Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Kunst, Ausstellungen, Architektur

2083 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 209

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.12.2020 - Kunst

"Solange..." Foto: Katharina Cibulka

Die Künstlerin Katharina Cibulka hat eine neue Baustelle für ihre Interventionen gefunden, freut sich Katharina Rustler im Standard. Über dem Künstlerhaus am Karlsplatz prangt jetzt ein besticktes Transparent mit der Botschaft: "As long as the hope we spread is stronger than the fear we face, I will be a feminist.": "Anders aber als bei ihren bisherigen feministischen Baustellen-Installationen, in denen sie gesellschaftliche Missstände viel konkreter angesprochen hatte - wie beispielsweise 'As long the art market is a boy's club, I will be a feminist' auf dem Gebäude der Akademie der bildenden Küste -, ändert sich der Tonfall bei der neuen Intervention. Und wendet sich in eine hoffnungsvollere Richtung. 'Die Zumutungen der Pandemie fordern uns alle maximal. Das Attentat in Wien erschüttert mich zutiefst. Angesichts dessen, was wir in diesem Jahr durchleben, ist es mir derzeit unmöglich, eine weitere feministische Forderung zu stellen', erklärt Cibulka."

Auf Seite 3 der SZ befasst sich Renate Meinhof noch einmal mit den Ölanschlägen auf der Museumsinsel. Die Museen sind noch immer betroffen von der Missachtung öffentlicher Kunst; das LKA ermittelt ohne konkrete Spuren, wie etwa der Ermittler René Allonge einräumt: "Im Fall der Öl-Anschläge ist der Erfolg bis jetzt ausgeblieben, und das treibt ihn um. Die 'Begehungsweise' der Orte und das Spurenbild seien in allen drei Fällen vollkommen gleich. Kein 'massiver Auftrag' sei das, nichts Plakatives. Zögerlich sei der Täter vorgegangen, immer in der Furcht vor Entdeckung. 'Das Fanatische fehlt komplett', sagt René Allonge, 'das Skrupellose. Hier ist ein ängstlicher Typ umhergezogen.'"

Weiteres: Sonja Zekri schreibt in der SZ zum Tod der Kunsthistorikerin Irina Antonowa, die als Direktorin des Puschkin-Museum wie selbstverständlich die Kunstschätze verwahrte, die die Rote Armee aus Deutschland mitnahm: "Deutschland habe der Sowjetunion so vieles genommen, Schlösser und Paläste und Kirchen vernichtet, von Menschen ganz zu schweigen, da sei die Beutekunst nicht mehr als eine Kompensation." Im Tagesspiegel verabschiedet Frank Herold die "Hüterin der sowjetischen Beutekunst". In der FAZ betont Kerstin Holm, dass sich Antonowa um die Kunst in der Sowjetunion sehr verdient gemacht habe: "In der Breschnew-Zeit war Irina Antonowa eine Pionierin gewesen." Monopol meldet mit dpa, dass Athens schönes Benaki-Museum mit einer Online-Auktion gestifteter Kunstwerke um seinen Erhalt kämpft. In der FAZ porträtiert Brita Sachs die  Schmuckkünstlerin Bettina Dittlmann, die statt mit Gold, Silber und Rubinen mit Narrengold, Eisen und Granat arbeitet.

Besprochen werden der Bildband "Accidentally Wes Anderson" (ZeitOnline) und die Ausstellung "Uninvited Guests" im Madrider Prado (Hyperallergic).
Stichwörter: Cibulka, Katharina

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.12.2020 - Kunst

Karl Blossfeldt: Adiantum pedatum, 1928

Im Guardian preist Laura Cumming die Schau "Unearthed" in der Dulwich Picture Gallery in London, die das Verhältnis von Fotografie und Botanik auslotet. Cummings kann sich gar nicht sattsehen an den Broccoli-Bildern des englischen Gärtners Charles Jones oder den Stiefmütterchen des französischen Fotografen Adolphe Braun: "Die meisten großen Fotografen der vergangenen beiden Jahrhunderte haben Blumen, Obst und Gemüse als Stillleben festgehalten. Die Ausstellung zeigt die klassischen Bilder, aber auch etliche unerwartete oder weniger bekannte arbeiten. Zu den originellsten gehören die Fotografien des deutschen Künstlers Karl Blossfeldt, dessen Ausbildung in einem Eisenwerk ihn offenbar für schmiedeeiserne Formen von Ranken, Stängeln und Blüten empfänglich machte. Er fand die reine Geometrie in Samen, scharf geschwungenen Dornen oder den hängenden Köpfen verwelkender Glockenblumen."

Weiteres: Rose-Maria Gropp berichtet in der FAZ mit großer Skepsis von einem Fund der italienischen Kunsthistorikerin Annalisa Di Maria, die eine Zeichnung von Leonardo da Vinci entdeckt haben will und darin eine Studie zu Leonardos wahrem "Salvator Mundi" ausmacht. Das 450-Millionen-Dollar-Bild, mit dem der saudische Kronprinz seine Yacht ziert, hält Di Maria dagegen für eine Fälschung, wie wir erfahren. In der FAZ-Serie zu historischen Ausstellungen erinnert sich Patrick Bahners an die Schau "Naum Gabo - Sechzig Jahre Konstruktivismus" von 1986 in der Berliner Akademie der Künste.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.11.2020 - Kunst

Ganz hervorragend findet Kerstin Holm in der FAZ die Schau "Die Avantgarde auf dem Bauernwagen ins 21. Jahrhundert" in Jekaterinenburg, fürchtet aber, dass es mit der klugen und kritischen Kunst im Jelzin-Zentrum bald ein Ende haben könnte: "Denn die in New York ausgebildete Sibirierin Dina Sorokina, die als Direktorin die Unabhängigkeit des Zentrums verkörpert, wird zum Ende dieses Jahres, in dem Präsident Putin die Jelzin-Verfassung von 1993 faktisch demontieren ließ, ihren Posten abgeben." FAZ-Kritiker Paul Ingendaay hat zwar schon genug von digitalen Kulturangeboten, aber für den Portikus der Kathedrale von Santiago de Compostela macht er eine Ausnahme: Eine App ermöglicht, das Werk des Meister Mateo aus nächster Nähe zu bewundern. In der taz unterhält sich Steffen Siegel mit dem Kunsthistoriker Ulrich Domröse, der dreißig Jahre lang die Fotografische Sammlung der Berlinischen Galerei leitete.
Anzeige

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.11.2020 - Kunst

Bild: Ewa Juskiewicz: Sisters (after Anton Graff). Öl auf Leinwand. 2014.

Coronasicher sind die Gesichtsbedeckungen auf den derzeit in der New Yorker Gagosian Gallery ausgestellten Porträts der polnischen Malerin Ewa Juskiewicz garantiert. Im Artnews-Interview mit Claire Selvin erklärt die polnische Malerin, weshalb sie die Gesichter der Frauen in ihren im Stil europäischer Porträts des 18. und 19. Jahrhunderts gehaltenen Gemälden verschleiert: "In diesen Gemälden möchte ich, indem ich ein Porträt verdecke oder modifiziere, die bekannte Ordnung stören und das einheitliche und konservative Bild weiblicher Schönheit zerschlagen. Durch eine Metamorphose der klassischen Gemälde ändere ich ihre Interpretation und provoziere neue, alternative Assoziationen. In meinen Gemälden schaffe ich durch die Gegenüberstellung scheinbar unvereinbarer Elemente neue, surreale Bilder, die hybride Charaktere sind, die mehrdeutige, oft verstörende oder groteske Assoziationen hervorrufen. Durch die Verflechtung von Elementen, die sich auf den Kanon und die Tradition beziehen, mit Elementen, die der Natur und den Sinnen entstammen, möchte ich den Ausdruck, die Emotion und die Vitalität freisetzen, die zuvor durch die Konvention verborgen waren."

Frederik Bazille: "Sommerszene". Quelle: Wikipedia

Es ist höchste Zeit, dem französischen Maler Frederic Bazille auch hierzulande eine Retrospektive zu widmen, meint Peter Kropmanns in der FAZ. Denn dem jungen Maler, der mit Monet, Renoir und Sisley befreundet war, hätte eine große Karriere bevorgestanden, wäre er nicht vor 150 Jahren im Alter von nur 28 Jahren im deutsch-französischen Krieg gefallen: "Im täglichen Miteinander und bei gemeinsamen Aufenthalten in der Normandie oder am Wald von Fontainebleau schuf Bazille Landschaften und Stillleben, Akte und Interieurs, Porträts, Selbstbildnisse und Figurenbilder. Monet malte er als von ihm improvisiert verarzteten Rekonvaleszenten im Bett, Renoir porträtierte er mit an die Sitzfläche eines Stuhls hochgezogenen Füßen. Als Modelle dienten daneben Familienmitglieder, eine Blumen arrangierende Schwarze oder Männer, die fischen oder baden. Dabei blitzen Reminiszenzen an Alte Meister oder zeitgenössische Idole auf. Mediterranen Überschwang dämpft protestantischer Glaube."

Weiteres: Das monopol-magazin empfiehlt zwölf aktuelle Galerie-Ausstellungen.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.11.2020 - Kunst

Therese aus dem Winckel, Selbstporträt 1867. Foto: Wikipedia
In der FAZ schreibt Patricia Klessen über die Dresdner Künstlerin Therese aus dem Winckel, die heute kaum jemand kennt und die sich auch selbst als Frau nicht für bedeutend genug hielt, ihre eigene Sprache beim Malen zu entwickeln. Sie beschränkte sich auf das Kopieren und blieb dabei ganz Kind ihrer Zeit: "Ende des achtzehnten Jahrhunderts im Zeitalter der Aufklärung herrschte noch immer die Überzeugung vor, dass übermäßige weibliche Einbildungskraft schädlich sei und gar zu Missbildungen bei Föten führen könne. Originell und genial zu sein war überwiegend Männern vorbehalten. Besonders im Verlauf des nächsten Jahrhunderts verfestigten sich die bürgerlichen Geschlechtscharaktere, die Frauen und Männern bestimmte Aufgaben und Sphären zuwiesen. Dass Frauen reproduktive Arbeit leisteten, nämlich Kinder zu gebären, war der Grund, sie auch auf andere für Pflege und Erhaltung zuständige Felder zu verweisen. Die Kopierkunst wurde dabei mit Rückgriff auf Geschlechtscharaktere als Äquivalent zur naturgemäßen Bestimmung der Frau betrachtet."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.11.2020 - Kunst

Flora, nach Art des Leonardo. Foto: Daderot / Wikipedia unter cc-Lizenz
1909 kaufte Wilhelm von Bode, damals Direktor der Berliner Gemäldesammlungen, im englischen Kunsthandel für 8000 Pfund eine Flora-Büste, felsenfest überzeugt, diese sei von Leonardo da Vinci, obwohl dessen Werkverzeichnis keine Skulpturen aufweist. Bis heute konnte die Authentizität der Büste weder bewiesen noch widerlegt werden, erzählt in der Welt Hans-Joachim Müller, der zur Geschichte der Büste eine unterhaltsame Arte-Doku von Margarete Kreuzer empfiehlt. Bode kommt darin natürlich vor, zwei mögliche Kunstfälscher namens Albrecht Dürer Lucas und Richard Cockle Lucas sowie jede Menge "Professores" und ein Teilchenbeschleuniger. Am Ende bleibt das Rätsel ungelöst, aber macht nichts, meint Müller, auf die lächelnde Flora blickend: "Das wahre, nie lösbare Rätsel ist eben doch, wie es dieser Künstler geschafft hat, mit seiner unglaublichen Personeneinfühlung einen Figurentypus zu schaffen, der seine Zeit verzaubert hat und alle Zeiten nach ihm verzaubern wird."

Weiteres: Ingeborg Ruthe betrachtet für die FR Christoph Brechs neue Kirchenfenster für die Heilig-Kreuz-Kirche in München-Giesing - lange vor Corona entworfen -, die in der Apsis aus Lungenflügeln bestehen: "Es ist ein schönes, starkes, tröstliches Kunstwerk - diese Hunderte von blauen Lungenflügelpaaren aus mundgeblasenem Neuantikglas, die in ihrer gotischen Form mit den Engelsflügeln der gotischen Hochaltarfiguren der katholischen Kirche korrespondieren und eine nach oben schwebende, leichte, mal opake, mal transparente und so geradezu transzendente Wirkung erreichen." Im Guardian empfiehlt Leslie Felperin Eric Brickers Filmdoku über den amerikanischen Architekturfotografen Julius Shulman.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.11.2020 - Kunst

Donna Ferrato: Minneapolis 1987. Karens Lebensgefährte wird von einem Polizisten abgeführt. Ihre Tochter, hatte die Polizei gerufen, als sie ihre Mutter auf dem Badezimmerboden fand. Karen erstattete keine Anzeige.


Die UN haben den 25. November Zum Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen erklärt. Im Guardian spricht Guy Lane mit der amerikanischen Fotografin Donna Ferrato, die sich seit vierzig Jahren für Frauenrechte einsetzt und ihre Bilder auch der UN zur Verfügung stellt: "Es macht einem Angst: Wenn die Polizei kommt, weiß man nie, wie sie sich verhalten wird. Die meisten Frauen wollen ja nicht, dass ihr Mann zu Tode kommt, sie wollen nur, dass er aufhört, ihnen weh zu tun. Aber wenn die Polizei kommt, geht die Gewalt oft erst richtig los. In diesem Land können die Leute der Polizei wenig trauen. Schlimme Dinge passieren. Wir müssen die Polizei besser ausbilden, so dass sie wissen, wie sie Männer aus der Situation herausbekommen."


Weiteres: Über die Einladungen zur Documenta, die gerade an zahlreiche KünstlerInnen verschickt wurden, sollten sich die EmpfängerInnen besser nicht freuen: Es sind Fälschungen, wie ZeitOnline noch etwas trocken meldet. Auf Hyperallergic empfiehlt Rea Mcnamara nachdrücklich Hito Steyerls Podcast "Nachts im Museum", der über die Schließung ihrer Ausstellung "We will survive" im Düsseldorfer K21 hinwegtrösten muss. Allerdings läuft morgen schon die letzte Folge. In der SZ berichtet Catrin Lorch, dass die 42.000 Akten der "Vermögensverwertungsstelle" der Brandenburger Finanzbehörden jetzt der Provenienzforschung zugänglich gemacht werden sollen.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.11.2020 - Kunst


Walter Womacka: Am Strand, 1962. Hans Ticha: Kartenspielendes Paar am Strand, 1969. Bilder: Kleine Galerie Eberswalde

Von einer sehr interessanten Ausstellung berichtet Ingo Arend in der taz: Die Kleine Galerie in Eberswalde zeigt den "Staatskünstler" Walter Womacka, verantwortlich für den Brunnen der Völkerfreundschaft am Alexanderplatz oder das Haus des Lehrers, zusammen mit Hans Ticha, der sich im Prenzlauer Berg von der offiziellen Linie fern hielt: "Das Gegenstück zu Womacks berühmtem Paar am Strand heißt bei ihm 'Kartenspielendes Paar am Strand' und stammt aus dem Jahr 1969. Statt der Idylle Womackas, das zukunftsfrohe Paar züchtig in Freizeitkleidung, sieht man ein weniger wohlproportioniertes Paar in Badehose und Bikini, welches gelangweilt Karten spielt. Tichas Figuren orientierten sich an der Bildsprache der Neuen Sachlichkeit, an Oskar Schlemmer und der Pop-Art. Mit seinem Bild  'Der Trommler' von 1981 treibt Ticha seine Abstraktion auf die Spitze. So wie er menschliche Gliedmaßen mit Fahne und Trommel kombiniert, löst sich das hohle Pathos des Systems in unverbundene Bruchstücke auf - aus Agitprop (Agitation und Propaganda) wird eine Art desillusionierter Agit-Pop."

Amoako Boafa: Red Ruby. Bild: Rubell Museum

Im Standard erzählt Amira Ben Saoud vom irrsinnigen Aufstieg des ghanainischen Malers Amoako Boafo, der bis voriges Jahr noch ein Student an der Akademie der bildenden Künste in Wien war und heute schon im Guggenheim hängt. Tolle Bilder, meint sie, eine Kombination aus stolzer Blackness, Verletzlichkeit und Egon Schiele: "Doch hat das aktuelle Interesse, besonders in den USA, für die Kunst afroamerikanischer und afrikanischer Künstler auch eine besorgniserregende Seite: Artflipper, also Menschen, die Kunst meistens um läppische Preise direkt aus den Ateliers vielversprechender Künstler kaufen, um sie möglichst schnell mit maximalem Profit bei Auktionen zu verheizen, rochen den Braten. Die Spekulation, die mit den Werken schwarzer Künstler gerade getrieben wird, veranlasste zum Beispiel Christie's bei seiner Online-Verkaufsausstellung 'Say It Loud (I'm Black and Proud)', den Käufern Verträge vorzulegen, mit denen Artflipping verhindert werden soll. Käufer mussten zustimmen, dass sie die erworbenen Werke für die nächsten fünf Jahre nicht bei Auktionen veräußern. Mit dieser Praxis sah sich auch Boafo konfrontiert, oder befeuerte sie." Im Februar ließ er sein eigenes Bild "The Lemon Bathing Suit" für 813.000 Euro kaufen.

In der FAZ rekapituliert Patrick Bahners den Rechtsstreit um vier Mondrian-Gemälde, die im Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museum prangen, obwohl der damalige Direktor Paul Wember nie klären konnte, wie er nach dem Krieg an diesen Schatz gelangt ist. Nun fordert der Mondrian Trust die Herausgabe der Werke: "Die Stadt Krefeld lehnt alle Verhandlungen mit den Erben ab, obwohl sie die Gründe, auf die sie ihren Eigentumsanspruch stützt, schon mehrfach korrigieren musste. Alles, was Stadt und Museum je zu den tatsächlichen Umständen von Vorgeschichte und Geschichte des sogenannten Fundes ausgeführt haben, ist entweder nicht zu halten oder nicht zu belegen. Wember behauptete, dass die Bilder schon zum Vorkriegsbestand des Museums gehört hätten. Dass sie in keinem Inventar erwähnt werden und anscheinend nie im Museum gezeigt wurden, erklärte er damit, dass sie 'vergessen' worden seien. 1973 schrieb er in einem Abriss der Geschichte seines Hauses: 'Der Verfasser hat sie erst 1950 unter merkwürdigen Umständen gefunden.'"

Weiteres: Marlene Militz annonciert in der taz die faire Kunstaktion, bei der am Wochenende Bilder von Berliner Künstlerinnen und Künstler versteigert werden, um ihnen direkte Einnahmen zu ermöglichen.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.11.2020 - Kunst

In der Haltung zur Gegenwartskunst manifestieren sich oft gesellschaftliche Spaltungen erkennt Christian Saehrendt in der NZZ und verteidigt die Freiheit der Kunst gegen rechte Populisten und Identitätslinke: "Vielleicht sollte man sich an dieser Stelle in Erinnerung rufen, dass eine weitreichende Autonomie der Kunst nicht nur den Kunstschaffenden nutzt, sondern der Gesellschaft insgesamt. Analog zur Freiheit der Wissenschaft und zur Meinungsfreiheit sollte auch die bildende Kunst als Experimentiergelände für Ideen und Problemlösungen erhalten bleiben, als gesellschaftliches Forum, wo Streit, Widerspruch, Vielfalt von Meinungen, zugleich aber auch Toleranz und Dialogfähigkeit erprobt werden können. Kunst sollte der Entfaltung freier Individuen dienen können, denn Kunst ohne Freiheit ist keine Kunst mehr, sondern nur noch Dekoration."

Weiteres: In der FAZ-Reihe zu historischen Ausstellungen erinnert der frühere Direktor des Hamburger Bahnhofs, Eugen Blume, an seine liebste Ausstellung, die von Ydessa Hendele kuratierte Schau "Partners (Teddy Bear Project)" von 2003 in München. Besprochen werden die Ausstellung "Remember September" in der Zwinger Galerie (Tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.11.2020 - Kunst

Holland Cotter stellt in der New York Times den Künstler und Filmemacher Sky Hopinka vor. Hopinka ist Mitglied der Ho-Chunk-Nation. "Seine Mutter war Tänzerin; sein Vater, Mike Hopinka, ist ein Ho-Chunk-Songwriter und Sänger. Das früheste der vier kurzen Videos im Bard Museum handelt von ihm. Es wurde 2015 gedreht und trägt den Titel 'Jáaji Approx' (Jáaji ist eine direkte Anrede des 'Vaters' in der Ho-Chunk-Sprache). Das Video ist als eine imaginäre Autoreise durch den amerikanischen Westen oder Mittleren Westen gerahmt. Der Künstler und sein Vater sind die angenommenen Passagiere, und der Soundtrack für ihre Reise ist eine Reihe von Tonbandaufnahmen, die der Künstler von seinem Vater gemacht hat, der singt oder über den Gesang spricht. ('Das Ziel ist es, den Tänzer zum Tanzen zu bringen.') In Interviews hat Herr Hopinka darüber gesprochen, dass er sich während seiner Kindheit von seinem Vater distanziert gefühlt hat. Und im Video hören wir ihn, wie er kühl die Lieder kommentarlos mit Datum und Uhrzeit vorstellt. ('Jáaji's Aufnahmen, 22. Dezember 2007'). Aber er scheint auch stillschweigend eine Bindung anzuerkennen, und sei es nur in der Tatsache, dass beide Männer am meisten zu Hause sind, wenn sie - zusammen oder allein - unterwegs sind."

Hier der Kurzfilm:



Weiteres: In der Berliner Zeitung berichtet Harry Nutt, dass es vor den Ölanschlägen auf der Berliner Museumsinsel bereits einen ähnlichen Anschlag im Potsdamer Schloss Cecilienhof gab, der jetzt erst bekannt wurde. In London sind auch die Galerien geschlossen, dafür gibt's jetzt den Artists Walk, für den Künstler in London ihre Werke in die Fenster ihrer Häuser hängen, berichtet Hannah Jane Parkinson im Guardian. Beate Scheder macht für monopol virtuell wie physisch einen Rundgang durch die Galerien, die an der abgesagten Art Cologne teilgenommen hätten. Nicola Kuhn unterhält sich für den Tagesspiegel mit dem Galeristen David Zwirner über die US-Wahl, Trump und den Rassismus auch in der Kunstwelt. Die Neue Nationalgalerie, die gerade renoviert wird, wird nicht wie vorgesehen im Dezember, sondern vermutlich erst nächsten August eröffnen, meldet der Tagesspiegel. Jason Farago berichtet in der NYT vom ersten Asia Society Triennial für zeitgenössische Kunst in New York. Roberta Smith begutachtet für die NYT die neue Hängung der Sammlung in 20 Räumen des MoMA. Bei Hyperallergic erzählen Künstler, mit welchen Kunstwerken sie in Quarantäne gehen. Monopol gibt Streamingtipps für acht Kunstfilme am Wochenende.

Besprochen werden die Ausstellung zum Thema Tod im Verein Berliner Künstler (Tagesspiegel), eine Ausstellung blinder Fotograf:innen im Berliner Fotoraum Fhoch3 (taz) und Elisa Macellaris Biografie der Künstlerin Yayoi Kusama als Graphic Novel (Hyperallergic).