Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Literatur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.02.2026 - Literatur

Larissa Kunert stellt in der FAZ das literarische Schaffen von Alexander Estis vor. Einen Roman hat er bislang nicht vorgelegt und er hat dies wohl auch nicht vor, wenn man einer satirischen "Miniatur" in der Zeitschrift Sinn und Form glauben kann, in dem er das romanlose Leben eines Schriftstellers als große Tugend darstellt. Stattdessen "verfasst er Miniaturen, Glossen, Aphorismen, bündige Parabeln - oft in satirischem Ton, oft ausnehmend absurd, wobei Komik und Tragik nah beieinanderliegen." Seine Kurztexte "erinnern ... in ihrer sorgfältig komponierten Absurdität ein wenig an die Kafkas Kurzgeschichten. Allerdings ist Estis' Sprache facettenreicher, man stößt hier auf viele Wörter und Wendungen, die nichts mit der funktionalen Kühle Kafkas zu tun haben. Mitunter wirkt das wie verstaubt oder hochgestochen." Doch "vor allem zeigt sich darin eine uneingeschränkte Lust an der Sprache, daran, die subtilsten Unterschiede in Klang, Konnotation und Bedeutung immer wieder aufs Neue auszuloten."

Weitere Artikel: Heike Hellebrand denkt auf 54books über die anhaltende Popularität von Spionageromanen nach. Besprochen werden Robert Menasses Novelle "Die Lebensentscheidung" (NZZ), Barbara Honigmanns "Mischka" (SZ) und Sebastian Schmidts "Powerschaum" (FAZ). Mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau.

Außerdem jetzt online: Unser Bücherbrief des Monats mit den besten Büchern im Februar.
Stichwörter: Estis, Alexander

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.02.2026 - Literatur

Besprochen werden unter anderem Margaret Atwoods Memoiren (taz), Barbara Honigmanns "Mischka" (NZZ), Leon Englers "Botanik des Wahnsinns" (Standard), neue Comics aus Südkorea (Tsp), Steffen Martus' "Erzählte Welt. Eine Literaturgeschichte der Gegenwart, 1989 bis heute" (Standard), Felix Philipp Ingolds "Paris als Exil. Die Einwanderung aus Russland 1910 bis 1940" (NZZ) und David Hugendicks Essay "Jetzt sag doch endlich was. Über das Stottern" (SZ). Dazu mehr in unserer Bücherschau.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.02.2026 - Literatur

Die Schriftstellerin Marica Bodrožić denkt in "Bilder und Zeiten" der FAZ über verschiedende Reden von Václav Havel und dessen Appelle an Freiheit und Mitmenschlichkeit nach und fragt sich: "Wo sind heute Menschen seines Formats?" Und welche Schriftsteller halten den utopischen Überschuss einer sich öffnenden Welt heute noch aufrecht? "Nach einer unendlich bleiernen Zeit ließ sich auf dem gesamten Kontinent erleben, wie die Freude eine kurze Zeit lang in Mut und Gestaltungswillen übergingen. Heute ist dieser Umbruchsmoment schon wie in die Untiefen der Geschichte abgesunken, aber er kann ein Muster der Zuversicht in die Welt holen, wenn Klarheit darüber besteht, dass alles möglich ist, wenn man es selbst nicht als Ideenraum auslöscht, bevor er sich überhaupt entwickelt hat. ... Bewusstsein, Werte und Ideale müssen nun unter Druck selbst gelebt werden. Und vieles ist schon in der Umzingelung durch die Lüge und unnötiges Taktieren verraten worden."

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Weitere Artikel: Im Literaturfeature von Dlf Kultur porträtiert Michael Hillebrecht den im Exil lebenden libyschen Schriftsteller Hisham Matar. Francesca Polistina blickt für "Bilder und Zeiten" auf die Sportbegeisterung der italienischen Literatur, doch "von der Lebensfreude und Leichtigkeit, die viele Schriftsteller nach den Olympischen Spielen von 1956 empfanden, ist in der heutigen Literatur wenig zu spüren". Andreas Isenschmid hat derweil für "Bilder und Zeiten" den vor 150 Jahren erschienenen Roman "Daniel Deronda" von George Eliot - ein Pseudonym Mary Ann Evans - aus dem Regal geholt. Und Marc Zitzmann erinnert in "Bilder und Zeiten" an die Briefeschreiberin Marie de Sévigné. Außerdem kürt die Jury des Dlf Kultur in Form einer PDF die besten Krimis des Monats - hier alle Bücher, zu denen wir Rezensionsnotizen haben, das CrimeMag flankiert mit Besprechungen.

Besprochen werden unter anderem Barbara Honigmanns "Mischka" (taz), Andrej Platonows "Der Staatsbewohner" (FR), Jill Johnsons Krimi "Nachtschattengewächse" (taz), Ece Temelkurans "Nation of Strangers" (FAZ), Son Lewandowskis "Die Routinen" (FAS) und Denis Pfabes' "Die Möglichkeit einer Ordnung" (LitWelt). Dazu mehr in unserer Bücherschau.

In der online nachgereichten Frankfurter Anthologie schreibt Werner von Koppenfels über Emily Dickinsons "Mein Hirn entfiel mir":

"Mein Hirn entfiel mir - Seele taubt -
In den Adern das Pulsieren
Erstarrt abrupt - zur Perfektion ..."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.02.2026 - Literatur

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Leonie C. Wagner porträtiert in der NZZ die Schriftstellerin Elisa Shua Despin, deren autobiografisch geprägter Debütroman "Winter in Sokcho" gerade aktuell fürs Kino adaptiert wurde (unsere Kritik). Für die Zeit hat David Hugendick in Tokio die Buchhandlung Morioka besucht, in der es nur ein einziges Buch gibt. 

Besprochen werden unter anderem Elias Hirschls "Schleifen" (FR), eine Neuausgabe des Weltraum-Versepos "Aniara" des Literaturnobelpreisträgers Harry Martinson (Intellectures), der fünfte Band der von Henrik Schrat illustrierten "Grimms Märchen" (taz), Antje Rávik Strubels Essay "'Kein Schnee, nimmermehr'. Neunzig Kilometer Mutmaßungen übers Skifahren, das Schreiben und den Tod" (SZ) und Regina Kehns Comic "Einmal kurz nicht aufgepasst!" (SZ). Mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.02.2026 - Literatur

Robert Mießner berichtet in der taz von seinem Besuch in der Akademie der Künste, wo Vor- und Nachlass des 2023 verstorbenen DDR-Underground-Dichters und Anarchisten Bert Papenfuß eingelagert sind und in den morgen Nachmittag der Öffentlichkeit ein Einblick gewährt wird. Besprochen werden unter anderem Ulrike Draesners "penelopes sch()iff. Postepos" (Zeit OnlineDavid Bs Comic "Monsieur Chouette" (FAZ.net), Dorota Maslowskas "Im Paradies" (NZZ) und Alaa Al-Aswanis "Die Bäume streifen durch Alexandria" (FR). Mehr in unserer Bücherschau.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.02.2026 - Literatur

"Klassiker zu vereinfachen, ist kein Frevel an der Literatur", wenngleich es auch nicht schaden könne, wenn Texte auch mal zu "Knobelaufgaben" werden. So lautet der versöhnliche Befund, den Thomas Ribi aus der neutralen Schweiz in der NZZ zur deutschen Kontroverse um Literaturklassiker in einfacher Sprache im Deutschunterricht beisteuert. Diese sagt vor allem etwas aus "über das Verhältnis der Deutschen zu ihren Klassikern: Man liest sie zwar kaum und macht sich über bildungsbürgerliches Gebaren lustig. Aber man hält sie in Ehren. Und wenn sich jemand erdreistet, sie zum Leben zu erwecken, reagiert man empört, sobald man den Eindruck hat, der nötige Respekt werde nicht gewahrt. Nur: Respekt hält Goethe, Lessing, Kleist und Co. nicht am Leben. In England ist William Shakespeare an allen Schulen Pflichtlektüre. Manche seiner Stücke werden schon in der zweiten oder dritten Klasse gelesen - selbstverständlich in vereinfachten Ausgaben. Mit dem Erfolg, dass 'Hamlet', 'König Lear', 'Viel Lärm um nichts', 'Romeo und Julia' oder 'Der Sturm' auch vierhundertfünfzig Jahre nachdem sie geschrieben worden sind, noch lebendiges Kulturgut sind."

Weitere Artikel: Marie Schmidt porträtiert in der SZ die Verlegerinnen Constanze Neumann, die bislang bei Aufbau tätig war und nun den Publikumsverlag Bastei Lübbe literarisch neu aufstellen will, und Heide Kloth, die Neumann bei Aufbau nachfolgt. Besprochen werden unter anderem Katharina Pragers Biografie über Karl Kraus (Standard), Frauke Buchholz' Krimi "Endzeit" (FR), Kjell Westös "Dämmerung" (FAZ) und Julya Rabinowichs Jugendroman "Mo & Moritz" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.02.2026 - Literatur

Sonja Zekri porträtiert in der SZ Dory Manor und Moshe Sakal, die entgegen allen ungünstigen Gegenwartszeichen in Berlin mit Altneuland einen Verlag für hebräische Literatur gegründet haben. "Die Wahl des Druckorts ist mehr als eine logistische Entscheidung, es ist eine verlegerische Geste von größter Symbolik. Denn Sakal und Manor wollen von ihrem Loft in Berlin aus nichts Geringeres als das Hebräische aus der Verschmelzung mit Israel lösen, wollen es als eigenen literarischen Raum, als Kultur- und Gedankenraum etablieren, ein intellektuelles Universum aus eigenem Recht und aus eigener Kraft mit globalem Anspruch. Dass sie damit Widerspruch auslösen, vielleicht Empörung, ist ihnen bewusst. 'Wir verleugnen unsere Herkunft als Israelis nicht, aber wir erweitern sie um ein größeres Verständnis von Judentum', sagt Sakal. ... Der Markt in Deutschland, in Europa wird wachsen, davon sind sie überzeugt. Viele Israelis seien verstört und entfremdet von einer immer rechteren Regierung, immer neuen Kriegen. 'Sie werden das Land verlassen', sagt Sakal: 'Und dann brauchen sie Bücher.'"

Außerdem: Die Welt hat Mladen Gladićs Porträt des Verlegers und Börsenverein-Vorstehers Sebastian Guggolz online nachgereicht. Besprochen werden unter anderem Michal Ajvaz' Prag-Roman "Die andere Stadt" (NZZ) und neue Sachbücher (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.02.2026 - Literatur

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Matthias Heine empfiehlt in der Welt Marjane Satrapis Comicklassiker "Persepolis", um die Revolten im Iran in den letzten Jahren besser zu verstehen. Mit Margaret Atwoods Science-Fiction-Klassiker "Der Report der Magd" lässt sich nachvollziehen, wie in den USA mit ICE dystopische Verhältnisse normalisiert werden sollen, schreibt Barbara Peveling auf 54books. Uli Kreikebaum porträtiert in der FR Christoph Poschenrieder, der im Alter von 61 Jahren angekündigt hat, nach fünfzehn Jahren als Schriftsteller künftig lieber Straßenbahnen in München zu fahren statt weiterhin Bücher zu schreiben.

Besprochen werden unter anderem Leïla Slimanis "Trag das Feuer weiter" (Standard), der Band "Wir müssen wahre Sätze finden" mit Gesprächen mit Ingeborg Bachmann (Standard), Martina Hefters Gedichtband "Es könnte auch schön werden" (taz) und neue Kriminalromane, darunter Robert Bracks "Die nackte Haut" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 31.01.2026 - Literatur

Was geschieht mit der hebräischen Sprache, wenn auch immer mehr israelische Autorinnen und Autoren auswandern, fragt sich der Schriftsteller Moshe Sakal in "Bilder und Zeiten" der FAZ. In Israel sind viele der Ansicht, dass Hebräisch nur dort seine Heimat habe. "Ist Hebräisch wirklich eine Sprache des Exils? Sind die Israelis, die heute gehen, mit den emigrierten Iranern vergleichbar, die Farsi sprechen? Auch hier bin ich mir nicht sicher. Das liegt unter anderem daran, dass das moderne Hebräisch als säkulare Sprache, als Sprache der Kultur, Literatur und Gesellschaft, seine Wurzeln im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert in Europa hat. Und dorthin kann es zurückkehren."

Heute vor 125 Jahren wurde die Schriftstellerin Marie Luise Kaschnitz geboren. Die "brillante Beobachterin und beeindruckende Stilistin" und erste Büchner-Preisträgerin ist allerdings ziemlich in Vergessenheit geraten, seufzt die Schriftstellerin Eva Sichelschmidt in der SZ. Dabei wäre es durchaus lohnenswert, Kaschnitz wiederzuentdecken, schreibt Sichelschmidt weiter: Zwar klagte sich die Schriftstellerin später selbst an, zu wenig gegen den Natonalsozialismus getan zu haben. "Bald nach dem Krieg schon verfasste sie eine kämpferische Abrechnung mit der von Frank Thieß geprägten Formel von der Inneren Emigration. ... Die Erzählkunst der Marie Luise Kaschnitz kann für den Nachgeborenen, für heutige Leser zum Ankerpunkt werden, gerade in Zeiten wie diesen, da jeder sich fragen muss: Was tue ich gegen die Demokratieverletzungen unserer Tage, den Zynismus reiner Machtpolitik, gegen die eigene Indifferenz beim Heraufkommen von Verhältnissen, die nicht nur linke Alarmisten als präfaschistisch wiedererkennen?"

Außerdem: Für "Bilder und Zeiten" der FAZ begibt sich Thomas Steinfeld auf die Suche nach Chavignolles, dem von Flaubert erfundenen Ort für sein Romanfragment "Bouvard und Pécuchet" (mehr zu dem Buch vor kurzem auch hier). Rainer Moritz erinnert in "Bilder und Zeiten" an den vor hundert Jahren geborenen Schriftsteller Richard YatesMaxim Biller lässt in einer Glosse in der SZ einen Literaturwissenschaftler und einen jüdischen Schriftsteller im E-Mail-Wechsel aufeinandertreffen.

Besprochen werden unter anderem Leïla Slimanis "Trag das Feuer weiter" (taz), Paul Karasiks, David Mazzucchellis und Lorenzo Mattottis Comic-Adaption von Paul Austers New-York-Trilogie (taz), Milena Markovićs "Kinder" (online nachgereicht von der FAZ), Colleen Hoovers "Woman Down" (taz) und Sorj Chalandons "Herz in der Faust" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau.

In der Frankfurter Anthologie schreibt Dagmara Kraus über Sonja vom Brockes "6:59":

"Die Augenbrauen gesengt, stelzt
ein Morgen zum andern ..."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.01.2026 - Literatur

Eben darbte er noch in den Verliesen des algerischen Regimes, nun wird Boualem Sansal unsterblich, weil er von französischen Kollegen in die Académie française gewählt worden ist, und muss sich einen Frack grün besticken und ein Schwert anfertigen lassen. Kamel Daoud begrüßt diesen Schritt in Le Point und denkt über das pathologische Verhältnis zwischen Algerien, dem "größten frankophonen Land außerhalb der Organisation internationale de la francophonie", und Frankreich nach. In Algerien wird das Französische in Schulen und Ämtern systematisch zurückgedrängt. Schriftsteller, die auf Französisch schreiben, wie Sansal oder Daoud selbst, werden nicht mehr als Brückenbauer betrachtet, sondern als Dissidenten, die zu bekämpfen sind. "Das heutige Algerien träumt nicht mehr von einer Versöhnung mit Frankreich, gestützt auf seine frankophonen Schriftsteller als Vermittler zur Universalität und lebendige Verbindungen zur Welt. Es träumt vielmehr von Abschottung, einem imaginären Krieg mit Frankreich und einer Überhöhung der Identität. Diese Hysterie führt zur Isolation der Algerier, verdrängt sie aus der Gegenwart und stürzt sie in kulturelles Elend und Sinnlosigkeit."

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"Dass es so was noch gibt", freut sich Bernhard Heckler in seinem SZ-Bericht vom offenbar eher nicht so erfolgreichen Versuch, mit dem jungen österreichischen Schriftsteller Elias Hirschl ein smalltalkig-flauschiges Gespräch in einem Wiener Café zu führen. Aber Hirschl "ist die angenehm sperrige Antithese zum modernen Erfolgsschriftsteller", der nicht draufloslabert, sondern lieber zuhört, beobachtet, schreibt. Da passt es ja, dass in "Schleifen", Hirschls "kopfsprengendem, mindestens fünfdimensionalen, psychedelischen Wahnsinnswerk", "die Hauptprotagonistin die Sprache selbst" ist, meint Heckler. Das Buch "ist ein Urknall aus Sprachspielereien und Buchstabenvolten" und dabei "so kompliziert harmonisch, dass auch der verifizierte Ideenriese und Büchnerpreisträger Clemens J. Setz anerkennend attestiert: 'So viel Unendlichkeit enthalten Romane normalerweise nicht.' 'Schleifen' hat vierhundert Seiten und pro Seite mindestens fünf originelle Einfälle, das heißt, in dem Buch stecken mindestens zweitausend originelle Einfälle."

Besprochen werden unter anderem Stefanie Sargnagels "Opernball" (FR), Ragnar Albuus Bilderbuch "Auf der Suche nach Georg" (FR) und Florian Klenks "Ausreden. Elfriede Blauensteiner. Ein Bekenntnis" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau.