Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

684 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 69

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.10.2021 - Design

Dass immer mehr gestandene Mannsbilder - zuletzt etwa Daniel Craig in seinem rosa Auftritt bei der Premiere seines letzten James-Bond-Films - in der Mode gesetzte Geschlechtergrenzen überschreiten ist ja "alles schön und total gut", schreibt Anne Goebel in der SZ. "Aber etwas mehr Mut brauchte es 1933, um als Frau in Hosen durch Paris zu schlendern. Sie wurde dafür fast verhaftet: Marlene Dietrich, immer noch, um es neudeutsch auszudrücken, die schönste Cross-Gender-Kreatur. Die Männermätzchen von heute hätten ihr wahrscheinlich nicht mehr als eine leichte Regung der geschwungenen Brauen entlockt, wenn überhaupt." Und "dass Marlene Dietrich Mode immer benutzt hat, um ihr Bild in der Öffentlichkeit zu perfektionieren, lässt sie heute als eine Art Visionärin des Instagram-Zeitalters erscheinen. Mit dem entscheidenden Unterschied: Als Perfektionistin hätte sie sich keinem noch so guten Bildbearbeitungsprogramm anvertraut und auch nicht dem besten Stylisten. Sie machte alles selber. Wenn schon Kunstgeschöpf, dann nach ihren Regeln."

Die Krawatte ist derweil von den Männern zu den Frauen gewandert, stellt dazu passend Tillmann Prüfer im ZeitMagazin fest: Männer, insbesondere in der Politik, flüchten das zierende Kleidungsstück mittlerweile fast schon, doch "all das, was Männer fürchten, ist für Frauen höchst interessant. So auch die Krawatte. Von den Männern geschmäht, spielt sie jetzt eine herausragende Rolle in der Damenmode. Und zwar nicht als bloßes Zitat der männlichen Krawatte, die ein formelles Outfit zusammenhält, sondern als frei kombinierbarer Halsschmuck."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.10.2021 - Design

Der weiße Sneaker ist eine "schuhgewordene Reinlichkeitsfantasie", glaubt Dirk Peitz in einer Glosse auf ZeitOnline, nachdem bei einem Treffen der Jungen Union demonstrativ weiße Turnschuhe getragen wurden. Außerdem denkt Tillmann Prüfer in seiner Stilkolumne für das ZeitMagazin über den anhaltenden Appeal des Punkstils in der Mode nach.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.10.2021 - Design

Das "Senftenberger Ei", ein Sessel mit einklappbarer Lehne. Entwurf: Peter Ghyczy, 1968 VEB Synthesewerk Schwarzheide
Sehr verdienstvoll findet FAZ-Kritiker Stefan Locke die Schau "Deutsches Design 1949-1989: Zwei Länder, eine Geschichte", die nach ihrem ersten Aufschlag im Vitra Design Museum in Weil am Rhein (unser Resümee) nun im Lipsiusbau in Dresden zu sehen ist: Sehr zu danken ist ihr, "dass Namen wie Margarete Jahny, Rudolf Horn, Karl Clauss Dietel oder Lutz Rudolph, die unter Kennern längst Bestandteil der Designgeschichte sind, nun auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt werden. Man mag kaum glauben, dass dafür dreißig Jahre ins Land gehen mussten, aber tatsächlich ist das die erste Gesamtschau deutschen Designs aus der Zeit der Teilung. Sie zeigt auf vielfältige und wohlkomponierte Weise die Verflechtungen, Spiegelungen und Brüche deutsch-deutscher Formgebung und ist damit schon mal einen großen Schritt weiter als andere Museen hierzulande, die auch in ihren Publikationen noch heute so tun, als habe es gutes Design nur im Westen gegeben."
Anzeige

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.10.2021 - Design

Modelabels greifen die Impfdebatte auf und präsentieren den Impfstatus des Kleidungsträgers in knalligen Lettern. Sabine von Fischer findet das im NZZ-Kommentar einigermaßen albern: "Einst hieß es: Zeig mir deine Schuhe, und ich sag dir, wer du bist. Doch das gilt nicht mehr, schon gar nicht, seit alle Turnschuhe an den Füßen tragen. Auf der Brust zeigt sich nun die wahre Gesinnung: Impfen ja oder nein? ... Über Geschmack lässt sich genauso streiten wie über die Impffrage oder die Politik. Aber in der Mode hält man den andern Geschmack besser aus als die andere Meinung, die die Grundrechte betrifft. Jeder ist der Überzeugung, im Recht zu sein, bis auf ein paar Wankelmütige. Die Mode macht daraus, was sie schon immer tat: Geschäfte."
Stichwörter: Impfdebatte, Mode

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.10.2021 - Design

Liisi Beckmanns Karelia-Sessel, 1969 (Vitra Design Museum/Zanotta SpA Italy)

Nicht voll überzeugt wirkt FAZ-Kritiker Ulf Meyer von der Schau "Here We Are! Frauen im Design 1900 - heute" im Vitra Design Museum in Weil am Rhein: Unklar bleibe, was die Schau zum Ausdruck bringen wolle, "zwischen einer Leistungsschau weiblicher Designerinnen und der Präsentation von Ergebnissen feministischer Forschung schwingt das kuratorische Pendel hin und her". Zeitgenössische Designerinnen wie etwa Julia Lohmann, die Leder durch Algenmaterialien ersetzt, findet er zwar durchaus "spannend" und manche Gestalterinnen-Biografie nimmt Meyer interessiert zur Kenntnis. Aber "etwas übergriffig wird die interessante Schau an Stellen, an denen postuliert und agitiert wird: 'Ein binäres Geschlechterverhältnis, das Begabung mit dem Geschlecht in Verbindung bringt, ist längst Vergangenheit', schreiben die Kuratorinnen. Und: 'An den großen Bildungsinstitutionen kommt eine Diskussion um Gender und Marginalisierung in Gang. Feministische Akteurinnen stellen akademische Eliten in Frage.' Mit derlei Getröte läuft die Schau Gefahr, dem Œuvre der besten Gestalterinnen des letzten Jahrhunderts einen Bärendienst zu erweisen."

Weiteres: In Boris Johnsons eigenwilliger Jogging-Bekleidung zeigt sich Marion Löhndorf von der NZZ die typisch britische Exzentrik, die sich auch in der britischen Mode niederschlägt. Gerhard Matzig schreibt in der SZ einen Nachruf auf den Gartengestalter Richard Schultz.
Stichwörter: Designerinnen

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.10.2021 - Design

Alessandro Michele hat eine Gucci-Suite für das Savoy in London dekoriert - und Marion Löhndorf verfällt in der NZZ ins Schmachten angesichts all des Prunks und Luxus, der mit annähernd 16.000 Pfund pro Nacht zu Buche schlägt: "Man schläft wie im Showroom und träumt sich ins Gucci-Paradies, vermutlich - die Presse ist eben nur für einen kurzen Besuch tagsüber eingeladen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.10.2021 - Design

Der Pelzmantel ist in freier Wildbahn immer seltener anzutreffen, stellt Jürg Zbinden in der NZZ fest: Die Kritik der Tierrechtsbewegung hat die Modeindustrie erreicht, diverse Unternehmen kündigen an, auf Pelz in Zukunft zu verzichten. Zeit für einen Nachruf auf das Versprechen von Luxus im Alltag: "Den Traum vom kostbaren Pelz träumten zahllose Frauen zwischen Hausarbeit, Kino und Besuch beim Friseur, wo sie auf der Leinwand oder in einer Illustrierten sehen konnten, wie hinreißend mondän Pelzmäntel an Filmstars wie Elizabeth Taylor, Doris Day ('Ein Hauch von Nerz') oder Romy Schneider wirkten. Und, wer weiß, vielleicht würde es ja schon nächstes Weihnachten auch bei ihnen klappen, wenn Herbert, Werner, Egon oder Paul . . . Wer sich einen Pelzmantel leisten konnte, erlag der Illusion, eine Dame zu sein. Nicht irgendeine, bitte schön, sondern eine von Welt."
Stichwörter: Mode, Pelz

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.09.2021 - Design

Für eine große Reportage im Dlf Kultur hat Wolf-Dieter Vogel indigene Weberinnen in Südmexiko besucht. Deren folkloristisch gemusterte Huipils wurden auch von einem spanischen Modeunternehmen adaptiert, aber offenbar ohne das abzuklären: "Der Schnitt und die Motive eines Kleides der spanischen Firma sind fast identisch mit denen eines Huipils aus San Juan Colorado. Niemand in der Gemeinde wusste vorab davon." Der Weberin Flora Reyes geht es in ihrer Empörung darüber nicht "nur darum, dass sie nichts vom Gewinn der Zara-Produkte abbekommt. Sie hat auch nichts dagegen, dass die Motive ihrer Vorfahren weltweit von anderen verbreitet werden. 'Grundsätzlich würde uns das gar nicht stören. Letztlich könnte man sagen, dass das unseren Ruf stärkt und wir dadurch unsere Produkte besser verkaufen könnten", sagt sie. 'Es ärgert uns aber, dass Firmen wie Zara die Muster identisch kopieren, aber nicht sagen, dass sie aus dem Design eines Huipil aus San Juan Colorado stammen. Sie tun so, als hätten sie das selbst entworfen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.09.2021 - Design

Bei Joschka Fischer waren Turnschuhe noch freche Koketterie, in jedem Fall aber ein Regelverstoß. Mittlerweile haben sie alles durchsetzt, grämt sich der Schumachersohn Roman Bucheli in der NZZ: "Wenn Anne Will am Abend der Bundestagswahl in ihrer Talkshow weiße Sneakers zum graublauen Hosenanzug trägt, dann hat das nichts mehr mit Joschka Fischer zu tun, sondern allein mit einem unbekümmerten Individualismus: Schaut her, wie locker ich drauf bin! Ihr Pech: Auch Lars Klingbeil, SPD-Generalsekretär, kam mit weißen Sneakers zum blauen Anzug in die Sendung. ... Schöner hätten sie nicht vorführen können, wie heute jeder Nonkonformismus zuverlässig in die Uniformität umschlägt. Das ist das Paradoxe an der angestrengten Individualität: Weil sie von der Stange kommt, ist sie sehr viel weiter verbreitet, als der Individualist glaubt und es ihm lieb sein kann."

Sabine von Fischer schreibt in der NZZ einen Nachruf auf den Gestalter Robert Haussmann.
Stichwörter: Sneaker, Bundestagswahl

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.09.2021 - Design

Kännchen von Christa Petroff-Bohne. Bild: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg


Sehr löblich findet Bettina Maria Brosowsky in der taz die Überblicksausstellung zum Schaffen von Christa Petroff-Bohne - "in ihrer sachlich modernen Grundhaltung" eine Autorität der DDR-Gestaltung - im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Mit Petroff-Bohne, einer Vertreterin einer "moderaten Moderne", die ihre Gestaltungslehre selbst "als Zusammenwirken von Hand und Auge bezeichnet", ist "eine wache Designtheoretikerin" zu entdecken, "die schon mal das ikonische, 1924 von Marianne Brandt entworfene Bauhaus-Teekännchen als Kunst bezeichnet - und nicht als gelungene Produktgestaltung."

Besprochen wird weiter die dreibändigen "Swiss Graphic Design Histories" (NZZ).