Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Kunst, Ausstellungen, Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.12.2018 - Kunst

Walton Ford: Nila, 1999-2000. Bild: Kasmin Gallery

Als großen Naturalisten des 21. Jahrhunderts feiert Lucy Jakub den amerikanischen Maler Walton Ford, dessen Schau "Babary" in der New Yorker Kasmin Gallery gezeigt werden: "Ford interessiert sich nicht einfach für die natürliche Welt, sondern wie Menschen sie sich angeeignet haben, dokumentiert und ausgebeutet, und wie die verschiedenen Arten mythologisiert wurden, selbst als viele von ihnen bereits aus der Wildnis verschwunden waren. Walton Ford malt Bilder über Bilder von Tieren. Seit den neunziger Jahren beschäftigt sich Ford mit der Natur-Obsession des 19. Jahrhunderts, als die Berge vor Löwen wimmelten und der Himmel vor Vögeln. Auch ich mag die Werke dieser Obsession sehr gern, die Versuche anatomischer Präzision, die charmanten Feldbeobachtungen. Die vermittelte Freude, eine Art zum ersten Mal gesehen zu haben. Und doch ist es heute unmöglich, auf diese Bilder zu blicken, ohne auch die Kosten zu sehen: Die gierige Aneignung exotischer Arten und Kulturen, die Jagd nach Profit, und das sorglose Unterschätzen unserer Fähigkeit, ganze Populationen auszulöschen, die zu verehren wir behaupten. Diese Widersprüche gehen bei Ford nicht verloren. Er meistert die üppige Ästhetik seiner Vorgänger, bringt aber auch die Absurdität und den Wahnsinn - und den Sex und die Gewalt - zurück in dieses ansonsten gesäuberte Genre."

Lorenzo Lotto: 'Portrait of a Woman inspired by Lucretia', um 1530. Bild: National Gallery

Die so innige wie melancholische Porträtkunst des Lorenzo Lotto bekommt SZ-Kritikerin Kia Vahland in einer großen Ausstellung in der Londoner National Gallery in London zu sehen. Den Renaissancemaler unterscheidet von seinen Zeitgenossen, wie Vahalnd schreibt, dass er gerade nicht in den großen Zentren malte, sondern von Venedig in die Provinz zog: "Vielleicht hatte Lotto in Venedig nicht dauerhaft Fuß gefasst. Vielleicht aber fühlte er sich in der Provinz freier, seinen eigenen Stil durchzusetzen. Hier nämlich bestimmten nicht Dogen, Kirchenherren, international vernetzte Kaufleute die Agenda der Kunst. Stattdessen kamen Goldschmiede, Mönche, Anwälte in Lottos Atelier. Die Mittelschicht der Renaissance also, die nun, nachdem Porträts auch in Italien in Mode gekommen waren, gemalt werden wollte, für die Ehre und für die Nachfahren... Man wüsste gerne, wie genau die Männer und Frauen reagiert haben, als sie sich plötzlich mit Lottos Augen sahen. So fahl. So entrückt. Und so alleingelassen mit der Welt, die mit funkelnden Halsketten, teuren Textilien, Büchern, Pelzen ausstaffiert ist, und trotzdem suchenden Seelen scheinbar kein Zuhause zu bieten vermag."

Besprochen werden die allseits gefeierte Anni-Albers-Ausstellung in der Londoner Tate Modern, die zuvor im Düsseldorfer K20 weithin ignoriert worden war (NZZ), eine Ausstellung "Pieces of You Are Here" der Fotografin Lorna Macintyre in der Dundee Contemporary Arts (Guardian), die Schau "Women Power Protest" im Birmingham Museum (Guardian), die Ausstellung "Berlin in der Revolution" im Museum für Fotografie (FR) und die Ausstellung "Zwischen Ideologie, Anpassung und Verfolgung" zu Kunst im Nationalsozialismus in Tirol im Innsbrucker Ferdinandeum (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.12.2018 - Kunst

Martha Rosler: Cleaning the Drapes. Aus der Serie: House Beautiful: Bringing the War Home, c. 1967-72. © Martha Rosler.

Ein echtes Aha-Erlebnis hat Welt-Kritikerin Gesine Borcherdt in Martha Roslers Schau "Irrespectiv" im Jewish Museum in New York. Denn die Ausstellung zeigt ihr nicht nur die Werke einer großen feministischen Konzept-Künstlerin, nein sie ist viel mehr, insistiert Borcherdt: "Sie ist Zeugnis eines grandiosen Scheiterns der Kunst angesichts einer knallharten Realität - und zugleich Beweis für ihre unbändige Kraft, immer wieder aufzustehen. Seit den frühen Sechzigerjahren seziert Rosler Konsum, Krieg, Medien, Rassismus und Sexismus in messerscharf pointierten Collagen, Filmen und Installationen. Das Amerika von Donald Trump: Es war nicht ahnbar, als sie damit begann, Fotos von Opfern des Vietnamkrieges in die sauberen Wohnzimmer-Werbebilder der weißen Mittelschicht zu kleben. Und doch ist es heute, als hätte sich nichts geändert."

Weiteres: In Berlin hat das Guangdong Times Museum auf der Potsdamer Straße eine Dependance eröffnet, das im aus dem südchinesischen Guangzhou von Times Property betrieben wird, einem der größten chinesischen Immobilienentwickler, berichtet Julia Gwendoly Schneider in der taz. Aber die chinesischen Käufer scheinen noch nicht in Berlin zu sein: Christiane Meixner berichtet im Tagesspiegel von der Abschiedsaustellung "The Times they are A-Changing" der Galerie Bastian, die von Berlin nach London zieht: "Trotz oder wegen des Brexits, so ganz mag sich Aeneas Bastian da nicht festlegen."

Besprochen werden des Schweizer Malers Cuno Amiet im Kunstmuseum Solothurn (NZZ) und Nives Widauers Ausstellung "Blanche" im Weißen Haus in Wien (Standard).
Stichwörter: Rosler, Martha

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.12.2018 - Kunst

Woher stammt unsere Sammlung? Das Afrika-Museum in Tervuren gibt Antwort


Rüdiger Schaper begutachtet für den Tagesspiegel das renovierte Afrika-Museum im belgischen Tervuren. So richtig zufrieden ist er nicht: "Es wurde einiges unternommen. Belgische Staatsbürger mit afrikanischem Hintergrund erzählen auf Videos von ihrem kulturellen Erbe. In einem anderen Raum werden Probleme nachhaltiger Landwirtschaft und Energiegewinnung angesprochen, drückende Zukunftsfragen. Die belgische Kolonialgeschichte wird nicht unterschlagen, auch nicht das Horrorregime Leopolds II. Doch das Grauen wirkt einsortiert in Schubladen, angerissen auf Schrifttafeln, repräsentiert durch dieses und jenes Museumsstück. In den alten Räumen, die weitgehend im ursprünglichen Zustand belassen sind, reihen sich Kolonialpolitik und Kriege ein ... Alles old school. Nicht alles falsch, aber belastet. Auch das Berliner Museum für Naturkunde wartet auf seine gründliche Überholung. Tervuren ist ein Beispiel dafür, was man machen kann in einem alten Gemäuer: oder auch nicht."

Oskar Kokoschka, Time, Gentlemen Please, 1971/1972, Tate Gallery, © Fondation Oskar Kokoschka / 2018 ProLitteris, Zürich. Foto: Tate, London 2018
Philipp Meier besucht für die NZZ die große Oskar-Kokoschka-Retrospektive im Kunsthaus Zürich. Ist der überhaupt noch relevant, hat er sich vorher gefragt. Aber klar, lernt er, "Kokoschka, das ist das europäische Dilemma, wie wir es heute erleben ... Kokoschka wusste, was es heisst, Populismus in seiner dunkelsten Ausformung zu erleben. Er war 'entarteter' Künstler. Und im Londoner Exil kämpfte er gegen den Nationalsozialismus Deutschlands - mit bissig-satirischen Bildern sowie in Schriften und Vorträgen. Wie seine vielen Bilder von Städten und Landschaften zeigen, war Kokoschka als Vielgereister in ganz Europa vor allem auch ein Verfechter eines antinationalistischen Europäertums." Daneben stellt das Centre Dürrenmatt in Neuenburg stellt das bildnerische Werk des Schriftstellers neben Mythen-Bearbeitungen Oskar Kokoschkas, meldet Roman Bucheli.

Weitere Artikel: Ralf Beil, Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg, wurde entlassen, meldet der Tagesspiegel: Warum, wurde nicht bekannt, doch "wird darüber spekuliert, ob das mit Beils programmatischer Ausrichtung zu tun hat. Träger des Kunstmuseums Wolfsburg ist die Kunststiftung Volkswagen. Für den Herbst 2019 hatte Beil eine Ausstellung 'Oil. Schönheit und Schrecken des Erdölzeitalters' in Planung; als kritische Auseinandersetzung mit dem Autozeitalter und seinen Auswirkungen." Die Künstlerin und Professorin Hito Steyerl ist zwar bekannt dafür, die oftmals fragwürdigen Finanzierungsmethoden von Kunst zu thematisieren. In ihrer Zusammenarbeit mit der Sammlerin Julia Stoschek ist sie aber zu weit gegangen, kritisiert Paul Buckermann im Freitag. Denn Stoscheks Geld stammt aus dem Automobilzulieferer und Rüstungsbetrieb im Dritten Reich Brose.

Besprochen werden außerdem eine Installation von Leo Asemotas und Nástio Mosquitos im Frankfurter Portikus (FR), eine virtuelle Rekonstruktion der vom IS zerstörten Stätten von Mosul, Aleppo, Palmyra und Leptis Magna im Institut du Monde Arabe in Paris (FR) und die Ausstellung "Inky Bytes. Tuschespuren im Digitalzeitalter" im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (FAZ).
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.12.2018 - Kunst

Günter Brus, Selbstbemalung I, 1964, Dommuseum Wien, Otto Mauer Contemporary. Foto: Ludwig Hoffenreich
Um Künstler als Märtyrer und die Darstellbarkeit von Wunden am Beispiel alter und neuer Werke geht es in der Ausstellung "Zeig mir deine Wunde" im Dommuseum in Wien. Standard-Kritikerin Almuth Spiegler sah nicht nur Wunden, sondern Wunder: "Künstler sind in der Darstellung von Zerstörung und Verwundung Virtuosen, denkt man nur an die lustvollen Variationen über die Märtyrertode, hier mit einer besonders drastischen Holzfigur der hl. Agatha von 1490, die ihre beiden abgeschnittenen Brüste vor sich her trägt, auf einer Bibel noch dazu. Vor ihr auf dem Boden liegt der von innen gesprengte Anzug eines Bombenentschärfers, der Künstler Anders Krisar tat das 2006/07, Antiterroreinheiten stellen schließlich die abendländischen Märtyrer von heute. Mit Bildern, soll hier bewusst werden, ist immer auch Bildpolitik gemeint."

Weitere Artikel: Freddy Langer freut sich in der FAZ, dass die Fotosammlung Kicken an das Museum Kunstpalast in Düsseldorf verkauft wird.

Besprochen werden eine Ausstellung zur Baukultur der Gotik im Dommuseum in Paderborn (FAZ), die Ausstellung "Videokunst aus dem Perlflussdelta" im vom Guangdong Times Museum eröffneten Times Art Center Berlin (taz) und eine Ausstellung mit Kinderzeichnungen von KZ-Häftlingen im Museum Burg Zug (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.12.2018 - Kunst

Elisabeth Wellershaus streift für Zeit online durch die von Angst von Jair Bolsonaro geprägte Kunstwelt São Paulos, wo gerade eine Bauhaus-Ausstellung zu sehen ist. Das ist gerade ungemütlich aktuell, meint sie: "Es geht um den Bezug der europäischen Avantgarde zur indigenen Kunst von anderen Kontinenten. Um Öffnung, Aneignung und Austausch. Im ersten Moment klingt das nach überkonstruiertem Kuratorenkonzept, im zweiten aber wirkt es gespenstisch aktuell. Die deutliche Aufwertung indigener Kunst kann in Zeiten des politisch instrumentalisierten Rassismus wie ein Statement gelesen werden. Und das Schicksal mancher Bauhaus-Künstler scheint der Situation von brasilianischen Kulturschaffenden der Gegenwart auf unheimliche Art zu ähneln. Mit Blick auf Bolsonaros 'Säuberungsdrohungen' an politische Gegner und auf seine antikommunistischen Bildungsprogramme wirken europäische wie brasilianische Vergangenheit zumindest ungemütlich nah."

Gundula Schulze Eldowy, Berlin 1987, aus dem Zyklus: Der große und der kleine Schritt (1984-1990). Staatliche Kunstsammlungen Dresden. © Gundula Schulze Eldowy, Foto: Stefanie Recsko
Unter dem Titel "Medea muckt auf" zeigt die Kunsthalle im Lipsiusbau in Dresden derzeit Werke von Künstlerinnen hinter dem Eisernen Vorhang. Diese Ausstellung war überfällig, ruft Dorothea Zwirner im Tagesspiegel, beeindruckt von der Radikalität der Arbeiten: "So wie Christa Jeitner immer gegen den Strich genäht, geknüpft und gebügelt hat, erscheint die oftmals weiblich konnotierte Materialität und Handwerklichkeit des Textilen keineswegs bieder und häuslich, sondern zieht sich wie ein blutroter Faden aus Schmerz, Aggression und Unbehagen durch die Ausstellung. Wie ein gehäutetes Tier oder Fetisch hängt Magdalena Abakanowiczs Textilskulptur 'Abakan Braun IV' (1969-84) von der Decke. Die unzähligen Nähte ziehen sich wie Narben über die sieben 'Identitätshemden' (1970-1980) von Ana Lupas, sodass eine Art Porträtreihe versehrter Identitäten entsteht. Reliefhafte Stoffbilder von Adriena Šimotová stellen das 'Weinen' (1974) und die 'Nahe Entfernung' (1978) eines Paares in den blassen Farben stiller Trauer dar."

Besprochen werden weiter eine Ausstellung der britischen Künstlerin Sofia Hultén in der Maschinenhalle der Kindl-Brauerei in Berlin-Neukölln (Tagesspiegel), chinesische Videokunst im Times Art Center Berlin (Berliner Zeitung), eine Ausstellung mit Landschaftsmalerei von Heinrich Reinhold in der Hamburger Kunsthalle (Zeit) und eine Schiele-Ausstellung im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.12.2018 - Kunst

Der Online-Pranger des Zentrums für politische Schönheit ist - unter fadenscheinigen Begründungen - wieder abgestellt, doch in der NZZ lässt sich Daniel Haas nicht so leicht besänftigen. Ihm geht die neue politische Aktionskunst total gegen den Strich: Die Aufmerksamkeit geht weg vom Konfliktstoff hin zu einer Gruppe narzisstischer Volkspädagogen. Überhaupt sei die Ästhetik dieser Kunstkollektive stark von Aktionismus und Stalinismus geformt: "Unterdrückung, Überwachung, Verleumdung, das sind die Stilmittel der neuen Kreativität. Wer heute hip und erfolgreich sein will, macht es wie der Despot: Er drangsaliert ein ausgesuchtes Opfer so lange, bis genügend Gaffer und Mitwisser versammelt sind und die Stimmung reif ist für einen Schauprozess. Das ist dann der Höhepunkt der künstlerischen Leistung: die öffentlich vermarktete, medial befeuerte Bloßstellung. Diese Kunst macht alle - die Journalisten, die Zuschauer, die Leser und die Zuhörer - zu Insassen einer Haftanstalt, deren Mauern aus Selbstgerechtigkeit und Gnadenlosigkeit errichtet sind. Da sich die tyrannische Ästhetik virtuos des Internets bedient, stehen diese Mauern nun überall. Es gibt bei dieser Art der Kunst kein Entkommen, in den Rezeptionsknast muss jeder."

Besprochen werden eine Schau des Präraffaeliten Edward Burne-Jones in der Tate Britain in London (Tagesspiegel), Albrecht Dürers Grafiken im Kupferstichkabinett der Wiener Akademie der bildenden Künste (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.12.2018 - Kunst

Heinz Braun: Im Hacketal, 1985.


Höchst vergnügt spaziert SZ-Autor Willi Winkler durch die Schau, die das Museum Fürstenfeldbruck dem urbayrischen Malerpoeten Heinz Braun widmet: "Vom Sterben und vom Leben davor handeln seine Bilder. 'Im Hacketal' heißt eins seiner schönsten, aber wer es nicht weiß, ahnt nichts Böses, nicht das Böse, das in diesem blumenreichen Tal blüht. Ein Kruzifix zerteilt das Bild diagonal, die Wunden, von Nägeln geschlagen, bluten gehörig, demütig steht Maria unterm Kreuz, und statt der anderen Leidtragenden bleckt eine Kuh die Zunge gegen den Gekreuzigten. Blasphemie? Nein, reinstes Barock, eine Vanitas-Allegorie, wenn es je eine gab, denn in der Klinik des Julius Hackethal suchte Braun Heilung, zahlte, was der gute Doktor verlangte, und malte dafür um sein Leben. Es ist das perfekte Idyll, also das Grauen."

Für Hyperallergic begleitet Naomi Polonsky die Performance-Gruppe BP or Not BP auf einer "Stolen Goods Tour" durch das British Museum, mit Aktivisten aus Australien, Neuseeland, Hawaii, Irak und dem griechischen Teil Zyperns: "Die Tour begann im Raum der Aufklärung mit einem Vortrag des Aborigines-Aktivisten Rodney Kelly, der seit zwei Jahren die Rückgabe des Gwaegal-Schilds fordert. Kelly ist in sechster Generation ein Nachfahre des Kriegers Cooman und behauptet, dass dieser Schild seinen Vorfahren 1770 von Captain James Cook geraubt wurde, während der ersten Begegnung von Briten und den indigenen Australiern an der Botany Bay. In seinem Vortrag, in den Performances mit dem Didgeridoo eingebaut waren, erklärte Kelly, dass die Restitution ein Weg wäre, um die Gewalt anzuerkennen, die Aborigines in der geschichte angetan wurde. Er erklärte auch die spirituelle Bedeutung des Gegenstands: 'Für manche Leute mag es nur ein Stück Holz sein', sagte Kelly, 'doch Aborigines sind spirituelle Menschen, für sie ist die Erde unsere Mutter'."

Weiteres: Ebenfalls auf Hyperallergic blickt die brasilianische Kuratorin Andrea Giunta auf die Mercosur Biennale unter Präsident Jair Bolsonaro. Ihre Strategie: So viel Dialog wie möglich. Für den Guardian trifft Kate Connolly mit Ai Weiwei, der eine Flagge für die Menschrechte entworfen hat (ein weißer Fußabdruck auf blauem Grund) und sich im Übrigen ziemlich bitter über die Feindseligkeit äußert, die ihm in Berlin entgegengebracht wird. Zum zweihundertjährigen Bestehen feiert der Prado in Madrid seine Sammlung mit einer opulenten Schau, und NZZ-Kritikerin Uta Reindl lässt sich von den Ikonen der spanischen Malerei überwältigen: Velázquez und Zurbarán, Goyas "Nackte Maja" und gleich daneben Picasso Variation des Motivs.

Besprochen werden eine Ausstellung zur Wirkungsgeschichte von Ovids Metamorphosen in den Scuderie del Quirinale (SZ), Sofia Hulténs Ausstellung "Unstable Fakers of Change in Self" im Kindl Berlin (taz) und Barbis Ruders "Influenca"-Schau "Screentime" in der Neuen Galerie Innsbruck (Standard).

Stichwörter: Braun, Heinz, Restitution

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.12.2018 - Kunst

Slavs and Tatars "Sauer Power". Installationsansicht Kunstverein Hannover, 2018. Foto: Raimund Zakowski

Linke Wandzeitungskunst ist zwar nicht unbedingt Till Brieglebs Sache, aber der Schau "Sauer Power" des "Slavs and Tatars"-Kollektiv im Kunstverein Hannover kann er sich nicht ganz entziehen, wie er in der SZ kundtut: "Es ist diese Kombination aus Wissensdurst und Schabernack, die das Forschen und Verwandeln von 'Slavs and Tatars' zu einem Prozess werden lässt, der Neugier verdient. Hier gibt es nicht These und Resultat, kein Frömmeln vor Modephilosophen oder Belehrungswut mit linken 'Post'-Präfixen. Es ist ein spröder Humor verschrobener Forscher im Designkleid auf der Suche nach Textschmetterlingen im Dschungel der Zeichen."

Weiteres: Im Standard schreibt der Schriftsteller Mario Schlembach über die in der Otto-Muehl-Kommune am Friedrichshof und in Portugal aufgewachsene Fotografin Vilma Pflaum. Georg Imdahl war für die FAZ auf der Schanghai-Biennale "Proregress: Art in an Age of Historical Ambivalenz". Eva Karcher beobachtet für den Tagesspiegel auf der Art Basel in Miami Beach große Wertsteigerungen bei Arbeiten afroamerikanischer KünstlerInnen.

Besprochen werden die große Ausstellung zu amerikanischr Kunst vor 1945 "Es war einmal Amerika" im Kölner Wallraf-Richartz-Museum (Welt) und die Marcel-Duchamps-Schau in der Stuttgarter Staatsgalerie (FAZ).
Stichwörter: Slavs And Tatars

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.12.2018 - Kunst

Wie man mit der kolonialen Vergangenheit nicht umgehen sollte, lernt Jörg Häntzschel in der SZ im belgischen Tervuren, wo heute nach fünf Jahren das Afrikamuseum wiedereröffnet wird. Allzu viel hat sich nicht geändert, seit Leopold II. sein Museum über Afrika 1898 als Showroom für seine kongolesische Privatkolonie eröffnete, stellt Häntzschel fest: Gebäude und große Teile der Innenausstattung stehen unter Denkmalschutz. Am "qualvollsten" scheint ihm der Saal, der sich mit der Kolonialzeit beschäftigt: "Statt die Geschichte in der Zeit vor der Kolonialisierung beginnen zu lassen, um dann vom Grauen zu erzählen, das Belgien über das Land brachte, beginnt die Erzählung mit dem Grauen, um dann die Entwicklung hin zur Unabhängigkeit 1960 nachzuzeichnen, fast eine Erfolgsgeschichte. Die Gewaltexzesse damals sind alle benannt, man zeigt die Ketten und Folterwerkzeuge und Fotos von den zur Strafe abgeschlagenen Händen, doch es bleibt immer ein Vorbehalt. 'Hunderttausende, vielleicht sogar Millionen starben', heißt es immer wieder, obwohl der Konsens bei um die zehn Millionen liegt, etwa die Hälfte der Bevölkerung. Und lasst uns nicht die Fortschritte im Gesundheitswesen vergessen, und bei der Bildung!"

Zu Unrecht wird der japanische Fotograf Nobuyoshi Araki auf seine Kinbaku-Fotografie, jene Bilder von gefesselten und nackt von der Decke hängenden Frauen reduziert, meint im Monopol-Magazin Silke Hohmann, die sich anlässlich der heute eröffneten Araki-Ausstellung im c/o-Berlin mit dem Fotografen in Japan getroffen hat. In Japan werde Bildern mit erotischen Inhalten schon immer "die gleiche Kunstfertigkeit und Wertschätzung zuteil wie Landschaftsansichten oder Stillleben", schreibt sie. Und Araki erklärt: "Es bin nicht nur ich, der von Kinbaku fasziniert ist, sondern es sind mehr und mehr auch die Frauen, die von mir gefesselt und so fotografiert werden wollen. Lady Gaga zum Beispiel kam zu mir und wollte, dass ich sie fessele. In solchen Situationen denke ich manchmal, dass ich eigentlich von ihnen gefesselt werde."

Weitere Artikel: In der taz erzählt Marlene Militz die Geschichte von "Mandu Yenu", jenes Throns der von Sultan Njoya von Bamun vor 110 Jahren Kaiser Wilhelm II. unter etwas anderen Umständen geschenkt wurde, als das Ethnologische Museum in Berlin glauben machen will. "Großartige" und innovative Kunst von afrikanischen Künstlern kann man indes derzeit bei der Prizm Art Fair in Miami sehen, wie Monica Uszerowicz auf Hyperallergic schreibt.

Besprochen wird eine Tintoretto-Doppelschau in Venedig (Tagesspiegel), die Art Basel (Tagesspiegel, FAZ) und die Ausstellung "Unheimlich real. Italienische Malerei der 1920er Jahre" im Museum Folkwang, Essen (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.12.2018 - Kunst

Kaspar König hat es gewagt, in einem Gespräch mit drei Künstlern, die Arbeit der Künstlerin Cana Bilir-Meier zu kritisieren. Daraufhin brach ein Shitstorm los, weil König angeblich rassistisch gewesen sei, so Bilir-Meier auf Twitter. Catrin Lorch zuckt in der SZ die Schultern. König habe zwar große Verdienste um die zeitgenössische Kunst und der Vorfall war vielleicht nicht mal rassistisch, aber er zeige doch, dass die Kunstszene Mandarine wie König nicht mehr akzeptiere, "wenn sich Gäste wie Bilir-Meier unwohl fühlen. ... Der Fall König zeigt, wie schnell jemand, der sich immer an der Spitze sah, plötzlich allein dasteht." Die Kammerspiele haben sich eilig entschuldigt, König hat sich auch entschuldigt, die Empörten sind immer noch beleidigt. Wer wissen will, warum, kann sich hier ein Video das ganzen Gesprächs ansehen.

Deutschlandfunk Kultur annonciert ein Gespräch mit Bilir-Meier mit der Unterzeile: "Bei einer Diskussionsrunde der Münchner Kammerspiele irritierte der Kurator Kasper König jüngst mit rassistischer Wortwahl". Was König rassistisches gesagt hat, wird nicht erklärt. Bilir-Meier macht aber gleich das ganz große Fass auf: "'Der Rassismus ist Teil unser Gesellschaft und kein Ausrutscher oder ein falsches Bewusstsein. Das ist eine konstitutive Funktion in unserer Gesellschaft. Das heißt, er bestimmt Denken und Fühlen.' ... Es müsse jetzt über eine Empörung hinausgehen, hin zu strukturellen Veränderungen. 'Und da geht es darum, wer die gut bezahlten Jobs bekommt und wer hat prekäre Jobs.'"

Weiteres: Karim El-Gawhary besucht für die taz die Baustelle für das neue Große Ägpytische Museum neben den Pyramiden von Gizeh.

Besprochen werden eine Ausstellung zu 100 Jahren Frauenwahlrecht mit dem fragwürdigen Titel "Damenwahl!" im Historischen Museum Frankfurt (FR) und die große Bruegel-Schau im Kunsthistorischen Museum in Wien (FAZ).