Was geschieht mit der
hebräischen Sprache, wenn auch immer mehr israelische Autorinnen und Autoren auswandern, fragt sich der Schriftsteller
Moshe Sakal in "Bilder und Zeiten" der
FAZ. In Israel sind viele der Ansicht, dass Hebräisch nur dort seine Heimat habe. "Ist Hebräisch wirklich eine Sprache des Exils? Sind die Israelis, die heute gehen, mit den emigrierten Iranern vergleichbar, die
Farsi sprechen? Auch hier bin ich mir nicht sicher. Das liegt unter anderem daran, dass das moderne Hebräisch als säkulare Sprache, als Sprache der Kultur, Literatur und Gesellschaft, seine Wurzeln im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert in Europa hat. Und dorthin kann es zurückkehren."
Heute vor 125 Jahren wurde die
Schriftstellerin Marie Luise Kaschnitz geboren. Die "brillante Beobachterin und beeindruckende Stilistin" und erste Büchner-Preisträgerin ist allerdings ziemlich in Vergessenheit geraten, seufzt die
Schriftstellerin Eva Sichelschmidt in der SZ. Dabei wäre es durchaus lohnenswert, Kaschnitz wiederzuentdecken, schreibt Sichelschmidt weiter: Zwar klagte sich die Schriftstellerin später selbst an, zu wenig gegen den
Natonalsozialismus getan zu haben. "Bald nach dem Krieg schon verfasste sie eine kämpferische Abrechnung mit der von Frank Thieß geprägten Formel von der
Inneren Emigration. ... Die Erzählkunst der Marie Luise Kaschnitz kann für den Nachgeborenen, für heutige Leser zum
Ankerpunkt werden, gerade in Zeiten wie diesen, da jeder sich fragen muss: Was tue ich gegen
die Demokratieverletzungen unserer Tage, den Zynismus reiner Machtpolitik, gegen die eigene Indifferenz beim Heraufkommen von Verhältnissen, die nicht nur linke Alarmisten als
präfaschistisch wiedererkennen?"
Außerdem: Für "Bilder und Zeiten" der
FAZ begibt sich Thomas Steinfeld auf die Suche nach
Chavignolles, dem von
Flaubert erfundenen Ort für sein Romanfragment "Bouvard und Pécuchet" (mehr zu dem Buch vor kurzem auch
hier). Rainer Moritz erinnert in "Bilder und Zeiten" an den vor hundert Jahren geborenen
Schriftsteller Richard Yates.
Maxim Biller lässt in einer Glosse in der
SZ einen Literaturwissenschaftler und einen jüdischen Schriftsteller im E-Mail-Wechsel aufeinandertreffen.
Besprochen werden unter anderem
Leïla Slimanis "Trag das Feuer weiter" (
taz),
Paul Karasiks,
David Mazzucchellis und
Lorenzo Mattottis Comic-Adaption von
Paul Austers New-York-Trilogie (
taz),
Milena Markovićs "Kinder" (online nachgereicht von der
FAZ),
Colleen Hoovers "Woman Down" (
taz) und
Sorj Chalandons "Herz in der Faust" (
FAZ).
Mehr in unserer Bücherschau.
In der Frankfurter Anthologie
schreibt Dagmara Kraus über
Sonja vom Brockes "6:59":
"Die Augenbrauen gesengt, stelzt
ein Morgen zum andern ..."