Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Kunst, Ausstellungen, Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.10.2017 - Kunst


Days are Dogs: Camille Henrot im Palais de Tokyo.

Das Pariser Palais de Tokyo hat der Künstlerin Camille Henrot Carte Blanche gegeben, voller Begeisterung berichtet in der NZZ Antja Stahl von der Ausstellung, die sie beinahe mit der Schönheit versöhnt hat. Denn die Schönheit schafft das Hässliche nicht aus der Welt, aber aus dem Blick: "Auf einer Zeichnung im Raum 'Mittwoch' trottet ein Kleinkind an der Hand seines Vaters, der mit hängendem Vogelkopf seinen steifen Penis vor sich herträgt. Eine Kastrationsszene würde das feministische Klischee bestätigen. Trauer an einem Phallus-Träger hat man hingegen noch nie gesehen. Was so ein Bild zur gegenwärtigen Missbrauchsdebatte nach Weinstein beitragen würde, bedürfte allein einer Sonderbeilage."


Anita Rée: Selbstbildnis 1930, und Paar (Zwei römische Köpfe), 1922-1925. © Hamburger Kunsthalle / bpk, Fotos: Elke Walford, Christoph Irrgang

Die Künstlerin Anita Rée malte im Stil Modiglianis oder Cézannes, in der Manier della Francescas oder mit Neuer Sachlichkeit. Ist das ein originelles Künstlerleben oder nur technisch begabte Bewunderungsbiografie?, fragt Till Briegleb und kommt in der Retrospektive der Hamburger Kunsthalle zu einer Antwort: "Tatsächlich findet man in diesem unverkrampften figürlichen Eklektizismus das künstlerische Anliegen nicht, wenn man sich rein auf den Stil konzentriert. Was die im Jahr 1933 durch Freitod aus dem Leben geschiedene Künstlerin ausmacht, ist ein Thema: das isolierte Wesen, vor allem die isolierte Frau und ihre Stimmungen. Fast durchgängig in stumpfen Farben mit viel Braun und Blau gemalt sind Frauengesichter das Feld, auf dem sich Rée die Welt zu deuten versucht, unter anderem mit vielen Selbstporträts in den unterschiedlichsten Handschriften - angelehnt an Liebermann (1904), Picasso (1913) oder Gauguin (1925)."

In Wien wird nach drei Jahren Umbau das Weltmuseum wiedereröffnet. Im Standard meint Stefan Weiß, dass es dem berliner Humboldt-Forum durchaus vormacht, wie so etwas geht: "Denn obwohl die Habsburgsammlungen - im Gegensatz zu den deutschen - nicht durch die Existenz eigener Kolonien, sondern hauptsächlich durch den Umweg des Handels belastet sind, entschied man sich für ein offensives Aufgreifen der Thematik."

Weiteres: In der taz empfiehlt Max Florian Kühlem die Ausstellung "Umbrüche" im Museum Unter Tage in Bochum und preist vor allem die Bilder des Fotografen Rudolf Holtappel als echte Entdeckung. Sophie Jung freut sich ebenfalls in der taz über den Preis der Nationalgalerie für Agnieszka Polska.

Besprochen wird Max Beckmanns "Welttheater" in der Bremer Kunsthalle (FAZ)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.10.2017 - Kunst


Hugo Wassermann, Italy, Finalist 2017, Urban Wildlife

In London wurde gerade mit dem Südafrikaner Brent Stirton der Wildlife Photographer of the Year ausgezeichnet. Wieland Freund hat sich für die Welt durch die Bildergalerie des Wettbewerbs geklickt und ist überwältigt. Aber ungemütlich wird's ihm auch: Denn was für ein Bild von der Kreatur haben Jury und Fotografen? "Das Walauge, die Eisbärenbeine, die Langustenlarven auf schwarzem Grund: Die Jury hat mit Vorliebe Bilder ausgewählt, die lebendige Wesen auf grafische Effekte reduzieren - je bildschirmschonerhafter, desto besser. Die grafische Darstellung, die einmal zur Vereinfachung und Veranschaulichung dienen sollte, ist hier zum ästhetischen Leitbild geworden."

Der Preis der Nationalgalerie für junge Kunst geht an die polnische Künstlerin Agnieszka Polska, berichtet Ingeborg Ruthe in der Berliner Zeitung. In der NZZ denkt Beinahe-Sammlerin Annegret Erhard über die Psychologie des Kunstsammlers nach. Freddy Langer besucht für die FAZ den Fotografen Werner Bokelberg, der morgen achtzig wird.

Besprochen werden eine Ausstellung zu dem Maler Eric Isenburger und seine Frau, die Tänzerin Jula Isenburger, im Museum Giersch (FR),  die Ausstellung "Icon" in der Wiener Galerie Krinzinger, die Einflüsse auf Künstler dokumentiert (Standard), die Ausstellung "Almost Blue" der portugiesischen Künstlerin Maria Trabulo in der Neuen Galerie der Tiroler Künstlerschaft in Innsbruck (Standard), eine Ausstellung von Wolfgang Petrick im Max-Liebermann-Haus am Brandenburger Tor (Tagesspiegel), eine Soutine-Ausstellung in der Courtauld Gallery in London (Guardian),
Stichwörter: Tierfotografie

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.10.2017 - Kunst

In der taz schreibt Lorina Speder zum 40. Geburtstag des von Marcia Tucker in New York gegründeten New Museum.

Besprochen werden eine Ausstellung über Picasso 1932 im Picasso Museum in Paris (Art), die Ausstellung "Gesichter Chinas. Porträtmalerei der Ming- und Qing-Dynastie (1368-1912)" in der Berliner Gemäldegalerie (FAZ, Tagesspiegel), die große Ferdinand-Hodler-Retrospektive im Leopold Museum in Wien (NZZ), die Ausstellung "Herausforderung Moderne. Wien und Zagreb um 1900" in der Orangerie, Unteres Belvedere in Wien (Presse), die Ausstellung "Mehr als Fett und Filz. Materialien im Werk von Joseph Beuys" im Museum Schloss Moyland (Art), die Ausstellung "Seth Price. Social Synthetic" im Museum Brandhorst in München (SZ) und die Anita-Ree-Retrospektive in der Hamburger Kunsthalle (FAZ).
Stichwörter: Anita Ree

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.10.2017 - Kunst


Haupt der Medusa, um 1617/1618, Peter Paul Rubens, Kunsthistorisches Museum Wien

Rubens mit neuem Blick zu sehen, das möchte Stefan Weppelmann, Direktor des Kunsthistorischen Museums in Wien mit der neuen Rubens-Ausstellung gern erreichen.  Anne Katrin Feßler geht für den Standard mit ihm durch die Ausstellung, lässt aber kaum überzeugen, dass der "Maler des Fleisches" auch poetisch war, surreal, gegenwärtig und abstrakt: "Dennoch sind sechs Säle intensivster Sehschule recht engagiert geraten, gilt es doch Rubens kreative Prozesse nachzuvollziehen, zu erkennen, wie er Einflüsse der Naturwissenschaft und kunstgeschichtliche Vorbilder verwandelt hat. 48 Gemälde und 33 Zeichnung des Barockmalers ... sowie Vergleichswerke von Meistern wie Tintoretto oder Tizian helfen dabei. Phänomenal ist, wie er aus Caravaggios 'Grablegung' (1604) eine dynamische Erzählung macht: Das drohende Herabfallen des Leichnams wird mittels Schienbein und einem Biss ins Grabtuch verhindert."

Besprochen werden außerdem die Gabriele-Münter-Ausstellung im Münchner Lenbachhaus (Weltkunst), die von Ersan Mondtag inszenierte Ausstellung "I am a problem" im Frankfurter Museum für Moderne Kunst (NZZ) und die Tintoretto-Ausstellung im Wallraf-Richartz-Museum ("Was in vielen von diesen Bildern auffällt, ist das Konzept von 'Öffentlichkeit'. Egal was passiert, wir sehen es, und wir sehen zugleich Menschen, die es ebenfalls sehen, und wir sehen, was noch interessan­ter ist, Menschen, die es nicht sehen", staunt Georg Seeßlen in der Zeit).
Stichwörter: Peter Paul Rubens

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.10.2017 - Kunst

Auch in der NZZ feiert jetzt Thomas Ribi die große Tintoretto-Schau in Köln, auch wenn ihm der maler seine Bilder mitunter zu kühn inszeniert: "Bei kaum einem anderen Maler sind die Figuren derart leidenschaftlich bewegt und manchmal so künstlich verdreht wie bei Tintoretto."

Besprochen werden Monica Bonvicinis Ausstellung "3612,54 m³ vs 0,05 m³" in der Berlinischen Galerie (SZ), die Raffael-Ausstellung in der Wiener Albertina (FR) und Arbeiten der amerikanischen Malerin Betty Tompkins im Kunstraum Innsbruck (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.10.2017 - Kunst


Tal der Götter, Utah, 1977. Foto: Wim Wenders. Deutsches Filminstitut Frankfurt / Photographers' Gallery

Für den Guardian unterhält sich Sean O' Hagan mit Wim Wenders, dessen Polaroids aus den siebziger Jahren die Photographers' Gallery gerade in der Londoner Ausstellung "Instant Stories" zeigt. Aber klar, ist auch für Wenders Fotografie eine Sache von gestern: "Nicht nur die Bedeutung des Bildes hat sich verändert - das Sehen selbst hat nicht mehr dieselbe Bedeutung. Jetzt geht es ums Zeigen, Senden und vielleicht Erinnern. Es geht nicht mehr ums eigentliche Bild. Das Bild war mich immer verbunden mit der Idee der Einzigartigkeit, mit Rahmen und Komposition. Man erzeugte einen einzigartigen Moment. Das hatte etwas Heiliges. Diese ganze Vorstellung ist verschwunden."


Jacopo Tintoretto, Joseph und Potiphars Weib, Museo Nacional del Prado, Madrid.

Hellauf begeistert kommt jetzt auch SZ-Kritiker Gottfried Knapp aus der großen Schau über den jungen Tintoretto im Kölner Wallraf-Richartz-Museum: "Als Giorgio Vasari 1568 Venedig besuchte, beschrieb er den Maler als einen künstlerisch vielseitig interessierten, begabten und beliebten Zeitgenossen. Aber: 'In allem, was die Malerei anbelangt, ist er wunderlich, kapriziös, schnell und kühn und der furchterregendste Intellekt, den die Malerei je besessen.' Als Tintoretto um 1554 sechs alttestamentarische Szenen, in denen Frauen die zentralen Rollen spielen, auf extrem querformatige Leinwände pinseln durfte, hatte er Gelegenheit, zu zeigen, dass er den unbequem in die Breite gedehnten Bildraum mit vibrierendem Leben zu füllen vermag. In der Szene 'Joseph und Potiphars Weib' aus dem Prado Madrid misst er sich sogar frech mit dem lokalen Malergott Tizian. Er zeigt, wie er den Großmeister der weiblichen Akte in seinem ureigenen Genre an fleischlicher Sinnlichkeit effektvoll übertreffen kann." In der Welt zeigt sich selbst Hans-Joachim Müller beeindruckt, obwohl er es gewohnt ist, Tintorettos im Dogenpalast von Venedig auf 154 Quadratmetern zu sehen.

Weiteres: Standard-Kritikerin Anne Katrin Fessler kommt nicht ganz überzeugt aus der Schau "Die Kraft der Verwandlung", mit der das Kunstistorische Museum Rubens vom Ruch befreien will, ein fieser, vulgärer, lauter Maler des Fleisches zu sein. Nicole Scheyerer besichtigt für die FAZ die große Raffael-Schau in der Wiener Albertina.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.10.2017 - Kunst

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Sol Calero: Amazonas Shopping Center, 2017. Installationsansicht Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart, Berlin.

Jörg Heiser stellt in der SZ die Arbeiten der vier Künstlerinnen vor, die für den Preis der Nationalgalerie nominiert sind und derzeit im Hamburger Bahnhof gezeigt werden. Zum Beispiel Sol Caleros Installation "Amazonas Shopping Center": "Sie hat eine Art Parallelwelt aufgebaut, die sich über mehrere Raumabschnitte entfalten. Diese Parallelwelt enthält einen voll ausgestatteten Frisier- und Nagelsalon, ein Internetcafé, eine Wechselstube, ein Reisebüro und ein Salsa-Studio. Über alles legt sich wie Morgentau eine pastellfarbene Ornament-Orgie: Karibisch-südamerikanische Frucht- und Deko-Motive treffen sich am gemeinsamen Nenner von Popkultur und Kitsch. Diese Ästhetik ist in Berlin allerdings keineswegs exotisch."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.10.2017 - Kunst

Bild: Jackie Curtis and Rita Red, 1970. Öl auf Leinwand. The Cleveland Museum of Art, Leonard C. Hanna. The Estate of Alice Neel.

In der Welt ist Julia Pohle dankbar, dass die Hamburger Deichtorhallen der in Europa weitgehend unbekannten amerikanischen Künstlerin Alice Neel nun eine große Werkschau widmen. Ihre intensiven Porträts erinnern an Otto Dix und George Grosz, meint Pohle: "Diese Wirkungskraft wird vor allem von den gemalten Augen erzeugt, die den Betrachter in aller Regel fixieren. Es sind große und tiefe Augen mit einer dicken, schwarzen Kontur, die schönsten Körperteile des Menschen, die seine Seele entblößen, die von den Erlebnissen und auch Schrecken aller Jahre erzählen, sofern man bewusst hinsieht. Neel hat das immer wieder getan. Sie malte ihre Familie, ihre Freude und die Leute aus ihrer urbanen Nachbarschaft."

Im Art-Magazin erzählt Sandra Danicke anlässlich der aktuell im Frankfurtert Städel gezeigten Ausstellung die Geschichte der Naturforscherin und Künstlerin Maria Sibylla Merian, die sich, radikal, zielstrebig und ihrer Zeit voraus, keinerlei Sentimentalitäten erlaubte: "Einmal beschrieb sie, wie ihr drei junge Lerchen gebracht wurden, die sie getötet habe. Als sie die Tiere drei Stunden später rupfen wollte, saßen 17 dicke Maden darin. Jede andere hätte sich geschüttelt, doch Merian schaute genau hin: 'Diese Maden hatten keine Füß, und kundten sich doch fest an den federn halten.' Am nächsten Tag waren aus den Maden braune Eier geworden. 15 Tage später 'kamen so viel schöne grüne und blawe Fliegen herauß, welch ich grosse Mühe hatte zu fangen, dieweil sie so hurtig waren, ich bekame nur 5 davon, die anderen entflohen mir alle'. Die fünf jedoch wurden aufgespießt und präpariert. Auch Mäuse und Schlangen schnitt sie ungerührt auf.".

Bild: Ed Atkins, Production still for "Old Food", 2017, Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin, Cabinet Gallery, London, Gavin Brown's Enterprise, New York, Rome and dépendance, Brussels

Ganz unheimlich wird taz-Kritikerin Beate Scheder angesichts der von Ed Atkins mit computeranimierten Avataren inszenierten Videoinstallationen mit dem Titel "Old Food" im Martin-Gropius-Bau zumute: Er beweise "wieder einmal, dass er ein Meister in der Erzeugung dessen ist, was die Roboterforschung als 'Uncanny Valley' beschreibt, dem Phänomen, dass Kunstfiguren, die Menschen zu sehr ähneln, Angst und Schrecken auslösen. Das Baby, der Junge, der Mann und die Räume, durch die sie sich bewegen, sind gleichzeitig zu real wie zu künstlich, die Sommersprossen auf dem Jungengesicht, die flackernden Kerzen, die Blendenflecken, grandios übertrieben. Atkins treibt das Spiel um Authentizität und Individualität, wie es uns Digital Natives und Immigrants ja so oder so im Griff hält, auf die Spitze."

Weiteres: Im SZ-Interview mit Jörg Häntzschel spricht Art-Basel-Chef Marc Spiegler über Messemüdigkeit und die Ethik des Kunstmarkts. In der FAZ freut sich Andrea Diener schon jetzt auf die kommende Woche beginnende großen Rubens-Schau im Kunsthistorischen Museum Wien, die den Einflüssen Italiens im Werk von Rubens nachspürt: "Es war, als hätte jemand auf seinen Leinwänden das Licht angeschaltet, ordentlich durchgerührt, alles aufgepumpt und in Bewegung versetzt."
Besprochen wird die Ausstellung "Matisse - Bonnard" im Frankfurter Städel Museum (FR) und die Jeanne Mammen Ausstellung in der Berlinischen Galerie (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.10.2017 - Kunst

Bild: Valentine Godé-Darel im Krankenbett

Heute eröffnet im Wiener Leopold Museum die große Ferdinand Hodler Ausstellung. In der Presse ist Almuth Spiegler vor allem ergriffen von dem 200 Skizzen, 130 Zeichnungen, 50 Ölbilder und seine einzige Büste umfassenden Zyklus seiner an Krebs sterbenden Geliebten, der Tänzerin Valentine Godé-Darel, den Hodler 1914/1915 schuf: "Diese Bilder füllen das 'Sterbezimmer', den letzten kleinen Raum der größten Hodler-Ausstellung, die Österreich bisher sah. Aber der Raum ist eine Sackgasse. (…) Also tritt man wieder hinaus, in den Saal der letzten Landschaften, die Hodler gemalt hat: immer wieder den Genfersee, eben das, was er aus der Wohnung sah, die der Lungenkranke nicht mehr verlassen konnte. Mit dicken Strichen legte er Schichten aus Wasser und Licht übereinander, blau, gelb, blau, gelb. Der gezackte Gebirgsstreifen dazwischen wirkt wie der Umriss des aufgebahrten Körpers Valentines in seinen letzten Zeichnungen von ihr." Im Standard bespricht Anne Katrin Feßler die Ausstellung.

Bild: Jeff Wall, The Giant. 1992. Leuchtkasten mit Transparenter Fotografie, Privatsammlung.

Für die FAZ hat sich der Kunsthistoriker Peter Geimer fasziniert der Illusion des Dioramas in der gleichnamigen Schau in der Frankfurter Schirn hingegeben. Etwa in dem 1870 entstandenen Diorama 'Happy Family' des Präparators Walter Potter: "Das weiche Fell einer Hauskatze ist zum Greifen nahe, die Augen des Eichhörnchens funkeln, aber zugleich ist diese Gesellschaft so gespensterhaft erstarrt, dass ihre Gegenwart beim Beschauer den Eindruck des Unheimlichen hervorruft. Hier wird verständlich, warum die klassische Kunsttheorie mit dem Diorama nichts anzufangen wusste. Einer Kunstauffassung, die maßgeblich auf die schöpferischen Leistungen der Einbildungskraft setzte, mussten die Wirklichkeitsanleihen des Dioramas als niedere Form der Mimesis gelten - wie auch im Fall der lebensechten Wachsfiguren oder der mechanischen Abbildungsverfahren der frühen Fotografie."
Stichwörter: Ferdinand Hodler, Dioramen

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.10.2017 - Kunst

In der Berliner Zeitung erliegt Ingeborg Ruthe dem von dem Kunsthistoriker Tobias G. Natter herausgegebenen Prachtband mit Sämtlichen Gemälden von Egon Schiele: "Schieles Art, Menschen in ihrer Zeit darzustellen, drängt heute hinein in die Bilder- und Gefühlswelt unseres jungen 21. Jahrhunderts. Dieses hat noch nichts nennenswert Stärkeres entgegenzusetzen, wenn es darum geht, den eigenen Körper als Spielfeld - oder Tatort, je nachdem - zu inszenieren. Diese präzise kalkulierte Selbstqual. Jede Gefühlsregung, von heftiger Verzweiflung bis zur apathischen Melancholie wurde bei ihm Farbe, gebrochene Form oder Linie, Verfall ausströmender Fleck auf der Fläche."

Fasziniert hat sich FAZ-Kritiker Milos Vec die New Yorker Ausstellung "Law's Pictures Books" angesehen, die sich der Bildersprache in der Rechtsliteratur widmet: "Sachlich ist die Auswahl riesig, man findet frühneuzeitliches deutsches Eid- und niederländisches Wasserrecht, ein Genueser Einblattdruck von 1646 belehrt potentielle Messerstecher, welche Waffen genau verboten sind. Die Moderne fügt Luftrecht, Arbeitsrecht und Straßenverkehrsrecht hinzu. Die witzigsten Exponate liefert die Gegenwart. Rechtsliteratur überblendet sich mit Popkultur. Im Osten wie im Westen zeigen Graphic Novels, was Recht ist, der französische Vater wird des Trinkens verwiesen, die Absurdität der iTunes-Klauseln mit SpongeBob (Schwammkopf) ins Lächerliche gezogen."

Besprochen wird außerdem der Bildband "Guy Bourdin - Untouched" (Tagesspiegel)
Stichwörter: Egon Schiele, Tatort
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