9punkt - Die Debattenrundschau

Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Eine Elite, die sich nicht so nennen mag

05.09.2019. Das britische Unterhaus mag die"Mutter aller Parlamente" sein, aber die jüngsten Brexit-Ereignisse zeigen eher den feudalen Kern der britischen Demokratie, schreibt Fintan O'Toole in der Irish Times. Deutsche Kolumnisten bewundern Jacob Rees-Moggs Schläfchen auf der Abgeordnetenbank. Auch die Wahlen in Sachsen und Brandenburg beschäftigen die Medien noch: Götz Aly erklärt in der Berliner Zeitung, warum er die AfD eine "national-soziale Partei" nennt. Und die Zeit gibt dem Streit ein Ressort.

Die Krone ist noch hohler geworden

04.09.2019. Ein Abgeordneter, der sich umsetzt, und ein Rees-Mogg, der sich schlafen legt. Der gestrige Tag im britischen Unterhaus wird in Erinnerung bleiben. Ist Boris Johnson ein "Clownprinz"? Emma trägt einen Aspekt zu den Wahlen in Sachsen und Brandenburg bei: Hätten nur Männer gewählt, wäre die AfD die stärkste Partei. In der FR graut es dem israelischen Schriftsteller Sami Berdugo vor der sanften Diktatur des Populismus.

Dieser Dauerton der Maßlosigkeit

03.09.2019. Die AfD eine "bürgerliche" Partei? Eine Partei, deren Äußerungen an eine vollgeschmierte Klowand erinnern, wird dieses Prädikat kaum für sich beanspruchen können, meint Gustav Seibt in der SZ. In der FAZ rät Ines Geipel, die rechtsextreme Gesinnung vieler AfD-Wähler wirklich ernst zu nehmen.  Der Guardian  versucht, sich die Folgen eine No-Deal-Brexit auszumalen. Und die  irische Journalistin Caelainn Hogan erzählt im Guardian, wie der No-Deal-Brexit von Irland aus gesehen wird.

Ein riesiges Problem mit dem Wolf

02.09.2019. Verzagte Reaktionen auf die Wahlen in Brandenburg und Sachsen: Wie kriegt man es hin, links zu sein und nicht überheblich zu wirken, fragt die FR. Immerhin hat die drohende AfD dazu geführt, dass sich die etablierten Parteien wieder den Bürgern zuwenden, meint die NZZ.  Die Ostdeutschen sind die Opfer der Westdeutschen, sagt Naika Foroutan laut Deutschlandfunk. Die klassischen Medienindustrien, die bei der EU-Urheberrechtsreform ihre Forderungen durchsetzen konnten, möchten ihre Erfolge jetzt durch eine Anzeigenkampagne gegen die "Digitalmonopolisten" konsolidieren, berichtet Netzpolitik.

Stehn drei Nazis auf dem Hügel

31.08.2019. Vor den morgigen Wahlen besingt ZeitOnline das coole, progressive Brandenburg. In der Welt beklagt Marcel Beyer, dass Dresdens Stadtgesellschaft keine Ideen für die Zukunft hat, seit die Frauenkirche steht. In der FAZ glaubt Ivan Krastev, dass der Westen Putins Russland fürchtet, weil er ihm ähnlicher wird. Und in der taz fragt Ai Weiwei, welche Party Volkswagen eigentlich in Xinjiang feiert.

Smart und geschmeidig

30.08.2019. Im Guardian erklärt die Brexit-Gegnerin Gina Miller, warum sie gegen Boris Johnsons verlängerte Parlamentspause klagen wird: "Nur die Gesetze trennen uns von der Tyrannei." In der Welt spricht Liao Yiwu über die Proteste in Hongkong und die chinesische Hightech-Diktatur. Die erweist sich auch in der Kontrolle der chinesischen Journalisten durch die Handy-App 'Studiere Xi, starke Nation', legt das chinamediaproject.org dar. In Spiegel online und der SZ wird das Kopftuch für Schülerinnen verteidigt.

Die Uhren wieder auf Null

29.08.2019. "Ein Affront gegen die Demokratie", titeln Financial Times und Guardian gleichlautend: Mit einem Verfahrenstrick hebele Boris Johnson die britische Demokratie aus. Werden die Proteste in Hongkong durch Kappung des Internetzugangs begraben, fragt Techcrunch - aber auch für die Pekinger Zentrale stünde hier enorm viel auf dem Spiel. Vor achtzig Jahren überfiel Hitler zusammen mit seinem Kumpel Stalin Polen. In Deutschland kräht kein Hahn danach, konstatiert die taz.

Offline mal wieder eine Avocado

28.08.2019. Bernard-Henri Lévy malt sich in La Règle du Jeu die Zerstörung der Hongkonger Demokratie-Bewegung durch China aus. In Zeit online erklärt der amerikanische Philosoph Mark R. Reiff, warum die Sozialdemokratie tendenziell ein Liberalismus ist. In der FAZ fordert der Historiker Felix Ackermann ein Dokumentationszentrum zur Zerstörung Polens und Osteuropas durch die Nazis - und zwar im Berliner Stadtschloss. epd Medien findet unter den AfD-Politikern eine erstaunlich große Menge an Journalisten.

Moralische Impulse

27.08.2019. Dass mit Mounir Baatour erstmals ein Homosexueller bei den tunesischen Präsidentschaftswahlen kandidiert, ist eine Sensation, schreibt Michaëlle Gagnet bei huffpo.fr - und schildert die drastische Unterdrückung der Schwulen in der einzigen arabischen Demokratie. In Zeit online plädiert der Philosoph Philipp Hübl für Nachdenken. taz und France Culture staunen über die religiöse Aufladung der Klimaproteste.

Zählend, statistisch, in Mittelwerten

26.08.2019. Die Digitalisierung wäre nicht entstanden, wenn die Gesellschaft sie nicht gewollt hätte, schreibt der Soziologe Armin Nassehi in der Welt. Die FAZ beschreibt, wie sich die Stimmung gegenüber religiösen Minderheiten in Indonesien immer mehr verfinstert. Die FAZ analysiert auch die Widersprüche des Sytems "Ein Land - zwei Systeme", das zu den tragischen Protesten in Hongkong führt.