Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.08.2026 - Design

Aline Bavier, Sophia Becker, "re constructed", 2026. Filmstill. (Museum Angewandte Kunst / Sophia Becker)

Lisa Berins ereilen melancholische Anflüge beim Besuch der Ausstellung "On Display", in der das Frankfurter Museum Angewandte Kunst sich mit grundsätzliche Fragen des Grafikdesigns befasst: "So war das damals, als Menschen noch ihre Welt gestalteten", seufzt Berins in der FR, "bevor die KI auch das übernahm. ... Ungeahnte Ausmaße der Einmischung von KI eruieren Aline Bavier und Sophia Becker passend dazu in ihrer Videoarbeit 're constructed'. Darin lassen sie eigene Kindheitserinnerungen durch generative Bildmodelle in KI-generierte Erzählungen umwandeln. Ob die KI bald eigenständig auch die Gestaltung der menschlichen Lebenswelt fortschreibt? Die Frage sei eher, wann es so weit sei, dass die KI uns überrasche, wann sie eine bisher ungesehene Ästhetik liefere, sagt Kurator Jonas Deuter."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.08.2026 - Design

Ikeas Billy-Regal ist ein schlichter Klassiker aus der Welt des funktionalen und vor allem leistbaren Möbeldesigns. Der österreichische Künstler Heimo Zobernig hat daraus nun Aluminium-Varianten erstellt, die aktuell in der Berliner Galerie Nagel Draxler zu sehen sind. "Die silbrigen Platten mit ihren mesmerisierenden Kanten verwandeln die vertraute Form in ein auratisches Objekt der Minimal Art", schreibt Boris Pofalla in der Welt. "Sie scheinen rätselhafte Botschaften aus Zahlen und Buchstaben zu enthalten, die auf die Innenseiten der Regalwangen gedruckt sind. Tatsächlich sind dies die Materialkennzeichnungen aus der Aluminiumfabrik. Sie verraten uns, dass dieses Objekt mit einer Plattenstärke von 20 Millimetern alles andere als leicht sein dürfte und es sich um eine Aluminiumlegierung mittlerer Festigkeit mit hoher Korrosionsbeständigkeit handelt, die sich sehr gut schweißen und technisch anodisieren lässt. ... Aber eigentlich ist es zu schön, um da etwas hineinzulegen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.07.2026 - Design

"Die Welt ist möglicherweise endgültig in den ESC-Televoting-Modus geraten", merkt Gerhard Matzig in der SZ zu dem Umstand an, dass die EU-Bevölkerung noch bis zum 21. September dazu aufgerufen ist, über die Neugestaltung der Euro-Scheine abzustimmen. "Eine Vorahnung macht sich breit: die Verbreitung von immer mehr Hässlichkeit in Form des kleinsten gemeinsamen Geschmacksnenners. ... Wie, Sie haben keine Ahnung, zum Beispiel vom Banknoten-Design? Auch keine Idee, kein ausgeprägtes Stilempfinden und keine Ästhetik-Vorstellung? Sie wissen nichts von der ehrwürdigen Gestaltungshistorie im Reich des Geldes? Dass einmal die besten Graveure ihrer Länder tätig waren, um das Geld als nationale Bedeutungsträger zu gestalten? Dass bedeutende Grafiker Banknoten entwarfen als Chiffren nationaler Besonderheiten und repräsentativ ausstrahlender Suggestion? Umso besser: Denn herumklicken, wegwischen und irgendwas aus irgendwelchen Gründen irgendwie okay, richtig super oder auch krass doof finden: Das kann doch jede und jeder."
Stichwörter: Geld, Euro

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.07.2026 - Design

100-Euro-Schein-Entwurf aus der Serie F von Jan Robert Dünnweller.


Um die Beziehung der Europäer zu ihrer Währung zu stärken, darf über zehn verschiedene Euroschein-Entwürfe abgestimmt werden. Stefan Trinks zweifelt in der FAZ ein wenig am Vorhaben: "Nun wüsste man niemanden zu nennen, der sich in den vergangenen zwei Dekaden über fehlende Identifikation mit Geldscheinen beklagt hätte, eher über das Fehlen selbiger im Portemonnaie. Aber sei es drum. Ob also die Abstimmung eine gute Idee ist und Europa nicht noch mehr entzweien wird? Schon das Urteil des Paris hat bekanntlich keinen Segen über den Kontinent gebracht, denn über Schönheit lässt sich nun einmal kein objektives Urteil fällen. Ob der betongraue Fünfer der Serie A mit der Callas in knäckebrottrockenem Mondrian-Graphikdesignrahmen dem künstlerisch ambitionierten Hunderter der Serie F mit einem malerisch wie von Neo Rauch hingeworfenen Leonardo in Pink auf Grellgrün auf irgendeiner sachlichen Ebene verglichen werden kann, ist fraglich. Zu divergent sind die Stilistiken."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.07.2026 - Design

Ausstellung "Many Shades of Grès", Ausstellungsansicht
Foto: Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker

Madame Grès ist die "rätselhafteste, zurückhaltendste Modemacherin aus der Zeit der großen französischen Mode", schreibt Marina Razumovskaya in der taz. Aktuell sind 25 von Grès' Kleidern im Kunstgewerbemuseum Berlin zu sehen, die teilweise unter den Bedingungen der deutschen Besatzung im Paris der späten Weltkriegsjahre entstanden sind. Ihre "Outfits sind Hymnen an Stoffe. Oft sind sie leicht und transparent, verarbeitet in langen Bahnen, bis zu neun Meter in extra Überbreite, aus ihrem Lieblingsmaterial Seidenjersey. Ein einziges Stück Stoff umhüllt, verhüllt, enthüllt, bekleidet den weiblichen Körper. Diese eine Stoffbahn wird an der Puppe oder am Model in Falten gelegt, gedreht, umgeschlagen und geknotet, gerafft, in Schichten gelegt. Nähte per Hand befestigen nur an wenigen Stellen die Falten. ... Von den 1960er bis in die 1980er Jahre (sie lebt bis 1993) erprobt Grès auch andere Wege. Farben und farbige Bänder, Color-Blocks kommen ins Spiel, die Formen werden Cape-artig, mit flächigen, geometrischen, manchmal kreisförmigen Figuren, verkreuzt und vernäht." Ein Fundstück aus dem Archiv: Perlentaucherin Anja Seeliger schrieb bereits 1994 für die taz über Madame Grès.
Stichwörter: Grès, Madame, Mode

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.07.2026 - Design

Beate Scheder schlendert für die taz über die Fashion Week Berlin, wo unter anderem das Internationale Congress Centrum - Berlins schönste ungenutzte Architekturleiche - aus seinem Dornröschenschlaf geweckt und unter anderem vom auf Männermode spezialisierten Kölner Modelabel Marke für ein Schaulaufen genutzt wurde. "'Relics & Remnants' heißt die neue Kollektion des Designers Mario Keine passenderweise. Rund um die 'Gehirn' genannte Lichtskulptur von Frank Oehring ließ er Models in Looks marschieren, die auf andere Weise ebenso aus der Zeit gefallen zu scheinen wie das Gebäude selbst. Inspiration dafür war, so ist nachzulesen, unter anderem Virginia Woolfs Zeitenwanderer Orlando. Dessen Wiedergänger steckte Keine in Looks, deren Silhouetten mal an die Hosenröcke der Rheingrafen des 17. Jahrhunderts, mal an Bomber- und Frackjacken, barocke Unterwäsche oder Hemden aus der Renaissance erinnerten. An Armen und Revers klimperten dazu üppige Bettelarmbänder und Perlenschnüre."
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Für die FAZ resümiert Johanna Christner die Fashion Week. Die Kollektion "Lost to Virtue" von Laura Gerte etwa zeigte "viel Haut und zelebriert Weiblichkeit. Röcke und Kleider aus aneinandergereihten Kordeln sollten aber nicht über die Hintergründe hinwegtäuschen, die sich die junge Designerin für ihre Kollektion 'Lost to Virtue' gemacht hat: Sie wurde inspiriert vom feministischen Manifest der 1882 geborenen Künstlerin Mina Loy. Ein zentrales Thema des Manifests ist die Zerstörung gesellschaftlich vorgegebener Werte, die Frauen an ihrer Selbstverwirklichung hindern. Weiße Kleider mit Rollkragen, die fast ganz die Füße bedecken und nur durch seitliche Cut-outs Haut blitzen lassen, stehen symbolisch für die Restriktionen. Je länger die Schau dauert, desto weniger Stoff ist zu sehen, die Kleider sind oft bauchfrei, Tops bedecken gerade noch so die Brust - symbolisch dafür, dass die alten Werte zerstört und die Frauen befreit werden konnten."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.07.2026 - Design

Grit Thönnissen resümiert im Tagesspiegel die Sommerausgabe der Fashion Week Berlin, die sich diesmal ganz besonders ernst und von ihrer berlinigsten Seite zeigte: "Da war kein Schweben in elfengleichen Kleidern zu sehen. Die Models marschierten, oder schritten betont langsam mit abwesenden Gesichtern, aber zumindest cool zu harten Bässen wie bei Haderlump im Ballsaal des Adlon, oder zu den lang gezogenen Klängen eines Kontrabasses bei Milk of Lime. Die Accessoires schienen eine Aufforderung zum Zündeln zu sein. ... Angesichts steigender Temperaturen, hätte man mehr luftige Entwürfe erwartet. Aber Leder scheint das Material zu sein, mit dem uns die Designer durch die Krise bringen wollen. Kaum eine Kollektion kam ohne Lederjacken aus, mal wie bei Unvain unterkühlt in hellem Beige, oder aus recycelten Resten zu einem Patchworkmuster zusammengesetzt bei SF1OG. Wer die Welt retten will, muss beim Ressourcenverbrauch anfangen."
Stichwörter: Fashion Week Berlin, Leder, Mode

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.07.2026 - Design

Vor 80 Jahren brachte Louis Réard den Bikini auf den Markt, erinnert Julia Werner in der SZ. Seitdem wurden über kaum ein anderes Kleidungsstück mehr Diskussionen geführt als über den Bikini. "Kein anderes Kleidungsstück ist so eng mit der Frage verknüpft, wer sich eigentlich wie zeigen darf. In den Neunzigern lautete das Cover-Schlagwort auf jedem Frauenmagazin spätestens nach Weihnachten: Bikini-Figur! Ab diesem Zeitpunkt mussten Frauen hungern und sich quälen. In den Nullerjahren wurden in Modelagenturen Mädchen in 'Bikini-Bodies' und 'Fashion-Bodies' unterteilt - die Dünnen durften auf die internationalen Laufstege, die mit den Kurven sollten Geld mit Swimwear-Werbung verdienen. Und dann, in den erfolgreichsten Zeiten der letzten Body-Positivity-Bewegung, war der Bikini auch in seinen Mikroformen sehr oft an demonstrativ zur Schau gestellten dicken Frauenkörpern zu sehen."
Stichwörter: Bikini, Schönheitsideale

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.07.2026 - Design

In Loriots "Ödipussi" war die Durchgrauung der deutschen Lebenswelt noch ein Witz, gibt Gerhard Matzig in der SZ zu bedenken. Doch "heute kann man mit Blick auf die Autostraßen und Wohnzimmer, mit Blick auf SUVs, die so grau und wuchtig auf einen zukommen wie Haie, Panzer oder Kriegsschiffe in Tarngrau, mit Blick auf Möbel, Wandfarben, Kleidungsstücke, Häuser und Städte nur konstatieren: Deutschland ist ein graues Land. Mal mehr ins Mausige, mal mehr ins Schiefrige, mal mehr ins Staubige spielend. ... Lasst uns bitte wieder Farbe bekennen in einer sinnlicheren Welt, die sich ein Vorbild nehmen könnte an der wundersamen Farbigkeit der Schöpfung und der Kulturgeschichte."
Stichwörter: Farben, Grau

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.06.2026 - Design

Als sich vor Jahren John Galliano antisemitisch äußerte, trennte sich Dior von ihm - Galliano hat sich später aufrichtig entschuldigt. Heute ist das Klima völlig verändert, notiert Ute Cohen in der Jüdischen Allgemeinen. Es ist in den teuersten Häusern geradezu ein "Must", antisemitische Botschaften mehr oder weniger subtil zu platzieren, auch wegen der vielen kaufkräftigen Kunden in der muslimischen Welt. Nur ein Beispiel: "Dass Mode heute politische Positionen transportiert, zeigte sich 2025 in einer Saint-Laurent-Kampagne, die den palästinensischen Rapper Saint Levant inszenierte. Dieser ist bekannt für seine Gewaltfantasien gegen israelische Fußballfans. Die Wahl dieses Musikers führte zu Boykottaufrufen, kritischen Artikeln und Debatten über moralische Verantwortung. Parallel tat sich auch die Sängerin Dua Lipa, Gesicht der YSL-Beauty-Kampagne Libre, als politische Aktivistin hervor und machte durch äußerst kritische Bemerkungen gegenüber Israel von sich reden."

Saint Levant ist inzwischen Markenbotschafter von Prada und defiliert mit einem Halskettechen, das ein Palästina ganz ohne Israel zeigt.