Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Literatur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.06.2017 - Literatur

Für den Freitag plaudert Linus Volkmann mit Stephan Katz vom Comicduo Katz & Goldt.

Besprochen werden Christoph Heins "Trutz" (taz), James Gordon Farrells "Singapur im Würgegriff" (Tagesspiegel), Michael Köhlmeiers Gedichtband "Ein Vorbild für die Tiere" (NZZ), Birk Meinhardts "Brüder und Schwestern" (FAZ), Jeanette Erazo Heufelders Biografie über Felix Weil (Standard) und Frank Schäfers Nacherzählung des Lebens von Henry David Thoreau (SZ). Der Bayerische Rundfunk lässt dazu passend aus Thoreaus Werk lesen.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.06.2017 - Literatur

Im Tagesspiegel erinnert sich der russische Dichter Valery Schubinsky an die Geschichte der spätsowjetischen Literatur, die sich aufteilte in eine offizielle Betriebsliteratur und eine widerständige "zweite Kultur" mit einer klandestinen Infrastruktur. "Diese 'zweite Kultur' wusste von sich nicht, dass sie in Wirklichkeit die erste war und die Texte schuf, die in Zukunft am wichtigsten sein würden." Im Berliner Literaturhaus wird Schubinsky heute Abend über dieses Thema diskutieren.

Weiteres: Beim Berliner Poesiefestival diskutierte man unter anderem über das Verhältnis zwischen Poesie und Propaganda, berichtet Ulrike Baureithel im Tagesspiegel. Die Literarische Welt hat Stefanie Bolzens Porträt von Hilary Mantel aus der Ausgabe vom vergangenen Samstag online nachgereicht. Gregor Dotzauer bereist für den Tagesspiegel schon mal vorsorglich Georgien, das 2018 Gastland der Frankfurter Buchmesse sein wird. Lena Fiedler (ZeitOnline) und Sylvia Staude (FR) erinnern an die Veröffentlichung des ersten "Harry Potter"-Romans vor 20 Jahren.

Besprochen werden Michael Fehrs "Glanz und Schatten" (Tagesspiegel), Rachel Cusks "Transit" (Berliner Zeitung), ein Band mit den gesammelten Gedichten von Dorothy Parker (FAZ) und die Wiederveröffentlichung von Richard Adams Lockes "Neueste Berichte vom Cap der Guten Hoffnung über Sir John Herschel's höchst merkwürdige astronomische Entdeckungen, den Mond und seine Bewohner betreffend" (NZZ).

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.06.2017 - Literatur

Die Welt hat Andreas Rosenfelders glühendes Plädoyer für die Lyrik online nachgereicht: "Lyrik lesen heißt, so lange auf ein paar Buchstaben zu starren, bis in ihnen ein ganzes All aufblitzt", schreibt er. "Sie setzt die oft genug leere Gegenwart des Lesenden auf einen Schlag unter Strom, denn sie handelt immer vom Moment und seiner Flüchtigkeit. Im Kopf des Lesers erzeugt sie ein synthetisches Hier und Jetzt, das wie ein flirrendes Hologramm nur für wenige Augenblicke stabil bleibt." Der Deutschlandfunk bringt dazu ein Feature von Claudia Kattanek über Poesie im Alltag. Deutschlandfunk Kultur bringt John Burnsides Berliner Rede zur Poesie. Und in München erinnerte man sich bei einem Sommerfest an die Geschichte des seit 2014 nicht mehr verliehenen Petrarca-Preises für Lyrik, berichtet Nicolas Freund in der SZ.

Frankreich wird bei seinem Auftritt als Gastland der Frankfurter Buchmesse nicht etwa das "literarische Frankreich" präsentieren, "sondern die französischsprachige Welt der Literatur", berichtet Sandra Kegel in der FAZ: "Damit hat Sinety das nationalstaatlich angelegene Gastlandkonzept so charmant wie subversiv unterwandert. Gemäß dem französischen Wort 'hôte', das sowohl Gast als auch Gastgeber bedeutet, versteht sich der Eingeladene seinerseits als Einladender."

Weiteres: Kathrina Schipkowski und Nico Schnurr haben sich für die Nordausgabe der taz im "Goldenen Handschuh" umgesehen, welche Spuren der Hype um Heinz Strunks Roman in der Hamburger Kiezkneipe hinterlassen hat. Sarah Pines schreibt in der NZZ über den Sehnsuchtsort Schweiz in der Literatenwelt: "Die Schweiz hat Ovomaltine, Sauerampfer und Kletterseile, sie macht gesund und lebendig - warum eigentlich ist sie zum Sterben schön?" In der FR erinnert Christian Seidl an Pearl S. Buck, die vor 125 Jahren geboren wurde. Der Bayerische Rundfunk besucht Ror Wolf, der 85 Jahre alt wird. Auf Zeit online stellt Richard Diesing die deutsche Hörspielszene vor, die im Internet höchst alive and kicking ist.

Besprochen werden Martin Beckers Ruhrgebiets-Roman "Marschmusik" (Jungle World), James Rayburns Thriller "Sie werden dich finden" (Welt), der dritte, "Fletcher Hanks' bizarrer Comickunst" gewidmete Band der Reihe "Perlen der Comicgeschichte" (Tagesspiegel), eine Gesamtausgabe des dichterischen Werks von Debora Vogel (NZZ), und der von Vanessa Hannesschläger herausgegebene Briefwechsel zwischen Ernst Jandl und Ian Hamilton Finlay (SZ).

In der online nachgereichten Frankfurter Anthologie schreibt Marcus Roloff über Hans Thills "-münde":

"Möwen hatten alle Bullaugen und am Restorang
die Panoramascheiben zerpickt der Südost
..."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.06.2017 - Literatur

Andreas Rosenfelders schwärmerisches Lob auf die Lyrik enthält die Literarische Welt der Online-Öffentlichkeit vor. Dafür hat es immerhin Mara Delius' Gespräch mit Lyriker Jan Wagner, der gerade mit dem Büchnerpreis ausgezeichnet wurde, ins Netz geschafft. Unter anderem erfahren wir, warum er seine Gedichte nicht vor dem Monitor schreibt: "Ich schreibe derart langsam, dass ich froh bin, wenn am Abend eine Zeile stehen bleiben kann. Also: Notizbuch und Kugelschreiber - auch, nein: vor allem deshalb, weil das Material am Bildschirm oder auf der ausgedruckten Seite schon zu starr, zu fest gefügt, zu endgültig wirkt, handschriftlich aber, mit Schlieren und Flecken, hingeschmiert und durchgestrichen, noch wandel- und formbar ist." In der FAZ berichtet Tilman Spreckelsen außerdem vom Auftakt der Frankfurter Lyriktage, zu dem Wagner einige seiner Texte las: "Wie sehr diese Lyrik darauf drängt, vorgetragen und gehört zu werden, teilte sich rasch mit."

Im literarischen Wochenend-Essay der FAZ erinnert Susanne Klingenstein an den russischen Satiriker Michail Saltykow-Schtschedrin, der sich im 19. Jahrhundert mit seinen bissigen Texten vor allem an der "erbarmungslosen Ausbeutung der Bauern, der tierischen Behandlung des Hauspersonals, der eiskalten Erziehung der Kinder und der täglichen Selbstberauschung der Herrschaft durch die Erfahrung absoluter Macht über Menschen" abarbeitete.

In zwei vom Standard übernommen Beiträgen der Zeitschrift Lichtungen bringen Ronald Pohl und Andrea Schurian ihren Abscheu vor dem Internet und was es der Literatur antut gründlich zum Ausdruck. Pohl vermisst den kundigen Bibliothekar und belesenen Literatur-Sachwalter, der durch die Suchmaschinen nur unzulänglich ersetzt werde: "Indem das Internet sich als gefräßiger Raum schlechthin produziert - und es produziert in der Tat nichts anderes als sein eigenes, permanentes Wachstum -, verlockt und provoziert es mit der Erreichbarkeit von Wissen. Als ob dieses ausfiele, oder seinen Namen nicht verdiente, sobald auch nur ein Bröckchen durch die Maschen des Netzes fiele. Den Dingen wird so der Lebenssaft entzogen." Und Schurian bekennt sich zur stolzen Verweigerung Sozialer Medien . "Offenbar bin ich hoffnungslos von vorgestern", schreibt sie. Man ist gewillt, dem zuzustimmen.

Weiteres: Was hat dich bloß so ruiniert, fragt sich Marc Reichwein in der Literarischen Welt angesichts der jüngsten Annäherungen Thor Kunkels an den rechten Rand, wo der einstige Skandalautor jetzt Werbung für die AfD macht. Wolfgang Büscher schreibt in der Literarischen Welt über Peter Handkes Zeichnungen. In der NZZ schreibt Thomas Ribi über das Verhältnis zwischen Eugen Diederichs und Carl Spitteler. Für die FR spricht Martin Oehlen mit Matthias Politycki über dessen Buch "Schrecklich schön und weit und wild - Warum wir reisen und was wir dabei denken". Matthias Heine wirft in der Welt einen Blick in den angekündigten neuen Duden.

Besprochen werden J. D. Vances "Hillbilly-Elegie: Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise" (taz), Stephan Lohses "Ein fauler Gott" (Tagesspiegel), Anna Haifischs Comic "The Artist" (Tagesspiegel), Tomas Venclovas "Der magnetische Norden" (Standard), Max Frischs "Wie Sie mir auf den Leib rücken! - Interviews und Gespräche" (SZ) und Ralf Königs Comic "Herbst in der Hose" über ein alterndes schwules Paar (FAZ, mehr dazu in diesem Gespräch auf Deutschlandfunk Kultur).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.06.2017 - Literatur

Besprochen werden die Verschriftlichung von Marcel Beyers Frankfurter Poetikvorlesung (FR), Hanne Ørstaviks "Liebe" (NZZ) und Yoko Tawadas "Ein Balkonplatz für flüchtige Abende" (SZ).

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.06.2017 - Literatur

Der französische Autor Emmanuel Carrère trifft für seine Zeit-Reportage aus Istanbul eine Familie von AKP-Anhängern, hat am Ende aber doch mehr Sympathie für die, deren Leben jetzt von der Politik drangsaliert wird: "In der Türkei hat die Gesellschaft nicht mehr mitzureden. ... Deswegen waren alle empört, als ich an ihrem Tisch leichtfertig die Meinung wiederholte, das tägliche Leben sei doch nicht so sehr davon beeinträchtigt und man könne immer noch gemütlich eine Tasse Tee trinken und auf den Bosporus schauen. Natürlich ist das alltägliche Leben beeinträchtigt! Es gibt kein alltägliches Leben mehr, es gibt nur noch ein politisches Leben, und dieses politische Leben ist eine Katastrophe."

Besprochen werden Don Winslows "Corruption" (FR), Claudio Magris' "Verfahren eingestellt" (Tell), Javier Cercas' "Der falsche Überlebende" (Zeit), Rachel Cusks "Transit" (FAZ) und J.M. Coetzees "Ein Haus in Spanien" (SZ).
Stichwörter: Emmanuel Carrere, Türkei

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.06.2017 - Literatur

Der Georg-Büchner-Preis geht in diesem Jahr an den Dichter Jan Wagner. "Nach Rainald Goetz und Marcel Beyer wird nun ein weiterer Repräsentant literarischer Geistesgegenwart gewürdigt", freut sich Lothar Müller in der SZ. Und schreibt weiter: "Dem Missverständnis, die Lyrik der Moderne könne nur im Unterminieren und Sprengen der überlieferten Formen voranschreiten, ist er nie aufgesessen. ... Er beherrscht die Kunst, ein Formschema lässig zu erfüllen." Wagner sei "ein Virtuose der Form, der sich selbst am Ton des Mittelalterlichen elegant erprobt und dem es gelingt, an Idole wie Dylan Thomas und Elizabeth Bishop sprachlich anzuknüpfen", würdigt Gerrit Bartels den Dichter im Tagesspiegel. Ebenfalls im Tagesspiegel verbeugt sich Gregor Dotzauer vor Wagner als Meister "epiphanischer Momente", dessen Kunst auch darin bestehe, dass sie "in ihrem Inneren Laute, Silben und Wortraritäten auf der stets mitschreibenden Zunge herumschiebt, bis sich aus Klängen Ideen ergeben und Gedanken Ideen zeugen. Eine möbiusartige Verschlingung des Intellektuellen und des Sinnlichen, die von bestechender Intuition und einem hoch entwickelten Handwerk zeugt."

"Der Autor interessiert sich für klassische Formen, seine Sestinen jedoch schweben unangestrengt", lobt Judith von Sternburg in der FR. Ausgezeichnet werde ein "kluger Magier" und überhaupt werde "der Büchner-Preis jünger", meint Herbert Wiesner in der Welt. Eberhard Geisler besprach in der taz vor wenigen Tagen Wagners jüngstes Buch "Der verschlossene Raum - Beiläufige Prosa", in dem sich Gelegenheitsarbeiten finden - laut Geisler "ein wunderbares Kompendium der Auseinandersetzung mit den Problemständen und faszinierenden Möglichkeiten der zeitgenössischen Dichtung." Deutschlandfunk Kultur bringt online die Radio-Postkarten, die Jan Wagner vor zwei Jahren erstellt hat. Mehr über Jan Wagner auf Lit21, unserem Meta-Wegweiser durch die literarische Blogosphäre.

Weiteres: Im Deutschlandfunk Kultur legt uns Tobias Wenzel auch den in Graz lebenden Autor Fiston Mwanza Mujila ans Herz, der für seinen Kongo-Roman "Tram 83" den Internationalen Literaturpreis des Haus der Kulturen der Welt erhält. Die NZZ bringt eine dystopische Erzählung von Christoph Höhtker.

Besprochen werden Liv Strömquists Vulva-Comic "Der Ursprung der Welt" (Tagesspiegel), Rachel Cusks "Outline" (NZZ), Jess Kidds Krimi "Der Freund der Toten" (FR), Don Winslows "Corruption" (Welt) und Guillaume Bouzards Lucky-Luke-Persiflage "Jolly Jumper antwortet nicht" (Tagesspiegel).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.06.2017 - Literatur

Stimmt, die Germanistikdebatte gab es ja auch noch. Einen späten Nachtrag dazu schreibt der Literaturwissenschaftler Kai Kauffmann in der FAZ. Für ihn kam die Sprache bislang zu wenig auf die Deutschlehrer. Im Zuge der Noteninflation an den Unis kommen ihm viel zu viele laut Examen zwar sehr gute, realiter aber recht lau ausgebildete, von den Unis ohnehin stiefmütterlich behandelte Deutschlehrer auf den Berufsmarkt, die aus dem Studium zudem noch einen viel zu pragmatischen Literaturbegriff mitnehmen. "An dieser Entwicklung sind die an den Universitäten lehrenden Literaturwissenschaftler nicht ganz unschuldig. Die Ausnüchterung des Literaturbegriffs, zunächst als Gegenreaktion auf eine weltanschaulich überfrachtete Auffassung hoher Dichtung berechtigt, hat seit den siebziger Jahren die ästhetischen Werke immer weiter zu diskursiv auswertbaren Texten degradiert."

Weiteres: Im Standard schreibt Wolf Scheller über James Baldwin, dem Raoul Peck seinen jetzt in Österreich startenden, hier besprochenen Essayfilm "I Am Not Your Negro" gewidmet hat. Im Deutschlandfunk Kultur spricht Daniel Kehlmann über George Orwells "1984", zu dessen Neuausgabe er ein Nachwort verfasst hat. Schayan Riaz berichtet in der Berliner Zeitung vom 18. Berliner Poesiefestival. Die NZZ bringt eine Erzählung von Monique Schwitter. In der FAZ-Reihe über Figuren bei Jane Austen schreibt Patrick Bahners über Mrs Norris.

Besprochen werden Volker Sielaffs "Überall Welt" (Tagesspiegel), Ludwik Herings Erzählband "Spuren" (NZZ), Viktor Remizovs "Asche und Staub" (FR), Tomas Espedals "Biografie, Tagebuch, Briefe" (SZ) und Chris Kraus' "Das kalte Blut" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.06.2017 - Literatur

Wenn Ayatollah Khomeini das noch hätte erleben dürfen: Salman Rushdie wird 70 Jahre alt. "Seine Bücher zu lesen, ist eine Lust", schreibt Arno Widmann in der Berliner Zeitung: "Er liebt es, seinen Assoziationen zu folgen, auch die absurdesten noch plausibel zu machen und die Plausibilität zu zerstören. Es gibt in Rushdies Romanen kein Entweder-Oder. Sie besingen alle das Und."

In der FAZ feiert Dietmar Dath den Jubilar als Meister der Fantastik von hochliterarischen Weihen. Rushdie wolle "den Menschen lieber in die interessanten Gesichter sehen als in die gläubigen Köpfe ... Danach giert er nicht als reiner Protokollonkel und Abbildhandwerker, sondern als Lügner, eben Geschichtenspinner, weil nun mal das Einzige, was die einander entfremdeten und oft genug einander feindlichen Erlebniskreise der Menschen (...) wirklich verbindet, die Tatsache ist, dass sie das Vergangene über Mythen und das Künftige über Spekulation zu verstehen suchen." Weitere Geburtstagsgrüße entsenden Thomas Steinfeld (SZ) und Angela Schader (NZZ).

Weiteres: In einem großen NZZ-Essay würdigt Beatrice von Matt William Faulkner, von dem gerade auch frühe, von Arno Schmidt übersetzte Texte erschienen sind (hier besprochen in der NZZ). Ebenfalls in der NZZ, ebenfalls sehr ausführlich schreibt Tobias Amslinger über Hans Magnus Enzensberger als Literaturvermittler. Hans-Peter Kunisch berichtet in der SZ vom 18. Berliner Poesiefestival. Deutschlandfunk Kultur bringt Nadja Küchenmeisters Feature über Schriftsteller und Ortswechsel.

Besprochen werden eine Emmanuel Bove gewidmete Ausstellung in der Universitäts- und Landesbibliothek in Darmstadt (SZ), J. M. Coetzees Ein Haus in Spanien" (Welt), Zerocalcares Comic "Kopane Calling" (Jungle World), Szilárd Borbélys "Kafkas Sohn" (Tagesspiegel), Jochen Beyses "Fremd wie das Licht in den Träumen der Menschen" (Zeit), und neue Hörbücher, darunter eine von Michael Krüger eingelesene Version von W.G. Sebalds Roman "Austerlitz" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.06.2017 - Literatur

Im September lässt John Le Carré seinen Meisterspion George Smiley literarisch wieder auferstehen. Für die NZZ hat  Marion Löhndorf unter anderem auch dazu nachgefragt, warum der Thrillerautor nun eigentlich wieder auf diese mit dem Kalten Krieg assoziierte Figur zu sprechen kommt. Seine Antwort: "Wir leben in einer Zeit der verschwundenen Ideologien  und ich dachte, es könnte interessant sein, sich noch einmal genau anzusehen, was wir in der Zeit des Antikommunismus getan haben - vom heutigen Standpunkt aus. Ich wollte diese Geschichten aus einer humanistischen Perspektive neu überdenken: 'Was hat es gekostet, so zu leben?' ... Wir haben damals geglaubt, in einem moralischen Kampf eingeschlossen zu sein. Dieses Gefühl existiert nicht mehr. In Wirklichkeit gab es die feste Linie, die wir uns einbildeten, so gar nicht. Auf mein Engagement gegen den Kommunismus damals blicke ich heute analytisch zurück."

Tilman Spreckelsen erinnert im literarischen Wochenend-Essay der FAZ an den Dichter Ernst Schulze, dem im 19. Jahrhundert eine ganze Generation zu Füßen lag, der heute aber weitgehend vergessen ist. Ein Großteil seines Werks erschien erst nach seinem frühen Tod: "Schulze schreibt, so der Mythos, um seiner toten Geliebten zu gedenken, dann folgt er ihr ins Grab. ... Er war auch deshalb so populär, weil es zu seinem Werk eine Lebensgeschichte zu erzählen gab, die wiederum ganz das Klischee einer romantischen Dichterexistenz erfüllt." In Celle hat sich im vergangenen Jahr eine Ernst-Schulze-Gesellschaft gegründet.

Aus der Literarischen Welt: Wer im Silicon Valley was auf sich und seine Erfolge hält, gibt im Internet mit seinem Lesepensum an, berichtet Konstantin Richter. Denis Scheck fügt Agatha Christies "Tod auf dem Nil" seinem wöchentlich aktualisierten Kanon hinzu. Lesen dürfen wir außerdem einen Auszug aus Stephan Groetzners neuem Roman.

Besprochen werden Carol O'Connells "Es geschah im Dunkeln" und Sophie Hénaffs "Kommando Abstellgleis" (Perlentaucher), Mathieu Riboulets "Und dazwischen nichts" (Welt), eine bibliophile Ausgabe von Charles Baudelaires Essays (taz), Jennifer Haighs "Licht und Glut" (FR), Victor Klemperers "Warum soll man nicht auf bessere Zeiten hoffen. Ein Leben in Briefen" (SZ), Ingeborg Bachmanns "Das Buch Goldmann" (online nachgereicht von der FAZ) und Kat Kaufmanns "Die Nacht ist laut, der Tag ist finster" (taz).
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