Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Bühne

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.12.2019 - Bühne

Szene aus "legende" an der Volksbühne. Foto: Thomas Aurin


An der Berliner Volksbühne hat Stefan Pucher den Montage-Roman "legende" von Ronald M. Schernikau inszeniert. Der offen homosexuell lebende Schriftsteller war strammer Marxist, trat mit 16 im Westen der DKP bei und ließ sich noch zwei Monate vor der Wende in die DDR einbürgern. 1991 starb er an Aids. "Das Buch ist, was sein Titel verspricht: Legende", erklärt ein nicht unbeeindruckter Janis El-Bira in der nachtkritik. "Ein fast tausendseitiges Ungetüm in elf Teilen, doppelspaltig gedruckt wie das Buch der Bücher. Um Götter geht es dementsprechend auch, die Fifi oder Tete, und um Menschen, die Janfilip Geldsack oder Anton Tattergreis heißen. Alles irgendwo zwischen hohem Ton und Schlagerzitat, heiligem Ernst und Klamauk, Ost und West, Kapitalismus und Kommunismus. Ein Blick auf die alte BRD aus DDR-Augen und umgekehrt." Stefan Pucher steuert Musik und Videos dazu. Hochintelligent gekürzt und "schön verwirrend" findet Peter Claus im Dlf Kultur das alles: "Dabei ist es so, dass die Figuren oft mehr erzählen als spielen, also Ereignisse in Szenen übersetzt werden. Was gut funktioniert."

Für SZ-Kritiker Jens Bisky funktioniert der Abend überhaupt nicht. Schernikau glaubte hochgestimmt fest daran, dass die DDR dem Westen überlegen sei. Was man jetzt auf der Bühne sehe, seien nur "einige revolutionären Sehnsüchte des alten Westberlin, aber auch diese werden nur zitiert, man kann sie gut konsumieren, es ist alles nur Gerede, nicht Geste, nicht Verhalten, vielmehr Festhalten an Floskeln". Mildes Lob verkündet Irene Bazinger in der FAZ. "Angestrengt und unglaublich retro in seiner west-östlichen Polit-Klamottigkeit", urteilt Christine Wahl im Tagesspiegel.

Besprochen werden außerdem Krzysztof Warlikowskis Inszenierung von "Hoffmanns Erzählungen" an der Brüsseler La Monnaie Oper (SZ), Alice Buddebergs Adpation von Nadja Spiegelmans biographischem Roman "Was nie geschehen ist" für das Schauspiel Hannover (nachtkritik) und der schwule Opernführer "Casta Diva" (Tagesspiegel).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.12.2019 - Bühne

In der FAZ berichtet Florian Amort vom Festival Wien Modern.

Besprochen werden Olga Neuwirths Oper "Orlando" in Wien (nmz, Zeit), Nicola Raabs Inszenierung der "Traviata" an der Komischen Oper Berlin (die Peter P. Prachl in der nmz "radikal altbacken" findet), Alexander Eisenachs "Stunde der Hochstapler - Das Krull-Prinzip" am Berliner Ensemble (taz) und eine Ausstellung mit der filmischen Aufzeichnung, Kostümen und Objekten rund um Tadeusz Kantors Bühnenwerk "Où sont les neiges d'antan" im Baseler Museum Tinguely (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.12.2019 - Bühne

Daniele Muscionico recherchiert für die NZZ zur Studie des Frankfurter Theaterwissenschaftlers Thomas Schmidt, derzufolge 55 Prozent aller Befragten Machtmissbrauch an Theatern erlebt hätten, psychischen Druck, Mobbing oder das Einfordern sexueller Gefälligkeiten. Obwohl Muscionico die im Oktober vorgestellte Studie methodisch etwas fragwürdig einstuft, sieht sie die Machtdebatte erfolgreich ins Zentrum gerückt: "Im Gebälk der traditionsreichen deutschen Theaterkathedralen knirscht es. Hierarchien werden allenthalben infrage gestellt, Machtausübung als Führungsinstrument steht am Pranger. Allein in Zürich und in Basel sind jedenfalls innert Jahresfrist sämtliche relevanten Bühnen mit künstlerischen Teams besetzt worden. Benjamin von Blomberg, Nicolas Stemann und ihre künstlerische Crew verteilen die Führung und Verantwortung des Schauspielhauses Zürich dementsprechend auf mehrere Köpfe. Blomberg: 'Alle die Intendanten oder Intendantinnen, die in der Vergangenheit und auch heute noch ihren Job allein machen mussten oder müssen, tun mir schlicht und ergreifend leid.'"

Olga Neuwirths "Oralndo" in Wien. Foto: Staatsoper Wien / Michael Pöhn

Thema ist heute auch noch einmal Olga Neuwirths in Wien uraufgeführte "Orlando"-Oper. In der NZZ fürchtet Marco Frei, dass sich Neuwirth, einst Enfant terrible der Opernwelt, vom "Elite-Tempel der Hochkultur" hat zähmen lassen. Und weil Neuwirth die Geschlechterrollen viel weniger entschlossen aufbreche, als es in Virginia Woolfs Romanvorlage angelegt sei, will er in Orlando auch keine Transgender-Oper sehen: "Zum Abschluss trällert der Chor dann sogar eine Art 'Transgender-Hymne'. 'Wir sind fluid geboren', heißt es. Das wirkt nicht nur arg gewollt, sondern ideologisch verblendet: wie die Progaga-Gesänge im Sozialistischen Realismus." In der taz findet Joachim Lange zwar die Musik überzeugend, nicht aber die Bilder: "Die zeitliche Verlängerung ins Heute und Morgen wird aber zum Problem. Da bestimmt das Design nicht mal das Bewusstsein, sondern gerade noch den Schein. So wie hier die Probleme der Zeit gerafft, bebildert und mit der Wut eines Kindes, das seinen Willen nicht erfüllt bekommt, angegangen werden, ist das allzu simpel."

Besprochen werden außerdem Donizettis "Lucia di Lammermoor" am Staatstheater Darmstadt (FR), Choreografien von Alexander Ekman und Sharon Eyal beim Berliner Staatsballett (SZ, Tagesspiegel), Michael Thalheimers Inszenierung von Karl Schönherrs "Glaube und Heimat" am Berliner Ensemble (FR) und Tschechows "Kirschgarten" im Theater in der Josefstadt in Wien (FAZ).
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.12.2019 - Bühne

Kate Lindsay in Olga Neuwirths "Orlando". Fotos: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Am Sonntag hatte an der Wiener Staatsoper Olga Neuwirths Oper "Orlando" Premiere, die Virginia Woolfs Stoff über das Jahr 1928 hinaus fortschreibt: Orlando wandert vom Barock bis in die Hippie-Zeit durch die Jahrhunderte, die Geschlechter wechselnd und auf der stetigen Suche nach künstlerischer Anerkennung. In der Welt ist Manuel Brug begeistert von Neuwirths Ehrgeiz. "Sie will es. Total. Große Oper mit Botschaft. Happening mit Spaß und Anspruch. Das totale, stilistisch divergierende Durcheinander. Den Apparat heraus- und überfordern. Alles nutzen, was geht. Schwelgen. Schrillen. Grenzen austesten. Das Gesamtkunstwerk herbeizaubern. Und sie hat es getan."

Im Standard zeigt sich Ljubisa Tosic ganz berückt von Neuwirths "Stilkosmos der musikalischen Parallelsphären", räumt aber auch ein, dass Neuwirth ihr Werk mit einer "Überfülle an essenziellen Botschaften" überfracht habe. Ähnlich sieht das Michael Stallknecht in der SZ, der aber von der virtuosen Musik hingerissen ist: "Wie bei diesem Stoff die Epochen und Geschlechter verschwimmen, so überlagern sich auch in Neuwirths Musik die Stile, gehen Renaissancemadrigal und barocke Cembalomusik, Gustav Mahler und Cancan ineinander über, steuert eine Band auf der Bühne im zweiten Teil verstärkt Jazz, Blues und Rock bei. Allen diesen Stilen muss sich auch die Titelfigur stimmlich anschmiegen, was Kate Lindsey mit phänomenaler Wendigkeit tut. Als Mann agiert sie aus deutlich tieferer Lage denn später als Frau, bewältigt barocke Koloraturen ebenso gestochen, wie sie mit Popstimme ins Mikrofon singt. Auch im Orchester der Wiener Staatsoper verschwimmen E und U symbolisch, indem es um eine E-Gitarre und zwei Synthesizer angereichert wird, dazu spielen immer wieder Instrumentalisten aus dem Zuschauerraum." In der FAZ lobt Reinhard Kager den Abend, "der wichtige Denkräume öffnet".

Constance Haumann als Königin Elizabeth I. in "Orlando"

Vanessa Friedman hat das praktisch Unmögliche geschafft und für die New York Times die japanische Modedesignerin Rei Kawakubo interviewt, die die fantastischen Kostüme für Olga Neuwirths "Orlando" entworfen hat, obwohl sie das Bühnenbild nicht kannte. Es gab "nur eine Liste der Kostüme, die ich anfertigen musste. Da keine Zeit war, die Sets zu entwerfen (ich wurde auch nicht gefragt), beschloss ich, die Kostüme im Leerraum zu kreieren, ohne mir selbst irgendwelche Einschränkungen aufzuerlegen. Ich fragte Olga, ob es in Ordnung sei, die Kostüme der Synergie und dem Zufall zu überlassen, und sie stimmte zu. Ich habe versucht mir vorzustellen, wie die verschiedenen Stücke auf der Bühne zusammenwirken würden. Und ich berücksichtigte, was die Leute zur gleichen Zeit auf der Bühne tragen würden." Das Ergebnis kann man auf den zahlreichen Fotos bewundern, die David Payr für den Artikel beigesteuert hat.

Besprochen werden Donizettis "Don Pasquale" mit Juli Fuchs (die NZZ-Kritiker Thomas Schacher in der Rolle der Norina für eine Bombe hält),  in der Rolle der Ersan Mondtags Adaption von Viscontis "Die Verdammten" am Schauspiel Köln (deren "oft stupende Imagination" dem SZ-Kritiker Martin Krumbholz zufolge beinahe mit der des Films mithalten könne), die Uraufführung zweier Tanzstücke von Alexander Ekman und Sharon Eyal am Staatsballett Berlin (taz, Tsp, FAZ), Anna Lenks Iphigenie-Bearbeitung am Schauspiel Hannover (Nachtkritik, FAZ), Akira Takayamas "Wagner Project: A School of HipHop" im Mousonturm Frankfurt (FR) und das queerfeministische Theaterfestival "Freischwimmer*innen" in Berlin (Tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.12.2019 - Bühne

Anna Netrebko in Puccinis "Tosca". Foto: Scala

Wie jedes Jahr am 7. Dezember eröffnete die Mailander Scala am Sonnabend ihre Saison mit Staatsauftrieb: Anna Netrebko sang Puccinis "Tosca". 3.000 Euro kostete eine Karte, weiß Welt-Kritiker Manuel Brug. In der NZZ bemerkt Christian Wildhagen, dass Riccardo Chailly die Urfassung spielte, freut sich aber auch über die große Oper vor der Oper: "Die Herrscherloge, wo einst Könige und der Duce und noch so mancher andere Finsterling Platz genommen haben, ist ein rot-weiß-grünes Blumenmeer. Inmitten der Blumen taucht unversehens eine weißhaarige Lichtgestalt auf, winkt freundlich, aber würdevoll in die Runde, und der ganze Saal gerät aus dem Häuschen. Es ist der Presidente della Repubblica, Italiens Staatsoberhaupt Sergio Mattarella, den das Publikum mit einer gut fünf Minuten andauernden Ovation ehrt und feiert, als gelte es, dem letzten integren Aufrechten dieses politisch zerrissenen Landes den Rücken zu stärken. 'Das ist halt Mailand, aber schaut bloß nicht in die Provinz', sagt ein Besucher im Designer-Smoking laut in den endlich dann doch wieder abebbenden Applaus, macht eine dieser vielsagenden südländischen Handbewegungen und stimmt mit hellem Tenor in die Hymne ein, die jede Inaugurazione eröffnet: 'Fratelli d'Italia, l'Italia s'è desta . . .'" In der SZ berichtet Ekaterina Kel allerdings, dass die vielen Touristen beileibe nicht textsicher waren, in der FAZ sehnt sich Klaus Georg Koch seufzend nach Zeiten, als Künstler in Mailand noch etwas riskierten.

In der taz porträtiert Sabine Leucht Leonie Böhm als Regisseurin eines anarchischen Mutmachtheaters, das natürlich auch feministisch sei: "Doch mehr als Gender oder Queerness interessiert Böhm 'der durch das spielende Handeln sich emanzipierende Mensch'. Dass der gerne singt, mit Wasser spritzt und durch Zuschauerreihen prescht, gehört dazu: 'Mir ist wichtig, dass man richtig was erlebt', sagt Böhm."

Besprochen werden Viktor Bodós Inszenierung von Ibsens "Peer Gynt" im Volkstheater in Wien (Standard, Nachtkritik), Michael Thalheimers Inszenierung von Karl Schönherrs Alpen-Reißer "Glaube und Heimat" am Berliner Ensemble (den Peter Laudenbach in der SZ lieber als "ideologischen Giftmüll" entsorgt gesehen hätte), Nele Stuhlers und Jan Koslowskis Komödie "1994 - Futuro al dente" im Frankfurter Schauspiel (FR, Nachtkritik), Karol Szymanowskis Oper "Król Roger" am Berner Theater (FAZ), Ersan Mondtags Adaption von Viscontis "Verdammten" am Schauspiel Köln (Nachtkritik, FAZ) und die Barockoper "Getreue Alceste" in Schwetzingen (FAZ).
Stichwörter: Scala, Böhm, Leonie

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.12.2019 - Bühne

Szene aus Olga Neuwirths "Orlando", mit Kostümen von Rei Kawakubo. Foto: Staatsoper Wien


Morgen hat an der Wiener Staatsoper Olga Neuwirths zweieinhalbstündige Oper "Orlando" Premiere, nach Virginia Woolfs Roman. Sie hatte viel Spaß beim Komponieren, erzählt Neuwirth im Interview mit der SZ. "Ich nenne das mein Opus summum. Es war bei mir ja schon immer alles vermischt: Genres, traditionelle Instrumente, Elektronik. Die Idee des 'bendings' auf allen Ebenen verfolge ich seit über 25 Jahren. Ich wollte immer androgyne Klänge schaffen. Wo man nicht mehr weiß, ob der Klang Elektronik ist, der elektronische Schatten oder das reale Instrument. Es gibt keine hermetische Form, kein Durcharbeiten von Material, sondern eine große fließende Form. Vor 25 Jahren hieß es oft, ich könne daher nicht komponieren und wolle mein kompositorisches Nichtwissen mit Videos, die ich schon immer gerne eingesetzt habe, verdecken."

Szene aus "Glaube und Heimat" am Berliner Ensemble. Foto: Matthias Horn


Das Drama "Glaube und Heimat", 1910 vom österreichischen Dramatiker Karl Schönherr verfasst, erzählt von einer Begebenheit in Tirol nach der Reformation, als die Anhänger Luthers sich entscheiden müssen, entweder ihrem Glauben abzuschwören oder vertrieben zu werden. Michael Thalheimer hat das Stück am Berliner Ensemble in eine unbestimmte Gegenwart geholt. In der nachtkritik ist Falk Schreiber hin und her gerissen von dem Ergebnis: "'Glaube und Heimat' ist einerseits die stimmigste Thalheimer-Arbeit seit langem" und die aktuellste, nähert sie sich doch auch einer "vergleichbaren Religionsspaltung: der Spaltung zwischen schiitischen und sunnitischen Muslimen. Aber das ist eine Spur, die die Inszenierung nicht weiter verfolgt, im Gegenteil schreibt Bernhard Schlink für das Programmheft einen Aufsatz, in dem er die Menschheit leichterhand als Vertreibungsspezies skizziert und ohne jegliche Differenzierung Deutsche in Ostpreußen, Palästinenser in Israel und Rohingya in Myanmar gleichsetzt. Wer Aktualisierungen so unbedarft in den Raum stellt, der kann es auch gleich bleiben lassen."

"So ein Theater möchte man sehen", ruft in der FAZ Simon Strauß, der Thalheimers Inszenierung "phänomenal" fand. In der Berliner Zeitung winkt Ulrich Seidler dagegen ab: "Was ist der Antrieb, so ein Stück auf die Bühne zu bringen? Weil der Titel zwei Reizbegriffe heutiger Debatten liefert? Kann das vom Völkischen Beobachter als Blut-und-Boden-Stück gefeierte Drama als ideologiekritische Schreckensfolie hergenommen werden? ... Egal, Hauptsache schick." Und auch taz-Kritikerin Katrin Bettina Müller bleibt skeptisch.

Weitere Artikel: In der NZZ stellt Michael Stallknecht die Thesen des britischen Altphilologen Armand D'Angour vor, der die Theaterpraxis der Antike "aufregend neu" deutet. Und in der Berliner Zeitung stellt Cornelia Geißler Ronald M. Schernikaus Buch "Legende" vor, dass am 11. Dezember auch in der Volksbühne zur Aufführung kommt.

Besprochen werden außerdem Martin Kušejs Inszenierung von Kleists "Hermannsschlacht" in Wien (Zeit), Amélie Niermeyers Inszenierung von Tschechows "Kirschgarten" am Theater in der Josefstadt in Wien (nachtkritik, Standard), Simone Blattners Inszenierung von Molières "Der eingebildete Kranke" am Theater Bonn (nachtkritik), "Die Hochzeit des Figaro" an der Oper Stuttgart (FR), die Uraufführung von Anne-Cécile Vandalems Stück "Die Anderen" an der Berliner Schaubühne (FAZ), Nicola Raabs Inszenierung von Giuseppe Verdis "La traviata" an der Komischen Oper Berlin (flach und "blutlos", findet ein ratloser Clemens Haustein in der FAZ) und Pina Bauschs Gluck-Interpretation "Iphigenie auf Tauris" in Dresden (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.12.2019 - Bühne

Besprochen werden Nicolas Stemanns Märchenshow "Schneewittchen Beauty Queen" in einer "Version für Erwachsene" am Schauspielhaus Zürich (nachtkritik), Faustin Linyekulas Choreografie "Congo" im HAU in Berlin (Berliner Zeitung), Stephan Kimmigs den den weiblichen Opfern des trojanischen Krieges gewidmetes Sprechkonzert "Hekabe" am Deutschen Theater Berlin (das SZ-Kritiker Peter Laudenbach unterkomplex findet), Mateja Kolezniks Inszenierung von Maria Lazars Einakter "Der Henker" im Wiener Akademietheater (das Ronald Pohl im Standard als "tolle Probe dramatischer Minimalart" feiert, nachtkritik, SZ) und Gabriel Faurés "Pénélope" an der Oper Frankfurt (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.12.2019 - Bühne

In der FAZ stellt Malte Hemmerich das Programm des Salzburger Musikfestivals "Dialoge" vor. Schauspielerin Angela Winkler plaudert im Interview mit dem Tagesspiegel über ihre Autobiografie "Mein blaues Zimmer", ihr Leben und perfekte Schauspieler.

Besprochen werden Corinna Tetzels Inszenierung von Gabriel Faurés "Pénélope" mit Dirigentin Joana Mallwitz am Pult der Frankfurter Oper (nmz, Zeit), Sara Ostertags Adaption von Agota Kristofs Roman "Das große Heft" für die Bühne des Kosmos Theaters in Wien (nachtkritik), Martin Grubers "Heile mich" mit dem Aktionstheater Ensemble am Spielboden im Vorarlberger Dornbirn (nachtkritik), Jan Philipp Glogers Inszenierung von Peter Handkes "Kaspar" in Nürnberg (SZ), John Neumeiers Choreografie von Tennessee Williams' "Die Glasmenagerie" in Hamburg (SZ) und Martin Kušejs Inszenierung von Kleists "Hermannsschlacht" am Wiener Burgtheater (Zeit).
Stichwörter: Handke, Peter

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.12.2019 - Bühne

Szene aus "Getreue Alceste". Foto Susanne Reichardt
Eine tolle Entdeckung ist die Wiederentdeckung von Georg Caspar Schürmanns Oper "Getreue Alceste", freut sich Judith von Sternburg in der FR, die in der Inszenierung des Rokokotheaters Schwetzingen stille Melancholie und lebhaften Gesang genoss. Und dankenswerter Weise verzichte Schürmann - anders als Willibald Gluck - beim Opfertod der Liebenden auf ein "aktlanges Nein-ich-nein-ich-Gezerre", bemerkt Sternburg: "Die Musik des Bach-Zeitgenossen Schürmann ist in ihrer Süße, ihrem unerschöpflich wirkenden melodischen Reichtum in Arien und Ensembles unmittelbar ansprechend. Das Einfallsreiche und Unorthodoxe wird in Christina Pluhars Arrangements noch betont. Schwer zu sagen, ob es wirklich immer Schürmann selbst ist, der die Formelhaftigkeit im Arienaufbau so dermaßen erfrischend beiseite lässt. Überzeugend, wie die durch einige Barockexperten verstärkten Mitglieder des Philharmonischen Orchesters Heidelberg die Leichtigkeit und Intensität der Musik vermitteln. Ein Höhepunkt die Einleitung zum Unterweltsakt mit 1-A-Geräuschkulisse, in der man zum ersten Mal im Leben eine Nagelgeige hört. Sofern das eine Nagelgeige ist."

Besprochen werden John Neumeiers Choreografie zu Tennessee Williams' "Glasmenagerie (NZZ, FAZ) und Nicola Raabs Inszenierung von Verdis "La Traviata" an der Komischen Oper Berlin (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.12.2019 - Bühne

Paula Murrihy als Gabriel Faurés "Pénélopé". Foto: Barbara Aumüller/Oper Frankfurt

Betört kommt FR-Kritiker Bernhard Uske aus der Gabriel Faurés Oper "Pénélopé", die Regisseurin Corinna Tetzel und Dirigentin Joana Mallwitz an der Oper Frankfurt inszeniert haben. Wie feinsinnig die beiden Musik und Libretto verweben, das von Odysseus' Heimkehr nach Ithaka erzählt. Auch in der FAZ ist Wolfgang Sandner hingerissen: "Ein wahres Klangwunder drang dazu aus dem Orchestergraben. Die Dirigentin Joana Mallwitz am Pult des hochmotivierten Opernorchesters schuf einen Klanggrund, wie ihn sich auch ein Fauré nicht besser vorgestellt haben kann: eine weiträumige Architektur, zarte Klangfarben, ebenmäßige Strukturen mit ausbalanciertem Orchestersatz und Klarheit der Phrasierung. Es ist der apollinische Klang, der Fauré einen eigenständigen Platz neben Strauss und Debussy sichert und nur bedauern lässt, dass ein solches Opernjuwel so selten auf die Bühne kommt."

Besprochen werden John Neumeiers Hamburger Ballettfassung von Tennessee Williams' "Glasmenagerie" (die FR-Kritiker Sylvia Staude ganz fabelhaft findet), Puccinis "La Rondine" am Meininger Staatstheater (NMZ), Nicola Raabs Inszenierung von Verdis "La traviata" an der Komischen Oper (die Peter Uehling in der Berliner Zeitung ausgesprochen fantasielos, wenn nicht öde nennt), Lutz Hübners und Sarah Nemitz' Stück "Frauensache" Im Badischen Staatstheater in Karlsruhe (FAZ).