Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.01.2019 - Design

Raf Simons Herbstkollektion 2017 für Calvin Klein. Foto: Calvon Klein

Raf Simons' Vertrag bei Calvin Klein wurde nicht verlängert. Im SZ-Rückblick würdigt Catrin Lorch diese Phase "im Nachhinein als eines der großen gestalterischen Experimente der Gegenwart". Der Belgier beschwor in seinen Entwürfen ein Bild der USA, "als habe er die Komparsen aus einem Robert-Altman-Film über seinen Laufsteg dirigiert: Frauen trugen schlank geschnittene Satinhosen, die kontrastfarbig gemusterten Hemden der Marching Bands und Plastikregenmäntel. Raf Simons hatte sich gegen die kühle Eleganz der Park Avenue und das körperbetonte Beverly Hills entschieden, die bislang den ästhetischen Kontinent eingegrenzt hatten, in dem Calvin Klein herrschte. Und führte den Amerikanern ihre eigene, in Geschmackssachen eher unaufgeräumte Kultur vor: knalleng, glitzernd, kariert, auftrumpfend und kindisch. Wie Monstertruck-Rennen und Grillfeste am Nationalfeiertag. Oder, positiv ausgedrückt, wie die Village People."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.01.2019 - Design


Bilder: Porträt Margarete Leischner, 1927-1928 / Bertha Senestréy, 1923, Privatbesitz

Mit ihrer Abschiedsausstellung im Dresdner Kunstgewerbemusum erinnert Direktorin Tulga Beyerle an Designerinnen wie Margarethe von Brauchitsch, Margarete Junge, Gertrud Kleinhempel, Bertha Senestréy und andere, die ab dem frühen 20. Jahrhundert in den Deutschen Werkstätten Hellerau tätig waren, schreibt Peter Richter in der SZ. "In der vor dem Ersten Weltkrieg für jede Raumwirkung noch absolut zentralen Tapetenproduktion waren in Hellerau Gestalterinnen am Werk, die dem Ornament beeindruckende Wege in die Moderne bahnten. Ab den Zwanzigerjahren ist Else Wenz-Viëtor die herausragende Gestalterin an den Werkstätten, ein Multitalent, das sich dem Design von Spielzeug genauso gewidmet hat wie dem von Glas und Möbeln. Und der gehobene Stil der Dreißigerjahre, in der Designgeschichte auch als Dampferstil bekannt, wurde ebenfalls ab den späten Zwanzigern in Hellerau mit geprägt, unter anderem von Lisl Bertsch-Kampferseck."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.01.2019 - Design

Die Möbelmesse Köln präsentierte sich im Bauhaus-Jahr so farbenprächtig wie lange nicht mehr, berichtet Max Scharnigg in der SZ. Vor allem aber fiel ihm eine "allgemeine Retrovertiertheit" auf: "Schöner Wohnen ist bei den Marktführern mittlerweile eine eher sentimentale Disziplin. Dazu tragen die immer noch allgegenwärtigen Zutaten Marmor und Samt bei, die in Tateinheit jedem Appartement gleich eine internationale Edelreife verpassen. Aber auch die Mid-Century-Referenzen bei Sofa- und Sesselformen oder die Tendenz, Oberflächen wieder mit Leder oder sonstigen Weichmachern zu beziehen, führt zu diesem Eindruck: Alles gediegen, gedämpft, gestrig. ... Den eigentlichen Bauhausgedanken, das Infragestellen gewohnter Formensprachen und Erforschen neuer Materialien, verfolgte fast keiner der großen Hersteller."

Episch ausufernd: Tillmann Prüfer und Claire Beermann haben für das ZeitMagazin Möbeldesignerinnen aus aller Welt in ihren Ateliers besucht, fotografiert und nach ihren Einschätzungen zur Lage ihres Stands gebeten. Zur Frage, warum das Möbeldesign so männlich dominiert ist, erklärt Nipa Doshi aus Indien: "Ich glaube, dass Deutschland daran nicht ganz unschuldig ist. In der Bauhaus-Tradition wurde Design auf das Elementare reduziert und sehr technologisch verstanden. Und Frauen wurden als zu wenig technisch begabt angesehen. Noch heute stellen viele Design-Firmen lieber Männer ein, weil man dort glaubt, Frauen könnten nicht wirklich produzieren."

Außerdem: In der FAZ gratuliert Niklas Maak dem Designer Philippe Stark zum 70. Geburtstag. Besprochen wird die Ausstellung "Auf Freiheit zugeschnitten - Das Künstlerkleid um 1900 in Mode, Kunst und Gesellschaft" im Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld (FAZ).
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.01.2019 - Design

Im Freitag wünscht sich Lena Grehl mehr Taschenraum in Frauenhosen: "Weshalb werden Handtaschen durch die fassungsbeschränkten Hosentaschen zum Must-have, wenn ich gar keine Handtaschen tragen, geschweige denn überhaupt kaufen mag?"

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.01.2019 - Design

Für westliche Augen ist japanische Keramik, die ihren natürlichen Ursprung keineswegs hinter Kulturleistungen verbirgt, sondern gerade noch betont, auf den ersten Blick nicht ohne weiteres schön. Umso leidenschaftlicher sind jene Sammler, die sich mit Haut und Haar ihrer Leidenschaft widmen. Einen von ihnen hat Philipp Meier für die NZZ porträtiert, auch wenn dieser die Anonymität vorzieht und daher Herr Rot genannt wird: "Viele können mit einer pechschwarzen Teeschale nicht viel anfangen, zu 'schmutzig' kommt sie ihnen vor oder erinnert gar irgendwie an Teer. Für Rot aber ist das anders. In ihrer kraftvollen Gegenwart wie bescheidenen Verhaltenheit zugleich gilt ihm eine solche Teeschale als die Essenz japanischer Töpferkunst - und letztlich ganz einfach als unglaublich faszinierend. Erklären lasse sich das kaum, wie unser Sammler immer wieder betont: Es sei unmöglich, dies in Worte zu fassen. Da verlieren sich die Beweggründe dann eben ganz einfach im Dickicht irrationaler Wünsche und Begehrlichkeiten."
Stichwörter: Keramik, Japan

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.01.2019 - Design

Die Unternehmerin Guya Merkle plädiert im taz-Gespräch angesichts der bedrückenden post-kolonialen Verhältnisse, unter denen an der wirtschaftlichen Peripherie für die Industrienationen Schmuck hergestellt wird, für die Produktion fairer, vor allem aber konfliktfreier Schmuckstücke: Doch "solange es keine Idee von ethischem Design gibt, wird es schwer werden, substantielle Veränderungen zu bewirken. Die großen Firmen könnten zum Beispiel sagen, von jetzt an produzieren wir einfach 30 Prozent weniger Kollektionen, weil unsere KundInnen nicht ständig neuen Schmuck brauchen. Und warum bauen wir nicht eine Design-Schule in Ghana? Wir könnten den Leuten dort zeigen, wie sie den Schmuck selbst produzieren. Statt einer Milliarde Gewinn wäre es dann eben nur noch eine halbe Milliarde."

Weiteres: Bernd Noack singt in der NZZ ein Loblied auf Änderungsschneidereien: "Die Läden sind aus der Zeit gefallen, und so fühlt man sich darin. Der Raum existiert außerhalb jeglicher Norm. Ein Ölofen grummelt in einer Ecke. Es ist, abgesehen von den Radioklängen, still, das Schweigen gehört zum Handwerk." Besprochen werden Annette Geigers Buch "Andersmöglichsein. Zur Ästhetik des Designs" (taz) und ein Kino-Dokumentarfilm über den Modedesigner Alexander McQueen (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.12.2018 - Design

Foto: Luis Beltran, mehr bei Dezeen


Hier möchte man ja gern mal essen gehen: Kaikaya, ein neues Sushi-Restaurant im spanischen Valenzia, schreibt Ali Morris in Dezeen, feiert die brasilianisch-japanische Esskultur, die in hundert Jahren entstanden ist, seit japanische Immigranten erstmals in Brasilien ankamen. "Brasilien, das heute die größte japanische Bevölkerung außerhalb Japans beherbergt, hat eine unverwechselbare japanisch-brasilianische Küche entwickelt, die japanische Kochtechniken mit lokalen Zutaten verbindet. Die Verschmelzung der beiden Küchen spiegelt sich im Inneren des Restaurants wider, das Materialien des japanischen Designs wie Holz und Baststoffe mit bunten Mosaikfliesen, Papageienmotiven und kaskadierenden tropischen Pflanzen kombiniert. Sie hätten sich vor allem vom Tropicalismo inspirieren lassen, einer brasilianischen Kunstrichtung, die in den späten 1960er Jahren entstand, erklären die Designer von Masquespacio. 'Vor allem sollte das Design einen starken Farbstich enthalten, verbunden mit einem eklektischen Stil, der die beiden Konzepte Japans und Brasiliens vermischen konnte, ohne konventionell zu sein', sagte Masquespacio, der sich für eine kontrastreiche Palette aus Kastanienbraun und Grün mit Akzenten aus Messing und Raffiabast entschied."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.12.2018 - Design

Mit seiner harschen, ökologisch und sozial motivierten Kritik am Gegenwarts- und Luxusdesign hatte sich Victor Papanek 1971 in seinem Berufsstand unmöglich gemacht. Das Vitra Design Museum widmet ihm nun eine erste große Retrospektive und steht dabei vor dem Problem das Schaffen eines Designers zu präsentieren, "der nur wenig Sichtbares in der Welt jener Gegenstände hinterlassen hat, die man gemeinhin in einem Designmuseum erwartet", erklärt Hannes Klug im Freitag. "Mit gutem Grund: 'Eine ganze Kategorie von Fetischobjekten ist für unsere Überflussgesellschaft der Schwachköpfe entstanden', schrieb Papanek, und dabei würden die eigentlichen Grundbedürfnisse, nämlich Kleidung, Nahrung und Obdach, die nach wie vor einem Großteil der Menschen fehlten, missachtet." Die Schau führe damit "vom simplen Aussehen der Dinge direkt ins Herz der hoch komplizierten Frage, wie die Menschheit auf dem Planeten überleben und wie sie ihre zukünftige Welt gestalten kann."

Für die taz besucht Annegret Erhard die Mayer'sche Hofkunstanstalt in München, deren Glasfenster Weltruhm haben.
Stichwörter: Papanek, Victor

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.12.2018 - Design

Besprochen werden Lorna Tuckers Kino-Dokumentarfilm über Vivienne Westwood ("Einmal Punk, immer Punk", meint Marcus Weingärtner in der Berliner Zeitung) und eine Luigi Colani gewidmete Ausstellung im Museum für Badekultur in Zülpich (Welt).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.12.2018 - Design

Gleich zwei Ausstellungen tragen derzeit den Titel "Politics of Design", ist SZ-Kritikerin Laura Weissmǘller aufgefallen: Eine im Vitra Design Museum in Weil am Rhein über Victor Papanek und eine von Friedrich von Borries kuratierte Schau der Design-Bestände der Pinakothek der Moderne. Und beide Ausstellungen stellen durchaus kritische Fragen nach dem Design in einer globalen Welt. Weissmǘller zeigt sich darin: "Das Design sitzt offenbar nicht nur auf der Anklagebank, es steckt momentan auch in der Krise. ... Was uns da auf Instagram, in Hochglanzheften und Werbebannern so sanft umschmeichelt, hat das Zeug zum Sündenbock der ganzen Welt." Dass von Borries dieser Sachlage spielreisch-experimentell begegnet, hält Weissmüller dabei für eine klare Stärke der Münchner Schau: "Wer sich nur klug genug mit der jeweiligen Sammlung beschäftigt, kann darin die Welt entdecken."