Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.12.2019 - Design

Otto Prutscher: Warmwasserbecken im Dianabad, Wien, 1913. Archivio Famiglia, Mailand

Laura Weißmüller freut sich in der SZ über eine Ausstellung im Wiener Museum für angewandte Kunst, die den Gestalter Otto Prutscher in sein Recht setzt. Wie Weißmüller erklärt, gehörte Prutscher zur zweiten Generation der Wiener Moderne, er entwarf vom Palmenkübel bis zum Teeservice einfach alles, ohne sich dabei auf einen bestimmten Stil festzulegen: "Bis hin zu kompletten Innenräumen, etwa dem Warmwasserbeckenraum im Dianabad und den mondänen Interieurs des Cafés Imperial, des Feinkostgeschäfts Piccini oder der Apotheke 'Zum goldenen Adler'. Vermutlich ist es also nicht übertrieben zu behaupten, dass sich ein bürgerliches Leben im Wien der Zehner- bis Dreißigerjahre zu großen Teilen in Entwürfen von Otto Prutscher abspielte."

Stichwörter: Prutscher, Otto

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.12.2019 - Design

Verteilt Ohrfeigen: Helena Christensen als Baronesse. Image from Baroness by Sarah Baker, starring Helena Christensen


Bei AnOther erzählt Matthew Holroyd von Produktion der neuen Ausgabe des Magazines Baroness, eine Art erotisches Kunstmagazin, das er zusammen mit Chefredakteurin Isabella Burley herausgibt. In der neuen Ausgabe geht es um machtvolle Frauen, die mal keine Zicken sind, sondern zusammenarbeiten: "An diesem heißen Sommertag steht vor mir, umgeben von fitnessgestählten männlichen Assistenten, die alle schwarz gekleidet sind und ihre Tasche, ihr Telefon und ihre Wasserflasche tragen, die Quelle unserer Inspiration - Donatella Versace. 'Schlag ihn, Helena, komm schon', ruft sie. Wir fotografieren die nächste Ausgabe von Baroness, deren Gastredakteurin Donatella ist. Das Buch ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit der Performancekünstlerin Sarah Baker, die einen kecken romantischen Roman im Jackie-Collins-Stil geschrieben hat, der von Fotos begleitet wird. Dem turbulenten Leben von fünf unerhörten Charakteren folgend, beginnt er damit, dass die amerikanische Musikmogulin Angelina ein unerwünschtes Weihnachtsgeschenk erhält und so versehentlich eine schmutzige Geschichte über verworrene Lügen und Verrat eröffnet. Alles steht auf dem Spiel: Angelina's Freiheit, die Loyalität ihrer Tochter, ihre Freundschaft mit der Baronin und - am schlimmsten - die Tantiemen aus ihrer Hitsingle 'Spritz Me with Your Love'."
Stichwörter: Versace, Donatella

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.12.2019 - Design

Marina Razumovskaya kann es in der taz kaum fassen, dass sie Inès de la Fressange über den Weg gelaufen ist, deren Gesicht in den Achtzigern wie kein zweites für Chanel stand und die heute Mode designt und über Mode schreibt - "Pariser Chic" ist das Stichwort und in Inès de la Fressanges Händen wird das "eine sehr erreichbare Wirklichkeit: dieses leicht Klassische, mit lässiger Haltung und Ironie, die nicht alles nach außen zeigt, ein kleines Geheimnis bewahrt, nicht ganz fertig und nie perfekt ist. Wenn Inès den Chic der Pariserin in sechs Eigenschaften zusammenfasst, dann ist gleich die zweite: 'Sie meidet Komplettausstattung'. Denn das Zauberwort heißt: Kombiniere! Mach was aus den einfachsten Sachen! ... Über die Pariserin heißt es bei Inès: 'Ihre Garderobe ist eine gekonnte Mischung aus 'günstigen' Stücken, Reiseerrungenschaften und einigen Luxusartikeln.'"
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.11.2019 - Design

Die Ausstellung "Moderne Maharjah" im Muśee des Arts Décoratifs porträtiert Prinz Yeshwant Rao Holkar als einen Mäzen der 30er Jahre. Eckart Muthesius' für den Privatpalast "Manik Bagh" gestaltete Architektur und Möbel spielen hierbei eine zentrale Rolle, berichtet Rolf Brockschmidt im Tagesspiegel. Zu sehen gibt es auch den legendären "roten Sessel", in desen Korpus Leselampen und Aschenbecher versenkt sind. Auch "'Sally', der ledergepolsterte Esszimmerstuhl mit Kristallspiegeln auf den Beinen sowie der Teewagen 'Tiwary' gehören zu den Schmuckstücken der Kollektion: 'Manik Bagh' war ein einzigartiges Art-Déco-Gesamtkunstwerk, das es in dieser Art in Indien nur einmal gibt. Eckhart Muthesius hatte daran einen entscheidenden Anteil. Es wäre Zeit, ihm in seiner Heimatstadt Berlin eine Ausstellung zu widmen." Um dies zu unterstreichen, hat der Tagesspiegel außerdem Rolf Brockschmidts Bericht seines Besuchs bei Muthesius aus dem Jahr 1989 online gestellt.

Verwundert flaniert Tagesspiegel-Kritikerin Birgit Rieger durch die große Auto-Ausstellung des V&A Museums in London: Für eine solche ist gerade "ein merkwürdiger Zeitpunkt. ... Das Auto droht, uncool zu werden. Kurz bevor wir es nicht mehr selbst steuern und das Gefährt in Hochgeschwindigkeitsröhren verschwindet, werden nochmal Heckflossen und Chromleisten gefeiert."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.11.2019 - Design

Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein befasst sich in einer aktuellen Ausstellung mit dem Verhältnis von Design und Surrealismus, schreibt Jens Müller im Tagesspiegel, der sich einfach schon mal vorab über den feministischen Shitstorm empört, der sich bislang zwar noch nicht eingestellt hat, der sich seiner Ansicht nach aber ja wohl einstellen müsse, damit man damit abrechnen kann, schließlich gibt es hier auch Allen Jones' "Chair" von 1969 zu sehen, der einer Frau nachempfunden ist, auf die man sich somit setzen kann. "Man denke nur an das Gedöns, das um ein anderes Sitzmöbel mit weiblichen Rundungen, ebenfalls dem Grenzbereich zwischen Kunst und Design zuzuordnen und auch aus jenem offenbar notorischen Jahr 1969, in diesem Jahr 2019 bereits gemacht wurde. Als der italienische Designer Gaetano Pesce eine übergroße, zudem mit Pfeilen gespickte Variante seines Sesselklassikers 'Up' vor den Mailänder Dom stellte, rief das sogleich eine Frauenrechtsgruppe auf den Plan. Auf den Gedanken, dass Pesce möglicherweise ins gleiche - feministische - Horn stieß wie sie, nur eben mit dem altgedienten Mittel der Ironie, wollten die Aktivistinnen partout nicht kommen."
Stichwörter: Möbeldesign, Surrealismus

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.11.2019 - Design

Tokio hat sich für die Paralympischen Spiele im Sommer 2020 im für das Stadtdesign viel vorgenommen, berichtet Oliver Herwig in der NZZ: Die Metropole will möglichst barrierefrei mit ihren Gästen kommunizieren und setzt dafür auf möglichst glasklare Kommunikationsstrategien, die auch für möglichst viele Menschen mit Einschränkungen funktionieren soll. "Japanischer Perfektionismus hat zwei Silben: Kanban. Das Prinzip der steten Verbesserung führten erst Automobilunternehmen ein, nun kehrt es als Gestaltungsprinzip wieder. Wenn Japaner etwas machen, machen sie es eben richtig. Sie arbeiten sogar schon an der nächsten Generation von Orientierungssystemen: Apps, die Blinden und Rollstuhlnutzern vor Ort die jeweils besten Routen anzeigen. Junko Ushiyma, Senior Engineer bei Hitachi, zeigte, wie Handys vor Hindernissen vibrieren oder kontextbezogene Sprachhinweise geben. Das setzt enorme Datenmengen und aktualisierte Karten voraus - ein gewaltiges Investment in eine 'augmented reality', die ihren Namen tatsächlich verdient - als Verbesserung für alle."

Besprochen wird die Ausstellung "Cars" im V&A Museum in London (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.11.2019 - Design

Sabine von Fischer wirft für die NZZ einen Blick ins Programm in die Zürcher Designmesse Blickfang.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.11.2019 - Design

Vogue-Ausstellung in der Villa Stuck. Foto vom Blog der Villa


Annegret Erhard hat für die taz die Ausstellung im Museum Villa Stuck in München besucht, mit der die deutsche Vogue ihr 40-jähriges Bestehen feiert. Dort kann man nicht nur der Redaktion - oder deren Reste - beim Arbeiten zusehen, sondern auch in einem Parforce-Ritt durch die Geschichte des Magazins schreiten. "Eifrig und beliebig zugleich wird so der Zusammenhang von Kunst, Mode und dem Magazin hergestellt - und queer gleich mal mit abgehandelt. Und wenn es dann weitergeht mit der großen Selbstbezichtigungstafel, auf der die bösen Zahlen der Modeindustrie aufgelistet sind (...), verstehen wir auch den selten dämlichen Titel der Ausstellung: 'Ist das Mode oder kann das weg?!'" Die Vogue selbst hat dazu - natürlich - eine Strecke.
Stichwörter: Modefotografie, Vogue

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.11.2019 - Design

Ingo Maurer und Team, Ringelpiez, 2017. Foto: Tom Vack
Die ganze Schaffenskraft des kürzlich verstorbenen Lichtgestalters Ingo Maurer erlebt Gerhard Matzig in der SZ noch einmal in der vom Künstler noch selbst mitgestalteten Retrospektive in der Münchner Pinakothek der Moderne, die auch dessen Yves-Klein-Hommage zeigt: "Zu sehen ist Yves Klein bei seinem legendären 'Sprung in die Leere'. Nur mit der Fußspitze berührt 'Remember Yves' (2007) die Wand. Genau an diesem Fußpunkt eines statisch tollkühn erscheinenden Augenblicks gefrorener Dynamik entwickelt sich der nur von einer kleinen Leuchte erzeugte, flächige Schatten der dreidimensionalen Figur, um zum eigentlichen Werk zu werden: zum Schatten, der vom Licht so erzählt, sodass daraus letztlich Architektur wird. 'Und umgekehrt.' Die Yves-Hommage ist eine typische Arbeit für Maurer. Etwas Kunst, etwas Design, etwas Architektur, wenig Licht, viel Schatten, ein Witz, eine Philosophie, eine Lakonie, eine Perfektion, ein Körper, eine Fläche, Dynamik und Statik, Ambivalenz und Paradoxie - und die Komplexität des Einfachen."
Stichwörter: Maurer, Ingo

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.11.2019 - Design

Der Modedesigner Ralph Lauren (Bild: HBO)

Susan Lacys für HBO entstandene Dokumentation "Very Ralph" über den amerikanischen Modedesigner Ralph Lauren wirft sich ein bisschen sehr demütig vor seinem Sujet in den Staub, meint Carmen Böker auf ZeitOnline: Der Film "zeichnet ein halbes Jahrhundert Modeunternehmertum nach - von dem, der 'am besten amerikanische Mode in der Welt verkörpert'. So erklärt es zumindest Karl Lagerfeld, der in dem Film kurz vor seinem Tod im Februar 2019 als einer von vielen A-Ligisten der Branche zu sehen ist. Wie sich amerikanische Mode, deren Inspiration primär aus der Sachlichkeit der Sportbekleidung stammt, von der europäischen unterscheidet, die auf sehr viel ältere Traditionen und Trachten und auch Aneignungen verweist: Das wäre spannend gewesen. Nur fällt 'Very Ralph' so monochrom bewundernd aus, als sei es ein Imagefilm des Unternehmens."
Stichwörter: Lauren, Ralph