Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.12.2018 - Architektur

Nicht mal lachen kann Andreas Rossmann in der FAZ über die Instinktlosigkeit, mit der sich Nordrhein-Westfalen ans Bauhaus-Jubiläum ranschmeißt. Eigentlich gibt es nur die Seidenfabrik in Krefeld von Ludwig Mies von der Rohe, die als orginiräre Bauhaus-Architektur durchgehen kann. Aber dieser kleine Schönheitsfehler am Projekt "100 jahre bauhaus im westen" ist für Rossmann nicht mal das Schlimmste, sondern die Ansprache: Das Projekt twittere "unter dem anbiedernden Hashtag #bauhauswow und spricht die Protagonisten mit den Vornamen an: 'geburtstag feiern mit lászló, oskar, mies und anni'." Als ginge es um einen Kindergeburtstag und nicht um Künstler, die allesamt aus Deutschland vertrieben wurden!

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.12.2018 - Architektur

Die neue Bibliothek in Helsinki. Foto: ALA-Architekten


Die Finnen kommen gerade ganz groß raus: mit einem avantgardistischen neuen Museum (mehr hier) und einer unwahrscheinlich zukunftszugewandten, schönen neuen Bibliothek von ALA-Architekten (Kosten 98 Millionen Euro) in Helsinki, die den tazler Andreas Fanizadeh, der sich von Service-Manager Kari Lämsä herumführen lässt, glatt umwirft: "Die Oodi wird, so Lämsä, digitale und analoge Kulturen zusammenführen. Für Alte und junge Menschen will sie der Marktplatz für Kommunikation, Ästhetik und kreative Ideen sein. Das Zwischengeschoss der neuen Oodi ist dafür von zentraler Bedeutung. Es beherbergt, wie Lämsä zeigt, den künftigen 'maker space': Tonstudios für Musiker*innen, Küchen für Kochkurse, Computer- und Spieleräume, Textil- und 3D-Printer, Plotter, Arbeitsplätze mit Overlock-Nähmaschinen, Schneidegeräte und Hightech-Räume, deren gläserne Wände aus Bildschirmen bestehen, ein herausragendes elektronisches Equipment also für kreatives Hirn- und Handwerk. Aber auch grüne Ecken mit vertikaler Botanik oder Möglichkeiten zum Abhängen, worauf Juho Grönholm von ALA-Architekten hinweist, ebenso wie die Möglichkeit, Yoga auszuüben." Hier eine Videotour beim Eröffnungstag.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.12.2018 - Architektur

Auch Andreas Kilb zeigt sich heute in der FAZ begeistert von David Chipperfields Galerie für die Museumsinsel: "Der Volksmund, der das Gebäude als teuerste Garderobe der Welt verspottet, hat ... unrecht. Aus der Nähe betrachtet ist es eher der kostbarste Balkon der Stadt. Von hier oben aus werden wir an Sommerabenden auf die langsam dahintreibenden Wasser der Spree blicken und uns fragen, wann die Museumsinsel endlich zu Ende saniert sein wird."

Die Treppe des neuen Eingangsbaus wird ein Hit, prophezeit in der Berliner Zeitung Nikolaus Bernau. Auch die Materialien sind sehr schön. Trotzdem versteht er den unwahrscheinlich teuren Bau (135 Millionen Euro) nicht, dessen Funktionsfähigkeit er bezweifelt, "weil alle Innenräume auf den von der Bauverwaltung und Denkmalpflege viel zu schmal bestimmten Bauplatz gezwängt werden mussten. Mindestens 800 Besucher pro Stunde gedenken die Museen hier abzufertigen. Ein Alptraum angesichts der relativ engen Räume, der vielen Treppen, der schmalen Korridore hin zum Neuen Museum, des hoch gelegenen Übergangs zum Pergamonmuseum, den man erst einmal finden muss, der viel zu wenigen Aufzüge. Jede Schulklasse wird hier für Chaos sorgen."

Das neue Amos Rex Museum in Helsinki. Mehr Bilder bei Domus


In Helsinki haben sie ein schönes altes Kino aus den 30ern zu einem Museum umgebaut. Roman Hollenstein hat es sich für die NZZ angesehen. Architekt "Jaaksi erkannte schnell, dass eine Erweiterung auf dem hofartigen, damals noch als Busbahnhof genutzten Platz neben dem bauhistorisch anspruchsvollen Lasipalatsi nicht infrage kam. Stattdessen schlug er vor, den Altbau denkmalgerecht zu renovieren und unter dem Außenraum ein vollkommen unterirdisches Gebäude zu errichten. Um Tageslicht in diesen 'Kunstbunker' zu bringen und ihm in der Stadtlandschaft ein Gesicht zu geben, entwarf er fünf kuppelartige, durch bullaugenförmige Oberlichter akzentuierte Erhebungen, die expressiv die Platzoberfläche durchdringen." Bei den Finnen kommt das neue Amos Rex Museum gut an.
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.12.2018 - Architektur

Die neue James-Simon-Galerie an der Museumsinsel. Foto: David Chipperfield Architects


Peter Richter spaziert für die SZ angeregt durch die von David Chipperfield gebaute James-Simon-Galerie in Berlin, den künftigen Haupteingang der Berliner Museumsinsel: "Dass die wahre Bezugsgröße dieses Schlusssteins der Museumsinsel am Ende gar nicht so sehr Athen heißt, sondern eher Venedig: Das ist eine der schönen Pointen dieses Baus. Sie zeigt sich auch außen, am vielleicht liebenswürdigsten Detail - einer schmalen Wassertreppe am Gebäuderand zur Spree hinunter. Mit dieser Nut wird nebenbei ein wenig verschleiert, dass Chipperfields Terrasse nicht ganz ebenmäßig auf Messels tiefer gezogene Fassade des Pergamonmuseums trifft. Vor allem aber rührt der kleine Bootsanleger zu Füßen der mächtigen Mauer. All die sehnsüchtigen Iphigenien da drinnen in dieser Welt ewiger Anmut und stiller Ewigkeit haben jetzt zumindest symbolisch einen Fluchtweg."

"Unter den Architekten des omnipräsenten Neo-Rationalismus ist Chipperfield einer der eleganteren", meint Marcus Woeller etwas von oben herab in der Welt. "Ein wunderschönes Bauwerk, viel zu schade, um als Ort des Gedränges vor Kassen und Kopfhörerstationen unterfordert zu werden", schwärmt dagegen Bernhard Schulz im Tagesspiegel. "Wenn das Publikum nicht mehr den Kassen- und Guide-Parcours absolvieren muss, ist der Weg frei zum absichtslosen Flanieren, zum Auf und Ab auf der Freitreppe, die von der Bodestraße aufs Obergeschoss führt. Oder auf jener Treppe, die im Gebäudeinneren die beiden Hauptgeschosse verbindet; oder hinein ins Café und bei warmer Witterung hinaus auf die Loggia, die Pfeilerhalle hoch über dem Kupfergraben."

In Berlin gibts immer neue Museen, Erweiterungen, Anbauten, die Besucherzahlen jedoch sinken - heute sind es ein Drittel weniger als vor sieben Jahren. Vielleicht sollte man mal in Ausstellungen investieren statt in immer mehr Gebäude, regt Hanno Rauterberg in der Zeit die Stiftung Preußischer Kulturbesitz an. "Seit Jahren wird geklagt, dass es dem neuen Schloss mit seinem Humboldt Forum, das in einem Jahr eröffnen soll, an einer zündenden Idee fehle. Dabei ist die Konzeptlosigkeit wenig erstaunlich, eher ist sie ein Symptom. Die geistige Leere des Schlosses ist die Leere der Stiftung, und dass sich das irgendwann in besucherleeren Sälen niederschlägt, muss niemanden verwundern. Der Apparat hat viele dienstbeflissene Köpfe hervorgebracht, doch diese Köpfe sprechen Aktendeutsch und haben keinen Sinn für das Unausrechenbare der Kunst. Deshalb fehlen Furor und Esprit, es fehlen Kuratoren, die gegen die Selbstlähmung aufbegehren und andere mitreißen in ihrem Willen, das Erbe der Preußenstiftung zu dem zu machen, was es sein könnte: eine schöne, beschwingende Form von Übereinkunft. Ein Ort, an dem sich gut staunen und gut streiten lässt."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.12.2018 - Architektur

Schönheit und Chancenreichtum von Großsiedlungen in Berlin-Marzahn, Rostock-Lichtenhagen oder Neuperlach lernt Gerhard Matzig in der SZ in der von Andreas Hild und Andreas Müsseler herausgegebenen Studie "Neuperlach ist schön" kennen: "Es ist verblüffend, wie einfach in der Ära der Verstädterung und der Wohnungskrise aus einem ungeliebten Kind der Nachkriegsmoderne Futurismus zu machen wäre. Umnutzen ist das Gebot der Stunde. Wobei die Studie ebenfalls deutlich macht, und auch das ist eine Überraschung, dass die Wohnzufriedenheit schon heute vergleichsweise hoch ist in Neuperlach."

Besprochen wird die Ausstellung "Frank Gehry - Hans Scharoun: Strong Resonances" der Stiftung Brandenburger Tor im Max-Liebermann-Haus (taz) und die Ausstellung "Downtown Denise Scott Brown" im Architekturzentrum Wien ("Ermüdend beiläufig", meint Hannes Hintermeier in der FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.12.2018 - Architektur

Rem Koolhaas' Entwurf für den neuen Springer-Campus in Berlin. Bild: OMA


Der Presse geht's schlecht? Kaum zu glauben, betrachtet man die neuen Superhäuser, die sich die Medien - Springer, taz, Gruner und Jahr - bauen lassen. Antje Stahl hat sie sich für die NZZ angesehen, auch das neue Springer-Haus von Rem Koolhaas: "Das rund 45 Meter hohe Atrium wird von den Etagen eingerahmt, die wie Terrassen im Gebäude liegen und sogar hängen (mithilfe eines stählernen Schwerlasttragwerks). Querlaufende Brücken und Balkone verbinden großflächige Büros, Fernsehstudios und Newsrooms für Welt, N24 und Co. Hier entsteht auch die über 52 000 Quadratmeter große Kommandozentrale einer Raumstation, deren Betriebssystem die rund 3500 zukünftigen Bewohner im besten Fall erst noch erfinden dürfen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.12.2018 - Architektur

Roland Rainer: Siedlung Ternitz, Niederösterreich, 1956-1960. Foto: Architekturzentrum Wien 

Nicht einverstanden ist Welt-Kritiker Dankwart Guratzsch mit der Ausstellung "(Un)umstritten" im Wiener Architekturzentrum, die den österreichischen Architekten Roland Rainer als Nationalsozialisten entlarven will. Damit wird sie dem Werk des Stadtplaners nicht gerecht, meint Guratzsch: "Rainers Unterschrift findet sich unter Briefen, Verwaltungsakten, Denkschriften und Entwürfen, die den Stempel mit dem Reichsadler und dem Hakenkreuz tragen. Das ist das 'Forschungsergebnis'. Über den tatsächlichen Rang und die Bedeutung des Architekten und Stadtplaners sagt diese Erkenntnis wenig bis nichts aus. Rainers Werk ist tief verwurzelt in der Stadtfeindschaft der architektonischen Moderne. Diese Wurzeln haben nichts mit dem Nationalsozialismus, sondern sehr viel mehr mit linken Weltverbesserungsideen der 1920-erJahre zu tun."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.12.2018 - Architektur

Verdichtung als Ausstellungserlebnis: "Dichtelust" in Basel. Foto: SAM 

Gar nicht überzeugt ist NZZ-Kritikerin Daniela Meyer von einer Ausstellung im Schweizer Architekturmuseum in Basel, die Lust auf städtische Verdichtung machen will, um Zersiedelung und Agglomeration aufzuhalten: "Wo viele Leute wohnen, so ungefähr die fröhliche Botschaft, ist auch viel los, dort findet soziale Interaktion statt." Also in die Höhe bauen, Wohnungen verkleinern, und Sportplätze überbauen? "Wo viele Leute auf engem Raum leben, ganz gleich, ob in der Stadt oder auf dem Land, treffen unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander. Die Grillparty im Innenhof bereitet den einen Freude, raubt aber dem Nachbarn, der Frühschicht hat, den Schlaf. Dichtestress entsteht auch, wenn wir uns von unserem Zuhause wegbewegen. Die Züge sind besetzt, die Straßen verstopft. Die Vermutung, dass es viel mehr der geteilte Raum außerhalb der eigenen vier Wände ist, wo Nutzungskonflikte entstehen, kommt auf - nicht zuletzt, weil die Modelle in diesem Museum so dicht an dicht stehen, dass man ständig davor Angst hat, eines von ihnen anzurempeln."

In der FAZ zeigt sich Berlins ehemaliger Baudirektor Hans Stimmann entgeistert über Pläne in Lübeck, ein riesiges Parkhaus hinter das Buddenbrookhaus zu setzen. Und das in dieser "extrem schönen" Altstadt: "Was sich auf der Rückseite der Kulisse des Bürgertums bis zur Beckergrube an Hässlichkeit ausbreitet, schließt jeden Gedanken an irgendeine Art von Unterschutzstellung aus."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.12.2018 - Architektur

Die Nationalbibliothek von Katar. Foto: OMA 

FAZ
-Kritiker Stefan Trinks erlebt in Katar die Bibliothek der Zukunft als "multisensuelles Eindruckstheater". Rem Koolhaas hat sie mit seinem OMA-Büro gebaut, ein weißes Marmormeer kühlt den Boden wie in der große Moschee von Damaskus, und es gibt fast so viele E-Books zum Ausleihen wie gedruckte Bücher: "Der eigentliche Geniestreich aber ist in den Boden eingetieft und nach oben offen: Es öffnet sich damit ein Geschichtsarchiv, das 'Heritage Area' genannt wird. Zwischen Wänden aus edlem iranischem Travertin, der als geschichtetes Sedimentgestein bereits auf den ersten Blick 'Geschichte' anzeigt, sind in Vitrinen die Anfänge der arabischen Schrift mit auf Purpurblau geschriebenen Koranhandschriften, frühen Büchern auf Papier aus dem zwölften Jahrhundert und anderen bibliophilen Kostbarkeiten der arabischen Halbinsel ausgestellt, kombiniert mit ebenfalls mit Schrift überzogenen seltenen Schalen oder wissenschaftlichen Instrumenten."
Stichwörter: Katar, Bibliotheken

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.11.2018 - Architektur

In der SZ stellt Gerhard Matzig den Münchner Pflanzengroßhändler und Erfinder Wolfgang Plattner vor, der das vom Büro Albert Speer entworfene neue Kairo mit Vertikal-Wäldern begrünen will. Ob das wirklich klappt, ist noch nicht ausgemacht, aber hier schon mal die Idee: "Plattners Erfindung heißt 'schwebende Pflanzen' (als Marke: Hydro Profi Line). Vereinfacht gesagt, beschreibt die dem Schweben zugrunde liegende, patentierte Technologie eine Art Botanikschwindel. Beziehungsweise eine Überredungskunst. Den Pflanzen in speziellen Begrünungssystemen wird nämlich suggeriert, sie seien, was Wasser und Nährstoffe angeht, bereits 'im Schlaraffenland'. Deshalb tun sie fürderhin, so Plattner, genau das nicht, was Pflanzen sonst immer erdwärts tun: sich in Richtung Nährstoffe auszuwurzeln. Letztlich aber bedeutet dies: Der Wasserverbrauch von Begrünungen reduziert sich laut G.K.R. 'um bis zu achtzig Prozent auf nachhaltige Weise'." Mehr zu Plattners Idee in der Abendzeitung.

So soll er aussehen, der neue Flughafen von Istanbul. Foto: Grimshaw Architect


In der FAZ ist Ulf Meyer schon jetzt hingerissen vom neuen Flughafen in Istanbul, dem größten Europas, den der britische Architekt Nicholas Grimshaw entworfen hat: "In nur etwas mehr als drei Jahren wurde der Flughafen gebaut: zwei Terminals für 90 Millionen Passagiere. Später kommen weitere Landebahnen und Terminals dazu. Mehr als 6000 Hektar Wald im Staatsbesitz wurden dafür gerodet und 600 000 Bäume gefällt. Die Anbindung an die Stadt per Metro ist vorbildlich, Berlins Pannen-Airport kann von alledem nur träumen". Außerdem soll er gut aussehen und ein Shoppingparadies werden, behauptet Meyer.