Einen Narren gefressen hat die Politik seit einiger Zeit an der Idee vom "
Dritten Ort" - gemeint sind städtische Aufenthaltsmöglichkeiten jenseits von Wohnung und Arbeit.
Dritte Orte werden besonders dann gern beschworen, wenn es darum geht, die
hohen Kosten für die Restaurierung von Kulturbauten zu rechtfertigen. Helmut Mauró gibt in der
SZ den Dritte-Orte-Skeptiker. Das Problem an der Sache ist nämlich, dass die ursprünglichen Funktionen von
Bibliotheken,
Museen und andere Kulturräumen leiden, wenn sie zu Dritten Orten umdefiniert und möglichst inklusiv und niederschwellig gestaltet werden. "Vielleicht ist es eine grundsätzliche Entscheidung: Sollen alle Orte für alle zugänglich sein, oder soll es für alle Gruppen und Bedürfnisse einen passenden Ort geben? Werden Grenzen nicht mehr nur als Schutz, sondern viel stärker als Ausgrenzung empfunden? Und was ist mit den Bedingungen für das Gelingen von Kunst und Kultur, etwa die Anforderung von Ruhe und begrenzte Zuhörerzahl für hochkulturelle Musik oder für Vorlesungen in Quantenphysik? Ist das
Bedürfnis nach Ruheräumen in einer Großstadt vielleicht sogar dringender als mehr Feierplätze?"
Peter Richter sieht es, ebenfalls in der
SZ, ähnlich: "Vielleicht ist die populäre, möglicherweise auch nur
populistische Aversion gegen die hohen Schwellen der klassischen Kulturtempel, die zusammengenommen meist Freitreppen bilden, ja nur eine Bildungslücke, die sich genau dort oben füllen ließe. Vielleicht sagen diese Dinge nämlich gar nicht: Bleib weg. Sondern:
Komm hoch,
die Mühe lohnt sich, hier oben sieht die Welt anders aus. Vielleicht kommt das Museum ja doch vom Museion, dem Tempelbezirk der Musen, und ist vor allem exklusiv in dem Sinn, dass es den schnöden, geschäftlichen Alltag ausschließt, dies aber als Sache der Allgemeinheit. Man müsste es mal in einer Bibliothek nachlesen. Wenn man in Bibliotheken noch zum Lesen käme."
Außerdem: Teile des
Pergamon-Museums werden, wie Andreas Kilb in der
FAZ durchgibt, zwar nicht, wie ursprünglich gemeldet, in diesem Jahr, aber immerhin 2027 wieder geöffnet. Die Grundsanierung, die zentrale Teile des Hauses verschlossen hält, könnte sich freilich bis in die 2040er-Jahre ziehen.