9punkt - Die Debattenrundschau
Was ist diesmal anders?
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
12.01.2026. Im Iran sind alle fünf Bedingungen gegeben, um einer Revolution zum Erfolg zu verhelfen, analysieren die Politologen Karim Sadjadpour und Jack A. Goldstone in Atlantic. Inzwischen sind allerdings schon mehr als 200 Menschen getötet worden, berichtet die FAZ. Die taz wüsste gern, ob Deutschland nicht etwas mehr dagegen tun könnte, als nur "Besorgnis" zu äußern. Timothy Snyder sieht in seinem Substack-Newsletter kaum noch einen Unterschied zwischen Trump und Maduro. Die kenianische Anwältin Martha Karua fürchtet in der taz die übergreifende Zusammenarbeit der Regierungen von Kenia, Tansania und Uganda, um die aufbegehrende Gen Z unter Kontrolle zu halten.
Efeu - Die Kulturrundschau
vom
12.01.2026
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Politik
Bei den Demonstrationen im Iran sollen in den letzten Tagen mehr als 200 Menschen getötet worden sein, berichtet Friederike Böge in der FAZ. Sie hat sich auf dem Flughafen in Istanbul mit einigen Ankömmlingen aus dem Iran unterhalten: "Die Zeitschrift Time zitierte einen Arzt mit der Aussage, allein in Teheran seien in sechs Krankenhäusern mindestens 217 Tote gezählt worden. Der Münchner Augentraumatologe Amir-Mobarez Parasta, der eng mit zahlreichen iranischen Ärzten in Kontakt steht, geht von einer weit höheren Totenzahl aus. 'Ich fürchte, dass es viel mehr sind, als wir denken.'" Die Sicherheitskräfte nutzten diesmal scharfe Munition, geschossen werde oft direkt "auf Kopf und Hals", lernt Böge. Parasta "habe Videos gesehen, in denen direkt auf die Halsschlagader gezielt worden sei, offenbar, um den größtmöglichen Schockeffekt zu erzielen. Viele Ärzte hätten ihm schon am Donnerstag vor der großen Eskalation berichtet, sie seien am Rande ihrer Kapazitäten. Parastas Aussagen decken sich mit den Schilderungen der Passagiere am Flughafen."
Unter den zwölf Passagieren, die Böge befragt hat, "war kein feuriger Anhänger des im Exil lebenden Schah-Sohns. Doch alle hielten es für richtig, ihm jetzt zu folgen. 'Es gibt niemanden anderen', sagten sie etwa, er sei 'die letzte Option' oder 'das kleinere Übel'." Im Interview mit der taz macht Reza Pahlavis Berater Saeed Ghasseminejad dagegen schon ganz konkrete Ansprüche geltend: "Das Volk hat ihn zu seinem Anführer gewählt, der diese Revolution leiten soll. Sollten einige Gruppen seine Führung noch nicht anerkannt haben, werden sie dies nach und nach tun. Unweigerlich werden sie sich dem Schwung dieser Volksmehrheit anpassen müssen. Und alle, welche die Islamische Republik überwinden wollen, werden letztlich hinter dieser Führungsfigur stehen müssen."
In der taz blickt Daniela Sepehri sehr ungeduldig auf Deutschland, nachdem Bundeskanzler Merz seine "Besorgnis" zu den Vorgängen im Iran geäußert hat: "Deutschland ist wichtigster EU-Handelspartner des Landes und schiebt dorthin ab. Beides legitimiert die Täter. Wer wirtschaftlich kooperiert und gleichzeitig 'Besorgnis' äußert, sendet nur ein Signal: Diese Gewalt hat keine Konsequenzen. Es braucht öffentlichen internationalen Druck: die Terrorlistung der Revolutionsgarde in der EU, gezielte Sanktionen und internationale Strafverfolgung gegen die Täter, das Ende von Abschiebungen und eine klare Forderung nach Wiederherstellung des Internetzugangs. ... Es besteht Hoffnung, dass das Regime eines Tages gestürzt wird. An diesem Tag wird man sich erinnern, wer geschwiegen und wer weggeschaut hat, während Menschen massakriert wurden." Daran möchte man auch die Hamburger erinnern, die am Samstag gegen den "Faschismus" in Deutschland protestiert haben, die iranischen Demonstranten auf ihrem Weg durch die Innenstadt jedoch völlig ignorierten.
Fünf Bedingungen müssen erfüllt sein, damit in einem Land eine Revolution geschehen kann, schreiben die Politologen Karim Sadjadpour and Jack A. Goldstone in einer Analyse für den Atlantic: "eine Finanzkrise, gespaltene Eliten, eine vielfältige oppositionelle Koalition, ein überzeugendes Widerstandsnarrativ und ein günstiges internationales Umfeld. In diesem Winter erfüllt der Iran zum ersten Mal seit 1979 fast alle fünf Bedingungen." Politisch ist klar, dass das Regime vor dem Bankrott steht, so die beiden Autoren: "Beobachter der aktuellen Proteste fragen sich: Was ist diesmal anders? Die Antwort lautet, dass das Ausmaß des wirtschaftlichen Zusammenbruchs und die katastrophale Niederlage im 12-Tage-Krieg allen Iranern gezeigt haben, dass das Regime nicht mehr in der Lage ist, ihnen grundlegende wirtschaftliche oder militärische Sicherheit zu bieten. Warum sollte man einen Staat tolerieren, der sich selbst bereichert, aber nicht in der Lage ist, die elementarsten staatlichen Aufgaben zu erfüllen?" Ein Punkt allerdings passt im Puzzle noch nicht: Die Sicherheitskräfte des Regimes bleiben loyal. "Ihre Solidität hat bisher den Zusammenbruch der Islamischen Republik verhindert. Bislang ist noch kein hochrangiger Kommandeur der Revolutionsgarde übergelaufen oder hat auch nur milde öffentliche Kritik an Ayatollah Khamenei geäußert, trotz jahrelanger landesweiter Proteste und der gezielten Ermordung von fast zwei Dutzend hochrangigen Persönlichkeiten aus ihren Reihen durch Israel. Für viele dieser Kommandeure würde der Verlust ihrer Macht den Verlust ihres Reichtums und möglicherweise sogar ihres Lebens bedeuten."
In Uganda stehen am Donnerstag Wahlen an. Die kenianische Anwältin Martha Karua blickt im Interview mit der taz eher besorgt auf diesen Tag, denn ähnlich wie in Kenia und Tansania könnten Proteste der Gen Z mit Gewalt unterdrückt werden, in beiden Ländern hatte es mehrere hundert Tote gegeben: "Über 80 Anhänger und Funktionäre von Oppositionskandidat Bobi Wine befinden sich in Haft oder wurden wiederholt festgenommen", auch Keniander seien darunter. Ugandas Präsident Yoweri Museveni plädierte kürzlich sogar für eine länderübergreifende Regionalarmee, um die gut vernetzten jungen Ostafrikanern in Schach zu halten: "Diese Forderung zu diesem Zeitpunkt ist sehr aufschlussreich: Die drei Regime sehen ihre eigenen Staatsangehörigen als Bedrohung für ihren Machterhalt. Die grenzüberschreitenden Entführungen zeugen davon. Im Juli 2024 wurden 36 Ugander, die Mitglieder von Oppositionsparteien sind, in Kenia entführt, nach Uganda überführt und dort einem Militärgericht vorgeführt. Die Entführungen erfolgten durch ugandische Sicherheitskräfte mehr als 100 Kilometer von der Grenze entfernt. Es ist ausgeschlossen, dass ugandische Sicherheitskräfte in Kenia ohne die Unterstützung ihrer kenianischen Kollegen operieren."
Im SZ-Interview erklärt der Kulturhistoriker Benjamin Steininger, der im Forschungskollektiv "The Beauty of Oil" mitwirkt, warum Öl heute nicht mehr für Fortschritt, sondern nur noch für Rückschritt sorgt: Wir "haben ja in der fossilen Moderne Kompetenzen erworben und uns Kapital angefressen, die wir nutzen könnten, um die Schwelle zur postfossilen Ära zu überwinden. Das geht aber nur, wenn man mit den Anlaufschwierigkeiten wohlwollend umgeht und nicht jede Innovation zerschießt oder mit einem Überangebot fossiler Rohstoffe erschwert. Dazu kommen jetzt noch lebensnotwendige Investitionen in Rüstung und Sicherheit. Statt mit den drängenden Problemen der Gegenwart und Zukunft kämpfen wir mit geopolitischen Streitfragen aus der Mottenkiste."
Nachdem die Amerikanerin Renee Nicole Good in Minneapolis von einem Mitglied der Abschiebebehörde ICE erschossen worden war, erklärte Vizepräsident JD Vance sofort, die Frau sei selbst schuld und der Schütze genieße volle Immunität. Für Tania Martini (FAZ) zeigt das vor allem eins: nämlich dass Vance und Donald Trump einiges "mit Nicolás Maduro gemeinsam haben, der in seiner Regierungszeit Tausende von Menschen außergerichtlich töten ließ: Terroristen sind immer die anderen, und schuld ist natürlich immer der Terrorist, auch wenn er eine unbewaffnete Frau ist, die für demokratische Rechte eintritt. Der Historiker Timothy Snyder wies darauf hin, wie sehr die Trump-Regierung inzwischen Maduros unzweifelhaft autoritärem Unrechtsregime ähnelt."
Timothy Snyder schrieb am Freitag in seinem Substack-Newsletter: "Minneapolis wurde gerade Zeuge einer außergerichtlichen Tötung durch die ICE, die immer mehr wie eine paramilitärische Organisation des Präsidenten aussieht. Die Aktion wurde auf schreckliche Weise vom Präsidenten, dem Vizepräsidenten und dem Direktor für innere Sicherheit entschuldigt, wobei sie dieselben Lügen verwendeten wie das venezolanische Regime von Maduro. Das Opfer habe sich der Regierungsgewalt widersetzt, sagten sie. Der Mann, der den Abzug betätigt habe, sei provoziert worden, sagten sie. Nicht der Mörder sei ein Terrorist gewesen, sondern die Mutter, die gerade eines ihrer sechsjährigen Kinder zur Schule gebracht hatte. Diese einzelnen Lügen sind Teil der Logik der Todesschwadronen. Ein Mörder kann ungestraft davonkommen, weil die Regierung die Geschichte kontrolliert. Und dann fällt der nächste Mord umso leichter. Und plötzlich ist das normal und Menschen verschwinden einfach."
Unter den zwölf Passagieren, die Böge befragt hat, "war kein feuriger Anhänger des im Exil lebenden Schah-Sohns. Doch alle hielten es für richtig, ihm jetzt zu folgen. 'Es gibt niemanden anderen', sagten sie etwa, er sei 'die letzte Option' oder 'das kleinere Übel'." Im Interview mit der taz macht Reza Pahlavis Berater Saeed Ghasseminejad dagegen schon ganz konkrete Ansprüche geltend: "Das Volk hat ihn zu seinem Anführer gewählt, der diese Revolution leiten soll. Sollten einige Gruppen seine Führung noch nicht anerkannt haben, werden sie dies nach und nach tun. Unweigerlich werden sie sich dem Schwung dieser Volksmehrheit anpassen müssen. Und alle, welche die Islamische Republik überwinden wollen, werden letztlich hinter dieser Führungsfigur stehen müssen."
In der taz blickt Daniela Sepehri sehr ungeduldig auf Deutschland, nachdem Bundeskanzler Merz seine "Besorgnis" zu den Vorgängen im Iran geäußert hat: "Deutschland ist wichtigster EU-Handelspartner des Landes und schiebt dorthin ab. Beides legitimiert die Täter. Wer wirtschaftlich kooperiert und gleichzeitig 'Besorgnis' äußert, sendet nur ein Signal: Diese Gewalt hat keine Konsequenzen. Es braucht öffentlichen internationalen Druck: die Terrorlistung der Revolutionsgarde in der EU, gezielte Sanktionen und internationale Strafverfolgung gegen die Täter, das Ende von Abschiebungen und eine klare Forderung nach Wiederherstellung des Internetzugangs. ... Es besteht Hoffnung, dass das Regime eines Tages gestürzt wird. An diesem Tag wird man sich erinnern, wer geschwiegen und wer weggeschaut hat, während Menschen massakriert wurden." Daran möchte man auch die Hamburger erinnern, die am Samstag gegen den "Faschismus" in Deutschland protestiert haben, die iranischen Demonstranten auf ihrem Weg durch die Innenstadt jedoch völlig ignorierten.
Fünf Bedingungen müssen erfüllt sein, damit in einem Land eine Revolution geschehen kann, schreiben die Politologen Karim Sadjadpour and Jack A. Goldstone in einer Analyse für den Atlantic: "eine Finanzkrise, gespaltene Eliten, eine vielfältige oppositionelle Koalition, ein überzeugendes Widerstandsnarrativ und ein günstiges internationales Umfeld. In diesem Winter erfüllt der Iran zum ersten Mal seit 1979 fast alle fünf Bedingungen." Politisch ist klar, dass das Regime vor dem Bankrott steht, so die beiden Autoren: "Beobachter der aktuellen Proteste fragen sich: Was ist diesmal anders? Die Antwort lautet, dass das Ausmaß des wirtschaftlichen Zusammenbruchs und die katastrophale Niederlage im 12-Tage-Krieg allen Iranern gezeigt haben, dass das Regime nicht mehr in der Lage ist, ihnen grundlegende wirtschaftliche oder militärische Sicherheit zu bieten. Warum sollte man einen Staat tolerieren, der sich selbst bereichert, aber nicht in der Lage ist, die elementarsten staatlichen Aufgaben zu erfüllen?" Ein Punkt allerdings passt im Puzzle noch nicht: Die Sicherheitskräfte des Regimes bleiben loyal. "Ihre Solidität hat bisher den Zusammenbruch der Islamischen Republik verhindert. Bislang ist noch kein hochrangiger Kommandeur der Revolutionsgarde übergelaufen oder hat auch nur milde öffentliche Kritik an Ayatollah Khamenei geäußert, trotz jahrelanger landesweiter Proteste und der gezielten Ermordung von fast zwei Dutzend hochrangigen Persönlichkeiten aus ihren Reihen durch Israel. Für viele dieser Kommandeure würde der Verlust ihrer Macht den Verlust ihres Reichtums und möglicherweise sogar ihres Lebens bedeuten."
In Uganda stehen am Donnerstag Wahlen an. Die kenianische Anwältin Martha Karua blickt im Interview mit der taz eher besorgt auf diesen Tag, denn ähnlich wie in Kenia und Tansania könnten Proteste der Gen Z mit Gewalt unterdrückt werden, in beiden Ländern hatte es mehrere hundert Tote gegeben: "Über 80 Anhänger und Funktionäre von Oppositionskandidat Bobi Wine befinden sich in Haft oder wurden wiederholt festgenommen", auch Keniander seien darunter. Ugandas Präsident Yoweri Museveni plädierte kürzlich sogar für eine länderübergreifende Regionalarmee, um die gut vernetzten jungen Ostafrikanern in Schach zu halten: "Diese Forderung zu diesem Zeitpunkt ist sehr aufschlussreich: Die drei Regime sehen ihre eigenen Staatsangehörigen als Bedrohung für ihren Machterhalt. Die grenzüberschreitenden Entführungen zeugen davon. Im Juli 2024 wurden 36 Ugander, die Mitglieder von Oppositionsparteien sind, in Kenia entführt, nach Uganda überführt und dort einem Militärgericht vorgeführt. Die Entführungen erfolgten durch ugandische Sicherheitskräfte mehr als 100 Kilometer von der Grenze entfernt. Es ist ausgeschlossen, dass ugandische Sicherheitskräfte in Kenia ohne die Unterstützung ihrer kenianischen Kollegen operieren."
Im SZ-Interview erklärt der Kulturhistoriker Benjamin Steininger, der im Forschungskollektiv "The Beauty of Oil" mitwirkt, warum Öl heute nicht mehr für Fortschritt, sondern nur noch für Rückschritt sorgt: Wir "haben ja in der fossilen Moderne Kompetenzen erworben und uns Kapital angefressen, die wir nutzen könnten, um die Schwelle zur postfossilen Ära zu überwinden. Das geht aber nur, wenn man mit den Anlaufschwierigkeiten wohlwollend umgeht und nicht jede Innovation zerschießt oder mit einem Überangebot fossiler Rohstoffe erschwert. Dazu kommen jetzt noch lebensnotwendige Investitionen in Rüstung und Sicherheit. Statt mit den drängenden Problemen der Gegenwart und Zukunft kämpfen wir mit geopolitischen Streitfragen aus der Mottenkiste."
Nachdem die Amerikanerin Renee Nicole Good in Minneapolis von einem Mitglied der Abschiebebehörde ICE erschossen worden war, erklärte Vizepräsident JD Vance sofort, die Frau sei selbst schuld und der Schütze genieße volle Immunität. Für Tania Martini (FAZ) zeigt das vor allem eins: nämlich dass Vance und Donald Trump einiges "mit Nicolás Maduro gemeinsam haben, der in seiner Regierungszeit Tausende von Menschen außergerichtlich töten ließ: Terroristen sind immer die anderen, und schuld ist natürlich immer der Terrorist, auch wenn er eine unbewaffnete Frau ist, die für demokratische Rechte eintritt. Der Historiker Timothy Snyder wies darauf hin, wie sehr die Trump-Regierung inzwischen Maduros unzweifelhaft autoritärem Unrechtsregime ähnelt."
Timothy Snyder schrieb am Freitag in seinem Substack-Newsletter: "Minneapolis wurde gerade Zeuge einer außergerichtlichen Tötung durch die ICE, die immer mehr wie eine paramilitärische Organisation des Präsidenten aussieht. Die Aktion wurde auf schreckliche Weise vom Präsidenten, dem Vizepräsidenten und dem Direktor für innere Sicherheit entschuldigt, wobei sie dieselben Lügen verwendeten wie das venezolanische Regime von Maduro. Das Opfer habe sich der Regierungsgewalt widersetzt, sagten sie. Der Mann, der den Abzug betätigt habe, sei provoziert worden, sagten sie. Nicht der Mörder sei ein Terrorist gewesen, sondern die Mutter, die gerade eines ihrer sechsjährigen Kinder zur Schule gebracht hatte. Diese einzelnen Lügen sind Teil der Logik der Todesschwadronen. Ein Mörder kann ungestraft davonkommen, weil die Regierung die Geschichte kontrolliert. Und dann fällt der nächste Mord umso leichter. Und plötzlich ist das normal und Menschen verschwinden einfach."
Ideen
Beherrschen wir die Künstliche Intelligenz oder sind wir nur noch die Hausmeister unserer Schöpfung? Das fragte der schwedische Ideenhistoriker Johan Fredrikzon kürzlich in einem Vortrag an der Freien Universität Berlin, den Elke Schmitter für ihre Perlentaucher-Kolumne "ein wort gibt das andere" hörte: "Bei allem, was mit AI zu tun hat, kämpfe ich stets mit Resignation. Die Sache scheint einerseits zu groß, andererseits zu klein. Wie soll man mit etwas umgehen, das in detailliert ausgepinselten Szenarien uns alle, die Menschheit, vernichten könnte, das aber andererseits auf den Klick des kleinen Fingers folgt ... Es ist wohl Temperamentssache, ob man erregungsfroh den allgemeinen Untergang fantasiert oder sich an einen alten Aufsatztitel von Maurice Blanchot hält, der da lautet: 'Die Apokalypse enttäuscht'."
Der Philosoph Wilhelm Schmid plädiert in der SZ dafür, beim Konzept der "Nachhaltigkeit" auch die Sicherheit mitzudenken. Innere Sicherheit, Absicherung der Infrastruktur, digitale Sicherheit und auch Verteidigungsfähigkeit gelte es, zu stärken. Schmid nennt das "nachhaltige Sicherheit": "Zivilschutz, Rotes Kreuz, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Katastrophenhilfe erhalten nun wieder mehr Aufmerksamkeit. Die Höherbewertung von Fragen der Sicherheit führt auch deutlicher vor Augen, wie sehr die Säulen der Nachhaltigkeit miteinander verbunden sind. Wer könnte noch Diskussionen über Ökologie führen, wenn über den Köpfen feindliche Drohnen kreisen und auf den Straßen Panzer rollen? Was würde es der Ökologie nützen, wenn Autokraten das Ruder übernehmen, die sich für dieses Thema wenig interessieren?"
Vergleiche Donald Trumps mit Nero (wie Gustav Seibt in der SZ) oder Augustus (wie Mischa Meier in der FAZ) treffen nicht, findet Andreas Kilb heute in der FAZ. Denn mit der Antike habe das 21. Jahrhundert wenig zu tun. Sehr viel näher liegt für Kilb der Blick aus das vom Imperialismus geprägte 19. Jahrhundert: "Die Politik der Vereinigten Staaten unter Donald Trump ist eine Kopie derjenigen Großbritanniens vor 1914, sie folgt der berühmten Maxime Lord Palmerstons, des britischen Premiers zur Zeit des Krimkriegs und des amerikanischen Bürgerkriegs, nach der ein Land keine dauerhaften Freunde oder Feinde, sondern nur ewige Interessen hat."
Der Philosoph Wilhelm Schmid plädiert in der SZ dafür, beim Konzept der "Nachhaltigkeit" auch die Sicherheit mitzudenken. Innere Sicherheit, Absicherung der Infrastruktur, digitale Sicherheit und auch Verteidigungsfähigkeit gelte es, zu stärken. Schmid nennt das "nachhaltige Sicherheit": "Zivilschutz, Rotes Kreuz, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Katastrophenhilfe erhalten nun wieder mehr Aufmerksamkeit. Die Höherbewertung von Fragen der Sicherheit führt auch deutlicher vor Augen, wie sehr die Säulen der Nachhaltigkeit miteinander verbunden sind. Wer könnte noch Diskussionen über Ökologie führen, wenn über den Köpfen feindliche Drohnen kreisen und auf den Straßen Panzer rollen? Was würde es der Ökologie nützen, wenn Autokraten das Ruder übernehmen, die sich für dieses Thema wenig interessieren?"
Vergleiche Donald Trumps mit Nero (wie Gustav Seibt in der SZ) oder Augustus (wie Mischa Meier in der FAZ) treffen nicht, findet Andreas Kilb heute in der FAZ. Denn mit der Antike habe das 21. Jahrhundert wenig zu tun. Sehr viel näher liegt für Kilb der Blick aus das vom Imperialismus geprägte 19. Jahrhundert: "Die Politik der Vereinigten Staaten unter Donald Trump ist eine Kopie derjenigen Großbritanniens vor 1914, sie folgt der berühmten Maxime Lord Palmerstons, des britischen Premiers zur Zeit des Krimkriegs und des amerikanischen Bürgerkriegs, nach der ein Land keine dauerhaften Freunde oder Feinde, sondern nur ewige Interessen hat."
Europa
"Erkennt Europas Verantwortung als größtes demokratisches Bündnis der Welt an, gerade jetzt, da die Vereinigten Staaten ihre Rolle als moralische Führungsmacht aufgegeben haben", fordert Garri Kasparow in der Welt mit Blick auf den Ukraine-Krieg. Westliche Politiker sollten außerdem die Entwicklungen im Iran und in Venezuela als Chance begreifen für einen "Durchbruch in der Ukraine. Sollten in beiden Ländern westlich orientierte Regierungen an die Macht kommen, könnten sie die Weltmärkte mit Öl überschwemmen und die Preise so weit drücken, dass Russlands Wirtschaft den Krieg nicht länger finanzieren kann. Putin steht bereits jetzt unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Zusätzliche finanzielle Belastungen könnte er kaum verkraften - ganz gleich, was seine Propaganda behauptet."
Nicht besonders optimistisch was die Zukunft Europas angeht, ist Josef Kelnberger in der SZ. Wir sollten uns als Bürger klar machen, dass die "EU als Bund von freiheitlich-demokratischen Staaten sterben wird, wenn 2027 bei den Wahlen in Frankreich und Polen die Rechten gewinnen. Trump, Putin und Xi werden sich um die Beute reißen. (...) Nicht einmal zwei Jahre blieben demnach, um den Bürgerinnen und Bürgern das Gefühl zu vermitteln: Die EU funktioniert. Sie bietet Schutz vor den weltpolitischen Stürmen, denen die einzelnen Staaten hilflos ausgeliefert wären."
Nicht besonders optimistisch was die Zukunft Europas angeht, ist Josef Kelnberger in der SZ. Wir sollten uns als Bürger klar machen, dass die "EU als Bund von freiheitlich-demokratischen Staaten sterben wird, wenn 2027 bei den Wahlen in Frankreich und Polen die Rechten gewinnen. Trump, Putin und Xi werden sich um die Beute reißen. (...) Nicht einmal zwei Jahre blieben demnach, um den Bürgerinnen und Bürgern das Gefühl zu vermitteln: Die EU funktioniert. Sie bietet Schutz vor den weltpolitischen Stürmen, denen die einzelnen Staaten hilflos ausgeliefert wären."
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