Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
19.10.2024. "Es ist eine Scheiße, eine Unverschämtheit", dass er den Deutschen Buchpreis nicht gewonnen hat, legt Clemens Meyer im Spiegel-Gespräch nach. Besonders gut ist die Stimmung auf der Frankfurter Buchmesse ohnehin nicht, notiert die FAZ mit Blick auf einen Jahrmarkt zwischen Stofftaschenanbietern und religiösen Eiferern. Der Tagesspiegel bewundert indes Bürstenwürmer in einer fulminanten Arte-Povera-Ausstellung in Paris. Der Filmdienst erinnert an die Videokünstlerin Friederike Pezold, die das Schauen revolutionierte, indem sie etwa ihr Gesäß zerlegte. Und der Standard grunzt mit der Band Blood Incantation im Wutraum.
Bestellen Sie bei eichendorff21!"Es ist eine Scheiße, eine Unverschämtheit", dass er den Deutschen Buchpreis nicht gewonnen hat, schimpft ClemensMeyer im Spiegel-Gespräch gegenüber Wolfgang Höbel. Bereits die Preisverleihung selbst hatte der Schriftsteller lauthals fluchend verlassen und damit für einen kleinen Eklat gesorgt. Darüber kann er sich nur wundern: "Man darf schon mal schimpfen. Ich habe doch keine Flaschen geworfen. Was war denn früher los in der Gruppe 47? Die haben gestritten und gebrüllt. Das ist der Literaturwelt abhandengekommen, dass man Emotionen zeigt. Alle wollen nur noch nett zueinander sein. ... Ich muss eine Scheidung finanzieren und habe 35.000 Euro Steuerschulden angehäuft. Und andere Schulden auch. Viele Leute im Literaturbetrieb können sich gar nicht vorstellen, wie das ist, wenn man, wie ich, gerade mal 4000 Euro auf dem Konto hat und hohe Schulden. Für mich war es eben schon existenziell, dass diese einmalige Möglichkeit, die der Preis mir geboten hat, an mir vorüberging."
In Frankfurt ist die Buchmesse weiter im Gang. An den Fachbesuchertagen herrschte dort gähnende Leere, dafür stürmte später dann das Publikum die "New Adult"-Areale, berichtet Andreas Platthaus sichtlich genervt in der FAZ. "Die Folge: guteLuft, aberschlechteStimmung, kaum Geschäft, dafür weiter wachsende Standgebühren, immer weniger Aussteller und die Durchmischung ehedem rein literarischer Zonen mit Stofftaschenanbietern, Imageständen von Bundesländern oder Repräsentanzen religiöser Eiferer. Die Messe schafft sich selbst ab oder will zum Jahrmarkt mutieren. Aber mutmaßlich hat sie gar kein Konzept." Kathleen Hildebrand hat sich für die SZ in der "NewAdult"-Halle umgesehen. Ihr Fazit: "Die Zukunft der Buchbranche dürfte weitgehendweiblich sein." Das taz-Team liefert Schlaglichter und Eindrücke.
Judith von Sternburg hat für die FR Zeit beim italienischenPavillonverbracht. "Dass die angespannte Situation in der italienischen Kultur außerhalb des offiziellen Programms mehr Aufmerksamkeit hat als innerhalb, ist aufschlussreich und nützlich. Wer sich dafür die Zeit nimmt, hat in Frankfurt die Möglichkeit, die Facetten einer Spaltung anzusehen und schaudernd die politische Gängelung von Kultur, aber auch die selbstbewussteGegenwehr zur warnenden Kenntnis zu nehmen." Im Vorfeld gaben sich die italienischen Autorinnen und Autoren streitlustig und boykottfreudig, aber auf der Frankfurter Buchmesse herrscht nichts als brave Zahmheit, wundert sich derweil Roman Bucheli in der NZZ: "Sei es, dass der Streit bloß ein theatralisches Intermezzo gewesen ist, sei es, dass die Autoren im Augenblick der Ankunft in Frankfurt der Polemiken müde geworden waren: Allenthalben wurden weiße Fahnen gehisst, es herrschte gähnend müde Einmütigkeit."
"Autoren und Väter, wo seid ihr", rufen die beiden Schriftsteller SebastianSchmidt und ClemensBöckmann ihren Kollegen in einem Essay für "Bilder und Zeiten" der FAZ zu: Mit den Vätern setzten sich Autoren in Deutschland zwar immer schon gerne auseinander, das eigene Vatersein hingegen findet in der Gegenwartsliteratur hierzulande nicht statt.. "Veröffentlichungen zum Thema Vaterschaft seit der Jahrtausendwende lassen sich wahrscheinlich an einer Hand abzählen." Im Bereich Ratgeberliteratur und auf Social Media boomt das Sujet hingegen. "Vaterschaft wird hier als Spiel und Leichtigkeit inszeniert, bei der nicht selten die Selbstdarstellung des Vater als öffentliche Figur im Fokus steht. Um der Beziehung zwischen Vater und Kindern aber Sinn zuzusprechen, ihr in ihrer Tiefe gerecht zu werden, müsste sie in eine größere Erzählung gefasst werden. Erst so könnten auch die Schwierigkeiten einer solchen Beziehung ausgestaltet werden."
Die Notizbücher, in die PeterHandke ab 1976 kontinuierlich schreibt, sind "ein Projekt der Langsamkeit, wie es die Literatur sonst nicht kennt", hält Paul Jandl fest, der sich für die NZZ die ersten online aufbereiteten Kladden erschlossen hat. "Seine Lebensmitschriften sind kein Ort der Selbstverklärung, und sie spekulieren auch nicht auf eine literaturbetriebliche Nachwelt. ... Im Gegensatz zu Martin Walser unternimmt der österreichische Schriftsteller in seinen Diarien den Versuch, etwas Drittes zwischen sich und die Welt zu stellen: einen Beobachter. 'Der Beobachter ist frei vom Fall des eigenen Ichs', sagt Handke, und zu diesem Objektivierungsversuch gehört vor allem der schonungslose Umgang mit sich selbst." Handke schreibt sich "aus einer schnöden Welt heraus, um wieder ein Bewusstsein vom Leben zu bekommen. Es ist ein Akt der Epiphanien, aber auch der Abstürze."
Weitere Artikel: Der Übersetzer StefanWeidner beklagt in "Bilder und Zeiten", dass die alte arabische Poesie, die zu Goethes Zeiten in Europa noch überaus populär gewesen ist, heutzutage kaum noch im hiesigen kulturellen Gedächtnis verankert ist: "Dabei gibt es jenseits der lateinisch-griechischen Antike nur wenige alte Texte, die uns so unmittelbar ansprechen und die die Weltliteratur ähnlich nachhaltig geprägt haben." Die SchriftstellerinMarlenHobrackerinnert sich im Freitag ans Wegschaffen der Berge von Konsumgüter nach dem Tod ihrer Mutter, die diese seit der Wende angehäuft hatte, worüber Hobrack eben auch ein Buch veröffentlicht hat. Heike Holdinghausen spricht in der taz mit dem SchriftstellerKlausModick über Wiesen, Moore und Biodiversität. Michael Wurmitzer spricht für den Standard anlässlich der Europäischen Literaturtage in Krems mit dem SchriftstellerChristophPeters über die Konjunktur des Dorfromans. Der SchriftstellerMirkoBonné widmet sich in "Bilder und Zeiten" der FAZ den beiden Lebensläufen von OscarWilde und ArthurRimbaud, die beide im selben Jahr geboren wurden. Im "Literarischen Leben" der FAZ befasst sich der Literaturwissenschaftler Markus Steinmayr detailliert mit dem PhänomenFrankSchätzing und dessen neuen Roman "Helden". FR-Kritiker Christian Thomas fügt seiner Ukraine-Bibliothek ScholemJ. Abramowitschs"Die Reisen Benjamins des Dritten" hinzu. Thomas Bernhards Anitquitätenhändlerin EleonoreWiesinger ist gestorben, meldet Olga Kronsteiner im Standard.
Besprochen werden unter anderem Magdalena Vaglio Tanets "In den Wald" (taz, Welt), Lee Yarons "Israel, 7. Oktober. Protokoll eines Anschlags" (taz), George Saunders' "Die kurze und schreckliche Regentschaft von Phil" (FR), Roman Ehrlichs "Videotime" (taz), Francesca Melandris "Kalte Füße" (Welt) und Michela Murgias postumer Erzählungsband "Drei Schalen" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Medardo Rosso: Ecce Puer, post 1920 (ca. 1906). Detail, Courtesy: Federico Fabbri, London. Foto: Galleria Russo, Rom Von Künstlern wurde er verehrt, dem breiten Publikum ist eher unbekannt: Entsprechend klug findet es Standard-Kritiker Michael Wurmitzer, dass das Wiener Mumok dem italienischen Bildhauer Medardo Rosso in einer großen Retrospektive eine "illustre" Schar von fünfzig weiteren KünstlerInnen zur Seite setzt, die Rosso bewunderten. Neben Werken etwa von Guillaume Apollinaire, Alberto Giacometti, Louise Bourgeois, Robert Morris oder Phyllida Barlow strahlen Rossos Skulpturen in ihrer Eigenart: "Steht man vor Enfant à la Bouchée de pain ('Kind in der Armenspeisung'), mag man auf den ersten Blick nicht sagen, wo bei dem Volumen vorne und wo hinten ist. So schwach heben sich Gesicht und Händchen nur aus den Verwerfungen der Gipsoberfläche. Man darf sagen: Das ist reizend anzuschauen. Man erkennt darin aber einen umfassenden Eigensinn. Rosso verweigerte alles, was die Skulptur im 19. Jahrhundert noch ausmachte. Den Anspruch der Allansichtigkeit unterlief Rosso, indem er Skulpturen in selbst und eigens gebauten Vitrinen mit je darauf abgestimmter Elektrobeleuchtung präsentierte. Die Rückseiten beließ er als rohe Klumpen, teils hohl oder mit stabilisierenden Metallbändern."
Weitere Artikel: Anlässlich seiner Ausstellung "Fotografie und Provokation" im Zürcher Museum für Gestaltung spricht der 82-jährige Fotograf Oliviero Toscani, berühmt geworden vor allem für seine Benetton-Kampagne in den Achtzigerjahren, im großen SZ-Interview mit Andrian Kreye, über den Tod, den Verlust der Realität durch Bilder, und die Gegenwart, die weniger frei und tolerant als damals erlebt: "Wir sind in Stammeskulturen zersplittert. Und wir haben kein Mitleid mehr. Vor allem nicht mit Menschen, die uns nichts bringen. Einwanderer sind nur dann gut, wenn sie gute Fußballspieler sind oder Geld mitbringen. Ich finde, wir sollten uns für die Geschichte der Einwanderung und der Integration schämen." Im Aufmacher des FAS-Feuilletons denkt Niklas Maak anlässlich der Ausstellung und Tagung mit dem Titel "Preserving the Brain: A Call for Action" in der Fondazione Prada in Mailand über Kunst und Hirnforschung nach. Auf den Bilder und Zeiten-Seiten der FAZ liefert Stefan Trinks einen Almanach der sehenswertesten Museen der siebzig Stationen umfassenden Ausstellungsserie "Pacific Standard Time" in Kalifornien. Besprochen werden außerdem die Ausstellung "Kindsköpfe - Kinderporträts vom Barock bis zur Romantik" in der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau (FAZ) und die Art Basel (FAZ, Tagesspiegel).
Schwersten Herzens verabschiedet sich Bernhard Heckler in der SZ von seinem geliebten, aber verunfallten Twingo, der ihm viele Jahre lang treu zur Seite stand. Mit dem Twingo im Allgemeinen verschwindet auch eine Form von Bescheidenheit im deutschen Straßenverkehr, die ohnehin selten geworden ist, schreibt er: "Was bedeutet der Twingo als kultureller Gegenstand? Vielleicht liegt in ihm zuerst eben das: eine Philosophie der Selbstbeschränkung. Eine Idee von einem schlanken Leben. Ein Twingo beansprucht wenig Raum. Das ist rücksichtsvoll und modern. ... Leider ist der Twingo als Idee nicht mehr so anschlussfähig wie noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Es wird zu einem immer drängenderen Problem im Stadt- und Verkehrsbild, dass die Kleinstwagen nicht nur konkret, sondern auch metaphorisch an den SUVs zerschellen."
Philipp Stadelmaier erzählt im Filmdienst von der Wiederentdeckung der heute sehr zurückgezogen lebenden Film- und Videokünstlerin FriederikePezold, von der vor einem Monat im Österreichischen Filmmuseum einige Filme gezeigt wurden. Ihr Projekt ist es "mit den Mitteln von Film und Video gegen ein fremdbestimmtes, von äußeren Medien aufgezwungenes Schauen zu revoltieren" und "die Bedingungen für eine eigene, unabhängige Wahrnehmung zu schaffen." In ihrem Film "Toilette" etwa betrachtet sie sich "anfangs durch die Videokamera auf einem Monitor, bevor sie vor der Kamera ihren nackten Körper putzt, bekleidet und schminkt. Der Vorgang wird auf 80 Minuten gedehnt und der Körper durch Bildausschnitte in einzelne Teile segmentiert, die durch die Schlieren des Videobildes abstrakte Formen annehmen. Auf diese Weise entstehen zahlreiche neue, fremdartigeKörper: Brustwarzen werden zu einem Gesicht, ebenso wie die grimassierende Scham oder das symmetrisch zerlegte Gesäß. So montiert pezoldo mit ihren eigenen Gliedmaßen einen neuen, vielgestaltigen (Video-)Körper, der sich von einem typisierten weiblichen Körperbild emanzipiert."
Morgen vor 50 Jahren tauchte mit "Waldweg" die erste "Derrick"-Folge die deutschen Wohnzimmer in blaues Licht. Für die Seite Drei der SZ vertieft sich Holger Gertz tief und kenntnisreich in diesen oft vorschnell zu den Akten gelegten Serienkosmos. Mit dem Wissen um HorstTapperts SS-Vergangenheit (dass der Autor der Serie, HerbertReinecker, SS-Mann gewesen ist, war schon damals bekannt) sieht man die Folgen von damals heute anders, schreibt Gertz: "In Wahrheit, so hört es sich mit den Ohren von 2024 an, umkreisen Reinecker und Tappert, wenn sie permanent über die Verantwortung all der Betrüger, Trunksüchtigen, Hochzeitschwindler, Fallensteller, Drogendealer, Ehebrecher, Unfallfahrer und sonstigen Totmacher in der verderbten Münchner Vorstadtwelt nachdenken, immer auch eigenesVerstricktsein. Eine eindrückliche Vorstellung: dass das Abgründige in den Verdächtigen, die so ein Kommissar jagt, zugleich auch das Abgründige in denen sein könnte, die sich solche Krimis ausdenken." Im Laufe "gerieten Derricks Erörterungen und Verhöre immer öfter zu ausufernden Betrachtungen von Schuld und Verdrängung, auch andere Darsteller sprachen so. Erkenntnis beim Wiedersehen: Die reden im Derrick gar nicht anderen ins Gewissen. Die reden irgendwie auch immer von sich selbst."
In den alten "Derrick"-Folgen begegnet auch FR-Kritiker Arno Widmann vor und hinter der Kamera ein Personal wieder, das tief in den Nationalsozialismus verstrickt war. Anders als oft kolportiert wird, hat das ZDF "Derrick" im übrigen mitnichten in den Giftschrank verbannt, sondern wertet die Serie zwar nicht im linearen Programm und in den Mediatheken, aber ganz offiziell auf dem Youtube-Kanal "KultKrimi" aus:
Weitere Artikel: Valerie Dirk plaudert für den Standard mit AlexanderHorwath, der auf der Viennale seinen bereits auf der Berlinale mit Erfolg gezeigten Essayfilm "Henry Fonda for President" zeigt. Thomas Klein spricht für den Filmdienst mit Hamze Bytyçi, dem künstlerischen Leiter des InternationalenRoma-Filmfestivals "Ake Dikhea?" in Berlin. Für Filmstartsspricht Kamil Moll mit dem Regisseur ParkerFinn über dessen Horrorfilm "Smile 2" (unsere Kritik). Patrick Holzapfel blickt für die NZZ auf die Beziehung zwischen MarleneDieterich und ErichMariaRemarque. Besprochen wird die ARD-Coming-of-Age-Serie "Schwarze Früchte" (Zeit Online, FAZ).
Während an den meisten deutschen Häusern aktuell über die Kürzungen im Bundeshaushalt geklagt wird, packt man im Theater in Eisenach an: 1993 wurde das Schauspielensemble aufgelöst, 2012 wurde das Haus nach massiven Protesten der Bürgerschaft gerade noch vor der Schließung bewahrt. Seit der neuen Spielzeit hat das Eisenacher Theater mit Lydia Bunk, einer Castorf-Schülerin, eine vielversprechende neue Direktorin, freut sich Jakob Hayner in der Welt. Nicht nur Lessings "Minna von Barnhelm" und einen "Faust" wird Bunk selbst inszenieren, auf dem Spielplan stehen auch "'Misery' nach Stephen King und 'Solo Sunny' nach dem Defa-Film von Konrad Wolf und Wolfgang Kohlhaase - ganz ohne Ostalgie geht es im Osten nicht (…) 'Das Theater ist eine Bastion des Humanismus', sagt Bunk. 'Meine Freunde fragen mich, warum ich ausgerechnet in die AfD-Hochburg Eisenach gegangen bin. Aber 68 Prozent der Wähler haben nicht die AfD gewählt, die dürfen wir nicht vergessen.'"
Bestellen Sie bei eichendorff21!Kriegte Sophie Passmann für ihr Buch "Pick me Girls" vergangenes Jahr aus dem Feuilleton noch einiges auf den Deckel, funktioniert ihre Theateradaption am Berliner Ensemble offenbar besser: Ähnlich wie Nachtkritiker Christian Rakow (unser Resümee) staunt in der SZ auch Peter Laudenbach: "Wie Passmann die Balance zwischen Rampensau-Appeal, lässig servierter Komik und den härteren und dunkleren Unglückspassagen ihres relativ ungeschützten autobiografischen Buches hält, macht den Abend zum Ereignis, selbst für die vereinzelten weißen alten Männer im Publikum, die nicht unbedingt zur Kernzielgruppe der Show zählen." Tagesspiegel-Kritikerin Christine Wahl hat "wahrlich schon mit sinnfreierem Gepäck Theatersäle verlassen". In der Welt erlebt Marie Goldmann einen Abend, "der sich zugleich als Umarmung und Hommage an all die Frauen versteht, die so geworden sind, wie sie sind." Nur taz-Kritikerin Caroline Schwarz vermisst "neue oder radikale feministische Gedanken".
Besprochen werden außerdem Johannes HolmenDahls Inszenierung von Henrik Ibsens "Wildente" am Münchner Residenztheater (SZ, nachtkritik) und György Kurtágs Oper "Fin de Partie" an der Wiener Staatsoper (Welt).
Von Death Metal über Prog-Rock bis zu Synth-Sounds aus der Berliner Schule sowie einmal durchs Weltall und zurück reicht die Reise, die die Band Blood Incantation auf ihrem neuen Album "Absolute Elsewhere" anbietet. Standard-Kritiker Christian Schachinger ist ziemlich von den Socken: Die Band befindet sich in der "künstlerischen Höchstform des kompletten Durchschotterns" - die künstlerische Strategie wurde dabei schon auf früheren Alben erprobt und verfeinert: "Der Bandleader und mit dem Sound eines untertourig gefahrenen Motors ins Mikrofon röchelnde Paul Riedl hackt Stakkatos in die Gitarre. ... Der Schlagzeuger kartätscht sein Instrument in einem Wutraum. Es wird gegrunzt. Die Leadgitarre bäumt sich mit sonst nur von einem ländlichen Saustechen bekannten Quieken dagegen auf. Es ist heftig. Nach sechs Minuten wechselt die Stimmung. ... Lucy in the Sky with Diamonds schwebt nun mit einem kleinen Stückchen Löschpapier auf der Zunge auf der Wolke sieben ein. Die Kosmischen Kuriere des Krautrock packen für einige Minuten ihre Synthesizer aus. Fröhlich blubbert einer Wasserpfeife aus den Boxen. Relax. Reee-laaaxxx. Doch halt, der Donnergurgler kehrt zurück! Er ist noch immer mächtig sauer." Ein zwanzigminütiger Kurzfilm mit allerlei Durchgeknalltheiten bewirbt das Album:
Außerdem: Im Zeit-Online-Gespräch weihtDavidGarrett Dirk Peitz tief ein in die Mysterien der Geschichte der Geigen und ihrer Herstellung. Für die NZZgeht Johannes C. Bockenheimer mit den Amigos spachteln. In der tazist Popexperte Detlef Diederichsen sehr angefressen von dem Versuch, sich von ChatGPT einen Text im eigenen Stil schreiben zu lassen: "ChatGPT scheint keine hohe Meinung von mir zu haben - der bestellte Text war ziemlichlangweilig."
Besprochen werden ein Auftritt der Jazzpianistin HiromiUehara (NZZ), ein Konzert des Pianisten KrystianZimerman in Wien (Standard) und KylieMinogues neues Album "Tension 2", dem allerdings laut SZ-Kritikerin Sofia Paule mitunter "schlicht die Kylieness fehlt".
BuchLink: Aktuelle Leseproben.
In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…
Detlev Piltz: 150 Jahre Erbschaftsteuer Die Erbschaftsteuer spiegelt den gesellschaftlichen Interessenkonflikt zwischen Reich und Arm wider. In Deutschland besteht der politische Kampf um die Erbschaftsteuer seit…
Son Lewandowski: Die Routinen Ein Gummibärchen essen, heute den Arm, morgen ein Bein. Was sich anhört wie ein Witz, ist Alltag für die Leistungsturnerin Amik. Für sie zählt jedes Gramm, jeder Wettkampf,…
Joachim Scholtyseck: Henkel Das 1876 von Fritz Henkel gegründete Unternehmen Henkel ist ein Kind des frühen Deutschen Kaiserreichs. Der steigende Lebensstandard der Bevölkerung erhöhte die Nachfrage…
Alle aktuellen BuchLink-Leseproben finden Sie
hier