. Auf den Seiten des amerikanischen PEN Clubs schlägt Kwame Anthony Appiah den Autor und Dissidenten Liu Xiaobo für den Friedensnobelpreis vor. Die chinesische Regierung warnt vor dieser Idee. Mehr lesen

Irgendwo in einer fernen Wolke

02.02.2010. Anders als die Kritikophoben gehen die Islamkritiker ein persönliches Risiko ein, meint die NZZ. Nichts ist wohlfeiler als Kritik am Islam, meint dagegen Stefan Weidner im Rheinischen Merkur.  Die FR fühlt sich von der Islamdebatte verstört. Spiegel Online berichtet über die geheimen Verhandlungen zum internationalen Copyright-Abkommen ACTA. In der FAZ sieht der New York Times-Redakteur John Markoff den Ipad auch als ein Statement gegen die sozialen Netze. Mehr lesen

Vermutlich wurde er ermordet, vermutlich in Tokio

01.02.2010. Die Washington Post enthüllt, wie viele CDs man verkaufen muss, um auf Platz 1 der amerikanischen Klassikcharts zu landen. Die Beliebigkeit der Literaturkritik ist nicht nur ökonomischem Druck geschuldet, findet die Jungle World. In der NZZ erzählt Angelika Overath von der Verfertigung eines Schulhausromans in Sankt Moritz. Die Zerstörung in Haiti bestürzt mehrere Feuilletons. Die SZ legt nach im Islam-Streit. Die Berliner Zeitung bekennt in der gleichen Sache ihre Ratlosigkeit. Mehr lesen

Circa anderthalb goddamns pro Seite

30.01.2010. In der Welt polemisiert Ulrike Ackermann gegen einen Staat, der uns aus lauter Liebe lauter Freiheiten nimmt.  Die NZZ erinnert an den brasilianischen Journalisten Euclides da Cunhas, dessen Buch "Krieg im Sertao" von 1902 die Schrecken des 20. Jahrhunderts ankündigte. In der FAZ verteidigt Sonja Margolina das Recht auf Islamkritik. Die FR bringt einen Essay Salman Rushdies über die siebte Tosünde - die Trägheit. In der SZ staunt Joachim Kaiser über Maurizio Pollini, der alles richtig macht. Außerdem wird in einigen Zeitungen noch J.D. Salinger gewürdigt. Mehr lesen

Und am Ende siegt immer diese Traurigkeit

29.01.2010. Im Hinblick auf den kommenden Tory-Sieg in Großbritannien informiert die NZZ schon mal über die angesagten Gummistiefelmarken zum Abschreiten der Landsitze. In der Berliner Zeitung wünscht sich Berlinale-Chef Dieter Kosslick Slow Filmfood. Für die FAZ ist jetzt ganz klar: Netz ändert Hirn. Carta fragt: Wer zahlt eigentlich Hotel und Jahrgangswein, wenn Vattenfall "Führende Medienmacher" zum Plausch einlädt? Die SZ bringt eine Sonderseite zu Ruhr 2010. Mehr lesen

Ein Fünkchen Leben, ein bisschen Idiotie

28.01.2010. Der Freitag polemisiert gegen den "postkolonialen Feminismus", der einen Abbau von Frauenrechten gutheißt, jedenfalls in anderen Kulturen. Das Ipad ist da: Gizmodo gibt Tipps für den Gebrauch. Im Tagesspiegel sieht die Juristin Sibylle Tönnies das Verbot der Burka in öffentlichen Gebäuden als Maßnahme in der Nachfolge des französischen Revolutionsterrors. Die Zeit geht in Dantes Hölle spielen. Mehr lesen

Nur Frankfurt kam mit keinem Wort vor

27.01.2010. Für die Welt ist Andrzej Stasiuk nach Belzec gefahren, wo es kaum noch Spuren des ehemaligen Todeslagers gibt. Im Guardian erklärt Chefredakteur Alan Rusbridger, warum er eine Paywall ablehnt: Seine Zeitung würde Millionen Leser verlieren. In der New Republic plädiert Lawrence Lessig gegen das Google Book Settlement. Alle waren beim Suhrkamp-Empfang in Prenzlauer Berg. Auch Martin Walser. Bei Spiegel Online erklärt Henryk Broder, dass er seine Karriere als Hassprediger aufgeben und jetzt Taliban werden will. Mehr lesen

Mit einem Martini und einem Orden

26.01.2010. Die FR bringt eine Diskussion über den Afghanistan-Einsatz. Die New York Times staunt über die Diskriminierung arbeitender Mütter in Deutschland. Netzpolitik und das 1 & 1-Blog diskutieren geplante Jugendschutzmaßnahmen, die es den Anbietern auferlegen, ausnahmslos jederzeit sämtliche Inhalte zu kontrollieren. Die Welt staunt über Brecht, der einen Kult für Kälte mit einer Abneigung gegen harte Butter in Einklang brachte. In der SZ spricht Jimmy Wales über die Erzeugung von Objektivität in der Wikipedia - dank der englischen Sprache. Die taz-Feministinnen zupfen weiter am Kopftuch. Stephan Grigat fordert in der Presse eine linke Kritik an der islamischen Menschenzurichtung. Mehr lesen

Menschenfreundliche Wortwundverbände

25.01.2010. In der Berliner Zeitung klagt Wolfgang Benz über den "Hass", der ihm entgegenschlug. Im Tagesspiegel erklärt Henryk Broder, warum er es als Kompliment begreift, wenn ihn deutsche Feuilletonisten als "Hassprediger" bezeichnen. Die SZ berichtet über eine Kontroverse um Yannick Haenels Roman "Jan Karski". Die FAZ bringt einen Lobgesang auf den Jungdramatiker Nis-Momme Stockmann.  Und die Welt stellt den Autor Markus Albers vor, der sich künftig selbst verlegt. Mehr lesen

Tempel des digitalen Zeitalters

23.01.2010. Die taz erklärt, warum Feminismus und Islamkritik sich vielleicht doch nicht ausschließen müssen. Die FR fordert nach Lektüre von Seyran Ates neuem Buch mehr Differenzierung bei der Betrachtung des Islam. Die NZZ feiert Conlon Nancarrows hochkomplexe Musik für mechanische Klaviere. In der Welt begrüßen Berliner Suhrkamp-Autoren ihren Verlag im neuen Domizil und geben Überlebenstipps für die Hauptstadt. In der SZ warnt Jaron Lanier vor dem maoistischen Google. In der FAZ erkennt Frank Schirrmacher in Google eine Akademie der Aufklärung. Mehr lesen

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