Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Kunst, Ausstellungen, Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.08.2017 - Kunst

"Ich arbeite nicht am Stein, ich praktiziere Liebe mit ihm", versichert der Bildhauer Andreas Lolis Roman Gerold, der ihn für den Standard seinen Kurs auf der Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg besucht hat. "Lolis, dessen Arbeiten u. a. auf der aktuellen Documenta zu sehen sind, schafft Skulpturen, die ganz und gar nicht das zeigen, was man traditionell kunstwürdig nennt. So empfand er eine Pappkartonverpackung in Stein nach, aber auch Baupaletten oder Styroporverpackungen. Es handelt sich um Arbeiten, die über Nachhaltigkeit nachdenken lassen, aber auch eine Wertschätzung gegenüber dem Ephemeren vermitteln, und jedenfalls die Bildhauerei auf kluge Art in die Gegenwart holen."

In der NZZ stellt Adrienne Lezzi-Hafter anlässlich einer Ausstellung im Toledo Museum of Art den unbekannten antiken Vasenmaler vor, der als "Berliner Maler" bezeichnet wird. 300 Werke sind ihm zugeordnet. Seine "eigentliche Stärke", so Lezzi-Hafter, "liegt in der Art, wie er tonfarbene Einzelfiguren aus dem schwarzen Hintergrund der Vasenkörper hervortreten lässt. Oft ohne Standlinie schweben die Figuren eines Sängers mit Kithara, eines Mannes unterwegs in den Gassen der Stadt oder eines Athleten mit hocherhobenem Diskus, über die gewölbten Flächen."

Weitere Artikel: Derzeit kann man in Arles eine Werkschau des deutschen Fotografen Michael Wolf sehen, "Life in Cities" (mehr hier). In einem kurzen Interview für den Standard unterhält sich Peter Truschner mit dem Fotografen, der bekennt, für "Trigger Warnings" nicht viel übrig zu haben: "Es gehört zum Leben dazu, extreme Positionen auszuhalten und darauf zu reagieren." Jana Janika Bach durchstreift für die taz Galerien und Museen im sommerlichen New York.

Edvard Munch (1863-1944), "Geigenkonzert", 1903, Lithographie, © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett, Jörg-P. Anders
Besprochen werden eine Ausstellung der Theaterkulissen von Ernst Ludwig Kirchner im Kirchner Museum Davos (Tagesspiegel), eine Ausstellung mit Bildern der Musik aus sieben Jahrhunderten im Berliner Kupferstichkabinett (FAZ), die Ausstellung "Zwischen Zonen. Künstlerinnen aus dem arabisch-persischen Raum" im Museum Marta in Herford (FAZ) sowie der Bildband "Kunst und Körper" (art).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.08.2017 - Kunst

Die Fotografie ist tot, ruft Daniele Muscionico in der NZZ, während sie im weißen Rauschen digitaler Bilderfluten ertrinkt: "Die Fotografie als intellektuelle Idee der Welterklärung hat sich selber um ihre Macht gebracht... Zu keiner Zeit waren Bilder so bedeutungsleer wie heute. Zweifelhaft in dem, was man Authentizität nennt, und belanglos darin, was ihre Relevanz betrifft. Und in keinem bekannten Fall lag eine Kulturtechnik, die noch im letzten Jahrhundert so sehr darum rang, in den akademischen Rang einer Kunstgattung aufzusteigen, innert derart kurzer Zeit vor den Scherben ihrer eigenen Selbstbehauptung."

Im Monopol Magazin streift Elke Buhr zur Halbzeit noch einmal durch die Biennale in Venedig, aber auch beim zweiten Durchgang verdichtet sich der Parcours für sie nicht zu einer Erzählung, und die Naivität, mit der sich viele Arbeiten auf Migranten und Geflüchtete stürzen, gefällt ihr auch nicht. Aber eines bleibt: "In dieser Biennale des Fädenspinnens vereinen sich Neo-Hippies mit denen der Siebzigerr, Erotik und starke Farben sind erlaubt, und keine spirituelle Anwandlung ist mehr peinlich - was zunächst einmal befreiend ist, denn Coolness ist ja auch nicht mehr als eine gut designte Sackgasse." 

Besprochen werden die Doppelausstellung der beiden Grazer Künstler Hubert Schmalix und Alfredo Barsuglia in der Salzburger Galerie Trapp (Standard), die Jasper-Morrison-Ausstellung "Thingness" im Berliner Bauhaus-Archiv (Tagesspiegel), die Performance "Aggregate" von Alexandra Pirici im Neuen Berliner Kunstverein (Tagesspiegel).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.08.2017 - Kunst

Georg Imdahl findet Kritik an Adam Szymczyks Dokumenta durchaus berechtigt. Aber wenn Zeit und Welt fordern, Kuratoren abzuschaffen oder unter Kuratel zu stellen, verlieren sie ihr Maß, meint Imdahl in der FAZ: "All solche Vorschläge führten wohl auf direktem Wege dazu, die Documenta abzuschaffen. Was ja im Ernst niemand wollen kann. Doch dann lesen wir in einer Überschrift der NZZ: 'Die Documenta braucht niemand', und darunter: 'Kunst wird gern überschätzt.' Verwundert reibt man sich die Augen. Sollte das Gift des Populismus in die seriöse Kunstkritik eingesickert sein?"

Besprochen wird Maxime Ballesteros' Fotoband "Les Absents" (taz), die Ausstellung "Wir geben den Ton an" über Bilder der Musik im Berliner Kupferstichkabinett (FAZ), eine Sarah-Morris-Ausstellung in der Galerie Capitain Petzel.(Tagesspiegel).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.08.2017 - Kunst


Seiichi Furuya, Rattersdorf, 1981 (aus der Serie Staatsgrenze). Bild: Albertina Wien.

Unwahrscheinliche Schönheit und einen umcodierten Heimatbegriff entdeckt Welt-Kritiker Richard Kämmerlings in der großen Schau zur Fotografie in Österreich in der Wiener Albertina: "Zu den stärksten Eindrücken der Wiener Schau gehört - neben Manfred Willmanns Wahrnehmungsblitzen - die 'Weinhaus'-Serie von Leo Kandl, die zwischen 1977 und 1984 entstand, teilweise aufgenommen mit einer Polaroid-Kamera, um die Distanz zum Porträtierten zu überwinden. Vor allem unter den Schwarz-Weiß-Aufnahmen finden sich hier meisterhafte Bilder eines Wien von unten, fernab aller gekünstelten Wirtshausurigkeit. Das wirkt wie ein fotografisches Pendant zu Heinz Strunks 'Goldenem Handschuh', was auch zeitlich beinahe passt: ein einsam tanzender Trinker, die halbstarke 'Boxgeste', der sensationelle Augenblick eines 'Kniekusses' zweier junger Männer."

Besprochen wird außerdem die große Wolfgang-Tillmans-Schau in der Fondation Beyerle (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.08.2017 - Kunst


Erik Kessels: In Almost Every Picture © Erik Kessels

Im Art Magazin porträtiert Sabina Paries den niederländischen Künstler und Werber Erik Kessels anlässlich einer Retrospektive im NRW-Forum in Düsseldorf. Kessels entpuppt sich dabei als eine Art fröhlicher Autodidakt, der keinerlei Berührungsängste hat und viel mit Found Footage Fotos arbeitet oder mit "Gebrauchsfotografie aus Flyern und Sachbüchern, die - aus dem ursprünglichen Zusammenhang gerissen - zu Kunst wird", so Paries. "'Anfangs fürchtete ich, dass die Kunstpresse nur darüber schreiben würde, wie exotisch es sei, dass ein Werber auf Künstler mache.' Tatsächlich hatten und haben die Kollegen aus der Werbung ein Problem mit Kessels Ausflügen ins vorgeblich Abseitige. Erik Kessels sagt, er könne und wolle nicht anders. 'Ich bin physisch und in meinem Kopf ständig von Bildern umgeben. Wir leben in einer Art Renaissance. Künstler machen ihr eigenes Grafikdesign, ihre eigenen Bücher.'"

Édouard Vuillard, L'Avenue (Blatt 2), 1899, Lithografie in sechs Farben, Städel Museum
Weiteres: Im Städel-Blog erzählt Martin Sonnabend - anlässlich der Ausstellung "Géricault bis Toulose-Lautrec. Französische Lithografien des 19. Jahrhunderts" in der Graphischen Sammlung des Städel - von den Anfängen der Farblithografie. Im Guardian porträtiert Stuart Jeffries den 80-jährigen Künstler, Filmemacher und Musiker Tom Phillips.

Besprochen werden eine Ausstellung mit Fotografien des von den Nazis nach Amerika geflohenen Architekten Alfred Ehrhardt in der Berliner Alfred Ehrhardt Stiftung (Tagesspiegel) und die Ausstellung "Norbert Schwontkowski. Dem Tod ins Gesicht gelacht" im Museum Goch bei Köln (FAZ).
Stichwörter: Erik Kessels

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.08.2017 - Kunst


Zhang Dali, Slogan 82, 2010. Slogan 71, 2010

Im Tagesspiegel feiert Rolf Brockschmidt die Ausstellung "Body and Soul" des  chinesischen Künstlers Zhang Dali als Ereignis. Es ist vor allem das Schicksal der Wanderarbeiter in China, das ihn beschäftigt, lernt Brockschmidt im Hof des Skulpturenmuseums Beelden an Zee in Den Haag. Dort hat Zhang Dali "den anonymen Helden des chinesischen Wirtschaftswunders" ein Denkmal gesetzt. "Aber Zhang Dali ist auch ein begnadeter Maler, wie seine großformatige Bilder 'AK-47' und 'New Slogans' beweisen. Von Weitem sieht man große quadratische Porträts chinesischer Wanderarbeiter, aber nähert man sich ihnen, erkennt man, dass das Porträt aus dem Schriftzug 'AK-47' oder einer Regierungsparole in chinesischen Schriftzeichen zusammengesetzt ist. Nur die Einfärbung dieser Zeichen ergibt das Porträt. Nähert man sich, verschwindet der Mensch hinter der Parole und man sieht nur die Schrift. Subtil."

Deutschlandfunk Kultur greift den im Perlentaucher veröffentlichten Vortrag Wolfgang Ullrichs auf, in dem Ullrich eine Spaltung der Kunstszene in Kunst für den Markt und Kuratorenkunst vorhersagt. Im Gespräch mit Timo Grampes lehnt Bazon Brock diese These zwar ab und beharrt darauf, dass Künstler als unabhängige Individuen arbeiten - um dann aber kräftig auf die Kuratoren zu schimpfen: "Das, was in Kassel geboten wird, ist unter aller Sau und hat keinerlei Profil. Die Kuratoren haben auf der gesamten Bandbreite versagt und sind noch absurder organisiert als der Markt. Meinetwegen können die Kuratoren alle zum Teufel gehen."

Erst das Kreuz auf der Kuppel des Humboldt-Forums, jetzt religiöse Kachel-Bilder in Karlsruher U-Bahnstationen, die der Künstler Markus Lüpertz dort anbringen will. Peter Weibel, Direktor des Karlsruher Zentrums für Kunst und Medien (ZKM), hat genug, erklärt er im Interview mit der SZ. Nicht nur, weil die Entscheidung in Karlsruhe völlig intransparent und unter Umgehung der zuständigen Kunstkommission fiel: "Das erinnert mich an das, was derzeit in der Türkei geschieht. Die Hagia Sophia wurde 1931 unter Atatürk in ein Museum verwandelt. Das war eine Entsakralisierung. Der jetzige Staatspräsident möchte dieses Museum wieder in eine Moschee verwandeln. Lüpertz' Sakralisierung von U-Bahnstationen folgt demselben Muster, nur dass er in der Wahl des Ortes deutlich radikaler als Erdogan ist. Die Hagia Sophia war immerhin fast fünfhundert Jahre lang ein religiöser Ort. Das kann man von der Karlsruher U-Bahn nicht behaupten. Wir sehen, wie öffentliche Räume ohne Beteiligung der demokratischen Öffentlichkeit mit christlichen Symbolen besetzt werden..."

Weitere Artikel: Susanna Koeberle schreibt in der NZZ über die Vienna Biennale, die sich dem Einfluss des Roboters widmet. Sabine B. Vogel besucht für die Presse die  Momentum-Biennale im norwegischen Moss, die sich unter dem Titel "Alienation" mit dem Fremden beschäftigt. Im Guardian beschäftigt sich Simon Jenkins mit einem Buch der Kunsthistorikerin Jane Jelley, "Traces of Vermeer", die behauptet nachweisen zu können, dass der Maler Vermeer für seine Gemälde eine camera obscura benutzt hat. In der FAZ kritisiert die Kunstkuratorin Clémentine Deliss, dass Kunst aus Afrika in Europa so oft immer noch als Klischee präsentiert werde.

Besprochen werden eine Ausstellung in Wörlitz über die Freundschaft von Johann Joachim Winckelmann und Franz von Anhalt-Dessau (Tagesspiegel) und Stefan Roloffs Installation "Beyond The Wall" an der West Side Gallery in Berlin (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.08.2017 - Kunst


Rodney Graham, Leuchtturmwärter mit Leuchtturmmodell, 2010

Vor den Leuchtkastenbildern des kanadischen Künstler Rodney Graham im Museum Burda fühlt sich ein hingerissener Hans-Joachim Müller an die besten Loriot-Jahre erinnert. Und an Cindy Sherman - schließlich ist Graham meist sein eigener Hauptdarsteller, erklärt Müller in der Welt: "Es ist, als seien die Uhren irgendwann stehen geblieben, und die Welt der Dinge und Gebräuche in ihrem überlebten Charme erstarrt. Wie bei diesem wundersamen Experten im Medienlabor: Seine Cordsamthose mit den ausgestellten Beinschäften, der Rollkragenpullover und die Föhnfrisur, der Holzschreibtisch, wie er in allen fortschrittlichen Büros stand, bevor es USM Haller gab, der Gerätewagen mit dem Röhrenbildschirm und dem VHS-Rekorder, die ausgewischten Wandtafeln, die einen an die Grundierung für ein Masterpiece des Abstrakten Expressionismus denken lassen - es ist eine perfekte Siebzigerjahrekulisse, aber sie stammt aus dem Jahr 2016."


Museumsesucherin vor Milton Avery.  Foto: Stefan Draschan

Im Art Magazin stellt der Fotograf Stefan Draschan im Gespräch mit Elif Akyüz seinen Blog "People matching Artworks" vor, für den er Betrachter vor Gemälden fotografiert: "Vor nicht langer Zeit, war ich im Archäologischen Museum in Heraklion auf Kreta. Es ist frappierend, wie gut die Kleidung asiatischer Touristinnen mit minoischen Fresken harmoniert. Im Herbst werde ich im Rahmen eines Stipendiums in der Cité des Arts sein und ein paar Monate in Pariser Museen arbeiten. Aufgrund des seriellen Charakters meiner Arbeit, kommt Material zustande, anhand dessen sich oft überraschenderweise auch soziologische Einblicke ergeben."

Weiteres: Christiane Meixner unterhält sich für die Weltkunst mit dem Künstler Andreas Mühe, dessen Arbeiten gerade im Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen gezeigt werden. Sandra Danicke unterhält sich für Art mit dem südafrikanischen Fotografen Roger Ballen, der bis Juni eine große Ausstellung im Pariser Musée de la chasse et de la nature hatte. Außerdem hat Art einen Text des amerikanischen Kunstkritikers Jerry Saltz aus dem New York Magazine übersetzt, in dem Saltz einen Neustart in der Kunst fordert.

Besprochen werden die Ausstellung "Gauguin: Artist as Alchemist" Art Institute of Chicago (New York Times) und eine Werkschau des belgischen Künstlers Wim Delvoye im Museum Tinguely in Basel (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.08.2017 - Kunst

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Roberto Burle Marx, Garten der früheren Francisco Pignatari Residenz, jetzt Parque Burle Marx, São Paulo, 1956, Foto © Cesar Barreto

Als Ikone der tropischen Moderne feiert Donna Schons in der taz den brasilianischen Landschaftsarchitekten Roberto Burle Marx, dem die KunstHalle der Deutschen Bank in Berlin eine - viel zu kleine - Ausstellung widmet. Die Arbeiten von Burle Marx strotzen vor Begeisterung für Botanik: "Sie ähneln auf den ersten Blick eher modernistischen Gemälden als stadtarchitektonischen Skizzen. Blumenbeete werden zu geschlängelten Klecksen, helle und dunkle Grasgewächse bilden Schachbrettmuster und sternförmig angeordnete Linien stehen für Palmen. Später übertrug Burle Marx seine kubistische Formsprache auf seine Malerei und Schmuckentwürfe, gestaltete farbenfrohe Synagogenfenster, entwarf Kostüme und Bühnenbilder."

In der NZZ macht uns Gabriele Detterer mit der "Spaziergangswissenschaft" des Schweizer Soziologen Lucius Burckhardt vertraut: "Zeitlebens beschäftigte ihn die Frage, 'wie sich Sehen neu erlernen lässt', und er verstand es, mit kreativen Freistil-Methoden unsere Sinne für das ganzheitliche Begreifen der Umwelt, von Stadt und Landschaft, zu sensibilisieren. 'Man sieht, was man sehen lernte', meinte Burckhardt."

Weiteres: Richtig toll findet Hans Jessen das virtuelle Museum der 1000 Orte, das all die Kunstwerke versammeln will, die seit 1950 als Kunst-am-Bau an öffentlichen Gebäuden entstanden sind. Besprochen wird Schau mit Zeichnungen von Raffael im Ashmolean Museum in Oxford (FAZ).
Stichwörter: Roberto Burle Marx

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.08.2017 - Kunst

Who me?!

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Cindy Sherman ist auf Instagram. Ist das jetzt cool oder nicht, fragt sich Anika Meier in Monopol irritiert. "Ihrem Account @misterfriedas_mom folgte ich jedenfalls sofort. Was es dort zu sehen gibt: Selfies, Familie, Essen, Selfies, Selfies, Tiere, Alltag, Selfies und Selfies. Instagram halt. Die Selfies wurden offenbar zum Teil mit der App 'YouCam Makeup' gemacht und sehen aus, wie der Albtraum eines jeden amerikanischen Teenagers, der Instagram nutzt, um aus sich eine Marke zu machen."

Weiteres: Annegret Erhard reist nach Samos, wo der Art Space Pythagorion dem "Summer of Love" von 1967 eine Ausstellung widmet, die auch daran erinnert, dass die Flower Power etlichen brutalen kriegerischen Konflikten entgegenstand. Kein kritisches Wort kommt Susanne Altmann in ihrem Nachruf auf den verstorbenen Museumsmacher Martin Roth über die Lippen (mehr im gestrigen Efeu). In der Berliner Zeitung schreibt Ingeborg Ruthe zum 150. Geburtstag Emil Noldes.

Besprochen werden die Ausstellung "Kuss. Von Rodin bis Bob Dylan" im Berliner Bröhan-Museum (Welt), eine Alfred-Kubin-Ausstellung im Leopold-Museum (Standard) und eine Marko-Lulic-Schau im Lentos Museum Linz (Standard).
Stichwörter: Cindy Sherman

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.08.2017 - Kunst


Paul Cézanne: Studie zu Das Ewig-Weibliche, 1870/75. Kunstmuseum Basel

In der NZZ freut sich Maria Becker, dass eine eigene Ausstellung im Kunstmuseum Basel Cézannes Zeichnungen präsentiert, bei denen nicht Vollendung das Ziel gewesen sei, sondern Entwicklung: "Für Paul Cézanne war das Zeichnen eine tägliche Übung, die im Tagesablauf einen festen Platz hatte. Er widmete sich in den Morgenstunden der Malerei und ging nachmittags in den Louvre oder ins Freie, um Skizzen zu machen und so, wie er sagte, 'am nächsten Tag gut zu sehen'. Wie einer das Tagebuch zum Festhalten des Erlebten benutzt, so war für Cézanne das Skizzenbuch ein Mittel, sein Sehen frisch zu halten."


Otto Marseus van Schrieck, Waldboden mit Ringelnatter und Eidechse (Detail), 1669. Foto: Elke Walford/ Staatliches Museum Schwerin

Lehrreich und unterhaltsam findet Julia Voss in der FAZ die Ausstellung Die "Menagerie der Medusa" im Staatlichen Museum Schwerin, die den Maler Otto Marseus van Schriek als den Erfinder des "Sottobosco" zeigt, des "Waldstilllebens": "Niemand richtete den Blick zuvor auf den Waldboden, das Moos, die Flechten, Pilze und feuchtglänzenden Bewohner wie Kröten, Schlangen oder Schnecken. Van Schrieck war nicht nur der Erste, dem diese Welt abbildungswürdig schien. Er malte sie auch fast immer am besten."

Jörg Häntzschel schreibt in der SZ zum Tod des Museumsmanagers Martin Roth, dem es in seiner rasanten Karriere immer gelang, an die interessantesten Häuser Europas zu kommen: "Manche Kuratoren sind verhinderte Künstler, Roth wollte Politik machen, ohne Politiker zu sein, wollte das erlahmte, subventionssatte, von der Welt abgeschirmte deutsche Kulturmilieu durchschütteln. Dass bei diesen Aktionen auch viel Naivität, Opportunismus und Geschäftssinn im Spiel waren, lässt sich allerdings nicht leugnen." Weitere Nachrufe in Tagesspiegel, Berliner Zeitung.

Besprochen werden die Schau "Bikes!" im Leipziger Grassi-Museum (taz) und die Ausstellung "Ein Tag in Berlin" in der Fotogalerie Friedrichshain (Tagesspiegel).
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