Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Kunst, Ausstellungen, Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.01.2018 - Kunst


Georg Baselitz, Fingermalerei - Adler, 1972, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Pinakothek der Moderne, Wittelsbacher Ausgleichsfonds, München © Georg Baselitz, 2018. Foto: © Bayer&Mitko - Artothek

Georg Imdahl schreibt in der FAZ zum Achtzigsten Georg Baselitz', haut ihm allerdings auch den Unsinn um die Ohren, den er jüngst in der Zeit über Donald Trump oder eine "deutsche Autokratie" von sich gegeben hat. In der Berliner Zeitung besänftigt Ingeborg Ruthe: "Kunst-Machen bedeutet auch, Regeln zu brechen. Polterer-Image und Malerfürsten-Habitus schließen sich nicht aus." In der Welt sieht Hans-Joachim Müller das ähnlich: "Fahrt nach Basel in die Fondation Beyeler!" Müller feiert allen Provokationen zum Trotz die großartige Ausstellung, die Baselitz dort ausgerichtet ist: "In der grandiosen Geburtstagsausstellung erfahrt Ihr alles, was Ihr über den Künstler wissen müsst. Und Ihr braucht dort nur zu schauen, müsst nichts hören, gar nichts, kein geiles Interview lesen, seid endlich einmal frei vom ganzen öffentlichen Baselitz-Sound, der diesem Werk von Anfang an wie ein dumpfer Basso continuo unterlegt ist. Schiere Malerei. Überwältigend in der mühelosen Gebärde, mit der sie sich immer wieder erneuert hat. So ähnlich muss es gewesen sein, als die Nachkriegsgeneration vor dem Kraftpaket stand, das die amerikanischen abstrakten Expressionisten geschnürt und zur bildmoralischen Aufrüstung nach Europa geschickt haben."


Und ein van Dyck der Königin: Sir Anthony van Dyck, Charles I and Henrietta Maria with their two eldest children, Prince Charles and Princess Mary (detail). Royal Collection Trust/© Her Majesty Queen Elizabeth II 2017

In einer opulenten Ausstellung "King and Collector" über den verrückten König Charles I. zeigt die Royal Academy in London die königliche Sammlung, und im Guardian erlebt Jonathan Jones seinen antimonarchistischen Moment: Wo kommen denn auf einmal all diese Kunstwerke her? "Hier ist der Dürer der Königin, ein Gemälde des deutschen Renaissance-Genies, das besser ist als alle, die in der National Gallery hängen. Hier ihr Tintoretto, ein verschattetes, rauchiges Meisterwerk an Expressivität von diesem experimentellen venezianischen Meister. Ich habe keines dieser Werke zuvor gesehen. Wo hängen die normalerweise - in einem privaten Palast oder in einer dunklen Ecke in Kensington Palace? Oder Hampton Court."

Besprochen werden außerdem eine Ausstellung zu Willi Baumeister im Berliner Kupferstichkabinett (FAZ) und eine Ausstellung des jüdischen Malers Armin Stern im Berliner Kunsthaus Dahlem (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.01.2018 - Kunst

Gegen alle Unlust, hat sich Welt-Kritiker Hans-Joachim Müller nach Baden-Baden begeben und in der Ausstellung "America! America!" des Frieder Burda Museums tatsächlich viel List und Hintersinn entdeckt: "Die imperiale Lächelmaske, mit der sich die US-Kunst seit den Sechzigerjahren als Kronzeugin der unbegrenzten Möglichkeiten eingeprägt hat, setzt sich allenfalls noch Jeff Koons auf." (Bild: William N. Copley: Imaginary Flag for U.S.A., 1972. © William N. Copley Estate, New York.)

Weiteres: In der taz gratuliert Brigitte Werneburg dem Maler Georg Baselitz zu seinem morgigen Achtzigsten. Im Tagesspiegel meldet Nicola Kuhn, dass die Documenta nun doch gemeinnützig bleiben kann und nicht gewinnorientiert werden muss.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.01.2018 - Kunst

Zum Achtzigsten von Georg Baselitz schreiben Philipp Meier in der NZZ und Gottfried Knapp in der SZ. In der Welt gibts ein Interview mit ihm, das auch auf sein Spätwerk eingeht: Akte zumeist, von ihm und seiner Frau, die Interviewer Cornelius Tittel an Picassos Spätwerk erinnern. Damit hat Baselitz kein Problem: "Das waren exakt die Bilder, die als Beleg für seinen Zusammenbruch galten. Diese merkwürdige Serie von satirischen, flott gemalten Clowns, die in die Möse gucken. Und ich fand die so überraschend, dass ich sagen musste: Mein Lieber, da funktioniert beides, da ist das Physische und Psychische noch in einem guten Einklang. Spätestens seitdem ich diese Picassos gesehen hatte, hat mich das interessiert: Wie ist das bei meinen Helden gewesen?"

Weiteres: Mit Stiftungsgeldern konnte in New Orleans eine Ausstellung auf die Beine gestellt werden, die die Sammlung afroamerikanischer Kunst des Ehepaars Pamela J. Joyner und ihres Ehemanns Alfred J. Giuffrida zeigt, berichtet Lorina Speder im Tagesspiegel.

Besprochen werden die Ausstellung "Wien um 1900" im Wiener Leopold-Museum (Standard), eine Ausstellung des Fotografen Andreas Gursky in der Londoner Hayward Gallery (Guardian), eine Ausstellung des Fotografen Mike Chick im Tempelhof Museum (Tagesspiegel) und die Ausstellung "Sick! Kranksein im Comic" im Medizinhistorischen Museum der Charité in Berlin (FAZ).
Stichwörter: Georg Baselitz, Malerei

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.01.2018 - Kunst

Besprochen werden eine Berliner Ausstellung des Fotografen Hans Georg Berger mit Fotos aus den iranischen Zentren für Wissenschafts- und Religionsstudien in Qum, Isfahan und Mashhad (Berliner Zeitung), eine Ausstellung des grafischen Werks von Yves Tanguy in der Berliner Sammlung Scharf-Gerstenberg (FAZ), die Ausstellung "Degas Danse Dessin. Hommage à Degas avec Paul Valéry" im Pariser Musée d'Orsay (FAZ) und eine Ausstellung der Konzeptkünstlerin Sophie Calle im Jagdmuseum von Paris (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.01.2018 - Kunst

Nachdem Vorwürfe wegen sexueller Übergriffigkeit seitens einiger männlicher Models laut wurden, hat Kurator Ingo Taubhorn eine seit drei Jahren geplante Retrospektive des Fotografen Bruce Weber im Hamburger Haus der Photographie "auf Eis gelegt", berichtet Jan Kedves in der SZ. "Dabei hat er durchaus Zweifel, ob diese Entscheidung richtig ist. Man wisse derzeit zu wenig darüber, was an den Anschuldigungen dran sei, sagt er. Andererseits macht er sich keine Illusionen darüber, was los wäre, würde er Webers Fotos zeigen. 'Man kann doch keine Ausstellung machen, wo man dann gar nicht mehr über die Kunst redet, sondern nur noch darüber, was in den Köpfen drin ist', sagt Taubhorn - und meint damit die Kombination aus Empörung, Fantasie, Sensationsgier und Moral, die sich 'wie ein Schleier' vor das Werk und dessen Wahrnehmung lege. So ein Schleier kann wieder verfliegen, aber das brauche Jahre."

Weitere Artikel: Der Maler Georg Baselitz, der am Dienstag seinen 80. Geburtstag feiert, beklagt im Interview mit der Zeit, dass die AfD im Bundestag "vollständig undemokratisch" behandelt wird und tritt auch sonst mit Begeisterung in jedes Fettnäpfchen. Andreas Platthaus berichtet in der FAZ über die erste "Martin Roth Lecture" Edmund de Waals in Dresden.

Besprochen werden Rob Pruitts Ausstellung "The Church" in der Zürcher Kunsthalle (NZZ-Kritiker Thomas Ribi fragt sich verwirrt, was er hier eigentlich sucht - "in einem Museum, das eine Kirche sein will, die so aussieht, als wäre sie ein Museum. Und die ja trotzdem ein Museum bleibt. Oder spielt das am Ende gar keine Rolle?")

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.01.2018 - Kunst


Maria mit dem Schutzmantel, Michel Erhart, ca. 1480, und Mangaaka, Kongo, Yombe, 19. Jahrhundert, Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum. Fotos: Claudia Obrocki / Antje Voigt.

"Schöne, befreiende" Momente erlebt taz-Kritikerin Sophie Jung in der Ausstellung "Unvergleichlich" im Berliner Bode Museum, die afrikanische Werke neben die Ikonen der europäischen Kunstgeschichte stellt: "Der Vergleich mit dem jeweils Anderen setzt einen eigenen Erkenntnisprozess in Gang. Dinge, Themen, ganze Kulturstränge werden durch die Unterschiedlichkeit von Bildern evident: Die demutsvolle Weiblichkeit einer Schutzmantelmadonna aus dem 15. Jahrhundert offenbart sich etwa gerade im Vergleich mit der scharfen Androgynie einer Königinmutter aus dem 16. Jahrhundert." Allerdings hätte sie sich statt "intelligent lavierender Texte" eine echte Auseinandersetzung gewünscht, oder sogar eine Geste der Kulturpolitik, vergleichbar mit Emmanuel Macrons Ankündigung, geraubte Werke zurückzugeben."

Weiteres: Unanfechtbar findet es Ingeborg Ruthe in der Berliner Zeitung, dass der Große Kunstpreis Berlin in diesem Jahr an den Bildhauer, Fotografen und Filmemacher Thomas Demand geht. Im Tagesspiegel informiert Bernhard Schulz über den Stand der chaotischen Planungen für das Berliner Museum der Moderne.

Besprochen werden eine Schau der Sammlung Hahnloser im Kunstmuseum Bern (NZZ) und die Ausstellung "Hölzel und sein Kreis" im Freiburger Augustinermuseum (FAZ).
Stichwörter: Kunst aus Afrika

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.01.2018 - Kunst

Madame d'Ora, Abgezogener Hasenkörper vor 1958, aus der Schlachthof-Serie. Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
In einer seiner großartigen Ausstellungen zeigt das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe die Fotografien der Madame d'Ora, die als Studiofotografin im Wien des Fin de Siècle begann, dann als Modefotografin nach Paris ging und schließlich die Pariser Schlachthöfe von La Villette besuchte. Julia Lutz in der FAZ kann die Schau nur wärmstens empfehlen: "Schließlich vereint d'Ora das Interesse an toten Tieren und die genaue Beobachtung des Menschen in den Porträts des Marquis de Cuevas, um dessen Kopf sie drei gehäutete Schafsköpfe drapiert. Das januskopfartige Memento mori des alternden und kranken Ballettimpresarios zeugt ebenso wie die Schlachthoffotografien vom Verfall des Menschen und seiner Welt: 'Die feurige Verteidigung unserer Ideale ist die einzig bleibende Schönheit."

Jonathan Fischer bemerkt in der SZ, mit wieviel Macht und Geld jetzt auch deutsche Institutionen afrikanische Kunst und Kuratoren in den Fokus des Betriebs rücken. Die nächste Berlin Biennale wird von Gabi Ngcobo aus Johannesburg kuratiert werden, zusammen mit Moses Serubiri, Nomaduma Rosa Masilela, Yvette Mutumba und Thiago de Paula Souza: "Darf man dieses Jahr eine Kunstschau unter dem Stern Afrikas erwarten? Nein, nein und nochmals nein, wehrt Yvette Mutumba ab. 'Gabi Ngcobo hat uns nicht nur wegen unserer Herkunft geholt', sagt die in Berlin lebende Mitbegründerin und Chefredakteurin des Magazins Contemporary And und: 'Uns geht es in erster Linie um Kunst und nicht um Afrika.' Alle Museen bekämen gerade Fördermittel für global angelegte Kunstprojekte, alle großen Kunst-Institutionen wollten Afrika und Postkolonialismus thematisieren. Aber, so sagt sie mit Nachdruck, man müsse die nachträgliche Entdeckung des vernachlässigten Kunst-Kontinents nicht unnötig exotisieren."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.01.2018 - Kunst

Besprochen wird die Ausstellung des New Yorker Fotografen Joel Meyerowitz "Why Color?" im Berliner C/O , in der allerdings auch, hüstel, Fotos von Paris zu sehen sind (Welt).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.01.2018 - Kunst


Bild: Patrick Angus, A Shower at the Baths, 1984, Sammlung Andreas Pucher, Stuttgart, © Douglas Blair Turnbaugh.

Immerhin die Stuttgarter Kunstwelt scheint nun reif für die Werke des 1992 gestorbenen schwulen amerikanischen Malers Patrick Angus, freut sich in der SZ Catrin Lorch beim Betrachten der großen Retrospektive "Private Show" im Stuttgarter Kunstmuseum. Besonders die während seiner Arbeit im New Yorker Strip-Club Gaiety entstandenen Arbeiten haben es Lorch angetan: "Angus kann einerseits die alles überstrahlende Schönheit junger, athletischer Körper festhalten, spart aber auch Details wie die weißen Tennis-Socken nicht aus, in die das Publikum Dollarnoten stopft. Er macht die emotionalen Widersprüche sichtbar: die fast schüchternen Blicke aus dem Publikum und die auftrumpfenden Posen der nackten Tänzer. Die Machtverhältnisse zwischen armen, aber attraktiven Jungs und erschlafften, haarlosen Alten. Auf derselben Leinwand findet er Raum für das Defilee der Stripper im bunten Scheinwerferlicht am Ende der Show und die verschatteten Ecken, in denen Jungs in kurzen Höschen über bezahlten Sex verhandeln."

Bild: "Grapefruit", 2017, "Virtual Normality", Stephanie Sarley.

Im Deutschlandfunkkultur spricht Gesa Ufer mit Anika Meier und Sabrina Steinek, Kuratorinnen der Leipziger Ausstellung "Virtual Normality", die Instagram-Bilder von Netzkünstlerinnen ausstellt, über Online-Exhibitionismus, Clickbaiting und Zensur - etwa der "Fruitporn"-Bilder von Stephanie Sarley: "Da spielt jemand mit der weiblichen Sexualität (…) Stephanie Sarley hatte ja große Probleme vor zwei Jahren noch mit dem Thema Zensur, da sind oft ihre Sachen runtergenommen oder gelöscht worden. Das hat sich jetzt natürlich verbessert, ich weiß gar nicht, ob das noch so oft passiert, aber vor zwei Jahren war dann der Account oft gesperrt, einmal musste sogar der 'Guardian' so mehr oder weniger einschreiten." Auf Spiegel Online schreibt Angela Gruber über die Ausstellung, Zensur und Darstellungen weiblicher Sexualität.

Weiteres: Das Berliner Kunstgewerbemuseum feiert seine 150jährige Geschichte - ohne sich dieser zu stellen, klagt Nikolaus Bernau in der Berliner Zeitung: "Statt sich so dem Leben, der Geschichte, der Vermittlung von Gestaltungsproblemen zu öffnen, hat man in Berlin eine nur dem Schönen Kleid gewidmete Modegalerie eingerichtet." Für die Weltkunst hat Lisa Zeitz mit der Enkelin des Sammlers Heinrich Kirchhoff gesprochen, dessen Garten zum Treffpunkt für Maler wie Paul Klee, Otto Dix oder Max Beckmann wurde.

Besprochen werden Pappi Corsicatos Filmporträt über Julian Schnabel (Tagesspiegel), Oliver Larics Schau "Panoramafreiheit" im Schinkel Pavillon (taz), die Ausstellung "Licht" mit Werken von Hans Hartungs Gattin Anna-Eva Bergmann im Museum der bildenden Künste, Leipzig (FAZ), und die Ausstellung "Wanderer zwischen den Welten" mit Werken von Hans Thoma im Museum LA8 in Baden-Baden (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.01.2018 - Kunst

Lizette Chirrime: Fabric collage on mannequin, 2017
In der SZ stellt Jonathan Fischer die aus Mosambik stammende und in Kapstadt lebende Künstlerin Lizette Chirrime und ihre Collagen vor (mehr über sie in der südafrikanischen Times)

Besprochen werden die Fayencen-Ausstellung im Leipziger Grassi-Museum (FAZ) und eine Ausstellung über den abstrakten Expressionismus asiatisch-amerikanischer Künstler im Honolulu Museum of Art (auf Hyperallergic ist Danielle Wu sehr glücklich, wie die hier ausgestellten Künstler gewürdigt werden: "While some have claimed that Philip Guston's paintings reinvent the sublime, the fact that he drew upon Zen and Chinese painting's dissolution of form into nothingness often goes uncredited. On view together are Guston's 'Ceremony' (1957) and George Miyasaki's 'Green Landscape.' Made the same year, both feature ghostly shapes of sea foam green and dusty red swim against each other as if lost in fog. While Mark Rothko is revered for his studies of vibrant color as a locus for meditative contemplation, this was also explored by artists such as Tseng Yu-ho, Isami Doi, and Bumpei Akaji.")
Stichwörter: Lizette Chirrime, Mosambik
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