Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.12.2019 - Architektur

Tatiana Bilbao, "Ways of life", 2017, detail. Foto: Tatiana Bilbao Estudio


In der NZZ stellt Ulf Meyer die mexikanische Architektin Tatiana Bilbao vor, die für Arme genauso gut baut wie für Reiche. Das Louisiana-Museum widmet ihr gerade eine Ausstellung. "Das untere Ende von Budgets im Wohnbau hat Bilbao in ihrer früheren Tätigkeit als Mitarbeiterin des Bauministeriums kennengelernt. Sieben Millionen Kleinsthäuser hat es aus dem Boden der Vororte mexikanischer Metropolen gestampft, ohne Straßenlaternen, Parks, Spielplätze oder ÖV-Anschluss. ... Sie bieten typischerweise knappe 43 Quadratmeter Fläche. Mit kleinen Tricks beim Entwurf hat Tatiana Bilbao die Wohnfläche auf 60 Quadratmeter vergrößert. Die Maisonnette-Räume der 'Vivienda Popular', gebaut mit einfachen Gasbeton- und Adobe-Steinen, dienen als Schlafräume über Küche und Bad. Ein überdachbarer Außenraum erweitert den Wohnraum visuell und wertet das Haus als Ganzes auf. Dieses Prinzip der Raumerweiterungen hatte sie bei ihren Villen erstmalig erprobt..."

Weiteres: Inna Hartwich berichtet für die NZZ aus Moskau, wo das Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron ein altes Brauereigelände in eine Siedlung auf Stelzen verwandeln - gegen den Widerstand der Einheimischen, die allen Beteuerungen zum Trotz nicht glauben, dass dies am Ende nicht doch nur ein weiteres Ghetto für Reiche wird.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.12.2019 - Architektur

David Chipperfield hat den Erweiterungsbau des Zürcher Kunsthauses am Heimplatz mit einem Vorhang aus Naturstein verhüllt. In der NZZ möchte Sabine von Fischer erst noch die Patina aus Abgasen und Blütenstaub abwarten, um sagen zu können, ob dies eher filigranen Schleier oder Staumauer wird: "Einen Bunker wollte keiner, die Rede war von würdigen Räumen für die Kunst, von einem Ensemble, welches das Kunsthaus Zürich zum grössten Kunstmuseum der Schweiz macht. Grosse Öffnungen reissen die Fassade zum Heimplatz auf und auch die hintere zum 'Garten der Kunst'. Dieses Oszillieren zwischen verhüllter Grazie und brutalistischer Präsenz macht den weißen Kubus interessant und auch etwas geheimnisvoll. Noch etwas fremd steht er seinen älteren Geschwistern am Heimplatz gegenüber."
Stichwörter: Chipperfield, David

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.12.2019 - Architektur

Schinkels Bauakdemie war ein archtektonischer Meilenstein auf dem Weg zur Moderne, insistiert Rainer Haubrich in der Welt. Warum sollte man sie nicht originalgetreu wieder aufbauen? Ludwig Mies van der Rohes Barcelona-Pavillon oder Walter Gropius' Bauhaus wureden auch nicht "zeitgenössisch interpretiert": "Warum soll, was sich in jenen Fällen als richtig erwiesen hat, im aktuellen Fall der Bauakademie falsch sein? Warum sollte man nicht auch Schinkel jene Reverenz erweisen, die man in Barcelona und Dessau den Architekten Mies und Gropius erwiesen hat? Wie kann man glauben, eine Stahl-Glas-Fassade, ein Beton-Würfel, Digital Screens oder was sonst gerade angesagt sein mag, könnten faszinierender sein als die Wiederauferstehung von Schinkels Bauakademie, diesem singulären Werk der Architekturgeschichte?"
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.11.2019 - Architektur

Im New Yorker Chelsea Hotel lebten und arbeiteten Bob Dylan, Andy Warhol, Jack Kerouac, Joni Mitchell oder Jimi Hendrix, Sid Vicious soll hier angeblich Nancy Spungen erstochen haben. Nachdem das Haus seit 2007 mehrfach verkauft wurde, unter anderem an Joseph Chetrit, der, weil in New York der Denkmalschutz nur für das Äußere von Bauten greift, das Haus fast komplett entkernte und einen Großteil der Belegschaft auf die Straße setzte, ist es heute in einem desaströsen Zustand, stellt Juliane Liebert in der SZ entsetzt fest. Scott Griffin, einer der ehemaligen Bewohner zeigt ihr ein Video aus dem obersten Geschoss: "Wassermassen werden von einer Plane zurückgehalten, wo sie nicht hält, rauscht das Wasser wie aus einer Dusche ins Haus. 'Ich sage das ungern, aber ich wäre nicht überrascht, wenn mir jemand erzählen würde, dass es einen Brand im Chelsea gab und das Gebäude vollständig abgebrannt ist.' 'Es gibt kein Gas im gesamten Gebäude, weshalb niemand kochen kann. Klimaanlage und Heizsystem funktionieren überhaupt nicht', sagt Griffin: 'Die Aufzüge sind häufig kaputt. Das Gebäude hat keine angemessenen Notausgänge, sodass im Falle eines Brandes viele Leute nicht mal lebend aus dem Gebäude kämen. Fenster fallen aus ihren Rahmen und werden durch Plexiglasscheiben ersetzt.'"

Besprochen wird die Ausstellung "Future Cities" des Bladerunner-Filmarchitekten Syd Mead im Berliner O&O Depot (Tagesspiegel).
Stichwörter: Chelsea Hotel

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.11.2019 - Architektur

"Das Bauen und Unterhalten von Gebäuden verursacht 40 Prozent der globalen CO₂ -Emissionen", weiß Laura Weissmüller in der SZ und begrüßt den Ansatz von Architects for Future: "Der freie Zusammenschluss aus Architekten und Bauingenieuren hat sich diesen Juni in Wuppertal gegründet und hat mittlerweile 16 deutsche Ortsgruppen sowie jeweils eine in der Schweiz und in England. Sie fordern die Baubranche auf, endlich ihrer Verantwortung gerecht zu werden, etwa indem nur noch gesunde und klimapositive Materialien verwendet werden, ein Abriss möglichst verhindern wird und falls er doch unumgänglich ist, die Rohstoffe zumindest wiederverwendet werden."

Weiteres: Für die NZZ hat sich der Medienwissenschaftler Stephan Russ-Mohl in den Brennpunkt Kleinmachnow begeben und berichtet von Bedrohungen durch Wildschweine, Rapper und Bausünden.
Stichwörter: Klimaschutz

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.11.2019 - Architektur

Überwältigt kommt Falk Jaeger in der FAZ aus der Ausstellung "Future Cities" im Berliner Kunstraum O&O, die dem Bladerunner-Filmarchitekten Syd Mead gewidmet ist: "Wenn Mead eine futuristische Stadt zeichnet, mit unglaublicher Akribie und großartiger Maltechnik, entstehen atmosphärisch ausgesprochen intensive Blätter, in denen, fast wie in Wimmelbildern, viele einzelne Geschichten zu entdecken sind. Man kann in jedem Bild zehn Minuten mit den Augen spazieren gehen. Gleichzeitig hat er den Stil dieses Genres geprägt, einen funktional realistisch erscheinenden Technizismus als Fortschreibung von Stanley Kubricks '2001: Odyssee im Weltraum', dessen Bildsprache in zahlreichen Science-Fiction-Filmen weiterlebt, aber auch in aktuellen Computerspielen wie 'Cyberpunk 2077', das im nächsten Jahr erscheinen wird." Für die taz hat sich Michael Meyns die Ausstellung angesehen und staunt über Meads "optimistischen Blick" selbst noch in dystopischen Szenarien.
Stichwörter: Mead, Syd

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.11.2019 - Architektur

In der NZZ sorgt sich Roman Hollenstein um das architektonische Erbe in Tel Aviv: Meeresluft, Abgase und Abnutzung haben ihre Spuren hinterlassen: "Zwar genießen heute 190 Gebäude als herausragende Denkmäler rigorosen Schutz. Zur Instandhaltung der weniger streng geschützten Bauten gibt es indes keine finanzielle Unterstützung des Staates oder der Stadt. Um trotzdem Anreize zu schaffen, hat die Stadtverwaltung ein Reglement erlassen, das man anderswo wohl als Sündenfall des Denkmalschutzes bezeichnen würde. So wird den Hauseigentümern zur Finanzierung ihrer Restaurierungsvorhaben eine Aufstockung der Bauten um bis zu drei Etagen gewährt. Dieses Recht können sie weiterverkaufen, wenn sie auf eine Mehrausnutzung verzichten."
Stichwörter: Tel Aviv, Denkmalschutz

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.11.2019 - Architektur

Der Architekturwettbewerb für die Sanierung der Komischen Oper in Berlin ist geplatzt und muss wiederholt werden, meldet Rüdiger Schaper im Tagesspiegel. Barbara Happe begutachtet für die FAZ die Grabsteine einiger Bauhauskünstler und stellt fest, dass sie schlichte Steine bevorzugten.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.11.2019 - Architektur

Endlich macht die Stiftung Preußischer Kulturbesitz ein bisschen Stimmung für den als "Scheune" verschrienen Entwurf des Museums der Moderne, schreibt Susanne Messmer in der der taz, die nach einem Vortrag des Architekten Pierre De Meuron recht eingenommen ist. Ihr gefällt vor allem, wie der Bau mit dem zugigen Platz umgehen soll, auf dem es stehen soll: "Das Museum der Moderne, das am besten bis spät in die Nacht geöffnet sein soll, wird über viele eintrittsfreie Bereiche verfügen, wo sich die Menschen treffen können wie im öffentlichen Raum. Es soll Boulevards und Treppen mit Sitzbereichen erhalten, die sich abends in Amphitheater für Konzerte, Theaterabende, Diskussionsveranstaltungen verwandeln können. Zur Neuen Nationalgalerie führt nicht nur ein unterirdischer, aber trotzdem bespielter und lichtdurchfluteter Boulevard, auch kann sich die Scheune in diese Richtung mit großen Toren öffnen. Das Leben auf der Straße kann hineinschwappen und das, was drinnen passiert, auch das Draußen verändern." In der Berliner Zeitung zeigt sich Nikolaus Bernau von der Veranstaltung, bei der die Kritiker nicht mit auf dem Podium saßen, weniger überzeugt: "Ausdiskutiert ist noch nichts."
Stichwörter: Museum der Moderne

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.11.2019 - Architektur

In der FAZ nutzt der Architekt Philipp Oswalt das Bauhaus-Jubiläum, um mit dem Mythos von der weißen Bauhausstadt aufzuräumen: Gerade mal vier der zweihundert in den Dreißigern in Tel Aviv tätigen Architekten haben am Bauhaus studiert, im Wesentlichen sei die Stadt durch Le Corbusier und Erich Mendelsohn geprägt worden, die sich allerdings nicht besonders gut zur "Identitätsstiftung" eigneten, während das Bauhaus "das perfekte Narrativ zur Profilierung Tel Avivs als moderne israelische Metropole" bot, klärt er auf: "Ironischerweise war es ausgerechnet Westdeutschland gewesen, das nach Ende der NS-Zeit zur Wiederherstellung des deutschen Ansehens im Ausland das Bauhauserbe zur internationalen Kulturmarke geformt hatte. Nun nutzten diese auch die Opfer des NS-Regimes. Nicht minder wichtig waren die innerisraelischen Auseinandersetzungen. 1980 hatte die Regierung ganz Jerusalem zur ungeteilten Hauptstadt Israels erklärt. Die Stadt repräsentierte damit eine religiöse und nationalistische Idee Israels. Die säkularen, liberalen und linken Kräfte suchten dagegen Tel Aviv als moderne, weltoffene Stadt zu profilieren. Dem entsprach die sachlich-progressive, soziale und internationalistische Ausrichtung des historischen Bauhauses."

Nach mehreren Jahren und Kosten von 450 Millionen Euro ist mit der Staatsbibliothek Unter den Linden zumindest eine Berliner Baustelle tatsächlich fertig geworden, meldet ein zufriedener Falk Jaeger im Tagesspiegel: Einer der "schönsten Lesesäle der Nachwendezeit" sei entstanden, so Jaeger.