Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Bühne

1069 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 107
Zurück | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | Vor

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.08.2017 - Bühne


Eugénie Rebetez. Foto: Zürcher Theaterspektakel

In der NZZ singt Daniele Muscionico ein Liebeslied auf die Tänzerin Eugénie Rebetez, die nächste Woche beim Zürcher Theaterspektakel mit ihrem Solo "Bienvenue" auftritt: "Ihre rebellischen Solos sind jurassische Freiheitskämpfe, rare Auftritte wie jetzt am Theaterspektakel, und sie zeigen, woran es der zeitgenössischen Kunst oft mangelt: an Sinnlichkeit. Wie oft fehlt darstellender und bildender Kunst - Rebetez bewirtschaftet deren Schnittmenge- das, was man als Genuss für die Augen bezeichnet: Schönheit! Denn Schönheit setzt Volumen voraus. Eugénie Rebetez, 31 Jahre alt, hat Volumen in jeder Hinsicht, und mit ihrem Körper generiert sie auf der Bühne neue Volumina, Gedankenräume. Alles, was auf ihrer Bühne zu sehen ist, ist voluminös, groß und laut - vor allem, wenn es sich klein und leise ausnimmt."

Christine Wahl hat für den Tagesspiegel Theaterfestivals in Osteuropa besucht, in Ungarn, Georgien und Russland, wo man sich lieber mit der Vergangenheit beschäftigt als mit der Zukunft: "Dass es in luziden Ausnahmefällen durchaus passieren kann, dass eine Stalinismus-Auseinandersetzung direkt in der Gegenwart ankommt, zeigt 'Die junge Garde' des 37-jährigen Regisseurs Maxim Didenko ... 'Die junge Garde' durchleuchtet kritisch einen Klassiker der sowjetischen Propagandaliteratur über den Kampf einer jungen Partisanengruppe gegen die deutsche Wehrmacht 1942. Bei einer Vorstellung Anfang April, kurz nach den vom Oppositionellen Alexej Nawalny initiierten Anti-Korruptionsdemonstrationen in vielen russischen Städten, fragte Didenkos Hauptdarsteller spontan ins Publikum, was heroisches Handeln eigentlich heutzutage bedeute und ob die Demonstranten 'Helden oder Opfer' seien."

Weiteres: In der FAZ berichtet Clemens Haustein vom Lucerne Festival. Besprochen wird Claudio Monteverdis Oper "Il ritorno d'Ulisse in patria" bei den Innsbrucker Festwochen (in der FAZ beschwert sich Reinhard Kager über den "öden Klamauk" der Inszenierung von Ole Anders Tandberg).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.08.2017 - Bühne

Takao Kawaguchi beim Tanz im August in Berlin. Foto: Takuya Matsumi

Astrid Kaminski unterhält sich in der taz mit dem Performer Takao Kawaguchi, der die mit dem japanischen Ausdruckstanz Butoh verbundenen Projektionen etwas in Zweifel zieht: "Butoh als queeres Paradies - das ist ein europäischer Mythos! Genderpolitik hat keine Rolle gespielt. Natürlich zelebriert der Butoh den männlichen nackten Körper, aber ich habe nie jemanden gesehen, der sich für Körperpolitiken eingesetzt hat."

Weiteres: Beatrice Eichmann-Leutenegger erzählt in der NZZ, wie Obwalden seinen Heiligen Niklaus von Flüe mit einem "Visionsgedenkspiel" ehren will.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.08.2017 - Bühne


La Ribot: "Laughing Hole" in der Retrospektive beim Tanz im August

Oft überdeutlich und unterkomplex findet Elisabeth Nehring in der Berliner Zeitung die Choreografien beim Berliner Tanz im August (besonders schade sei das bei Serge Koulibalys Fela-Kuti-Stück "Kalakuta Republic", das tänzerisch eigentlich hochenergetisch sei). Großartig sei aber die Retrospektive zu La Ribot, die noch einmal ihr Guantanamo-Stück "Laughing Hole" von 2006 zeigen: "Einer langgezogenen Klage, einem Aufschrei gleich, geht es über die Hysterie hinaus bis zur kakophonischen Erschöpfung. Beim Versuch, die Schilder an die Wand zu kriegen, verrenken sich die Tänzerinnen mit gespreizten Armen und Beinen. Lachen und Entkräftung, politisches und körperlich-sexuelles Exponieren und Ausbeuten vermischen sich und machen 'Laughing Hole' auch mehr als zehn Jahre nach der Entstehung zu einer Performance, die auf die Beunruhigungen des politischen Lebens mit Humor, Subversion und jener Mehrdeutigkeit antwortet, für die der zeitgenössische Tanz zu Recht gerühmt wird." Ähnlich sieht es Wiebke Hüster in der FAZ.

Das amerikanische Regieduo Abigail Browde und Michael Silverstone hat für Salzburg Ödön von Horvaths "Kaismir und Caroline" inszeniert. Geradezu imperial findet Uwe Mattheis in der taz die Ignoranz, mit der sich Abigail Browde und Michael Silverstone über Horvaths Sprache hinwegsetzen: "Per hin und her übersetzter 'Bearbeitung' haben sie eine belanglose Nacherzählung der Fabel zu Gehör gebracht, die mit Horváth ungefähr so viel zu tun hat wie eine gute Nachricht mit der 'Frohen Botschaft' des Neuen Testaments." In der Nachtkritik ächzt Reinhard Kriechbaum: "Anderswo dramatisiert man Romane - hier wird ein echtes Stück zu einem papierenen Krampf." Nur im Standard verteidigt Margarete Affenzeller die Kargheit und Simplizität der Inszenierung als sinnvollen Antipoden zum "Salzburger Virtuosenzirkus".

Besprochen wird Monteverdis "Ulisse" bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik (Standard).
Stichwörter: Tanz im August

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.08.2017 - Bühne



Ismael Ivo/Biblioteca do Corpo: Oxygen. Foto: Alvise Nicoletti, Impulstanz

Helmut Ploebst bilanziert im Standard recht euphorisch das Impulstanz Festival in Wien, wo er den Tanz als eine der "hyperprogressiven Kunstformen der Gegenwart" erlebt hat: "Damit soll kein Ranking herbeigeplaudert oder gar behauptet werden, der Tanz wäre das ultimative Gesamtkunstwerk. Aber er hat sich zu einer Kunstform entwickelt, in der sich die Verbindungen zwischen der Körperkunst Tanz und anderen Genres verselbstständigen. Das heißt, wenn etwa Choreografen wie Philipp Gehmacher oder Ivo Dimchev auch als bildende Künstler arbeiten, schaffen sie zwischen Tanz und bildender Kunst etwas Eigenes und Neues."

Im Interview mit der SZ sorgt sich der Intendant der Stuttgarter Oper, Jossi Wieler, um den Regisseur Kirill Serebrennikow, dem die russischen Behörden mit immer mehr Vorwürfen zusetzen (unsere Resümees). Jetzt wird er beschuldigt, Fördergelder veruntreut zu haben, sein eh schon eingezogener Pass gar auf Echtheit überprüft. Wieler meint kategorisch: "Alle Vorgänge gegen ihn sind politisch: die Durchsuchung seiner Wohnung und seines Gogol-Zentrums im Mai, seine Vernehmung als Zeuge, bei der er neun Stunden warten musste, die Absage der Uraufführung seines Balletts 'Nurejew' im Bolschoi-Theater drei Tage vor der Premiere. Vor Jahren wollte er einen Film über Peter Tschaikowski machen, aber die staatliche Förderung wurde gestrichen, weil er auch Tschaikowskis Homosexualität zum Thema machen wollte. Man will ihn als Künstler gängeln, kriminalisieren, marginalisieren."

Tagesspiegel-Kritiker Frank Herold erkennt im Fall Serebrennikow auch, wie sich Putins Zensur von der berechenbar brutalen Zensur zu Sowjetzeiten unterscheidet: "Gegen die Zensur unter Putin ist List hingegen kein wirksames Mittel, denn sie ist unberechenbar und subtil, funktioniert nicht über ideologische Grundsätze und erkennbare Exekutoren."

Weiteres: Humanistische Werte schön und gut, aber Welt-Autor Björn Hayer würde im Theater gern mal wieder was anderes sehen als Flüchtlinge und Entrechtete. In der NZZ betont Christian Wildhagen dagegen, wie stark die eminent politischen Festivals in diesem Jahr sind, in Salzburg oder in Luzern, würde sich allerdings jüngeres und breiteres Publikum wünschen. Till Briegleb berichtet in der SZ vom Hamburger Sommerfestival auf Kampnagel, das mit seinem Programm den Beweis antreten will, dass "das Spiel mit der Realität besser in der Kunst als in der Politik aufgehoben" sei.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.08.2017 - Bühne

Sandra Luzina trifft sich für den Tagesspiegel mit der spanischen Choreografin La Ribot, der das Berliner Festival "Tanz im August" eine Retrospektive gewidmet hat. In der taz plaudert die Schauspielerin Erika Pluhar im Interview über ihr Leben, Kollegen und Liebe im Alter.

Besprochen werden Claudio Monteverdis Oper "Ulisse" bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik (Standard), die Uraufführung von Mario Wurmitzers Stück "Werbung Liebe Zuckerwatte" beim Thalhof-Festival in Reichenau/Rax (Standard, nachtkritik) und Tania Brugueras Inszenierung von Samuel Becketts "Endspiel" beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel Hamburg (nachtkritik, dazu gibt's ein Interview mit der Regisseurin bei Art).
Stichwörter: Tanz im August

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.08.2017 - Bühne

Serge Aimé Coulibaly / Faso Danse Théâtre & Halles de Schaerbeek Kalakuta Republik Foto: Doune Photo
Heute abend eröffnet das Festival Tanz im August in Berlin mit dem Tanzstück "Kalakuta Republic" des burkinischen Choreografen Serge Aimé Coulibaly, der dem afrikanischen Denker und Musiker Fela Kuti ein Denkmal setzt, erzählt Dorothea Marcus in der taz, die das Stück schon gesehen hat: "Fela Kuti feierte in seinem verwinkelten Haus in Lagos, das heute ein Museum ist, zwar auch manche Drogenparty oder die eigene Hochzeit mit 27 Frauen. Aber als Aktivist und 'antikolonialistischer Panafrikaner' störte er empfindlich die Abläufe des Regimes. Mit seinen Texten hat Kuti das politische Denken in ganz Westafrika geprägt - aber im Privaten konnte es leicht dekadent werden. Auf der Bühne sieht man wie die Freiräume in Privatwahn und Missbrauch kippen und ihre utopische Kraft verlieren. 'Dekadenz kann Selbstzweck sein', wird als Motto eingeblendet, während Männer Machtfantasien ins Mikro brüllen".

Besprochen werden William Kentridges Inszenierung von Alban Bergs Oper "Wozzeck" in Salzburg (NZZ), Dada Masilos Choreografie zu "Giselle" und "Schwanensee" beim Impulstanz in Wien (Standard), eine Londoner Produktion des Musicals "Cats" im Admiralspalast in Berlin (Tagesspiegel) und ein Band über zeitgenössisches Theater in China (nachtkritik).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.08.2017 - Bühne


Alban Bergs "Wozzeck" in der Inszenierung von William Kentridge. Foto: © Ruth Walz, Salzburger Festspiele

In Salzburg versammelten sich die Musikkritiker zu William Kentridges Inszenierung von Alban Bergs "Wozzeck", dessen Geschehen der Regisseur in den Ersten Weltkrieg verlegt hat. "Eine rundum geglückte Kriegsmahnung", lobt Ljubiša Tošić im Standard. "Es fasziniert eine überbordende, intensive und handwerklich elegante Inszenierung, die von Kentridges Fantasie geflutet wird (Luc De Wit besorgt die Co-Regie) und selbst zu einer kleinen Leinwand greift, um Animationen einzubringen. So entsteht aus einer bilderstarken Polyfonie der Assoziationen ein Gesamtkunstwerk mit gebrochenen Idyllen, Kriegsanklagen und Militärkarikaturen, in dem die Tragödie der Charaktere jedoch nicht in einer Übermalung ertrinkt."

"Überforderung ist Prinzip dieser Inszenierung", meint Thomas Rothschild in der nachtkritik, mit Blick auf das Bühnenbild: "Den Ausschnitt der Bühne, in dem gerade gehandelt und gesungen wird, leuchten Scheinwerfer aus - so findet etwa die Szene zwischen Wozzeck und dem Doktor in einem lichtdurchfluteten Schrank statt -, der Rest liegt im Dunkel, um die Videoprojektionen zur Geltung zu bringen. Diese Projektionen sind jedoch in fast ständiger Bewegung. Nur zum Teil nehmen sie den Rhythmus der Musik auf, um dann kontrapunktisch ihr Eigenleben zu führen. Anders als etwa bei Castorf oder Pollesch, verdoppeln sie auch nicht das Spiel auf der Bühne, sondern fügen autonome auf die Realität bezogene und ästhetische Informationen hinzu."

SZ-Kritiker Michael Stallknecht ist eher zwiegespalten: Die Wiener Philharmoniker spielen diese erste vollständig atonale Oper unter dem Dirigent Vladimir Jurowski "aus dem Geist der Spätromantik, der mindestens der junge Komponist noch gehuldigt hatte. Sie erkennen in ihm den Zeitgenossen Zemlinskys oder Schrekers, die zeitgleich gegen eine zerbrechende Welt auf den alten tonalen Bahnen ankomponierten. Schließlich stimmt auch Berg nach dem Mord noch einen großen Weltabschiedsgesang in der Tradition Mahlers oder Bruckners an, für den er ein eigenes frühes, durchaus noch tonal fassbares Klavierstück wiederbelebte. Doch dieser musikalische Zugang verleiht der gesamten Produktion auch einen nostalgischen Grundton, der die Bilder an diesem Abend kaum entkommen."

Außerdem: In der FAZ lobt Jürgen Kesting die Inszenierung als "Interlinearversion der Musik" schreibt über Matthias Goerne in der Titelpartie freundliche Worte: "Sein Wozzeck gleicht einer Zeitbombe." Hans Klaus Jungheinrich ist in der FR nur mäßig beeindruckt von der Inszenierung, aber ebenfalls hingerissen von Goernes Wozzeck: "Bei äußerster Textverständlichkeit bis in die kleinste Silbe realisiert Goerne alle dynamischen Konvulsionen dieser enormen Partie."

Weiteres: Am Berliner Ensemble baut der neue Intendant Oliver Reese inzwischen - anders als sein Kollege Chris Dercon an der Volksbühne - relativ still und ungeschoren um, berichtet Susanne Lenz in der Berliner Zeitung. Besprochen wird Castorfs "Rheingold" in Bayreuth (Tagesspiegel).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.08.2017 - Bühne


Michael Volle als Hans Sachs in Barrie Koskys "Meistersingern". Foto: Bayreuther Festspiele.

Jetzt ist Barrie Koskys Bayreuther "Meistersinger"-Inszenierung auch der New York Review of Books einen Text wert. Larry Wolff sieht von Kosky viele Fragen aufgeworfen, aber nicht unbedingt beantwortet. "Am bewegendsten war jedoch am Ende des dritten Aktes das exquisite "Morgentraum"-Quintett, bei dem die fünf Hauptpersonen in dem ansonsten leeren Nürnberger Gerichtssaal mit versunkener Innerlichkeit und sublimer Harmonie von dem Traum singen, den sie gerade erst zu begreifen beginnen. Das Gerichtssetting erinnert uns daran, dass sich auch die Schönheit rechtfertigen muss, wenn die Träume künstlerischen Schaffens mit den Albträumen der Geschichte verstricken."

Weiteres: Im Standard-Interview mit Margarete Affenzeller spricht die griechische Filmregisseurin Athina Rachel Tsangari über Frank Wedekinds "Lulu", mit der sie bei den Salzburger Festspielen ihr Theaterdebüt geben wird: "Es ist wirklich das Schwierigste, was ich bisher gemacht habe." Irgendwie kleinkariert findet Helmut Ploebst im Standard die Papstsatire "Pontifex" des Grazer Duos Marta Navaridas und Alex Deutinger beim Wiener Festival Impulstanz.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.08.2017 - Bühne


Anna Netrebko in Shirin Neshats "Aida". Foto: Salzburger Festspiele / Monika Rittershaus.

Große Salzburg-Gala bei der "Aida" Premiere, mit Anna Netrebko in der Titelrolle und Ricardo Muti am Dirigentenpult (und regulären Ticketpreisen von 450 Euro, auf dem Schwarzmarkt bis 3.000 Euro). In der NZZ ist Christian Wildhagen hin und weg: "Tatsächlich kann man heute wohl keine stimmschönere Sängerin für die Titelrolle engagieren. Anna Netrebko befindet sich vokal hörbar auf dem Gipfel ihrer Laufbahn: Ihr charakteristisch weicher, über die Jahre noch fülliger und farbiger gewordener Sopran ist ausgewogen in allen Lagen; die in dieser Partie viel geforderte Piano-Höhe spricht fast durchweg mühelos an, gleichzeitig behält die Stimme ihre Grundierung in der üppigen Bruststimme."

Und wie fand Manuel Brug in der Welt die Netrebko? "Toll! Toll! Toll! Doch, schon! Figurgnädige, monochrom dunkle Wallekleider, etwas zu viel Selbstbräuner, eine irgendwie barbarische Haarkrone, zum Himmel sich windende Erbarmensarme in schönster Primadonnenmanier, porzellanpüppchenartige Demutsgesten - fertig ist die äthiopische Sklavin aus der Opernboutique de luxe." (Sehr schön eingefangen haben die Salzburger Nachrichten in einer Bilderstrecke Netrebkos Auftritt!)

Als reinsten Ikonoklasmus bejubelt Uwe Mattheis in der taz auch Shirin Neshats Inszenierung: "Die aus dem Iran stammende, in New York lebende bildende Künstlerin unterzieht diesen Opulenz verheißenden Stoff genau jener klärenden, den Verstand adressierenden visuellen Diät, die ihre fotografischen Arbeiten aus und über den Iran zuvor vermuten ließen." In der SZ bemängelt Reinhard Brembeck dagegen die brave und unkritische Regie von Operndebütantin Shirin Neshat: "Erstaunlicherweise ist Shirin Neshat nichts zum Plot und schon gar nichts zur Musik eingefallen." Ähnlich sieht es Ljubisa Tosic im Standard: "Nicht, dass Minimalismus kein Stilmittel wäre. Er müsste nur bewusst klischeefrei gestaltet werden." Weitere Besprechungen in Tagesspiegel, New York Times und FAZ.

Weiteres: Im NZZ-Interview mit Marion Löhndorf bekundet Daniel Kehlrmann unter anderem sein Missfallen am deutschen Theater, das der dramatischen Form keinen Raum mehr gebe: "Aber in London und in New York habe ich lebendiges, originelles Gegenwartstheater erlebt." Der Bayerische Rundfunk bringt außerdem ein Feature über das Real-Theater von Milo Rau.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.08.2017 - Bühne


Samira Elagoz: Cock, Cock, Who's There?

In der taz erzählt Uwe Mattheis von den Performances der finnischen Künstlerin Samira Elagoz, deren Unerschrockenheit beim Wiener Impulstanz-Festival offenbar auf wenig Gegenliebe stieß: "Ins Konzept politischer Korrektheit schleichen sich anachronistische Reinheitsvorstellungen, wenn diskutiert wird, in welchem Umfang frau 'als Feministin' herumvögeln dürfe. Das Vordringen des antifeministischen Rollbacks bis in ein vorwiegend junges Festivalpublikum erschreckt jedenfalls."

Originell und witzig findet Christine Dössel in der SZ Albert Ostermeiers Wormser Nibelungen-Variante "Glut", die das Stück nach Arabien verlegt und zu einem Agententhriller zwischen Wüstenstaub und Bagdad-Bahn im Jahr 1915 macht. Aber: "Sein Wüstenzug ist so schwer beladen mit Doppel- und Tarnexistenzen, mit Anspielungen, Monologen, Metaphern und Zitaten (Hamlet, Shylock, Nathan der Weise), dass es zwischendurch zu Verwirrungen im Gleisbereich kommt."' In der Welt beteuert Eckhard Fuhr, dass Ostermaiers Geschichte einen historischen Kern besitzt: "Der Islam gehört zum Deutschen Reich." In der Nachtkritik fühlte sich Harald Raab nicht einmal gut unterhalten.

Besprochen werden italienische Barockoper "La Lisarda" bei den Donaufestwochen im Strudengau (Standard), Andreas Kriegenburgs Inszenierung von Schostakowitschs "Lady Macbeth von Mzensk" bei den Salzburger Festspielen (Tagesspiegel) und die Performance des israelischen Choreografen Nir de Volff im Berliner Dock 11 (Tagesspiegel).
Zurück | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | Vor