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17.06.2024. Was ist in Leipzig los? Die FAZ ist fassungslos darüber, wie Rod Stewart bei einem Konzert für seine Putin-Kritik ausgebuht wurde. Die russische Musik gehört nicht Putin, sondern der ganzen Welt, erinnert der Pianist Jewgeni Kissin in Backstage Classical. Die FR geht in einer Ausstellung in Bad Homburg "Waldbaden". Die FAZ spaziert beglückt durch das Schloss Belvedere in Weimar, wo sie die Skulpturen von Olaf Metzel bewundert. Die NZZ empfiehlt der großen Friederike-Mayröcker-Ausstellung mehr Mut zum Fetisch.
Georg Rudiger spricht für Backstage Classical mit dem Pianisten JewgeniKissin, einem der wenigen russischen Musiker, die sich in aller Entschiedenheit und Schärfe gegen Putin und dessen Angriff auf die Ukraine geäußert hat. Mit Kritik am russischen Staatschef (und an der zögerlichen Solidarität des Westens mit der Ukraine) lässt er es auch in diesem Gespräch nicht mangeln. Aber es geht auch ums Verhältnis zur russischenMusik: Diese "sollte gespielt werden. Wenn wir sie nicht spielen würden, dann würde dies nur Wladimir Putin nützen, weil wir damit suggerierten, dass ihm die Musik gehöre. Aber ... russische Musik gehört der ganzen Welt." Zwar "gibt es sicherlich einige Werke, die ich gegenwärtig nicht spielen würde, zum Beispiel Mussorgskys 'Bilder einer Ausstellung'. Das letzte Bild dieses wunderbaren Zyklus heißt 'Das große Tor von Kiew'. Kiew wird in diesem Kontext als Hauptstadt Russlands angesehen. Auch Tschaikowskys 'Ouvertüre 1812' op. 49, die von Russlands Sieg über Napoleon erzählt, halte ich gegenwärtig für problematisch. Man sollte auf alle die Werke verzichten, die russischeSiege feiern."
Was ist nur in Leipzig los? RodStewart wurde dort bei seinem Auftritt bei einem der Ukraine gewidmeten Song vom Publikum heftig ausgebuht (immerhin: Ein paar hielten mit Applaus dagegen), berichtet Bernhard Spring in der FAZ. "Der routinierte Entertainer schaut einen Moment irritiert ins Publikum. Was zuvor in Kopenhagen und Amsterdam funktioniert hat, klappt hier nicht. Stewart kann in Leipzig die Sympathie für ihn nicht mit einer politischen Botschaft verknüpfen. Das mitteldeutsche Publikum, das bei den letzten Wahlen die AfD und das BSW stark gemacht hat, die beide Waffenlieferungen an die Ukraine ablehnen, kann sich nicht einmal zum Wunsch nach Frieden durchringen." Ein Twitter-Video hält diesen peinlichen Moment fest:
Schwache Leistung von einigen Leipziger*innen heute. Putin wirkt. Zum Glück hielten einige dagegen. Peinlich in den Augen des Weltstars @rodstewartpic.twitter.com/tuGi3fHcBE
Weitere Artikel: Max Dax spricht für die FR mit MathieuJaton, den neuen Leiter des Montreux-Festivals. "Werdet nicht alt", rät John Cale jüngeren Musikern im Zeit-Online-Gespräch mit Torsten Groß. Gerald Felber resümiert in der FAZ das BachfestLeipzig. Axel Brüggemann blickt in BackstageClassical zurück auf die Klassikwoche.
Besprochen werden QuatuorDanels zweite Gesamtaufnahme aller fünfzehn Streichquartette von DmitriSchostakowitsch (FAZ), der ARD-Podcast "Rammstein - Row Zero" Über die Frauen, die schwere Vorwürfe gegenüber TillLindemann erhoben haben (FAZ) Fabers neues Album "Addio" (NZZ), das RnB-Debütalbum "Born in the Wild" von Tems (SZ) und das neue Album "uNomkhubulwane" des südafrikanischen Jazz-Pianisten NduduzoMakhathini (SZ). Wir hören rein:
Für die Weltspricht Lena Karger mit MayaLasker-Wallfisch über ihre Begegnung mit HansJürgenHöss, dem Sohn des Auschwitz-Kommandanten RudolfHöß, im Rahmen des Dokumentarfilms "Der Schatten des Kommandanten" (mehr zu dem Film bereits hier).
Besprochen werden JulioTorres' Komödie "Problemista" (SZ, unsere Kritik), HenningBeckhoffs Dokumentarfilm "Fossil" über den Tagebau und den Kohleausstieg (online nachgereicht von der FAZ), der auf Disney+ gezeigte Dokumentarfilm "Das Sekten-Massaker: Ein Tag in Jonestown" (FAZ), die zweite Staffel des "Game of Thrones"-Prequels "House of the Dragon" (taz, Tsp, Presse) und die Serie "Maxton Hall" (FAZ).
Bestellen Sie bei eichendorff21!"Ein bisschen mehr Mut" hätte der großen Friederike-Mayröcker-Ausstellung im Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek "nicht geschadet", findet Paul Jandl in der NZZ, der den "großartigen Katalog" gegenüber der physischen Ausstellung glatt vorzieht. "Das Tremolo der Liebe bestimmt ein Werk, das überall Fetische sucht und auch findet. Solche 'Gegenstandswesen' waren in Mayröckers Lebenskosmos omnipräsent, und man hätte diesem 'groben verboxten Gesindel' beim Unboxing der Archivkisten für die Ausstellung vielleicht mehr Aufmerksamkeit widmen können. Von der Hand der Dichterin berührt, wächst das Banale über sich hinaus. Die Messie-Wohnung in der Wiener Zentagasse bildete in Wahrheit ein einziges großes Gedicht aus Dingen. Eine Komposition, deren Teil Friederike Mayröcker selbst war und an die sich unaufhörlich Material anlagerte. Gegenständliches und Immaterielles. Medikamentenschachteln und Musik, Wäschekörbe voller Zettel und pfingstliche Erfahrungen." Mehr zur Ausstellung bereits hier.
Weitere Artikel: Claudia Schwartz spricht in der NZZ mit ElkeHeidenreich unter anderem übers Altern. Besprochen werden EleanorCattons "Der Wald" (TA), MareikeFallwickls "Und alle so still" (FR), JakobNoltes Krimi "Die Frau mit den vier Armen" (taz, online nachgereicht von der Zeit), AlhierdBacharevičs "Europas Hunde" (Freitag), GeorgeSaunders' "Tag der Befreiung" (NZZ), VladimirVertlibs "Die Heimreise" (Standard), Hans-PeterKunischs "Schach dem König. FriedrichderGroße und Albert von Hoditz. Eine ungewöhnliche Freundschaft" (Welt), MoniPorts Kinderbuch "Mein tröstliches Buch" (online nachgereicht von der FAZ), AndreaLöws "Deportiert. 'Immer mit einem Fuß im Grab' - Erfahrungen deutscher Juden" (SZ) und neue Hörbücher, darunter AxelCortis Lesung von JosephRoths "Das falsche Gewicht. Die Geschichte eines Eichmeisters" (FAZ). Mehr ab 14 Uhr in unserer aktuellen Bücherschau.
In der online nachgereichten Frankfurter Anthologie schreibt Frieder von Ammon über den homerischen Hymnus "An Selene":
"Singt dem Mond doch ein Lied, dem weithin schweifenden, Musen - ihr wohlredenden Töchter des Zeus, ihr zum Singen Begabte, dessen am Himmel sich zeigendes Licht auf die Erde herabglänzt ..."
In der FAZ bewundert Lotte Thaler die tolle Gesangsleistung der litauischen Sängerin Aušrinė Stundytė in Richard Brunels Inszenierung von Leoš Janáčeks Oper "Die Sache Makropoulos" an der Oper Lyon. In der NZZteilt Bernd Noack seine Eindrücke von den Wiener Festwochen unter der Intendanz von Milo Rau. Jens Fischer besucht für die taz das Festival Theaterformen in Braunschweig.
Besprochen werden Ulrich Cyrans Inszenierung von Franz Wittenbrinks Revue "Sekretärinnen" bei den Burgfestspielen Bad Vilbel (FR), Eva Lemaires Inszenierung von Susanne Becks und Thomas Eiflers Stück "Heimatlos auf hoher See. Die Irrfahrt der St. Louis" an der Landesbühne Esslingen (nachtkritik), Aline Bosselmanns Adaption "Mein Blutbuch" nach dem Roman von Kim de l'Horizon am Theater Essen (nachtkritik), Wolfgang Michaleks Adaption von Ottfried Preußlers Roman "Krabat" am Staatstheater Cottbus (nachtkritik), Christian Weises Inszenierung von Bertolt Brechts "Dreigroschenoper" am Nationaltheater Mannheim (nachtkritik), Andreas Kriegenburgs Inszenierung von Shakespeares "Timon von Athen" am Theater Magdeburg (FAZ), Marco Damghanis Inszenierung von Juri Sternburgs Stück "Endgame" am Gorki-Theater Berlin (tsp).
FAZ-Kritiker Stefan Trinks spaziert beglückt durch die Säle des Schloss Belvedere in Weimar, wo die Klassik-Stiftung Werke des Bildhauers Olaf Metzel zeigt. Wie kaum jemand schafft es Metzel "hiesige historische Umbrüche, gesellschaftliche Schieflagen und Ungerechtigkeiten derart scharf zu benennen und in formal starke Werke zu gießen", so Trinks. Hingerissen betrachtet er zum Beispiel die ironisch mit "Turkish Delight" betitelte Skulptur im Grünen Salon, eine nur mit Kopftuch bekleidete Frau: "Der fürs Belvedere gefertigte Guss glänzt samtig schwarz. Wochenlang modellierte er die leicht unterlebensgroße Figur nach einem realen Akt, dem schließlich nach kräftezehrendem Modellstehen die Kraft für weitere Körperspannung fehlte und der ins Hohlkreuz verlagerte. In genau diesem Moment hielt der Bildhauer sie fest. Dass die Figur in ihrer Fragilität und ironischen Betitelung als beliebte osmanische 'Süßigkeit' gerade in der Türkei nicht falsch verstanden wird, zeigt sich schon daran, dass die beiden ersten Versionen nach Istanbul gingen und dort heute in all ihrer Erschöpfung und Hinfälligkeit auf den Bosporus blicken."
Weitere Artikel: Peter Laudenbach besucht für die SZ die kleine Galerie der "Freunde aktueller Kunst" in Zwickau, in der schon Größen wie Neo Rauch und Pipilotti Rista ausstellten - und die sich permanent gegen Angriffe von Neonazis zur Wehr setzen muss. Für die tazschaut sich Beate Scheder auf der Art Basel Kunst aus Afrika an. Ebenfalls in der tazweist Louis Berger auf die öffentlichen Kunstwerke des Künstlers Manfred Henkel hin, die man an unterschiedlichen Orten in Berlin betrachten kann.
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