Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.09.2017 - Architektur

In der FR schreibt Christian Thomas zum Tod des Architekten und Stadtplaners Albert Speer: "Seine Rastlosigkeit als Stadtplaner war nicht zu bewältigen ohne eine immense Beweglichkeit. Immerzu mobil. Doch hatte Albert Speer zur Mobilität ein kritisches Verhältnis. Mobilität, heißt es in einem der Bücher, die über ihn und sein Büro veröffentlicht wurden, erzeuge Stillstand." In der taz vermutet Klaus Englert hinter Speers Arbeit auch die Triebfeder, "die Städte von den monströsen Planungen des Vaters zu heilen und menschengerechter zu planen". Niklas Maak nennt ihn in der FAZ einen "Baumeister der Demokratie".
Stichwörter: Albert Speer

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.09.2017 - Architektur


Peter Zumthor, Kunsthaus Bregenz. Foto: Foto: Matthias Weissengruber, © Kunsthaus Bregenz

Weil das Kunsthaus in Bregenz dieses Jahr zwanzig wird, ist Antje Stahl für die NZZ einer Einladung des Architekten Peter Zumthor zu einer Geburtstagsparty gefolgt, wo sie dem Meister mit Rührung aber auch einer leichten Genervtheit lauscht: "Dieser spezielle Zumthor-Sound, den er vor dreißig Jahren ausbildete, wirkt heute aktuell. Sowohl im ästhetischen Diskurs als auch in Frauenmagazinen wird der Rückzug der Sinne gefordert, es geht um Körper und Performance, um das Hier und Jetzt und ein geschärftes Bewusstsein. Meistens führen die Befürworter einen Feldzug gegen den angeblich digital verseuchten Alltag und möchten den getriebenen, entwurzelten Menschen im White Cube oder auf einer Yogamatte erden - Spiritualität inklusive."
Stichwörter: Peter Zumthor

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.09.2017 - Architektur

Besprochen wird die Ausstellung "Does Performance Matter? Ephemeral Urbanism" im Architekturmuseum der TU München (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.09.2017 - Architektur


Die Leuchttürme von Kiel sind eigentlich alle ganz schön.

Städtebaulich ist Kiel übel mitgespielt worden, große Verkehrsschneisen, Shopping Center und architektonische Banalitäten haben die Innenstadt so gut wie sterben lassen. Dankwart Guratzsch blickt in der Welt seufzend auf die hässliche Stadt, auch die neuen Wohnquartiere an der alten Feuerwache und am Alten Markt findet er nur halbherzig. Es hilft nicht, meint er, die Stadt braucht ein Highlight: "Eine solche Einrichtung könnte ein Deutsches Schifffahrtsmuseum sein, mit Objekten aus der Glanzzeit Kiels und der deutschen Marine, mit ganzen Schiffen, Seezeichen und Leuchttürmen, ein Gebäude wie ein Bilbao-Museum - spektakulär, einmalig, unwiederholbar. Das alte Kiel ist rettungslos untergegangen."


Arno Brandlhubers Antivilla. Foto: Erica Overmeer

In Krampnitz bei Potsdam hat der Architekt Arno Brandlhuber eine alte DDR-Fabrik für Sport-BHs zu einem Wohnhaus umgebaut. In der NZZ ahnt Antje Stahl, dass er mit seiner Antivilla in Berlin natürlich einen Nerv getroffen hat: "In Berlin wiegt der Eskapismus-Vorwurf schwer. Jeder wünscht sich zwar die Seeidylle, kann sich aber eher mit einem Haus vor der Stadt identifizieren, dem das Kaputte ins Gesicht geschrieben ist und das den reichen Nachbarn ein Stück weiter bei Potsdam allein schon wegen seines Namens den - Entschuldigung - Mittelfinger zeigt."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.09.2017 - Architektur

Für den Tagesspiegel hat sich Christiane Meixner die Glasinstallationen der Berliner Künstlerin Isa Melsheimer im Mies-van-der-Rohe-Haus angesehen: "Die gläsernen Berge im Mies-van-der-Rohe-Haus erinnern unmissverständlich an einen expressiven Bau wie das Große Schauspielhaus von Hans Poelzig am Schiffbauerdamm. Geheimnisvoll glitzernd, ein Refugium für den Überfluss. Ästhetischer Widerstand formiert sich in Gestalt jener Architekten, die nach Klarheit streben und jeden Winkel ausleuchten wollen. Transparenz als Prinzip, bis kein Geheimnis mehr bleibt."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.08.2017 - Architektur

In der SZ  beobachtet Alexander Menden eine Renaissance der britischen "Follies" - jener exzentrisch-kitschigen, eklektizistischen Bauten, die einst als Staffage für Parks galten, bald aber immer aufwendiger und teurer wurden. In seiner Zeit als Londoner Bürgermeister hatte Boris Johnson einige solcher Follies zu verantworten, etwa die von Thomas Heatherwick gestaltete und nach einer Verschwendung von 37 Millionen Pfund Steuergeldern durch Sadiq Khan in letzter Sekunde verhinderte Gartenbrücke, berichtet Menden: "Rowan Moore, Architekturkritiker des Observer, hat die Gartenbrücke treffend 'ein Wahrzeichen des postfaktischen Zeitalters' genannt. Tatsächlich wies das Projekt auffallende Parallelen mit der 'Leave'-Kampagne vor dem EU-Referendum auf. Eine von den Unterstützern des Projekts veröffentlichte Umfrage, der zufolge die weit überwiegende Mehrheit der Befragten eine solche Brücke wollte, basierte auf ausgedachten Zahlen und Wunschdenken. Die Brücke wurde als 'Geschenk an die Bewohner Londons' verkauft, das vollständig durch private Spenden finanziert werden würde."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.08.2017 - Architektur

Für die SZ hat sich Joseph Hanimann die von dem Fabrikanten Jean-Baptiste André Godin im 19. Jahrhundert gegründete Anlage "Familistère" im nordfranzösischen Luise angesehen, die als erster Sozialwohnungsbau der Moderne gilt. Arbeiter sollten hier wie Adelige und Bürger leben, zumindest sollten aber Licht, frische Luft und sauberes Wasser allen gleichermaßen zur Verfügung stehen, weiß Hanimann und bedauert, dass das Projekt im 20. Jahrhundert der kapitalistischen Privatlogik der Geschäftsführung zum Opfer fiel: "Alles in diesem Komplex ist sorgfältig durchdacht ... Zwischen dem 'Sozialpalast' und der Fabrik befand sich die Wäscherei mit angegliedertem Gemeinschaftsbad. Das Warmwasser kam direkt von den Heizkesseln der Gießerei. Hygiene war eine Priorität. Und da die Frauen nicht nur für die Familie da sein sollten, war auch für eine Kinderkrippe gesorgt. Wer die Kleinkinder dennoch lieber selbst aufziehen wollte, bekam eine ebenfalls von Godin entworfene Wiege ausgeliehen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.08.2017 - Architektur

Bild: nikola-lenivets.ru

In der FAZ staunt Kerstin Holm über den Land-Art-Park, den der Künstler Nikolai Polisski in der russischen Provinz Nikola Leniwez mit verschiedenen Architekten gestaltet hat und mit dem er durch die Verwendung von natürlichen Stoffen wie Holz und Reisig die "Armutskultur fantasievoll wiederbelebt": "In diesem Jahr stand das Sommerfestival 'Archstojanie', bei dem neue Arbeiten eingeweiht werden, unter dem zu den schwierigen Zeiten passenden Motto 'Wie soll man leben?'. Das Petersburger Architekturbüro 'Chwoja' errichtete auf einer Plattform im Teich ein quadratisches, fensterloses 'Haus mit Lüster', der, in einem Glaskasten auf dem Dach angebracht, der Außenwelt Licht spendet, während das Wohnrefugium dunkel bleibt. Die Künstlerin Viktoria Tschupachina schuf aus Zweigen, Heu und Wolle eine kugelgestaltige 'Hundehütte' für einen oder zwei Zufluchtsuchende."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.08.2017 - Architektur


Donau City mit DC Tower 1. Bild: Robert F. Tobler, Wikimedia Commons, unter CC-BY-SA 4.0-Lizenz

Auch Wien hat mit dem neuen Stadtzentrum Donau City sein Baudesaster, berichtet Reinhard Seiss in der NZZ. Leerstände in Hans Holleins Saturn Tower, architektonische Willkür auch bei Dominique Perraults überproportional hohem DC Tower 1, dessen kleinerer Zwilling bis heute nicht fertig gestellt ist: "Unbestreitbar ist aus der Donau City ein Exempel geworden, nämlich für das Unvermögen des Immobilienmarkts, sich selbst zu regulieren, sowie seinen Unwillen, auch nur ansatzweise so etwas wie Stadt zu schaffen. Auch der DC Tower wird seiner Rolle als Landmark gerecht: im Sinn eines Monuments einer haltungslosen, verantwortungslosen Planungspolitik. So gesehen ist es gar nicht schlecht, dass der Turm weithin wahrnehmbar ist."

"Fast alles wie gestern, nur größer", meint SZ-Kritiker Gerhard Matzig enttäuscht nach einem Besuch bei der "Tankstelle der Zukunft" in Fürholzen: "Der Flächenverbrauch ist so grotesk umweltschädlich, dass die paar Photovoltaikelemente auf dem Dach der nach außen hin elegant wirkenden Anlage wie Hohn wirken. Im Inneren übrigens wurden die Planungen der Architekten übergangen. Zu sehen ist nun der übliche Verhau aus dem Baumarkt-Fundus. Tankstellen sind schon lange Fastfood-Betriebe und Shoppingmalls. In diesem Fall mit dem lichttechnischen Gestaltungsanspruch röhrender Hirschen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.08.2017 - Architektur

FAZ-Kritiker Matthias Alexander erfährt in Christian Welzbachers Essay "Europas Moscheen", dass gesellschaftliche Ängste vor Moscheebauten auch in der Historie begründet sind. Wurden Ende des 18. Jahrhunderts Ornamente der orientalischen Moschee-Architektur in Westeuropa noch in Gartenpavillons oder Tabakfabriken aufgegriffen, orientierten sich spätere Moscheen hierzulande bald an dem vereinfachten Formenvokabular - mit "fatalen Folgen", erfährt Alexander: "Weil ihre Gebetshäuser exotisch wirkten, verfestigte sich die Selbstwahrnehmung vieler europäischer Muslime als Fremde. Und von den Mehrheitsgesellschaften wurde die exotische Architektur nun als Teil einer Abgrenzungsstrategie der Neuankömmlinge wahrgenommen. Das gilt umso stärker, seit die Anhänger des Islams nicht mehr eine winzige Minderheit sind, sondern in größeren Gruppen auftreten. Moscheen erscheinen nun als bedrohliche Eroberungsarchitektur einer fremden Kultur, die ostentativ Bezug auf die weit entfernte Herkunftsregion nimmt." (Mehr ab 14 Uhr in unserer aktuellen Bücherschau)
Stichwörter: Moscheen
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