Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.01.2018 - Bühne


Szene aus "Die Hauptstadt". Foto: Barbara Braun

Polit-Theater, Figuren-Essay und große Unterhaltung genoss nachtkritiker Maximilian Pahl im Zürcher Theater Neumarkt, wo Tom Kühnels Adaption von Robert Menasses EU-Roman "Die Hauptstadt" Uraufführung hatte: "Auf 'schrullige' Ideen wie die Erfindung des Senfs ('einer Paste, die den Eigengeschmack einer Speise völlig überdeckt, ohne selbst gut zu schmecken') folgen folgerichtig schrullige Regieeinfälle: Jemand krümmt sich in einem Senftubenkostüm. Dann stehen Miro Maurer und Simon Brusis als Beamte auf einem projizierten Tenniscourt und spielen sich trocken, zu synchron eingespielten Tönen, die Bälle zu. Apropos Töne: Auf die bewährte Bühnenpräsenz von Polly Lapkovskaja muss der Abend zwar verzichten, dennoch liefert sie mit ihrer Band Pollyester den Soundtrack ab Band: 'Euro-Trash-Girl' oder 'Airport, Fairport' lautet es in den tieftönig elektronischen Songs, die den Szenen zugeschnitten sind."

Für NZZ-Kritikerin Daniele Muscionico taugt die Inszenierung zur Nachahmung: "Was hier einem kleinen Theater an Kunst gelingt, ist in Maßeinheiten der Ökonomie nicht aufzurechnen. Es braucht das Team, die Gemeinschaft, und den Glauben an sie, an ein höheres Ziel, ein gemeinsames Drittes - hier auf der Bühne, dort in Brüssel."

Weitere Artikel: Birgit Walter gratuliert in der Berliner Zeitung dem Ballettchef der Komischen Oper, Tom Schilling, zum Neunzigsten.

Besprochen werden Alain Platels Münchner Choreografie "Requiem pour L." (die mit dem Video einer real sterbenden Frau unterlegt ist, was Christiane Peitz im Tagesspiegel als völlig sinnlose Grenzüberschreitung ansieht, SZ), die Uraufführung von Dominik Buschs Stück "Das Recht des Stärkeren" in der Inszenierung von Felicitas Brucker am Theater Basel (nachtkritik), Chris Kondeks und Christiane Kühls Stück "The Hairs Of Your Head Are Numbered" im Berliner HAU (nachtkritik), Mona Kraushaars Inszenierung von Schillers "Maria Stuart" am Hamburger Ernst-Deutsch-Theater (nachtkritik), Ibrahim Amirs "Homohalal" im Werk X in Wien (Standard) und Hüseyin Michael Cirpicis Inszenierung von Sartres "Die schmutzigen Hände" im Stadttheater Gießen (FR)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.01.2018 - Bühne


Szene aus Wolfgang Rihms "Das Gehege". Foto: B. Uhlig

Die passen ja hervorragend zusammen, erkennt SZ-Kritiker Reinhard J. Brembeck, der hin und weg ist von Andrea Breths Brüsseler Inszenierung von Luigi Dallapiccolas "Il prigioniero" und Wolfgang Rihms 56 Jahre älterer Kurzoper "Das Gehege": "Breth erzählt über Rihm und Dallapiccola hinweg das Ende einer in Tod und Irrsinn scheiternden Liebesbeziehung. Der Mann wie die Frau sind Gefangene - in sich selbst, in ihrer Beziehung, in der Welt. Beider Schicksale und Sichtweisen werden getrennt abgehandelt, das des Mannes bei Dallapiccola, das der Frau bei Rihm. Der Bezug zwischen beiden wird nicht so sehr dadurch deutlich, dass jeder einen Kurzauftritt im Stück des Expartners hat, sondern vor allem durch das geniale Bühnenbild. Martin Zehetgruber hat vor eine kahle, graue Betonwand einen Käfig gestellt, der nach und nach zu einer Käfiglandschaft mutiert. Ein Entkommen gibt es in Brüssel weder für die Sänger noch für die Zuschauer." NZZ-Kritiker Michael Stallknecht bleibt dagegen ratlos: mehr als eine "ästhetische Spielerei" erschließt sich ihm nicht.

Weiteres: Im Interview mit dem Standard spricht die Sopranistin Marlis Petersen über Gesang und Psychologie.

Besprochen werden außerdem Hakan Savaş Micans Inszenierung von Ödön von Horváths "Glaube Liebe Hoffnung" am Berliner Maxim Gorki Theater (taz), Florentine Kleppers Inszenierung der Mozart-Oper "Don Giovanni" am Stadttheater Klagenfurt (Standard), neue Choreografien beim Salzburger Tanzfestival Performing New Europe (Standard), Mizgin Bilmens Inszenierung von Ingeborg Bachmanns Roman "Malina" am Konzert Theater Bern (NZZ, nachtkritik) und die Grazer Uraufführung von Nicoleta Esinencus Stück "Rest of Europe" in der Inszenierung von Nina Gühlstorff (nachtkritik).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.01.2018 - Bühne

Im Interview mit der FR findet es der Bariton Holger Falk, der ab Sonntag in Frankfurt die Titelpartie in Manfred Trojahns Oper "Enrico" singt, ziemlich abwegig, dass ein Sänger sich heute quasi dafür entschuldigen muss, dass er neue Musik liebt. "Ich glaube, dass die Frage, warum einer, der eine schöne Stimme hat, zeitgenössisches Repertoire singt, überhaupt nur aufkommt, weil es eine Zeit gab, in der oft solche Sänger das sangen, die im Mainstream keine Karriere machen konnten. Als Verlegenheitslösung also. Und entsprechend haben die Komponisten nicht für schöne Stimmen komponiert, also nicht kantabel, sondern irgendetwas zwischen expressiv und brutal. Und das dann zu singen haben wiederum Sänger mit schönen Stimmen keine Lust. Ein Teufelskreis."

Weiteres: Andreas Klaeui unterhält sich für die Nachtkritik mit der Schauspielerin Ursina Lardi über den Schauspielerberuf. In der Berliner Zeitung stellt Petra Kohse die afghanische Theatertruppe Azdar vor.

Besprochen werden Richard Strauss' "Capriccio" an der Frankfurter Oper (nmz) sowie Andrea Breths Inszenierung der Kurzopern "Il Prigioniero" von Luigi Dallapiccola und "Das Gehege" von Wolfgang Rihm in Brüssel (FAZ, in der Zeit porträtiert Christine Lemke-Matwey den Bariton Georg Nigl, der in Dallapiccolas "Gefangenen" singt).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.01.2018 - Bühne

Besprochen werden das Verteilungsstück "Regime der Auster" des Yzma-Theaterkollektivs im Wiener Theater Drachengasse (Standard), Marivaux' "Streit" als Puppenspiel von Nikolaus Habjan am Münchener Cuvilliés-Theater (FAZ), Friedrich Kuhlaus "Lulu" an Kopenhagens Oper (FAZ) und Horváths "Glaube Liebe Hoffnung" am Berliner Gorki-Theater (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.01.2018 - Bühne

Ende Januar hat Peter Turrinis neues Stück "Fremdenzimmer" in Wien Premiere, im Standard-Interview mit Ronald Pohl erklärt er, warum er so gern Volksstücke schreibt, Stücke über Menschen, die nicht wissen, wohin mit ihren Gefühlen und Gedanken: "In meiner Erinnerung gab es auch ein Buch mit Liedern, die von Knechten und Mägden handelten. Es waren keine klassenkämpferischen Gesänge, sie sprachen von einem beschwerlichen, ja verhunzten Leben und der Sehnsucht nach einem anderen. Dieser Topos ist zur Basis meiner späteren Stücke geworden, von der 'Rozznjogd' bis zu 'Fremdenzimmer'. Es sind Volksstücke über Menschen mit einem desolaten Leben und einem Ausblick auf etwas Besseres, auch wenn dieser Ausblick nur einen Moment oder ein wenig länger dauert. Meine Figuren sind schon am Anfang des Stückes am Ende."

Brigitte Fassbaenders Inszenierung von Richard Strauss' "Capriccio" an der Oper Frankfurt preist der überwältigte Jan Brachmann in der FAZ als einzige Huldigung an den Komponisten und an das Rokoko - "die Kultur der apolitischen Konversation, der ästhetischen Differenzierung, der erotischen Causerie".

Besprochen werden David Böschs Inszenierung von Richard Strauss' 'Elektra' am Theater Basel (Badische Zeitung, NZZ), die neue Inszenierung von Rimini Protokoll "Weltzustand Davos" im Zürcher Schiffbau (NZZ, SZ), Mascha Alechinas Pussy-Riot-Performance im Berliner SO36 (den Thomas Mauch in der taz soliden Agitprop nennt), Robert Borgmanns Kafka-Inszenierung "Das Schloss" am Schauspiel Frankfurt (FR), der Horvath-Abend "Glaube, Liebe, Hoffnung" im Gorki-Theater Berlin (FR), Ibsens "Volksfeind" in Bregenz (Standard), Oleg Soulimenkos Choreografie "Swimming Pool" im Wiener Jörgerbad (Standard) und Rafael Sanchez' Inszenierung von Becketts "Endspiel" am Schauspiel Köln (Kölnische Rundschau, FAZ).
Stichwörter: Peter Turrini, Pussy Riot

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.01.2018 - Bühne


Marivaux' "Der Streit am Münchner Cuvilliétheater. Foto: Thomas Dashuber

"Alles kann, nichts muss": Der Puppenspieler Nikolaus Habjan hat Pierre de Marivaux' alte Fabel "Streit" am Münchner Cuvilliéstheater als "liebestrunkenes Puppenspiel" aufgeführt und Rudolf Neumaier ist in der SZ ganz hingerissen: "Am schönsten wäre es doch, wenn alle mit allen bis zum Orgasmus kuscheln könnten, wenn sich jeder Anflug von Missgunst und Neid im Austausch körperlicher Zärtlichkeiten auflösen könnte. In einer Menage-à-plusieurs - welche Utopie. Er führt nicht nur die Tugend vor, sondern alle, die Treue und Untreue aus seiner Sicht zu ernst nehmen. Inklusive Monsieur Marivaux."

So richtig scheint der Funke von Pussy Riot nicht auf Werner Bloch übergesprungen zu sein. Im Tagesspiegel nennt er die Berliner Bühnenperformance mit Mascha Alechina "Krawall im Kinderzimmer": konkrete Kritik an Politik oder Gesellschaft enthält die 90-minütige dadaistisch- anarchistische Show nicht. 'Ich hege gegenüber Putin keine Gefühle', sagt Alechina, blass, gelangweilt und schlecht gelaunt im Gespräch. 'Der Alte soll einfach nur abtreten.'"

Besprochen werden Roland Schimmelpfennigs Stück "Der Tag, als ich nicht ich mehr war" am Deutschen Theater Berlin ("In anderen Stücken von Schimmelpfennig geht es um mehr", bemerkt Katrin Bettina Müller in der taz, SZ, FAZ), die Wiederaufnahme von Andreas Kriegenburgs "Ring"-Inszenierung an der Bayerischen Staatsoper (SZ), der Abend "Emergence" des Ballett Zürich (NZZ), Hakan Savaş Micans Inszenierung von Ödon von Horváths "Glaube Liebe Hoffnung" am Berliner Maxim Gorki Theater (Nachtkritik, Tagesspiegel), Robert Brogmans Adaption von Kafkas "Schloss" in Frankfurt (Nachtkritik, FAZ), Hanoch Levins Stück "Das Kind träumt" am Theater Augsburg (Nachtkritik) sowie ein Doppelabend am Staatstheater in Braunschweig, der Kurt Weills "Sieben Todsünden" mit Salvatore Sciarrinos "La porta della legge" kombiniert (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.01.2018 - Bühne

Bild: Szene aus "Die Krönung der Poppea". Bernd Uhlig.

So "Unerhörtes" hat die Oper selten gehört, schwärmt Wolfgang Herles im Freitag nicht nur über eine brillante Anna Prohaska in Eva-Maria Höckmayers Inszenierung von Claudio Monteverdis Oper "Die Krönung der Poppea" an der Berliner Staatsoper: "diese Oper und diese Produktion sind reine Erleuchtung. Im Sinne von Aufklärung: Eine 350 Jahre alte Satire auf alles, was uns groß, bloß nicht artig erscheinen mag. Erstens also auf die Politik. Zweitens auf die Liebe. Gier, Rache, Mord. Macht und Sex sind in dieser Oper und in dieser kongenialen Inszenierung eins. Staatsoper eben, in jeder Beziehung."

Weiteres: Ein wenig ermattet berichtet Nachtkritiker Claude Bühler von Julia Hölschers Kleist-Inszenierung "Amphitryon" am Theater Basel: Die "Göttersphäre kontrastiert scharf mit Nüchternheit. Es ist ein skelettierter Kleist, der hier zur Aufführung kommt, nicht nur der vielen Striche im Text wegen."  Im Standard spricht Margarete Affenzeller mit dem jungen Theaterregisseur Felix Hafner, der am Landestheater in St. Pölten Joseph Roths "Die Flucht ohne Ende" zur Aufführung bringen wird.

Besprochen werden "Die Wiederentdeckung der Granteloper" des Theaterkollektivs FUX am Berliner HAU (Berliner Zeitung), die deutsche Uraufführung von Kate Tempests Theaterdebüt "Wasted" am Deutschen Theater Göttingen (taz), Jefta von Dinthers vom schwedischen Cullbergballett getanztes Stück "Protagonist" am Berliner Hebbel-Theater (FAZ)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.01.2018 - Bühne

In der nachtkritik gibt der Kölner Theaterwissenschaftler Peter W. Marx einigen AfDlern, die ein nationaleres Theater fordern, Nachhilfeunterricht in Theatergeschichte und schließt: "Wenn also 2016 die AfD Sachsen-Anhalt die Forderung aufstellte, 'die Bühnen des Landes Sachsen-Anhalt sollen neben den großen klassischen internationalen Werken stets auch klassische deutsche Stücke spielen und sie so inszenieren, dass sie zur Identifikation mit unserem Land anregen', ein Jahr später eine 'Rückkehr zur Romantik' fordert und bei Zuwiderhandlung mit Fördergeldentzug und Entlassung drohen möchte, dann artikuliert sich hier eine Indienst-Nahme von Kunst und Kultur, die nicht nur verfassungsrechtlich bedenklich ist, sondern die auch von einem tiefsitzenden Unverständnis für Entstehung und Entwicklung von Kulturen zeugt."

Ab morgen beim BR zu hören: die Hörspielversion von Elfriede Jelineks "Wut" zu den Anschlägen auf das Satiremagazin Charlie Hebdo und einen jüdischen Supermarkt in Paris im Januar 2015.

Besprochen werden "Die Wiederentdeckung der Granteloper" des Theaterkollektivs FUX am Berliner HAU ("biedermeierliche Nörgelei", ärgert sich Christian Rakow in der nachtkritik, (Tagesspiegel, taz) und Nassim Soleimanpours neues Stück "Nassim" am English Theatre Berlin (Tagesspiegel).
Stichwörter: Peter W. Marx

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.01.2018 - Bühne

Reformen des Betriebs machen noch kein besseres Theater, behauptet Michael Wolf in der nachtkritik. Man nehme nur die oft geforderte Frauenquote. Die meisten Zuschauer hätten keine Ahnung, ob ihr Theaterabend von einem Mann oder einer Frau inszeniert wurde und es sei ihnen auch egal. "Ich selbst bin natürlich trotzdem für die Frauenquote. Ich glaube, dass ich als Zuschauer davon profitieren könnte, wenn männliche Dilettanten nicht mehr talentierten Frauen vorgezogen würden. Ein netter Nebeneffekt, um den es den Aktivistinnen aber sicher nicht geht... Theater soll nicht besser werden im Sinne von zeitgemäßer oder schöner. Es soll besser werden im sozialen und moralischen Sinne. Dagegen habe ich nichts. Die Revolutionäre gegen das böse System mögen aber bitte nicht so tun, als ginge es ihnen um das Publikum oder die Kunst."

Weiteres: In der Zeit porträtiert Christine Lemke-Matwey die Schauspielerin Dagmar Manzel. Besprochen wird die queere Bühnenschau "Pink Mon€y" in der Kaserne Basel (nachtkritik).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.01.2018 - Bühne

In einem sehr unverblümten Interview mit der NZZ spricht die Schauspielerin Corinna Harfouch über die Volksbühne, über Frank Castorf und seinen Nachfolger ("Chris Dercon ist das Räucherstäbchen, das die Volksbühne reinigt"). Und sie erklärt das Theater zum "letzten feudalistischen System", womit sie auch die Ausbeutung von Frauen meint, vor allem aber die der Menschen: "Wenn man miteinander ins Boot springt und losfährt, zu arbeiten beginnt, gilt noch immer: Meuterei ist Untergang. Der Kapitän ist nicht absetzbar ... Ich würde sagen: Die Neoliberalisten haben es dem Theater abgeschaut, wie man sich mit seinem ganzen Sein und Körper einer Sache zur Verfügung stellt. Man macht das, weil man die Sehnsucht nach einer Grenzerfahrung hat. Das ist eine ausnutzbare Hingabe. Aber es muss sich etwas ändern: Die Ausbeutung der Leidenschaft am Theater ist enorm!"
Stichwörter: Corinna Harfouch
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