Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Musik

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.08.2017 - Musik

In der taz referiert Dave Tompkins die Technikgeschichte des Vocoders, dessen musikästhetische Umwidmung eine Art Geburt der Dance-Floor-Musik aus dem Geist von Telekommunikation und Militär darstellt. Für den intendierten Gebrauch in Krieg und Telefonie war das Gerät nämlich nicht geeignet. "Allerdings stellte sich dieses technische Problem bald als Segen heraus: Nur mit dem Vocoder konnten viele verdammt gute Dance-Alben entstehen. Zwar hatte der Vocoder im Bereich der Fernsprechtechnik wegen seiner Unverständlichkeit kläglich versagt, auf dem Dancefloor trug er jedoch zur Kommunikation bei: Die vermeintlich entmenschlichte Stimme brachte die Tänzer*innen zum Ausflippen und damit näher zueinander. Eine Frau - Lynn Goldsmith - konnte mit dem Vocoder zum männlichen Gesundheitsguru Will Powers werden. Ein Mann - Michael Jonzun von der Jonzun Crew - konnte einen Krieg gegen Pac-Man-Maschinen anzetteln." Dieser Missbrauch von Heeresgerät klang dann so:



Besprochen werden ein Dokumentarfilm über die mexikanische Sängerin Chavela Vargas (Tagesspiegel), ein Konzert des ORF Radio-Symphonieorchesters (Standard), "Painted Ruins" von Grizzly Bear (Tagesspiegel), das neue Album von Zimt (taz), ein Konzert von Patti Smith (Tagesspiegel), der Auftritt von Bilderbuch beim Frequency-Festival (Standard), die Gérard Grisey gewidmete Konzertreihe in Salzburg (SZ) und neue Popveröffentlichungen, darunter das Album "Familiar Touch" von Diana, über das man vor 30 Jahren wahrscheinlich auch nicht erstaunt gewesen wäre (ZeitOnline). Daraus ein Video: 

 

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.08.2017 - Musik

Jan Kedves atmet auf: Nach einer Finanzspritze wird der Streamingdienst Soundcloud nun doch nicht eingestellt. Es wäre auch ein Jammer gewesen, schreibt Kedves in der SZ. Stoße man in diesem wilden Garten doch in erster Linie auf das, "wovon Pop (...) immer lebt. What's next? Was ist der neue Sound?" Um diese Innovationspflege kümmern sich die großen Plattenlabels schließlich schon länger nicht mehr. "Früher verschickte man ein Demotape und hoffte, dass es nicht gleich im Müll landet. Heute lädt man seine Musik auf Soundcloud und wartet, welche Plattenfirma sich meldet. Und wenn sich keine meldet: auch nicht schlimm. Man kann über Soundcloud bekannt genug werden, um von Touren leben zu können."

Bei den von Riccardo Chailly kräftig dirigierten Strauss-Konzerten beim Lucerne Festival vermisst FAZ-Kriitker Clemens Haustein "den vorsichtigen, reflektierten Ton", der seiner Ansicht nach nötig wäre. Das Orchester spiele "mit jugendlicher Begeisterung, mit Kraft und und großer Lautstärke." Wie man das Hören lernt, offenbart sich dem Kritiker bislang nur in den Neben-Angeboten des Festivals.

Mit dem Dokumentarfilm "Chavela" (unsere Kritik) würdigen Catherine Gund und Daresha Kyi die Sängerin Chavela Vargas und damit "ein Idol der mexikanischen Populärkultur und insbesondere der lesbischen Kultur Mexikos", schreibt Fabian Tietke in der taz. Vor folkloristischem Schnickschnack werde man bei Vargas verschont, atmet Tietke auf. "Die Aufnahmen der Auftritte sind nach all den Jahren in ihrer existenzialistischen Wucht noch immer ergreifend. ... Ein Teil der Kunst von Chavela Vargas besteht darin, dass das Pathos nie als solches erscheint, sondern als Ausdruck einer Persönlichkeit." Hier eine Kostprobe:



Weiteres: Manuel Brug besucht für die Welt "Estlands musikalischen Vorzeigeclan" der Järvis, die in Pärnu ein eigenes Festival samt Orchester gegründet haben. Stefan Ender porträtiert im Standard den Komponisten Brad Lubmann. Immer mehr japanische House-Produzenzen und DJs siedeln von London nach Berlin, berichtet Andreas Hartmann in der taz. Katharina Schipkowksi freut sich in der taz über die Wiedereröffnung des Golden Pudel Clubs in Hamburg. Stefan Weiss berichtet im Standard vom ersten Tag des Frequency-Festivals, bei dem Billy Talent und Moderat auftraten.. Für die Spex unterhält sich Steffen Kolberg mit der französischen Band Phoenix, die sich auf ihrem neuen Album "Ti Amo" dem Sound der Italo-Disco-Ära verschrieben haben. Daraus ein Video:



Besprochen werden die Ausstellung "Oh Yeah - Popmusik aus Deutschland" im Museum für Kommunikation in Frankfurt (FR), das Konzert von Bernard Haitink, Christian Gerhaher und das Chamber Orchestra of Europe beim Lucerne Festival (NZZ), Fazil Says "Gezi Park"-Konzert in Salzburg (SZ) und "Hitchhiker", ein bislang unveröffentlichtes, innerhalb einer einzigen Nacht im Jahr 1976 nach Trennungsschmerz aufgenommenes Album von Neil Young, auf dem von späteren Alben bekannte Songs "im Augenblick ihres Entstehens" erlebe, wie Frank Junghänel in der Berliner Zeitung schreibt.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.08.2017 - Musik

Wolfgang Görl besucht für die SZ die Bayerische Staatsbibliothek, wo derzeit das - ansonsten unter Verschluss gehaltene und daher kaum bekannte  - Chorbuch "Mielich-Codex" restauriert wird, "das kostbarste, prachtvollste Chorbuch der Welt", heißt es - was Görl gern glauben mag: "Wer nur ein paar Seiten dieses zweibändigen Opus betrachtet, ist im Nu überwältigt: Das prächtige Dekor, die handgeschriebenen Noten auf feinstem Pergament, die Schönschrift, in der die Psalmentexte notiert sind, und vor allem die grandiosen Miniaturmalereien, die eine unermessliche Fülle an Geschichten erzählen - man kann sich nicht sattsehen." Einen kleinen Eindruck vermittelt diese online einsehbare, ebenfalls von Hans Mielich gestaltete Motettensammlung des Komponisten Cipriano de Rore.

Philipp Rhensius freut sich in der taz auf das Berlin Atonal Festival, das heute beginnt und sich auf Grenzgänger zwischen Avantgarde und Tanzmusik konzentriert: "Im Fokus stehen KünstlerInnen, die an der Grenze zum Erträglichen agieren, aber auch das Unerträgliche in Schönheit sublimieren."

Weiteres: Arabische Musiker haben ihre Teilnahme am Berliner Popkultur-Festival zurückgezogen, weil die israelische Botschaft das Festival sponsort, berichtet Harry Nutt in der Berliner Zeitung (hier dazu das Statement der Veranstalter). Adam Olschewski wirft für die NZZ einen Blick in die israelische Jazzszene New Yorks, von der einige künstlerische Impulse ausgehen. Für die Berliner Zeitung spricht Christian Schlüter mit dem ProgRock-Erneuerer Steven Wilson. Frederik Hanssen hat für den Tagesspiegel das Ricordi-Archiv in Mailand besucht, in dem unzählige Partituren und andere Dokumente lagern und im übrigen auch online eingesehen werden können. Angesichts der Ereignisse in Charlottesville ist Joan Baez' "The Night They Drove Old Dixie Down" wieder ungebrochen aktuell, schreibt Harry Nutt in der FR. In Großbritannien verspricht man sich viel von Simon Rattles Rückkehr, berichtet Frederik Hanssen im Tagesspiegel.

Besprochen werden das neue Album von Grizzly Bear (Welt), das neue Album von Black Grape (Freitag) und das neue Album von TLC (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.08.2017 - Musik

Die Spex hat Künstlern aus aller Welt die Frage gestellt: "Ist Wut eine Kraft?" Die Antworten in Form von Interviews oder kurzen Essays sind online zu lesen, und alle betonen natürlich das künstlerische und gesellschaftliche Potential von Wut und Widerstand in der Popkultur: Gudrun Gut, Beth Ditto, die Fotografin Aylin Güngör, der Schrifsteller Niq Mhlongo und und und. Der österreichische Musiker Andreas Spechtl schreibt: "Alle sind ja wütend. Alle protestieren. Alle sind im Widerstand. Das ist gar nicht das Problem. Das Problem sind die Gegner, die fehlen. Ober besser: Die zu fehlen scheinen."

Mit Bands wie Godspeed You! Black Emperor und A Silver Mt. Zion hat das Indie-Label Constellation Records einen guten Stand bei Freunden künstlerisch avancierter Independent-Musik mit Punk-Spirit. Nur in Israel soll man deren Veröffentlichungen nicht kaufen dürfen, hat Jonas Engelmann von der Jungle World herausgefunden: Mit der klaren Ansage "No Export to Israel" erweist sich das Label als der Klassenstreber unter den Israel-Boykotteuren: "Der Vertrieb hüllt sich dazu auf Nachfrage in Schweigen, dabei wäre es durchaus interessant zu erfahren, wie das in der Praxis funktioniert. Bekommt der Tel Aviver Plattenladen eine Standardmail, einen politischen Aufklärungsbrief oder wird er ebenso ignoriert wie ein Journalist? Letztendlich ist es aber auch egal. Mir ist jedenfalls kein anderes Plattenlabel, kein Verlag oder Filmverleih bekannt, der seine Produkte weltweit vertreibt und aus politischen Gründen einzig Israel ausspart."

Jens Uthoff weilt unterdessen in Finnland, wo man auch beim Flow Festival in die Feierlichkeiten zu 100 Jahre staatlicher Unabhängigkeit miteinstimmt. Beim Auftritt von Aphex Twin gab es dann kein Halten mehr: Zu sehen gab es "große Kunst, den wahren Flash, einen audiovisuellen Angriff auf die Synapsen. Zum Flimmern der Strahler und Bildschirme ballern mal dumpfe Technobeats, mal röhren Synthies, dann wieder fiept oder dröhnt es nur fies. ... Gegen Ende pitcht Aphex Twin alle Regler hoch, die Beats rattern, dazu blinkt alles, als würde man von der Bühne aus beschossen. Overkill. Ein Stehnachbar reißt die Arme hoch, so richtig, und jubelt, als hätte er gerade einen wichtigen Titel, Wimbledon oder so, gewonnen. Um ihn herum: rund 5.000 heruntergeklappte Unterkiefer." So sah das aus:



Weiteres: In der Musikbranche dominieren zwar zusehends schwarze Künstler, doch das Business selbst ist immer noch sehr weiß, lautet das Fazit von Lukas Hermsmeiers Recherchern, die er auf ZeitOnline veröffentlicht. Andreas Hartmann porträtiert im Tagesspiegel Reinhold Friedl und sein Ensemble Zeitkratzer. In der NZZ berichtet Thomas Schacher vom Musiksommer am Zürichsee, wo man derzeit einen neuen Leiter sucht. Auf ZeitOnline seziert Daniel Gerhardt den Sommerhit "Despacito".

Besprochen werden Dean Hurleys Zusammenstellung "Anthology Resource Vol. 1", die Ambientsounds der neuen Twin-Peaks-Staffel bündelt (Pitchfork), der Soundtrack "Good Time" von Oneohtrix Point Never (Pitchfork), ein Auftritt von Lana del Rey (The Quietus) und ein Konzert von PJ Harvey (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.08.2017 - Musik

Die NZZ begleitet den Auftakt des Lucerne Festivals weiterhin mit einer Vielzahl von Artikeln (mehr dazu im Efeu vom vergangenen Samstag). Christian Wildhagen bespricht das Eröffnungskonzert mit Kompositionen von Richard Strauss. Außerdem befasst er sich mit der Frage, wie die Festivals ein jüngeres Publikum gewinnen können. Im begleitenden, sehr feinteiligen Essay geht Michael Stallknecht Fragen nach Musik und Identität nach. Peter Hagmann, langjähriger Musikredakteur der NZZ, erinnert sich an die besten Konzerte der Berliner Philharmoniker in Luzern und schreibt damit zugleich eine Geschichte des Berliner Orchesters samt seiner Dirigenten. Robert Jungwirth spricht mit dem Flötisten James Galway. Martina Wohlthat freut sich auf John Eliot Gardiners halbszenische Aufführungen von Monteverdis Opern. Marco Frei rät zu einem von Riccardo Chailly dirigierten Strawinsky-Konzert.

In der FAZ würdigt Moritz von Bredow Branka Musulin und deren "wahrhaft musikantisches Klavierspiel". Die Pianistin wäre am 6. August 100 Jahre alt geworden: "Zwei Mozart-Konzerte zeigen die klanglich und rhythmisch beglückende Synthese aus analytischem Durchdringen des Werkes und einer vergeistigten Deutung Mozarts, die allein mit dem Intellekt nicht zu fassen ist. Auch ohne die Dämpfung durch das linke Pedal vermag sie leise zu spielen: singend und leuchtend, selbst noch im Hauchen."

Hier spielt sie Ravel:



Weiteres: Christian Werthschulte resümiert in der taz das Fuchsbau Festival bei Hannover, wo unter anderem bei Ace Tee und DJ Sarah Farina teils ekstatische Stimmung herrschte. Die am besten bezahlten DJs im Business sind allerdings immer noch durchweg Männer, stellt Donna Schons in der taz fest: Es bestehe "ein Repräsentanzproblem, das sich durch die gesamte Clubszene zieht."

Besprochen werden das Berliner Konzert des äthiopischen Soul- und Jazzsängers Alemayehu Eshete (Tagesspiegel), das Berliner Konzert von Pink (SZ, Tagesspiegel, Berliner Zeitung), das neue Album von Grizzly Bear (FAZ) sowie Auftritte bei den Salzburger Festspielen, nämlich von Placido Domingo (SZ, FAZ), Matthias Goerne und Daniil Trifonov (NZZ, SZ) und Igor Levit (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.08.2017 - Musik

Gestern abend wurde das Lucerne Festival 2017 eröffnet. Im Interview mit der NZZ erläutert Intendant Michael Haefliger das Motto dieses Sommers: Identität. Mit Abgrenzung hat das für ihn nichts zu tun, eher mit einer permanenten Suche: "Für mich ist es eine Illusion, zu glauben, es gebe so eine geschlossene, unwandelbare kulturelle Identität. Der Reichtum, der unsere Kultur heute auszeichnet, ist doch gerade dadurch entstanden, dass wir immer schon Einflüsse aus anderen Kulturkreisen aufgenommen und für uns nutzbar gemacht haben. Nehmen wir in der Musik etwas so Einfaches wie die Pentatonik: Sie stammt aus dem asiatischen Raum, aber durch die Übertragung in unsere Ganztonleitern werden die impressionistischen Klangwunder Debussys möglich, und der Exotismus zieht ein in die Musik. Die ethnologische Forschung hat ja aufgezeigt, welche Vielfalt es etwa auch in den archaischen Musikkulturen in Afrika gibt, manchmal unterscheidet sich das von Dorf zu Dorf."

Außerdem dokumentiert die NZZ Iso Camartins Rede zur Eröffnung des Festivals, die sich ebenfalls mit dem Motto "Identität" auseinandersetzt. Und Christian Wildhagen stellt das Programm vor.

Weiteres: Ole Schulz porträtiert in der taz den brasilianischen Musiker und Sänger Moreno Veloso. Marlene Gürgen plaudert für die taz mit dem Berliner Rapper PTK, der der Ansicht ist, dass am besten gar niemand mehr nach Kreuzberg ziehen oder dort Geschäfte eröffnen sollte.

Besprochen werden das neue Album "Lust for Live" von Lana Del Rey (FR) und ein Arte-Dokumentarfilm über "Sgt. Pepper" vom den Beatles (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.08.2017 - Musik

Ambient, Chill-Out-Musik, New Age und Trance erleben derzeit ein beachtliches Comeback, beobachtet Bjørn Schaeffner. Eine Ursache dafür könnte im Zeitgeist liegen, mutmaßt er in der NZZ: "Weltpolitik und Weltpolitiker mögen heißlaufen, die Natur vor dem Kollaps stehen, während Artificial Intelligence uns demnächst die Orientierung raubt. Die Gegenwart also irritiert und lärmt. Da zieht man sich gerne in ätherische Klangwelten zurück."

Tobias Sedlmaier hat unterdessen dem Nachtdigital-Techno-Festival, das alljährlich und in diesem Jahr zum 20. Mal auf einer Wiese in Sachsen stattfindet, einen Besuch abgestattet. Sein Bericht von Rausch und Entgrenzung hat eine bemerkenswert melancholische Kante:: "Die Sonne ist erneut aufgegangen, die Arme und Körper am Ufer zucken weiter. Irgendwie ist immer Insomnia. In die Rave Cave, eine enge Tanzhöhle, in die sich das Landschulheim verwandelt hat, traben sie wie träge Tiere. Wer jetzt mit der Wasserflasche unterwegs ist, schwebt mit großer Wahrscheinlichkeit in anderen Sphären. Und ist doch mit seiner Einsamkeit alleine, zusammen mit all den anderen Einsamen."

Die chinesische Boygroup FFC-Acrush sorgt derzeit für einiges Aufsehen nicht nur in Fernost. Der Clou: Die Boys sind allesamt Mädchen. Wer das als Zeichen eines Wandels in China sieht, urteilt jedoch voreilig, meint Maxie Römhild in der taz und bezieht sich dabei auf die Genderwissenschaftlerin Jamie J. Zhao, für die Transgender-Bands nichts neues sind. Sie "verweist unter anderem auf die androgyne Gruppe MissTer aus Taiwan, deren Sängerin Jin Tai sich 2014 als lesbisch outete, aber im chinesischen Kontext sei es doch besonders, dass sie sich explizit als 'Boyband bezeichnen." Dazu passend befasst sich Felix Zwinzscher in der Welt mit chinesischem Rap. Von FFC-Acrush gibt es hier ein aktuelles Video:



Weiteres: Stephanie Grimm plaudert in der taz mit der Indieband Grizzly Bear, die ein neues Album veröffentlicht hat. Für den Standard unterhält sich Ljubisa Tosic mit dem Jazzmusiker und Komponisten Gerald Preinfalk. NZZ-Kritiker Marco Frei hörte in Salzburg ein Konzert des Pianisten Igor Levit mit den "24 Präludien und Fugen" op. 87 für Klavier von Dmitri Schostakowitsch, das er "aufregend eigenständig" fand: "Levit schärft die kontemplativen Momente in dem Zyklus, er entwirft vielfach stille, luzid-fragile Reflexionen, die Schostakowitsch fast schon als Impressionisten erscheinen lassen. Mit radikaler Reduktion in Ausdruck und Dynamik nimmt er den pathetischen Überdruck aus der Musik."

Besprochen werden neuveröffentlichte Soloalben von Alan Vega und Martin Rev (Standard), das Comeback von Randy Newman (taz), das Soundtrack-Album "Good Time" von Oneohtrix Point Never (The Quietus, Deutschlandfunk Kultur), ein Konzert der Tuareg-Band Tinariwen (FR) und neue Popveröffentlichungen, darunter das neue Album von Sheer Mag (ZeitOnline). Daraus ein Video:

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.08.2017 - Musik

Der Countrymusiker Glen Campbell ist gestorben. Karl Bruckmaier würdigt den Verstorbenen in der SZ: Campbells Leben sei immer "sehr einseitig wahrgenommen worden: als 'Rhinestone Cowboy', als 'Strass-Cowboy', als eine Nashville-Figur im Glitzergewand. Als untoter Country-Star, der seit den frühen Achtzigern zwischen Jesus, Suff und Scheidungen taumelnd schließlich vor wenigen Jahren von einer Alzheimer-Diagnose ausgeknocked worden ist. Doch Glen Campbells schillerndes Leben ist ein Pop-Monument, wie es nur wenige zu bestaunen gibt." Weitere Nachrufe in Berliner Zeitung, FAZ und Tagesspiegel. Auf Mixcloud gibt es ein Best-Of:



Bei den Musiktagen in Hitzacker imponierte insbesondere Jean-Guihen Queyras' Darbietung von Rebecca Saunders' "Ire", schreibt Harald Eggebrecht in der SZ: "Reaktionsschnell, klangneugierig entwickelt Queyras aus der Unhörbarkeit zu Beginn ein wildes Stück: drohende Urklänge auf der um eine Oktave tiefer gestimmten C-Saite seines Cellos, Glissando-Geglitzer und Triller in allen Lebenslagen und Arten. Dazu gerät das Ensemble in Aufruhr, am Ende verraucht der in dieser Musik entfachte Zorn in die Stille der Erschöpfung."

Weiteres: Stephanie Grimm freut sich in der taz darauf, dass beim Festival Berlin Atonal auch Klangtüftler aus dem legendären BBC Radiophonic Workshop auftreten. Frank Junghänel gratuliert in der Berliner Zeitung Ian Anderson von Jethro Tull zum Siebzigsten.

Besprochen werden das Comebackalbum von Randy Newman (FR), das neue Dreampopo-Album von Michelle Zauner (SZ), ein Konzert vom Marianne Crebassa und Fazil Say (Standard) und das neue Album von Little Whirls (Jungle World).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.08.2017 - Musik

Für den Tagesspiegel porträtiert Gregor Dotzauer den in Berlin lebenden, aus China stammenden Musiker Wu Wei, der die traditionelle Mundorgel Sheng mit einigem Aufwand meistert. Wer das chinesische Musikinstrument nicht nur beherrschen, sondern damit im Klangkörper eines Orchesters zum Publikum durchdringen will, muss ein Athlet sein: "Ich muss manchmal gegen 80 Orchestermusiker ankommen. Ob du laut oder leise spielst, wumm, die Luft ist weg. Du bist ein halber Sportler, also musst du täglich trainieren. Flatterzunge, Zirkularatmung, alles gegen die Natur! Du musst deine Energie über das Publikum werfen, über den ganzen Saal hinweg bis in die letzte Reihe und noch hundert Meter weiter. Sonst bist du von der ersten Sekunde an verloren." In diesem, leider nicht einbindbaren Video stellt Wu Wei das Instrument und die dafür benötigte Spieltechnik vor.

Weiteres: Für die Spex unterhält sich Luise Wolf mit Laurens von Oswald, dem Leiter des Festivals Berlin Atonal, über die akustischen Bedingungen in der Spielstätte des Festivals, dem Kraftwerk Berlin. Christine Käppeler schreibt im Freitag über die Familie als Geschäftsmodell im Popbusiness.

Besprochen werden das Comeback von Randy Newman (Tagesanzeiger), das neue Album der Shitlers (Freitag) und Mirko Bonnés "Lichter als der Tag" (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.08.2017 - Musik

Für den Tages-Anzeiger porträtiert Christoph Fellmann den Wiener Sänger Voodoo Jürgens, der mit seinen Liedern von einem "Restproletariat" berichtet, "das sich schnell ansteckt mit dem Frust und der grassierenden politischen Dumpfheit." Früher war er Indie-Musiker: "Also klingen seine Lieder heute mindestens so sehr nach amerikanischem Anti-Folk wie nach dem rustikalen Schmäh der Wiener Arbeiterklasse und ihrer Schrammelmusiken. ... Auch darum besucht Voodoo Jürgens ab und zu die abgestandenen Kneipen seiner Stadt; nämlich, um immer mal wieder diesen Sound aufzufrischen." Dazu ein Video:



Weiteres: In der NZZ stellt Thomas Schacher das Ensemble des Pianisten Markus Schimmer vor. Juliane Liebert porträtiert in der SZ den Bassisten Will Carruthers, der in zahlreichen Alternativebands mitgespielt hat. Christiane Peitz schreibt im Tagesspiegel über Sommerhits.

Und angesichts eines neuen, gediegen beknackten Musikvideos mit David Hasselhoff, das sich am Ende allerdings als Werbeclip für eine DVD entpuppt, philosophiert Jakob Biazza online bei der SZ über die Tragik von Popkultur und wann diese "am besten", aber auch "am schlechtesten" sei. Anklicken auf eigene Gefahr:



Besprochen werden ein Konzert von Holly Golightly (FR) und Lisa Azuelos' Biopic "Dalida" über die gleichnamige Sängerin (Die Presse).
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