Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.12.2022 - Architektur

Die neue Bezalel-Kunstakademie in Jerusalem. Foto: Sanaa

Der Entwurf einer Kunstakademie für Israel weckt das Interesse der FAZ. Der neue Campus der Bezalel-Akademie für Kunst und Design im Zentrum von West-Jerusalem stammt vom japanischen Architekturbüro Sanaa und ragt mit seinen lichtdurchflueteten Terrassen futuristisch aus der alten Stadt heraus, schwärmt Quynh Tranüber den Glaspavillon: "So offen die Architektur des neuen Campus ist, so sehr sie zum Dialog einlädt, so sehr schließt sie auch politische Herausforderungen ein. In einer immer weiter nach rechts driftenden Gesellschaft gehört Bezalelzu den liberalen Hochburgen des Landes mit einem fast einzigartig diversen Charakter. Lehrkräfte setzen sich immer wieder gegen die israelische Besatzung in den palästinensischen Gebieten ein. Die Studierenden kommen aus liberalen wie aus orthodoxen jüdischen Familien, es sind palästinensische Staatsbürger Israels darunter ebenso wie Siedler aus dem besetzten Westjordanland und Palästinenser aus Ost-Jerusalem. Mit dieser politischen Spannung, so berichtet Adi Stern, Präsident von Bezalel, müsse sich auch die Akademie jeden Tag auseinandersetzen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.12.2022 - Architektur

Gerkans Flughafen Tegel, verewigt auf einer Sonderbriefmarke


Der Architekt Meinhard von Gerkan ist gestorben. Bekannt ist er vor allem als Erbauer des wunderbaren Flughafen Tegel, der 1974 eröffnet wurde, und des Berliner Hauptbahnhofs. Der BER, den sein Büro ebenfalls baute, kann da nicht heranreichen. "Vor allem die früheren Gebäude überzeugten mit ihren transparenten, durchdachten und schnörkellosen Konstruktionen. Mit Benutzerfreundlichkeit und Wartungsarmut", schreiben in der SZ Jörg Häntzschel und Peter Richter. "In einer Zeit, als Kollegen wie Frank Gehry oder Rem Koolhaas das Berufsbild des Architekten in alle möglichen Richtungen erweiterten, zum Künstler, Bildhauer bis hin zum Kulturkritiker, bewährten sich Gerkan und Marg als Stararchitekten ohne Starallüren, als verlässliche Profis, die bauen wollten, nicht 'anders' bauen, und vor allem nicht die Welt verändern. In ihren Augen schränkten formale und konzeptuelle Experimente nur die Funktionalität sein, also verzichteten sie darauf lieber."

"Bemerkenswert" ist auch Gerkans Planstadt Nanhui New City bei Schanghai", erinnert Niklas Maak in der FAZ: "Sie entfaltet sich in Ringen um einen im Durchmesser drei Kilometer großen See, dessen Strände von Gerkan als 'endlose Copacabana' bezeichnete. Die bereits auf 800 000 Einwohner angewachsene Stadt gilt mit ihren vielen Grünflächen und kurzen Wegen als Vorbild für die sich rasant verdichtenden Ballungsräume Asiens; man kommt schnell zu allen öffentlichen Einrichtungen, Schulen und Freizeitorten, der Geist von Tegel wurde hier zu einer ganzen Stadt. Die 'endlose Copacabana' ist auch ein Bild für den menschenfreundlichen Charakter und den sozialen Anspruch der Architektur von Gerkans: Wie in Rio de Janeiro soll sich am Strand die Bevölkerung jenseits aller Einkommensunterschiede und Herkünfte heiter mischen." Weitere Nachrufe in der FR und der Welt. Dlf Kultur hat zum Tod Gerkans ein Dossier erstellt - darin auch Hinweise zu zwei historischen Radiogesprächen.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.11.2022 - Architektur

Die Lichtung im Großstadtdschungel: Sydney Modern. Foto: Iwan Baan/ Art Gallery of New South Wales

Sydney
hat sich ein neues Wahrzeichen der Kultur gegeben: Die Kunstgalerie Sydney Modern, ein Bündel von Pavillons aus Glas und Licht, war das ehrgeizigste Projekt seit Jörn Utzorn Oper von 1973, wie Julian Worral im Guardian schreibt: "Das von Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa vom japanischen Büro Sanaa entworfene Gebäude ist fast das Gegenteil des Opernhauses. Halb in den Hügel eingegraben, auf dem abschüssigen Gelände mit hellen und transparenten Oberflächen getarnt, bietet Sanaas charakteristische Geschmeidigkeit und Subtilität dem ungeduldigen Auge wenig, woran es sich festhalten kann. Deswegen zeigten sich einige nach dem achtjährigen, 222 Millionen Euro teuren Prozess etwas enttäuscht von dieser schwer fassbaren Qualität. Für Michael Brand, den Direktor der Galerie und Hauptinitiator des Projekts, bedeutet jedoch die Tatsache, dass Sydney bereits eine Ikone hat, dass es keinen Bedarf für eine weitere gibt. Vielmehr, so Brand, 'werden die Teile dieses Gebäudes durch seinen zentralen Raum zusammengefügt, der von außen nicht sofort wahrgenommen werden kann, sondern direkt erlebt werden muss'. Nishizawa führt diesen Gedanken fort: 'Es gibt zwei Möglichkeiten, ein Wahrzeichen zu schaffen, wenn sie von der Landschaft abhängen. Befindet man sich in einem offenen Gelände, kann eine Landmarke eine positive Form und klare Konturen haben, wie ein Felsen. Befindet man sich jedoch in einem Wald mit all seinen Bäumen, funktioniert das nicht. Dann muss man eine Lichtung schaffen und das Sonnenlicht hereinlassen." Tolle Bilder gibt es auch bei Dezeen.
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.11.2022 - Architektur

6751 Betonblöcke übereinandergestapelt. Bild: Week 

Das französisch-chilenische Architekturstudio Week hat ein Mahnmal entworfen, das die humanitäre Katastrophe der WM in Katar widerspiegeln soll. Dezeen erklärt die Idee: "Der Turm, der Katar-WM-Mahnmal heißen könnte, würde aus gestapelten Betonblöcken bestehen, wobei jeder Block einen Arbeitsmigranten repräsentiert, der seit Vergabe der WM 2010 in Katar ums Leben gekommen ist." Er würde 4,4 Kilometer hoch werden. Instruktives zur Lage der Arbeitsmigranten in Katar und dem peinlichen WM-Spektakel beim unnachahmlichen John Oliver.

Einst Warenlager, jetzt Kultur- und Gewerbehaus. Das Elys in Basel. Foto: in situ

"Lieber gar nicht bauen als zu viel bauen!", forderte schon Frei Otto, und in der FR kann der Architekturtheoretiker Robert Kaltenbrunner diese Devise nur bekräftigen. Und wenn bauen, dann bitte mit Bestand: "Wie man das Banal-Vorhandene in den Mittelpunkt kreativen Schaffens rückt, zeigt das Schweizer Büro in situ. So hat es unlängst ein Pionierprojekt in Sachen 'Urban Mining' verwirklicht: das Kultur- und Gewerbehaus ELYS in Basel. Es handelt sich um den Umbau eines knapp 32 000 Quadratmeter großen Gewerbebaus von 1982, der als Verteilzentrum und Großbäckerei der Schweizer Supermarktkette Coop diente, wobei man so weit wie möglich auf die Verwendung bestehenden oder gebrauchten Materials setzte. Bei den Fenstern handelt es sich um Restbestände verschiedener Hersteller aus der Umgebung, die Lamellen des Holzrahmenbaus wurden aus rückgebauten Holzkonstruktionen zugesägt, und bei der Dämmung setzte man zu einem großen Teil auf Steinwolleverschnitt von anderen Baustellen. Das spart reichlich CO2."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.11.2022 - Architektur

Dass jetzt auch die Bundesstiftung Baukultur für Umbauten anstatt für Neubauten wirbt, versetzt Gerhard Matzig in der SZ in Hochstimmung. Als dürfte er jetzt wieder einen Aston Martin fahren, statt sich einen Tesla kaufen zu müssen. Oder im Bunker wohnen! Aber ökologisch macht Retro-Futurismus einfach Sinn, versichert er: "Dazu kommt, dass Länder wie Deutschland im Grunde zu Ende gebaut sind. Weshalb es absurd ist, dass neugebaut wird in aller Regel auch dort, wo der Umbau nicht nur volkswirtschaftlich günstiger, sondern ökologisch viel effizienter wäre. Wenn man die Bauten ganzheitlich bilanziert, ist ein ertüchtigter Altbau einem auch noch so energieeffizienten Neubau vorzuziehen."

Die Idee des zirkulären Bauens ist allerdings nicht ganz neu, wirft in der FAZ Laura Helena Wurth ein, die gerade das Privathaus des Gestalters Jean Prouvé besichtigte, eines Pioniers der Nachhaltigkeit.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.11.2022 - Architektur

In der NZZ schildert Hubertus Adam, wie sich das schweizerische Dorf Valendas durch die Restaurierung seiner wuchtigen Patrizierhäuser als Gemeinde und touristisches Ziel wieder attraktiv macht: "Dabei erwies sich die relative Abgeschiedenheit als Vorteil: Das Dorf blieb von Modernisierungswellen verschont, welche andere Orte bis zur Unkenntlichkeit entstellt hatten. Außerdem ist es zu weit von Chur entfernt, um zum Schlafvorort zu verkommen, und es besitzt ein Ortsbild von nationaler Bedeutung."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.11.2022 - Architektur

Auch mit kleinem Budget lassen sich für die Kunst stimmige Räume schaffen, freut sich Laura Helena Wurth in der NZZ über den Erweiterungsbau des Josef-Albers-Museums in Bottrop, für den das Schweizer Architekturbüro Gigon/Guyer die Möglichkeiten schön und effizient genutzt haben: "In den letzten Jahren sind die Museumsbauten immer monumentaler geworden und mit ihnen die Kunst, die darin gezeigt wird. Das tut weder der Kunst noch den Gebäuden gut. In Bottrop kann man jetzt sehen, dass acht wohlproportionierte und durchdachte Räume reichen, um einen neuen Blick auf ein Werk zu ermöglichen."
Stichwörter: Josef-Albers-Museum

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.11.2022 - Architektur

Markus Ackeret porträtiert in der NZZ Putins Architekten, den Italiener Lanfranco Cirillo, der mit seinen Bauten für Russlands Oligarchen ein ausschweifendes  Jetset-Leben führen konnte, bis Interpol einen Internationalen Haftbefehl gegen ihn ausstellte: Zu seinem Albtraum wurde Alexei Nawalnys Film über Putins Palast am Schwarzen Meer: "Nawalnys Film habe ihn zu einem Kriminellen gestempelt, sagt er. Cirillo aber ist stolz auf das neoklassizistische Projekt, das weltweit für Hohn und Spott gesorgt und in Russland Großdemonstrationen ausgelöst hat. Die Vorstellung, dass er das für Putin gebaut haben soll, findet er absurd. 'Warum sollte Putin als Präsident persönlich ein solches Haus bauen, wo er doch über zahlreiche Residenzen verfügt?', fragt er. 'Putin habe ich dort kein einziges Mal getroffen, und ich habe mit ihm über dieses Projekt nie gesprochen.' Das komplizierte Konstrukt aus Günstlingen aus Putins Umfeld und andere Hinweise deuten allerdings darauf hin, dass der Kremlchef damit etwas zu tun gehabt haben dürfte."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.11.2022 - Architektur

Holzhochhaus Pi in Zug. Bild: Duplex Architekten
In einem sehr instruktiven Text erläutet Hubertus Adam die Vor- und Nachteile des Holzbaus, der nun nicht mehr als unstädtisch gilt, sondern als Nonplusultra, wie  das Suurstoffi-Hochhaus in Rotkreuz oder das Holzhochhaus "Pi" in Zug zeigen: "Holz erlaubt eine weitgehende Vorfertigung, das verkürzt die Bauzeit erheblich und reduziert den Baulärm für die Anwohner auf ein Minimum. Schnellerer Bezug aber bedeutet für den Investor früheren Gewinn: Ökologie und Ökonomie gehen Hand in Hand. Die Mehrkosten, welche die Holzbauweise zur Folge hat, können nach Auskunft der Architekten durch die frühere Vermietung kompensiert werden. Mit 36 Metern Höhe nimmt sich das Suurstoffi-Hochhaus angesichts aktueller Projekte nachgerade bescheiden aus. 'Pi' heißt der 80 Meter hohe Wohnturm, der demnächst in Zug entstehen soll. Entworfen haben ihn Anne Kaestle und Dan Schürch, die in Zürich das Architekturbüro Duplex leiten. Sie haben sich einen Namen gemacht durch wegweisende Grundrisse und neue Wohntypologien, besonders im Rahmen der vielbeachteten Genossenschaftssiedlung 'Mehr als Wohnen' im Norden von Zürich."
Stichwörter: Holzbau, Duplex Architekten

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.10.2022 - Architektur

Ganz angetan ist Bernhard Schulz im Tagesspiegel nicht nur von den Werken von Josef Albers, die aktuell in der Ausstellung "Huldigung an das Quadrat 1950-1976" im Bottroper Josef-Albers-Museum zu sehen sind, sondern auch vom soeben fertig gestellten neuen Anbau des Hauses: "Der Entwurf des in dunklem Metall verkleideten Gebäudes stammt vom Zürcher Büro Gigon / Guyer, das mit dem Kirchner-Museum in Davos einen vielgelobten Erstling schuf. Federführend war die 63-jährige Annette Gigon. Sie hat den Neubau allerdings nicht in ein Quadrat gepresst, denn - sagt sie - 'das Rechteck ist gutmütiger als das Quadrat'. (…) Bedeckt sind die hohen, angenehm proportionierten Räume von Sheddächern, allerdings mit Rollos gegen Tageslicht abgedeckt - Albers malte bei Neonlicht, wissend, dass im Museum Kunstlicht herrscht."