Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Kunst, Ausstellungen, Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.06.2017 - Kunst


Frank Bowling: Middle Passage, 1970. Hales Gallery.

Etwas wirklich Neues hat Barbara Knopf vom Bayerischen Rundfunk in der Ausstellung "Mappa Mundi" erkundet, die das Münchner Haus der Kunst dem dem heute 83-jährigen Maler Frank Bowling widmet: "Seine map paintings leuchten in gelb, orange, blau, grün, rosa, lila; unter diesen lodernden Lasuren werden die Umrisse von Kontinenten sichtbar: Afrika, Südamerika, auch Australien, mal hell umwölkt, mal blutrot umrandet. Darüber ist in vielen dünnen Schichten Acrylfarbe aufgetragen. Manchmal glaubt man im dunkelsten Dunkelblau noch Verläufe zu erkennen als sähe man aus großer Höhe auf die Linien unterirdischer tektonischer Platten. Driftende Kontinente in abstrakten Farbpanoramen. Nicht der ausbeuterische Blick eines Eroberers spiegelt sich in diesen map paintings. Diese Welt scheint Grenzenlosigkeit einzufordern."

Auch für SZ-Kritikerin Catrin Lorch ist das besondere an dem Künstler aus British-Guyana, dass er den Blick über den Atlantik spannt: "Im Gegensatz zu 'radikalen schwarzen Kulturnationalisten, die eine explizite Identifikation hinsichtlich Inhalt, Emotionalität, Ästhetik und Ideologie propagierten', konstatiert Enwezor, habe Bowling sich 'Guyana und Südamerika und den schwarzen Atlantik zu eigen gemacht'. Dass Frank Bowling den universalen Anspruch dabei so leuchtend und sanft ausklingen lässt, dass man auch an die Seerosenbilder von Monet denkt, an die Feuchtigkeit der Meerbilder von Turner oder die sprühend gespachtelten Licht- und Regenlandschaften Constables, das macht die besondere Grazie dieses Denkens."

Susanna Koeberle berichtet in der NZZ aus dem dänischen Aarhus, dessen neu initiierte Kunst-Triennale sich mit dem Garten und unserem Bild von Natur befasst: "Gemäß diesem Bild hat Natur eben auch grün zu sein und nicht leuchtend pink und weiß wie bei der 4000 Quadratmeter großen gesprayten Farbinstallation, die Katharina Grosse auf einer Wiese bei der Küste schuf... Dass Natur nämlich nicht mit Idylle gleichzusetzen ist, zeigt auch die eindrückliche Arbeit von Ismar Cirkinagic (lebt und arbeitet in Kopenhagen). Für 'Herbarium' sammelte er verschiedene Pflanzen, die auf Massengräbern in Bosnien-Herzegowina wuchsen."

Weiteres: So bescheiden wie souverän findet Gina Thomas in der FAZ den indigoblauen Serpentine-Sommerpavillon des Architekten Francis Kéré in London (mehr hier).

Besprochen wird die Ausstellung "Die Erfindung der Pressefotografie", in der das Deutsche Historische Museum Bilder aus der Sammlung Ullstein präsentiert (Berliner Zeitung, Welt).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.06.2017 - Kunst



"Hello, Robot". Ausstellungsansicht. Vienna Biennale.

Auf der Vienna Biennale unter dem Titel "Roboter. Arbeit. Unsere Zukunft" spürte Bernd Graff in der SZ bei allem Nachdenken über Künstliche Intelligenz, Cyborgs und Drohnen, Humanität und Selbstoptimierung vor allem eine große Angst vor dem Verlust der eigenen Bedeutung und der Souveränität: "Entsprechend zeigen die Wiener Ausstellungen also weniger die autark handelnden Maschinen als vielmehr ihre irritierende Wirkung auf die ihnen ausgesetzten Menschen. Sie dokumentieren ästhetische Verarbeitungsversuche von Verunsicherung und struktureller Überforderung durch eine (über-)mächtige Technik. So steht diese Biennale gewissermaßen unter dem Diktum des späten Martin Heidegger: 'Das Große des zu Denkenden ist zu groß.'"

Weiteres: Zum hundertfünfzigsten Geburtstag von Käthe Kollwitz sorgt sich Nicola Kuhn im Tagesspiegel um die Zukunft ihres Berliner Museums.
Stichwörter: Vienna Biennale

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.06.2017 - Kunst

Otto Dix: Liegende auf Leopardenfell, 1927. Foto: Tate

Politisch mag Weimar chaotisch gewesen sein, künstlerisch war die Zeit große Klasse, schwärmt Jonathan Jones im Guardian, völlig faszineirt von der Ausstellung "Portraying a Nation: Germany 1919-1933" in der Tate Liverpool: "No artist embodies Weimar more pungently than Otto Dix. If you think this era's reputation for 'decadence' is a stereotype created by the musical Cabaret, think again. Liza Minnelli had nothing on the original Weimar characters portrayed by Dix, from his chubby, flamboyant art dealer Johanna Ey to a rich gallery of sexual experimenters and prostitutes. One 1922 watercolour, in which a woman poses in a corset and stockings flourishing a whip in front of a bloodstained cross, is called Dedicated to Sadists. In a small, intense oil painting that pays homage to the kinky German Renaissance master Lucas Cranach, the goddess Venus is naked except for long, black leather gloves."

Weiteres: Erhellend findet Inga Barthels in Tagesspiegel auch die Ausstellung im Verborgenen Museum, die vergessene Künstlerinnen des früheren 20. Jahrhunderts wie Lotte Laserstein und Lou Loeber erinnert. In der NZZ diagnostiziert Christian Herchenröder akuten "Materialmangel" auf dem deutschen Kunstmarkt und gibt dem Kultugutschutzgesetz die Schuld daran.

Besprochen werden die Ausstellung "Klimt und die Antike" im Wiener Belvedere (Standard), die Alfred-Flechtheim-Ausstellung im Berliner Georg-Kolbe-Museum, die den Kunsthändler und seiner Leidenschaft für die Bildhauer seiner Zeit zeigt (SZ, FAZ) und die Ausstellung "Bikes" im Grassimuseum Leipzig (SZ).
Stichwörter: Otto Dix, Weimar

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.06.2017 - Kunst

Performancekunst liegt im Trend, weil sie politisch und partizipativ ist, meint Philipp Meier in der NZZ. Bis Ende Juli ist im Kunsthaus Zürich Aktions- und Performancekunst zu sehen, darunter die Unterschriftensammlung der kubanischen Künstlerin Tania Bruguera, in der sie den Papst auffordert, allen Flüchtlingen der Welt die Staatsbürgerschaft des Vatikans zu verleihen: "Naiv? Etwas kindisch gar, dem mächtigen Heuchler-Klub solcherweise ans Bein zu pinkeln? Performancekünstler sind die Kindsköpfe unter den Kunstschaffenden. Damit erweitern und bereichern sie den Kunstbegriff aber ungemein. Und ihr Rebellentum ist heute wieder gefragt. In Zeiten des Umbruchs, in denen sich viele zu wappnen glauben müssen gegen für sie unliebsame Veränderungen, gilt der Protest der Künstlerschaft vor allem dem Rückbau freiheitlicher Errungenschaften." Im Tages-Anzeiger rät Paulina Szczesniak den Besuchern der Performance-Ausstellung: "Ziehen Sie bequeme Kleidung an. Und nichts Weißes."

Besprochen werden eine Ausstellung mit deutscher Malerei im Museum Oskar Reinhart in Winterthur (NZZ), die Ausstellung "Jaguars and electric eels" der Julia Stoschek Collection in Berlin (taz)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.06.2017 - Kunst


Links Pontormos "Besuch", rechts Violas "The Greeting"

In Florenz hat der Künstler Bill Viola mit seiner Ausstellung "Electronic Renaissance" den Paragone zurückgebracht, den Wettbewerb, den Vergleich, indem er berühmte Renaissance-Kunstwerke nachstellt, erzählt Ingrid D. Rowland in der NYRB. Dazu gehört Jacopo Pontormos "Besuch" der schwangeren Maria bei der ebenfalls schwangeren Elisabeth. "Viola's slow-motion video, like Pontormo's altarpiece, involves a young pregnant woman greeting an older woman. Rather than adding an attendant, he places a third woman at a slight remove from the other two, concentrating on the expression on her face when she is patently excluded from their embraces. He evidently draws his inspiration from Pontormo's rendering of the gestures and the facial expressions of the trio, but deliberately their ultimate significance as 'ambiguous.' Viola's women, moreover, are dressed like white upper-middle-class Los Angeles women in the 1990s, even if they stand before a staged recreation of Pontormo's Florentine street scene. His younger woman is much nearer to term than Mary in the Gospel narrative, and the older woman does not show any signs of a miraculous pregnancy; thus the scene is neither a recreation of the Bible nor a video tableau vivant of Pontormo's painting."

"Überwindet das Kuratieren, beteiligt die Betrachter, demokratisiert das Ausstellen!" In der Zeit möchte der Kunsttheoretiker Stefan Heidenreich die Kuratoren aus den Kunsttempeln, den Museen, vertreiben. Denn: "Kuratieren ist undemokratisch, autoritär und korrupt. ... Große Ausstellungen wie zum Beispiel die ersten Ausgaben der Documenta dienten dazu, die aktuelle Gegenwartskunst zu dokumentieren. Freilich wurden sie kuratiert, aber es gab Kriterien. Und über diese Kriterien wurde gestritten. Seit das Kuratieren dagegen zur Obsession von Einzelnen verkam, haben sich die Kriterien verflüchtigt und die Diskussionen auch."

Weitere Artikel: Im Art Magazin stellt Marie Fürste die Hamburger Malerin Anita Rée vor, der die Hamburger Kunsthalle ab Oktober eine große Ausstellung widmet. Kanonbildung ist elitär und out, meint Felix Krämer vom Städel Museum in der FAZ: Lieber sollte ein Museum "Angebote unterbreiten, die Besucher zum Entdecken einladen und die Geschichten hinter den Objekten erzählen: Das gilt für die alte wie für die zeitgenössische Kunst."

Besprochen werden die Ausstellung Österreich Fotografie in der Wiener Albertina (Standard), "Matisse in the Studio" in Bostons Museum of Fine Arts (NYRB) und die Pink-Floyd-Ausstellung im Victoria & Albert Museum. (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.06.2017 - Kunst


Gerhard Richter, Zwei Fiat, 1964, Öl auf Leinwand, Museum Frieder Burda, Baden-Baden.

Als schlichtweg grandios preist Hans Joachim Müller in der Welt die Gerhard-Richter-Schau im Kunstmuseum Bonn, die zurückkehrt zu den grauen Bildern der frühen Jahren. "Solche Tateinheit von sinnlicher Kraft und intellektueller Würde, von sensualistischem Zauber und nüchterner Gedankenarbeit, macht das Werk einzigartig und gibt ihm Bedeutung weit über die spektakulären Auktionsrekorde hinaus. Anders als so manche Erfolgsmaler seiner Generation hat Richter auch nie die autokratische Selbstinszenierung gebraucht. Sein Werk hat mit den Jahren enorm an Bildmacht gewonnen, aber aufgeladen hat es sich nicht."


Dominic Nahr: Somalia, Mogadischu, 2012. Copyright: Dominic Nahr

Daniele Muscionico wittert in der NZZ den Wahnsinn in den Bildern des Fotoreporters Dominic Nahr, der seit 2008 in den Kriegs- und Krisengebieten Afrikas unterwegs ist und dessen Arbeiten nun die Fotostiftung Schweiz in Winterthur zeigt: "Nahr ist ein Erschütterter und will unsere Immunität erschüttern. 'Die Realität meiner Umgebung ist so stark, dass ich mich ihr nicht entziehen kann.' Er ist dort, wo sich Geschichte ereignet. In der Fotostiftung, der ersten grossen Museumsausstellung in seiner Heimat, ist das der Südsudan, Somalia, Kongo und Mali. Das Heimkommen von Dominic Nahr ist ein leiser Donner."

Besprochen wird die Ausstellung "Österreich Fotografie" in der Wiener Albertina (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.06.2017 - Kunst

Für den Standard ist jetzt auch Roman Gerold nach Münster zu den Skulpturen Projekten gefahren und betrachtet die Großkunstereignis recht wohlwollend: "Ja, der 'Eventcharakter' und die Liebe, die die Münsteraner nunmehr zu 'ihren Skulpturen' entwickelt haben, ist unverkennbar. Und ja, bisweilen beschleicht einen das Gefühl, dass hier Missverständnisse vorliegen. Aber erstens will eine Intervention wie On Water freilich über Münster hinausweisen, und andererseits fragt man sich dann auch: Was ist eigentlich schlecht daran, einfach einmal die Füße ins Wasser zu halten? Die 'neuen Perspektiven auf Gewohntes' können sich ja immer noch einstellen."

In der FAZ sprechen Bertram Kaschek und Jürgen Müller mit dem Dresdner Künstler Karl-Heinz Adler, der heute neunzig Jahre alt wird.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.06.2017 - Kunst

In der Welt jubelt Tilman Krause über eine  Ausstellung im Schwulen Museum, die Winckelmann und den Klassizismus "aus dem Geist der Männerliebe" erklärt: "Männliche Schönheit. Männliche Körper. Und zwar nackt. Das ist eine unziemliche Trivialisierung von Forscherdrang und Wissenschaftsfleiß? Mitnichten! Das ist eine Rückführung auf die Erotik als elementare Grundlage aller Leidenschaften, auch der intellektuellen."

Besprochen werden die Max-Pechstein-Ausstellung im Hamburger Bucerius Forum (FAZ), die Frank-Lloyd-Wright-Ausstellung  Unpacking the Archive" im New Yorker Moma (SZ) und die Ausstellung "Von Hopper bis Rothko. Amerikas Weg in die Moderne" im Museum Barberini in Potsdam (Tagesspiegel).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.06.2017 - Kunst

Egon Schiele, die Traumbeschaute, 1917. Foto: Wikipedia
Sex und Schmerz - das hat die britische Künstlerin Tracey Emin als Teenager zuerst zu Egon Schiele hingezogen, erzählt sie im Gespräch mit dem Guardian. Und die selbstbewusste Sexualität der Schiele-Frauen: "Emin and I look at some of Schiele's nudes that, until recently, were dismissed as porn. 'Observed in a Dream' (1911) is a watercolour of a woman with bright pink nipples, black pubic hair and a red vagina. 'She's pulling her labia apart and saying: Look at my clitoris. There's nothing sexist about that. She's pretty formidable and she's got an attitude and she's saying: Yeah, come on then. She's completely in control: she's saying: Do you want it or don't you want it? It's mine. There's a voyeurism, but she's the person in control.' Far from objectification, Emin sees empowerment in the way Schiele shows his models. In fact, she thinks that Schiele had a female sexuality."

Weiteres: In der Presse erinnert Johanna Hofleitner an den vor zehn Jahren verstorbenen österreichischen Maler Rudolf Hradil und sein Werk, dem gerade zwei Ausstellungen in Krems gewidmet sind. Besprochen werden außerdem die Ausstellung "The Art of Banksy" im ehemaligen Berliner Clubrestaurants Felix (Berliner Zeitung), die Ausstellung "Von Hopper bis Rothko. Amerikas Weg in die Moderne" im Museum Barberini in Potsdam (Berliner Zeitung), eine Ausstellung mit Bildern von Anita Albus in der Kunsthalle Kiel (FAZ), die Ausstellung "Picknickzeit" im Frankfurter Museum Angewandte Kunst (FAZ) und die neue Dauerausstellung auf dem Monte Verità (SZ).
Stichwörter: Egon Schiele, Tracey Emin

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.06.2017 - Kunst

Einer Museumseröffnung der abenteuerlicheren Sorte hat Kolja Reichert beigewohnt: In der FAZ berichtet er aus dem kongolesischen Dschungel, wo der niederländische Künstler Renzo Martens im "Lusanga International Research Centre for Art and Inequality" (LIRCAI) Werke von örtlichen Plantagenarbeitern ausstellt: "Inzwischen sind die Skulpturen eingetroffen. Mit Tänzen und Gesängen werden die Kisten durch die Büsche getragen, die Styroporflocken in die Luft geworfen, die Schokoladenskulpturen mit Palmwein bespuckt... Auch die Videoarbeiten werden durch das Spucken von Palmwein den Ahnen geweiht, bevor sich die Menge, angeführt von den singenden Frauen Lusangas, den Hügel hinaufschiebt. Eine berauschende Szene: Vor dem White Cube tanzen Jugendliche langsam zu im Boden eingelassenen Trommeln, am Himmel schwirrt eine Drohne, die alles in Daten und Bilder verwandelt."

Weiteres: In der NZZ liest Christian Saehrendt die Documenta 14 als "kulturelle Beschwichtigungsgeste Deutschlands im Kontext der Euro-Krise".

Besprochen werden Damien Hirsts Doppelausstellung "Treasures from the Wreck of the Unbelievable" in Venedig (Tagesspiegel) und die Sonderausstellung "Neue Nachbarn. Auf dem Weg zum Humboldt Forum" auf der Berliner Museumsinsel (FAZ).
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