Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.10.2021 - Architektur

Über Jahrzehnte haben Politik und Architektur in Mexiko allein auf die Reichen des Landes gesetzt, aber mit dem Erdbeben von 2017 und natürlich mit der Wahl des Linkspopulisten Andrés Manuel López Obrador hat sich der Wind gedreht, berichtet Laure Nashed in einem informativen Text in der NZZ: "An die Architektur werden hohe Erwartungen geknüpft, denn in offiziellen Dokumenten des zuständigen Ministeriums für Landwirtschafts-, Gebiets- und Stadtentwicklung (Sedatu) wird sie als 'Instrument des sozialen Wandels' beschrieben. Der Wille zur Veränderung und die Überzeugung, dass ihre Bauwerke tatsächlich zu einer Verbesserung der Lebensqualität der ansässigen Bevölkerung führen können, werden auch von den beteiligten Architekten geteilt. Die Gestaltung der Markthallen, Gemeindezentren, Parkanlagen, Skateparks und Straßenbeleuchtungen wurden als Direktauftrag vergeben. Dies begründet das Sedatu-Ministerium mit dem hohen Zeitdruck, unter dem Konkurrenzverfahren nicht möglich seien. So wünschenswert und wichtig Wettbewerbe für die Qualität und den Diskurs in Mexiko auch wären - den mexikanischen Behörden fehlt die Erfahrung im Umgang mit Wettbewerben ohnehin."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.10.2021 - Architektur

Der Erweiterungsbau des Museums Küppersmühle. Foto: Herzog und de Meuron

Für die NZZ ist Sabine von Fischer nach Duisburg gereist, um neben der Sammlung im Museum Küppersmühle vor allem die erstaunliche Diskretion des von Herzog & de Meuron entworfenen Erweiterungsbaus zu bewundern: Das "neu zugefügte Backsteingewebe wirkt subtil. Es nimmt die Sprache des Ortes auf und erfindet sie gleichzeitig erst, lässt sie die alte Schwere abschütteln und verleiht ihr eine neue Würde. Jeder einzelne Ziegel wurde in zwei Hälften gespalten und mit den löchrigen Innenseiten nach außen so vermauert, dass eine hohe Wand mit textiler Wirkung entsteht: Wie ein leichter Vorhang scheinen die porösen Backsteine sich um das Haus zu legen, schleierhaft nicht nur in ihrer Anmutung, sondern auch in ihrem Schwebezustand zwischen Schwere und Leichtigkeit. Wenige hohe Fensterschlitze durchbrechen diesen Schleier und setzen den Rhythmus der Fensterreihen der alten Mühle in vereinzelten Akzenten fort."

Ebenfalls in der NZZ schreibt Sabine von Fischer einen Liebesbrief an den heftig kritisierten Erweiterungsbau des Kunsthauses Zürich (Unsere Resümees): "Du stoischer Block wirst bleiben, schließlich hast du über 200 Millionen Franken gekostet. Deinen steinernen Schleier als 'Monument der Abschottung' zu beschimpften, ist eine stumpfe Blödheit."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.10.2021 - Architektur

Angesichts der Bauskandale der letzten Jahre, bei denen die Kosten explodiert sind, weist Gerhard Matzig in der SZ fröhlich nach München: "Von München lernen heißt bauen lernen. Kaum zu begreifen, ja ein Wunder", ruft er, denn mit der Isarphilharmonie und dem Volkstheater wurde dort zuletzt nicht nur schön gebaut, es wurden auch Zeit- und Kostenpläne eingehalten. Architekt Arno Lederer, verantwortlich für das Volkstheater, erklärt ihm am Telefon, worauf es ankommt: "Was Lederer erzählt und was auch das Büro GMP für die Isarphilharmonie bestätigt, ist im Grunde simpel: Es schadet nicht, wenn man sich vertraut, wenn nicht allzu viele Gremien und Subsubsubs beteiligt sind, wenn vieles auf Zuruf erledigt werden kann. Der Bauherr soll sich vorab Zeit für das nehmen, was er eigentlich haben will. Die Architektinnen und Architekten sollen sich vorab Zeit nehmen für die Pläne. Dann erst kann man Zahlen nennen - und wenn dann alle Beteiligten auch noch was können, gelingt das Projekt. So einfach. Und doch so exotisch?"

Weiteres: In der NZZ berichtet Sabine von Fischer von einer hochkarätig besetzten Diskussion in Zürich zur Frage, wie sich Architektur im Museum widerspiegeln lasse: "Architektur sammeln und zeigen ist schwieriger, als man vorerst denken könnte. Wohnungen, Straßenzüge, Städte lassen sich nur in Repräsentationen an die Wand hängen oder in einem Raum aufstellen. Trotzdem benötigt die im Alltag allgegenwärtige Architektur genauso wie die Kunst auch Ausstellungen, als Räume der Reflexion."
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.10.2021 - Architektur

Bild: ICC Berlin. Berliner Festspiele. Foto: Eike Walkenhorst

Schon beim Anblick des inzwischen von Jugendlichen bemalten Steglitzer "Bierpinsels" soll die Architektin Ursulina Schüler-Witte "dem Herzinfarkt nahe" gewesen sein. Anders dürfte es ihr auch nicht mit Blick auf das ebenfalls von ihr und ihrem Mann Ralf Schüler entworfene Internationale Congress Centrum ergehen, glaubt Peter Richter in der SZ, der das Gebäude im Rahmen des Festivals "The Sun Machine Is Coming Down" der Berliner Festspiele erstmals wieder betreten kann: "Beängstigender als jeder Thriller, der hier schon gedreht wurde, ist das schiere Ausmaß des Verfalls und der Vernachlässigung im Umfeld des ICC. Es ist, als hätte die Stadt ein Interesse daran, dass möglichst keiner mehr hierherkommen mag. Der Wunsch, sich auch dieses Baus am besten einfach durch Abriss zu entledigen, ist schließlich nicht neu, und dass neuerdings Denkmalschutz besteht, ist erfahrungsgemäß noch keine Bestandsgarantie. Die Messe als Eigner hat das ICC schon vor fast zehn Jahren einfach dichtgemacht. Privaten Initiativen zur kulturellen Weiternutzung wurde von der Stadt mit abweisender Frostigkeit begegnet."

Nur der Stand-by-Betrieb des geschlossenen ICC kostet "etwa 15 Millionen Euro im Jahr. Die Kosten für die komplette Sanierung werden auf 400 bis 600 Millionen Euro geschätzt", weiß Florian Heilmeyer in der NZZ, der einen Besuch des Festivals unbedingt empfiehlt: "Dieses wunderbar vielteilige Festival versetzt das kolossale Haus in einen wilden, zehntägigen Rausch. Die Festspiele haben gar nicht erst versucht, ein eigenes Leitsystem gegen das Original zu setzen - so braucht man eine ganze Weile, um sich zu orientieren. Langsam tapsend bewegen sich die Besucher wie Höhlenforscher immer tiefer hinein ins Halbdunkel des Kolosses. Nie kann man sich ganz sicher sein: Ist das da Kunst oder doch ein seltsamer Teil des alten Hauses? Denn die Kunst legt sich nicht als neue Schicht über die Räume, sondern arbeitet mit ihnen, hat sich eingenistet im gewaltigen Organismus. Das schafft Momente grandioser Verunsicherung."

Neben der im Haus beherbergten Privatsammlung des Waffenhändlers Emil Bührle gibt auch David Chipperfields Erweiterungsbau des Zürcher Kunsthauses ordentlich Anlass zur Kritik, meint Niklas Maak in der FAZ: "Jenseits der Frage, ob und wenn ja, wie man eine Sammlung zeigen kann, die mit Blutgeld und Ausbeutung von Zwangsarbeiterinnen finanziert wurde, ist es interessant, zu sehen, welche Idee von einem Museum in Zürich umgesetzt wurde. Es ist eine seltsame Pointe, dass der Bau, der eine mit Rüstungsgeldern der Dreißigerjahre finanzierte Privatsammlung beherbergt, stilistisch ein wenig an den monumentalistischen Neoklassizismus dieser Jahre erinnert - wobei Chipperfield intelligent genug ist, die Fensteröffnungen so asymmetrisch zu platzieren und die Fassade mit Lisenen so zu strukturieren, dass nicht gleich der Eindruck entsteht, vor einem auf helvetische Maße heruntergepegelten Luftfahrtministerium zu stehen. (…) Das Leben gleitet ab, der Verkehr zieht vorbei, die Kunst sieht aus wie eine Privatangelegenheit, die von der Öffentlichkeit nach Möglichkeit ferngehalten werden soll."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.10.2021 - Architektur

In der SZ bricht heute auch Gottfried Knapp nach einem Besuch in der neuen Isarphilharmonie in München in Jubelstürme aus. In jeder Hinsicht besser als die Elbphilharmonie, meint er: "Die Isarphilharmonie aber, die in der surreal kurzen Zeit von eineinhalb Jahren zum Schleuderpreis von 40 Millionen Euro errichtet worden ist, 1800 bis 1900 Besuchern Platz bietet und notfalls Stück für Stück wieder recycelt werden kann, setzt mit ihrem vom gleichen Akustiker in die Schuhschachtel hineinmodellierten Holzschrein Maßstäbe, die nur schwer zu erfüllen sind. So muss auch das schon recht weit entwickelte, viel beredete Münchner Projekt eines Konzertsaals im Werksviertel jetzt an dem schockierenden Gegenbild gemessen werden, das auf der anderen Isarseite fast unbemerkt herangewachsen ist." Begeistert zeigt sich auch Falk Jaeger im Tagesspiegel: "Schon diskutieren Vorbesucher, ob man Edelholzfurnier und Messingleuchter überhaupt braucht und ob die Ästhetik der Isarphilharmonie nicht den neuen Stil künftiger Kulturbauten prägen könnte, die dann endlich wieder bezahlbar, problemärmer und schneller zu bauen sein könnten." Die Zeit hat Michael Stallknechts Text online nachgereicht.

Im Monopol-Magazin erzählt der Medienkünstler Aram Bartholl, was die Neue Nationalgalerie mit der Kolonialgeschichte Kubas zu tun hat. Zunächst hatte Mies van der Rohe den Bau nämlich als Firmensitz für den Spirituosenhersteller Bacardi in Havanna geplant: "Wie viele andere Firmen begründet diese Unternehmen seinen Erfolg auf der langen und äußerst brutalen Kolonialgeschichte, mit der Europa die ganze Welt überzog. Die Insel ist von der Ausbeutungsgeschichte und einer Militärdiktatur geprägt. Mit der kubanischen Revolution ist der Bau verhindert, aber ein paar Jahre später wird die 'Villa Bacardi' als Neue Nationalgalerie ins kalte Berlin gestellt."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.10.2021 - Architektur

450 Millionen Euro und schätzungsweise sechs Jahre veranschlagt die Stadt München für die Sanierung des Gasteigs - und macht mit der Isarphilharmonie, der Interimsstätte, die diesen Freitag öffnet, vor, dass es auch anders geht, freut sich Michael Stallknecht in der Zeit: Ganze drei Jahre hat man für den Bau seit Planungsbeginn gebraucht, gerade mal vierzig Millionen Euro hat er gekostet, siebzig die gesamte Anlage, die sich betont cool - und damit recht unmünchnerisch - HP8 nennt, nach ihrer Postadresse in der Hans-Preißinger-Straße 8. Das Hamburger Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner hat bewusst auf den provisorischen Charakter gesetzt. Fast unscheinbar verbirgt sich die Fassade des Konzertsaals - grau wie gegenüber das Heizkraftwerk - hinter einer ehemaligen Transformatorenhalle der Stadtwerke, die als Foyer dient."

Dem Erweiterungsbau des Zürcher Kunsthauses wurde vorgeworfen, er sei zu groß und zu langweilig. "Architektur darf nie zu wichtig werden, beispielsweise nie in Konkurrenz zur Kunst treten", verteidigt sich David Chipperfield im NZZ-Gespräch mit Sabine von Fischer und ergänzt: "Museen gewinnen (…) immer mehr an Bedeutung, und Künstler wenden sich verstärkt auch wesentlichen Themen der Gegenwart zu; das Museum wird so immer mehr zum Ort der gesellschaftlichen Diskussion. Wie bei der Tate wollten wir einen großen, offenen Raum ins Zentrum der Erweiterung stellen, der die Orientierung im Haus ermöglicht und zwischen der Welt der Öffentlichkeit und der Welt der Institution vermittelt."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.10.2021 - Architektur

Das Berliner ICC darf nicht abgerissen werden, es steht jetzt unter Denkmalschutz und jeder Abriss schadet dem Klima, also lernt FAZ-Kritiker Niklas Maak lieber gleich seine "konvulsivische Schönheit" eines Weltraumbahnhofs zu schätzen und freut sich, dass die Berliner Festspiele das Gebäude unter dem Titel "The Sun Machine Is Coming Down" zehn Tage lang von der Kunst bespielen lassen: "Der erste Eindruck: Das ICC sieht noch außerirdischer aus als damals, als es vollgerümpelt war mit bundesrepublikanischer Kongresstristesse, mit Stehtischen und hässlichen Tablettenherstellerständen und der ganzen Berliner Momper-Diepgen-Gemütlichkeit und so etwas von seinem utopischen Glanz einbüßte. Jetzt, leer, im Halblicht der noch funktionierenden Neonröhren, wirkt es so schön und fremd wie ein gerade vom Meeresgrund gehobenes Schiff, durch dessen Inneres Geräusche und Bilder aus fernen Zeiten und Zukünften wehen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.10.2021 - Architektur

Ein Hauch von London in Duisburg: Der Erwiterungsbau des Museums Küppersmühle. Foto: Herzog und de Meuron

In der SZ feiert Alexander Menden den neuen Erweiterungsbau des Museums Küppersmühle an der Ruhr, der nach etlichen Schwierigkeiten endlich eröffnet werden kann. Menden eröffnen sich in dem Silo-Umbau viele schwindelerregende Blicke, aber dass die Architekten Herzog und de Meuron dem Speicher keinen Kubus aufsetzen konnten: "Wo früher Getreide zur Weiterverarbeitung lagerte, gähnt nun ein stählerner, 45 Meter hoher, edel korrodierter Stahlschacht. Die sechs inneren Röhren wurden herausgenommen, der so entstandene Hohlraum bildet eine vertikale Verbindungslinie zwischen drei Ausstellungsgeschossen, horizontal vereinigt durch zwei anthrazitfarbene Stahlbrücken im ersten und zweiten Obergeschoss. Dieser Übergang vom Bestandsbau des Duisburger Museums Küppersmühle für Moderne Kunst (MKM) zu seinem neuen Erweiterungsbau hätte spektakulärer kaum ausfallen können."
Stichwörter: Museum Küppersmühle

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.10.2021 - Architektur

In der NZZ macht sich Sabine von Fischer stark dafür, dass der diesjährige Pritzkerpreis an Denise Scott Brown geht: "Immer wieder brachte die Architektin und Stadtplanerin ihr besonderes Augenmerk für Platzgestaltungen und Wegführungen ein, immer darauf bedacht, soziales Leben zu ermöglichen und zu fördern. Die Idee der Stadt und ihrer Quartiere als Ort des Zusammentreffens und Zusammenlebens, der Aktivität und des Austausches beflügelte auch Planungen für die Campus von Universitäten weltweit."

Außerdem: Gina Thomas bewundert in der FAZ die wiedererstandene Kathedrale von Coventry, die im Zweiten Weltkrieg von deutschen Bombern zerstört worden war.
Stichwörter: Scott Brown, Denise

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.09.2021 - Architektur

Sabine von Fischer unterhält sich für die NZZ mit dem Architekten Francis Kéré über Architektur in Burkina Faso. Einige Dörfer dort sind Kandidaten für den Status als Weltkulturerbe, doch werden die traditionellen Häuser immer wieder mit modernen Materialien verändert, mit Wellblech auf den Dächern zu Beispiel. "Für die Unesco gehört das Wellblech nicht dazu. Aber sehen Sie: Es ist längst Teil dieser Dörfer geworden. In jedem Gehöft gibt es wohlhabendere Leute, die ihre Häuser nun mit Wellblech bedecken. Daran können Sie erkennen, dass die Bewohner einflussreiche Leute im Dorf sind. Die Unesco meint nun aber, dass dies das Bild störe."
Stichwörter: Burkina Faso