Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Musik

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.12.2017 - Musik

Auf seinem neuen Album "Thinking About Tomorrow, And How To Build It" verarbeitet Andreas Spechtl seine Erfahrungen und Eindrücke eines Stipendiatenaufenthalts in Teheran, nach denen sich auch SZ-Kritiker Volker Bernhard bei dem in Berlin lebenden Musiker erkundigt. Spechtl berichtet von einer klandestinen Kulturszene in der Metropole: "Durch befreundete Musiker fand er Eingang in eine Szene, die weit davon entfernt ist, Konzerte, Performances und Ausstellungen auf Plakaten bewerben zu können. Ein Hinterhof, zweite Tür links, dritter Stock: So in etwa lesen sich die Anfahrtsbeschreibungen zu privaten Räumen mit einem quasi-öffentlichen Charakter, denn erst hier wird freier Austausch möglich. Diese Raumgefüge jenseits der Unterscheidungen 'privat' und 'öffentlich' sind zersplittert und segmentiert: Geht eine bestimmte Person, darf der Schleier gelüftet werden, geht eine weitere, kommt der Alkohol auf den Tisch." Hier ein Stück aus Spechtls Album:



Weiteres: Ken Münster berichtet im Tagesspiegel vom We Jazz Festival in Helsinki. Thomas Thiel hat für die FAZ eine Frankfurter Tagung über Hiphop besucht, bei der unter anderem die Rapperin Sookee die Vorzüge von Queer Rap pries. In der Zeit porträtiert Stefan Hentz den Oud-Spieler Anouar Brahem. Hier ein aktuelles Video:



Besprochen wird Thurston Moores und Charles Haywards gemeinsames Album "Improvisations" (Pitchfork). Die Kritiker von ZeitOnline küren die besten Alben des Jahres.
Stichwörter: Teheran, Iran, Andreas Spechtl

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.12.2017 - Musik

Thomas Hengelbrock, Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters, verlässt seinen Posten früher als bislang geplant - nämlich nicht im Sommer 2019, wie noch vor wenigen Monaten angekündigt, sondern schon im kommenden Jahr. Ein vorgezogener Abschied im Groll, wie sich dem Interview entnehmen lässt, das Helmut Peters für die Welt am Sonntag mit dem Dirigenten geführt hat: So hatte Hengelbrock den NDR "frühzeitig darüber informiert, dass ich meinen Vertrag nicht noch ein weiteres Mal verlängern werde. Sehr unerfreulich war dann das Vorgehen des NDR, unmittelbar nach der öffentlichen Ankündigung dieses Schrittes, meinen Nachfolger zu benennen und noch in derselben Woche, in der ich zehn Konzerte zu dirigieren hatte, vorzustellen. Das ist vollkommen unüblich und hat nach außen einen ganz falschen Zungenschlag in diese Sache gebracht."

Mit diesem Schritt gehe es Hengelbrock "ganz offensichtlich" darum, das Gesicht zu wahren und den eigenen Marktwerkt zu sichern, schreibt dazu Helmut Mauró. Den SZ-Musikkritiker wundert es daher nicht, dass der Dirigent,  "nun sowohl die Akustik der Elbphilharmonie als mitunter problematisch bezeichnet wie auch die Qualität des Orchesters, das seiner Meinung nach nicht genügend Eigeninitiative ergriffen habe."

Geradezu terrorisiert fühlt sich Konstantin Nowotny von Taylor Swifts Perfektions-Pop, wie er in einem vergnüglichen Verriss im Freitag schreibt: Zu hören gibt es auf dem neuen Album der Sängerin "poliertes Zeug, peinlich genau sitzende Refrains, im Reinraum gefertigte Ohrwürmer. Eine Klangwelt wie eine Gummizelle: Wehr dich nicht, du entkommst sowieso nicht. ...  Ihre säuselnde Stimme, aus der spätestens auf ihrem nun neuesten Album Reputation der letzte Rest Menschlichkeit digital herausgefiltert wurde, massakriert das Glückszentrum des Hörers erbarmungslos wie ein Vollrausch."

Weiteres: In der Jungle World porträtiert Nils Neuneier-Quak die Komponistin Limpe Fuchs, die mit selbstgebauten Instrumenten experimentiert. Für die taz unterhält sich Lena Kaiser mit dem Bassisten John Hughes. Die NZZ bringt eine Fotostrecke zum staatsakt-artigen Begräbnis von Johnny Hallyday.

Besprochen werden die (hier online hörbare) Compilation "Habibi Funk" mit unter anderem ägyptischer Discomusik und Funk aus Marokko (Pitchfork), das von Daniel Barenboim dirigierte Jubiläumskonzert zum 275-jährigen Bestehen der Staatsoper Unter den Linden (Tagesspiegel), ein Auftritt des 93-jährigen Chansonniers Charles Aznavour in Wien (Standard), ein Haydn- und Bruckner-Konzert der Wiener Philharmoniker unter Riccardo Muti (Standard), ein von Mirga Grazinyte-Tyla dirgiertes Konzert des Deutschen Symphonie-Orchesters (Tagesspiegel), das John-Lee-Hooker-Boxset "King of the Boogie" (FAZ) und diverse Aufnahmen weihnachtlicher klassischer Musik (FAZ).

Außerdem präsentiert Pitchfork die 100 besten Songs von 2017. Auf der Spitzenposition: "Bodak Yellow" von Cardi B.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.12.2017 - Musik

Im SZ-Interview mit Bono und The Edge geht es um ihr neues Album, aber auch um die Aufdeckungen der Paradise Papers, in deren Zuge Bonos fiskalisch zweifelhafte Geschäfte im schroffen Widerspruch zu seiner moralisierenden Anklage-Rhetorik öffentlich wurde. Bonos Einschätzung der Sachlage ist durchaus originell: Aufgeflogen sei seine Steuervermeidung ja allein seiner Gutherzigkeit wegen, behauptet er. Er habe seinen "Finanzberatern schon vor Jahren ganz klar gesagt: Egal, was ihr macht, am Ende muss Bono draufstehen. Haltet die Dinge transparent. Was sie auch getan haben, sonst hätten die Untersuchungen in Litauen gar nicht so eindeutig auf mich zurückgeführt werden können. ... Es ist der Eindruck entstanden, ich sei bei etwas Illegalem erwischt worden. So ist es aber nicht, ich bin nicht erwischt worden, weil alles transparent und nachvollziehbar war." Johanna Dürrholz hat sich unterdessen für faz.net mit dem Album beschäftigt, winkt aber missmutig ab: "Jeder Song ist eine Plattitüde."

Heute werden Zehntausende Franzosen an den Champs-Elysées von Johnny Hallyday Abschied nehmen, berichtet  Marina Cabiten auf der Website des Senders France Bleu: "1.500 Polizisten und Gendarmes werden mobilisiert, um diesen Tag zu begleiten. Der Aufwand gleicht dem für die Silvesterfeier… Ein Trauerzug wird vom Arc de Triomphe über die Champs , bis zur Madeleine-Kirche geleitet… Der Konvoi wird von 500 bis 700 Motorradfahrern abgeschlossen… Emmanuel Macron wird während des Trauergottesdienstes in der Madeleine kurz das Wort ergreifen."

Im taz-Interview gibt der amerikanische Musiker Daniel Kahn, der in Berlin mit seinem Agitprop-Klezmer-Punk von sich reden macht (hier eine Besprechung im Freitag), Auskunft darüber, wie er sich Jiddisch angeeignet hat. Überhaupt erst mit 20 hat er Klezmer zum ersten Mal live erlebt: "Ich war hin und weg. Ich dachte: Das ist irgendwie jiddisch, aber toll. Funky und kantig, traurig und lustig. Ich stellte fest, dass ich keine Ahnung hatte von der jiddischen Kulturbewegung, die es seit den 70er Jahren gab. Als ich sie dann entdeckte, war das für mich eine Tür in eine Welt, die mir vertraut und zugleich fremd war.. ... Deutsch und Jiddisch gleichzeitig zu lernen verursacht böse Kopfschmerzen. Ich versuche die beiden Sprachen zu trennen. Aber 'trennen' heißt auf Jiddisch 'ficken'. Man muss sehr gut trennen, um nicht getrennt zu werden." Hier ein aktuelles Video:



Besprochen werden Yony Leysers Film "Queercore - How to Punk a Revolution" (Jungle World), das neue Björk-Album "Utopia" (Freitag), ein Konzert von Voodoo Jürgens (Standard), ein Viktoria Mullovas Konzert mit dem Kammerphilharmonie Bremen unter Paavo Järvi (FR), Tom Rogersons Kollaboration mit Brian Eno (Spex) und Karl-Heinz Götters Buch "Die Orgel - Kulturgeschichte eines monumentalen Instruments" (FAZ).

In der taz erinnert Matthias Klein an den vor 50 Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Soulsänger Otis Redding, dessen "Otis Blue" eines der besten Soulalben überhaupt sei: "Bis auf einen Song wurden alle elf Stücke innerhalb von 24 Stunden arrangiert und produziert. ... Das als erstes Meisterwerk des Sängers angesehene Album taucht daher zu Recht regelmäßig in den Bestenlisten auf." Ein dankbar angenommener Musikvorschlag für diesen kalten Dezembermorgen:

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.12.2017 - Musik

Detlef Diederichsen ist nicht gerade im vollen Maße überzeugt von dem Tributalbum "Funkadelic Reworked By Detroiters", auf dem sich titelgemäß Detroiter Acts dem musikalischen Erbe von George Clintons Funkadelic widmen. Gewürdigt werden allerdings nur dessen "lysergischen Anfangsjahre", schreibt Diederichsen in der taz und stellt sanft bekümmert fest, dass sich kaum einer getraut hat, das Material beherzt umzuformen und zu gestalten. Erstaunlich findet er es, "welche Angstreflexe eine solche Aufgabenstellung bei einigen gestandenen Akteuren der globalen elektronischen Tanzmusik auslöst, während andere, um ihre tiefe Liebe zu einer Musik zum Ausdruck zu bringen, sehr persönliche, emotionale Resultate erzielen." Hier eine Hörprobe (und hier das Original):



Weiteres: Nachdem die Unesco Orgeln und Orgelbau zum Weltkulturerbe ausgerufen hat, schreibt Frederik Hanssen im Tagesspiegel über Wissenswertes zum Thema.

Besprochen werden Laura Cahens Debütalbum "Nord" (taz) und neue Popveröffentlichungen, darunter Jim James' "Tribute to, Vol. 2" (ZeitOnline). Darauf findet sich unter anderem diese Coverversion eines Beach-Boys-Songs:    


Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.12.2017 - Musik

Ziemlich beeindruckt blicken die Musikkritiker nach Frankreich, wo der Tod des Rock'n'Roll- und Pop-Musikers Johnny Hallyday das Land in einen "Schock" versetzt hat, wie Axel Veiel in der FR meldet. Das Land "verehrte ihn als einen Nationalheiligen, dem kein Skandal etwas anzuhaben vermochte", schreibt Karl Fluch im Standard über die Exzesse des Stars. "Nichts schien diese Lichtgestalt des Röck en Röll zu überschatten." Hallydays "Markenzeichen (...) waren Chansons voller Tränen und Testosteron, die er mit röhrenden Tremoli und breiig angelsächsischem Akzent ins Mikrofon schmetterte", erklärt Marc Zitzmann in der NZZ. Angesichts des Ausnahmezustands, den Hallydays Tod in den französischen Medien ausgelöst hat, ist sich Jörg Altwegg in der FAZ sicher, "dass der nationale Kult" um den Sänger "auch Jahrzehnte nach dem Tod noch anhalten wird."

Der Fernsehmoderator Michel Drucker ist in Tränen ausgebrochen, als er die Sondersendung von France 2 über Hallyday abmoderierte:

Christian Schröder erinnert im Tagesspiegel daran, dass Hallyday vor einigen Jahren mit all seiner abgebrühten Coolness auch für den Hongkong-Regisseur Johnnie To vor der Kamera stand. Hier einige Ausschnitte aus dem Film, der im übrigen in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember im BR läuft:



In der NZZ zerpflückt Frank Schäfer den "Messiaskomplex" von Bono und U2: Bono "zog einen Handel mit moralinsaurer Symbolpolitik auf, die ihn zum Milliardär machte. ...     Dass er mittlerweile vom eigenen Gottesgnadentum überzeugt ist, zeigte schon das Sonnenkönig-Gebaren der Band auf ihrer spektakulären '360° Tour'. Die Konzerte folgten überdeutlich absolutistischer Herrschaftsinszenierung - mit der Bühne im Zentrum. Ihre Untertanen kamen zuhauf."

Außerdem: Udo Badelt stellt im Tagesspiegel den Nachwuchs-Dirigenten Lahav Shani vor. The Quietus kürt die besten 100 Alben des Jahres. Auf Platz Nummer Eins: Richard Dawsons "Peasant" - daraus ein Video:



Besprochen werden Misha Asters Buch "Staatsoper. Die bewegte Geschichte der Lindenoper im 20.Jahrhundert." (SZ), Konzerte von King Krule (Tagesspiegel), Asaf Avidan (Tagesspiegel) und FM Belfast (FR) sowie die Wiederveröffentlichung von Minnie Ripertons Soulklassiker "Perfect Angel" (Pitchfork). Hier das wunderbare erste Stück daraus:

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.12.2017 - Musik

Johnny Hallyday wird von den Franzosen für mindestens so unsterblich gehalten wie Elvis Presley von den Amerikanern. Das relativiert Meldungen vom angeblichen Tod des in Frankreich größten Rockstars der Welt im Alter von 74 Jahren.  Serge Loupien und Emmanuèle Peyret erzählen in einem epischen Artikel für Libération seine Karriere: "Das Jahr 1961 ist auch das Jahr des Twist. Wie alle seine Rock'n'Roll-Grünschnabel-Kollegen der Zeit (später nannte man sie die 'yéyés') huldigt auch Johnny dem neuesten aus den USA importierten Tanz. Es ist bei ihm die erste Manifestation eines seltsamen musikalischen Syndroms, das ihn seine ganze Karriere lang verfolgt und das darin besteht, dass er systematisch die neuesten modischen Genres ausbeutet. Die schlimmsten und die besten." Les Inrocks bringen die Top Ten, an denen nichts vorbei geht, natürlich auch das Duett mit Eric Cantona von 1998 (aber bitte nicht zu laut kreischen!). Einen Eindruck vermittelt auch dieses Konzert von 1963:



In der taz stellt Steffen Greiner Spirit Fest vor, das neue Projekt von Notwist-Musiker Markus Acher, der sich hier mit Musikern der japanischen Dreampop-Band Tenniscoats zusammengetan hat. Auf deren Konzept ist er bei einer Japantour gestoßen, erfahren wir: "Schon ging er verloren in deren Klangkosmos aus einem jenseitigen, intimen LoFi-Pop und dem Konzept, sich anderen Mitspielern vollständig zu öffnen. ... Ihre spezifische Formensprache entsteht eher durch das Kuratieren von Sounds als durch kompositorische Dominanz." Was den deutschen Musiker sehr begeistert hat: "Alle Beteiligten gehen beim Musikmachen experimentell und intuitiv zu Werke" und "nichts war wirklich geplant, Musik und Arrangements haben sich beim Improvisieren von ganz alleine ergeben", berichtet Acher. Hier ein Video:



Weiteres: Im "Unknown Pleasures"-Blog des Standard erinnert Karl Fluch an die Blind Boys of Alabama, deren Aufnahmen Peter Gabriel vor einigen Jahren wieder zugänglich gemacht hat.

Besprochen werden Michael Schades Schubert-Konzert in Wien (Standard), Leif Ove Andsnes' Schubert- und Chopin-Abend in Berlin (Tagesspiegel) und das Preisträgerkonzert des Bundeswettbewerbs Gesang in Berlin (Tagesspiegel).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.12.2017 - Musik

Andrea Hanna Hünniger plaudert in Welt mit ehemaligen Gangsta-Rapper Sido, der jetzt lieber in ARD-Schmonzetten macht. Besprochen wird das Tributalbum "Funkadelic - Reworked By Detroiters" (SZ).
Stichwörter: Detroit, Funkadelic

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.12.2017 - Musik

Robert Miessner nimmt die deutsche Veröffentlichung von Simon Reynolds' dicker Abhandlung über den Glam-Rock freudig zum Anlass, um in der taz selbst ausführlich über das Genre zu schreiben: "Zu Glam gehört, erst nachgeordnet über den knalligen rockistischen Sound zu sprechen. Er hatte in der Struktur mit den Exerzitien von Progrockern und Späthippies wenig gemein. Seine Technik war durchaus modern, doch nicht modernistisch, wie Reynolds luzide ausführt: 'Glam und Glitter führten zurück zu den simpleren musikalischen Strukturen von Rock 'n' Roll in den 1950ern und der 1960er-Beatgruppen vor dem Aufkommen von Psychedelic-Rock, die aber durch die Aufnahmetechnik der späten 1960er und frühen 1970er auf den neuesten Stand gebracht worden waren.'"

Weiteres: Für die Berliner Zeitung unterhält sich Anne Lena Mösken mit Dhani Harrison, der als Sohn von Beatle George Harrison jetzt sein Debütalbum aufgenommen hat. Thomas Schacher spricht in der NZZ mit der Sopranistin Regula Mühlemann über das Geheimnis ihres Erfolgs. Ueli Bernays bilanziert in der NZZ das Jazzfestival Unerhört in Zürich. Arne Hartwig porträtiert in der Jungle World den israelischen Musiker Gili Yalo.

Besprochen werden das neue Morissey-Album (Freitag), ein Auftritt von DAF (Standard), Neil Youngs neues Album "The Visitor" (FR), Hannes Waders Berliner Abschiedskonzert (FR) und ein Auftrit der Fleet Foxes (FAZ).

Und Pitchfork kürt seine Lieblingsvideos 2017 - auf der Spitzenposition: Björk.


Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.12.2017 - Musik

Für die taz hat sich Jens Uthoff zum langen Gespräch mit Konzertveranstalter Scumeck Sabottka getroffen. Andreas Hartmann stellt im Tagesspiegel die finnische Musikerin Islaja vor. Der Tatsache, dass immer häufiger namhafte und gefeierte Pianisten die Rolle von Liedbegleitern einnehmen, kann Helmut Mauró einiges abgewinnen, wie er in der SZ anhand einiger neuer Schubert-Einspielungen darlegt.

Besprochen werden Konzerte von Yello (FR, NZZ), Hannes Waders Berliner Abschiedskonzert (Tagesspiegel) und die Arte-Doku "Das ABC der Rock-Tabus" (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.12.2017 - Musik

Eigentlich hätte das neue U2-Album "Songs of Experience" schon vor einem Jahr erscheinen sollen, doch dann kam die weltpolitische Lage dazwischen, weshalb Weltverbesserer Bono seiner Band zwecks Reaktion darauf nochmalige Studioklausur verordnete, wie wir von Karl Fluch im Standard erfahren. Genutzt hat es dem Stadionpop kaum, eher sogar im Gegenteil: Das politische Pathos "geht auf Kosten der Lockerheit. ... Bono deklamiert Durchhalteparolen auf einem Klavierteppich, der nach Coldplay für Arme klingt - wären Coldplay nicht ohnehin nur für Arme. Nett rumpelnde Songs wie 'Summer of Love' vermögen es nicht, diese Schieflage noch zu begradigen. Am Ende ist man als Hörer müde missioniert." Auch Welt-Kritiker Michael Pilz ist sanft genervt von diesen "epischen Gitarrenechos und Gesängen über Blumen, die in Bombenkratern wachsen."

Weltverbesserungslyrik gibt es auch auf Neil Youngs mittlerweile 39. Studioalbum "The Visitor" zu hören, erklärt Christian Schröder im Tagesspiegel, der dem Album eine gehörige "Text-Sound-Schere" attestiert: Der Alt-Hippie finde "für die brennende Besorgnis um sein Gastland (...) musikalisch keine adäquate Form." Und "die Licht- und Naturmetaphorik des Albums verrutscht mitunter in einen grellbunten Kitsch, der an die Landschaftsidyllen des Fernsehmalers Bob Ross erinnert." Hier eine Hörprobe.



Zum Glück gibt es da noch ambitionierte elektronische Musik - die von Erik Wiegand etwa, der unter dem Namen Errorsmith veröffentlicht. Für dessen Album "Superlative Fatigue" transformiere er, wie Christian Wertschulte in der taz erklärt, "global zirkulierende Rhythmen zu einer eigenen Soundästhetik. Für diese hat er einen Synthesizer programmiert, der mittlerweile von einer Berliner Softwarefirma vertrieben wird. Dessen Sounds sind mit analogen Schaltkreisen nicht reproduzierbar, sondern bringen auch gut ausgestattete Computer an den Rand der Rechenkernschmelze. Statt erdiger Wärme und stilsicherem Vintage-Sound entwirft Wiegand eine digitale Präzision, die den rhythmischen Futurismus der globalen Beatszene auch klanglich auffängt." Hier kann man sich das Album anhören.

Außerdem: Daniel Ender besucht für den Standard das neue Beethoven-Museum in Wien.

Besprochen werden Björks neues Album "Utopia" (Standard, Spex), ein Konzert von Patricia Kopatchinskaja und Teodor Currentzis in Zürich (NZZ), ein Konzert des Artemis Quartetts (Tagesspiegel), eine Schostakowitsch-Edition (NZZ), Billy Braggs Album "Bridges Not Walls" (Welt) und ein Konzert der SloMo-Jazzer von Bohren und der Club of Gore (taz).
Stichwörter: Bono, U2
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