Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.05.2026 - Architektur

Frauke Steffens weiß in der FAZ kaum, was sie schlimmer finden soll: Bausünden wie den Ballsaal oder den größten Triumphbogen der Welt, die Trump in Washington plant - oder den angedachten Abriss von Gebäuden, "die für die progressive Vergangenheit des Landes stehen, wie Judith Levine im Guardian in Erinnerung ruft. Auf der Liste der Gebäude, die die General Services Administration loswerden will, steht etwa das Robert-C.-Weaver-Building, Hauptsitz des Ministeriums für Wohnungsbau und Stadtentwicklung. Es gilt als Meisterwerk des Brutalismus. Das Wilbur J. Cohen Federal Building wurde als Sitz der Social Security Administration errichtet, zu Ehren jenes Gesetzes, das das Rentensystem 1935 geschaffen hatte. Drinnen befinden sich einige der bedeutendsten New-Deal-Wandgemälde des Landes, darunter Arbeiten von Ben Shahn, Philip Guston und Seymour Fogel. Der Historiker Gray Brechin nannte das Haus die 'Sixtinische Kapelle des New Deal'. Die Gebäude, die Trump parallel zu seiner Bauwut loswerden will, stünden für 'den Glauben an die Wissenschaft, an einen handlungsfähigen Staat, an die Würde der Arbeit, an Urbanität und zeitgenössische Kreativität: Die Werte der Moderne, verbunden mit einer Verpflichtung auf das Gemeinwohl', meint Levine - alles Werte, die Trump nichts bedeuteten."
Stichwörter: Trump, Donald

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.05.2026 - Architektur

Einen Narren gefressen hat die Politik seit einiger Zeit an der Idee vom "Dritten Ort" - gemeint sind städtische Aufenthaltsmöglichkeiten jenseits von Wohnung und Arbeit. Dritte Orte werden besonders dann gern beschworen, wenn es darum geht, die hohen Kosten für die Restaurierung von Kulturbauten zu rechtfertigen. Helmut Mauró gibt in der SZ den Dritte-Orte-Skeptiker. Das Problem an der Sache ist nämlich, dass die ursprünglichen Funktionen von Bibliotheken, Museen und andere Kulturräumen leiden, wenn sie zu Dritten Orten umdefiniert und möglichst inklusiv und niederschwellig gestaltet werden. "Vielleicht ist es eine grundsätzliche Entscheidung: Sollen alle Orte für alle zugänglich sein, oder soll es für alle Gruppen und Bedürfnisse einen passenden Ort geben? Werden Grenzen nicht mehr nur als Schutz, sondern viel stärker als Ausgrenzung empfunden? Und was ist mit den Bedingungen für das Gelingen von Kunst und Kultur, etwa die Anforderung von Ruhe und begrenzte Zuhörerzahl für hochkulturelle Musik oder für Vorlesungen in Quantenphysik? Ist das Bedürfnis nach Ruheräumen in einer Großstadt vielleicht sogar dringender als mehr Feierplätze?"

Peter Richter sieht es, ebenfalls in der SZ, ähnlich: "Vielleicht ist die populäre, möglicherweise auch nur populistische Aversion gegen die hohen Schwellen der klassischen Kulturtempel, die zusammengenommen meist Freitreppen bilden, ja nur eine Bildungslücke, die sich genau dort oben füllen ließe. Vielleicht sagen diese Dinge nämlich gar nicht: Bleib weg. Sondern: Komm hoch, die Mühe lohnt sich, hier oben sieht die Welt anders aus. Vielleicht kommt das Museum ja doch vom Museion, dem Tempelbezirk der Musen, und ist vor allem exklusiv in dem Sinn, dass es den schnöden, geschäftlichen Alltag ausschließt, dies aber als Sache der Allgemeinheit. Man müsste es mal in einer Bibliothek nachlesen. Wenn man in Bibliotheken noch zum Lesen käme."

Außerdem: Teile des Pergamon-Museums werden, wie Andreas Kilb in der FAZ durchgibt, zwar nicht, wie ursprünglich gemeldet, in diesem Jahr, aber immerhin 2027 wieder geöffnet. Die Grundsanierung, die zentrale Teile des Hauses verschlossen hält, könnte sich freilich bis in die 2040er-Jahre ziehen.
Stichwörter: Dritter Ort

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.05.2026 - Architektur

Nikolaus Berner fragt sich im Tagesspiegel, was die Autokraten eigentlich an klassizistischer Architektur finden.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.04.2026 - Architektur

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Der in Berlin lebende burkinische Architekt Francis Kéré hat mit seiner Lehm-Architektur 2022 den Pritzker-Preis gewonnen und für Christoph Schlingensief das Operndorf in Burkina Faso gebaut. Gerade ist sein Buch "Building Stories" erschienen. Im Interview mit der FAS erzählt er, wie schwierig es teilweise war, selbst in seinem eigenen Dorf Gando die Menschen vom Lehm zu überzeugen und was afrikanische Architektur von europäischer unterscheidet: "Die Sinne werden in der Savanne anders geschärft. Die mentale Geographie hat als Ankerpunkte Bäume, Felsen, Hügel, Flüsse, die in der Regensaison anschwellen und in der Trockenzeit verschwinden. Hinzu kommt eine Landschaft aus Mythen und Gebräuchen. ... Schon die Form einer Tür kann eine Kultur erzählen. Ich denke zum Beispiel oft an das Bild des Baumes und seines Schattens, die in meiner Kultur als Symbol für Geselligkeit stehen. In den Dörfern spielen sich ein Großteil der gemeinschaftlichen Momente im Schutz eines Baldachins ab, sei es eine natürliche oder eine von Menschen geschaffene Struktur. In jedem Dorf gibt es zudem den "Pavillon der Ältesten", in dessen Schatten sich die traditionellen Führer versammeln, um die Gemeinschaft zu leiten. Es geht also nicht nur um Schutz vor Sonne oder Regen, sondern um Austausch und Nähe."

Besprochen wird die Ausstellung "Convivium. Nahrungssysteme am Limit" im Münchner Architekturmuseum (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.04.2026 - Architektur

Seit Anfang 2025 sind Frida Kahlos Werke gemeinfrei, nur die Rechte an ihrem Namen hält die Frida Kahlo Corporation, kurz FKC, an der unter anderem eine Nichte Frida Kahlos beteiligt ist. Eine Großnichte Kahlos und deren Tochter gingen gegen die FKC vor, als diese mit dem Spielwarenhersteller Mattel eine Frida-Barbie ohne Rollstuhl und zusammengewachsene Augenbrauen entwickelte, weiß Ursula Scheer in der FAZ. Die FKC macht allerdings munter weiter mit "höchst profitablen Kooperationen: etwa für Frida-Kahlo-Sneaker von Vans, Frida-Kahlo-Schminke von Ultra Beauty, Frida-Kahlo-Fast-Fashion von Shein und einen ganzen Krimskrams-Kosmos auf Amazon. Jüngster Coup ist der ... Immobilienkomplex 'Frida Kahlo Wynwood Residences' in Florida. Entworfen von dem Architekten Carlos Ott, soll er vorgeblich Frida Kahlos 'expressiven Geist' und 'ihre Stärke' vermitteln - in 244 möblierten Wohneinheiten zu Preisen von 490.000 bis 1,6 Millionen Dollar. 'Inspiriertes Leben, geformt von Kunst und Wellness', lautet der Slogan. Wellness ausgerechnet mit Frida Kahlo zu verbinden, die nach ihrem Unfall nie mehr schmerzfrei war, Stützkorsette tragen musste, ein Bein an Wundbrand verlor und mit 47 Jahren starb, ist schon frech."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.04.2026 - Architektur

V&A East Museum London. Image credit Peter Kelleher Victoria & Albert Museum, London

Die Eröffnung des V&A East Storehouses ist nicht mal ein Jahr her, schon folgt 15 Fußminuten entfernt die Eröffnung des Neubaus V&A East, staunt Gina Thomas in der FAZ. In die übrige Architektur will sich der Entwurf des Architektenpaares Sheila O'Donnell und John Toumey zwar nicht recht einlassen, für sich überzeugt der fünfstöckige Bau aber sehr wohl, findet sie: "Dessen ungewöhnliche Form wurde von Überlegungen über den Zwischenraum zwischen Kleidung und Körper angestoßen. Die Idee kam den Architekten dank einer Ausstellung im Haupthaus des V&A, die im Jahr 2017 dem Werk des spanischen Modeschöpfers Cristóbal Balenciaga gewidmet war. Dessen skulpturales Gespür für den Raum zwischen Körper und Kleidungsstück faszinierte die Architekten. Röntgenaufnahmen von Kleidern führten das in der Schau anschaulich vor Augen. .... Vor diesem Hintergrund ist die Fassade mit ihren Kanten und Schrägen zu verstehen - als ein die stählerne Struktur umhüllender Mantel aus 479 vorgefertigten Betonplatten."

Nach Frauke Steffens in der FAZ besucht auch Hanno Rauterberg für die Zeit die von Peter Zumthor entworfenen David Geffen Galleries des LACMA in Los Angeles (unser Resümee). Aber das ist nicht das einzige "unerhörte wagemutige" Museum, das L.A. zur neuen Kunstmetropole machen könnte, staunt Rauterberg: "Schon im September wird das nächste Architekturwunder fertig sein, das Lucas Museum of Narrative Art, das für die popkulturelle Sammlung von George Lucas, dem Erfinder der Star-Wars-Saga, gegründet wurde. Mit seinen weißen, weichen, auf Flugtauglichkeit getrimmten Formen, entworfen von MAD Architects, will es unbedingt wie ein Raumschiff aussehen, das jedes noch so weit entfernte Universum spielend leicht erkundet." Und auch der Künstler Refik Anadol plant ein Museum: "Dataland wird das Museum heißen und nur Installationen zeigen, die ohne künstliche Intelligenz nicht entstanden wären. Und die eine Zukunft beschwören, neben der die Raumschiffträume von George Lucas auf rührende Weise altertümlich wirken."

Weitere Artikel: Sehr zufrieden betrachtet Hubertus Adam in der NZZ das frisch restaurierte Museum Langmatt in Baden in der Schweiz.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.04.2026 - Architektur

Beeindruckt spaziert FAZ-ler Andreas Platthaus durch die frisch rekonstruierte Fest-Etage des Dresdener Residenzschlosses. Die geschichtsträchtigen Zimmer, die nicht weniger repräsentieren als die "Wiege der sächsischen Demokratie", wurden 1945 praktisch komplett zerstört. Jetzt sind sie wieder zugänglich und behalten auch in ihrer aktuellen Funktion als Ausstellungsräume "ihre Würde, und die sichtbar belassenen Wunden steigern sie sogar noch. Auch im Porzellankabinett sind bislang nur 33 der fast zweihundert Podeste besetzt - alles, was fehlt, ist Kriegsverlust. Doch mit einer Umgruppierung der Porzellansammlung im Zwinger, so kündigt Bernd Ebert an, werden weitere Vasen dazukommen, die denen entsprechen, die einmal hier standen. Lückenlos wird die Präsentation nie mehr sein können, doch sie dürfte immer noch reichen für ein Schau-Erlebnis, wie es selbst im Gesamtrekonstruktionskunstwerk Residenzschloss seinesgleichen sucht. Dresden spielt einmal mehr großartig mit seiner Geschichte." In der BlZ berichtet Ingeborg Ruthe vom Wiederaufbau der Fest-Etage.
Stichwörter: Residenzschloss Dresden

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.04.2026 - Architektur

Visitors in the David Geffen Galleries with Todd Gray's Octavia's Gaze, 2025, Los Angeles County Museum of Art, gift of the 2024 Collectors Committee, © Todd Gray, photo © Museum Associates/LAC MA, by Jonathan Urban

Frauke Steffens besucht für die FAZ die Eröffnung der neuen David Geffen Galleries des LACMA in Los Angeles. Ersonnen hat den 724 Millionen Dollar teuren Neubau der Schweizer Architekt Peter Zumthor mit dem Segen von Museumsdirektor Michael Govan. Schon seit zwanzig Jahren wird über den Bau gestritten, resümiert die Kritikerin: über das Material (Beton), den hohen Preis, und auch die neue Ausstellungsstrategie ist nicht für jedermann gemacht. "Im Inneren zeigt sich schnell, dass der Direktor und sein Architekt in der Konzeption der Ausstellungsräume einem poststrukturalistischen Ansatz folgen, wie ihn zum Beispiel auch die Erweiterung des MoMA in New York prägt: weg von starren Schauen in klassischer didaktischer Absicht hin zu Ausstellungen, die Querverbindungen zwischen Kulturen und Epochen sichtbar machen und auf den Anspruch verzichten, zur Bildung ihrer Besucher beizutragen (...)" Der Kritikerin gefällt das ganz gut, niedrigschwellig ist das aber nicht: "Ein 'Wohnzimmer für die Angelenos' solle das neue LACMA werden, gibt Govan den Besuchern am Ende mit auf den Weg. Der Eintritt in dieses Wohnzimmer kostet allerdings am Wochenende, wenn die meisten Menschen Zeit haben, 25 Dollar Eintritt. Vielleicht wäre etwas mehr Ehrlichkeit angebracht", denkt sich Steffens, die das ganze vor allem für einen Egotrip Govans hält.
Stichwörter: Lacma, Los Angeles

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.04.2026 - Architektur

Terminal 3. Bild: Christoph Mäckler Architekten.


Matthias Alexander pilgert für die FAZ in das von Christoph Mäckler entworfene Terminal 3 am Frankfurter Flughafen wie in eine Kirche und fürchtet bereits dessen Entweihung: Das Gebäude "wird überspannt von einer schwarzen Decke auf stählernen Stützen, die keine Blicke auf sich ziehen möchte, sondern schlicht das Gefühl von Sicherheit vermittelt. Die Maxime von der 'Rematerialisierung der Moderne', mit der Mäckler sein Architekturideal einmal beschrieben hat, ist hier ins Werk gesetzt. Weltläufig, wertig, geschmackssicher-funktional, auf Vertrautes setzend - der Bau steht dafür, wie das verunsicherte Land gern wäre und wie es gesehen werden möchte.(…) In der Check-in-Halle haben sich die Verhunzer schon ans Werk gemacht und eine Bude namens 'Espresso House' errichtet, die da so gut hinpasst wie ein McDonald's in den Frankfurter Dom. Man wünschte sich, dass das Terminal 3 gleich am Tag seiner Inbetriebnahme am Donnerstag unter Denkmalschutz gestellt werden könnte. Dann gäbe es eine Instanz, die vom ersten Tag an über die Wahrung der Würde des Werkes wachen würde." Eine umfassende Fotostrecke gibt es bei HG Esch.
 
Weiteres: Der Pianist Andreas Haefliger plant einen neuen Kammermusiksaal in Altdorf im Schweizer Kanton Uri, Max Nyfeller schaut sich die Pläne für die FAZ einmal an.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.04.2026 - Architektur

Das legendäre Eames House.Quelle: Wikipedia. Foto: Gunnar Klack, CC BY-SA 4.0 

Peter Richter muss sich in der SZ an seinen Eames-Chair festhalten, so begeistert ist er, dass er auf der Mailänder Designwoche erfahren durfe, dass die spanische Outdoormöbelfirma Kettal das "Case Study House Nummer 8", also das legendäre Eames House in Pacific Palisades für alle möglich machen will: "Wenn sich Krüppelwalm-Deutschland durch ein paar gut gesetzte Eames House-Klone zumindest ein bisschen kalifornisieren ließe - wäre das nicht herrlich? Mal nicht nur aggressiv weiße Wände mit runtergelassenen Außenrollos, sondern: ein Farbfeld-Gemälde wie von Mondrian in 3D, zum Hereingehen und Bewohnen. Den Eames' ging es um die größte Kubikmetermenge Raum zum geringsten Preis. Das machte die Räume in ihrem Haus angenehm luftig. (...) Die Baukosten werden bisher mit 2600 bis 3200 Euro pro Quadratmeter angegeben, soviel kosten durchschnittliche Fertighäuser sonst auch, und die sind nicht von Ray und Charles Eames."

Auf den Bilder-und-Zeiten-Seiten der FAZ erinnert Jens Malling an den tschechischen Kubismus, der gemäß seinem bekanntesten Theoretiker Pavel Janak auf Pyramidenformen, Diagonalen und Dreiecke, um die innere Energie von Objekten freizusetzen. Auch die Architektur war entsprechend geprägt von schrägen Linien und versetzten Flächen, allerdings wurde "dieser spezifisch tschechische Teil des europäischen Kulturerbes ... während eines Großteils des zwanzigsten Jahrhunderts weitgehend ignoriert oder vergessen. Während die Tschechoslowakei hinter dem Eisernen Vorhang verborgen lag, schwand das Bewusstsein für die Leistungen der tschechischen Kubisten. Das kommunistische Regime, 1948 durch einen Staatsstreich an die Macht gekommen und bis zur Samtenen Revolution von 1989 existierend, betrachtete dieses Erbe weitgehend mit Feindseligkeit: Der tschechische Kubismus galt als dekadent und 'bürgerlicher Formalismus'..."