Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Musik

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.03.2017 - Musik

Im Quietus-Interview von Lucia Udvadyova setzt sich der Ambientmusiker Sam Kidel damit auseinander, ob das oft als Berieselung abgetane, oft funktionelle Ambient-Genre auch einen subversiven Widerhaken aufweist (siehe dazu auch Daniele dell' Aglis Perlentaucher-Essay "In der Sonospäre"): "Die Beziehungen zwischen Affekt, Intimität und Behaglichkeit in Ambient Music und Muzak, sowie deren Inanspruchnahme im Dienst des Kapitalismus sollten dekonstruiert und kritisch reflektiert werden. Können wir uns Brian Enos 'Music for Airports' anhören, ohne Flughäfen zu romantisieren und den ungleichberechtigten und unbehaglichen Fluss an Leuten und Kapital, die sie repräsentieren? Gibt es eine Stelle für Ambient Music, die den üblichen Gedankenfluss zerreißt und eine kritische Reflexion der Allgegenwärtigkeit kapitalistischer Beziehungen in jedem Raum, in dem wir uns bewegen, begünstigt? ... Wie klingt antikapitalistische Ambient Music?"

Einen ersten Ausblick darauf bietet diese Hörprobe aus Kidels "Disruptive Muzak":



Weiteres: Für die SZ porträtiert Jonathan Fischer die Sängerin Valerie June, die die Ästhetik alter Folk- und Bluesmusik mit zeitgenössischem R'n'B kreuzt. Und in Spin erzäht Andy Cush die ziemlich kuriose Geschichte des öffentlichkeitsscheuen Gitarristen Billy Yeager, von dem kaum jemand je etwas gehört hat, der aber im Verdacht steht, die Sammlerpreise seiner Aufnahmen aus den 80ern eigenständig in die Höhe zu treiben.

Besprochen werden eine Ausstellung zur Geschichte der elektronischen Musik im Berliner Musikinstrumenten-Museum (Berliner Zeitung), ein Auftritt von Ed Sheeran (Welt), ein Mendelssohn-Konzert des Freiburger Barockorchesters (NZZ) und Günther Anders' "Musikphilosophische Schriften - Texte und Dokumente" (SZ).

Außerdem jetzt online: Eine Aufnahme des Mahler-Konzerts des hr-Sinfonieorchesters unter Andrés Orozco-Estrada vom 10. März:



Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.03.2017 - Musik

In der taz porträtiert Tabea Köbler den Experimentalmusiker Alvin Lucier, der beim 30-stündigen Abschluss der Berliner MaerzMusik mit einer "intensiven Zufallssinfonie aus Feedback und psychoakustischen Phantomtönen" auftrat: Lucien geht es um "Nichtbeeinflussung und Absichtlosigkeit", schreibt Köbler. "Es interessiert ihn nicht, sich auszudrücken; er sucht nach dem Ausdruck des Klangs selbst: 'Man sollte nicht eingreifen. Man überlässt den Klang für eine Weile sich selbst, und etwas Wunderbares wird passieren. Es ist, als würde man in einem Wald auf ein Tier warten. Man muss ruhig verharren, sonst taucht es nie auf.'"

Der vor zehn Jahren verstorbene, russische Cellist Mstislaw Rostropowitsch gilt als politisch engagierter Humanist. Zu seinem heutigen neunzigsten Geburtstag erinnert der aserbaidschanische Komponist und Journalist Elmir Mirzoev, der selbst aus seiner Heimat fliehen musste, im Tagesspiegel allerdings auch daran, dass der in Baku geborene Rostropowitsch politisch nicht frei von Fehlern war. So suchte er etwa die Nähe zum aserbaidschanischen Despoten Heydar Aliyev: "1997 lud Aliyev Mstislaw Rostropowitsch zu dessen 70. Geburtstag in sein Heimatland ein. Die Rückkehr des weltberühmten Sohns von Aserbaidschan wurde pompös gefeiert, mit einem 'Volksfest' zu Ehren des Großen von Baku. Kinder trugen Trachtenkostüme, traditionelle Sänger priesen ihn als Freund von Aliyev, dem Maestro wurden Orden verliehen."

Weiteres: Tilman Krause sichtet für die Welt die Bestände von Johann Sebastian Bachs Bibliothek, die in Eisenach rekonstruiert wurde und ausschließlich aus religiöser Literatur besteht. Martina Läubli porträtiert in der NZZ die Jazzsängerin Elina Duni. Freitag-Autorin Christine Käppeler besucht mit den Musikerinnen von Schnipo Schranke die Dresdner Ausstellung "Scham - 100 Gründe, rot zu werden".

Besprochen werden Arturo Toscaninis zu dessen 150. Geburtstag herausgegebenen "Essential Recordings" (Zeit), das neue Album von Candelilla (SZ), ein Konzert des Rundfunk-Sinfonieorchesters unter Vladimir Jurowski (Tagesspiegel), ein Konzert des hr-Sinfonieorchesters mit dem Pianisten Yefim Bronfman (FR), das Comeback-Album von The Jesus and Mary Chain (FR, Welt) und Glenn Goulds Goldberg-Variationen (Pitchfork).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.03.2017 - Musik

Für die taz spricht Jan Paersch mit Patrick Wagner, der um 2000 mit seiner Band Surrogat und dem Label Kitty-Yo den Soundtrack zu Berlin wiedererwachender Mitte geliefert hatte, dann in Pleite und Versenkung verschwand und sich jetzt mit seiner neuen Band Gewalt zurückmeldet. Den Business-Winterschlaf hat er zur Reflexion genutzt, erfahren wir: "Ich hatte immer Jochen Distelmeyer von Blumfeld vor Augen. Der war immer relevant, aber als er Vater wurde, hatte er auf einmal nichts mehr zu sagen. Das wollte ich nie. Ich hatte immer Angst, dass meine Musik nicht gut ist. Ich wollte Wucht haben, nicht selbstreferenziell sein. ... Ich habe immer gesagt: Wenn ich wieder eine Band mache, muss die Gewalt heißen. Um mich selbst vor Mittelmäßigkeit zu schützen. Man kann nirgendwo hinschielen, unter dem Namen kann man kein mediokres Stück machen. Es ist von einer gewissen Entschlossenheit durchdrungen, auch bei den Texten. Das ist ein Filter für uns selbst." An Wucht lässt es das aktuelle Video der Band jedenfalls nicht mangeln:



Weiteres: Das neue Album der Spoons lässt den beträchtlich enthusiasmierten SZ-Kritiker Torsten Groß "fast wieder an die Kraft des Rock'n'Roll" glauben. Für The Quietus spricht Karl Smith mit der Noise-Künstlerin Pharmakon. Auf Deutschlandradio Kultur spricht Technokünstler Wolfgang Voigt über das erste Album seines Ambientprojekts Gas seit 17 Jahren. Corina Kolbe (NZZ) und Dieter David Scholz (NMZ) schreiben über den Dirigenten Arturo Toscanini, der heute vor 150 Jahren geboren wurde. Nadine Lange (Tagesspiegel), Jürg Zbinden (NZZ), Marcus Weingärtner (Berliner Zeitung) und Dietmar Dath (FAZ) gratulieren Elton John zum Siebzigsten.

Besprochen werden das erste von Kirill Petrenko dirigierte Konzert mit den Berliner Philharmonikern nach dessen Berufung zu deren Chefdirigent (FAZ, SZ, mehr dazu im gestrigen Efeu), ein Smetak-Konzert des Ensemble Modern (Tagesspiegel), das Album "Room 29" von Chilly Gonzales und Jarvis Cocker (Pitchfork), ein Gesprächsband mit dem Pianisten András Schiff (FR) und ein Konzert des Oboisten Albrecht Mayer und der Musici di Roma (FR).
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Stichwörter: Patrick Wagner, Gewalt

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.03.2017 - Musik

Zum ersten Mal seit der Wahl Kiril Petrenkos vor zwei Jahren traten die Berliner Philharmoniker gemeinsam mit ihrem künftigen Chefdirigenten auf. Für Publikum und Kritik ein erster Ausblick darauf, mit was sie ab 2019, wenn Petrenko den Posten von Sir Simon Rattle offiziell übernehmen wird, rechnen dürfen: Und zwar durchaus mit einigem, wenn man den begeisterten Feuilletonisten glaubt: Von "brausendem Applaus und Ovationen" berichtet etwa Esteban Engel in der Neuen Musikzeitung und freut sich jetzt schon auf den "akribischen Notenarbeiter" und "Besessenen, der seine Musiker immer wieder auf die Probe stellt."

Peter Uehling von der Berliner Zeitung hat zwar einige kritische Anmerkungen, was die Details betrifft. Bei Tschaikowskys zum Abschluss gegebener "Pathétique" aber zeigt er sich voll versöhnt: "Petrenkos Tempomodifikationen, seine rubati etwa im abgedroschenen Seitensatz sind derart dosiert, dass darunter nie der erzählerische Zusammenhang leidet: Ausdrucksvoll ist nicht mehr der einzelne Ton, sondern der ganze Bogen. Solch einzigartige gestalterische Schönheit zeugt von einer Liebe zur Sache, die den Zuschauer direkt zu beseelen vermag."

Auch Ulrich Amling vom Tagesspiegel erlebt in diesem Schluss- und Höhepunkt, auf den sich Petrenko und die Philharmoniker erst langsam hintasteten, mindestens eine Epiphanie: Der Dirigent "fegt alle Larmoyanz aus der Partitur ... Plötzlich ist er da, ein Höllensturz von kristalliner Urgewalt. Harsch reißt er unsere Erwartungen und Hoffnungen mit sich - und öffnet so erst die Ohren für das flüchtige Wunder der Musik. Allein für diese gute Viertelstunde müsste sich jedes Orchester dieser Welt Petrenko zu Füßen legen." Dass Petrenko vor seiner Wahl erst dreimal vor den Philharmonikern stand, ließ diese Entscheidung seinerzeit manchem Kommentator "als Wagnis" erscheinen, schreibt Felix Zimmermann in der taz und vermeldet gute Neuigkeiten: "Manchmal funkt es eben schnell, und nach diesem Abend wird niemand zweifeln, dass es eine glückliche Wahl gewesen sein wird."

Weiteres: Julia Lorenz porträtiert in der taz die Popkünstlerin Mary Ocher, deren neues Album "'The West Against The People' eher einem Abgesang auf die Welt als einer Anklage gleicht." Ueli Bernays umkreist im NZZ-Essay die Frage, wie man sich als Klassikfreund zum verkitscht-pathetischen Aufgriff des Pianos in der Popmusik verhalten soll. In der SZ plaudert Andrian Kreye mit Gitarrist Carl Carlton. Für The Quietus spricht Patrick Clarke mit The Bug Vs Earth.

Besprochen werden das kollaborative Album "Room 29" von Chilly Gonzales und Jarvis Cocker (taz, mehr dazu hier), das Comebackalbum "Damage & Joy" von The Jesus & Mary Chain (The Quietus, Standard), das neue Album von Fucked Up (Pitchfork), das Album "A Crow Looked At Me" von Mount Eerie (Pitchfork), sowie Konzerte des Rotterdam Philharmonic Orchestra (FR), des Mondrian Ensembles (NZZ) und von Joja Wendt (Berliner Zeitung).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.03.2017 - Musik

Schier außer sich vor Glück ist SZ-Kritiker Julian Dörr, nachdem er das neue Album von Stephin Merritts Projekt Magnetic Fields angehört hat: Mit "50 Song Memoir" hat Merrit jedem einzelnen seiner Lebensjahre ein eigenes Lied gewidmet. Und so etwas habe es noch nicht gegeben: "Würde man nach Vergleichbarem suchen, müsste man Richard Linklaters filmische Coming-of-Age-Studie 'Boyhood' oder die Alltagsliteratur von Karl Ove Knausgård heranziehen. '50 Song Memoir' ist ein Liederzyklus, der sich weder der Nostalgie hingibt noch retromanisch die Selbst-Musealisierung betreibt. Weil 1974 hier eben nicht wie 1974 klingt, sondern so, wie 1974 klingen muss, damit Stephin Merritt seine Geschichte erzählen kann. Mit Ukulele und Trompeten. ... Aus Stephin Merritts musikalischer Autobiografie spricht dagegen die lebensverändernde Kraft der Musik." Hier eine Hörprobe:



Weiteres: Für die NZZ besucht Moritz Weber die Proben zu Martin Grubingers Schlagzeugkonzert, das Peter Eötvös komponiert hat.

Besprochen werden Lea Bertuccis "All That Is Solid Melts Into Air" (Pitchfork), Drakes "More Life" (taz, Spex), das neue Album von Spoon (Welt), das Comeback der Feelies (Standard) sowie Konzerte von Piotr Beczala (Tagesspiegel), Future Islands (Tagesspiegel), Loreena McKennitt (FR) und Judith  Holofernes (Berliner Zeitung).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.03.2017 - Musik

Für The Quietus spricht Mark Andrews mit Cristina Martinez und Jon Spencer über deren Rock'n'Roll-Band Boss Hog, die sie nach vielen Jahren Pause reaktiviert haben.

Besprochen werden Drakes "More Life" (Pitchfork), das Comeback-Album von The Jesus and Mary Chain (Berliner Zeitung), ein Konzert des Arditti Quartetts (Tagesspiegel) und ein Monteverdi-Konzert unter Andrea Marcon im Rahmen des Festivals Alte Musik Zürich (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.03.2017 - Musik


Chilly Gonzales und Jarvis Cocker (Bild: Alexandre Isard/Universal Music)

Auf ihrem Album "Room 29" erzählen der Pianist Chilly Gonzales und der Sänger Jarvis Cocker (von Pulp) Geschichten aus dem Zimmer 29 des Hotels Chateau Marmont am Sunset Boulevard, in dem die Berühmtheiten seit fast hundert Jahren ein und aus gehen. Das ist äußerst geschmeidig geworden, schwärmt Alex Rühle in der SZ: "Die Songs kommen so melodisch und eingängig daher, das fließt alles so süffigsanft in den Gehörgang, dass man zunächst gar nicht merkt, wie ausgefinkelt das Album ist: Themen, die 'Room 29' eröffnen, tauchen gegen Ende spiegelsymmetrisch wieder auf. Und als das Album einmal doch Room 29 verlässt und in die oberen Stockwerke umzieht, wo Howard Hughes einsam starb, baut Gonzales Melodien wie Wendeltreppen." Hier eine Hörprobe.

Vom mondänen Los Angeles zum Berliner Underground: Die Verweigerungsexperten Mutter veröffentlichen mit "Der Traum vom Anderssein" in dieser Woche ein neues Album. Im Freitag porträtiert Jürgen Ziemer die von poplinken Feuilletonisten gepriesene, vom Publikum jenseits von Berlin und Hamburg gemiedene Band und hat sich dafür mit Sänger Max Müller unterhalten. Für die Spex hat sich Max Dax das Album angehört: Die Songs darauf seien alle ihre Art alle "herausragend, gültig und berührend, weil sie alle genuin an der Welt und an den Menschen interessiert sind. Max Müller bringt eine Empathie zum Ausdruck, die, weil sie von teilweise verzerrter, dissonanter Musik ummantelt ist, nicht sofort als solche auffällt. Andere Songs sind fragiler, geradezu zärtlich in Dur arrangiert. Auch in ihnen findet sich diese Empathie, aber sie wirkt fast verstörend, weil die Süße des Vortrags nahe legt, dass Max Müller seine Texte vielleicht 'ironisch' oder 'sarkastisch' gemeint haben könnte." Hier eine Vorab-Hörprobe:



Besprochen werden ein Konzert von Ed Sheeran (NZZ) und ein Konzert des Pianisten Murray Perahia, dem dabei laut Reinhard J. Brembeck (SZ) "etwas Paradoxes" gelang, nämlich "die schlüssig verständliche Erzählung eines Stücks, das sich geradezu verzweifelt nach einem Jenseits von Schlüssig- und Verständlichkeit sehnt".

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.03.2017 - Musik


Chuck Berry ist gestorben - und damit "der fleischgewordene Rock'n'Roll", wie Karl Fluch im Standard schreibt. Mit seinen Klassikern "Johnny B. Goode", "Rock And Roll Music" und "Roll Over Beethoven" schuf er "drei Lieder, die die Welt verändert haben", würdigt Thomas Stillbauer den Verstorbenen in der FR. Berrys stilbildendes Gitarrenspiel war "virtuos auf eine sehr eigene, kantig unbeholfene Art", merkt Stefan Hentz in der NZZ an. Zu Berrys wichtigstem Verdienst zählt Tagesspiegel-Autor Bodo Mrozek "die E-Gitarre als das maßgebliche Instrument des Rock'n'Roll überhaupt erst etabliert zu haben." Matthias Heine macht in der Welt eine andere Leistung stärker: Berry "öffnete die Schleusen, durch die der Rhythm & Blues in den Hauptstrom des zunächst sehr weißen Rock 'n' Roll floss und diesen schwarz färbte." Berry schuf die "Ästhetik des Rock", schreibt Jens-Christian Rabe in der SZ. Diese bringe es fertig, "das Allerprofanste als quasi-religiöses emotionales Hochamt aufzuführen. Das kulturelle Klima des Westens war danach ein anderes." Wie sehr Berry am gesellschaftlichen Klima litt, fokussiert Julian Weber in der taz, der unter anderem die schlimme Lage der afroamerikanischen Bevölkerung in den 50ern hervorhebt. Weitere Nachrufe in FAZ, Berliner Zeitung und auf ZeitOnline. OpenCulture dokumentiert unterdessen, wie Chuck Berry auf die ersten Punkrock-Scheiben reagierte.



Weiteres: Für die taz porträtiert Jan Paersch den israelischen Jazzer Omer Klein, der für eine Tour nach Deutschland kommt. Jonas Engelmann schreibt in der Jungle World über den verweigerungssüchtigen Musiker Mark Wynn. In der Frankfurter Pop-Anthologie schreibt Philipp Krohn über "The Musical Box" aus der noch von Peter Gabriel geprägten Frühphase von Genesis.



Besprochen werden ein Auftritt von Depeche Mode (taz, Tagesspiegel, Berliner Zeitung), der Auftakt der Berliner MaerzMusik mit einem Julius Eastman gewidmeten Abend (Tagesspiegel, SZ), ein Konzert des Schlagzeugers Martin Grubinger (NZZ) und eine neue Platte von Judith Holofernes (Tagesspiegel).
Stichwörter: Chuck Berry, Rock N Roll

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.03.2017 - Musik

Für Vinylfreude gibt es heute um die Printausgabe der SZ kein Herumkommen: Das gesamte Buch Zwei der Wochenendausgabe ist der Renaissance des klassischen Musikträgers gewidmet. Unter anderem geht es in Andrian Kreyes großer Reportage auch um den Wert, den historisch gewachsene Plattensammlungen etwa von zentralen Hiphop-Protagonisten auch für die Forschung haben: "Einen ersten Versuch, das Erbe der DJs zu verarbeiten, gibt es schon. Die Abteilung für seltene Bücher und Manuskripte an der Cornell University in Ithaca, New York, bekam vor vier Jahren die Sammlung von Afrika Bambaataa, dem zweiten DJ im Triumvirat der Hip-Hop-Pioniere... An der Harvard University hat der Kulturwissenschaftler Henry Louis Gates Jr. das Hip Hop Archive and Research Institute gegründet, das gerade daran arbeitet, einen Kanon klassischer Vinyl-Alben zu erstellen. Kein Zweifel, Vinylplatten haben nun denselben kulturellen Status wie Bücher. Sie sind Artefakte, die Geschichte transportieren." Dazu passend spricht Frank Jödicke von skug mit dem Künstler Uwe Bressnik, der in seinen (derzeit in Wien ausgestellten) Arbeiten das Motiv der Schallplatte verarbeitet.

Weiteres: Für die Zeit heftet sich Ulrich Stock an die Fersen des israelischen Jazztrios von Omer Klein, das in seinem Heimatland wenig Aussicht auf Erfolg hat und sich deswegen auf eine internationale Karriere konzentriert. Die Zeit hat Christine Lemke-Matweys große Reportage zur Eröffnung von Daniel Barenboims Pierre-Boulez-Saal online nachgereicht. In der SZ porträtiert Sonja Zekri die Sängerin Yasmine Hamdan. Außerdem stellt Marc Vetter in der neuen Rolling-Stone-Serie über die besten Soundtracks den der italienischen Progrock-Band Goblin zu Dario Argentos Horrormeisterwerk "Suspiria" vor.

Besprochen werden der neue Konzertfilm von Rammstein (critic.de) und Spoons neues Album "Hot Thougts" (Spex). Für einen prächtigen Farbenrausch am Samstagmorgen sorgt im übrigen das neue, von der Spex präsentierte Video von Minni:


Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.03.2017 - Musik


Bild: Donald W. Burkhardt / Berliner Festspiele

Die Berliner MaerzMusik erinnert an den afroamerikanischen Komponisten Julius Eastman, dessen Leben und Werk Tabea Köbler in der taz ausführlich vorstellt. Unter anderem kommt sie dabei auch auf die Ende der 70er entstandenen Arbeiten "Evil Nigger", "Gay Guerilla" und "Crazy Nigger" zu sprechen, die Eastmans von ihm selbst als "organische Musik" bezeichneten, minimalistischen Stil illustrieren: "Kleine Motive werden motorisch wiederholt und verwandeln sich bruchlos - neue Elemente werden eingewoben, alte laufen aus. Während viele Werke bekannter Minimal-Music-Vertreter wie Steve Reich ein fast maschinengleicher Puls ausmacht, prägt diese Stücke ihre Emotionalität. Nichts wirkt abstrakt. In furioser Getriebenheit baut sich etwa 'Evil Nigger' aus einem winzigen Element zu einer dichten, gewaltigen Klangmasse auf, in der unzählige Gefühle einander zu bedrängen scheinen. Dann zählt eine Stimme: 1, 2, 3, 4 - und in einem wilden Ausbruch stürmen vier Klaviere plötzlich hervor. Sie greifen an, sie rütteln auf." Mehr zu Eastman in Tim Tetzners Spex-Artikel.

Reinhard J. Brembeck porträtiert in der SZ den Dirigenten Theodor Currentzis, der von manchen wie ein Erlöser gefeiert werde. Worin besteht aber dessen Geheimnis? Die Antwort: "Bei ihm wird weniger eine vorgefertigte Interpretationsidee realisiert, sondern die Musik in eine kommunikative Improvisation verwandelt, die dem Klassikbetrieb eine so sonst unbekannte Lebendigkeit und Aktualität zurückgibt." Zudem synthetisiere Currentzis den Westen mit dem Osten: "Europa bedeutet für ihn Aristoteles: Logik, Wissen. Der Osten aber Plato, wozu er Emotionalität, Offenheit, Religion und etwas weniger Disziplin rechnet. Und Currentzis bringt als Mediator das Beste beider Richtungen zusammen."

Weiteres: Jens Balzer rauft sich auf SpOn mächtig die Haare darüber, dass sich die Volksbühne als Premierenort für Rammsteins neuen Konzertfilm hergibt: "Das ist der komplette Konkurs einer einstmals emanzipatorischen Institution." Für taz-Kritiker Philipp Rhensius sind die klassenbewussten Sleaford Mods in gewisser Hinsicht das musikalische Pendant zu Didier Eribon. Frederik Hanssen schaut sich für den Tagesspiegel in der Welt der e-Pianos um.

Besprochen werden die neue EP "Paradise" von Anohni (Pitchfork), Wallis Birds "Home" (taz), das Zürcher Konzert der Tedeschi Trucks Band (NZZ), ein Konzert des Rappers Oddisee (Tagesspiegel), ein Auftritt von Patricia Petibon und Susan Manoff in Wien (Standard), ein Konzert des Tonhalle-Orchesters unter Jan Willem de Vriend (NZZ) und das neue Album "Spirit" von Depeche Mode (Welt, Standard, FAZ).
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