Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Musik

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.12.2018 - Musik



Auf den ersten Blick haben das gender-dekonstruierende Elektro-Projekt Planningtorock (siehe Video oben) und der alte Soul-Crooner Swamp Dogg (siehe Video unten) wenig miteinander gemein. Doch beide experimentieren auf ihren neuen Alben exzessiv und auf äußerst interessante Weise mit Autotune, schreibt Klaus Walter in der taz: Bei Planningtorock verschiebt sich die Stimme dergestalt in einen diffusen Raum zwischen den eindeutig codierten Geschlechtern, Swamp Dogg hingegen camoufliert auf dem Album "Love, Loss, and Auto-Tune"  seine Trauer um seine verstorbene Ex-Frau hinter einer digitalen Maske und beklagt die eigene schwindende Männlichkeit. "Selten war die Rede von der Dekonstruktion so angebracht wie bei 'Love, Loss, and Auto-Tune'. Selten war Musik gleichzeitig derart deprimierend wie euphorisierend. So kommt es, dass zwei der tollsten Alben des Jahres mit digitalen Pop-Technologien das ernste Spiel mit Identitäten treiben, mit den Versprechen der Metamorphosen. Und das von zwei Figuren, die unterschiedlicher kaum sein könnten."



Das neue Wunderland der klassischen Musik ist keineswegs mehr China, sondern Südkorea, erklärt Corina Kolbe in der NZZ. Nicht nur Kinder und Jugendliche aus besser gestellten Familien werden dort mit einigem Drill in den Musikunterricht geschickt. Dort geht es noch immer vor allem um "die Entwicklung technischen Könnens. Selten wird dabei die Autorität der Lehrer infrage gestellt, und Nachwuchsmusiker üben in erster Linie dafür, sich in prestigeträchtigen Wettbewerben zu platzieren. Oft lernen sie erst bei Studienaufenthalten und Meisterkursen im Ausland, kraft ihrer eigenen Fantasie einen individuellen Zugang zum Repertoire zu suchen. Umso erstaunlicher ist der internationale Siegeszug vieler südkoreanischer Künstler. Bei vielen scheint gerade die Mischung aus antrainierter Disziplin und von der Musik entfesselter Kreativität zum Erfolg zu führen", wie etwa im Fall der Sopranistin Hong Haeran.

"Singende Nemesis" oder "die deutsche Version von Andy Warhol" - beide Lesarten von Heino sind gültig, meint Jens Balzer in einem ZeitOnline-Essay zum gestrigen 80. Geburtstag des Sängers. Denn: "Zwischen diesen beiden Betrachtungsweisen gibt es keinen Unterschied. Heino ist der Prototyp einer non-binären Kunstexistenz. ... In ihm verbinden sich Traditionalismus und Postmoderne in nicht unbedingt immer behaglicher Weise."

Weitere Artikel: Taylor Swift lässt ihr US-Livepublikum per Kameras und Gesichtserkennung und im blitzschnellen Abgleich mit Stalker-Datenbanken überwachen, berichtet Simon Hurtz in der SZ. Für "harmlos und albern" hält NZZ-Kritiker Paul Jandl die satirische Kunstfigur Hyäne Fischer, die womöglich für Österreich nach Tel Aviv zum European Song Contest reisen wird. Für den Tagesspiegel hat Reinhold Jaretzky ein Gespräch mit dem Pianisten Menahem Pressler geführt, der am kommenden Sonntag seinen 95. Geburtstag feiert. Egbert Tholl stellt in der SZ das Klavier-Duo Grauschumacher vor. Im Tagesspiegel plaudert Torsten Groß mit Udo Lindenberg.

Besprochen werden ein Buch über die Beastie Boys, das Standard-Kritiker Karl Fluch mit größter Freude in die Hand nimmt, der Auftakt eines Brahms-Zyklus der Staatskapelle Berlin mit Daniel Barenboim (Tagesspiegel), Bruce Springsteens Live-Album "On Broadway" (Pitchfork), Josephine Fosters Album "Faithful Fairy Harmony" (Jungle World), ein Konzert der Wiener Symphoniker unter Lahav Shani (Standard) und zahlreiche neue Notenausgaben (NMZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.12.2018 - Musik

Das von Katja Eichinger produzierte, von zahlreichen Rem-Kohlhaas-Zitaten durchsetzte Tempers-Album "Junkspace" sollte man sich am besten in einer Shopping Mall anhören und zwar, um den vollen Genuss zu erzielen, am besten mit Noise-Cancelling-Kopfhörern, die lästige Umweltgeräusche einfach ausblenden, rät Antje Stahl in der NZZ: Dieses Album kann "nämlich jedes Einkaufszentrum in eine Kunstausstellung verwandeln. ...  Nicht unähnlich Koolhaas' Schreibduktus führen die New Yorker Jasmine Golestaneh und Eddie Cooper alias Tempers einen gut gelaunt und Track für Track durch die wichtigsten Shoppingmall-Koordinaten: Da wären die Plastikpalmen, die Rolltreppen, Springbrunnen und Klimaanlagen. Sie klingen nach Techno alter Schule, nach von Reverb getragenem Synthi-Pop, und manchmal dringen auch, gerade in der Klimaanlage, elektronische Töne Richtung Industrial durch. Alles in allem also eine wunderbare Sphäre."



Die nachwachsende junge Generation verschlufft, stellt Tagesspiegel-Kritiker Kai Müller nach dem Hören der neuen Alben von AnnenMayKantereit und Bilderbuch fest: Die Lieder der Ersteren "finden in den ungemachten Betten von Leuten statt, die lieber liegen bleiben, als die Welt zu retten. Sie verstecken sich 'hinter klugen Sätzen', ziehen 'Konsequenzen, die gar keine sind'. Mit ihrer Seele haben sie genug zu kämpfen." Ästhetisch anders als dieses "Pathos der Intimität", aber inhaltlich ähnlich gerieren sich Bilderbuch auf dem neuen Album "Mea Culpa", das "die Selbstanklage schon im Titel trägt, die direkt ins Zentrum der Seelenrettung zielt. ... Stress ist die Lieblingsvokabel der vier Österreicher. Es ist alles gelaufen, bevor man aufzustehen geschafft hat."

Weitere Artikel: Jürg Zbinden plaudert für die NZZ mit Max Raabe. In der SZ gratuliert Andrian Kreye Heino und Ted Nugent zum 80., beziehungsweise 70. Geburstag, im Filmblog Eskalierende Träume erledigt dies zumindest im ersteren Fall André Malberg mit einem geradezu episch ausufernden Essay.

Besprochen werden Freispiels neues Album "Nonsens Konsens" (taz), Marianne Faithfulls neues Album "Negative Capability" (FR), das Berliner Konzert von War on Drugs (Tagesspiegel), eine Edition mit Chic-Alben aus den 70ern (Pitchfork), ein Konzert des Ensembles Modern (FR) und Till Brönners und Dieter Ilgs Auftritt in Frankfurt (FR). Außerdem küren die Zeit- und ZeitOnline-Autoren die besten Musikveröffentlichungen des Jahres.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.12.2018 - Musik

Im Tagesspiegel erzählt Simon Rayß die Geschichte des in der DDR gegründeten Berliner Sinfonie-Orchesters (heute: Ensemble Konzerthausorchester) und von dessen Konzertreisen in den Westen. Das Orchester galt als Kulturrepräsentant des Landes, erinnert sich der frühere Soloflötist Burghard Hilse. "Aber wollten die Musiker kulturelle Botschafter des sozialistischen Staates sein? Hatten sie eine Wahl? 'In Musikerkreisen spielte der Arbeiter-und-Bauern-Staat überhaupt keine Rolle', sagt Hilse. 'Das war ja der Vorteil, wenn man es geschafft hatte, in ein solches Orchester zu kommen: dass man eigentlich vollkommen frei war.' ... Bevor die Mauer fiel, hat das BSO mehr als zwei Jahrzehnte lang die Welt hinter dem Eisernen Vorhang bereist. Diese Tourneen haben im Laufe der Zeit zwischen 20 und 30 Kollegen genutzt, um zu fliehen, schätzt Hilse. 'Es gab nicht eine Reise, wo nicht jemand weggeblieben ist.' Das gesamte Orchester zählte damals rund 120 Mitglieder."

Weitere Artikel: Das "Trans Musicales"-Festival im bretonischen Rennes fand zwar unter den Eindrücken der "Gilets jaunes"-Proteste in Frankreich statt, blieb aber, trotz verbarrikadierter Banken und patrouillerender Soldaten, friedlich, berichtet Julian Weber in der taz: Dafür gerieten die Auftritte von Mauvais Œil und Ben LaMar Gay zur "rauschenden Feier". Xavier Plus berichtet auf Skug vom  "Kick Jazz Showcase"-Festival in Wien. In der NZZ stellt Ueli Bernays die Indierock-Band Puts Marie vor. Außerdem melden diverse Medien, dass Queens "Bohemian Rhapsody" der am meisten gestreamte Song des Jahres ist.



Besprochen werden neue Bücher von Joachim Hentschel und Maik Brüggemeyer über deutsche Popmusik (Tagesspiegel), eine Compilation über die Geschichte des Emigranten-Labels Helvetia Records (NZZ), der Berliner Auftritt von The War on Drugs (taz), das neue Album von Mariah Carey (Standard), ein Konzert des Rappers Pusha T (Tagesspiegel) und neue Popveröffentlichungen, darunter Charlotte Gainsbourgs neue EP "Take 2" (SZ). Zudem veröffentlicht Pitchfork seine Liste mit den 50 besten Alben des Jahres. Auf Platz 1: "Be the Cowboy" von Mitski.

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.12.2018 - Musik

Zeit-Rezensent Wolfram Goertz schwebt im siebten Himmel, als er Paavo Järvis mit dem Deutschen Kammerphilharmonie Bremen eingespielte Interpretation von Brahms' "Erster Sinfonie c-Moll" hört: "Man erlebt förmlich mit, wie sie die Partitur befragen, Phrasen neu modellieren, den Klang lichten oder konzentrieren. Wir hören nicht weniger als das denkende Orchester. Vor allem widerlegen sie die These, dass die Historisten zwanghaft alles besonders schnell und auf Alarm gebürstet spielen. In der langsam lastenden, schwer schreitenden Einleitung gibt es nach der Pizzicato-Heimlichkeit zwei erstaunliche Wunderharmonien aus Des-Dur und Ges-Dur, die sich wie eine Muschel öffnen und wieder schließen. Über diesen Moment der Kostbarkeit, der zugleich atmet und saugt, dirigieren die meisten Dirigenten hinweg. Järvi und seine Bremer deuten ihn als Ausblick in eine Parallelwelt, als Verheißung."

Weitere Artikel: Für tazler Ulrich Gutmair stellen Bilderbuch mit ihrem neuen, überraschend im Netz veröffentlichten Album "Mea Culpa" unter Beweis, "die deutschsprachige Band mit dem größten Pop-Appeal seit Falco" zu sein. Für die SZ hat Jonathan Fischer einen Gottesdienst des früheren Soulsängers und heutigen Predigers Al Green besucht. Auf Pitchfork widmet Simon Reynolds dem verstorbenen Buzzcocks-Sänger Pete Shelley einen ausführlichen Nachruf. In der FAZ gratuliert Wolfgang Sandner dem Jazzpianisten McCoy Tyner zum 80. Geburtstag.



Besprochen werden Eleonore Bünings Buch "Sprechen wir über Beethoven" (NZZ), ein von Kirill Petrenko dirigiertes Konzert der Wiener Philharmoniker (Standard), ein neues Album von Hans Platzgumers Band Convertible (Standard), das neue Kollegah-Album, auf dem sich der Rapper laut Tagesspiegel-Kritikerin Nadine Lange "ungebrochen misogyn" zeige und zudem auf eher wirre Weise für mehr Nationalstolz plädiert, ein Konzert des Pianisten Marc-André Hamelin (SZ) und neue Klassikveröffentlichungen, darunter eine neue Live-Aufnahme der Pianistin Yuja Wang (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.12.2018 - Musik

Im Welt-Interview gestehen die Beastie Boys Martin Scholz ihre Liebe zu, ausgerechnet, James Last: Es ist vor allem "dieser unglaubliche funky Beat", mit dem Adam Horovitz diese unter hiesigen Pop-Experten per se verbotene Leidenschaft erklärt: "Auch die Cover seiner Alben sahen super aus. 70er-Jahre pur: Ein Mann mit großem Bart, Polyester-Anzug, und dazu dirigierte er in komisch-lässigen Posen und arrangierte Cover-Versionen von völlig verrückten Songs. ... Man erkennt alle Platten von ihm sofort am Cover, es sieht immer aus wie von einem Photoshop-Vorläufer bearbeitet." Und nachdem die beiden Boys am Smartphone "Put Your Hand In The Hand" rausgesucht haben, fällt Scholz vollends aus allen Wolken: "Die Beastie Boys schunkeln zu James Last! Man glaubt es ja nicht." Wir schunkeln mit (und in der Tat: was für ein sensationell scheußliches LP-Cover):



In der Zeit legt uns Mirko Weber Anja Lechners und Pablo Márquez' CD "Die Nacht" mit "extrem feinen" Aufnahmen von Schubert- und Burgmüller-Liedern allerwärmstens ans Herz: Insbesondere Burgmüllers Kompositionen machen diese Begegnung lohnenswert: "Wie auf Zehenspitzen - Burgmüller schrieb auch für die Bühne, fürs Ballett - bewegen sie sich in harmonischer Eleganz irgendwo zwischen Schubert und Mendelssohn. Ohne sich im wirklichen Leben gekannt zu haben, wirken dieser und Burgmüller wie Brüder im Geist: wenn sich an das a-Moll-Nocturne das Adagio-Lied 'Nacht und Träume (D 827)' anschließt, in dessen Viervierteltakt Pablo Marquéz einen befreienden Rhythmus einzieht, ehe Anja Lechner auf den Cello-Saiten so schön zu singen beginnt, dass man keine menschliche Stimme vermisst." Ein "meditativer Moment, der die Zeit anhält, ohne einen in Abgründe zu stürzen." Eine kleine Hörprobe:



Weitere Artikel: Manuel Brug ärgert sich in der Welt darüber, dass der Klassibetrieb die #MeToo-Anschuldigungen gegen Daniele Gatti zu weiten Teilen allenfalls achselzuckend zur Kenntnis nimmt. Im Freitag plaudert Jakob Buhre mit Alligatoah, der mit Goethe-Zitaten auf Platz Eins der Charts gekommen ist und früher viel Georg Kreisler gehört hat. Für The Quietus spricht Robert Barry mit David Hollander über die Geschichte von Library Music, über die er gerade ein Buch geschrieben hat. Malte Hemmerich berichtet für die FAZ vom "Dialoge"-Festival in Salzburg. Im ZeitMagazin träumt Mark Knopfler. Für Pitchfork holt Grayson Haver Black Sabbaths "Paranoid"-Album wieder aus dem Schrank. In der Frankfurter Pop-Anthologie schreibt Katharina Cichosch über Merle Travis' und Tennessee Ernie Fords "Sixteen Tons":



Besprochen werden die vom Ersten online gestellte, von Wim Wenders produzierte Dokumentation "It Must Schwing" über die Geschichte von Blue Note Records (FR), ein Konzert der Berliner Philharmoniker unter Valery Gergiev (Tagesspiegel), Angélique Kidjos Konzert in der Hamburger Elbphilharmonie (taz), John Cales Berliner Auftritt (taz, Tagesspiegel), ein Beethoven-Abend in Frankfurt mit der Academy of St Martin in the Fields und dem Pianisten Nelson Freire (FR) und eine 21 CDs umfassende Werkschau des Art Ensemble of Chicago, das damit sein 40-jähriges Bestehen feiert (FAZ). Außerdem gibt Pitchfork die 100 besten Stücke des Jahres bekannt - hier die Nummer Eins:

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.12.2018 - Musik



Die Popfeuilletons trauern um Punk-Urgestein Pete Shelley, der bei den Buzzcocks sang: Die spielten in ihren ersten Jahren "Songs über die elendige Langeweile oder die Freuden der Masturbation - doch anders als die anderen Punks hatte die Gruppe wenig Zerstörerisches an sich", schreibt André Boße in der Berliner Zeitung: "Die Buzzcocks hatten Bock auf Melodien, als 'Bubblegum Punk' bezeichnete man sie. ... Und genau solche Popsongs wollte er auch spielen, nur schneller. Zum Vorbild nahmt er sich die Northern-Soul-Stücke, die in seiner Geburtsstadt Wigan im dortigen Casino liefen, kurze Verliererdramen voller Trotz und Euphorie."

"Wunderbar" war Shelley, bis zuletzt sang er "wie ein junger Gott", schreibt Ulrich Gutmair in der taz: "Der Sound der Buzzcocks war geprägt gewesen von dieser hohen, hellen, frischen Jungsstimme, die so ganz anders war als die der meisten Punksänger. Nun, mit über sechzig, klang Shelley verblüffenderweise immer noch wie der junge Mann, dem wir einige der schönsten Punksongs überhaupt verdanken." Einer davon: "Ever Fallen in Love", den Gerrit Bartels im Tagesspiegel würdigt: "Der Song über die Schwierigkeiten mit der Liebe und über ihre Irrwege ist einer der besten, berühmtesten, melodiösesten und auch ikonografischsten der Punk-Ära." Wir erinnern uns gern an dieses Stück:



Weitere Artikel: Für die SZ plaudert Jan Kedves mit den verbliebenen Beastie Boys, über die dieser Tage ein (in der taz besprochenes) Buch erscheint. Besprochen werden die von Wolfgang Voigt kuratierte Compilation "Pop Ambient 2019" (Pitchfork), die Ausstellung "68 - Pop und Protest" im Kunstgewerbemuseum in Hamburg (Jungle World), Oren Ambarchis und Jim O'Rourkes Album "Hence" (Pitchfork), ein Konzert des Deutschen Symphonie-Orchesters mit Christoph Eschenbach (Tagesspiegel, nachzuhören bei Dlf Kultur), ein Mahler-Konzert des Orchesters Musicaeterna unter Teodor Currentzis (Tagesspiegel), das neue Album von The 1975 (Tagesspiegel), Hans-Eckardt Wenzels neues Album "Wo liegt das Ende dieser Welt" (Freitag), ein Liederabend mit Christian Gerhaher (Tagesspiegel) und ein Konzert der Wiener Symphoniker unter Manfred Honeck (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.12.2018 - Musik

Jens Uthoff freut sich in der taz über die Werkschau "Joe Strummer 001", die dem 2002 gestorbenen Clash-Sänger nicht allein auf seine Punkrock-Jahre reduziert, sondern "der gesamten stilistischen Palette die er als Songwriter draufhatte", sehr gerecht wird. In der Welt porträtiert Felix Zwinzscher den Rapper 6ix9ine. Die FAS hat Tobias Rüthers Gespräch mit dem verbliebenen Teil der Beastie Boys online nachgereicht. ZeitOnline meldet, dass Pete Shelley, Sänger der britischen Punkband Buzzcocks, gestorben ist.

Besprochen werden das Debütalbum von Agar Agar (taz) und das neue Album von Udo Lindenberg (Welt), sowie Konzerte von Tellavision (taz), Carolin Widmann (NZZ), Paul McCartney (Standard) und Mariah Carey (Tagesspiegel, Berliner Zeitung, SZ).

Außerdem kürt Pitchfork die besten Musikbücher des Jahres, darunter Allen Beaulieus Bildband über Prince, Vikki Tobaks visuelle Hiphop-Geschichte und eine Sammlung bislang unveröffentlichter Texte des 2017 verstorbenen Poptheoretikers Mark Fisher.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.12.2018 - Musik

Dirigent Daniele Gatti wurde vom Concertgebouw-Orchester Amsterdam nach MeToo-Anschuldigungen zwar geschasst - die Details klären derzeit die Gerichte -, wird dafür aber künftig das Orchester der römischen Oper leiten. Typisch für den Klassikbetrieb, meint Reinhard J. Brembeck in der SZ: In der Szene habe das Verdrängen solcher Missstände schließlich Tradition. "Weil Klassik noch immer gern dem Reich des Erhabenen und Hehren zugeordnet wird, weil sie unmittelbar und unter Umgehung der rationalen Kontrollmechanismen direkt auf die irrationale Gefühlswelt der Menschen durchschlägt, scheinen ihre Vertreter keine Menschen von dieser Welt zu sein und, so ein weit verbreiteter Irrtum, dürfen folglich auch nicht an den Gesetzen dieser Welt gemessen werden. Deshalb ist es in der Klassik immer einfacher, die Störfeuer aus der realen Welt auszublenden. Das ist ein unreifes, kindisches Verhalten. Man muss es hinbekommen, beim Anhören von Furtwänglers faszinierenden Kriegsaufnahmen seine Nähe zum Hitlerregime mitzudenken. So muss man sich auch entscheiden, ob man sich trotz der gegen Gatti erhobenen Vorwürfe seinen 'Rigoletto' anhört. Das erfordert eine bewusste Entscheidung und kein Verdrängen."

Weitere Artikel: Die CD tut als Medium ihre letzten Schnaufer, da wirft der Klassikbetrieb jetzt die richtig dicken Editionsbrocken mit sichtlich dreistelliger Scheiben-Anzahl auf den Markt, beobachtet Christine Lemke-Matwey in der Zeit. Jürn Kruse gratuliert in der taz Marius Müller-Westernhagen zum 70. Geburtstag und fragt sich, warum der Musiker - anders als seine Kollegen Udo Lindenberg und Herbert Grönemeyer - von der Presse eigentlich so wenig abgekultet wird. Im Tagesspiegel schließt sich Nadine Lange den Glückwünschen an. Jonas Zerweck freut sich im Tagesspiegel, dass das Berliner Festival Heroines of Sound die auf "visuelle Musik" spezialisierte Animations- und Experimentalfilmkünstlerin Mary Ellen Bute  wiederentdeckt. Hier ein Beispiel ihrer Arbeiten aus den Dreißigern:



Besprochen werden das neue Album von Anderson .Paak (SZ, mehr dazu hier), Wajeeds Album "From the Dirt" (Pitchfork), das neue Album des Jazzsaxofonisten Christoph Grab (NZZ), "Merrie Land" von The Good, The Bad and the Queen (Pitchfork), David Bowies Live-Aufnahme "Glastonbury 2000" (Pitchfork), Lily Allens Berliner Auftritt (Tagesspiegel)und die Autobiografie des Iron-Maiden-Sängers Bruce Dickinson (taz).

Außerdem kürt Pitchfork die 25 besten Musikvideos des Jahres. Auf dem ersten Platz: "Malamente" von Rosalía.

Stichwörter: Gatti, Daniele, Metoo, Klassik

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.12.2018 - Musik

In New York wird heute eine mit zahlreichen Anmerkungen und Notizen versehene Bach-Partitur aus Glenn Goulds Beständen versteigert - ein wertvolles Dokument, erklärt Helmut Mauró in der SZ: "Klar ist, dass die Noten erst nach Goulds Plattenaufnahme übermalt wurden. Es sind nicht Spielanweisungen zu Phrasierung oder Pedalgebrauch, sondern ein aus Protokollnotizen mehrerer Aufnahme-Durchgänge erstellter Plan für die Postproduktion, für den endgültigen Schnitt. Darin zeigt sich eine neue Ästhetik, die auf technischem Fortschritt beruht. Fortan ist die Aufnahmetechnik eine Kategorie künstlerischen Ausdrucks. Die Zeit war reif dafür..."

Weitere Artikel: Für die taz plaudert Natalie Mayroth mit der österreichischen Satiremusikerin Hyäne Fischer. Für das ZeitMagazin hat Christoph Dallach mit Vanessa Paradis gesprochen. Im "Remain in Light"-Blog des Standard erinnert Karl Fluch an Roy Orbison. Ekaterina Kel hat für die SZ die Proben des Münchener Kammerorchesters besucht, das in Anwesenheit des Komponisten an den Werken Helmut Lachenmanns arbeitet. The Quietus präsentiert die 100 besten Alben des Jahres - auf der Spitzenposition: "Pastoral" von Gazelle Twin: "ein beunruhigendes Hörerlebnis, insbesondere für all diejenigen, die der Ansicht sind, man könnte aus 'der Nation' irgendwelche progressive Ideen ziehen", heißt es in der Begründung.



Besprochen werden das neue Album von Gudrun Gut (Standard), Jeff Tweedys Album "Warm" (Berliner Zeitung), das neue, überraschend veröffentlichte Bilderbuch-Album "Mea Culpa" (Standard), Julia Holters Frankfurter Konzert (FR), ein Konzert des Pianisten Jan Lisiecki (Tagesspiegel), eine Neuausgabe der ersten vier Iron-Maiden-Alben (Pitchfork) und neue Popveröffentlichungen, darunter die EP "Juniper" der Musikerin Myrkur, die irgendetwas zwischen Gothic-Pop und melodiösem Black Metal spielt (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.12.2018 - Musik



"Und dann heulen die Gitarren auf, die Flammenwerfer pinseln ein Inferno in die Luft", schreibt Jens Uthoff in der taz: Slayer haben auf ihrer Abschiedstour in Berlin haltgemacht und das Berliner Popfeuilleton war geschlossen anwesend. "Sollten Slayer sich tatsächlich verabschieden, wird der Welt auch ein originärer Pop-Entwurf fehlen. Slayer sind ein Musik gewordenes Schlachtengemälde, die Band hat wie keine andere das katastrophische 20. Jahrhundert und das Zeitalter industrieller Massenvernichtung abgebildet - und dem beginnenden 21. Jahrhundert begegnen sie ebenfalls mit Drastik", philosophiert Uthoff im weiteren und Johannes von Weizsäcker pflichtet in der Berliner Zeitung bei: "Die komplette Menschheit ist bei Slayer zu verachten, ihre Geschichte eine einzige Aneinanderreihung von Krieg, Massenmord, Folter und verkommener Religion." Der Abend glich einem "Heavy-Metal-Staatsbegräbnis", meint Maurice Wojach in der Märkischen Allgemeinen, die Fans trugen die Band "angemessen zu Grabe". Tagesspiegel-Kritiker Erik Wenk hätte sich insgesamt mehr Pomp und Gala gewünscht, ihm verlief der Abend "ein wenig zu routiniert".

In Nairobi traf sich die afrikanische Musikbranche zum Acces-Kongress, auf dem laut Max Nyffeler in der FAZ viel positive Energie zu spüren war: "Diskutiert wurde ausgiebig und zielgerichtet. Kein Gejammer über nicht funktionierende Strukturen, sondern Zukunftsoptimismus, keine falschen Erwartungen an ein grenzenlos spendables Europa, sondern Wille zur Veränderung der Verhältnisse."

Weitere Artikel: Stephanie Grimm porträtiert in der taz Gudrun Gut, die mit "Moment" ein neues Album vorlegt (mehr dazu auch bei Byte.FM). Hier eine Single daraus:



Besprochen werden Tobias Lehmkuhls Biografie über Nico (FR), Earl Sweatshirts Album "Some Rap Songs" (SZ), ein Konzert des City of Birmingham Symphony Orchestras unter Mirga Grazinyte-Tyla (Tagesspiegel), neue Wiederveröffentlichungen, darunter die Compilation "Kreaturen der Nacht. Deutsche Post-Punk Subkultur 1980-1984" (SZ), und das neue Album von Jon Spencer (Pitchfork).
Stichwörter: Slayer