Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.01.2018 - Architektur


Saif Ul Haque Sthapati baute in Alipur, Keraniganj, die Arcadia School, in der Kinder unterrichtet und Frauen fortgebildet werden. Gebrauchte Stahlfässer halten die Bambuskonstruktion in der Regenzeit über Wasser

Antje Stahl besichtigt eine Ausstellung im Schweizerischen Architekturmuseum über Baukunst in Bangladesch, wo eine junge Generation mit Rückgriff auf den Bengali Modernism und erstklassiger Hands-on-Mentalität auf Klimawandel, Landflucht und Verdichtung antwortet: "Eine Architekturbewegung gibt es in Bangladesh zwar nicht, jedenfalls nicht, wenn man Gebäude in eine Stilschublade stecken möchte. Gleichzeitig vereint die Architekten aber ein Grundbaustein jeder ernstzunehmenden Avantgarde: der politische Gestaltungswille. Anders nur als die Großväter (und viele Zeitgenossen) aus Europa sind sie keinem Innovationseifer verfallen, stellen Technologie nicht über Tradition - Glas, Stahl und Beton nicht über Bambus, Lehm und Backstein."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.01.2018 - Architektur



Verdichtet, aber vornehm: Die Luxus-Reihenvillen von Herzog & de Meuron im Schweizer Castagnola. Foto: Sequoia Consulting.

Auch die Schweiz muss verdichten, in den besten Wohnlagen am See werden schon Luxuswohnblöcke hingestellt, die Roman Hollenstein nur als Crèmeschnitten verachten kann. Gut, meint er, dass sich Herzog & de Meuron des Problems angenommen haben und mit ihren Reihenvillen den Luxus wirklich vornehm machen, indem sie sich an den "Reihenhauspalästen" von John Wood in Bath und John Nash in London orientieren: "Die dort erarbeiteten Ideen von Kreisformen und vertikalen Akzenten übernahmen Herzog & de Meuron ganz intuitiv bei ihrem vor wenigen Wochen in Castagnola vollendeten Baukomplex. Nachdem die Basler Architekten jüngst in New York mit einem 250 Meter hohen, tanzenden Wohnturm an der Leonard Street demonstriert hatten, wie 145 gestapelte Sky-Villen zum architektonischen Spektakel werden können, präsentierten sie nun im Nobelviertel von Lugano eine Art liegendes Hochhaus. Es besteht aus acht aneinandergebauten, drei- bis viergeschossigen Reihenvillen von stolzen 400 bis 1000 Quadratmetern Wohnfläche, die 12 bis 36 Millionen Franken kosten sollen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.01.2018 - Architektur

Allein Bitcoin benötigt in einem Jahr mehr Energie als ganz Dänemark, berichtet in der FAZ Niklas Maak und sieht in Serverfarmen aufgrund ihres gigantischen Energieverbrauchs sowohl ökologisch als auch architektonisch eine große Herausforderung. Mit "Citadel" in Nevada oder dem Telekom-Data-Center in Magdeburg enstehen bereits riesige "Festungsarchitekturen", geschützt vor Hackern und der Neugier fremder Staaten: "Gut möglich auch, dass eine neue Generation die menschenleeren künstlichen Landschaften im Inneren der Hallen, zu denen nur wenige Zugang haben, in denen Tausende von Geräten Milliarden von Daten bewahren und die kalt und rätselhaft leuchten, mit dem gleichen Schauder betrachtet, wie die Romantiker des frühen 19. Jahrhunderts ihre Berghöhen und Nebelmeere sahen: als fremden Teil ihrer Natur, als Orte einer neuen Ästhetik des Erhabenen. Die Serverfarm ist die blaue Grotte der Gegenwart."
Stichwörter: Serverfarm

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.01.2018 - Architektur

Nikolaus Bernau besuchte für die Berliner Zeitung mit einigen Kollegen den von David Chipperfield entworfenen, halb fertigen neuen Eingangsbau der Berliner Museumsinsel und staunt über dessen Schönheit: "Selbst Skeptiker des Projekts, die etwa die nun verstellte Westseite des Neuen Museums gern offener gelassen hätten oder die Pfeilerreihen als spirrlig kritisierten, durften aufatmen: Hier erhält Berlin ein neues Architektur-Meisterwerk. Jedenfalls, wenn man Architektur als reine Kunst der Materialien, der Konstruktion von Oberflächen und Raumgefüge ansieht." Nur leider ist das Meisterwerk viel zu klein für die erwarteten Besucherzahlen: "In diesem Eingangsbau kann man möglicherweise, wenn nicht zu viele Menschen da sind, erhaben wandeln. Doch sich einfach nur treiben lassen, herumsitzen, mit dem Rollator zuckeln, jugendlich spielen, das ist nicht vorgesehen."


Architect's Home & Studio Farmgate, Dhaka. Architect: Bashirul Haq & Associates. Foto: Iwan Baan

Über die Probleme von Bangladesh hört man vergleichsweise häufig in deutschen Medien. Über seine lebhafte Architekturszene dagegen nur wenig, erkennt Laura Weissmüller in der SZ und empfiehlt den Besuch der Ausstellung "Bengal Stream. The Vibrant Architecture Scene of Bangladesh" im Schweizerischen Architekturmuseum in Basel. "Das Land zeigt, wie eine westliche Moderne mit jahrhundertealten Bautraditionen aus Asien so verschmelzen kann, dass dabei etwas Neues, geradezu Futuristisches entsteht. ... Der Westen kennt den Urtyp der Bangladesch-Baukultur tatsächlich schon lange. 'Bengal hut' nannten die britischen Kolonialherren die Häuser aus Bambus und Lehm. Daraus ist Bungalow geworden. Es wäre wieder an der Zeit, von Bangladesch zu lernen. Diesmal nur bitte ohne koloniale Überheblichkeit." (Mehr zur Ausstellung bei Designboom)

Besprochen wird außerdem der Band "Retrospektiv Bauen in Berlin seit 1975" (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.01.2018 - Architektur

"Noch nie war das Bauen so teuer" - jedenfalls wenn man handwerkliche Qualität möchte, stellt Gerhard Matzig in der Süddeutschen fest. Zwischen Baumarkt und Kirchenfürst scheint es kein mittleres Segment mehr zu geben. Aber das könnte sich laut dem Architekten Peter Ebner ändern, so Matzig: 3-Druck macht's möglich. Ebner "sagt: 'Die Nostalgie des Bauhandwerks geht ihrem sicheren Ende entgegen, denn die Industrialisierung und Automatisation des Bauens ist nicht mehr aufzuhalten. Das ist auch gut so. Die dazu nötigen Technologien gibt es längst - in China, Japan oder den USA kommen sie immer öfter zum Einsatz. Nur Deutschland verschläft gerade diese einmalige Chance, das Bauen neu und besser zu erfinden.' ... Ebner zufolge wird das Bauen 2.0 den Entwurfsprozess befördern: 'Das Nachdenken über das Bauen, das man will, wird wichtiger als die Beschäftigung mit dem Bauen, das man kann. Gut so!'"

Besprochen wird die Brutalismus-Ausstellung im Architekturmuseum in Frankfurt (Berliner Zeitung).
Stichwörter: 3D-Drucker

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.01.2018 - Architektur

In der FAZ erzählt Ulf Meyer, wie die Architektin Jeanne Gang jetzt auch aufsehenerregende Hochhäuser in Chicago baut, das sich nun auch etwas mehr für seine Skyline einfallen lassen will als Sears- und Trump-Tower. Das Problem: Die Wohnungen darin sind so teuer, dass nur Superreiche sie sich leisten können, oft als Zweitwohnsitz. "Die kleine Anzahl von noch dazu oft absenten Besitzern bekommen damit großen Einfluss auf die Skylines: Als 'hektarweise verglaste Parkett-Flächen' hat Justin Davidson die neuen Hochhäuser der Reichen genannt. In New York formierte sich erstmals Widerstand gegen die neuen superhohen Condo-Spargel, aber Chicago meint, die Condo-Käufer als Neubürger zu brauchen, denn es ist derzeit die einzige amerikanische Großstadt, die Einwohner verliert." (Foto: Aqua Tower in Chicago / Studio Gang)
Stichwörter: Jeanne Gang

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.01.2018 - Architektur


Entwurf für das Kinderkrankenhaus Großhadern in München. Bild: Nickl und Partner.

In der SZ porträtierte Gerhard Matzig bereits am Samstag die Münchner Architektin Christine Nickl-Weller, die anstelle von Krankenhäusern lieber Gesundheitshäuser bauen möchte, in denen Menschen nicht um sechs Uhr aus den Schlaf gerissen werden, dafür aber Ruhe und Geborgenheit finden: "1984 wurde im Wissenschaftsmagazin Science eine Studie veröffentlicht, in der zwei Gruppen von Patienten mit gleichen Operationen miteinander verglichen wurden. Die eine Gruppe konnte durch das Zimmerfenster auf einen Park mit Bäumen schauen, die andere Gruppe musste die Betonmauer des Nachbargebäudes in den Blick nehmen. Ergebnis: Patienten, die auf den Park sehen konnten, benötigten deutlich weniger Schmerzmittel, litten seltener an Depressionen und konnten im Schnitt einen Tag früher nach Hause entlassen werden als die Patienten der Betonwand-Gruppe. Besser kann man das Healing-Architecture-Phänomen kaum umschreiben."

Weiteres: SZ-Autor Peter Richter sieht Berlin in einer veritablen Identitätskrise, jetzt, da der Wohnraum so knapp wird wie in München oder Frankfurt. taz-Kritikerin Katharina J. Cichosch besucht die bereits viel gerühmte Ausstellung "Frau Architekt" im Frankfurter Architekturmuseum.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.12.2017 - Architektur

Die Plaza des Rockefeller Center in New York soll umgebaut werden: edler und lichter soll sie werden, mehr auf die Schaufenster ausgerichtet. In der NZZ trauert Sarah Pines schon mal um einen geliebten, romantisch unordentlichen Platz, auf dem man noch Eislaufen kann: "Über mir dräut der fast 30 Meter hohe Baum mit pieksig aussehenden Nadeln und mehr Flimmer als Tanne daran, 50 000 LED-Lichter in Regenbogenfarben, ganz oben prangt der silbrige Riesenstern aus Swarovski-Kristallen - es ist der größte öffentliche Weihnachtsbaum der USA an New York Citys symbolträchtigstem Ort. Die Kulisse ist so elegant wie die Bühnen des Sonnenkönigs, und ich stelle mir kurz vor, statt Krumpelschal und rotkalten Händen ein 5th-Avenue-Ensemble aus Muff, Pelz und Stilettos zu tragen. ... Die Plaza, wie sie die Welt kennt, wirkt schwulstig und operettenhaft aufgeworfen, unordentlich. Genau so, wie man sie mag."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.12.2017 - Architektur


Renzo Pianos Whitney Museum im Meat packing District in New York. Foto: RPBW

Die Welt druckt ein Interview mit Renzo Piano aus La Repubblica nach, in dem der italienische Architekt über die Macht der Schönheit, die Barbarei der Selfies und die Zugänglichkeit seiner Museen spricht: "Ein Museum kann ein Gewissen anregen, es kann die Neugier wecken, die den Beginn eines bewussten Lebens bedeutet. Wir müssen deshalb den Mut aufbringen, 'hinauszublicken in die Dunkelheit', wie die große Schriftstellerin Marguerite Yourcenar es nannte. Also sind Museen die Orte, an denen für dich ein Wunder passieren kann, ein magischer Moment, so wie es für so viele von uns geschah: Eine Zeichnung, eine Skizze, ein Satz, ein Musikstück können bei einem jungen Menschen den Start in ein kreatives Leben bedeuten. Das passiert dann, wenn das Museum es schafft, uns diese Schwingungen fühlen zu lassen, indem es dich davon überzeugt, dass du nicht nur ein passiver Nutznießer bist. Das ist für die Jüngeren enorm wichtig. Meine Idee der Zugänglichkeit ist nicht nur eine Taktik, es ist auch kein politischer Slogan, sondern ich verstehe darunter einen tief gehenden Wert."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.12.2017 - Architektur


Nur außen war die Platte grau! Tschechoslowakische Musterwohnung in der Ausstellung "Paneland" in der Mährischen Galerie.

Viktoria Großmann besucht für die SZ die Mährische Galerie in Brünn, die mit der Ausstellung "Paneland" erkundet, wie die Plattenbauten das Leben der Menschen in der Tschechoslowakei veränderte. 90.000 Wohnungen wurden in den Siebziger- und Achtzigerjahren in der Tschechoslowakei pro Jahr gebaut, in der DDR waren es sogar bis zu 100.000: "Fotografien von Jaromír Čejka, Tomáš Fassati, Pavel Štecha oder Jan Jindra von Ende der Siebziger- bis Mitte der Achtzigerjahre zeigen die Baustellen als so faszinierende wie gefährliche Spielplätze für Kinder, die, unbeaufsichtigt von Erwachsenen, Freiräume erobern. Jugendliche drängen sich auf der einzigen Sitzbank einer Grünanlage zusammen, eine Frau mit Kinderwagen kämpft sich über eine schlammige Fläche. Freiheit, Vereinsamung und Langeweile, so lässt sich an den Fotografien ablesen, liegen - abhängig vom Lebensalter - in den Siedlungen eng beieinander."

Außerdem: Ulf Meyer besichtigt für die FAZ den Erweiterungsbau der Modernen Galerie in Saarbrücken.
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