Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.11.2020 - Architektur

Foto: Norhei. CC-BY-SA-3.0 Self-published work. Quelle: Wikimedia.



Im Tagesspiegel empört sich Michael Bienert über die neue Besitzerin eines unter Denkmalschutz stehenden Privatbaus von Hans Scharoun an der Havel, die offenbar groß umbaut, wie Nachbarn bemerkten: "Plötzlich war der halbe Garten verschwunden, im Abhang am Fuß der Villa klaffte eine sandfarbene Baugrube. Auch das Haus wurde beschädigt. So fehlt inzwischen die Treppe, die die Terrasse im Obergeschoss mit dem Garten verband. Die seitlich angebaute Garage wurde abgerissen, wohl mit Genehmigung der Spandauer Bauaufsicht. In einen Teil der Baugrube ist inzwischen eine vielfach größere Autoabstellanlage einbetoniert worden. ... Das Ganze sei ein Schwarzbau, heißt es aus dem Spandauer Rathaus", von dessen Leiter Bienert statt mehr Auskunft aber nur eine Mail bekommt: "Das Stadtentwicklungsamt ist derzeit aus Gründen der Infektionsprävention im Zusammenhang mit dem Corona-Virus leider nur sehr eingeschränkt erreichbar bzw. personell besetzt. Bei der Bearbeitung Ihres Anliegens kann es deshalb trotz aller Bemühungen zu Verzögerungen kommen."
Stichwörter: Scharoun, Hans

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.11.2020 - Architektur

Streng Low-Tech: Das Landwirtschaftliche Zentrum in Salez Foto: Andy Senn Architect

Drei Bauten wurden mit dem alpenweiten Architekturpreis "Contructive Alps" ausgezeichnet: Andy Senns Landwirtschaftliches Zentrum in Salez, Vorarlberger Holzbaukunst und das restaurierte Ortstockhaus in Braunwald. In der NZZ erkennt Sabine von Fischer in den prämierten Low-Tech-Bauten einen grundsätzlichen Wandel in der alpinen Architektur: "Während vor hundert Jahren noch die mächtige Präsenz großer Volumen den Widerstreit der Kräfte von Natur und Kultur in Szene setzte, wird nun das Miteinander, sogar das Ineinandergreifen von Bauwerk und Landschaft betont."
Stichwörter: Alpine Architektur

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.11.2020 - Architektur

Jana Culek: Hilma af Klimt Museum. Bild: Studio Fabula

Oliver Herwig bringt sich in der Ausstellung "Die Architekturmaschine" im Architekturmuseum München auf den neuesten Stand in Sachen Künstlicher Intelligenz. BMI, berichtet er in der FR, ist das neue große Ding in der Gestaltung: "Building Information Modeling bezeichnet den nächsten Schritt auf dem Weg zur digitalen Planung. Statt wie bisher dreidimensionale Modelle zu erstellen und Pläne auszudrucken, die auf der Baustelle spontan geändert werden, zwingt ein digitaler Zwilling des jeweiligen Bauwerks alle an einen Tisch: Die Beteiligten aus dem Architektur- und dem Ingenieursbüro sowie den ausführende Firmen. Sie arbeiten an einem Modell, das sämtliche Leitungen, Kabel und Rohre verzeichnet und so Konflikte ausschließt." Also, in der Berlin brauchen wir so etwas nicht!
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.11.2020 - Architektur

Das Projekt "Fortnightism". Foto: Gustav Düsing
Niklas Maak begutachtet für die FAZ neue Architekturvorschläge für das Leben mit der Pandemie. Ausgedacht haben sich diese Idee fürs "Fortnightism", also für die Quarantänezeit, die Architektur Gustav Düsing und Carson Chan. Ihre Idee: eine mobile Krankenstation aus Containern und Zelten, die unser Verhältnis zu Raum und Natur neu befragt. "Welche Temperatur kann man ohne Heizung oder Klimaanlage ertragen? Wie viel Rückzugsraum, wie viel Nähe braucht man? Durch die bodenlangen Vorhänge bekommt der Bau etwas Leichtes und Feierliches. Hier kann man unter Quarantänebedingungen arbeiten, sich entspannen, sogar Freunde auf Abstand sehen. Dafür gibt es einen Raum, der nach oben offen ist wie das Pantheon in Rom - eine Mischung aus Wohnzimmer und Piazzetta, Innen- und Außenraum, in dessen Mitte kleine Bäume und duftende Kräuter wachsen. Der Zustand des 'Dazwischenseins', der die Quarantäne ausmacht - weder krank noch gesund, weder auf Arbeit noch im Urlaub - findet hier ein eher positives räumliches Bild."

Stadt bedeutet Nähe und Nähe ist in Zeiten einer Pandemie gefährlich. War's das also erst mal mit dem Stadtleben? Nein, ruft der italienische Architekt Renzo Piano in der FAZ. Schönheit wird die Welt und auch die Stadt retten! "Tatsächlich gibt es in meiner offenen, weitläufigen Stadt noch eine andere, tiefere Schönheit: Es ist die menschliche Schönheit. Sie zeigt sich in Tatkraft, Solidarität und Hingabe. Es ist die Schönheit, die sich in der Hoffnung junger Menschen auf eine bessere Zukunft zeigt. Sie haben noch einen langen Weg vor sich. Und sie haben die Aufgabe, die Erde zu retten. Wir vertrauen uns ihnen an, um einen Blick auf die Lage der Welt zu werfen, wie sie sein wird. Es ist eine Schönheit, die nicht oberflächlich ist, sondern in der das Unsichtbare die sichtbare Welt berührt. ... Schönheit wird die Welt retten, indem sie einen Menschen nach dem anderen rettet."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.11.2020 - Architektur

Kürzlich schlug Ursula von der Leyen einen Green Deal für ökologisches Bauen vor und berief sich dabei auf das Bauhaus. In der FAZ denkt Niklas Maak weiter: Eine internationale Bauausstellung wäre gut, eine, die auch überlegt, für wen und für welche Ansprüche heutzutage gebaut werden müsste. "Man muss aufpassen, dass die grüne Revolution nicht die gleichen Kisten noch mal baut, diesmal nur aus Holz. Die Gefahr einer 'Ästhetik des Systemwandels' ist tatsächlich, dass sie Forderungen bloß ästhetisch bedient, deren Erfüllung eine politische sein müsste. Kürzere Wege zwischen Arbeit und Wohnen bringen mindestens so viel wie exzessive Begrünung. Schließlich prägen auch Dinge das Bauen und die Zukunft der Stadt, die nichts mit Dämmwerten, sondern mit Wertvorstellungen zu tun haben. Das Bauhaus, von dem von der Leyen träumt, müsste nicht nur Architekten und Künstler, sondern auch Hacker und Programmierer beschäftigen - der größte Schatz, den die Stadtgesellschaften des digitalen Zeitalters produzieren, sind Daten. Mit ihnen könnte man schneller und präziser Politik machen, wenn man sie nicht wie bisher steuerfrei den Digitalkonzernen zur Verfügung stellt."
Stichwörter: Green Deal, Bauhaus

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.11.2020 - Architektur

Der Schriftsteller David Wagner flaniert für die NZZ durch die Straßen von Berlin und kann unter anderem auch erklären, warum sie eigentlich so schön breit angelegt sind: "Haben die Stadtplaner des 19. Jahrhunderts bereits an Autos gedacht? Die Antwort lautet wenig überraschend Nein, die breiten Berliner Straßen wurden nicht als Autoabstellfläche erbaut. James Hobrecht zeichnete sie so breit in seinen berühmten Plan von Berlin, um den Bau von Barrikaden zu erschweren. Das war die Lehre, welche die Stadtplaner des 19. Jahrhunderts aus dem Revolutionsjahr 1848 zogen: Enge Straßen sind bei Aufständen gefährlich für die Obrigkeiten; am damals noch ziemlich unübersichtlichen Platz vor dem Rosenthaler Tor standen im März 1848 Barrikaden, an die dort heute nichts mehr erinnert. Auf den neuen, breiten Berliner Straßen konnte eine Kompanie sich dann mit aufgepflanztem Bajonett nebeneinander aufstellen, um, wenn es sein musste, aufmüpfige Stadtbewohner zu befrieden."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.11.2020 - Architektur

Das dritte Hochhaus für Hoffmann-La Roche. Bild: Herzog & de Meuron


Als beispiellose Tabula-rasa-Aktion und überholte Machtgeste wertet der Architekturhistoriker Bernd Nicolai den Plan des Pharamkonzerns Hoffmann-La Roche, für ein drittes Hochhaus von Herzog und de Meuron auf seinem Campus in Basel sämtliche Gebäude bis auf das Direktionsgebäude zu schleifen, darunter bedeutende Bauten von Otto Rudolf Salvisberg wie das elegante Betriebsgebäude Bau 27: "Dank seiner konsequent funktionalistischen Gestaltung wurde Bau 27 zu einer Ikone der Industriearchitektur des Neuen Bauens. Als eines der am häufigsten publizierten Gebäude von Salvisberg prägte es entscheidend das Bild der Schweizer Moderne und wurde auf breiter Ebene international noch in den fünfziger Jahren bis hin nach Japan rezipiert. Salvisberg optimierte die vorbildlichen Konstruktionen der Van-Nelle-Fabrik in Rotterdam (1926-1931) und der Boots Factory in Nottingham (1931-1933) und ging weit über das Stütze-Last-System mit starken Unterzügen des Bauhausgebäudes oder der Geschäftsbauten Erich Mendelsohns hinaus." In der FAZ weist Matthias Alexander darauf hin, dass auch dem Zürcher Schauspielhaus der Abriss droht.

Neue Bauten in London werden immer hässlicher, stellt Rowan Moere im Guardian etwa bei Blick auf das Ilona Rose House fest, und das liegt auch, aber nicht nur an der Gier der Immobilienentwickler, die ihre Geschossnutzen maximieren und Ausgaben minimieren wollen: "Es ist komplizierter. Ein wichtiger Faktor sind auch moderne Konstruktionstechniken, die verschiedene Komponenten eines Gebäudes in einzelne Systeme aufgliedern. Bei älteren Gebäuden, egal ob viktorianisch oder brutalistisch, sind die einzelnen Komponente bis zu einem gewissen Grad miteinander verbunden und aufeinander bezogen, so dass etwa die Holzarbeit eines Fenstersrahmen sich in der From der Griffe wiederfinden oder die Proportion eines Balkons verbunden ist mit der eines Fahrstuhls. Moderne Gebäude werden aus fabrikfertigen Paketen zusammengesetzt, meist erst in einem Blind Date auf der Baustelle."

Als Zukunft des Einfamilienhaus feiert SZ-Kritiker Gerhard Matzig den Bau, den der Architekt Stephan Rauch in Landsberg am Lech für seinen Familienverbund ersonnen hat. Im Tagesspiegel staunt Frederik Hanssen über den Optimismus, mit dem Herzog und de Meuron die von ihnen entworfene Shoppingmall auf dem ehemaligen Tacheles-Gelände in Berlin vermarkten.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.11.2020 - Architektur

Große Moschee von Algier. Foto: KSP Jürgen Engel


In der FAZ stellt Rainer Schulze die Große Moschee von Algier vor, die vom Architekturbüro KSP Jürgen Engel aus Frankfurt entworfen wurde. Unter anderem der Gebetssaal mit einer 45 Meter hohen Kuppel macht sie zur drittgrößten Moschee der Welt: "Der Raum ist größer als der Petersdom. Im Süden, angrenzend an einen Park, stehen ein Kongresszentrum, eine theologische Hochschule und ein Studentenwohnheim, die aus der Moschee auch einen sozialen Treffpunkt machen sollen. Das Gesamtbild wirkt wohlgeordnet und bei aller Monumentalität auch dank des hellen Kalksteins elegant. Die Moschee wäre auch ein Zielort für Architekturtouristen aus aller Welt - wenn nur die Anreise nicht so kompliziert wäre, dass sogar der Architekt bei der Eröffnung nicht dabei sein konnte. Algerien lebt vom Export seiner Rohstoffe Öl und Gas und hat sich gegenüber dem Massentourismus abgeschottet."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.11.2020 - Architektur

In der SZ macht Gerhard Matzig seinem Ärger über die Münchner Luft, die gegen die beiden von Jacques Herzog und Pierre de Meuron geplanten Hochhaus-Türme auf dem Areal der ehemaligen Paketposthalle protestieren. Statt Partizipation sehnt er sich nach dem "vordemokratischen Selbstbewusstsein einiger durchgeknallter, autokratisch oder monarchisch agierender Bauherren" zurück: "Die Bürgerbeteiligung möchte, dass am besten nichts gebaut wird, was nicht alle gut finden (realistisch betrachtet nichts); der Denkmalschutz will, dass nichts gebaut wird, was die Welt, wie wir sie kennen, verändert (realistisch betrachtet nichts). Es gäbe Paris nicht."
Stichwörter: Herzog & de Meuron

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.11.2020 - Architektur

"Häuser sollen wieder schön sein" erkennt SZ-Kritiker Gerhard Matzig beim Blick auf die neoreaktionäre Protzfassade der neuen "FC Bayern Welt", für die der Architekt Andreas Hild das Ornament ins heutige Bauen zurückkehren lässt: "Das jetzt interpretativ reanimierte Sgraffito, das man sowohl als computergestütztes Hightech-Produkt, aber auch als Handwerk begreifen kann, ahmt die Plastizität des Vorgängerbaus geschickt nach, ohne kopistisch zu wirken. Das Sgraffito lässt dabei seine Dreidimensionalität, die es unterscheidet von reiner Fassadenmalerei, nur ahnen. Explizitheit meidet es. Im Ergebnis schmückt das Haus die Straße, erinnert an den Reichtum früherer Fassadenkunst - und ist doch vergegenwärtigend. Es ist ein souveränes Haus, das sich vor der Baugeschichte verbeugt und dennoch sein eigenes Baujahr aufruft. '2020' ist auf der Fassade zu lesen."
Stichwörter: Hild, Andreas, FC Bayern