Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Bühne

977 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 98
Zurück | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | Vor

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.04.2017 - Bühne

Bei Mariame Cléments Inszenierung von Francesco Cavallis Oper "La Calisto" in der Opéra national du Rhin Straßburg "wird viel mit dem Zaunpfahl gewinkt", aber die Musik reißt es raus, schwärmt Christopher Warmuth in der FAZ: "Das, was szenisch platt gewalzt wird, differenziert der Dirigent und exzellente Cembalist Christophe Rousset mit seinem erlesenen Barockensemble Les Talens lyriques unermüdlich aus. Die nur dreizehn Musiker erreichen auch die letzte Ecke des verhältnismäßig ebenso kleinen Opernhauses und umgarnen das Ohr mit einem spritzigen, immer bis zur Neige ausgekosteten, sich energisch aufbäumenden Klang. Brüche sucht man hier vergebens. Das Ensemble gleitet durch die Arien und Rezitative mit phänomenaler Geschmeidigkeit."

Weiteres: Der Tagesspiegel wirft einen Blick aufs Programm des Berliner Theaterfestivals "Augenblick mal!" Die französische Theaterintendantin und Regisseurin Ariane Mnouchkine wird für ihr Lebenswerk mit dem Goethepreis geehrt, meldet die FR. Besprochen wird das Gastspiel des Béjart Ballet Lausanne in Zürich (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.04.2017 - Bühne

In der FAZ berichtet Josef Oehrlein von einer gelungenen Wiederaufnahme von Alberto Ginasteras argentinischer Oper "Bomarzo" am Teatro Real in Madrid. Für die SZ hat sich Eva-Elisabeth Fischer eine Ausstellung über die Theater-Schauspielerin Gisela Stein im Deutschen Theatermuseum München angeschaut: "Es verdichtet sich das Bild von Gisela Stein als einer Vestalin, die unbeirrbar rigide der Schauspielkunst diente."
Stichwörter: Gisela Stein

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.04.2017 - Bühne

Im Standard hilft Ronald Pohl mit einem kleinen Leitfaden durch das Werk von Heiner Müller, dessen Aktualität der Band "Für alle reicht es nicht" behauptet: "Unglück: Ist das A und das O in der Müller'schen Welt. Gegen den Kapitalismus, die Bestie 'mit der Blutbahn der Banken', setzt die in Rätseln redende Sphinx mit der Davidoff-Zigarre auf die Unduldsamkeit der Unterdrückten."

In der taz porträtiert Sascha Ehlert die Berliner Schauspielerin, Regisseurin und Autorin Nora Abdel-Maksoud, die uns mit subversiven Stücken vor "unendlichem Spaß und lähmender Sattheit" erretten will.
Stichwörter: Heiner Müller

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.04.2017 - Bühne

Interessant findet Judith von Sternburg in der FR, wie Amir Reza Koohestani mit seiner "Tannhäuser"-Inszenierung in Darmstadt Wagner in eine muslimische Umgebung verlegt: "Sexualfeindlichkeit und Konservatismus sind keine Alleinstellungsmerkmale christlicher Gesellschaften, die Freude an den schönen Künsten und der friedlichen Aufregung eines Gesangswettbewerbs keine Privilegien des Abendlandes. Wenn Koohestani im zweiten Akt eine muslimisch festlich gekleidete Schar auf die Bühne schickt, leuchtet das nicht nur ästhetisch ein - nicht so weit auseinander, die mittelalterliche und orientalische Mode. Es ist auch die Utopie einer wieder entspannteren (islamischen) Welt, denn geschildert und gerügt werden im 'Tannhäuser' zwar Heuchelei und Schuldgekrampfe, aber Koohestanis Umgang damit ist sanft und lebenszugewandt."

Weiteres: Im Tagesspiegel wagt Frederik Hanssen zu melden, dass die Oper Unter den Linden am 3. Oktober eröffnet werden soll und nicht teurer als 400 Millionen Euro wird: "Was für Berlin bedeutet, dass die Stadt für dieses Prestigeprojekt letztlich 200 Millionen berappen muss, statt der ursprünglichen geplanten 39 Millionen." Enttäuscht berichtet Sylvia Staude in der FR von der Eröffnung des Tanzfestival Moviementos in Wolfsburg mit dem Ballet Preljocaj, dessen Stück "La Fresque" ihr als "stilistischer und atmosphärischer Flickenteppich" erschien. In der Berliner Zeitung unterhält sich Ulrich Seidler mit dem Regisseur und Dramatiker Falk Richter, dessen neues Stück "Verräter. Die letzten Tage" am Freitag im Berliner Gorki-Theater Premiere haben wird. 

Besprochen werden Rimski-Korsakows "La Fille de Neige" an der Pariser Oper (NZZ), Janáceks "Kátja Kabanová" und Schostakowitschs "Lady Macbeth von Mzensk" an der Wiener Staatsoper (Standard), Chaya Czernowins in Gent uraufgeführtes Weltkriegsmusiktheater "Infinite Now" (FAZ), die Parodie "Tschechow in Jalta" am Wiener Theater Scala (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.04.2017 - Bühne

"Einstein on the Beach" am Opernhaus Dortmund.

Als nahezu perfekten Theaterabend bejubelt Martin Krumbholz in der Nachtkritik Kay Voges' Dortmunder Neuinszenierung von Robert Wilsons und Philip Glass' Oper "Einstein on the Beach". Es geht um nichts, doch Wiederholungen können süchtig machen, schwört Krumbholz: "Man täusche sich nicht, das ganz Einfache ist zugleich auch ganz komplex. Deshalb ermüdet man auch nicht. Man ist hellwach und konzentriert. Schon der Anfang verdeutlicht das Programm: Der Chor singt lediglich Zahlen, 'one, two, three, four…', in winzigen Variationen, während zwei Schauspielerinnen in ebenso geringfügigen Variationen Texte sprechen, die aus Floskeln und Redensarten bestehen, aber keinen Sinn preisgeben. Es wird so schnell nicht aufhören, aber man ahnt: Es wird aufhören, bevor man es leid ist. In diesem Kalkül liegt die Magie. Die Verführung."

Weiteres: Als Wunder preist Eleonore Büning in der FAZ die von Werner Seitzer in Hildesheim aufgeführte Busoni-Oper "Doktor Faust". Daniele Muscionico trifft in Düsseldorf für die NZZ den Intendanten Wilfried Schulz, den sie sich auch gut im Zürcher Schauspielhaus vorstellen kann.

Besprochen werden Becketts Solo-Stück "Glückliche Tage" am Deutschen Theater ("Stabil am Abgrund" sah Simon Strauß in der FAZ Dagmar Menzel in der Rolle der Winnie, Nachtkritik), Jan-Christoph Gockels Stück "Der siebte Kontinent" am Kölner Theater im Bauturm (SZ), Gernot Grünewalds "Atlas der Angst am Thalia Theater in Hamburg (den Stefan Schmidt in der Nachtkritik ein "poetisches wie kluges Kunstwerk" nennt), Johann Nestroys "Talisman" und Ferdinand Schmalz' "Thermaler widerstand" Stadttheater in Graz (Standard), die Tanzperformance "I don't remember this body" in der Wiener Galerie Jünger (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.04.2017 - Bühne

Keine Gummibäume mehr und keine toten Fische. Am 12. Mai startet die erste Saison der Wiener Festwochen unter dem neuen Intendanten, Tomas Zierhofer-Kin. Und der traut sich was. Im Interview mit dem Standard erklärt er, wie er neben dem konservativen Publikum mit Performance, Tanz, bildender Kunst, Vorträgen auch jüngeres Volk anlocken will: "Mich stört am Sprechtheater die Repräsentation, nicht nur im machtpolitischen Sinn, sondern von 'Ich spiele etwas'. Es hat viele Entwicklungen verschlafen, wohingegen ich anderswo merke, dass da etwas passiert, bei dem ich ganz anders gefordert werde als in der bürgerlichen Idee von Lernen, Analysieren, Verstehen. ... Die passive Idee, irgendwelche teuer produzierten toten Fische herzutun, die wahnsinnig schön sind, wo man aber danach nur sagen kann, wo gehen wir essen, das ist nicht meines."

Besprochen werden Tomas Schweigens Inszenierung von Ivna Žics "Blei", ein Stück über die Ambivalenzen von Erinnerung und Vergangenheitsbewältigung am Schauspielhaus Wien (Presse, Standard, nachtkritik), das Solostück "Hunter" der belgisch-deutschen Choreografin und Tänzerin Meg Stuart im Tanzquartier Wien (Standard) und die Eröffnung des Krass-Festival auf Kampnagel Hamburg mit Branko Šimićs Gewaltstudie "Portrait Explosiv" (nachtkritik).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.04.2017 - Bühne


Hinreißend viel hingerotzte Power (Foto: Ingo Pertramer)

Einen "räudigen kleinen Theaterabend" hat Wolfgang Kralicek (SZ) im Wiener Rabenhof verbracht, das mit dem Stück "Ja, eh!" erstmals Texte von Stefanie Sargnagel auf die Bühne gebracht hat: "Aufgeteilt ist der Text auf drei erfrischend uneitle Schauspielerinnen (Miriam Fussenegger, Lena Kalisch und Saskia Klar). In deren löchrigen Pullis und schlabberigen Jogginghosen (Kostüme: Cátia Palminha) würde sich zwar bestimmt auch die Autorin wohlfühlen, aber Sargnagel-Alter-Egos sollen die drei offenbar nicht darstellen. Es geht hier ja darum, erstmals zu testen, ob diese radikal persönlichen Texte auch ohne die Person funktionieren, die sie geschrieben hat. Und? Ja, eh!" Die Schauspielerinnen agieren mit "hinreißend viel hingerotzter Power, irgendwo zwischen Pumuckl und Prekariatsprinzessin", freut sich Eva Biringer in der Welt.

"Fussenegger, Klar und Kalisch setzen als motivierter Chor an und sacken wahlweise ins Selbstmitleidige oder ins Gelangweilte ab. Oder schrauben sich ins Artifizielle hinauf", schreibt Theresa Luise Gindlstrasser in ihrer Nachtkritik. Für "sehenswert, auch für Leute, die sich leicht grausen" hält Barbara Petsch das Stück in der Presse und staunt vor allem über den souveränen und innovativen Einsatz des Wienerischen: "Hier wird Dialektkultur à la André Heller, Werner Schwab oder Elfriede Jelinek revitalisiert - und eine neue Kunstsprache aus den Tiefen der Gosse gewonnen." Für Thomas Trenkler (Kurier) ist der Abend "ein großes Vergnügen, eine echte Hetz". Nur Michael Wurmitzer zeigt sich im Standard verhalten enttäuscht: "Ohne das Lakonische und Beiläufige von Sargnagels Gehabe, ohne die daraus resultierende Diskrepanz der Figur zum Geschehen, wirkt das meiste wie harmloser Klientelhumor."

Weiteres: In der NZZ kündigt Isabelle Jakob die morgige Premiere des Stücks "Le Corbusier" in den Berner Vidmarhallen an, für das dem taiwanesischen Choreografen Yu-Min Yang das wenig bekannte literarische Werk des frankoschweizer Architekten als Grundlage diente. Besprochen wird Andreas Kriegenburgs Inszenierung der Oper "Frau ohne Schatten" von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal an der Hamburger Staatsoper (SZ) sowie das als Audiowalk inszenierte Stück "Kampf Club Ost" am Schauspiel Leipzig (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.04.2017 - Bühne

In der NZZ grübelt Daniele Muscionico, wer im Sommer 2019 Intendantin Barbara Frey am Schauspielhaus Zürich ablösen könnte: Bachmann, Nübling, Schulz oder Rau? Und: Burg-Direktorin Karin Bergmann, deren Vertrag im Mai ausläuft, will nicht verlängern, meldet der Standard.

Besprochen werden die von Lorenz Nufer inszenierte Uraufführung von Renata Burckhardts Stück über Flüchtlingshelfer "Träges Herz" in der Kaserne Basel (nachtkritik), Giacomo Meyerbeers Oper "Le prophète" am Aalto-Theater in Essen (Westfälische Rundschau, Online Musik Magazin, SZ) und die Strauss-Oper "Frau ohne Schatten" mit Kent Nagano am Pult an der Hamburger Staatsoper (NZZ, NDR, BR, FAZ, Zeit)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.04.2017 - Bühne


Frankfurts berühmte Theaterdoppelanlage, erbaut 1962. Foto: Birgit Hupfeld

Im Interview mit der FR plädiert der Frankfurter Intendant Oliver Reese kurz vor seinem Weggang für einen kompletten Neubau von Schauspiel und Oper. Eine Sanierung, meint er, sei ja keinem mehr zuzumuten, bereits jetzt hat ein neues Gutachten die anfallenden Kosten von 280 auf 500 Millionen Euro erhöht: "Die Situation erfordert zumindest, dass es keine Denkverbote geben darf; vielleicht ist es sogar, großes Wort, Zeit für Visionen...In Köln gab es ein Hin und Her: Zunächst eine Entscheidung für einen Neubau. Diese Entscheidung wurde revidiert aufgrund des Einspruchs der scheidenden, sehr einflussreichen Schauspiel-Intendantin. Dann war Karin Beier weg und ihr Nachfolger schlägt sich nun mit den verheerenden Folgen von Baustopp, Firmenbankrott und mehrjähriger Verzögerung herum. Köln ist ein Menetekel, in Düsseldorf erweisen sich Umbau und Sanierung des Hauses ebenfalls als eine never ending story."


Aida Garifullina als Schneeflöckchen an der Opéra Bastille. Foto: Elisa Haberer/OnP.

Aida Garifullina ist der neue Star unter den Weltsopranen, weiß Jan Brachmann in der FAZ, er hat sie in Paris erlebt, in Rimski-Korsakows Frühlingsmärchen "Schneeflöckchen", das Mikhail Tcherniakov so betörend wie erschreckend auf die Bühne gebracht hat: "Zum innigen Dialog zwischen Schneeflöckchen und Frühlingsfee, durch die zart-kühne Waldgeistmusik mit ihren ungewöhnlichen Akkordfolgen eingeleitet, fangen im letzten Akt sogar die Bäume an zu tanzen. Es ist ein Moment seelischer Heilung."

Weiteres: Im Tagesspiegel verabschiedet Peter von Becker das Theatermonster Claus Peymann mit einem großen Porträt: "Ein Täter, Tänzer und Träumer. Ein Wahrsager, Großmaul und Lügenmeister, in der freien Rede darin auch seinem Idol Thomas Bernhard nah." In der NZZ stellt Georg-Friedrich Kühn nach Neuinszeneirungen in Berlin und Hamburg fest, dass Richard Strauss' "Frau ohne Schatten" eigentlich nicht mehr sinnvoll aufgeführt werden kann: "Schon bei der Uraufführung 1919 in Wien fühlte das Publikum sich gleichsam im falschen Film." In der taz berichtet Iwona Uberman, dass Regisseur Oliver Frljić mit seinem provokanten Anti-Kirchen-Stück "Klątwa" ("Der Fluch") den erwarteten Aufschreib ausgelöst hat.

Besprochen werden Nestroys "Liebesgeschichten und Heiratssachen" an der Wiener Burg (FAZ), Robert Borgmanns "Kirschgarten"-Inszenierung in Stuttgart (SZ) und Giuseppe Verdis "Un ballo in maschera" mit Piotr Beczala an der Wiener Staatsoper (Standard)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.04.2017 - Bühne

In der nachtkritik macht sich Wolfgang Behren Gedanken über adäquate Zuschauerreaktionen, nachdem der neue Intendant der Royal Opera in London sich Buhs verbeten hat. Besprochen wird eine konzertante Aufführung von Donizettis Oper "Maria Stuarda" in Klagenfurt (Standard).
Zurück | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | Vor