Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Literatur

947 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 95
Zurück | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | Vor

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.02.2017 - Literatur

Dass die umfangreiche Ingeborg-Bachmann-Gesamtausgabe im ersten Band "Male Oscuro" gleich mit sehr privaten Dokumenten aus der Zeit der schweren Lebenskrise der Autorin nach der Trennung von Max Frisch eröffnet wird, war bereits gestern Thema eines kritischen Artikels in der FAZ. Auch die heute erscheinenden Besprechungen kreisen um diese Frage, machen dabei aber vor allem den literarischen Aspekt stark: In den zu Therapiezwecken entstandenen Traumprotokollen erkennt Paul Jandl von der NZZ "Prosaminiaturen, deren böse Bilder vom richtigen Leben bis in den Schlaf leuchten. ... Es ist erstaunlich zu sehen, wie kurz der Weg ist, den die Protokolle nehmen, um schließlich in den Traumpassagen von 'Das Buch Malina' aufzugehen. Dort sind sie Literatur, und doch hängt noch das Leben an ihnen. Es ist ein anderer Umgang mit Intimität als bei Max Frisch. Intimität ist kein literarisch verwertbares und damit archivierbares Material, sondern eine Wirklichkeit, die für Bachmann nicht zu leben aufhört."

Auch Bert Rebhandl bekennt im Standard, dass er diese literarisch argumentierende Position für durchaus plausibel hält: "Die Traumnotate sind als Texte in ihrer ganzen Flüchtigkeit, aber auch Präzision, ohne weiteres als experimentelle Literatur lesbar ... Die Grenzen zwischen 'ich' und dem Ich (dem persönlichen und dem literarischen Subjekt) machte Ingeborg Bachmann schon an diesen Stellen durchlässig - zugunsten eines literarischen Ichs." Deutschlandradio Kultur hat sich zudem ausführlich mit den beiden Herausgebern Irene Fussl und Hans Höller unterhalten.

Weiteres: Carmen Eller spricht in der Literarischen Welt mit dem  Schriftsteller Antonio Ortuño über die Situation in dessen Heimatland Mexiko. Gisela Trahms berichtet in der Literarischen Welt begeistert von ihrer erneuten Lektüre von Robert Musils "Mann ohne Eigenschaften", dessen auf sechs Bände angelegte Gesamtausgabe jetzt mit den ersten zwei Bänden begonnen wurde. Für die taz geht Doris Akrap mit Tijan Silas spazieren und plaudert dabei mit ihm über dessen Romandebüt "Tierchen unlimited". Für den literarischen Wochenendessay der FAZ hat Reinhard Veser Vilnius besucht, die Hauptstadt Litauens und damit des Gastlandes der Leipziger Buchmesse, und stößt dabei, in den Worten des Dichters Tomas Venclova, auf ein "Europa en miniature".

Besprochen werden der erste Band "Male Oscuro" der Ingeborg-Bachmann-Gesamtausgabe (NZZ, Standard), Liza Codys Krimi "Miss Terry" (Deutschlandradio Kultur), Manuel Karaseks Debüt "Mirabels Entscheidung" (taz), Gisela von Wysockis "Wiesengrund" (Tell), Elliot Pauls Reportagenband "Das letzte Mal in Paris" (taz), Lukas Bärfuss' "Hagard" (Welt, SZ) und neue französische Bücher von und über Michel Houellebecq (FAZ).

Mehr auf unserem literarischen Meta-Blog Lit21 und ab 14 Uhr in unsereraktuellen Bücherschau.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.02.2017 - Literatur

In der FAZ fragt sich Andreas Kilb, ob die  bei Suhrkamp und Piper angekündigte Bachmann-Gesamtausgabe (die so genannte "Salzburger Edition") mit der geplanten Veröffentlichung privater Briefe nicht zu weit geht. Wenn der Herausgeber bei einer Präsentation in Berlin beinahe Tränen vergoss angesichts der  herzzerreißenden Dokumente, schrillen bei Kilb jedenfalls die Alarmglocken: "Nun ist die Verehrung der Dichterin Ingeborg B. eine Sache, die Herausgabe ihres Werkes eine andere. Wer weint, hat keinen klaren Blick. Ebendiese Klarheit ließ Hans Höller bei der Vorstellung seines Editionsprojekts vermissen. Auf die Frage, nach welchen Kriterien er Bachmanns Briefe publizieren oder auch stellenweise der Neugier der Nachwelt entziehen werde, blieb er eine Antwort schuldig."

Joachim Güntner zieht nach der vom Spiegel angestoßenen Germanistik-Debatte in der NZZ Bilanz: Es haben ja alle recht, die diese Polemik von sich weisen, dennoch berühre die Kritik am Zustand des Fachs einen "wunden Punkt": Es schmerze "wenn so viele Vertreter des Fachs es nicht für nötig halten, mit der Interpretation von Literatur und der Vermittlung dieses Wissens zu glänzen. ... Entweder haben sie kein reizvolles Thema, spielen Glasperlenspiele, oder sie benutzen den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit als Ausrede für schlechtes Deutsch. Oder beides. Die Selbstbezogenheit akademischer Schriften, die gedankliche Schlichtheit mit terminologischem Schwurbel tarnen, bleibt ein Graus."

Weiteres: Christiane Pöhlmann stellt in der FAZ die drei iranischen Schriftsteller Shahriar Mandanipur, Amir Hassan Cheheltan und Mahmud Doulatabadi vor, die  vom Goethe-Institut gemeinsam mit dem Literarischen Colloquium Berlin nach Deutschland gebracht wurden. Für die SZ hat sich Bahareh Ebrahimi zudem mit Doulatabadi unterhalten. Im Freitag schreibt Michael Angele über Julian Barnes, dessen Romane insbesondere romanmüden Lesern entgegen kommen.

Besprochen werden Lukas Bärfuss' "Hagard" (NZZ), Andreas Stichmanns "Die Entführung des Optimisten Sydney Seapunk" (Welt) und Tim Parks' "Thomas & Mary" (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.02.2017 - Literatur

Heute vor 75 Jahren nahmen sich Stefan Zweig und dessen Frau Lotte im brasilianischen Petrópolis das Leben. Mehrere internationale Delegierte haben sich aus diesem Anlass das restaurierte Häuschen in Brasilien angesehen, in dem die beiden sich umgebracht haben. Für die FAZ war Matthias Rüb vor Ort. Den Schriften Lotte Zweigs entnimmt er einige Hinweise auf die Gründe für den gemeinsamen Suizid: "Sie litten unter Einsamkeit, kultureller und sprachlicher Isolation, waren abwechselnd oder gemeinsam niedergeschlagen, ärgerten sich über das Personal. Für Lottes Asthma war das schwüle Klima im tropischen Hügelland von Petrópolis die Hölle." Für die Welt hat der Schriftsteller Joachim Lottmann Zweigs "Hundehütte" in Brasilien besucht. Dass der Suizid psychisch bedingt war, glaubt er indessen nicht: "Es sei denn, man erklärte Mitgefühl für einen psychischen Defekt. Nein, Zweig starb an inhaltlichen Dingen, am Gift des rassistischen Denkens, das sich zwanzig Jahre lang immer weiter ausbreitete. Dass man nun plötzlich sogar seine Bücher 'jüdisch' fand, war eine neue Stufe der Eskalation." Dazu passend bespricht Stephan Wackwitz in der taz George Prochniks Buch "Das unmögliche Exil: Stefan Zweig am Ende der Welt".

Weiteres: Mit Hohn und Spott reagiert Leander F. Badura im Freitag auf den offenbar überschaubar geglückten Versuch, in Berlin mit einem Kongress an den 1935 von hundert Schriftstellern besuchten "Internationalen Schriftstellerkongress zur Verteidigung der Kultur" anzuschließen: "Wenn die Kunst der Hammer ist, mit dem man die Wirklichkeit gestaltet, dann war dieser Abend ein Zahnstocher." Für den Freitag unterhält sich Julika Bickel mit Jonathan Safran Foer über dessen neuen Roman "Hier bin ich". Holger Heiman berichtet in der Welt von seinem Besuch bei der Buchmesse auf Kuba, wo kritische Bücher aus der Auslage des Ch Links Verlags beschlagnahmt wurden, wie der Standard meldet.

Besprochen werden Denis Johnsons "Die lachenden Ungeheuer" (NZZ), Chris Kraus' "I Love Dick" (Freitag), Ismail Kadares "Die Dämmerung der Steppengötter" (Tagesspiegel), Denis Johnsons "Die lachenden Ungeheuer" (Welt) und Nora Bossongs Reportage "Rotlicht" (SZ, hier dazu ein Autorinnengespräch im BR).

Mehr auf unserem literarischen Meta-Blog Lit21 und ab 14 Uhr in unserer aktuellen Bücherschau.
Anzeige

Twitterfeed der Verlage

Stichwörter: Stefan Zweig

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.02.2017 - Literatur

Roman Bucheli macht in der NZZ Vorschläge, wie die Schweiz das viele Geld sinnvoll ausgeben kann, das ihr zur Literaturförderung zur Verfügung steht. Die SZ dokumentiert Eva Menasses Laudatio auf Katja Lange-Müller, die mit dem Günter-Grass-Preis ausgezeichnet wurde.

Besprochen werden Jochen Schmidts "Zuckersand" (Welt), eine Neuübersetzung von William Goldings "Herr der Fliegen" (Tagesspiegel), James Salters Erzählungsband "Charisma" (Tagesspiegel), Adolf Muschgs "Der weisse Freitag" (SZ)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.02.2017 - Literatur

Der Literaturwissenschaftler Zachary Turpin hat einen bislang unbekannten, 1852 als Fortsetzung anonym erschienenen Roman von Walt Whitman entdeckt. Diese Geschichte - "Life and Adventures of Jack Engle: An Auto-Biography" - "könnte durchaus seine schönste Erzählung sein", schreibt dazu Wieland Freund in der Welt, "vielleicht ist sie die ausgeformteste, und in jedem Fall hat sie enorm vom Wirken Charles Dickens' profitiert, der zur selben Zeit seinen Gerichtsroman 'Bleak House' veröffentlichte. ... So besticht 'Jack Engle' vor allem durch seine Beschreibung New Yorks, einer Stadt, die Whitman so großartig gefunden hat wie sich selbst - nicht weil hier das Geld zu Hause war, sondern die Verschiedenheit." An dieser Stelle kann man sich den Roman als pdf herunterladen.

Weiteres: Im Interview mit der NZZ plaudert der Schriftsteller T. C. Boyle anlässlich seines neuen Romans "Die Terranauten" über Trump, den Klimawandel und Visionen. Im Tagesspiegel würdigt Michael Braun die gestern mit dem Berliner Literaturpreis ausgezeichnete Schriftstellerin Ilma Rakusa: Diese habe als "polyglottes 'Unterwegskind' (...) eine Weltkarte der Poesie angelegt." Der Standard bringt Tagebucheinträge von Daniel Wisser. Für Tell lotet Sieglinde Geisel die literarische Tiefe aus.

Besprochen werden der neue Comic aus der "Valerian und Veronique"-Reihe (taz), Tex Rubinowitz' "Lass mich nicht allein mit ihr" (Zeit Online) und Adolf Muschgs Erzählung "Der weisse Freitag" (NZZ).

Mehr auf unserem literarischen Meta-Blog Lit21 und ab 14 Uhr in unsereraktuellen Bücherschau.
Stichwörter: Walt Whitman, Boyle T.C

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.02.2017 - Literatur

Sehr alt fühlt sich die 1956 geborene niederländische Autorin Pauline de Bok manchmal, wenn sie von ihrem Hochsitz in Mecklenburg aus das Wild betrachtet und über den Zustand der Welt meditiert, erzählt sie in der NZZ: "'Hör auf dein Gefühl', hatte die Generation der sechziger Jahre proklamiert. Mittlerweile galt 'Ich empfinde das nun mal so' als entscheidendes Argument. Jede Generation gebiert die folgende. Eineinhalb Jahre habe ich den Zustand der Welt vom Mecklenburger flachen Land aus verfolgt, wo sich das Ende der Eiszeit bis heute tief in die Landschaft eingegraben hat, wo Dreißigjähriger Krieg, Zweiter Weltkrieg und realsozialistische Diktatur ihre Spuren hinterlassen haben. ... Erst während meines Aufenthaltes hier begann mir zu dämmern, dass 'meine Welt' ihrem Ende entgegenging.

Jürgen Ritte meldet in der NZZ Zweifel an, dass ein kürzlich der Öffentlichkeit präsentierter Filmschnipsel tatsächlich, wie behauptet, Marcel Proust zeigt: Sollte der auf seine Kleidung penibel achtende Schriftsteller "dermaßen underdressed zu diesem gesellschaftlichen 'event' erschienen sein? Mit Melone statt Zylinder? In Grau statt in Schwarz? Um dann auch noch, entgegen aller Konvention, an der hochrangigen Gesellschaft vorbei die Treppe hinunterzuwieseln?" Im übrigen habe die Forscherin Laure Hillerin den Schnipsel "schon vor einigen Jahren gesichtet und damals geschrieben, dass es theoretisch Proust sein könnte, den man dort sehe. Allein, ihr fehlte der Glaube. Und damit lag sie vielleicht richtig."

Weiteres: Im Deutschlandradio Kultur unterhält sich Simone Rosa Miller mit Lorenz Jäger über Walter Benjamin, über den Jäger gerade eine Biografie verfasst hat.

Besprochen werden ein von Helmut Peitsch und Helen Thein herausgegebenes Buch über "Literatur, Pop und Politik bei Ronald M. Schernikau" (Jungle World), neue Musikerromane von William Gass und Joshua Cohen (NZZ), Imbolo Mbues "Das geträumte Land" (Tagesspiegel), Raoul Schrotts "Erste Erde. Epos" (Zeit), Franzobels "Das Floß der Medusa" (Welt), Dieter Borchmeyers "Was ist deutsch?" (SZ) und neue Hörbücher, darunter eine Box mit herausragenden WDR-Hörspielen aus sechs Jahrzehnten (FAZ).

In der online nachgereichten Frankfurter Anthologie schreibt Hans Christoph Buch über Gerd-Peter Eigners "Das Mammut":

"Angeblich vom Erdboden verschwunden
seit es die Menschheit gibt
taucht es in Rudeln auf
..."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.02.2017 - Literatur

Dass Proustianer so entzückt darauf reagieren, dass Marcel Proust in einem kürzlich entdeckten Filmfragment durchs Bild huscht, lässt sich nach kurzem Nachschlagen mit Proust selbst erklären, schreibt Richard Kämmerlings in der Welt: Der Autor war für den medialen Umbruch seiner Zeit nämlich sehr empfänglich. "Eine Hochzeitsgesellschaft wie die der Greffulhes auf einem Film festzuhalten war damals eine sensationelle Neuerung. Doch die äußerliche Wiederholung ist für Proust die uninteressante Seite der Medaille. Entscheidend ist, 'die feine Rille aufzuspüren, die der Anblick eines Weißdornbusches oder einer Kirche in uns eingezeichnet hat', heißt es in 'Die wiedergefundene Zeit' ... Die technische Rillenmetapher ist hier schlagend: Wir selbst sind das Medium, um jenen entscheidenden Eindruck festzuhalten und wieder hervorzurufen, den eine ästhetische oder erotische Erfahrung einmal in uns hinterlassen hat."

Weiteres: Susanne Messmer schreibt in der taz über die Schriftstellerin Carson McCullers, die morgen 100 Jahre alt geworden wäre. Tilman Spreckelsen hat für den literarischen Wochenendessay der FAZ zu Theodor Storms Frankfurt-Aufenthalt im Jahr 1865 recherchiert. Auf dctp.tv sprechen Alexander Kluge und der Literaturwissenschaftler Bernd Flessner über Stanisław Lem und Arno Schmidt als Science-Fiction-Autoren.

Besprochen werden Nicolas Debons Comic "Essai" (Tagesspiegel), Chris Kraus' "I Love Dick" (Tagesspiegel), Julian Barnes' "Der Lärm der Zeit" (SZ) und der erste Band der Salzburger Ingeborg-Bachmann-Gesamtausgabe (FAZ), aus dem die Welt in ihrer Beilage einen Vorabdruck bringt.
Stichwörter: Marcel Proust

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.02.2017 - Literatur


Ist er's oder ist er's nicht? Ab Sekunde 35 können Sie mitraten.

Der kanadische Literaturwissenschaftler Jean-Pierre Sirois-Trahan ist auf die Filmaufnahme einer Hochzeit von 1904 gestoßen, durch deren Bild ein eiliger Marcel Proust huschen soll, meldet der Guardian. Sirois-Traha gehe "besonders auf den grauen Gehrock ein, den Proust an diesem Tag trug", schreibt dazu Lukas Latz in der SZ. "Der Literaturwissenschaftler vermutet, dass es das gleiche Kleidungsstück ist, dass Swann, ein Protagonist aus dem ersten Teil des Romans, in einer Schlüsselszene trägt."

Martin Zingg porträtiert in der NZZ die mit dem Schweizer Grand Prix Literatur ausgezeichnete Schriftstellerin Pascale Kramer. Passend dazu hat Roman Bucheli in der NZZ recherchiert, warum vom Schweizer Jahresetat für Literaturpreise gerade mal die Hälfte bei den Autoren ankommt. Der Rest versickert in Organisationsabläufen und repräsentativen Aufhübschungen: "Allein von dem runden Betrag für die (mit Verlaub: überflüssigen) Porträtfilme könnten eine Autorin und ein Autor glatt ein Jahr leben und arbeiten. Literaturpreise scheinen hier nur ein Vorwand zu sein, um hauptsächlich links und rechts davon das üppig vorhandene Geld kübelweise auszuschütten."

Weiteres: Dass auf der Shortlist für den Leipziger Buchpreis Jonas Lüschers Debüt "Kraft" fehlt, hält midt in der SZ für ein "sträfliches" Versäumnis. Judith von Sternburg freut sich in der FR unterdessen darüber, dass Brigitte Kronauers "Der Scheik von Aachen" nominiert ist. In der NZZ würdigt Roman Bucheli den Schweizer Literaturwissenschaftler Charles Linsmayer und dessen Verdienste um die Geschichte der Schweizer Literatur. Der Börne-Preis geht in diesem Jahr an Rüdiger Safranski. "Eine Entscheidung voller Idealismus", schreibt dazu Christian Thomas in der FR. Angela Schader schreibt in der NZZ über die Schriftstellerin Carson McCullers, die am kommenden Sonntag 100 Jahre alt geworden wäre.

Besprochen werden Julia Zanges "Realitätsgewitter" (taz), Birgit Birnbachers "Wir ohne Wal" (Tagesspiegel), Malla Nunns "Zeit der Finsternis" (Tagesspiegel) und Pola Oloixaracs "Kryptozän" (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.02.2017 - Literatur

Im Freitag erklärt Büşra Delikaya nach Martin Doerrys Polemik im Spiegel gegen die Germanistik, warum sie das Fach sehr gerne studiert: "Durch Teildisziplinen wie Diskursanalyse und Textlinguistik wird das kritische Denken trainiert. Nicht selten verfügen Germanisten, wie andere Geisteswissenschaftler auch, über einen besonders sensiblen, auch analytischen Blick auf das, was man 'Debatten' nennt."

Weiteres: Für die SZ porträtiert Christoph Schröder den Verleger Sebastian Guggolz, der sich mit einer erfolgreichen Quizshow-Teilnahme im Fernsehen eine ansehnliche Finanzdecke für seinen Kleinverlag gesichert hat.

Besprochen werden Katja Kettus "Feuerherz" (FR), Sayed Kashuas Kolumnensammlung "Eingeboren - Mein israelisch-palästinensisches Leben" (NZZ),  Cixin Lius chinesischer Science-Fiction-Roman "Die drei Sonnen" (SZ, mehr dazu hier) und Barbara Landes' "Die Ballade vom Wunderkind Carson McCullers" (FAZ).
Stichwörter: Literaturwissenschaft

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.02.2017 - Literatur

Edouard Louis, Autor des französischen Sensationsdebüt "The End of Eddy" blickt im Guardian auf seine Kindheit zurück, in der Bücher keine Rolle spielten: "Bücher halfen uns nicht, sie drückten uns runter. Ein Buch von Hemingway war von uns aus gesehen brutaler als als ein Bild von Trump in seinem gigantischen goldüberzogenen Wohnzimmer. Das Foto ließ uns von Gold und Reichtum träumen: Meine Mutter verbrachte Stunden damit, sich in Hochglanzmagazinen Bilder von riesigen Häusern anzusehen. Ein Hemingway gab uns nichts zu träumen: Mit ihm hätten wir uns unterlegen gefühlt." Aber, meint Louis, Bücher müssen nicht zwangsläufig eine soziale Barriere sei: "Ich sollte einmal in Oslo einen Vortrag halten. Ich entschied mich für Toni Morrison. Als ich in den Raum kam, war ich verblüfft von der großen Zahl schwarzer Frauen im Publikum. Anschließend unterhielt ich mich mit ihnen: Einige hatten Morrison gelesen, andere nicht - aber alle fühlten sich von ihren Büchern willkommengeheißen."

Weiteres: Im Tagesspiegel verweist Gregor Dotzauer auf eine Diskussion im Onlinemagazin Signaturen über Verständlichkeit und Unverständlichkeit von Lyrik. Kerstin Holm berichtet in der FAZ davon, mit welchen martialischen Posen und bellizistischen Floskeln der russische Schriftsteller Sachar Prilepin sich für Putin stark macht - wogegen sich wiederum Autoren wie Arkadi Babtschenko und Dmitri Bykow aussprechen

Besprochen werden Jonas Lüschers "Kraft" (Tagesspiegel), der Briefwechsel zwischen Astrid Lindgren und Louise Hartung (NZZ), Klaus Merz' Gedichteband "Helios Transport" (FAZ) und Dietmar Daths kleine Fibel "Superhelden" (SZ). Außerdem jetzt online: Thomas Wörtches aktueller Leichenberg.

Mehr auf unserem literarischen Meta-Blog Lit21 und ab 14 Uhr in unsereraktuellen Bücherschau.

Stichwörter: Edouard Louis
Zurück | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | Vor