Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Bühne

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.12.2020 - Bühne

Mozarts "Le Nozze di Figaro". Foto: © Moritz Schell  / Theater an der Wien

Die erste Opernarbeit des Satirikers Alfred Dorfer konnte nur im Fernsehen gezeigt werden, Standard-Kritiker Ljubisa Tosic wartet jetzt umso mehr auf die Live-Premiere von Mozarts "Le nozze di Figaro" im Theater an der Wien: "Zweifellos kommt allerdings rüber, wie intensiv in diesem Energiefeld von Macht und Begehren agiert wird: So zerzaust wie der Raum, so ramponiert scheint zunächst Almaviva. Er sitzt erschöpft im Stuhl, nickt gerne ein und träumt davon, die Protagonisten seiner Umwelt wie Wachsfiguren hin und her zu verschieben. Die Wirklichkeit ist seinen Machtfantasien jedoch weit weniger zugetan. So mobilisiert dieser Herr der Erschöpfung denn auch seine letzten Kräfte, wenn es um die Reste seiner Ehre geht. Es kippt die heitere und gekonnt durchchoreografierte Inszenierung dann ins Düstere. Es landet der notorische Damenjäger Almaviva, nun übergriffig, ungebetenerweise zwischen den Beinen seiner Gemahlin."

Auf der Nachtkritik wünscht sich Michael Wolf mehr Philosophie im Theater: "Ob Trump, Klimawandel, AfD, ökologische, politische oder moralische Katastrophen, Theater ist dabei, will mitreden und die Welt verändern. Wie diese Welt aber überhaupt beschaffen ist, gar was sie im Innersten zusammenhält, über diese Frage nuscheln Schauspieler gern verlegen hinweg."

Weiteres: Christine Dössel schreibt in der SZ zum Tod des Schauspieler und Regisseurs Peter Radtke, der mit seinem "Crüppel Cabarets" ein Vorreiter des inklusiven Theaters war. Hubert Spiegel weist in seinem Nachruf in der FAZ auch darauf hin, dass Radtke zum "Problem Brüchigkeit" promoviert hatte.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.11.2020 - Bühne

Hinter dem Münchner Schlachthof wird das neue Volkstheater gebaut, das Deutschlands modernstes Haus werden soll, und natürlich kann Christian Stückl der taz-Kritikerin Johanna Schmeller versichern, dass alles im Zeit- und Kostenplan liegt. Aber auch sonst ist Schmeller angetan von dem Bau im lebendigen Schlachthofviertel, dessen Innenhof sie an eine athenische Agora erinnert: "Es ist ein Neubeginn, auch künstlerisch. Nahezu vierzig Jahre residierte das Volkstheater in der noblen, aufgeräumten Briennerstraße - als Mieter. Die ursprünglich als Mehrzweckhalle gedachten Theaterräume im Haus des Sports entwickelten sich zur Dauer-Behelfslösung - und blieben dabei doch immer eine 'Turnhalle', wie Stückl heute sagt. Dann wurde eine Sanierung fällig. Und als der Kostenvoranschlag auf 50 Millionen Euro anschwoll, hatte der Intendant letztlich schnell die Politik bei der Idee eines Neubaus auf seiner Seite."

Weiteres: Georg Kasch hat sich für die Nachtkritik Julian Warners Konzertperformance "The History of the Federal Republic of Germany" an den Münchner Kammerspielen angesehen.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.11.2020 - Bühne

Im Juni bezichtigten Mitarbeiterinnen des Badischen Staatstheaters in Karlsruhe den Generalintendanten Peter Spuhler des Machtmissbrauchs (unsere Resümees). Zunächst wurde Spuhler vom Verwaltungsrat dennoch im Amt bestätigt, jetzt empfehlen Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup und die baden-württembergische Kunstministerin Theresia Bauer eine vorzeitige Vertragsauflösung. Im Interview mit Hartmut Welscher (VAN) erklärt Mentrup: "Mittlerweile habe ich verstanden, an welcher Stelle es da eigentlich krankt und was auf der zwischenmenschlichen Ebene passiert. Am Ende war aber ausschlaggebend, dass es meiner Überzeugung nach mit Herrn Spuhler nicht den Aufbruch geben kann, den das Theater jetzt braucht, dazu herrscht zu viel Misstrauen. Auch hat es in den letzten Wochen Anzeichen dafür gegeben, dass das Haus in verschiedene Gruppen auseinanderfällt, die jeweils ihren eigenen Interessen nachgehen und der Generalintendant letztlich nicht mehr als Entscheider akzeptiert wird. Es gibt keinen gemeinsamen konstruktiven Prozess, sondern ein permanentes Abwarten, bis etwas passiert, das dann wieder als negative Entwicklung gewertet werden kann."

In Russland boomten digitale Theaterübertragungen während des ersten Lockdowns, schreibt Olga Fedianina in einem Theaterbrief aus Russland in der nachtkritik und erklärt: Man hat "in Russland ein eigenes, inniges Verhältnis zum Theater auf dem Bildschirm und Leinwand, und dieses Verhältnis ist geografisch und geschichtlich bedingt. In der Sowjetunion hatte man als Zuschauer fast keinen Zugang zum Theater der restlichen Welt, man reiste kaum, Gastspiele waren rar. Dieser jahrzehntelanges Erfahrungs- und Austauschmangel ließ alle Interessierten auf die Aufzeichnungen zurückgreifen, sofern diese vorhanden waren. (…) Zu Sowjetzeiten gab es deswegen eine beliebte Fernsehgattung, der heute noch viele nachtrauern: Sie hieß 'Film-Theateraufführung' und bestand aus einem Schauspiel, das im Fernsehstudio komplett nachgestellt (und teilweise auch neu inszeniert) wurde."

Weiteres: In der taz empfiehlt Jens Fischer die vom Hamburger Künstler*innen-Kollektiv Picnic inszenierte, der Avantgarde-Künstlerin Cathy Berberian gewidmete Performance "A few words for a woman to sing", die zunächst im Livestream, im Februar dann auch im Hamburger Lichthof-Theater zu sehen ist. Besprochen wird Michael Decars Inszenierung "Nachts im Ozean" im Anhaltischen Theater (Nachtkritik).
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.11.2020 - Bühne

In der SZ stellt Alexander Menden die Neue am Dortmunder Schauspiel vor, die Intendantin Julia Wissert. Im Sommer, mitten in der Pandemie hat sie ihr Amt angetreten, in dem sie mehr Diversität auf der Bühne durchsetzen will. Aber erst mal ist sie in Dortmund heimisch geworden: "Mit einnehmender Begeisterung erzählt Wissert von Menschen, die sie in der Fußgängerzone begrüßt hätten ... Einmal sei sie essen gewesen und habe ihr Geld vergessen: 'Ich sage, ich gehe schnell und hole welches, ich lasse Ihnen meinen Führerschein da. Und der Mann meint: Frau Wissert, bitte! Man hat mir erzählt, wer Sie sind. Kommen Sie einfach irgendwann vorbei. Und ich denke: Alter, das ist hier wirklich ...' Sie lässt den Satz offen ausklingen, fügt allerdings an, dass es sich anders anfühle als in ihrer Geburtsstadt Freiburg. Dort werde ihre Mutter, die seit vierzig Jahren dort lebe, von manchen noch immer als Zugereiste betrachtet, die 'irgendwann doch noch mal zurück ins Saarland zieht'."

Dramaturg Bernd Feuchtner ist sauer auf das Virus, die Politik und die Theatermacher. Im Tagesspiegel warnt er: "Wenn nun auch im Dezember nicht differenziert nach funktionierenden oder eben nicht funktionierenden Hygienekonzepten der einzelnen Veranstalter entschieden wird, wird es im Jahr 2021 dunkel. Mit der Kultur fährt auch die Bildung in den Graben, obwohl sie die wichtigste Investition in die Zukunft ist. ... Die Theater müssen sich aber auch an die eigene Nase fassen. Schaut man in das letzte Jahrbuch des Bühnenvereins, so haben die deutschen Opernhäuser seit dem Jahr 2000 über 20 Prozent ihrer Besucher eingebüßt. Und blickt man noch weiter zurück, dann hat sich im deutschsprachigen Raum die Zahl der Opernaufführungen von 14 000 in der Spielzeit 1965/66 bis zur Spielzeit 2018/19 auf 7000 halbiert. Wenn das kein Grund ist, die Repertoirepolitik zu überprüfen."

Weiteres: Die nachtkritik streamt heute abend ab 18 Uhr Nicolas Stemanns "Corona-Passionsspiele" vom Schauspielhaus Zürich, ab 20 Uhr kann man auch mit dem Regisseur chatten. Besprochen werden Herr Finnlands Inszenierung von Nestervals Game-Theaters "Goodbye Kreisky" am Brut Wien (nachtkritik, Standard), Philipp Jeschecks Inszenierung von Petra Maria Kraxners Stück "Alter Ego" im Tiroler Landestheater, ebenfalls im Stream (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.11.2020 - Bühne

Im Interview mit Ljubiša Tošić erklärt Regisseur Alfred Dorfer im Standard, warum er mit dem "Figaro" erstmals eine Oper inszeniert hat. Die Premiere am Theater Wien fiel dann wegen Corona leider aus: "Ich habe die Premiere ganz allein im stillen Theater verbracht, ohne Publikum, mit dem Lichtmann. Ich habe an diesem Tag eine Lichtprobe gemacht."

Weiteres: Patrick Wildermann unterhält sich für den Tagesspiegel mit dem Schauspieler Nico Holonis, der ab Januar den Mackie Messer im BE spielen soll, über seine Rolle. In der nachtkritik erzählt Seyda Kurt, welche Themen sie gerne im Theater behandelt sähe. Und Christiane Peitz gibt im Tagesspiegel Streaming-Tipps für Theater und Konzert.
Stichwörter: Corona, Dorfer, Alfred

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.11.2020 - Bühne

Nach zwei Jahren im Amt wird dem Obehausener Theaterintendanten Florian Fiedler der Vertrag nicht verlängert. Das anvisierte hippe und migrantische Publikum wollte nicht kommen. In der Nachtkritik sieht Max Florian Kühlem darin nicht nur einen Konflikt zwischen kosmopolitischer Kulturblase und Stadttheater: "Dass Fiedler die Zeit, die solche Veränderungsprozesse brauchen, nicht bekommen hat, hat allerdings nicht nur mit schlechter Kommunikation, Nagellack und einem fehlendem Anzug zu tun, sondern auch mit den an Stadttheatern üblichen, zu knapp bemessenen Zeiträumen für eine Theater-Intendanz."

Weiteres: Im Standard erzählt der Satiriker Alfred Dorfer, warum er jetzt für das Theater an der Wien Mozarts "Figaro" inszeniert und wie er überhaupt zum Musiktheater kam ("Ich bin eine Klassik-Graugans").

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.11.2020 - Bühne

Traumgestöber: Sebastian Hartmanns "Zauberberg"-Inszenierung. Bild: Deutsches Theater

Von zwei Stunden "verstörendem Traumgestöber" berichtet eine überwältigte Eva Behrend in der tazSebastian Hartmann hat für das Deutsche Theater den "Zauberberg" inszeniert, und zumindest die Livestream-Premiere erscheint Behrendt als "performatives Gesamtkunstwerk", das mit wenigen Passagen aus Thomas Manns Mammutroman auskomme: "Tilo Baumgärtels animiertes Bergpanorama, zackiger als jedes irdische Gebirge, verspricht ein Game, das einen das Gruseln lehren könnte. Dazu Sturmgeräusche, das Knirschen schwerer Schritte im Schnee, der weiß geschminkte Kopf von Markwart Müller-Elmau, der jetzt schon den Kriegs-Epilog murmelt, und dann, überblendend, die ebenfalls geweißte Linda Pöppel, deren künstlich verzerrte Stimme über das Wesen der Zeit nachdenkt: 'Kann man die Zeit erzählen?'"

Weiteres: Im Tagesspiegel notiert Sandra Luzina, dass der Berliner Ballettchef Johannes Öhman auf die Rassismusvorwürfe reagiert, die Ballerina Chloé Lopes Gomes gegenüber einer Trainingsleiterin erhebt.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.11.2020 - Bühne

In der SZ platzt Peter Laudenbach der Kragen. Er kann das Gejammer der Theaterindentanten nicht mehr hören, die permanent und in völliger Selbstüberschätzung  die Öffnung ihrer Häuser einforderten: "Es genügt Ulrich Khuon und seinen Kollegen und Kolleginnen in den Chefetagen der Theater nicht, Ansteckungsrisiken kleinzureden. Sie überhöhen das Theater, als sei es die wichtigste Instanz des gesellschaftlichen Zusammenhalts, das letzte Bollwerk gegen Barbarei, Vereinsamung und Sinnkrisen. In dieser schrägen Logik erscheint eine vorübergehende Theaterschließung aus Gründen des Gesundheitsschutzes wie die administrative Anordnung zum Untergang des Abendlandes. So erklärt Khuon in seinem Brief an die Kanzlerin, 'das Schließen dieser wichtigen öffentlichen Orte' stifte 'großen gesellschaftlichen Schaden'. Theater und andere Kultureinrichtungen seien 'Orte des Austauschs, die für die Gesellschaft eine unverzichtbare Bedeutung haben' ... Außerhalb der Theaterblase mutet solch pathetische Rhetorik nicht nur schwer nachvollziehbar an. Sie ist peinlich."

Im Tagesspiegel hält Gregor Dotzauer dagegen, dass durch den Lockdown nicht nur die Existenz der Kunstschaffenden auf dem Spiel steht: "Die ökonomischen, stadtplanerischen und psychohygienischen Gefahren von Verarmung, Verödung und Verblödung sind offensichtlich."

Tolle Stücke werden gerade in den Moskauer Theatern gezeigt, versichert Kerstin Holm in der FAZ, Dokumentardramen, schwarze Komödie, Dichterstücke. Und doch fühlt es sich an wie "ein Kunstfest zu Zeiten der Pest", schreibt sie: "Die Ensembles, die ihren Unterhalt bestreiten müssen, spielen in dichtbesetzten Sälen vor Zuschauern, die Masken tragen und zum Nebenmann jeweils einen Platz frei lassen. An vorsorgliche Schnelltests für Solisten ist schon aus Kostengründen nicht zu denken, Krankheitsfälle führen nur zu kurzfristigen Umbauten im Spielplan. Dass der Dirigent und Musikalische Leiter des Petersburger Michailowski-Theaters, Alexander Wedernikow, Ende vorigen Monats einer Corona-Infektion erlag - zwei Wochen nachdem er mit einer Premiere von Petro Mascagnis 'Cavalleria Rusticana' die Saison eröffnet hatte -, erschien fast wie eine Nachricht im Frontbericht. Vorige Woche starb der 84 Jahre alte Moskauer Regisseur Roman Viktjuk ebenfalls an Corona. Sowohl das Michailowski- wie auch das Viktjuk-Theater spielen unterdessen weiter."

Weiteres: In der Nachtkritik erzählt Joseph Hanimann, wie sich die französischen Theater mit Zoom-Inszenierungen gegen die Spielpause stemmen. In der NZZ gerät dagegen Daniele Muscionico ganz aus dem Häuschen über Lily Sykes' Bühnenfassung von Elena Ferrantes Erfolgsroman "Meine geniale Freundin" am Theater Luzern und triumphiert: "Glückliche Nation, in der die Bühnenkunst nicht ganz mundtot gemacht ist." Aber auch Musionico muss einräumen, dass es weniger um Freiheit als um ein Privileg geht, das nur noch 50 Zuschauern pro Vorstellung gewährt wird. In der FAZ porträtiert Simon Strauß die Schauspielerin Valery Tscheplanowa, die dem Theater den Rücken kehrt, weil sie mit den vielem "moralpolitischen Regeln" nichts anfangen kann.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.11.2020 - Bühne

Nina Emge als Gretel (l.), Annina Machaz als Galeristin und Anna Hofmann (r.) als Hänsel. Foto: Christiano Remo


Die Vorweihnachtszeit ist die Zeit für Märchen. Also unternimmt Daniele Muscionico für die NZZ eine kleine Reise durch die Märchenvorstellungen an Schweizer Theatern. "Gretel und Hänsel" nach dem Grimmschen Märchen zeigt das Neumarkttheater. Die Variante hat es in sich: "Zürcher Geschnetzeltes wollte die Böse aus ihren gefangenen Minderjährigen machen. Jetzt rächt sich der Nachwuchs, jetzt steht er selber am Herd: Heute Abend gibt's geschmorte Hexe. Zum Schmaus geladen sind alle, die wie die Verstoßenen, die Flüchtlinge, wie Gretel und Hänsel kein Dach über dem Kopf und Hunger zum Verrücktwerden haben." Muscionico ist begeistert: "Nils Amadeus Lange und Annina Machaz, verantwortlich für Regie, Text und Ausstattung, zaubern aus dem alten Märchenhut eine exemplarische Neudichtung, die alles bietet, was man von einer zeitgenössischen Kinder(buch)inszenierung erwartet: Sie ist sowohl feministisch, in der Besetzung und der Titelei, als auch glutenfrei, wenn Hänsel das gesunde Brot im dunklen Wald verkrümelt; und sie ist entschieden klassenkämpferisch."

Judith Rieping unterhält sich für die taz mit dem Tänzer und Choreografen Isaac Kyere über sein "African Dance Dictionary" auf Instagram, wo er afrikanische Tanzschritte per Video erklärt. Afrikanisch meint hier "die vier großen Stile des modernen afrikanischen Tanzes, die man zu aktueller Popmusik tanzt. Das sind Afrobeats, Ndombolo, Afro House und Coupé Decalé. Man kann natürlich nie die Fülle an traditionellen Tänzen abbilden, es geht hier ja immerhin um einen Kontinent. Trotzdem haben sich Begriffe wie 'Afrodance' oder 'Afrofusion' etabliert. Gemeint sind damit aber vor allem diese vier Stile vorrangig aus Ghana, Nigeria, dem Kongo, Angola und der Elfenbeinküste."

Na dann, lasst die Wände wackeln:

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Weiteres: Sandra Luzina empfiehlt im Tagesspiegel Pina Bauschs Ballett "Das Stück mit dem Schiff", das zum Auftakt des Wuppertaler Online-Festivals "under construction - Wir bauen zusammen ein Haus" heute abend live gestreamt wird. Besprochen werden der Theaterfilm "Sleeping Duties" (Berliner Zeitung) und die Arbeit "Weinen" (hier zu sehen) des Theaterkollektivs Werkgruppe2 (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.11.2020 - Bühne

In der nachtkritik beschreibt Harald Raab am Beispiel des Theaters Bamberg, welche Auswirkungen die Coronakrise auf die Theaterszene hat. "Der Zuschuss der Kommune wird um 2,5 Prozent jährlich gekürzt. Die Stadt ist in Finanznot. Die Kultur muss es als erste ausbaden. Ist Bamberg der apokalyptische Vorreiter? Werden andere deutsche Städte folgen, denen durch Corona die Gewerbesteuer-Einnahmen dramatisch wegbrechen? Bamberg, ein Testfall nach altbekanntem Muster: Kulturausgaben sind absurder Weise als freiwillige Leistungen eingestuft. Wenn Steuereinnahmen ausfallen, geraten die Kommunen in die Bredouille. Sie müssen den Rotstift ansetzen, um einen Haushalt aufstellen zu können, in dem die Ausgaben durch Einnahmen gedeckt sind. Gelingt das nicht, übernehmen in Bayern die zuständigen Bezirksregierungen diese Aufgabe. Die Folge: Alle Kulturausgaben werden unter Umständen bis auf Null reduziert."

Außerdem annonciert die nachtkritik das Streaming von Sebastian Hartmanns Adaption des "Zauberbergs" heute abend um 19.30 Uhr live aus dem Deutschen Theater. Die neue musikzeitung gibt Streamingstipps für die nächsten sieben Tage.