Besprochen werden unter anderem TonyTulathimuttes "Fiasko" (Standard), EmmaClines "In die Schweiz" (Standard), BanuMushtaqs Kurzgeschichtenband "Meistens bleibt ja die Frau zu Hause" (FR), ElspethBarkers "O Caledonia" (FR), MirkoBonnés "Kanzlerkino" (FAZ) und LukasBärfuss' "Königin der Nacht" (SZ). Mehr dazu in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Perlentaucherin Marie Luise Knott ist in ihrer aktuellen Lyrik-Kolumne sehr begeistert von der Mundart-Poesie der Österreicherin NataschaGangl: Was für "ein Mehr von Wörtern im Wörtermeer" ist hier zu erkunden! "Wie in jeder guten Lyrik - ob traditionell, ob experimentell - geht einem beim genauen Hinhören dieses Gedichtes viel auf. Hier zuallererst die enormen Variationsmöglichkeiten der Vokale im Dialekt. Der Dialekt, der nicht nur bei Pasolini die lokale Einwurzelung des Einzelnen in Zeiten der Globalisierung verteidigt, widersetzt sich dem Reglement der Einheitssprache, den Gesetzen der Grammatik ebenso wie der 'korrekten' Lesart eines Wortes. ... Plötzlich spürt man den Anpassungszwangder 'Hoch'sprachen: 'Es ist eine Schatzkiste, die wir da in Österreich haben, mit all diesen Grenzen und Verschiebungen, Dialekten, Wortschöpfungen und Sprachvermischungen', sagt die Autorin."
Weitere Artikel: Mara Delius, Philipp Tingler und Brigitte Schwens-Harrant haben ohne Angabe von konkreten Gründen auffällig zeitnah zueinander ihre Posten als Juroren des Bachmann-Wettbewerbs in Klagenfurt niedergelegt, meldet Michael Wurmitzer im Standard. In der Zeit porträtiert Adam Soboczynski die Bestseller-AutorinCarolineWahl, deren neuer Roman "1999 Meter über dem Meer" Ende des Monats erscheint.
Besprochen werden unter anderem Yael Inokais "Die Auster" (FR), Max Czolleks "Zweifelssohn" (Standard), Nadia Runggers Gedichtband "cësa da lat dijes tu / milchhaus sagst du" (FR), Maike Möller-Engemanns "Der gefährlichste Ort" (FR), Emma Clines "In die Schweiz" (Zeit), Samuel Becketts "German Diaries" (SZ) und neue Sachbücher, darunter Christine Webbs "Der arrogante Affe" (FAZ) und Ilko-Sascha Kowalczuks "Faschismus ist keine Meinung" (NZZ). Mehr dazu in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
In europäischen Bibliotheken - darunter auch die Staatsbibliothek in Berlin - werden mit aufwändigen Täuschungsmanövern Erstausgaben russischer Klassiker gestohlen, berichtet Nikolas Ender in der FAZ: Die Diebe geben sich als Wissenschaftler aus, erstellen Faksimilies und tauschen diese dann aus - offenbar steckt ein größerer Täterkreis hinter den Beutezügen. Aber wozu? "Für mich sieht es nicht so aus, als wäre es ein staatlicher Auftrag gewesen, spezifische Werke für eine russische Bibliothek zusammenzutragen", zitiert Ender den in Münster lehrenden Slawisten Valentin Peschanskyi. Der Historiker Hieronim Grala von der Universität Warschau jedoch "verweist auf das russische Auktionshaus Litfond, wo Bücher mit Bibliotheksstempel der Warschauer Universität verkauft worden sein sollen, darunter ein Werk, das für 30.500 Euro veräußert wurde. Auch Europol bestätigte nach der Ergreifung von Tätern im Jahr 2024, dass einige der Bücher in russischen Auktionshäusern in St. Petersburg und Moskau versteigert wurden. Kriminalkommissar Allonge schließt eine Verwicklung Russlands bei solchen Fällen nicht grundsätzlich aus."
Außerdem: In der FAZ trauert Andreas Rossmann um die einst in Palermo angesiedelte BuchhandlungFlaccovio. Besprochen werden unter anderem NorbertScheuers "Holunderholz" (FAZ), EmmaClines "In die Schweiz" (NZZ), eine Prachtausgabe der gesammelten "StarWars"-Comics aus den späten Siebziger (Welt) und Clemens J. Setz' Erzählband "Mein Leben als Noiseband" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Bestellen Sie bei eichendorff21!ValeriaLuiselli beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit Grenzen, verrät die in Mexiko geborene, heute aber in New York lebende Schriftstellerin im taz-Gespräch mit Eva-Christina Meier. Dieses Interesse grundiert auch ihren neuen, in Sizilien spielenden Roman "Anfang Mitte Ende", denn in der Geschichte der Insel mischten sich Einflüsse aus dem ganzen Mittelmeerraum: "Sizilien wurde zu einer Art Palimpsest der Kulturen des Westens und des Nahen Ostens." Zudem "verläuft unter dem Meer auch eine geologische Grenze. Hier stoßen die tektonischen Platten Afrikas und Europas aufeinander. Abgesehen von der Symbolik hat das ganz reale Konsequenzen. Denn es handelt sich um ein Gebiet mit extrem hoher vulkanischer Aktivität. So spürt man auf Sizilien den Ursprung des Planeten unmittelbar. Inmitten der brodelnden Lava scheint das Ende der Welt gleichzeitig zum Greifen nah."
Besprochen werden unter anderem MichaelKöhlmeiers "Mein privates Glück" (FR, Standard), András Viskys "Die Aussiedlung" (Intellectures), Catherine Adufe Folawiyos Bilderbuch "Der Haarkunstshop - Einmal glatte Haare, bitte!" (taz), Annie Ernauxs und Marc Maries "Auf den Bildern" (NZZ) und neue Sachbücher, darunter Ilko-Sascha Kowalczuks "Faschismus ist keine Meinung" (SZ) und Andreas Mayers "Freud gegen den Strich. Eine andere Geschichte der Psychoanalyse" (FAZ).
In der Jüdischen Allgemeinen kann Daniel Neumann es nicht fassen: Ausgerechnet die Literaturkritikerin Maha El Hissy wurde in die Jury des Deutschen Buchpreises berufen. Für Neumann ist sie schlicht eine Antisemitin, er empfiehlt einen Blick in ihre Essayreihe "Literature of Unsettlement" in der Berlin Review, in der sie Israel konsequent als koloniales, genozidales, apartheidartiges Unrechtsprojekt darstelle. So etwas hat Konsequenzen, erinnert Neumann: "Wer Israel nicht mehr als einen Staat betrachtet, der falsche oder sogar verwerfliche Entscheidungen treffen kann, sondern als Verbrechen an sich, verschiebt zwangsläufig auch die Frage nach seiner Existenzberechtigung. ... Was würde wohl passieren, wenn man einen intellektuell versierten Rechtsextremen in die Jury berufen hätte? Götz Kubitschek etwa. Der kollektive Aufschrei von Literatur- und Kulturbetrieb wäre ohrenbetäubend. Zu Recht! Warum aber bleibt es bei den bösartigen und geschichtsrevisionistischen Äußerungen von Maha El Hissy still? Warum müssen es wieder die Juden selbst sein, die das selbstverständliche aufschreiben und öffentlich machen?"
Bestellen Sie bei eichendorff21!Im Interview mit Zeit online spricht Steffen Kopetzky über seinen 2019 erschienenen Roman "Propaganda", der im derzeit brennenden Hürtgenwald spielt. "Ich habe sofort daran gedacht, dass der Wald in den Jahren 1947 bis 1949, also kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, schon einmal brannte. Das waren zwei sehr trockene Ausnahmejahre, die mit der Trockenheit heute vergleichbar wären, und es lag wegen des Krieges viel Bruchholz herum, das sich entzündet hatte. Durch das Feuer detonierten wiederum die herumliegenden Bomben und Minen. Es gibt apokalyptische Beschreibungen davon, wie man in der Nacht die Sprengsätze hochgehen hörte, wieder genau wie im Krieg. Die Situation heute ist also gewissermaßen die Wiederkehr dieses Brandes, der eine Wiederkehr des Krieges war. … hier kommen Weltkrieg und Klimawandel zusammen. Zwei Kriege im Grunde genommen, der eine ein Krieg, den die Menschheit gegen sich selbst führt durch ihre Art zu wirtschaften und die Natur auszubeuten. Das macht es umso bedrückender."
Weitere Artikel: Der Deutsche Buchpreis trägt dazu bei, dass die Bestsellerlisten "immer lokaler, um nicht zu sagen: nationaler" werden, klagt Peter Teuwsen in der NZZ. Linus Schöpfer streift für die NZZ mit dem Schriftsteller Urs Augstburger durch die völlig ausgetrocknete Schweiz.
Besprochen werden u.a. Heinz Strunks "Memories of Heidelberg" (FR), zwei wiederaufgelegte Krimis von Mary Roberts Rinehart und Dorothy Bowers (FR), Hans-Jürgen Papiers "Unantastbar" (SZ), Christian Steckers Plädoyer "Ohne Koalitionskorsett und Brandmauern" (SZ), Monchis "Jenseits der Brandmauer" (FAZ), (zum Buch gibts im Tsp auch ein Interview mit dem Autor) und Daniel Damlers Roman "Masaya" als Hörbuch (FAZ).
Bestellen Sie bei eichendorff21!Tobias Rüther trifft Emma Cline für die FAS zum Gespräch. In ihrem neuen Roman geht es um Sterbehilfe, für die amerikanische Autorin ist das Schreiben auch Mittel, um sich der völlig unbegreifbaren Erfahrung des Sterbens zu nähern: "Ich hatte einen Unfall, das Auto hat sich überschlagen und ging in Flammen auf, es war wie im Film, aber eben auch gar nicht, es ist dein ganz normales Leben, und das zu erkennen, war wirklich seltsam. Die Autorin Mary Gaitskill hat einmal in einem Essay geschrieben, dass man eine Ahnung davon bekommt, wie absolut unverständlich einem der Mensch ist, wenn man bei einem Sterbenden ist. Und dass wir nichts davon wissen, wer wir sind und was unsere Leben bedeuten. Ich versuche immer, auf dieses Mysterium hinzuschreiben. Dass wir es einfach nicht wissen."
Richard Kämmerlings besucht die argentinische AutorinSamanta Schweblin für die Wams in ihrer Wahlheimat Kreuzberg. Ihren Kurzgeschichten merkt er an, dass sie ursprünglich vom Film kommt. "Immer wieder kommt sie im Gespräch auf den 'Kern' zurück, den Dreh- und Angelpunkt ihrer Poetik, und zitiert einen Satz von Rebecca Solnit, der es perfekt treffe: 'A book is a heart that only beats in the chest of another.' Literatur sei etwas, das real zwischen zwei Menschen passiere, dem Autor und dem Leser, 'und nur zwischen diesen beiden Menschen'. Denn jeder lese eine Story anders, je nach seinen persönlichen Erfahrungen. 'Es ist wie ein Tango, man kann es nicht allein tun.'"
Bestellen Sie bei eichendorff21!Vor 23 Jahren hat Melania Mazzucco den Premio Strega gewonnen, jetzt steht sie dem preisverleihenden Gremium vor und der prämierte Roman "Vita" wird auf Deutsch neu aufgelegt. Ulrike Sauer spricht mit ihr für die NZZ über die Themen des Romans, Migration und Exil: "Wir machen mit der Vergangenheit fast nie reinen Tisch. Italien hat alles unter den Teppich gekehrt: die Migrationsgeschichte, die Kolonialgeschichte und die Geschichte des Faschismus. Diese blinden Flecken führen dazu, dass uns bis heute eine Erinnerungskultur fehlt und auch eine echte moralische Sühne. Das hat Konsequenzen. Wenn ein Land seine Scham versteckt, kehren bestimmte Impulse immer wieder. Dann können Dinge wieder ausgesprochen werden, die in anderen Ländern vielleicht unsagbar wären. Nach 1945 gab es eine Art kollektive Amnestie. Akten verschwanden, vieles wurde in Schränken weggeschlossen, ohne dass je jemand Verantwortung übernommen hätte. Daraus ist eine Kultur der Unschuld entstanden: die Idee, von der Geschichte heimgesucht worden zu sein, ohne selbst an ihr mitgewirkt zu haben."
Weiteres Artikel: Sara Piazza macht uns in der taz mit einer merkwürdigen Praxis bekannt, bei der Scammer Autoren anbieten, ihre Bücher bekannter machen zu wollen, sie ihnen dabei aber nur das Geld aus der Tasche ziehen. In der NZZfeiert Arnon Grünberg 75 Jahre "Der Fänger im Roggen" von J.D. Salinger. Michael Kleeberg ist für die FAZ auf der Hemingway Conference in Toronto unterwegs.
Besprochen werden unter anderem Jo Cheethams "Love and Rent" (Wams), Boris Schumatskys "Die Seine fließt ins Schwarze Meer" (taz, FAS), Adèle Yons "Mein Name ist Elisabeth" (FAZ) und Yael Inokais "Die Auster" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
In der Frankfurter Anthologie schreibt Joachim Sartorius über Thomas Krügers "The Snows of Kilimanjaro":
"Dem Leoparden, der - in seiner Grundsubstanz zum Gipfel ausgerichtet, tiefgefroren - still und starr gen Himmel blickte, schmolzen Fleisch und Fell…"
Bestellen Sie bei eichendorff21!Robert Misik spricht im Interview mit dem Standard über seinen Essay "Erziehung zur Grausamkeit". Darin überlegt er, wie die Rechte von Donald Trump bis Björn Höcke die Entladung niederster Affekte fördert: "Es ist jene Art von Grenzüberschreitung, die uns verrohen lässt. Die Missachtung des Üblichen, des Höflichen, gibt dem Rechtspopulisten immer den Gewinn an Authentizität. Er wirkt dann als jemand, der sich etwas traut und als jemand, der mit dem Mainstream, dem Üblichen, bricht." Warum funktioniert das vor allem bei Männern so gut? "Es ist grundsätzlich ein Dilemma linker progressiver Bewegungen, dass man immer davon spricht, wie der fortschrittliche Mensch werden sollte, damit er gut ist. Der Imperativ lautet also: Du musst dich ändern! Das Verlockende am rechten Imperativ ist, dass selbst dem schlimmsten Macho gesagt wird: Es ist gut so, wie du bist, du musst gar nichts ändern!"
Bestellen Sie bei eichendorff21!Jan "Monchi" Gorkow von "Feine Sahne Fischfilet" erzählt im Interview mit der SZ, warum er wieder nach Mecklenburg-Vorpommern in sein Heimatdorf Jarmen gezogen ist, wo immerhin 54 Prozent AfD-Wähler leben. Er hat auch ein Buch darüber geschrieben, "Jenseits der Brandmauer". Und was jetzt? Weltuntergang? Kommt nicht in Frage für ihn. "Auch ich denke manchmal: Lasst mich in Ruhe mit der Politik-Scheiße, ich will netflixen. Aber abstumpfen und Maul halten, bloß um es bequem zu haben, ist keine Option. Du kannst auf dem Dorf etwas bewegen! Wir haben in Jarmen einen Skatepark gebaut, das hat mehrere Jahre gedauert, weil immer irgendeine Genehmigung fehlte. Heute ist der voll. Ich fahre manchmal einen Umweg, nur um die Kids zu sehen und mir den Arsch abzufreuen. Vielleicht wird meine Tochter da auch mal mitfahren. Ich habe noch nie gedacht: Wäre ich mal besser nicht hergezogen."
Weiteres: Wilhelm v. Sternburg schreibt in der FR zum 70. Todestag Bertolt Brechts. Besprochen werden Peggy Mädlers DDR-Roman "Selbstregulierung des Herzens" (FR), Belinda Bauers Kriminalroman "Das Ding der Unmöglichkeit" (FR), Anne Goscinnys Erinnerungsbuch an ihren Vater René "Das Klimpern der Schlüssel" (Tsp), Marc David Baers "Kinder Abrahams" über 1400 Jahre muslimisch-jüdische Geschichte (Tsp), Jean-Luc Lehners "Der Anfang von Raum und Zeit" (FAZ), Otfried Höffes "Der gierige Staat" (FAZ) und Panajotis Kondylis' neu aufgelegter Band "Planetarische Politik nach dem Kalten Krieg" (FAZ).
Die Zeit bringt einen Beitrag von Homeira Qaderi, einer afghanischen Schriftstellerin, die im amerikanischen Exil lebt - und einen anonymen online-Literaturzirkel namens "Goldene Nadel" vor allem für afghanische Frauen und Mädchen eingerichtet hat: "Mädchen und auch einige Jungen aus ganz Afghanistan versammeln sich einmal in der Woche im Netz. Jedes Mal besprechen wir ein Buch anhand der erzählerischen Kriterien, die wir in der vorigen Sitzung behandelt haben, und gehen dann zu einem neuen Thema über. Unsere erste Lektüre ist immer 'Das Tagebuch der Anne Frank'. Neben den Seminaren gibt es Gruppen für Schreibpraxis, Literaturkritik und Lesezirkel. Wer mag, schickt mir seine Geschichte, ich lese sie und gebe Feedback. Es geht aber nicht nur darum, Geschichten zu schreiben oder Bücher zu lesen. Nicht jeder kann Schriftsteller werden. Deshalb gestalte ich meine Gruppen als Hort des leisen Widerstands."
Und noch einmal Zeit: Jens Mühling stellt einen literarischen Trend in China vor: patriotische Science Fiction: "Hunderte von Romanen, meist online veröffentlicht, folgen heute dem gleichen Kompositionsprinzip: Ihre Helden reisen rückwärts durch die Zeit, um mit dem Wissen der Gegenwart Chinas Vergangenheit neu zu verkabeln. Meist geht es dabei um das Ausbügeln nationaler Scharten, Schwächen und Schandflecken, kurz: um patriotische Geschichtsbereinigung. Chinas kollektiver Aufstiegsrausch brandet in diesen Büchern aus der Gegenwart zurück in die Historie." Der kollektiv verfasste Roman "Der Morgenstern von Lingao" etwa imaginiert ein China, das den Westen im 17. Jahrhundert mithilfe einer Blitzindustrialisierung überholt.
Weitere Artikel: Die Debatte um KI in der Literatur geht weiter. Nikolai Ott antwortet in der FAZ auf Erik Schilling, der ebenfalls in der FAZ vom 5. August den Gedanken nahegelegt hatte, dass ChatGPT Roland Barthes' Idee vom Tod des Autors endlich Wirklichkeit werden lässt. Für Ott ist KI nur institutionalisierte Mittelmäßigkeit: "Ohne die Freude am Lesen bleibt das emanzipatorische Versprechen vom Tod des Autors leer." Jan Wiele spricht mit Irvine Welsh in der FAZ über dessen neuen Roman "Men in Love". Daniel Gerhard erklärt in der Zeit, was eine britische Hochspannungsleitung mit Harry Potter zu tun hat. Maja Beckers wiederum überlegt, ebenfalls in der Zeit, was es mit sogenannten "Lese-Retreats" auf sich hat. Andreas Platthaus erinnert in der FAZ an den Asterix- und Lucky Luke-Autor René Goscinny, der vor hundert Jahren das Licht der Welt erblickte.
Besprochen werden u.a. Eva Menasses "Alleinruhelage" (FAZ, FR), Pol Guaschs Roman "Auf den Händen brennt das Paradies" (FAZ), Asma Mhallas "Cyberpunk" (SZ), Clemens Böckmanns "Das richtige Leben des Alvaro Maderholz" (Zeit) und Tony Tulathimuttes "Fiasko" (taz).
Die Longlist für den Frankfurter Buchpreis ist da, auch wir Perlentaucher stellten überrascht fest, wer fehlte: Angelika Klüssendorfs Roman "Trost" etwa, Heike Geißlers"Michaela Kohlhaas" oder Christoph Peters' "Entzug". Marie Schmidt (SZ) vermisst derweil Romane von Maxim Biller, Eva Menasse oder Lutz Seiler, die erst im Herbst erscheinen werden - und mutmaßt aber, "dass gerade bekannte Autoren sich dem Preis verweigern und ihre Bücher nicht einreichen lassen. Nominierten-Lesungen, Interviews und die Preisverleihung absitzen zu müssen, um dann doch mit leeren Händen nach Hause zu gehen, hat schon manchen den letzten Nerv gekostet." Auch Gerrit Bartels vermisst im Tagesspiegel große Namen wie Daniel Kehlmann oder Sven Regener, findet die Auswahl aber gelungen - und kürt mit Lukas Rietzschel, Peggy Mädler und Svenja Leiber seine Shortlist-Favoriten. In der tazfällt Julia Hubernagel indes auf, wie wenige der nominierten Romane nicht der eigenen Biografie entlehnt sind.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Die Österreicher gehen kreativer mit der Sprache um als die Deutschen, erklärt Eva Menasse im Gespräch mit dem Tagesspiegel den Titel ihres morgen erscheinenden Romans "Alleinruhelage". Überhaupt scheint sie Österreich inzwischen Deutschland vorzuziehen: "Als ich 1999 kam, war das hier in Berlin wirklich so: Aufklärung, Offenheit, Geschichtsbewusstsein, Berlin wurde gerade zu dieser unglaublich flirrenden, internationalen Stadt. Jetzt geht das alles langsam wieder zu, und ich frage mich, warum ich mich mit den deutschen Reaktionären und Rechtsextremen auseinandersetzen soll, ich kenne doch schon die aus Österreich recht gut."
Weitere Artikel: Am 14. August wäre René Goscinny hundert Jahre alt geworden - Grund genug für Martin Zips (SZ) in dessen Pariser Archiv vorbeizuschauen und mit dessen Tochter Anne zu plaudern. Gerrit Bartels resümiert im Tagesspiegel den Auftakt der Gesprächsreihe, die der PEN Berlin anlässlich der Landtagswahlen in Bitterfeld-Wolfen machte und in der unter anderem Deniz Yücel über Heimat und Demokratie sprach.
Besprochen werden unter anderem Sandro Veronesis "Schwarzer September" (taz), Karosh Tahas Roman "Gulistan" (FR). Asma Mhallas "Cyberpunk" (SZ), und verschiedene Bücher zu Architektur, darunter Winfried Nerdinger: "Le Corbusier" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Jan Feddersen spricht für die taz mit dem SchriftstellerKristof Magnusson. Besprochen werden unter anderem AndreaGrills "Sonnenspiel" (taz), DeonMeyers Thriller "Der Tag des Skorpions" (FR) und MiriamCarbes "Unerwünschte Töchter" (FAZ).