Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.11.2017 - Architektur

Mit Bill Gates' "Belmont" in der Wüste von Arizona oder der von Google in Kanada geplanten Stadt entstehen "Smart Cities", die nicht mehr von "He­te­ro­ge­ni­tät, Cha­os, Le­ben­dig­keit" und "in­di­vi­du­el­len Ent­schei­dun­gen" geprägt sind, sondern auf "Sicherheit, Komfort und Nachhaltigkeit" setzen - gesteuert von Privatkonzernen mit dem Ziel der Umsatzsteigerung, warnt Niklas Maak in der FAZ: "Da­ten­schutz klingt hier wie ein Wort aus ei­ner un­ter­ge­gan­ge­nen bür­ger­li­chen Kul­tur­epo­che. To­ta­le Vernet­zung heißt auch per­ma­nen­te Da­ten­er­he­bung. Die Vi­deo­über­wa­chung reicht vom öf­fent­li­chen Raum bis in die Häu­ser. Die Be­woh­ner wer­den, wie heu­te schon in der ko­rea­ni­schen Zu­kunfts­stadt Song­do, Chip­kar­ten besitzen, die als Ver­si­cher­ten­kar­te, Kre­dit­kar­te und Woh­nungs­schlüs­sel die­nen und zu­sam­men mit dem, was die Woh­nung an Ver­brauchs­da­ten und der Com­pu­ter an auf­ge­ru­fe­nen Sei­ten mel­det, ein um­fas­sen­des Be­we­gungs- und Per­sön­lich­keits­bild lie­fert. Die Stadt­ma­schi­ne wird auch ei­ne be­wohn­ba­re Such­ma­schi­ne sein."

Wie kontrolliertes Wohnen auch ohne Smart Cities gelingt, erzählt in der Welt der Historiker Michael Wolffsohn, der die von ihm im Jahr 2000 geerbte, von dem deutschjüdischen Architekten Rudolf Fränkel in den zwanziger Jahren erbaute Gartenstadt Atlantic im sozialen Brennpunkt Berlin-Gesundbrunnen restaurierte und modernisierte: Ästhetik, Kommunikation und Sicherheit stehen für ihn an erster Stelle: "Natürlich arbeitet die Verwaltung freundschaftlich, gerne und gut mit der Polizei zusammen, und ein privater Sicherheitsdienst, an dem sich die Mieter finanziell beteiligen, achtet nachts auf Sicherheit. Ein gewichtiger Unsicherheitsfaktor in multiethnischen und -kulturellen Kiezen, Städten, Regionen und Nationen sind Spannungen zwischen den diversen Herkunftsgruppen. Berlin-Gesundbrunnen ist auch diesbezüglich ein Brennpunkt. Um jeglicher Gettoisierung strukturell gegenzusteuern, gibt es in der Gartenstadt Atlantic kein Haus, in dem nur Alt-Einheimische oder nur Neubürger, nur Muslime oder Nur-Nichtmuslime wohnen."

In manchen Vierteln Münchens muss man jetzt schon über 31 Euro Miete pro Quadratmeter zahlen, ächzt Gerhard Matzig in der SZ und macht anderem die ständig steigenden Baustandards und das reformbedürftige Bodenrecht verantwortlich: "Aber auch die Gesellschaft versagt. Wann immer eine Brache wie der Ex-Flughafen Tempelhof in Berlin zu Wohnraum umgebaut werden soll, empören sich die Besitzstandswahrer. Gern per Volksentscheid. Dem Grillen und den Dackeln zuliebe."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.11.2017 - Architektur

Im Standard hat sich Anne Katrin Fessler mit Gregor Sailer über sein Projekt "The Potemkin Village", für das er Planungsruinen und für militärische Zwecke errichtete Fake-Architekturen fotografiert hat, unterhalten: "In Russland sollte Sailer herausfinden, dass die Legende, die seinem Projekt den begrifflichen Rahmen gab, lebt. In Susdal, drei Autostunden von Moskau entfernt, erwartete man 2013 einen Besuch Putins. Der Verfall des Städtchens erschien nicht präsidial, also versteckte man die Schäbigkeit hinter Planen. Als Sailer knapp drei Jahre später hinreiste, war es fraglich, ob sich noch visuelle Spuren der Maskerade finden lassen. 'Obwohl wir bewusst danach gesucht haben, sind wir ein paar Mal daran vorbeigefahren. Bis wir irgendwann unsere Wahrnehmung sensibilisiert hatten.'"
Stichwörter: Gregor Sailer

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.11.2017 - Architektur

Rettet die Architektur des Brutalismus, fordert Marcus Woeller in der Welt, denn sie seien als "Skulpturen ihrer Zeit" zu verstehen: "Vielfach droht der Abriss, wenn der Denkmalschutz nicht eingreift."

Weiteres: Im Tagesspiegel freut sich Stefanie Borowsky auf das Bauhaus-Jubiläumsjahr 2019, das neben zahlreichen Ausstellungen auch mit neuen Museumsbauten aufwarten wird: 54 Millionen Euro habe der Bund dafür bereit gestellt.
Stichwörter: Bauhaus, Brutalismus

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.11.2017 - Architektur


Janko Konstantinov: Postamt und Fernmeldezentrum, Skopje, Mazedonien, 1974-1989 \\ © Foto: yeowatzup 2012 (CC BY 2.0)

Eine Ausstellung über brutalistische Architektur im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt zeigt FR-Kritiker Christian Thomas deutlich, wie ambivalent diese Architekturrichtung immer noch ist: "Die Abbildung des Innenraums, den Paul Herbé und Jean Le Couteur für die Kathedrale Sacré-Coeur in Algier erdachten, gibt einen Eindruck von den grandiosen Gestaltungsmöglichkeiten des béton brut. Demgegenüber ballt sich der gebaute Schrecken vor allem bei den Wohnbauten. Der Brutalismus mag kühne Bauwerke hervorgebracht haben - er ist nie der architektonische Ausdruck einer offenen Gesellschaft gewesen. Für diese Erkenntnis muss man nicht einen Sportpalast im kambodschanischen Phnom Penh näher inspizieren. Oder Belgrads Institut für Stadtplanung auch nur zur Probe aufsuchen. ... Es ging dem Brutalismus nicht nur um eine brüskierende Bauweise, er hat auch das Urteil über eine Lebensweise verhängt. Eine rüde Architektur als Anmaßung pur."

Weitere Artikel: Nicola Kuhn besichtigt für den Tagesspiegel die Sanierungsarbeiten an der Neuen Nationalgalerie in Berlin. Stefan Brändle besucht für die FR den von Jean Nouvel gebauten neuen Louvre-Ableger in Abu Dhabi.
Stichwörter: Brutalismus

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.11.2017 - Architektur


Tianjin Binhai Library. Foto: MVRDV

Ganz schwindlig wird einem bei den Fotostrecke, die Dezeen von einer neuen Bibliothek in Tianjin in China online gestellt hat: Das coole Rotterdamer Architekturbüro MVRDV hat sie in Form eines riesigen Auges entworfen, das natüŕlich nicht der Überwachung, sondern dem Lesen dient.

FAZ-Kritiker Niklas Maak hat auf der Architekturbiennale Chicago einen Film gesehen, den er gern zum Pflichtprogramm für städtische Behörden machen würde: "The Property Drama" des Filmemachers Christopher Roth und des Architekturtheoretikers Arno Brandlhuber: "In diesem Film gibt es eine unglaubliche Zahl. Sie wird vorgetragen von dem inzwischen hochbetagten Hans Jochen Vogel, der 1972, zur Olympiade, Oberbürgermeister von München und später Bürgermeister von Berlin war und auch einmal Kanzlerkandidat der SPD: 'In München', sagt Vogel, sei 'der Bodenpreis von 1950 bis 1972 um 352 Prozent und bis heute um etwa 36000 Prozent gewachsen'. Sechsunddreißigtausend Prozent: Die Zahl allein reicht als Begründung dafür, die Geschichte der Stadt in den vergangenen fünfzig Jahren als 'Property Drama' zu erzählen, als Geschichte eines urbanen und sozialen Niedergangs."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.11.2017 - Architektur

Bild: Entwurf Konzerthaus München. Cukrowicz-Nachbaur Architekten

Ein wenig mehr "Grandezza" hätte das neue Münchner Konzerthaus schon haben dürfen, findet Judith Leister in der NZZ, nachdem sie sich den Sieger-Entwurf des Bregenzer Architektenduos Andreas Cukrowicz und Anton Nachbaur-Sturm angesehen hat: "Scheut München vielleicht das finanzielle und politische Risiko, eine international beachtete Landmarke wie die Hamburger Elbphilharmonie zu bauen? Mit einer Glasarchitektur jedenfalls verbindet man eher anonyme Gewerbeflächen als ausdrucksstarke Emotionalität. Keiner der Konzertsäle soll einen Sichtbezug nach außen haben, alles fokussiert auf das Geschehen im Inneren."
Stichwörter: Konzerthaus München

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.11.2017 - Architektur

In der NZZ bewundert Antje Stahl die gelungene Mischung aus Transparenz und Undurchsichtigkeit im von dem Architekturbüro OMA umgebauten Regierungsgebäude in Den Haag: "Anders als der neue Saal à la Kubrick wirken diese nur nicht wie Bausteine einer Verschwörungstheorie. Der alte Kopf des Gebäudes aus Beton wurde verglast, so gewinnt jeder auf den 16 Etagen einen Ausblick über das flache Land bis nach Rotterdam. Und die Architektin öffnete den Eingangsbereich. Theoretisch kann dort nun jeder neben merkwürdigen weißen Plasticgrashalmen verschnaufen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.11.2017 - Architektur

Dezeen freut sich für das Londoner Architekturbüro dRMM über den Stirling Prize, den es für seine Erneuerung des Seebrücke vpn hastings erhält. FAZ-Korrespondentin Gina Thomas besucht in St Ives in Cornwall den Erweiterungsbau der dortigen Tate Modern.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.10.2017 - Architektur


Siegerentwurf Konzerthaus München. Abbildung: Büro Cukrowicz Nachbaur Architekten

Jetzt bekommt München nach fünfzehn Jahren Diskussion sein neues Konzerthaus. Der Wettbewerb für das junge Architektenteam Cukrowicz Nachbaur aus Bregenz entschieden. In der SZ kommen Gottfried Knapp gleich mehrere Assoziationen: Ist es Schiff, Scheue oder ein Gewächshaus? Oder doch eine Kathedrale der Musik? "Alle am Konzertsaalprojekt Interessierten und Beteiligten können also mit dem ersten Preis sehr zufrieden sein. Das Büro Cukrowicz Nachbaur hat vor allem die Wünsche der Musiker und Konzertveranstalter auf ideale Weise erfüllt. Das ganze hintere Drittel des langgestreckten siebengeschossigen Baus ist für Proberäume, Stimmzimmer, Künstlergarderoben, Büros und Kantine reserviert. Alle öffentlich zugänglichen Räume werden von der Eingangsfront aus erschlossen. Das Erdgeschoss, das als Sockel für den riesigen Glassturz wohl etwas zu niedrig geraten ist, soll sich mit Läden und einem Café in die Umgebung hinaus öffnen."

Der Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters Mariss Jansons beruhigt im SZ-Interview all jene, die auf einen spektakuläreren Entwurf gehofft hätten: "Wenn man durch die Glasfassade das Leben im Inneren sieht, dann ist das wunderbar. Der Entwurf ist nicht so spektakulär, aber auch nicht hässlich. Und es geht vor allem um die Musik, deshalb ist nun die Akustik die nächste wichtige Frage, die geklärt werden muss." In der Berliner Zeitung hängt sich Nikolaus Bernau weit aus dem Fenster: "Eine letztlich eher technisch-klimatische Umhüllung der eigentlichen Funktion, wie man sie für Geschäftshäuser, Museen, Verwaltungen, sogar Wohnbauten öfter findet. Man muss schon eingefleischter Münchner Lokalpatriot sein, um hier das spektakuläre Ereignis zu sehen, das von dem Wettbewerb erhofft worden war."

Richtig aufregend findet Peter Richter, was der junge Architekt Mathieu Bujnowskyj auf dem Berliner Forecast-Festival im Haus der Kulturen der Welt präsentierte: Möbel, die sich mit einem gewissen "querulatorischem Selbstbewusstsein" quer zur technologischen Lage stellen: Zum Beispiel "ein Schränkchen neben der Eingangstür, in das das Handy kommt, während man im Raum ist, schallisoliert, damit man nicht dauernd von eintrudelnden Nachrichten aufgescheucht wird und einigermaßen abhörsicher reden kann." (Bild: HKW)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.10.2017 - Architektur

Sexismus lässt sich in Architekturbüros genauso finden wie in Filmstudios, erklärt Anna Winston bei Dezeen. Die Diskriminierung ist höchsten etwas subtiler: "In a recent Facebook thread relating the Harvey Weinstein, a Seattle-based curator, writer and educator - who studied architecture at Yale - wrote: 'In architecture, art, academia, they are too genteel for anger. Instead we'll get frozen out and gaslit with the implication that the confrontation is evidence of our lack of analysis and intellectualism.'"
Stichwörter: Harvey Weinstein, Sexismus
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