Dass durch die extreme Dürre immer mehr archäologische Funde aus dem Wasser, etwa Hafenanlagen oder Brückenpfeiler, zum Vorschein kommen, klingt erstmal nicht schlecht. Warum dem nicht so ist, erklärt Lukas Werther, stellvertretender Direktor der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts, im FAZ-Gespräch mit Antonia Krinninger: "Diese Hölzer lagen teilweise tausend oder zweitausend Jahre lang im Wasser und haben sich deshalb so gut erhalten. In dem Moment, in dem sie mit Sauerstoff in Kontakt kommen, zersetzen sie sich. Das ist im Prinzip Kompostierung. Für uns ist das ein riesiges Problem. Wir sprechen hier von einzigartigen archäologischen Quellen, von denen nichts mehr übrig bleibt, wenn sie nicht mehr im feuchten Boden liegen. Wir können nicht viel dagegen tun, weil das auf so großer Fläche passiert. So schnell können wir gar nicht graben, um alles zu schützen."
Was mit dem 1972 von Heinz Hilmer und Christoph Sattler am Starnberger See gebauten Wohnhaus von Jürgen Habermas passieren wird, ist weiterhin unklar. Nun aber steht es unter Denkmalschutz. Im SZ-Gespräch mit Jörg Häntzschel erklärt Mathias Pfeil, Bayerns oberster Denkmalschützer, weshalb: "In diesem Fall war es so, dass Habermas bei der Entwicklung des Gebäudes mitgewirkt hat. Er war nicht nur einer der wichtigsten deutschen Philosophen, seine Ideen sind auch eingeflossen in den Entwurf. Der Begriff der Vernunft war wichtig in Habermas' Denken. Und Vernunftist der Schlüssel zu diesem Gebäude. Es hat Bezüge zu anderen Gebäuden, unter anderem von Le Corbusier, der ja auch so gedacht hat. Aber im Gegensatz zu den Häusern von Le Corbusier ist das Haus von Habermas bewohnbar (lacht). In dem Gebäude kann man in drei Dimensionen erleben, wie Habermas gedacht hat. Es ist im Sinn der Allgemeinheit, dass das bewahrt bleibt. Dafür ist Denkmalschutz da."
Atelier Zafari. Wohn- und Geschäftshaus. Berlin Mitte, nahe Brandenburger Tor. Fotografie: Jan Bitter Für einen Moment keimt bei Ulf Meyer (FAZ) die Hoffnung auf, dass Bauen in Berlin doch gelingen kann: Der Architekt Sohrab Zafari hat in bester Berliner Lage in der Nähe des Brandenburger Tors ein Wohn- und Geschäftshaus geschaffen, das verdichtet, elegant und bezahlbar ist, staunt Meyer: "Das von Zafari entworfene Haus ist kein plumper Etagenstapel, sondern bietet - auch um soziale Vielfalt zu fördern - zwölf Wohnungen völlig unterschiedlicher Größen, von zwei generösen Maisonettewohnungen mit Dachgarten bis zum Pied-à-terre für Singles reicht das Spektrum. Kein Grundriss wiederholt sich. Zafari hat auch die Innenräume gestaltet - mit weißen Wänden, die das Licht reflektieren. Die auf die Fassaden abgestimmten Terrazzoböden verstärken den Eindruck eines monolithischen Baukörpers, der leicht und massiv, starr und bewegt zugleich wirkt. Zafaris Ziel war es nach eigenem Bekunden, 'nicht nur eine Baulücke zu füllen, sondern auch Lücken zu lassen'."
Das von Paul R. Williams entworfene La Concha Motel in Las Vegas. Foto: By Carol M. Highsmith Susanne Kippenberger ist auf den Geschichtsseiten der Zeit dankbar, dass Paul R. Williams, Amerikas erster schwarzer Architekt, einst geehrt von Truman und Eisenhower und unter anderem für eine Villa von Frank Sinatra verantwortlich, mit gleich drei großen Ausstellungen (hier, hier und hier) in den USA der Vergessenheit enthoben wird. Immobilienmakler werben heute mit Williams, auch wenn dieser sich ebenso im sozialen Wohnungsbau einen Namen machte: "Schließlich wollte der Architekt nicht einfach Häuser bauen, wie er sagte, sondern 'homes'. Das galt selbst für Hotels und andere öffentliche Bauten einschließlich eines Bestattungsinstituts. ... In den Villen platzierte Williams Frühstückszimmer so, dass die Morgensonne hineinschien, knüpfte ein enges Band zwischen Drinnen und Draußen. Einen Williams erkennt man eher am Interieur als an der Fassadengestaltung. Zu seinen Merkmalen gehören offene, einladende Entrees, elegant geschwungene Wendeltreppen, fließende Raumfolgen, ovale Zimmer, Bogenfenster und -türen, überhaupt: Kurven, so viel es geht."
Nach Gerhard Matzig in der SZ (unser Resümee) ärgert sich heute der Architekturhistoriker Adrian von Buttlar in der FAZ über die Pläne, die Münchner Ludwigstraße vom Pariser Architekturbüro Michel Desvigne Paysagiste zur grünen Flaniermeile umgestalten zu lassen. Sie war im 19. Jahrhundert baumlos konzipiert worden, erinnert Buttlar: "Die Laudatoren sprechen von 'Fortschreibung' des rundum denkmalgeschützten 'Ensembles von Weltrang' ins 21. Jahrhundert und sogar von einem Musterfall des Umgangs mit unseren geschichtsträchtigen Altstädten. Das sollte nicht nur unter Kulturbürgern alle Alarmglocken schrillen lassen, denn das Gegenteil ist der Fall und offenbart die galoppierende Geschichtsvergessenheit und architekturhistorische Ignoranz der Verantwortlichen. Die Prämissen des Wettbewerbs zielen auf die Zerstörung der Denkmalcharakteristika dieses stadtbaukünstlerischen Gesamtkunstwerks, zu dem nicht nur die Bauwerke und ihre variantenreichen Fassaden, sondern auch die durch sie konstituierten Räume, Plätze und majestätischen Blickachsen gehören."
Weitere Artikel: Stefan Rebenich resümiert in der FAZ eine Debatte, die um die "iga*61 - Die DDR durch die Blume" im Erfurter Deutschen Gartenbaumuseum entbrannt ist. Erzählt wird dort auch die politische Dimension der iga, ein nicht namentlich genannter thüringischer Politiker kritisierte das Vorhaben und behauptete, die iga sei nie politisch gewesen.
Wie schaut die Universität der Zukunft aus? Hans Scharoun hat sie, glaubt Isabelle Dolezalek der Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy in der FAZ, schon vor über 60 Jahren entworfen. Der Architekt verantwortete damals den Flachbau der Architekturfakultät der Technischen Universität Berlin (TU) am Ernst-Reuter-Platz. Das Gebäude überzeugt bis heute unter anderem darin, wie es mit Tageslicht arbeitet. Dadurch "entsteht jene ungewöhnliche Klarheit, die Orientierung schafft und das Arbeiten in diesem Haus bis heute prägt. Eingangshalle, Freitreppe, Galerien, Bibliothek, Seminarräume und Büros gehen nahezu bruchlos ineinander über. Kaum irgendwo endet der Blick an einer Wand. Sichtachsen verbinden Geschosse, Arbeitsräume und Brücken mit Himmel und Bäumen; Innen- und Außenraum greifen ebenso selbstverständlich ineinander wie Universität und Stadt. Schon beim Betreten spürt man: Dieses Haus entlastet die Augen und ordnet die Gedanken."
Arne Schirrmacher wundert sich hingegen ebenfalls in der FAZ darüber, dass an der TU kaum jemand etwas über die Geschichte des Studentenhauses weiß. Der repräsentative NS-Bau überlebte - als einziges Gebäude der Uni - den Krieg und wurde später zu einem Studentenwohnheim umfunktioniert. "Man möchte dem Studierendenwerk dazu gratulieren, dass durch die neue Nutzung des Studentenhauses mit seinem 'Freiraum' für explorative, unabhängige und keiner Erziehungsdoktrin verpflichtete studentische Projekte ein Weg gefunden wurde, einen Ort der NS-Erziehung und Propaganda zu überschreiben. Doch bisher habe ich niemanden im Studierendenwerk getroffen, der das als bewusste Entscheidung gesehen hätte. Es ist wohl eher ein historischer Zufall vor dem Hintergrund historischen Desinteresses."
Wie sich Dänemark, die Niederlände oder New York städtebaulich für Flutkatastrophen wappnen, erklärt Klaus Englert in der taz. Die entscheidende Idee für die "sponge cities" ist, die Städte nicht vom Wasser abzuschotten, sondern die Fluten einzukalkulieren, wie es beispielsweise die dänischen Landschaftsarchitekten von SLA tun: "Beispielsweise der ehemalige Industriehafen von Køge südlich von Kopenhagen. Die am Øresund gelegene Kommune gehört zu den am stärksten von Überschwemmungen betroffenen Gebieten in Dänemark. SLA verwandelte einen 15 Hektar großen Küstenabschnitt, der bislang von der Ortschaft abgeschnitten war: durch Anpflanzung von Bäumen, Stauden und Gräsern, eine 1,4 Kilometer lange Uferpromenade, eine als Überschwemmungszone und Deich dienende Graslandschaft, schließlich durch ein Wegesystem für abfließendes Wasser sowie halb öffentliche Gemeinschaftsflächen. Tobias Theill Konishi, Projektleiter in Køge, kommentiert im taz-Gespräch: 'Wenn wir das Projekt 2030 abgeschlossen haben, ist die Stadt nicht mehr vom Meer abgetrennt, sondern wesentlich besser mit der Küste verbunden.'"
Nicola Kuhn fürchtet im Tagesspiegel, dass es für das Weltkulturerbe Bauhaus in Dessau ungemütlich werden könnte, sollte die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an die Macht kommen. HansThomas Tillschneider, der kulturpolitische Sprecher der Partei, belegt das Bauhaus jetzt schon mit den gleichen Begriffen wie die Nationalsozialisten in den 1930ern: "Hinter den Angriffen auf Bauhaus und seine Bedeutung für die internationale Architekturgeschichte steckt mehr. Tillschneiders Rhetorik verrät einen Kulturkampf: Wir gegen die globale Gesichtslosigkeit, Heimattümelei gegen das Gefühl des Ausgeliefertseins an anonyme internationale Mächte. In dieses Bild passen auch die Triumphbauten, die Trump hochziehen lässt, Herrschergesten, die vor ihm Potentaten wie Nicolae Ceaușescu oder Recep Tayyip Erdoğan bereits demonstrierten. Ihre Stadtumbauten kommunizieren wie schon bei den Nationalsozialisten eine völkische Identität, ein Zugehörigkeitsgefühl, das gleichzeitig den Ausschluss aller anderen signalisiert. In seinem Antrag vor zwei Jahren im Vorfeld des Jubiläums '100 Jahre Bauhaus' hatte Tillschneider gefordert, das Motto 'modern denken' in 'deutsch denken' umzuwandeln. Er war damit damals gescheitert. Dahinter steckt die Strategie, die Moderne pauschal zu diskreditieren und durch eine eigene Vision von Kultur zu ersetzen."
Weiteres: Für den Tagesspiegelspricht sich Nikolaus Bernau dagegen aus, die Berliner Voßstraße dort zu bebauen, wo einst Hitlers Reichskanzlei stand. Das Alte Museum soll als letztes Gebäude der Berliner Museumsinsel in den 2030er Jahren generalsaniert werden, weiß die FAZ.
Allerhand über deutsch-deutsche Geschichte lernt Beate Scheder (taz) ausgerechnet in Heilbronn, denn in der dortigen Kunsthalle Vogelmann stellt die Berliner Künstlerin Andrea Pichl unter dem Titel "deutsch deutsch" ihre Werke aus, die sich unter anderem der Frage widmen, welche Spuren Ideologien in Architekturen hinterlassen: "Pichl bearbeitet ihre Themen mit Fundstücken, Skulpturen und Zeichnungen. In die beiden Obergeschosse hat sie Nachbauten von DDR-Lauben, NS-Behelfsheimen - da schon setzt Pichl mit ihren Recherchen an - und aktuellen Baumarktgartenhäuschen gestellt. Äußerlich weisen sie Ähnlichkeiten auf, vergleichbar erscheinen sie auch darin, wie sie in standardisierter Form und ideologisch aufgeladen Vorstellungen eines privaten Glücks propagieren, nur eben in anderen Kontexten."
Bild: Fridolin freudenfett (Peter Kuley), Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.
Andreas Kilb freut sich in der FAZ, dass die Waldsiedlung Zehlendorf, Bruno Tauts letzter großer Bau in Deutschland vor dem Exil, nun endlich UNESCO-Weltkulturerbe ist. Entworfen wurde sie von Taut, Hugo Häring und Otto Salvisberg: Sie ist "geradezu die Krone eines Baustils, der in der Nachkriegszeit zur Betonklotzerei degenerierte, hier aber seinen ganzen sachlichen Zauber entfaltete. Flachdächer, vorspringende Treppenhäuser, Eckbalkone, bunte Türen, Ziegelrahmungen, lichte Räume nach Süden und Westen, karge Quadratfenster nach Norden und Osten und vor allem die farbliche Gestaltung der Fassaden sind die Grundelemente dieses Stils; in Zehlendorf treffen sie alle zusammen."
Rahel Bueb macht in der taz darauf aufmerksam, dass nicht alle Bewohner der Siedlung mit dieser Auszeichnung einverstanden sind und dass die sozialen Anliegen, die Taut mit dem Bau erreichen wollte, heute nicht mehr unbedingt zum Tragen kommen: "Einige sprechen von 'Etikettenschwindel'. Zwar schätzen sie ihr Zuhause, doch die heutige Bewirtschaftung durch den Konzern Vonovia sei rein profitorientiert und widerspreche den ursprünglichen sozialen Ideen Tauts. Es wird zudem befürchtet, dass der Welterbe-Status die Siedlung weiter als hochpreisiges Prestigeobjekt aufwertet, statt eine sozial und klimapolitisch zeitgemäße Entwicklung zu erleichtern."
Im Tagesspiegel wirft Nikolaus Bernau noch einmal einen Blick in die Geschichte der Siedlung: "Die Waldsiedlung war schon bei der Berliner Bauausstellung 1930 eines der wichtigsten Ziele der Architekturtouren. In damaligen Reiseführern wird sie als Sensation angepriesen. Gleichzeitig arbeiteten sich die konservative Architektenschaft Deutschlands und dann die völkischen NS-Architekten gerade an der bunten 'Papageiensiedlung' besonders ab, um 'die Moderne' insgesamt als angeblich lebens- und traditionsfeindlich, amerikanisch, antinational und 'volksfremd' zu diskreditieren. Wer die aktuellen Angriffe der AfD gegen 'das Bauhaus' in Dessau liest, hat den Katalog der damaligen Vorwürfe wieder in der Hand." Gerhard Matzig befindet in der SZ, man könne sich auch heutzutage gut noch ein Beispiel an dieser Art des Wohnungsbaus nehmen.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Es soll wieder eine neue IBA in Berlin geben, in, ähm, acht Jahren, berichtet Sophie Jung in der taz. Bis dahin kann man sich ja nochmal an die städtebaulichen Debatten der 1980er Jahre erinnern, die heute noch für die Stadtplanung prägend sind, meint sie und empfiehlt dafür erstens das Buch "'200 Jahre James Hobrecht. Planer des modernen Berlins', herausgegeben vom Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg. James Hobrecht sollte mit seinem Bebauungsplan von 1862, als Berlin noch 550.000 Einwohner hatte - bald dann die dreifache Zahl -, die Voraussetzung für einen massenhaften Wohnungsbau der Gründerzeit schaffen und ein homogenes Stadtbild mit einheitlicher, 22 Meter hoher Traufhöhe gleich dazu: die Mietskasernenstadt." Und zweitens, als Kontrapunkt, die Ausstellung zum Kollektivplan "Berlin plant. Stunde Null" im Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.). "Kaum mehr im öffentlichen Bewusstsein ist, wie sich direkt nach dem Krieg im Auftrag sowohl der sowjetischen Verwaltung als auch der Alliierten unter der Leitung des modernen Architekten Hans Scharoun ein siebenköpfiges Team zusammentat und das kriegszerstörte, noch vom Nazigeist besetzte Berlin komplett neu plante", als eine "von Grün durchzogene, aufgelockerte 'Stadtlandschaft' mit niedrigen, in Zeilen angeordneten Wohnbauten, die, wie es Scharoun ausdrückte, 'Nesthaftigkeit' versprachen. Die Gartenstadtbewegung des späten 19. Jahrhunderts und die funktionale Stadt, wie sie 1942 die 'Charta von Athen' des Congrès Internationaux d'Architecture Moderne (CIAM) formulierte, waren Vorbild."
Im Interview mit der FAZ erklärt der Architekt Andreas Hild, wie das Münchener Arabellahaus vor dem Abriss gerettet werden könnte: durch einen Umbau - und warum er sich generell eine Umbauordnung wünscht. "Unser gesamtes Baurecht ist im Kern auf Neubau ausgerichtet - historisch verständlich, denn nach dem Krieg musste neu gebaut werden. Aber wenn ich ein Gebäude heute grundlegend saniere, muss ich in vielen Fällen eine Bauordnung einhalten, die dreimal fortgeschrieben wurde, seit das Haus errichtet wurde. Das ist schlicht nicht realistisch. Ein genehmigter Zustand sollte nicht permanent auf den neuesten technischen und rechtlichen Stand gebracht werden müssen. Das wäre schon mal ein erster, leicht verständlicher Punkt einer Umbauordnung."