Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Kunst, Ausstellungen, Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.10.2018 - Kunst

Thierry Geoffroy / Colonel: Is Art the Last Bastion for Uprise, Venice 2015-2017

Überwältigend findet Christian Hillengass die große Schau "Konstruktion der Welt" in der Kunsthalle Mannheim, die Kunst und Ökonomie der Jahre 1919 bis 1939 und 2008 bis 2018 in den Blick nimmt und damit an die bahnbrechende Mannheimer Ausstellung "Neue Sachlichkeit" von 1925 anknüpft. Den ersten Teil findet Hillengass besonders stark: "Da wanken etwa Juri Pimenows gespenstische Kriegsinvaliden, in Karl Hubbuchs Lithographien flackern irre Räusche und menschliche Schattenseiten auf und Otto Dix' Streichholzhändler sitzt hilflos in der Gosse. Oskar Nerlinger feiert dagegen die moderne Stadt mit Funkturm und Hochbahn durch saubere Linien und eleganten Schwung, wie es auch Berenice Abbotts Fotografien von den Konstruktionen der neuen Hochbauten tun. Die Ökonomisierung aller Lebensbereiche war durch die rasante Entwicklung der Technik mächtig vorangeschritten, die Faszination daran ergriff auch die Künstler. Ingenieuren gleich konstruieren sie ihre Bilder - so, als bauten sie mit an der schönen neuen Welt."


Sarah Lucas: "Tracey", 2018 und Egon Schiele: "Kauernder Mädchenakt", 1914. Bilder: Leopold-Museum, Wien

Laut lachen musste Standard-Kritiker Roman Gerold in der Schau "reloaded", mit der das Wiener Leopold-Museum zum hundertsten Todestag Egon Schiele würdigt: Sie stellt den Bildern des Expressionisten feministische Gegenwartskunst gegenüber beziehungsweise an die Seite: "Inmitten von Akten Schieles sitzt da eine Frauenfigur mit wurstförmigen Gliedmaßen, die eigentlich ausgestopfte Nylonstrumpfhosen sind. Statt eines Kopfes wachsen der Guten Hasenohren, die sich in ihrer schlauchigen Form nur unwesentlich von den üppig vorspringenden Brüsten unterscheiden... 'Bunnies' nennt Sarah Lucas diese Objekte. Sie sind eines ihrer Markenzeichen und angetan, den männlich-objektivierenden Blick auf die Weiblichkeit unzweideutig anzuklagen. Wozu braucht die Frau einen Kopf? Was ist die Frau mehr als ein Teil des Mobiliars? Im kuriosen Zusammenspiel mit Schieles Akten lenkt so ein 'Häschen' den Blick zum Beispiel darauf, dass den Frauenfiguren des Expressionisten dann doch eine gewisse Kraft zur Selbstbehauptung innewohnt: Immerhin haben diese durchwegs einen Kopf und können den Blick des Betrachters erwidern."

Besprochen werden die Ausstellung "Anschluss" der Wiener Künstlerin Tatiana Lecomte, die im Lentos in Linz Methoden der Erinnerungsarbeit erkundet (Standard), die Klimt-Ausstellung im Kunstmuseum Moritzburg in Halle (SZ), die Ausstellung "Amour" zur Kulturgeschichte der Liebe im Louvre-Lens (FAZ), Birgit Klebers Fotoporträts in der Kommunalen Galerie Berlin (Tagesspiegel).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.10.2018 - Kunst

Otto Müller: Zwei Mädchen, 1925 (Ausschnitt). Bild: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Jörg P. Anders  

Sehr instruktiv findet Ingeborg Ruthe, wie der Hamburger Bahnhof mit der Ausstellung "Maler, Mentor, Magier" die Zeit des Brücke-Malers Otto Müller an der Breslauer Akademie nachzeichnet. Dass Müller Frauen und jüdisches Leben in den Zeichensaal holte, imponiert Ruthe, und auf den Maler lässt sie eh nichts kommen: "Vor allem Mädchen und junge Frauen waren seine bevorzugten Modelle. Er malte und zeichnete sie gleichsam als Beschwörungen einer paradiesischen, von den Verwerfungen der Moderne unberührten - also idealisierten - Welt. So ganz außerhalb der kaputten und selbstzerstörerischen Zivilisation. In Muellers Bildern gibt es nichts Schroffes, Hässliches, Abstoßendes, auch nichts Starres.". Tagesspiegel-Kritikerin Nicola Kuhn beschwert sich allerdings über die Unübersichtlichkeit.

Weiteres: Sehr harsch geht Zachary Small auf Hyperallergic mit der Schau "Everything Is Connected: Art and Conspiracy" im New Yorker Met Breuer ins Gericht, die das selektive Denken noch eine Windung weiterdrehe, ganz so als wären Verschwörungstheorien nur ein ästhetisch-visuelles Motiv.

Besprochen werden die spektakuläre Foto-Sammlung der Royal Photographic Society, die das Londoner Victoria and Albert Museum vor zwei Jahren vom Science Museum übernommen hat (FAZ), die Otto-Müller-Ausstellung "Maler. Mentor. Magier." im Hamburger Bahnhof in Berlin , Berliner Zeitung), die große Bruegel-Schau in Wiens Kunsthistorischem Museum (NZZ) und die Ausstellung "Medeas Liebe" im Frankfurter Liebighaus, bei der auch Georgiens Goldschatz zu sehen ist (SZ).
Stichwörter: Müller, Otto, Georgien

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.10.2018 - Kunst

Das Theater von Leptis Magna in Libyen. Bild Insitut du Monde Arabe

Zum Weinen schön findet Martina Meister die Ausstellung "Cité Millenaires" im Pariser Institut du Monde Arabe und ist sich sicher, dass sie Geschichte schreiben wird: Sie lässt in 3D die zerstörte Stätten des Weltkurturerbes von Aleppo, Palmyra, Mossul und anderen wiederauferstehen: "Den Auftakt macht die irakische Stadt Mossul. Es fühlt sich an, als flöge man drüber: Auf einer enormen Leinwand breitet sich das Bild der zerstörten Stadt aus, Tausende Bilder wurden aufgenommen mit Drohnen, wenige Wochen nach der Befreiung der Stadt, im Auftrag der Unesco. Zu sehen sind zerbombte Häuser, Krater, Ruinen, dazwischen das, was bleibt vom Leben. Mossul ist nicht tot, aber liegt einem zu Füßen wie ein verwundeter Körper. Die Knochen gebrochen, die Narben tief. Man muss sich dieses Erlebnis wie den Besuch eines 3-D-Kinos vorstellen, nur dass man nicht über Berge oder Vulkane fliegt, sondern über eine zerstörte Stadt im Irak. Im Vogelflug erreicht man die Al-Nourri Moschee, deren Turm fehlt. Plötzlich baut er sich wie durch Geisterhand wieder auf, er zeichnet sich in das Stadtbild hinein, so wie er vor der Sprengung aussah."

Weiteres: Der Standard meldet den Tod des spanischen Malers Eduardo Arroyo. Besprochen werden eine Ausstellung des Fotografen Nihad Nino Pušija über die lebenswelten europäischer Roma in der Berliner Galerie im Körnerpark (Tagesspiegel) und die Gruppenausstellung "Aktive Asche" im Bärenzwinger im Köllnischen Park in Berlin (taz).
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Stichwörter: Institut Du Monde

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.10.2018 - Kunst

Paul Gauguin: La Rade de Saint-Pierre vue de l'anse Turin, 1887. Bild: Wikipedia / Glyptothek Kopenhagen

Als schöne Übung in Ambivalenz feiert Alexander Menden die große Schau zu Paul Gauguin und Charles Laval im Amsterdamer Van-Gogh-Museum. Reinste Kolonialistenromantik seien die Bilder der beiden Maler aus Martinique, und doch großartig: "Frauen im Gespräch oder durch Plantagen schlendernd, alles durchströmt von träger Gelassenheit. Die Diskrepanz dieser Eingeborenenromantik zur Realität war gewaltig: Neunzig Prozent der Bevölkerung von Martinique waren Nachfahren afrikanischer Sklaven. Die porteuses, die in Gauguins und Lavals Landschaften so malerisch Obst auf dem Kopf tragen, verrichteten tatsächlich Knochenarbeit... All das macht die Ausstellung deutlich, zugleich wird aber auch nachvollziehbar, welch zentrale Bedeutung die Zeit in der Karibik für den neuen malerischen Gestus hatte, mit dem beide nach Paris zurückkehren sollten: die Strukturierung von Pflanzen und Menschen in Farbflächen, die durchgeformte Ästhetik der Landschaften."

In der SZ stellt Alex Rühle den Fotografen Andreas Magdanz vor, der sich als Forensiker versteht und mit seinen Studendeten der RWTH Aachen den "Totschlag am Hambacher Forst" untersucht: "Dann sieht man wunderschöne Arbeiten aus dem Forst selbst, dessen Bäume ja teilweise 350 Jahre alt sind. Wald ist schwer zu fotografieren, sagt Magdanz. Wie findet man in diesem Durcheinander der Stämme und Äste den richtigen Ausschnitt, das passende Licht? Und wie soll man die Tiefe dieses Raums auf einem planen Foto festhalten?"

Weiteres: Im Standard spricht Sebastian Pohl, Leiter des Münchner Kunstvereins Positive Propaganda, über Banksy und Street Art, den Markt und den "Straßenstrich der Kunst". Besprochen werden eine Ausstellung des oppositionellen DDR-Künstlers Klaus Hähner-Springmühl im Museum der bildenden Künste in Leipzig (FAZ) und eine Schau des Antwerpener Künstlerkollektiv A37 90 89 im NBK in Berlin (Tagesspiegel).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.10.2018 - Kunst

Silvana Cenni by Felice Casorati, 1922, tempera on canvas, 205 x 105 cm
Faszinierende Entdeckungen macht Alexander Menden in der SZ im Folkwang Museum, das sich in der Ausstellung "Unheimlich real" italienischer Malerei der zwanziger Jahre widmet. Nicht immer war die Haltung jener Künstler zum Faschismus eindeutig, so Menden, meint aber: Lieber nicht "zu sehr auf den konzeptionellen Überbau, sondern auf einzelne Künstler wie Felice Casorati" schauen: "Der - später von den Faschisten verhaftete und in Mauthausen ermordete - Kunstkritiker Raffaello Giolli beschrieb dessen Kunst sehr treffend so: 'Die Volumina haben kein Gewicht, die Farben keinen Körper. Alles ist fiktional, nichts steht fest oder ist endgültig.' Man findet diese verstörenden Eigenschaften in Casoratis 'Silvia' wieder, dem lebensgroßen Porträt einer sitzenden Frau, die gesenkten Blicks an einem mit einem Teppich bedeckten Tisch lehnt."
 
Weitere Artikel: Die Käuferin, die Banksys "Girl with Balloon" für 1,2 Millionen Euro bei Sotheby's ersteigerte, will das Werk trotz Banksys Schredderaktion (Unser Resümee) erwerben, meldet Zeitonline. Warum gibt es kaum Nietzsche-Denkmäler, fragt Christian Saehrendt in der NZZ: "Es umgibt ihn bis heute eine schillernde Aura, er gilt als schwieriges Erbe. Dazu trägt die Tatsache bei, dass er gelegentlich von nihilistischen Gewalttätern als Pate aufgerufen wird, so beispielsweise 1999 von den Highschool-Amokläufern von Columbine oder 2011 von dem norwegischen Terroristen Anders Breivik."

Besprochen werden die Ausstellung "Walter Ophey. Farbe bekennen" im Düsseldorfer Museum Kunstpalast (FAZ) und die Helen-Levitt-Ausstellung in der Wiener Albertina (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.10.2018 - Kunst

Tamara de Lempicka: Les Deux Amies, 1923. Bild Association des Amis du Petit Palais, Geneve / Barbican Centre

Moderne Kunst
und moderne Liebe gehen Hand in Hand, lernt Guardian-Kritikerin Hettie Judah in der Ausstellung "Modern Couples" im Londoner Barbican Centre: "Die Ausstellung revidiert die allgemein akzeptierte Geschichte der modernen Kunst, in der männliche Künstler ihre Partnerinnen in den Schatten stelten, homosexuelle Paare übersehen und gemeinschaftliches Arbeiten vergessen wurde. 'Modern Couples' erkundet die Beziehung zwischen künstlerischen Menschen. Sie zeichneten, malten, fotografierten und schwärmten voneinander, besonders in Phasen des amourösen Rauschs, wenn der Körper des anderen ein erotisch höchst aufgeladenes Gebiet ist. Auf dem Höhepunkt ihrer Beziehung zu Auguste Rodin schuf Camille Claudel zarte Modelle von Paaren in inniger Umarmung. Georges Platt Lynes fotografierte Monroe Wheeler nackt und herrlich dösend auf den zerknitterten Laken eines zerwühlten Betts. Salvador Dalì und Federico García Lorca tauschten missgelaunt-leidenschaftliche Briefe aus."

Sehr instruktiv findet taz-Kritikerin Julia Gwendolyn Schneider die Ausstellung "Touch" in der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst in Berlin, die in vielfältiger Hinsicht Berührungen in der Kunst in den Blick nimmt. "Das Streichen über einen Touchscreen kommt der Geste des Streichelns recht nahe. Dabei kann die Urerfahrung des Streichelns in eine ökonomische Strategie überführt werden, die Nutzer stärker an Waren bindet als das umständliche Tippen auf Tasten. In seiner zweiteiligen Videoarbeit 'What Shall We Do Next?' (2007-2011 und 2014) geht Julien Prévieux auf die Geschichte der Patentierung physischer Gesten ein, wie das Wischen und Heranzoomen. Die Arbeit betont, wie Gesten zu kommerzialisierten Normierungsapparaten werden, die die menschliche Kommunikation mit Displays steuern."

Weiteres: Tagesspiegel-Kritikerin Elke Buchholz erlebt mit der Schau "Through a Forest Wilderness" den Düppeler Forst als Wildnis, Atelier und Galerie.

Besprochen werden die Ausstellung "Eco-Visionaries" im Haus für elektronische Künste in Basel, in der die Grenzen von Kunst zur medial aufbereiteten Wissenschaft fließen werden (NZZ) und eine Ausstellung der Fotografin Katharina Sieverding in Palermo (Tagesspiegel).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.10.2018 - Kunst

Anni Albers: Camino Real, 1969. The Josef and Anni Albers Foundation / Tate Modern


Im Guardian jubelt Adrian Searle über die grandiose Anni-Albers-Schau, die bei ihrer Station im Düsseldorfer K20 viel zu wenig Aufsehen erregte, nun aber in der Londoner Tate zu sehen ist: "Selten kommt man mit soviel Auftrieb, Freude und Lust aus einer Ausstellung wie aus dieser zu Anni Albers. Ihre Kunst befriedigt das Auge und den Geist, und wenn man sie berühren dürfte, würde sie dies auch mit dem Tastsinn tun. Man möchte das Flechtwerk fühlen, mit den Finger über die Fransen und die stolzen Fäden streichen, über Festes und Lockeres und in ihren Webarbeiten die Unterschiede spüren zwischen Weich und Drahtig, Metallisches und Kunststoff. Viellleicht spielt auch der Geruch eine Rolle, aber eher in der Vorstellung. Sinnlichkeit - die ans Sexuelle grenzt - und geometrische Strenge, Ähnlichkeit und Abweichung, Vergnügen, die sich wiederholen sollen, ziehen sich in dieser Albers-Ausstellung durch ein Lebenswerk."

Besprochen werden die Schau "Phantastisch!" zum Archiv des Universalkünstlers Alfred Kubin im Münchner Lenbachhaus (SZ) und die Ausstellung der südkoreanischen Künstlerin Lee Bul im Berliner Gropiusbau (taz).
Stichwörter: Albers, Anni

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.10.2018 - Kunst

Der Kunsthistoriker Christian Saehrendt plädiert in der NZZ dafür, ausrangierte Kunstwerke zu entsorgen, anstatt sie verschämt in Depots zu lagern: "Merkwürdig ist, wenn man sich unter Museumsleitern umhört: Das unaufhörliche Wachstum der Depotbestände wird dort offenbar gar nicht als Problem betrachtet, sondern als Naturgesetz angesehen: Alles wird eben immer mehr. Offenbar möchte niemand als Barbar erscheinen, der vom Wegwerfen von Kunst redet. Wie unfein! Damit werden die Probleme aber nur in die Zukunft verschoben, wenn Entscheidungen über das Aussortieren unumgänglich werden. Denn: Nichts ist konstant in der Kunstgeschichte und auf dem Kunstmarkt, weder die Preise noch die Wertschätzung."

Pieter Bruegel d. Ä.: Bauernhochzeit, um 1567, Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie. © KHM-Museumsverband

Als Jahrhundertausstellung feiert nun auch Gottfried Knapp in der SZ die große Pieter-Bruegel-Schau im Kunsthistorischen Museum in Wien (mehr hier). Dem Flamen Bruegel verdankte die Renaissance eine ganz neue Tiefe in der Darstellung von Menschen und Landschaften: "Pieter Bruegel, der wahrscheinlich bereits mit 45 Jahren starb, hat als Menschen-Kenner und -Beobachter nicht nur der Landschaftsmalerei völlig neue Inhalte vermittelt, er hat auch die gängigen Genres seiner Zeit mit elementarer Menschlichkeit aufgeladen und zu Sinnbildern des irdischen Daseins verdichtet, die unsere Psyche bis in die schmutzigsten Winkel ausleuchten. Der Lebensroman, den er zu erzählen hatte, beginnt mit den 'Kinderspielen' und 'Sprichwörtern', den Wimmelbildern, in denen die Höhen und Niederungen des menschlichen Denkens und Trachtens mit anthologischer Gründlichkeit und feinen ironischen Spitzen dargestellt sind.

Weiteres: In der NZZ schreibt Ai Weiwei zur Frage was es heißt, ein Mensch zu sein. Marlen Hobrack berichtet in der taz von einer Diskussion zur Freiheit der Kunst im Kunsthaus Dresden. FR-Autor Julius Tamm besucht im Fotografie Forum Frankfurt eine Ausstellung zu junger georgischer Fotografie.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.10.2018 - Kunst

Banksys "Girl with Balloon". Foto: Sotheby's
Bei einer Auktion bei Sotheby's hat Banksy, kurz bevor der Hammer fiel und sein Bild des Mädchens mit dem Luftballon für eine Million Pfund verkauft werden sollte, das Werk per eingebauten Mechanismus geschreddert: In der Welt ist sich Fréderic Schwilden jetzt absolut sicher, was Banksy wirklich ist: "Er ist der miesgelaunte Kolumnist der Kunstwelt." Und mehr noch: Ein Zeitgeistversteher. Auch in der SZ glauben Alex Rühle und Laura Weißmüller, dass Banksy mit dem Coup weniger den Kunstmarkt vorgeführt als ihn vielmehr clever bedient hat. Im Tagesspiegel findet Rüdiger Schaper die Aktion gelungen: "Sie zeigt mit anarchischem Humor, dass Kunst nur buntes Papier ist, wie Geld." Außerdem seien die Schnipsel jetzt das Doppelte wert.

Weiteres: taz-Kritikerin Brigitte Werneburg erlebt auf der Expo Chicago, wie sich der Kunstmarkt jetzt auf schwarze KünstlerInnen stürzt. Niklas Maak besucht für die FAZ das Berliner Zentrum für Zeitgenössische Künst in der alten Kindl-Brauerei in Neukölln, wo der Bildhauer Thomas Scheibitz seine Installation Plateau mit Halbfigur zeigt.
Stichwörter: Banksy, Neukölln

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.10.2018 - Kunst

Lotte Laserstein: In meinem Atelier, 1928. Foto: Lotte-Laserstein-Archiv / Städel Museum
Sind die derzeit im Frankfurter Städel ausgestellten Arbeiten von Lotte Laserstein eine Entdeckung wert, fragt Till Briegleb in der SZ. Stilistisch erscheint ihm ihr Werk recht "konservativ", eher Sozialistischer Realismus als Neue Sachlichkeit: "Aber Lotte Lasersteins genaue Beobachtung menschlicher Ruhe und Entspanntheit, die das psychologische Grundmuster ihrer Motivauswahl anfänglich zu bilden scheint, liefert im Gegensatz zur staatlichen Auftragsmalerei keinerlei Pathosformeln. Laserstein ist in den späten Zwanziger Jahren nach ihrem Abgang von der Akademie 1927 interessiert an einer Natürlichkeit, die nicht mehr zeigen will als etwas erhofft Selbstverständliches - das Leben nach eigenem Willen. Aber dann beginnt sich mit dem steigenden Bedrohungspegel in der Gesellschaft auch in Lasersteins Gesichtern und Posen die Angst und das Unbehagen einzuspielen."

Omar Ba, Au commencement, 2018, Mixed media, oil, pencil, acrylic, gouache on craft paper with polyester.
Für die NZZ reist Brigitte Ulmer zur sechsten Ausgabe der 1-54 Contemporary African Art Fair nach London, um festzustellen: Afrikanische Kunst gibt es nicht, wohl aber gemeinsame Themen afrikanischer Künstler, etwa "das Lavieren in einem Raum zwischen Fantasie und Realität, das Verhandeln einer postkolonialen Perspektive, die Konstruktion von Identität, das Zelebrieren eines subversiven Humors als Form von Widerstand." Zum Beispiel im Werk des Senegalesen Omar Ba: "Von einer Reichhaltigkeit an Materialien, Techniken und Referenzen zeugt die vielschichtig-ornamentale Malerei des in Genf lebenden Senegalesen Omar Ba. Meist auf gewöhnliches Packpapier oder Plastik gemalt, werfen diese Kunstwerke Fragen nach Herkunft und Zugehörigkeit auf."

Weitere Artikel: Fasziniert hat sich Nicola Weber im Standard phallische Skulpturen, Sex Machines und "kollaborative Pornos" in der Ausstellung "Sex" im Innsbrucker Taxi Palais angesehen: "Der Wille zu einer echten Auseinandersetzung ist ihr durchgängig anzumerken, nie wird sie voyeuristisch oder sensationslüstern." Von der 33. Biennale in Sao Paulo, die aktuell unter dem Motto "Affective Affinities - Gefühlsverwandtschaften" stattfindet, hätte sich taz-Kritiker Ingo Arend angesichts der bevorstehenden Wahlen in Brasilien, die dem rechtspopulistischen Kandidaten Jair Bolsonaro 20 Prozent der Stimmen prophezeien, mehr Gegenwind gewünscht. Mit Blick auf die Wiedereröffnung von Eduardo Chillidas Skulpturenpark im baskischen Hernani und der geplanten Ausstellung im Wiesbadener Museum ist Nicola Kuhn im Tagesspiegel schon mal nach Spanien gereist, um mit den Söhnen des Bildhauers über dessen Werk und die geplanten Ausstellungen zu sprechen. Besprochen wird die Ausstellung "Zarte Männer in der Skulptur der Moderne" im Berliner Georg Kolbe Museum (FAZ).