Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
05.03.2024. Die NZZ befürchtet in Jonathan Glazers Auschwitz-Film "The Zone of Interest" eine Trivialisierung des Bösen. Der Eurovision Song Contest bewertet politische Songtexte nach zweierlei Maß, schreibt sie außerdem: Bei Israel ist man überpenibel. Die FAZ begegnet in Düsseldorf den finstersten Gesellen der Kunstgeschichte. Die nmz ruft bei Elisabeth Stöpplers Inszenierung einer Bernhard Lang-Oper in Stuttgart begeistert: "Who the hell is Dora?"
04.03.2024. In Russland gibt es nun eine Liste mit verbotenen Büchern, berichtet die FAZ. Wir präsentieren ein Video von Sharon Cunio, der Frau des von der Hamas entführten Schauspielers David Cunio. Nachtkritik kämpft mit Fanny Brunners Adaption von Jacinta Nandis "50 Ways to Leave Your Ehemann" in Paderborn für die Rechte von Müttern. Die taz lauscht, wenn Mariana Sadovska dem russischen Vernichtungswillen ukrainische Volkslieder entgegensetzt.
02.03.2024. Die SZ arbeitet weiter den Berlinale-Eklat auf: selbst moderate Wortmeldungen, die "Frieden für Palästina und Israel" forderten, wurden aufs Übelste beschimpft. Die taz fragt sich, in wessen Herzen Gerhard Richters Birkenau-Zyklus, der nun in Auschwitz ausgestellt wird, wirken soll. Die FAZ sieht auf der "Kyiv Perenniale" die von Krieg gebeutelte Vergangenheit und Gegenwart der Ukraine. Die FAS steigt zu Roberto Saviano in den von Carabinieri geschützten Wagen, um über seinen neuen Roman zu sprechen. Die Feuilletons trauern um den Regisseur Paolo Taviani.
01.03.2024. Die Nominierungen für den Preis der Leipziger Buchmesse sorgen beim Tagesspiegel für Überraschung, Welt und FAZ freuen sich, letztere besonders über die Graphic Novel "Genossin Kuckuck." Die FAZ ist froh über klare Worte gegen einen Ausschluss Israels von der Biennale, auch wenn sie von einem rechten Minister kommen. Gegen ständige Verfügbarkeit und Planungsunsicherheiten im Theaterbetrieb wehrt sich die Bewegegung #StoppNVFlatrate, SZ und VAN berichten. Das Stück "Ulrike Maria Stuart" ist nach der Verhaftung Daniela Klettes umso aktueller, findet Nachtkritik.
29.02.2024. Zwischen goldenen Gebissen, Girls und Platin-Bananen atmen FAZ und FR auf, dass die große Hip-Hop-Schau in der Frankfurter Schirn ganz ohne Antisemitismus, Machismus und Homophobie auskommt. Eine neue "Kunstschau des Antisemitismus", befürchtet derweil die NZZ in Venedig. Jonathan Glazers in Cannes gefeierter Film "The Zone of Interest" erfüllt Claude Lanzmanns Maßstab, wie man vom Holocaust erzählt, glaubt die FAZ. Perlentaucher und Filmdienst haben Zweifel. Henryk Broder verrät seinem Kollegen Deniz Yücel in der Welt, warum kein Filmemacher auf die Idee gekommen ist, Solidarität mit den Ukrainern zu zeigen.
28.02.2024. "Ja nichts ist okay": Die Feuilletons trauern weiter um René Pollesch. Birgit Minichmayr wurde laut SZ von niemand so zärtlich geküsst wie von ihm. Die taz erinnert sich daran, wie der Theatermacher seine Schauspieler leuchten ließ. Briefeschreibende Möchtegern-Aktivisten sind mal wieder in Sachen Israelboykott unterwegs, weiß die Welt. Derweil streitet das Feuilleton weiter darum, wie antisemitisch die Berlinale-Preisverleihung war. Die FAZ betrachtet Magrittes Giraffe im Cocktailglas in Brüssel. Die SZ gratuliert Frank Gehry, dem Architekten, der sogar bei den Simpsons vorkommt, zum 95.
27.02.2024. Die Theaterwelt ist schockiert über den unerwarteten Tod René Polleschs: Die FAZ betrauert ihn als Liebhaber des "boulevardesken Ungefähren". Die Berliner Zeitung weiß, wie sehr er mit Vorurteilen zu kämpfen hatte. Heftig diskutiert wird weiter über den Berlinale-Eklat: die SZ staunt, wie gerade jene aus der Kultur- und Queerszene für die applaudieren, die ihnen bei der nächstbesten Gelegenheit an die Gurgel gingen. Die FAZ schmerzt immer noch vor allem der Jubel des Publikums. Die taz fragt sich, warum ausgerechnet Israels Beitrag für den ESC auf politische Inhalte geprüft wird.
26.02.2024. Der Goldene Bär der diesjährigen Berlinale geht an Mati Diops Restitutionsfilm "Dahomey": die taz hat nichts dagegen, dass wieder ein Dokumentarfilm gewonnen hat - aber war das wirklich der beste Film? Die Zeit findet: hier bleibt einiges im Unklaren. Überschattet wurde die Preisverleihung am Ende allerdings von diversen Palästina-Solidaritätsbekundungen: Von einem "erschreckend undifferenzierten Israel-Bashing" schreibt die SZ, der Tagesspiegel attestiert der Kultur ein handfestes Israelproblem. Und die FAZ starrt bei der Musica Viva mit weitaufgerissenen Ohren ein Glühwürmchen an.
24.02.2024. Die FR hofft auf einen Berlinale-Bären für Nelson Carlos de Los Santos Arias' Querschläger "Pepe". Die taz unterhält sich mit der iranischen Filmemacherin Farahnaz Sharifi über die Beschlagnahmung ihres privaten Archivs. Die SZ kommt völlig erschlagen aus "The Zone of Interest", Jonathan Glazers Film über den Auschwitzkommandanten Rudolf Höß. In der taz diagnostiziert Viktor Jerofejew eine tödliche Epidemie der Dummheit in Russland. In der FAZ stellt Artur Becker den polnischen Lyriker Krzysztof Siwczyk vor.
23.02.2024. Weiter geht's mit der Berlinale, die FAZ macht den tunesischen Beitrag "Mé el Aïn" als Favoriten aus, der Tagesspiegel drückt dem dominikanischen Nilpferd "Pepe" im Wettbewerb die Daumen. Die Welt bezweifelt, ob die sprachliche Überarbeitung von Michael Endes "Jim Knopf" wirklich förderlich ist. Die FAZ lässt sich im Den Haager Mauritshuis von den Bildern Roelant Saverys von wilden Blumen und Tieren verzaubern. Wie Putin klassische Musik für seine Propaganda missbraucht, erklärt die Neue Musikzeitung.