Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.02.2026 - Design

Die Aufregung über das Outfit der deutschen Sportler bei den Olympischen Winterspielen, die sich beim Auflaufen der Teams in Poncho und Anglerhut der Marke Adidas zeigten, hält Laura Ewert im Freitag für viel zu übertrieben. Gewiss, "verglichen mit den Outfits für Haiti von Stella Jean, die in Farbe und Form Spaß und Stolz gleichzeitig verstrahlten, wirken die deutschen Kostüme ein bisschen bedrückend funktional. Aber selbst die Modenation Italien, ausgestattet von EA7, der Sportlinie von Emporio Armani, lief in langweiligen weißen Anzügen auf. Schweden in Uniqlo? Zum Einschlafen. Österreich? So lustvoll wie die 'Designs' von Victory für Deichmann. ... Die Outfits der deutschen Athleten wollen zumindest modisch etwas. Wie gut das gelungen ist, steht auf einem anderen Stück Stoff. Ärgerlich eindimensional gedacht ist hier eher die Farbgestaltung, die sich an Schwarz-Rot-Gold orientiert, und die Musterung, die ernsthaft Fragmente des Bundesadlers aufnimmt."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.02.2026 - Design

Sichtlich fasziniert läuft Jörg Häntzschel (SZ) durch die Ausstellung "White Out", die in Mailand zu Beginn der Olympischen Winterspiele zu sehen ist (mehr dazu bereits hier) und zeigt, wie Mode und Textildesign den Sport beeinflussen und Höchstleistungen erst ermöglichen. Denn erst die "Rückenprotektoren", eine "schnittfeste Unterwäsche" und "Oberkörper-Airbags" machen Skisportler waghalsig genug, um Rekorde zu brechen. "Dass es Jan Farrell gelungen ist, 2023 mit 255,5 Stundenkilometern den Geschwindigkeitsrekord auf Skiern zu erreichen, war außer seinem Können auch seinem aerodynamischen Helm und dem Anzug geschuldet, der den Luftwiderstand minimiert, etwa durch spitz zulaufende Polster an der Rückseite der Unterschenkel. Doch Design erlaubt dem Menschen nicht nur Rekorde. ... Es lässt ihn auch beeindruckend aussehen. Farrell selbst führt das vor: Schießt er in seinem knallroten, glänzenden Anzug den Berg herunter, wirkt er wie ein Held aus einem Science-Fiction-Comic. Zieht er, unten angekommen, den Helm aus, kommt ein Typ zum Vorschein, der aussieht wie tausend andere."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.02.2026 - Design

Beate Scheder, Hilka Dirks, Lilli Braun und Nathan Pulver resümieren in der taz die Fashion Week Berlin (mehr dazu bereits hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.02.2026 - Design

Grit Thönissen hatte sehr viel Freude bei der Fashion Week Berlin, die am letzten Wochenende stattfand. "Die Zeit des Clubbings ist vorbei", beobachtet sie im Tagesspiegel angesichts dessen, dass die Zahl der Lederharnische und Schnürkorsagen deutlich abgenommen hat. Stattdessen setzen junge Designer auf Community, William Fan etwa, der sich für eine neue Strategie entschieden hat: "Nicht mehr Wachstum braucht es, sondern eine Community, die die Entwürfe feiert und kauft. Bei William Fan läuft die sogar über den Laufsteg und alle sind fantastisch angezogen. Da ist die Freundin, die Blumengebinde macht, die Galeristin und Verwandte des Designers. Logischerweise funktioniert deshalb auch diese Schau nicht nach dem Magermodel-Prinzip, sondern soll zeigen: Mode ist für alle da. Wie die wunderbaren Daunenjacken, die die Träger nicht zu Michelin-Figuren aufpumpen, sondern fein abgesteppt mit unterschiedlichen Volumen spielen, die Paillettenmäntel mit sachlichem Karomuster, die auch gestandene Männer geschmeidig aussehen lassen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.02.2026 - Design

Steven Arnold. Foto: Gisle Johnson / Triennale


In Mailand beginnen in wenigen Tagen die Olympischen Winterspiele. Flankiert wird das Sportereignis unter anderem durch die von Konstantin Grcic mitkuratierte Ausstellung "White Out", die den wechselseitigen Einfluss von Wintersport und Design untersucht, wie Karen Krüger in der FAS schreibt. "Der Rundgang beginnt beim menschlichen Körper: der Haut, die Schutzkleidung vor der Kälte und anderen extremen Bedingungen am Berg benötigt. Man steht vor Vitrinen, in denen die Wettkampfkleidung berühmter Olympioniken ausgestellt ist: die Rüstung des schwedischen Eishockeytorwarts Erik Salomonsson, bei der alles darauf ausgelegt ist, den Körper gegen Stürze, Eishockeyschläger oder den heranschießenden Puck zu schützen. Der silberne Prada-Ganzkörperanzug von Skispringer Ryoyu Kobayashi, bei dem die Nähte mit Blick auf die Aerodynamik auf ein Minimum reduziert wurden. Dass jeder Athlet einzigartig erscheinen will, zeigt die Rennbekleidung der italienischen Riesenslalomweltmeisterin Federica Brignone: Helm und Handschuhe wurden von Designer André Marty mit einem Tigerkopf versehen, als Symbol für Brignones Entschlossenheit."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.01.2026 - Design

In Berlin beginnt die Fashion Week, die eigentlich eher ein ausgedehntes Fashion Weekend ist. Unkenrufe, dass es Berlin einfach nicht kann, dass die Fashion Week in Berlin am Ende sei, hört man zwar immer wieder. Doch Grit Thönnissen stellt sich dem im Tagesspiegel entschieden entgegen: Sie sieht in der Fashion Week Berlin eher eine Erfolsgeschichte, wenn auch eine, in der nicht die ganz großen internationalen Namen, sondern die "vielen zarten Pflänzchen in der Berliner Mode" im Vordergrund stehen. ... Die fehlende Gewissheit, wer im nächsten Jahr dabei sein wird, ist gleichzeitig die Stärke und Schwäche dieser Fashion Week. Es gibt zwar immer etwas zu entdecken, aber der stetige Wandel macht es auch schwer, zu vermitteln, wie diese Fashion Week funktioniert. ... Überall hier ist man nah dran an den Ideen der Designer. Persönlicher wird es nicht, wenn man etwas sucht, das zu einem passt. Die Fashion Week macht all das zweimal im Jahr sichtbar."
Stichwörter: Fashion Week Berlin, Mode, Berlin

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.01.2026 - Design

Modetheoretikerin Diana Weis blickt für den Tagesspiegel auf die MAGA-Ästhetik: Die Vertreter dieser Ideologie nähern sich in ihrem Auftreten immer mehr einer aus den Geschichtsbüchern über den Faschismus bekannten Ästhetik an, lautet ihr Befund. ICE-Chef Gregory Bovino etwa "sorgte vergangene Woche mit einem Fashion-Statement für Schlagzeilen, das von vielen schlicht als 'Nazi-Outfit' interpretiert wurde. ... Die Haare über den Schläfen rasiert, langer doppelreihiger Mantel mit Epauletten, darunter ein schwarzes Hemd mit Abzeichen an den Kragenspitzen, und ein 'Sam Brown'-Gürtel mit diagonalem Schulterriemen, der außer bei Militär-Fans auch in BDSM-Kreisen beliebt ist." Dieser "Auftritt ist Teil einer klaren Bildstrategie der Maga-Regierung. Diese Bilder sollen komplexe gesellschaftliche Konflikte auf einfach zu verstehende Formeln runterbrechen. Auch hier gilt: Je simpler gestrickt, desto besser. So wird Mode zur ästhetischen Kriegsführung, zur visuellen Propaganda."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.01.2026 - Design

Ilka Piepgras schreibt im Zeit Magazin zum Tod des Modedesigners Valentino (weitere Nachrufe bereits hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.01.2026 - Design

"Mit Valentino ist der Letzte der großen Couturiers abgetreten", schreibt Anne Goebel in der SZ. Er "stand ... für alles, was die Menschen an Mode fasziniert. Glanz, Gespür für den Zeitgeist, hohe Handwerkskunst und eine flirrende Nähe zu (altem und neuem) Geld. Er erfand ein Rot, das nach ihm benannt wurde, war Hofschneider von Jacqueline Kennedy, liebte die Oper und wurde nicht zuletzt deshalb zum Inbegriff des Luxus, weil er ihn selbst gerne zur Schau trug." Wobei seine Kleider "in der Grundstruktur überraschend schlicht waren: klassische Schnitte, perfekt ausbalancierte Proportionen. Dazu die Vorliebe für Einfarbigkeit, um raffinierte Details dann umso wirkungsvoller einzusetzen." Doch "wie Valentino Schleifen und kostbare Stickerei, Spitze, Chiffon oder ein korallenfarbenes Netz aus Perlen als Oberteil eher hintupfte als damit aufzutrumpfen, ist seit den ersten Entwürfen hohe Kunst."

"Um Frauen in schillernde Luxusgeschöpfe zu verwandeln, war ihm jedes Mittel recht", schreibt Marion Löhndort in der NZZ. In seinen Kleidern "prunkte der ungebremste Glamour der alten Schule. ... Der Hang zum Drama, den er in seinen aufwendigen Roben auslebte, war dem Modeschöpfer schon in die Wiege gelegt worden. Seinen Vornamen, unter dem er berühmt wurde, hatte Valentino Clemente Ludovico Garavani der Vorliebe seiner Mutter für den glutäugigen Stummfilmstar Rudolph Valentino zu verdanken." Das Zeit-Magazin bringt eine Bilderstrecke.
Stichwörter: Valentino, Mode, Modesigner

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.01.2026 - Design

Der Pelzmantel erlebt ein Comeback, beobachtet Silke Wichert in der NZZ. Erstaunlicherweise sind es oft sogar echte Pelze, auch wenn deren Trägerinnen und Träger rasch beteuern, nur Vintage aufzutragen. Aber auch Modemarken wie zum Beispiel Fendi greifen Pelz und Fell (allerdings meist in der Fake-Version) auf. "Was nun einerseits als Fortschritt gefeiert wird, ist andererseits auch ein Rückschritt, denn damit ist 'der Look' plötzlich zurück. Pelz tragen ist wieder cool, weil es in Wahrheit ja gar kein echter Pelz ist. Oder etwa doch? Wenn das Falsche täuschend echt wirkt, kann das Echte vermeintlich genauso gut fake sein. ... Gleichzeitig sehen Angehörige der Generation Z nicht mehr ein, warum sie zurückstecken sollen, während die Boomer alles ausgekostet haben. Im gegenwärtigen Dauerkrisenmodus scheint sich bisweilen die Haltung breitzumachen: Ist die Welt erst ruiniert, lebt es sich gänzlich ungeniert."
Stichwörter: Mode, Pelz