Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.10.2018 - Architektur

Giardini di Porta Nuova. Rendering: Inside Outside


Ganz und gar hingerissen ist NZZ-Kritikerin Antje Stahl von der Bibliothek der Bäume, die die Amsterdamer Architektin Petra Blaisse mit ihrem Büro Inside Outside für Mailand entworfen hat: "Zu Füßen des vertikalen Walds wurden junge Himalayabirken, Silberpappeln und Chinesische Wildbirnen so in die Giardini di Porta Nuova gesetzt, dass sie viele schöne und mitunter konzentrische Kreise bilden. Dazwischen gibt es Holzbänke, Liegestühle und Spielplätze." Aber Stahl erfährt von der Architektin auch, dass Parks für Behörden ein Sicherheitsrisiko darstellen: "Die sicherheitsverliebte und durchbürokratisierte Gegenwart verlangte von Petra Blaisse und ihren Partnern, wie sie erzählt, dass die Bäume einen Mindestabstand von neun Metern haben und die Gräser, aus denen bereits hübsche bunte Blumen herausragen, nicht höher als fünfzig Zentimeter in die Höhe spriessen. Solche Auflagen sind der Albtraum für jeden Designer und verdeutlichen vielleicht zum ersten Mal, wie die furchtbare Metapher der 'gesellschaftlichen Auswüchse' eigentlich entstehen kann: Je undurchsichtiger ein Park werde, desto größer würden die Verstecke für Roma, Geflüchtete, Drogendealer, gibt Blaisse in Zürich zu verstehen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.10.2018 - Architektur

Bei einem Spaziergang über den frisch sanierten Dizengoff-Platz in Tel Aviv stellt Welt-Korrespondent Gil Yaron erstaunliche Ähnlichkeiten mit Entwürfen fest, mit denen die Brüder Hans und Wassili Luckhardt im Jahre 1929 den Architektur-Wettbewerb für die Gestaltung des Berliner Alexanderplatzes gewannen.  Dass die Architektin Genia Awenbuch, einst verantwortlich für den Dizengoff-Platz, bei den Luckhardts abkupferte, ist nicht anzunehmen, so Yaron, aber viele jüdische Architekten kamen in den dreißiger Jahren nach Tel Aviv und brachten das von den Nazis verbotene Bauhaus zu neuer Blüte: "Nach der Machtergreifung Hitlers flohen Zehntausende deutsche Juden nach Palästina. Das Ha'avara-Abkommen zwischen der zionistischen Führung und den Nazis ermöglichte es diesen Flüchtlingen, Teile ihres Vermögens in Form deutscher Produkte oder Industriegüter nach Palästina zu retten. In Tel Aviv bauten sie ihr neues Heim mit deutschen Kacheln, Fensterscheiben, Türen, Lichtschaltern. Sie brachten auch deutsches Baufachwissen mit. Bis heute nutzen israelische Bauarbeiter Worte wie 'Putz', 'Unterkante' oder 'Schalter'."

Weitere Artikel: In der NZZ ist Michael Klein sehr zufrieden mit der Wahl der diesjährigen Mies-van-der-Rohe-Preisträger, die sich auch dem sozialen Wohnungsbau widmeten: "Viele von ihnen warten mit grundsoliden Lösungen auf, nur manchmal schimmert eine Sehnsucht durch nach einer Zeit, in der die Welt noch einfacher begreifbar schien, bisweilen in einer Architektur, die in ihrer Nüchternheit dem Diktum der Wirtschaftlichkeit fast schon erlegen scheint."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.10.2018 - Architektur

Jetzt mit Freitreppe: Der neue Entwurf für das Museum des 20. jahrhunderts. Abbildung: Herzog und de Meuron

Aus dem Lehrbuch der Nachverhandlungen: Die Architekten Herzog & de Meuron haben ihre vielkritisierten Pläne für das Berliner Museum des 20. Jahrhundert revidiert, meldet Peter Richter in der SZ. Das Bierzelthafte sei der "Kunstscheune" jetzt genommen, gibt er zu, und auch die prächtige Platane wird gerettet. Aber: "In den Renderings wird eher von ewigem Winter ausgegangen, in dem das Museum die Stadt beleuchtet. Hier werden nun die vielen neuen Öffnungen wichtig: gläserne Fronten, eine Freitreppe im Außenraum und große verschiebbare Wände wie die Tore von Flugzeug-Hangars ... Nur dass das alles nicht für die ursprünglich verlautbarten 200 Millionen zu haben sein wird, sondern nach den aktuellen Kalkulationen mehr als das Doppelte kosten wird, beschäftigte in Berlin so recht keinen." Das eine - Verkleinerung des Museums, um mehr Abstand zur St.-Matthäus-Kirche und zur Platane zu haben - hat mit dem anderen - gesteigerte Kosten - zu tun, erklärt Markus Woeller in der Welt: "Um trotz der kleineren Außenmaße die gewünschten 9000 Quadratmeter Ausstellungsfläche zu erhalten, muss die Baugrube vertieft werden. Das ist, neben den explodierenden Preisen im Baugewerbe, einer der Gründe für die Verteuerung."
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.10.2018 - Architektur

Aufwärmen in die Mikrowelle: Cottages für Obdachlose in der Holmes Road. Bild: Barber Architects.

Kann Architektur nicht auch mal lustig sein? Im Guardian stellt Oliver Wainwright den Briten Peter Barber als den originellsten Architekten unser Zeit vor: "In den vergangenen zehn Jahren hat er sich einen Namen gemacht mit seinen genialen Wiederentdeckungen traditioneller Haustypen und seiner Fähigkeit, aus vernachlässigkeiten Quartieren charaktervolle Brocken Stadt herauszuschlagen. Wo die meisten vielleicht nur nutzlosen Grünstreifen oder einen vergessenen Parkplatz sehen, erkennt Barber eine Reihe von Häsuern, die Rücken an Rücken stehen oder eine Ansammlung kleiner Cottages. Er ist ein Meister der humanen Verdichtung und entwirft diese selten gewordene Sache: Neue Wohnhäuser, die mit dem Charakter der Stadt übereinstimmen, die weder befremdliche Plattenbauten noch billiger Türme sind und auch nicht zum Pastiche werden. 'Die meisten vergessen', sagt Barber, als wir uns in seinen Studio bei King's Cross treffen, einem winzigen Dickens-artigen Ladenlokal voller Pappkartons und Gipsmodelle, 'dass Wohnhäuser siebzig Prozent aller Gebäude in London ausmachen. Wenn wir das Wohnen gestalten, gestalten wir Städte'."
Stichwörter: Barber, Peter

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.10.2018 - Architektur

Nach Frankfurt braucht auch Berlin eine neue Altstadt, findet Harald Bodenschatz im Tagesspiegel: "Es fehlt etwas in der Berliner Mitte, es fehlen städtische Räume, Straßen und Plätze, die nicht nur an die großen Zerstörungen Berlins im Zeitalter der Diktaturen des 20. Jahrhunderts erinnern, sondern auch an seine durchaus lange Geschichte - an die bescheidenen Anfänge einer kleinen bürgerlichen Stadt des Mittelalters im wilden Osten, in der im Zeitalter der Aufklärung die Toleranz einen Triumph von europäischer Bedeutung feierte. Sagen wir es so: Auch Berlin braucht auf dem Weg in die Zukunft einen Ort der Erinnerung - an die gesamte Geschichte, an Toleranz und Intoleranz, an Zerstörung und Aufbau."
Stichwörter: Altstadt

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.10.2018 - Architektur

Nach einem weiteren Spaziergang durch das Touristenparadies der Frankfurter Altstadt und einem Besuch der Ausstellung "Die immer neue Altstadt" im DAM kann Christian Thomas in der FR nur noch seufzen: "Retroland ist anerkannt. Doch wo trifft man sich in Frankfurt? Frankfurt verabredet sich jedenfalls nicht auf dem Römerberg. Undenkbar der Satz: Treffen wir uns vor der Römerberg-Ostzeile. Was aber bedeutet das für die nagelneue Altstadt, das 'Goldene Lämmchen', den 'Alten Esslinger', das 'Haus zu den drei Römern'. Auch der intensive Altstadtgänger wird sich damit abfinden müssen, dass der Frankfurter in aller Regel ein Pragmatiker ist."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.09.2018 - Architektur

Wie frisch aus dem 3-D-Drucker: die neue Frankfurter Altstadt. Foto: DomRömer GmbH / Barbara Staubach
Schade, dass die modernen Pläne für die Frankfurter Altstadt so einfallslos waren, meint Laura Weissmüller in der SZ. Nur darum konnte sich die leicht gruselige Simulation dieser auf alt gemachten neuen Altstadt, wie sie jetzt da steht, durchsetzen. "Die Gebäude wirken wie frisch aus dem 3-D-Drucker", bedauert sie. "Vor allem aber machen die Miet- und Eigentumspreise für die neu gebauten Wohnungen in den oberen Stockwerken klar, dass wir uns im Zeitalter der Turbogentrifizierung befinden. Bot bis zum Zweiten Weltkrieg die Frankfurter Altstadt vor allem denjenigen eine Heimat, die sich kein anderes Zuhause leisten konnten, den Arbeitern, Großfamilien und Migranten, darf heute nur noch im Herzen der Stadt leben, wer es sich leisten kann. Die städtische Dom-Römer GmbH, die das 200-Millionen-Euro-Projekt durchgeführt hat, hat die Wohnungen für 5000 bis 7000 Euro pro Quadratmeter verkauft."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.09.2018 - Architektur

In der Welt ist Rainer Haubrich hin und weg von der neuen Altstadt Frankfurts, die er mit dem Architekten Christoph Mäckler erkundet. War gar nicht so einfach, Architekten dafür zu finden, erzählt Mäckler: "Die Mehrheit der Kollegen lehnte eine solche Bauaufgabe kategorisch ab, wie Mäckler erfahren musste, als er sie anrief und fragte, ob sie nicht mitmachen wollten. 'Die wären fast durchs Telefon gesprungen. Einer sagte: Ich baue doch kein Giebelhaus, und dann auch noch mit Schiefer!' Aber es fanden sich dann doch genügend Architekten..."

In der NZZ stellt Deborah Fehlmann das Schweizer Baubüro in situ vor, das abgerissene Gebäude nach wiederverwendbaren Materialien durchsucht. "'Werte erhalten', davon sprechen die Architekten immer wieder. Gemeint sind materielle Werte, aber auch emotionale und identitätsstiftende. Manchmal treffen sie Hausbesitzer oder Bauherren, die aufgrund des Interesses an ihren vermeintlich wertlosen Bauteilen plötzlich selbst anfangen, genauer hinzuschauen."

Besprochen werden die Ausstellung "Königsschlösser und Fabriken - Ludwig II. und die Architektur" im Münchner Architekturmuseum (SZ)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.09.2018 - Architektur

Nächste Woche wird die Frankfurter Altstadt eröffnet. In der Welt erinnert Dankwart Guratzsch an Königs- und Kaiserwahlen und -krönungen der vergangenen Jahrhunderte.  Und in der FAZ streift Hannes Hintermeier in der Ausstellung "Die immer neue Altstadt. Bauen zwischen Dom und Römer seit 1900" im Deutschen Architekturmuseum zumindest durch das vergangene Jahrhundert.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.09.2018 - Architektur

Wieder aufgebaut wurde immer, ruft in der Welt Rainer Haubrich allen Kritikern von Rekonstruktionsarchitektur entgegen: "Auch Ikonen der modernen Architektur sind uns bis heute nur als Rekonstruktionen erhalten - etwa die Glasfassade des Bauhauses in Dessau, Erich Mendelsohns geschwungenes Universum-Kino am Kurfürstendamm oder Mies van der Rohes berühmter Barcelona-Pavillon, dessen Einzelteile 1929 demontiert worden waren und verloren gingen. Manche Gebäude kehrten schnell zurück, bei anderen zog sich der Wiederaufbau lange hin. 17 Jahre dauerte die Rekonstruktion des barocken Erbdrostenhofes in Münster einschließlich seines prächtigen Festsaales."
Stichwörter: Rekonstruktion, Bauhaus