Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.08.2018 - Architektur

Angesichts von Wohnungsnot und Mietpreisexplosion wächst eine neue Generation von Siedlern heran, die ihre Dörfer einfach selbst erfindet, berichtet Gerhard Matzig im Feuilleton-Aufmacher der SZ. Etwa in Form eines Ko-Dorfes, wie es dem Journalisten Frederik Fischer vorschwebt: Diese "'bestehen aus 50 bis 150 kleinen Häusern und einigen größeren Gemeinschaftsgebäuden. Dies können sein: Coworking Spaces, Gemeinschaftsküchen, Kinos, Seminarräume, Bars, Restaurants oder Clubs - kurzum, alles, was Großstädter in der Stadt hält.' Die somit temporär gegen das Land eingetauscht werden könnte. Auf Zeit also, denn, so Fischer, 'Ko-Dörfer sind nicht als fester Wohnsitz gedacht.'"

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.08.2018 - Architektur

Das Architekturzentrum "Blox" in Kopenhagen


Das neue, von Rem Koolhaas gebaute Architekturzentrum Blox in Kopenhagen hat viel Kritik ausgelöst: Zu riesig, zu wuchtig sei es, der Eingang verhunzt und überhaupt, warum ein niederländischer Designer? Schon wahr, meint Laura Weißmüller, die sich das Gebäude angesehen hat, in der SZ, aber "wer sich einmal durch die Glasboxen bis nach oben gearbeitet hat, wer an den lautlos vorbeigleitenden Autos und den schwitzenden Bodybuildern zu den lichten Ausstellungsräumen gelangt ist und dort mit Blick auf die umliegenden Arbeitsräume die Exponate betrachtet hat, wird ein neues Verständnis davon bekommen, was urbane Dichte bedeuten kann. Und genau das ist heute wichtig. Denn das Wort Dichte ist ja nicht nur eine wolkige Zauberformel in so gut wie jeder Diskussion zur Zukunft der Stadt. Ohne ein kluges Konzept, wie unsere Städte wachsen können, ohne weiter in die Breite zu gehen, werden sie an ihrem Boom kollabieren. Ganz zu schweigen von der Lebensqualität für ihre Bewohner, die sie zwangsläufig einbüßen werden."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.08.2018 - Architektur

Die Schweizer haben der Welt die Agglomeration geschenkt, doch in der NZZ weist Dirk Vaihinger darauf hin, dass der Begriff schon lange nicht mehr abschätzig für eine "diffuse Mischung aus Provinz, Bildungsferne und Heckspoiler" steht: "In agglo klingt heute ein Anflug von Respekt an, eine Achtung vor Zusammenhalt, Subkultur und Nonchalance. Der Agglo-Slang ist in der Jugendsprache längst Standard. So wie die Hip-Hop-Bewegung das amerikanische Ghetto aufgewertet hat, gilt auch für agglo: Es bedeutet immer noch proletarisch und laut, aber zugleich cool, tough, bad. Dazu passt, dass die Agglo als Gegend nur schwer zu lokalisieren ist. Welche Gebiete dazugehören, wird mehr vom Lebensgefühl bestimmt und weniger von einer Stadtgrenze. Spreitenbach ist klar agglo. Dübendorf und Stettbach? Agglo. Das ganze Wallis: total agglo! Nordrhein-Westfalen dürfte größtenteils agglo sein, so wie einige Landstriche in Australien. Zollikon hingegen: niemals agglo, da kann es sich noch so bemühen."

Kein Architekt kann sich so schön echauffieren wie Hans Kollhoff, Liebhaber von Naturstein und Blockrandbebauung. Michael Fabricius spaziert mit ihm für die Welt durch einige Neubauviertel Berlins, zum Quartier "Mittenmang" nördlich des Hauptbahnhofs, das Kollhoff als Zickzack zwischen Mülltonnen und Feuerwehr-Wendehammer erlebt: "Die Restflächen sind überall. Das bringt es nun einmal mit sich, wenn die Zickzackform eines Baukomplexes auf eine geradlinige Straße trifft. Überall sind tote Ecken. Lüftungsgitter, Rindenmulch. Kollhoff wird grundsätzlicher ... 'Schauen Sie, das alte Backsteingebäude auf der gegenüberliegenden Seite. Ein interessantes Haus mit Fassade. Eine großzügige Hofeinfahrt. Auch wenn das ein Knast ist - man möchte lieber dort wohnen als in einem renditeoptimierten Quartier.'"

Außerdem: Kerstin Decker besucht im Tagesspiegel das Haus am Horn in Weimar, eine Bauhaus-Ikone, in der heute die einstige Kustodin der Weimaner Hochschule für Architektur lebt.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.08.2018 - Architektur

Patch 22. Foto: Frantzen et al achitecten
Es wird wieder mit Holz gebaut, stellt Robert Kaltenbrenner in der FR fest. Vorreiter ist Berlin, aber auch in Hamburg gibt es ein Woodie. Denn Holz ist ein ressourcenschonender, flexibler und mitdenkender Baustoff: "Das Amsterdamer Wohnhaus Patch 22 von Frantzen et al architecten ist ein anderes, nicht minder beredtes Beispiel. Selbstbewusst und mit Witz stapelten die Architekten die sechs Wohngeschosse leicht versetzt übereinander. Das Ganze packten sie wiederum auf ein sechs Meter hohes, voll verglastes Erdgeschoss mit Gewerbenutzung. Beim Brandschutz. geht der Bau einen geradezu primitiven, aber effektiven Weg. Alle tragenden Teile wurden einfach so dick dimensioniert, dass das Holz im Brandfall zwei Stunden brennen würde."
Stichwörter: Holzarchitektur

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.08.2018 - Architektur

Der zweitplatzierte Entwurf der AI Space Factory in der 3D-Printed Habitat Challenge der Nasa.

In der NZZ weiß Antje Stahl nicht recht, ob sie lachen oder weinen soll, wenn sie sich die Entwürfe ansieht, mit denen die Nasa den Mars besiedeln will. Nur Kuppeln und Zylinder! Dazu passen die Fantasien solcher Herren wie Elon Musk: "Wir müssten sicherstellen, dass wir genügend 'Samen der Zivilisation' woanders aufbewahrten, sagte er, um sie dann wieder zurück auf die Erde zu bringen. Wenn sich darin kein phallozentrisches Weltbild zeigt, haben wir uns auch nur eingebildet, dass Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten geworden ist. Wie einst der bildende Künstler wollen nun diese Unternehmer in Gottes Fußstapfen treten: Mutter Natur ist dem Untergang geweiht, alles, was sie kann, Zellen schenken, teilen, zum Menschlein oder Pflänzchen heranwachsen lassen, wird die von ihnen kontrollierte Technik bestellen. Ihr Raumkathedralenschiff ist eine kleine Nachbildung der Erde. Darin behüten sie den männlichen Samen der Schöpfung."
Stichwörter: Nasa, Mars, Trump, Donald

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.08.2018 - Architektur

Vor zwanzig Jahren versprach Heinz Duerr - damals Chef der Deutschen Bahn - neue Bahnhöfe mit echter, visionärer Architektur. Schluss sollte sein mit den alten "Erlebniszentren mit Gleisanschluss". Was ist aus dem Versprechen geworden? Immer mehr "Erlebniszentren mit Gleisanschluss", stellt Till Briegleb auf einer Doppelseite der SZ fest. "Selbst mit schlichten Vorstellungen von der Zeichenhaftigkeit einer Architektur, wie sie Sonderbauten verdienen, findet man in Deutschlands Bahnhofsnetz keinen einzigen neuen Haltepunkt, der wegen seiner Baukunst in Erinnerung bliebe. Es gibt kein beeindruckendes Flugdach wie beim neuen Bahnhof von Rotterdam, keine gefaltete Alpenlandschaft wie in Wien, keinen dynamischen Silberstrudel wie in Arnhem oder eine blaue Grotte wie in Neapel. Es gibt in Deutschland einen Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen. Das war's in anders. Der Rest sind uniforme Zweckbauten in der Primärfarbe Grau. Die typischen Tugenden deutschen Effizienzdenkens - Schnellabfertigung, Standard und Schmutzangst - bestimmen das Design deutscher Bahnhöfe, nicht ästhetische Kriterien."

Außerdem: Dankwart Guratzsch würdigt in der Welt den "letzten Großfürsten architektonischer Welterklärungs- und Weltentwicklungsmodelle", den Wiener Architekten Otto Wagner zum Hundersten.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.08.2018 - Architektur

Auf Dezeen meldet India Block, dass der russische Staatskonzern Gasprom seinen Superwolkenkratzer in Petersburg enthüllt hat. Mit einem Dreh von 90 Grad und 462 Meter und 87 Stockwerken wird er das höchste Gebäude Europas sein. Entworfen hat das Ganze der britische Architekt Tony Kettle.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.07.2018 - Architektur

Der Wolkenkratzer "Antilia" in Mumbai
Roman Hollenstein ist für die NZZ nach Mumbai gereist und begutachtet die dortige Hochhausarchitektur, die die Stadt immer mehr prägt: "Globale Aufmerksamkeit erregte die Hochhausstadt Mumbai aber erst 2010 durch die Turmvilla Antilia, die sich in Cumbala Hill 173 Meter hoch über die vornehme Altamount Road erhebt. Der Privatwolkenkratzer des Multimilliardärs Mukesh Ambani, den das Chicagoer Büro Perkins & Will in Anlehnung an Rem Koolhaas' frühe Projekte konzipierte, besitzt nicht nur eine sechsgeschossige Parkgarage, teilweise begrünte Fassaden und einen Heliport auf dem Dach, sondern auch zahlreiche Gästewohnungen, einen Ballsaal, ein Hallenbad und hängende Gärten. Zusammen mit dem Kanchanjunga und dem Taj Mahal Tower zählt der aus sozialer Sicht fragwürdige, formal aber gelungene Antilia-Wolkenkratzer zu den interessantesten Hochhäusern von Mumbai."

Außerdem: SZ-Autor Till Briegleb besucht die TU in Eindhoven, wo eine Architekturklasse die Zukunft des Betondruckens probt: "Nächstes Jahr soll mit dem 3D-Druck der weltweit ersten Minisiedlung am Rande der holländischen Industrie- und Unistadt begonnen werden."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.07.2018 - Architektur

Einen erstaunlichen Blick in die Skizzenbücher von Architekten wie Le Corbusier oder Hans Poelzig wirft taz-Kritiker Ronald Berg in der Berliner Tchoban Foundation: "Skizzenbücher wie die von McLaughlin erlauben stattdessen einen fast voyeuristischen Blick auf ein Medium, in dem sich durch Skizzen, Notizen, mitunter auch Busfahrscheine und Kassenzettel Ideen entwickeln und zu Formen gerinnen. Der Blick in die Seiten der Skizzenbücher ist wie der Blick in die Gedankenwerkstatt des architektonischen Entwerfens. Nirgends ist man der Genese der Ideen so nahe wie bei den Skizzen, hier hat man so etwas wie den Geburtsvorgang dokumentiert, wenn die Gedanken aus dem Kopf hervorkommen und der Geist eine Form gebiert."
Stichwörter: Skizzen, Mclaughlin, Niall

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.07.2018 - Architektur

Im Freitag berichtet Stefan Heidenreich von der 10. Berlin-Biennale. Tom Schulz besucht für die NZZ die Insel Giudecca, einst Verbannungsort für Venedigs Juden. Besprochen wird Sigrid Neuberts Buch "Architekturfotografie der Nachkriegsmoderne" mit Fotografien von Bauten der fünfziger bis siebziger Jahre (Tagesspiegel).