Beate Scheder
schlendert für die
taz über die
Fashion Week Berlin, wo unter anderem das
Internationale Congress Centrum - Berlins schönste ungenutzte Architekturleiche - aus seinem Dornröschenschlaf geweckt und unter anderem vom auf Männermode spezialisierten Kölner Modelabel
Marke für ein Schaulaufen genutzt wurde. "'Relics & Remnants' heißt die neue Kollektion des Designers Mario Keine passenderweise. Rund um die 'Gehirn' genannte Lichtskulptur von Frank Oehring ließ er Models in Looks marschieren, die auf andere Weise ebenso aus der Zeit gefallen zu scheinen wie das Gebäude selbst. Inspiration dafür war, so ist nachzulesen, unter anderem
Virginia Woolfs Zeitenwanderer Orlando. Dessen Wiedergänger steckte Keine in Looks, deren Silhouetten mal an die Hosenröcke der Rheingrafen des 17. Jahrhunderts, mal an Bomber- und Frackjacken, barocke Unterwäsche oder Hemden aus der Renaissance erinnerten. An Armen und Revers klimperten dazu
üppige Bettelarmbänder und Perlenschnüre."
Für die
FAZ resümiert Johanna Christner die Fashion Week. Die Kollektion
"Lost to Virtue" von
Laura Gerte etwa zeigte "viel Haut und zelebriert
Weiblichkeit. Röcke und Kleider aus aneinandergereihten Kordeln sollten aber nicht über die Hintergründe hinwegtäuschen, die sich die junge Designerin für ihre Kollektion 'Lost to Virtue' gemacht hat: Sie wurde inspiriert vom feministischen Manifest der 1882 geborenen Künstlerin Mina Loy. Ein zentrales Thema des Manifests ist die Zerstörung gesellschaftlich vorgegebener Werte, die Frauen an ihrer Selbstverwirklichung hindern. Weiße Kleider mit Rollkragen, die fast ganz die Füße bedecken und nur durch seitliche Cut-outs Haut blitzen lassen, stehen symbolisch für die
Restriktionen. Je länger die Schau dauert, desto weniger Stoff ist zu sehen, die Kleider sind oft bauchfrei,
Tops bedecken gerade noch so die Brust - symbolisch dafür, dass die alten Werte zerstört und die Frauen
befreit werden konnten."