Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Literatur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.12.2019 - Literatur



In Stockholm haben erst Olga Tokarczuk und dann Peter Handke ihre Reden zur Auszeichnung mit dem Literaturnobelpreis gehalten. Im Falle Handkes spricht Andreas Platthaus in der FAZ von einem irritierenden Auftritt, nicht zuletzt weil Handke auch versuchte, die Rede mit einer Rezitation von Tomas Tranströmers Gedicht "Romanische Bögen" im schwedischen Original abzuschließen. Anders als angekündigt, stellte sich Handke in seiner Rede, die der Standard dokumentiert, nicht seinen Kritikern, sondern wühlte in den Tiefen des eigenen Werks, das er ausgiebig zitierte. Besser gefiel Platthaus Olga Tokarczuks an einer Kritik des Subjektivismus in der Gegenwartsliteratur geschärftes Plädoyer (hier die englische Übersetzung) für "ein Erzählen aus der vierten Person: eines, wie es in der Bibel vorgeführt werde, wo ein Erzähler auftritt, der über Gottes Absichten Auskunft gibt. ... Zärtlichkeit erklärte die polnische Nobelpreisträgerin zum zentralen Antrieb der Literatur: eine Zärtlichkeit gegenüber allen anderen Daseinsformen."



Handke, kommentiert Roman Bucheli knapp in der NZZ, vermied es konsequent, über Jugoslawien zu sprechen, sprach aber immer wieder seine slowenische Familiengeschichte an. "Man konnte darum die Rede trotzdem als einen stillen Kommentar zu seiner Haltung verstehen. Als wollte er erklären, woher er nicht nur literarisch kommt, sondern welche Erinnerungen, welche Erzählungen und welche Schicksale sein Leben und sein Denken geprägt haben." Der Schriftsteller suchte "Zuflucht beim eigenen Werk", hält Lothar Müller in der SZ fest: "An die Stelle des Nichtgesagten trat die Herkunftsgeschichte der Autorschaft des Redners." Schlussendlich wog es schwer, "dass Handke, indem er sich in weiten Passagen der Rede in die Ergriffenheit vom eigenen Werk zurückzog, aus dem Schatten des (in eigener Sprache, in eigenen Worten) Nichtgesagten nicht heraustreten konnte." Diese Selbstergriffenheit stößt auch Gerrit Bartels vom Tagesspiegel auf. Bei der Deutschen Welle kommentiert Norbert Mappes-Niediek Handkes Rede.

Im Standard hält der Germanist Hans Höller dagegen fromme Andacht und versteigt sich zu einer etwas anmaßenden Überlegung: "Man versteht, dass die heute dreißig oder vierzig Jahre jungen Romanschriftsteller den Handke angreifen, mit Jugoslawien, wo sich niemand so genau auskennt, und es gut und billig ist, das zu tun. Handke kennt Jugoslawien, auch aus den familiären Beziehungen." In der FR nimmt es Thomas Kaspar positiv: "Das Hoffnungsvolle, was nach Handke übrig bleiben wird: Eine jüngere Schriftstellergeneration hat auch politisch wieder etwas zu sagen." Außerdem kommt Bert Rebhandl im Standard nach einer vergleichenden Lektüre mit Martin Heidegger zu dem Schluss, dass Handkes "Eigentlichkeitssehnsucht und sein "Kontrarianismus in Bezug auf Jugoslawien" zusammengehören.

Zurück zu Olga Tokarczuk, deren Rede auf NZZ-Kommentator Paul Jandl "wie ein Kommentar auf die verblasene Gegenwartslosigkeit bei Handke" wirkte. "Bei Tokarczuk geht es um eine spezielle Aufgabe des Schreibens: Die immer lauter werdende Polyfonie der Ich-Geschichten zu einem Ganzen zu machen. Zu einer Gegenwartserzählung, in der das Diverse verständlich wird und in der die disparaten modernen Medien in einem altbewährten Medium gebündelt werden: durch die Sprache der Literatur." Auch Arno Widmann in der FR begreift Tokarczuks und Handkes Reden als Gegensatzpaar: Wo Handke ergriffen von sich selbst über die Dörfer zieht, ist Tokarczuk gleich schon von Beginn ihrer Rede an "beim Kosmos und in einer 'süßen Nähe zur Ewigkeit'. Sie spricht vom Rhythmus der Welt. Und sie endet mit den Sätzen: 'Darum glaube ich, dass ich Geschichten so erzählen muss, als wäre die Welt eine lebende, einzige Einheit, die sich vor unseren Augen immer wieder neu bildet und als wären wir ein kleiner, aber doch mächtiger Teil von ihr.'" Von einer Abendstimmung der Literatur berichtet Tomasz Kurianowicz in der Welt: "Tokarczuk sprach über den tragischen Abstieg einer zweckfreien Literatur; Handke wiederum inszenierte deren Rettungsversuch."

Tokarczuks in dieser Rede umrissene und in Werken wie "Die Jakobsbücher" konkretisierte Poetologie sucht "nach einer Literatur, die die Schäden des Informationszeitalters überdauern kann", erklärt Marie Schmidt in der SZ: "Gegen den Begriff der Information stellte Tokarczuk 'Erfahrung' und 'Bedeutung' als Erkenntnisweisen der Literatur, die sich allerdings einen der heutigen Gestalt des Weltwissens entsprechenden Rahmen geben müssten. Eben den einer 'vierten' Perspektive, die auch wahrnimmt, wie Figuren, Ichs und Wesenheiten über verschiedene Räume und Zeiten miteinander verbunden sind". Dlf Kultur hat Sabine Adlers Literaturfeature über Tokarczuk aus dem Jahr 2016 wieder online gestellt.

Außerdem: In Le Monde schildert François Crémieux, heute Redakteuur der ehrwürdigen Zeitschrift Esprit, seinerzeit Blauhelm in Bosnien, den Hintergrund der Geschehnisse, über die Handke lieber schweigt.

Weiteres: In epischer Ausführlichkeit erzählt der Schriftsteller Henning Kober in der FAS davon, wie Hubert Fichte und Willy Brandt einmal zeitgleich in Mexiko waren, sich dabei auch zumindest kurz begegneten und - wer weiß? - vielleicht sogar miteinander sprachen. In der NZZ wandert Paul Jandl mit Theodor Fontane durch Brandenburg. Andrea Köhler bescheinigt derweil Fontanes "Effi Briest" eine ungebrochene Aktualität. Besprochen werden einige erstmals in Deutschland veröffentlichte Comics von Hugo Pratt (taz), Peter Schneiders "Vivaldi und seine Töchter" (Tagesspiegel) und Joachim Schnerfs "Wir waren eine gute Erfindung" (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.12.2019 - Literatur

Mit skatologischen Vergleichen - anonym zugeschickte, nicht mehr unbenutzte Klopapiere seien ihm lieber als die Fragen kritischer Journalisten - wandte sich Peter Handke bei seiner gestrigen Nobelpreis-Pressekonferenz explizit gegen Peter Maass, berichtet der Intercept-Journalist, der wie kein zweiter in den Kontroversen der letzten Wochen die Causa Handke aufgearbeitet, durchleuchtet und mit Enthüllungen befeuert hat.
Andreas Platthaus von der FAZ findet an der Art Handkes zumindest lakonisch anerkennendes Gefallen: "Handke lässt den Brief sinken und wendet sich direkt an Maass: 'Ich habe seit der Zuerkennung des Nobelpreises viele Briefe von wahren Lesern bekommen, aber das hier nenne ich eine Kalligrafie der Scheiße. Und ich bevorzuge Toilettenpapier gegenüber Ihren endlos wiederholten Fragen. Mein Volk sind die Leser, nicht Sie!' Dann ist die Konferenz aus. Handke ist einmal mehr aus der Rolle gefallen. Und dabei seiner Rolle treu geblieben." Ähnlich schreibt Thomas Steinfeld in der SZ: "Man merkte vor allem den schwedischen Journalisten an, dass sie nicht zufrieden waren. Was aber hatten sie erwartet?" Michael Wurmitzer vom Standard bezeugt einen gemäßigten Handke, von Skandal seiner Ansicht nach keine Spur. "Handke ist ein Trotzkopf", äußert sich der Germanist Klaus Kastberger im Standard-Interview.

Einen Schatten auf die Pressekonferenz warf die Tatsache, dass ein Akademiemitglied, der Historiker Peter Englund, im Vorfeld bekannt gab, die Nobelwoche als Protest gegen Handke zu boykottieren, wie dpa meldet.

In einem Porträt im schwedischen Fernsehen hatte Handke sich zuvor zum Massaker von Srebrenica geäußert, berichtet Reinhard Wolff in der taz. "Den auch da angesprochenen Vorwurf, er habe vor allem in seiner 1996 erschienenen Essay 'Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien' den Völkermord in Srebrenica verneint, wies er zurück: 'Für mich ist es schlimmer, viel schlimmer. Es war ein Brudermord. Das ist mein Wort als Schriftsteller. Ich bin kein Jurist oder Richter. Für mich ist es Brudermord.'"

Immerhin ein Gutes habe die Auszeichnung Handkes ja, meint in der taz Doris Akrap im selbstkritischen Blick zurück auf die deutsche bis antideutsche Linke der Neunziger, von der sie ein Teil war: "Noch einmal musste die ganze Welt darüber reden, dass es mitten in Europa nach dem Ende des Nationalsozialismus einen Genozid gegeben hat. Noch einmal musste die ganze Welt sich fragen, wie das trotz der Losung 'Nie wieder' eigentlich passieren konnte."

In der SZ wirft Thomas Urban einen Blick auf die polnischen Reaktionen auf die Auszeichnung für Olga Tokarczuk. Vor allem dem rechten Rand steht der Schaum vorm Mund: "Tokarczuk gibt mit ihrem Eintreten für Frauenrechte und sexuelle Minderheiten, mit ihren Rastasträhnen und Perlen im Haar für ihre Kritiker seit Langem ein ideales Feindbild ab, was sich unter anderem in der Häme über das 'alternde Hippie-Mädchen' niederschlägt. Der katholisch-konservative Publizist Grzegorz Górny befand, das Nobelpreiskomitee werde schon lange von 'linken Kräften' dominiert. Die viel gelesene Webseite Wpolityce.pl ergänzte: 'Wenn ein literarisches Werk von Antikonservatismus, linkem Denken und Feminismus durchsetzt ist, bringt das Punkte.' Das Nobelkomitee habe mit der Entscheidung für Tokarczuk bewiesen, dass es "am Tiefpunkt" angelangt sei."

Die Doppelauszeichnung in dieser Konstellation ist äußerst ärgerlich, schreibt Marie Schmidt auf der Meinungsseite der SZ. Sie gehe zulasten Tokarczuks, die viel zur Gegenwart zu sagen hat. "Die Dynamik öffentlichen Interesses geht aber leider dahin, dass eine verantwortungsvolle Haltung und ein pluralistisches Weltbild, wie das von Olga Tokarczuk, respektvoll nickend zur Kenntnis genommen wird, während die tatsachenresistenten Einlassungen eines Peter Handke wochenlange Debatten auslösen."

Auch Alida Bremers Perlentaucher-Essay spielte in der schwedischen Debatte eine wichtige Rolle. Akademiemitglied und Juror Henrik Petersen antwortete in Aftonbladet unter anderem auf diesen Essay.

Themenwechsel: "Es muss doch ein Leben geben zwischen U und E", ruft ein schier verzweifelter Roman Bucheli in einem NZZ-Essay wider den Dünkel des Elfenbeinturms gegenüber dem Massengeschmack. Und wie immer bei solchen Hilferufen fragt man sich, warum dann das eigene Lese- und Rezensionsverhalten nicht einfach geändert wird. "Hierzulande fehlt uns noch immer die Leichtigkeit, das vorgeblich Hohe neben dem angeblich Niedrigen zu sehen, es fehlt uns die Lust, die Grenzen zu durchbrechen und niederzureißen."

Weiteres: In einem Essay für die Literarische Welt trauert Michael Pilz um die Fichte, die sich aus dem deutschen Tann klimawandelbedingt verabschiedet. Besprochen werden Stefanie de Velascos "Kein Teil der Welt" (taz), Antonio Munoz Molinas "Schwindende Schatten" über den Mörder Martin Luther Kings (online nachgereicht aus der FAZ), Mircea Cărtărescus "Solenoid" (SZ), der Briefwechsel zwischen Sarah Kirsch und Christa Wolf (Literarische Welt) und die neue Ausgabe der Werke Johann Peter Hebels (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.12.2019 - Literatur

In Stockholm findet heute um 13 Uhr die internationale Pressekonferenz zum Literaturnobelpreis statt, womit die Veranstaltungen rund um die offizielle Verleihung am kommenden Dienstag ihren Anfang nehmen. Im Tagesspiegel korrigiert der Historiker Ludwig Steindorff aus diesem Anlass einige Darstellungen Peter Handkes zur Geschichte Jugoslawiens, etwa diejenige, dass die Staatsgründung "gegen das Hitler-Reich" erfolgt sei, wie Handke sagt. Und er hält Handke entgegen, dass gerade Milošević der Totengräber des Vielvölkerstaats war: "Er hat, gestützt von den national mobilisierten Teilen der serbischen Gesellschaft, bereits im März 1989 den Konsens über die Verfassung Jugoslawiens mit der faktischen Aufhebung der Autonomie des Kosovo schwer beschädigt. ... Es waren Milošević und seine politischen Verbündeten, die eine Umwandlung Jugoslawiens in eine Konföderation, in einen 'Bund souveräner Staaten', Ende 1990 verhindert haben."

Dem stimmt auch die Historikerin Marie-Janine Calic in der SZ zu: Handke habe sich in seinen Projektionen verrannt, denn "Milošević wollte Jugoslawien zwar erhalten, aber nur unter seinen Bedingungen. Er wollte einen Staat, in dem Serbien allen anderen die Bedingungen diktiert. ... Er fürchtete, sie würden in Kroatien und Bosnien-Herzegowina zu Minderheiten, wenn Jugoslawien zerfiel. Als es dann doch dazu kam, wollte er die Grenzen so ändern, dass alle Serben in einem Staat blieben. Aber es war rechtlich und praktisch unmöglich, die Grenzen nach ethnischen Kriterien neu zu ziehen, so vermischt wie die Völker lebten. Richtigerweise müsste man sagen: Jugoslawien wurde nicht mit Milošević begraben, sondern bereits, als er an die Macht trat."

Der von Handke verbreitete Dichterschmock um ein der schnöden Warenwelt enthobenes Jugoslawien entsprach linken Mythen um das Land und so kam es zu der ganz eigenartigen links-rechten Konstellation, die Handke bis heute schützt, schreibt Andreas Breitenstein in einem NZZ-Essay über Handkes Verrat an der eigenen Poetik: "In dem Streit, der Mitte der neunziger Jahre um Handkes provozierende Parteinahme für Milošević und dessen großserbischen Feldzug losbrach, waren es denn auch Linke wie Elfriede Jelinek, Michael Scharang, Lothar Baier, Adolf Muschg und Peter Turrini, die ihm, prinzipiell vom Geist der jugoslawischen Utopie erfüllt, aber von genaueren Kenntnissen oft unbelastet, die Stange hielten."

Die FAZ widmet Handke eine matte erste Feuilletonseite und versammelt Notizen ihrer Kritiker zu einzelnen Werksaspekten. Andreas Platthaus kommt auf Handkes Facette als "Zeuge" und damit auf seine Schriften zu Jugoslawien zu sprechen: Handke habe am Ende nur noch sich selbst als Pubikum gesehen: "Ein Spiegelbild widerspricht nicht. Aber so bequem wird er es nie haben, darf er es sich auch nie machen." Die Presse kennt das Programm für Peter Handke in den kommenden Tagen. Im Kulturpodcast rollt Dlf Kultur die Nobelpreisdebatten der letzten Wochen nochmal auf. In der Wiener Zeitung resümiert Andreas Tesarik nochmal die ganze Debatte um Handke.

Weiteres: In noch unerschlossenen, im Bundesarchiv einlagernden Dokumenten, die in den 30ern von der Gestapo beschlagnahmt wurden, könnten sich Kafka-Handschriften befinden, schreibt der Literaturwissenschaftler Hans-Gerd Koch in der SZ. Der Tagesspiegel bringt ein episches Gespräch mit dem Comiczeichner Robert Crumb. Gerrit Bartels berichtet im Tagesspiegel von der Aufzeichnung der letzten Sendung des "Literarischen Quartetts" mit Volker Weidermann und Christiane Westermann (die besprochenen und vorgestellten Bücher finden Sie hier). In den online nachgereichten "Actionszenen der Weltliteratur" erinnert Wieland Freund daran, wie Lord Byron 1810 buchstäblich ins eiskalte Wasser sprang.

Besprochen werden unter anderem eine Neuausgabe von Ronald M. Schernikaus "Legende" (FR), Hannelore Cayres Krimi "Die Alte" (Dlf Kultur), Maja Lundes "Über die Grenze" (Tagesspiegel), Lauren Groffs Erzählungsband "Florida" (Zeit), Carl Nixons Erzählungsband "Fish 'n' Chip Shop Song" (SZ) und Nicola Attadios Biografie über die Journalistin Nellie Bly (NZZ).

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.12.2019 - Literatur

Robert Braunmüller resümiert in der Münchner Abendzeitung die Debatte um Peter Handke und macht auf einen wichtigen Aspekt aufmerksam: "Die gegenwärtige Handke-Debatte verlagerte sich schnell ins Internet: in Twitter-Threads und Blogs, weil ein Fakten-Check der Serbien-Texte des designierten Nobelpreisträgers viel Spezialwissen erfordert und mehr Raum braucht, als er in Zeitungen zur Verfügung steht. Zwei besonders aufschlussreiche Analysen, die auch für diesen Artikel herangezogen wurden, sind im Online-Magazin Perlentaucher nachzulesen. Die mit Handke alt gewordenen Großkritiker nahmen dies, wie ein Zeit-Interview mit dem Autor beweist, generationsbedingt kaum zur Kenntnis: Sie wollten sich ihre Leseerfahrungen mit dem Frühwerk nicht durch Recherchen über Bosnien verderben lassen." Alida Bremers und Vahihin Preljevics Perlentaucher-Texte, auf die Braunmüller anspielt, finden Sie hier und hier.

Mag schon sein, dass Peter Handkes Texte über Jugoslawien nicht journalistisch einzustufen sind, sondern, wie der Autor selbst sagt, als Literatur, meint Harry Nutt in der FR - dann sei sie "allerdings schlechte." Allerdings wirke sich der Fokus auf diese Texte "inzwischen geradezu zerstörerisch auf die Wahrnehmung von Handkes literarischem Schaffen aus", was einer "ästhetischen und kulturpolitischen Bankrotterklärung" gleichkäme. Für Nutt findet hier eine "Stellvertreterdebatte" statt, "die nicht zuletzt auf ein verdrängtes Kapitel der jüngeren europäischen Geschichte verweist. ... Vielleicht sollte man angesichts der unerbittlichen Fixierung auf das Tun und Lassen Peter Handkes die noch verfügbaren Aufmerksamkeitsressourcen auf Olga Tokarczuk lenken. Die Preisträgerin von 2018 blickt in ihren Werken auf ein anderes Kapitel der europäischen Geschichte und sucht dabei auf ihre Art mit großer Intensität nach dem Wahrheitsanspruch des Schreibens."

Besprochen werden unter anderem Martin Pollacks "Die Frau ohne Grab" (Dlf Kultur), George Eliots "Middlemarch" (Dlf Kultur), eine Edelausgabe von George Herrimans Comicklassiker "Krazy Kat" (Titelmagazin), der Erzählband "Neapel liegt nicht am Meer" von Anna Maria Ortese, die als Vorbild für Elena Ferrante gilt (SZ) und Mircea Cărtărescus "Solenoid" (FAZ).

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.12.2019 - Literatur

Besprochen werden Tom Combos "Inneres Lind" (Dlf Kultur), Andor Endre Gelléris "Stromern" (Tell-Review), Ulrike Draesners "Kanalschwimmer" (SZ) und neue Kinder- und Jugendbücher, darunter Allen Says "Der Kranichbaum" über Weihnachten in Japan (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.12.2019 - Literatur

Zwei beratende Experten der Schwedischen Akademie sind kurz vor der Preisverleihung an Peter Handke von ihren Posten zurückgetreten, melden die Agenturen. Während der schwedische Schriftsteller Kristoffer Leandoer seinen Entschluss damit begründet, dass ihm die seit der Krise der Akademie im Jahr 2018 notwendigen Reformen zu langsam vonstatten gingen, erklärt die Schriftstellerin Gun-Britt Sundström ihren Schritt mit dem Nobelpreis für Peter Handke: Gegenüber der Zeitung Dagens Nyheter äußerte sie sich, dass "die Wahl des Preisträgers 2019 sich nicht nur auf ein literarisches Oeuvre beschränkt" habe, "sondern gleichermaßen innerhalb und außerhalb der Akademie als Position interpretiert wurde, dass die Literatur über der Politik stünde." Doch "diese Haltung ist nicht die meine", so Sundström. Helmut Böttiger vom Dlf Kultur sieht derweil in der Kontroverse um Handke "ein Medienspektakel, das von der Literatur wegführt."

Der bosnisch-deutsche Soziologe Adnan Delalic schreibt auf dem postkolonialen Blog Mangal Media eine scharfe Attacke gegen Handke, dessen Haltung zu Bosnien er als kolonialistisch beschreibt: "Wie es das Nobelkomitee schreibt, will er die 'Peripherie und Besonderheit menschlicher Erfahrung' beschreiben. Er nutzt seinen mächtigen europäischen Pass, um zu den Killing Fields in der Peripherie zu reisen (an Orte, an die die Flüchtlinge und Exilierten nicht zurückkehren können) und literarische Selfies zu produzieren. Europäische Intellektuelle und Institutionen beschreiben seinen kolonialistischen Korpus dann als repräsentativ für europäische Kultur. So werden Hierarchien aufrechterhalten. Wir selbst müssen inzwischen enorme Zeit aufbringen, um uns selbst vor dieser Gechichte zu schützen, auch jene, die Glück hatten und einen westlichen Pass bekommen hatten. Handke bekam hingegen ganz leicht einen jugoslawischen Pass vom Milosevic-Regime im Jahr 1999 während Hunderttausende Kosovo-Albaner ihren Pass verloren."

Alida Bremers Perlentaucher-Essay zu Handke, der das Nobelkomitee bereits zu Reaktionen veranlasste, ist jetzt von der führenden schwedischen Zeitung Dagens Nyheter übernommen worden.

Außerdem: Lothar Müller berichtet in der SZ von der Jahrestagung der Marcel-Proust-Gesellschaft, die sich dem Thema "Proust und das Judentum" gewidmet hatte. In der SZ gratuliert Johan Schloemann dem Philologen Hellmut Flashar zum 90. Geburtstag.

Besprochen werden unter anderem Isabel Fargo Coles "Das Gift der Biene" (Tagesspiegel), Ian McEwans "Die Kakerlake" (Dlf Kultur), Borja González' Comic "The Black Holes" (Dlf Kultur), Earl of Chesterfields "Über die Kunst, ein Gentleman zu sein. Briefe an seinen Sohn in Auswahl" (NZZ), Saskia Lukas "Tag für Tag" (FR) und Gabriele Weingartners "Leon Saint Clairs zeitlose Unruhe" (FAZ).

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.12.2019 - Literatur

In seinen Wortmeldungen der letzten Tage und Wochen insistiert Peter Handke auf die genaue Lektüre seiner Texte und pocht auf das Recht der Literatur und der subjektiven Wahrnehmung - und dreht sich damit längst außerhalb der Debatten im Kreis seiner eigenen Argumentation, meint Gerrit Bartels im Tagesspiegel, der von der naiv fragenden Rhetorik in Handkes Texten wenig überzeugt ist. "Überall, wo er seine Zweifel hat, kann es selbst nur heißen: Im Zweifel gegen Handkes Zweifel; gegen seine Aussage, es handele sich, weil er Schriftsteller ist, bei seinen Jugoslawien-Texten um Literatur. Diese dient hier nur als Verpackung für seine Überzeugungen, sein Meinen, seine rhetorischen Manöver. Aufklärend sind die Texte nicht, und zu einem Frieden, von dem darin häufig die Rede ist, haben sie nicht gerade geführt. ... Peter Handke gefällt sich bis heute darin, um ihn noch einmal abgewandelt zu zitieren, 'ein Gefangener seiner Anfangsmeinung' zu sein."

Hat Peter Handke 1998 mit seinen Freunden Scott Abbott und Thomas Deichmann bei einer ihren vielen gemeinsamen Reisen ins ehemalige Jugoslawien im Vilina Vlas Hotel in Visegrad übernachtet?  Peter Maass ist sich in The Intercept sicher. Dies Hotel war einer der Orte, in denen einige Jahre zuvor systematisch Frauen vergewaltigt worden waren - was Handke bewusst war. Dennoch hat er seinen späteren Aufenthalt nicht thematisiert. Maass' Resümee der Effekte der Nobelpreisentscheidung für Handke ist bitter: "Ich finde es unmöglich, diese Geschichte zu beenden, ohne zu erwähnen, was wohl schon offensichtlich ist: die Wut, die ich empfinde, dass wir mehr als 25 Jahre nach dem Krieg wieder über diese längst abgehandelten Verbrechen diskutieren und sie beweisen müssen. Die schrecklichen Fragen der Grausamkeit und Schuld in Bosnien wurden schon vor langer Zeit in Prozessen und anderen Untersuchungen geklärt; es gibt eine Fülle von Beweisen. Aber dank der Schwedischen Akademie wurden diese Fragen wieder hochgespült, denn das Werk eines Völkermord-Leugners wurde mit einem Nobelpreis belohnt. Die Zeugen und Überlebenden von Mord und Folter werden von der so genannten zivilisierten Welt, die so viele Jahre lang kaum eine Hand erhoben hat, um ihnen während des Krieges zu helfen, ein weiteres Mal gedemütigt."

Weitere Artikel: In der taz gratuliert Ralf Leonhard der Zeitschrift Wespennest zum 50-jährigen Bestehen. FAZ und Deutschlandfunk Kultur küren die besten Krimis des Monats, in deren Jury auch unsere Krimi-Experten Thekla Dannenberg sitzt. Auf der Spitzenposition: John le Carrés "Federball". Außerdem ist eine neue Ausgabe des monatlichen CrimeMags erschienen: Hier das Editorial mit dem Überblick über alle Rezensionen, Empfehlungen und Essays.

Besprochen werden unter anderem Douglas Couplands "Bit Rot" (Dlf Kultur), Laura Groffs Kurzgeschichtenband "Florida" (Tagesspiegel), Botho Strauß' "zu oft umsonst gelächelt" (FR), James Woods "Upstate" (Dlf Kultur), Julia Bernhards Comic "Wie gut, dass wir darüber geredet haben" (Tagesspiegel), neue Hölderlin-Biografien (Standard) und Per Pettersons "Männer in meiner Lage" (SZ).

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.11.2019 - Literatur

Im "Literarischen Leben" der FAZ berichtet der Schriftsteller Michael Zeller von seinen Erfahrungen als erster ausländischer Residenzschriftsteller des PEN in Charkiw, einer vom Krieg gezeichneten Region: "Eine Betoninsel mitten auf der Straße. Da Oleh mit vollem Brass darauf zufährt, entdecke ich erst im letzten Moment, dass hier etwas anders ist. Zehn bis zwölf Soldaten in Uniform. Die Maschinengewehre baumeln locker an ihnen runter. Einer tritt ans Fenster, schüttelt Oleh lachend die Hand. Ein paar Scherzworte und weiter. ... Ein einziger Teppich aus Schlaglöchern, leider ohne Muster. Hier ist kein Zufahren geradeaus mehr möglich. Hier muss der Fahrer tänzeln, sich herumwinden um die weggebrochenen Teile des Belags."

Weiteres: Für die SZ hat Birthe Mühlhoff die mexikanische Schriftstellerin Valeria Luiselli in der Bronx besucht, um mir ihr über ihren Roman "Das Archiv der verlorenen Kinder" zu sprechen. In einem NZZ-Essay meditiert die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff über Engel und ruft in Erinnerung: "Mit unseren niedlich vermopsten Weihnachtsengelchen, die so manche Postkarte zieren, haben die biblischen Engel nichts gemein." Für die taz porträtiert Ralph Trommer die britische Comicautorin Posy Simmonds, die gerade für ihren neuen Comic "Cassandra Darke" auf Promo-Tour ist. Magdalena Schrefel schreibt im Logbuch Suhrkamp über die "Malls of my Life". Im Literaturfeature des Dlf Kultur befasst sich Andreas Schäfer mit Romanen über das Bauhaus. In der Langen Nacht des Dlf Kultur widmen sich Stefan Koldehoff und Jan Tengeler Alexander und Wilhelm Humboldt.

Besprochen werden unter anderem der Briefwechsel von Sarah Kirsch und Christa Wolf (taz), Mareike Fallwickls "Das Licht ist hier viel heller" (NZZ), Boris Poplawskis "Apoll Besobrasow" (NZZ), eine Londoner Ausstellung über Charles Dickens und Weihnachten (FR), Sabine Schulz' Neuübersetzung von J.G. Ballards "Crash" (SZ), eine Neuausgabe des vor 100 Jahren erschienenen Gedichtbandes "Menschheitsdämmerung: Symphonie jüngster Dichtung" (Literarische Welt) sowie die Prenzlauerberg-Romane "Die Entmieteten" und "Hufeland, Ecke Bötzow" von Synke Köhler, bzw. Lea Streisand (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.11.2019 - Literatur

Von Benn bis Handke: Ist die Trennung von Werk und Autor, wie sie in der Literaturwissenschaft üblicherweise und auch im intellektuellen Diskurs meist hochgehalten wird, noch zeitgemäß oder erfordert der Zeitgeist nicht etwa doch klare Bekenntnisse, fragt sich der Kultur- und Medienwissenschaftler Roberto Simanowski in der NZZ. Vielleicht sollte man das Feld der ästhetischen Produktion doch von Computern bestellen lassen: "Ein Kunstwerk, das nicht vom Menschen stammt, sondern von der Maschine, kann immerhin auch nicht durch menschliche Mängel befleckt sein. Oder sind dann die Programmierer, die ja das Datenmaterial auswählten und dem Algorithmus Anweisungen gaben, die Künstler, deren weiße Weste als Mensch und Bürger zu prüfen ist? ... Wie gelegen, wenn der Computer dem Menschen also nicht nur die Drecksarbeit abnimmt, sondern ihn auch noch vor dem Dreck des Menschlichen schützt."

Die New York Public Library zeigt eine Ausstellung mit Devotionalien aus dem Fundus des Schriftsteller-Eremiten J.D. Salinger -  und in der FAZ begeistert sich Simon Strauß an diesem Erlebnis. Dramatische Szenen spielen sich hier ab: "Vor dem Originalmanuskript des 'Catcher' drängeln sich die Besucher. Ein Mann will gern für einen Moment allein vor dem ihm anscheinend heiligen Dokument stehen und bittet die anderen, zur Seite zu treten. Eine ältere Frau will sich ihren Platz nicht nehmen lassen und hebt die Stimme. Schon eilen zwei Wärter herbei und eskortieren den Salinger-Maniac unter Protest zur Tür."

Besprochen werden unter anderem zwei neue Hölderlin-Biografien (NZZ) und Peter Kurzecks nachgelassenem Roman "Der vorige Sommer und der Sommer davor" (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.11.2019 - Literatur

"Viel Lärm um Srebenica" lautete der Titel der Ausgabe der Ketzerbriefe, in denen Peter Handke das Massaker von Srebenica relativierte. (Unsere Resümees). In der Zeit nimmt der serbische Schriftsteller Bora Cosic den Shakespeare-Verweis gern auf und erklärt Handke nochmal in aller Ruhe: "Diejenigen, die in der Endphase Jugoslawiens in Belgrad regierten, waren macbethsche Figuren, denen ein aufrechter Mensch nicht mal zufällig im Aufzug begegnen möchte. Eine Bande von Brandstiftern und Mördern, keine Heilsbringer. Ihre Blutspur führt zu ermordeten Präsidenten - Stambolić und Đinđić -, sie führt zu aus dem Weg geräumten Journalisten und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens bis hin zu vollkommen unschuldigen Bürgern und ganz gewöhnlichen Menschen. Ihre Schreckensherrschaft zerstörte zunächst die geistigen Werte des eigenen Landes, dann bürdete sie Bosnien ein düsteres Schicksal auf und verursachte letztlich Kroatiens heutige Blasphemie."

Lest ihn doch erst einmal, heißt es in der Handke-Kontroverse seitens der Handke-Apologeten. Für die Geschichte der Gegenwart hat Markus Wild das nun getan und berichtet ausführlich. Am vorgeblich wahrhaftigen Charakter von Handkes literarischen Reisenotizen stößt sie sich erheblich - weder ist seine Poetik genau, noch dient seine literarische Wahrheitsfindung der Wahrheitsfindung, wenn er Srebrenica als Kriegsepisode zwischen Soldaten umzudeuten und damit den Genozid-Charakter des Massakers abzusprechen versucht. Auch seine Kritik an der Berichterstattung über Jugoslawien in den 90ern führt in ihrer Fundamentalopposition zu einer Verzerrung: "Ihn hat mehr und mehr sein Selbersehen im Kontrast zu der in seinen Augen 'augenverstopfenden' 'Propaganda' der westlichen Medien interessiert. Das Selbersehen wird immer mehr zu einem Kontrastsehen, das am Ende der Sicht der serbischen Propaganda unumwunden Recht gibt. ... Auch wenn Handke falsche Bilder zu Recht kritisiert (die Serben sind kein Volk barbarischer Slivovitztrinker), so leitet er daraus doch zu Unrecht ab, die falsch Repräsentierten müssten grundsätzlich im Recht sein. Das Problem besteht darin, dass Handkes Sehen gelenkt ist durch die Opposition zu den 'westlichen Medien', er oft nicht wirklich weiß, was er sieht, literarisch vernebelt, was er zu sehen meint, Momente symbolisch überfrachtet, Propagandabilder als authentisch akzeptiert. An kaum einer Stelle in seinen Kriegstexten vermag er zu sehen, erblindet durch das zwanghafte Kontrastsehen."

Im Dlf Kultur spricht Annie Ernaux über ihren bereits älteren, jetzt aber auch auf Deutsch vorliegenden Romanessay "Eine Frau", in dem sie das Verhältnis zu ihrer Mutter und deren Lebensverhältnisse als bildungsferne Frau literarisch verarbeitet. Dass Ernauxs literarisches Projekt heute von jüngeren Autoren wie Didier Eribon und Édouard Louis gewissermaßen fortgesetzt wird freut sie sehr: "Etwas geht weiter, und die sozialen Spannungen, die sozialen Unterschiede, die existieren in Frankreich damals wie heute. Dass Menschen versuchen, von einer Klasse in die andere zu wechseln, natürlich gibt es auch das noch. Aber es ist doch so: Diese Sicht auf die Arbeiterklasse und die Mittelschicht, die über keine ökonomischen Mittel verfügt, um genug Beziehungen zu knüpfen, um sich selber ein Netz zu schaffen und anders weiterzuleben, besser zu leben - diese Probleme, die gibt es. Und es ist richtig, dass darauf geschaut wird und dass das ein Thema der Literatur ist."

Besprochen werden unter anderem Françoise Sagans nachgelassener Roman "Die dunklen Winkel des Herzens" (Tagesspiegel), Aras Örens wiederveröffentlichte "Berliner Trilogie" mit drei Texten aus den 70ern über das türkische Kreuzberg (taz), Miljenko Jergovićs "Ruth Tannenbaum" (SZ) und Sherko Fatahs "Schwarzer September" (FAZ). Außerdem präsentiert der Tagesspiegel seine Comic-Bestenliste.