Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Literatur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.12.2018 - Literatur

Was ist nur aus dem einst so freizügigen, offenen Frankreich geworden, fragt sich Schriftstellerin Virginie Despentes beim großen Gespräch im Dlf Kultur. Bis 2000 "war es ein aufklärerisches Anliegen, über Sexualität zu schreiben, freizügig und offen. ...Seit etwa 20 Jahren kann man da eine Gegenbewegung erkennen, ein Umdenken, und da sind die Buchverleger an vorderster Stelle, die das betreiben. Die Leute, die französischen Leser, sind da nicht abgeneigt. Die möchten schon über Sex lesen. Die Filmproduzenten geben sich da die Klinke mit den Verlegern, die sind auch viel sexophober geworden." Auch das Netz habe daran Anteil, es stelle "junge Frauen geradezu unter Beobachtung. Das ist eine neue Generation, die da herangewachsen ist, und dass man ganz ehrlich über Sex vor der Ehe nachdenkt und redet, das ist doch seltsam. Darüber hat zu meiner Zeit sich keiner einen Kopf gemacht. Ich hoffe, dass das alles mal rückläufig sein wird und dass sich das ändert."

Weiteres: Die Welt hat sich im Literaturbetrieb nach Buchtipps zum Fest umgehört. Weitere Empfehlungen finden Sie in unseren aktuellen Bücherbriefen. Besprochen werden unter anderem die Gesamtausgabe von André Franquins Comicklassiker "Spirou und Fantasiou" (Intellectures), Orhan Pamuks "Istanbul" und "Balkon" (NZZ), die Wiederveröffentlichung von Daniel Defoes "Der Consolidator oder Erinnerungen an allerlei Vorgänge aus der Welt des Mondes" (SZ), Ramón José Senders "Requiem für einen spanischen Landmann" (online nachgereicht von der Zeit) und Botho Strauß' "Reflexionen" (FAZ).

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.12.2018 - Literatur

Besprochen werden unter anderem Judith Schalanskys "Verzeichnis einiger Verluste" (Standard), Michael Kleebergs "Der Idiot des 21. Jahrhunderts" (taz), Michael Ondaatjes "Kriegslicht" (Standard), Michael Krügers "Vorübergehende" (online nachgereicht von der FAZ), Roland Webers Biografie über Peter Hacks (SZ). R. G. Waldecks "Athénée Palace" (NZZ), Peter Waterhouse' "Equus. Wie Kleist nicht heisst" (NZZ), die Wiederveröffentlichung von Carsten Niebuhrs "Reisebeschreibung nach Arabien" (FR), Falko Hennigs "Rikscha Blues" (Tagesspiegel) und Stefan Georges Nachlassband "Von Kultur und Göttern reden" (FAZ).

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.12.2018 - Literatur

Wolfgang Schneider hat für die FAZ das Berliner Hörspielstudio des Deutschlandradios besucht, wo Klaus Buhlert derzeit Thomas Pynchons postmodern-psychedelisches Paranoia-Epos "Die Enden der Parabel" fürs Radio umsetzt. So muss der Schauspieler Golo Eulert als Tyrone Slothrop den Gebrauch seiner Stimme auch beim Erbrechen sehr genau akzentuieren: Über eine Kloschüssel gebeugt, listet er auf, "was ihm alles hochkommt: 'Salat nach Art des Hauses mit French Dressing ...noch 'ne halbe Flasche Moxie und die nach dem Essen gelutschten Pfefferminzbonbons.' ... Wie wird das technisch gemacht, dass die Hörer gleich merken: Das ist jetzt keine Rede, sondern Slothrops innere Stimme? Wenn akustischer Raum um die Figur ist, wirkt es so, als würde sie sprechen. Also nimmt man Raum weg. Die 'innere Stimme' wird aufgenommen in einem mit Absorbern ausgestatteten Raum, in dem es keine Schallreflexion von den Wänden gibt. 'Geh mal in den Schalltoten!', heißt es dann."

In einem melancholisch mäandernden Essay für den Standard umkreist die Schriftstellerin Lydia Mischkulnig Utopie und Dystopie: "Der Garten liegt um uns und in uns. Lasst uns garteln gehen, heißt es bei Candide. Eden ist verloren, und es bleibt die trostvolle Ablenkung im Garten. Ermüdung und Melancholie. Weil es den guten Ort nicht gibt, der in unseren hochkommunikativen Zeiten Übersicht und Sicherheit bedeuten würde. Solange der Mensch lieber auf Kosten der Leben der Mitmenschen existiert und seine Tätigkeit deshalb ins Unheil fortsetzt, gibt es kein gutes Leben."

Weitere Artikel: Die FAZ hat Ulrich Raulffs Abschiedsrede als scheidender Leiter des Literaturarchivs Marbach online nachgereicht. Im Standard spricht Mia Eidlhuber mit Matias Feldbakken über dessen neuen Roman "The Hills". Für die FR beugt sich Martin Oehlen über die in einem Band und in einem Online-Archiv gesammelten, "keineswegs leicht lesbaren" Goethe-Handschriften zum "Faust". Martin Reeh schreibt in der taz einen Nachruf auf den Schriftsteller Wilhelm Genazino (weitere Nachrufe hier). Im Freitag räumt Andreas Merkel Bücher vom Nachttisch, darunter Annie Ernaux' "Erinnerungen eines Mädchens".

Besprochen werden unter anderem Maria Stepanovas "Nach dem Gedächtnis" (SZ), journalistische Recherche-Comics von Correctiv.org (Tagesspiegel), Oleg Jurjews Gedichtband "Von Arten und Weisen" (Tagesspiegel), Davit Gabunias "Farben der Nacht" (Tagesspiegel) und neue Hörbücher, darunter Gert Heidenreichs Lesung von Kenzuo Ishiguros "Der begrabene Riese" (FAZ).

In der online nachgereichten Frankfurter Anthologie schreibt Andreas Platthaus über das Basho zugeschriebene Gedicht "Matsushima", dessen Wortlaut Erinnerungen an einen berühmten Song von Queen wachruft:

"Matsushima, ah!
A-ah, Matsushima, ah!
Matsushima, ah!"

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.12.2018 - Literatur

Die Feuilletons trauern um Wilhelm Genazino. Er war "der Seismograf für die Seelenlandschaften der alten Bundesrepublik", schreibt Helmut Böttiger in der SZ. Mit seinen "wunderschönen, leichten und schwebenden" Büchern hat er den Jahren der Identitätsfindung des Landes nachgespürt: "Genazinos Figuren sind die glaubwürdigsten Zeugen für die seelische Entwicklung in diesem Staatsgefüge, er schrieb ihre Psychogeschichte. Seine Romane sind von Anfang an dem Unbewussten auf der Spur, das dieser Gesellschaft zugrunde liegt. Sie ziehen kleine, immer enger werdende Kreise. Sie kriechen in die Eingeweide der Republik."

Dazu passend behandelten seine Romane oft graue Tristesse, bevölkert sind sie von "Lebensvermeidern, manchmal auch -verneinern, deren äußerer Erlebnisarmut ein Innenleben kontrastiert, auf dessen Reichtum Genazino selbst den größten Wert legte", schreibt Edo Reents in der FAZ über Genazinos "einzigartige Romankunst" und hält fest: "Dieser Autor war ein stiller Verzweifelter. Unermüdlich (...) hat er uns eines unter die Nase gerieben: dass es im falschen Ganzen keine richtigen Teile geben kann. Wenn er aber mit Adorno davon überzeugt war, dass auf dem modernen Erwerbsleben kein Segen ruhe und es kein richtiges Leben im falschen gebe, dann hat er, mit Witz und Trauer, mit Humor und Treffsicherheit das Beste draus gemacht." Weitere Nachrufe in Welt, Tagesspiegel und ZeitOnline.

Im Logbuch Suhrkamp meditiert Dorothea Studthoff über den, beziehungsweise unter dem Kronleuchter - ausgehend von einer Erinnerung an eine Veranstaltung im Berliner Ensemble, wo sich eine Plauderei ergab: "Ich weiß nicht mehr, wie ich darauf kam (die Nervosität!), auf jeden Fall sagte ich zu ihm: 'Sollte jemals der unglückliche Fall eintreten, dass ich erschossen werde, dann möchte ich, dass das unter einem Kronleuchter geschieht.' Dass ich das zu Christoph Ransmayr gesagt habe, ist so peinlich, wie dieser Satz wahr ist."

Weitere Artikel: Für die taz spricht Michael Müller mit der Schriftstellerin Jila Mossaed, die als erste Exilautorin in die Schwedische Akademie aufgenommen wird. Für die Literarische Welt spricht Mara Delius mit der Schriftstellerin Virginie Despentes, die gerade von der Zeitung mit dem hauseigenen Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Außerdem dokumentiert die FAZ Ulrich Raulffs Rede zu seiner Verabschiedung als Direktor des Marbacher Literaturarchivs, in der sich der Literaturwissenschaftler und Kulturhistoriker mit der Herausforderung des letzten Satzes beschäftigt.

Besprochen werden unter anderem Zanna Sloniowskas "Das Licht der Frauen" (NZZ), Dörte Hansens "Mittagsstunde" (taz), Ariel Magnus' "Die Schachspieler von Buenos Aires" (online nachgereicht von der FAZ) und Thomas Hardys "Jude Fawley, der Unbekannt" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.12.2018 - Literatur

In der neuen Jungle-World-Kolumne "Lahme Literaten" arbeitet sich Magnus Klaue an Martin Mosebach ab, dem er zwar manche geistige Anregungen abgewinnen kann, "die behördliche Stehkragenprosa aber, mit der Mosebach seine Ansichten literarisch zu umhegen pflegt, überführt alles geistig Abweichende ins ästhetische Mitläufertum."

Weiteres: Die Tell-Redaktion gibt literarische Weihnachtstipps. Besprochen wird unter anderem Kamila Shamsies "Hausbrand" (NZZ). Mehr auf unserem literarischen Meta-Blog Lit21 und ab 14 Uhr in unserer aktuellen Bücherschau.
Stichwörter: Mosebach, Martin

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.12.2018 - Literatur

Für den Tagesspiegel hat Gregor Dotzauer die neue Ausgabe des Magazins des Diaphanes Verlags gelesen. Thomas-Mann-Lektor Roland Spahr berichtet im Verlagsblog des Fischer-Verlags von seinen Eindrücken der Ausstellung "Thomas Mann in Amerika" im LIteraturmuseum der Moderne in Marbach. Ebenfalls im Fischer-Blog erklärt die Literaturwissenschaftlerin Irmela von der Lühe, warum sich die Auseinandersetzuung mit Manns "Betrachtungen eines Unpolitischen" auch heute noch lohnenswert sein kann..

Besprochen werden unter anderem Nora Bossongs Gedichtband "Kreuzzug mit Hund" ("Wenn Nora Bossong über und an Europa schreibt, dann mit einem Seufzer", schreibt Kristoffer Patrick Cornils in der SZ), der vierte Band aus Frédéric Pajaks im Original bislang siebenbändigem autobiografischem Werk "Ungewisses Manifest" (NZZ), Igorts Comic "Berichte aus Japan" (Dlf Kultur), Yves Bonnefoys postum veröffentlicher Erzählband "Der rote Schal" (Tagesspiegel) und Michal Hvoreckýs "Troll" (FAZ).

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.12.2018 - Literatur

Gerrit Bartel porträtiert im Tagesspiegel die in Berlin studierende, schwedische Literaturkritikerin Rebecke Kärde, die in das Gremium berufen wurde, das der Schwedischen Akademie bei der Vergabe des Literaturnobelpreises zur Seite stehen soll. Viel verraten darf sie nicht, aber immerhin kann sie Auskunft geben "über den Zeitplan der geplanten Vergabe der Literaturnobelpreise für 2018, der nachgeholt werden soll, und 2019. Im Februar kommt das Komitee erneut zusammen. Dann sichten die fünf Neulinge und die fünf Akademiemitglieder eine Liste mit rund 200 Namen potenzieller Preisträger und Preisträgerinnen. Bis ins Frühjahr hinein soll diese Liste auf 20, 25 Namen eingegrenzt werden und im Mai auf fünf Namen schrumpfen. 'Und dann heißt es lesen, lesen, lesen, damit wir der Akademie im September zwei Literaturnobelpreisträgerinnen vorschlagen können.' Sie stutzt bei der Nachfrage, was das mit dem Vorschlagen denn nun genau bedeute. Nicht entscheiden? Und schüttelt den Kopf."

Besprochen werden unter anderem Laksmi Pamuntjaks "Herbstkind" (NZZ), Joshua Ferris' Erzählband "Männer, die sich schlecht benehmen" (Tagesspiegel), neue Bücher über Bertolt Brecht (Tagesspiegel), Jérémie Moreaus Comic "Die Saga von Grimr" (SZ) und Luce d'Eramos "Der Umweg" (FAZ).

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.12.2018 - Literatur

Im Gespräch mit dem Hundertvierzehn-Blog des S. Fischer Verlags stellen die Leiterin des Thomas-Mann-Archivs, Katrin Bedening, und Thomas-Mann-Lektor Roland Spahr insbesondere das Online-Archiv mit Digitalisaten aus Manns Werkmanuskripten vor. Komplett online stehen diese historischen Dokumente allerdings noch nicht, erfahren wir von Spar: "Bis Ende 2025 hat der S. Fischer Verlag die exklusiven Veröffentlichungsrechte an den Schriften Thomas Manns. Da wir mit der 'Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe' ein aufwendiges Editionsprojekt verantworten, das auf den Handschriften, Typoskripten und Notizen im Thomas-Mann-Archiv basiert, werden die Handschriften und Materialien, die im Rahmen der Ausgabe bereits ediert und analysiert worden sind, nach Absprache mit den Erben Thomas Manns ab sofort schrittweise und begleitend zur Edition online gestellt. Siebzig Jahre nach dem Todesjahr des Autors, also ab 2026, wird das Werk Thomas Manns frei zugänglich sein."

Weitere Artikel: Tobias Sedlmaiers bringt für die NZZ in Erfahrung, wie sich Enid Blytons "Fünf Freunde" 50 Jahre nach dem Tod ihrer Schöpferin mit dem Brexit herumschlagen. Besprochen werden unter anderem A. L. Kennedys "Süßer Ernst" (taz), Richard Powers' "Die Wurzeln des Lebens" (Zeit), Vivek Shanbhags "Ghachar Ghochar" (Tagesspiegel), Gerhard Neumanns "Selbstversuch" (SZ), Zoltán Danyis "Der Kadaverräumer" (NZZ) und Min Jin Lees "Ein einfaches Leben" (FAZ).

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.12.2018 - Literatur

Für die Welt fährt Marc Reichwein mit Bertolt Brecht U-Bahn durch Berlin. Besprochen werden unter anderem Yoko Tawadas "Sendbo-o-te" (SZ), Gaito Gasdanows "Nächtliche Wege" (Standard), Ulla Berkéwiczs "Über die Schrift hinaus" (Umblätterer), António Lobo Antunes' "Vom Wesen der Götter" (Standard), Almudena Grandes' "Kleine Helden" (FR) und Lion Feuchtwangers unter dem Titel "Ein möglichst intensives Leben" veröffentlichte Tagebücher, deren sexprotzende Virilität Michael Naumann in der Zeit geradezu angewidert zur Kenntnis nimmt: "Ein überflüssigeres Buch hat es im Jahr eins der #MeToo-Bewegung nicht gegeben."

In der online nachgereichten Frankfurter Anthologie schreibt Hubert Spiegel über Michael Krügers "Der Nußbaum, die Zeit":

"Der Nußbaum musste dran glauben,
um die Sehnsucht nach Ordnung zu stillen.
Vor zehn Jahren habe ich einen Trieb
..."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.12.2018 - Literatur

2018 gingen die wichtigsten deutschen Literaturpreise fast ausnahmslos an Frauen, hält Dirk Knipphals in der taz fest - und keine dieser Auszeichnungen erweckte auch nur den Verdacht, bloß eine Solidaritätsgeste im #MeToo-Jahr gewesen zu sein. Der Betrieb wandelt sich: "Gut im Gedächtnis ist noch der Slogan von einem literarischen Fräuleinwunder. Der Spiegel hat mit ihm 1999 eine neue deutsche Autorinnengeneration beschrieben. Wer versucht ist, ihn nun angesichts der aktuellen Preisträgerinnen aus der Mottenkiste zu holen, würde sich als Kritiker schlicht lächerlich machen. Esther Kinsky, Terézia Mora, Inger-Maria Mahlke, Judith Schalansky, das sind gestandene Autorinnen; Verniedlichungen aller Art prallen schlicht an ihnen ab." Auch das Etikett "weibliches Schreiben" verabschiede sich zusehends: "Dieser Begriff passt längst nicht mehr. Zum einen wird man Schwierigkeiten haben, aus den jeweils höchst eigenwilligen Schreibansätzen der Preisträgerinnen überhaupt Gemeinsamkeiten herauszuinterpretieren. Und zum anderen hat der Begriff zumindest eine Schlagseite in die Richtung, männliches Schreiben als Norm zu setzen."

Ayşe Gülen Eyi erzählt in der taz die Geschichte der türkischen Journalistin und Schriftstellerin Suat Derviş, die sich in den frühen 30ern mit Zeilenhonoraren durch Berlin schlagen musste und in der Türkei gerade dank einer neuen Biografie wiederentdeckt wird: "Die Verlegerin Ayla Duru Karadağ erkennt in Suat Derviş' Fortsetzungsromanen aus den 1940er Jahren eine starke feministische Ader: 'In den verfügbaren Texten liest man von Suat Derviş an keiner Stelle den Satz 'Ich bin Feministin'. Aber die Frauen in ihren Romanen sind feministisch, frei und selbstbestimmt.' Dass die Protagonistin in ihrem Roman Fosforlu Cevriye ("Die grelle Cevriye") bereits den Spruch 'Mein Körper, meine Entscheidung!' prägte, sei für ihre Zeit besonders bemerkenswert. 'Wir sind hier in der Türkei eigentlich erst seit etwa wenigen Jahren in der Lage, solche Parolen auf Plakate zu schreiben und laut zu rufen', sagt Karadağ. Nach der Rückkehr in die Türkei beschäftigte sich Derviş vorwiegend mit sozialen Themen und schrieb Reportagen über Obdachlose und Alkoholiker."

Weitere Artikel: Joseph Hanimann freut sich in der SZ über den morgen vergebenen Alternativen Nobelpreis für die Schriftstellerin Maryse Condé, die Cornelius Wüllenkemper in der FAZ porträtiert. Anna Fastabend pilgert für die taz durch die internationalen Buchläden Berlins: In der türkischen Regenbogen Buchhandlung etwa verkaufe sich die Biografie Kemal Atatürks besonders gut. Peter Dausend amüsiert sich im ZeitMagazin darüber, dass der Diogenes Verlag, in der Ansicht, sein Autor würde ja wohl kaum twittern, Martin Suters Twitter-Kanal hat sperren lassen. Beate Tröger schreibt in der FAZ einen Nachruf auf den Lyriker Paulus Böhmer. Die FAZ dokumentiert Judith Schalanskys Dankesrede zum Erhalt des Wilhelm-Raabe-Preises.

Besprochen werden unter anderem Edoardo Albinatis Epos "Die katholische Schule" (SZ), Anneliese Botonds "Briefe an Thomas Bernhard" (Freitag), Andreas Thalmayrs Ratgeberband "Schreiben für ewige Anfänger", hinter dessen Autor Freitag-Kritiker Jan C. Behmann, wie viele seiner Kollegen, Hans Magnus Enzensberger vermutet, der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Hans Magnus Enzensberger (Welt) und Andrej Kurkows "Kartografie der Freiheit" (FAZ). Außerdem räumt Erhard Schütz im Freitag wieder Bücher vom Nachttisch.

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