Efeu - Die Kulturrundschau
Zeitalter des Schattens
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
30.05.2026. Nach dem offenen Brief schießen die Theaterkritiker zurück: Legt eure Gehälter offen und verpflichtet euch zu transparenter und gerechter Entlohnung, ruft die Welt den Intendanten zu. Angesichts des Klimawandels überlegt die FAS, ob Licht, Luft und Sonne im Städtebau bald schattigen Landschaften weichen werden. Die taz lernt in Dresden den Plattenbau im Westen kennen. Die FAS weiß: In Ost und West machte man es sich in Richard Lamperts Känguruh-Stuhl bequem. Die FR atmet in Wiesbaden durch mit den farbenprächtigen Bildern von Wolfgang Hollegha. Und Welt und FAZ verabschieden die Toten Hosen.
9punkt - Die Debattenrundschau
vom
30.05.2026
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Kunst

Ob es sich bei dem österreichischen Maler Wolfgang Hollegha wirklich um eine "fulminante Wiederentdeckung" handelt, wie das Wiesbadener Museum Reinhard Ernst verkündet, will Lisa Berins (FR) nicht beurteilen. Dass der Künstler, der von dem amerikanischen Kunstkritiker Clemens Greenberg hochgeschätzt, vergessen wurde, lag allerdings vor allem daran, dass er sich schon früh aus der Öffentlichkeit zurück in den Wald zog, weiß Berins. Aber: "Die Natur selbst erkennt man in seinen Gemälden nicht: Mit entschiedenen Bewegungen aufgetragene, abstrakte Farbflächen in Rot, Gelb, Grün, Braun, Blau laufen ineinander über, überschneiden sich halbtransparent, verlaufen an den Rändern, fransen aus, weisen über die Grenzen des Bildes hinaus. Dazwischen: Freiraum. Luft zum Atmen. Hollegha arbeitet ähnlich wie Helen Frankenthaler, die kurz zuvor die 'soak-stain'-Technik entwickelt: Die Leinwand liegt auf dem Boden, stark verdünnte Ölfarbe wird auf den Untergrund gegossen. Doch während Frankenthaler - der das mre im vergangenen Jahr eine Ausstellung widmete - auf roher Leinwand arbeitet, grundiert Hollegha sie zuvor weiß."
Weitere Artikel: Im taz-Interview spricht der Fotograf Rainer Christian Kurzeder über seine Fotoserie, für die er queere Söhne und ihre Väter porträtierte. Auf den Bilder-und-Zeiten-Seiten der FAZ gratuliert Andreas Platthaus dem britischen Karikaturisten Gerald Scarfe zum 90. Geburtstag. Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Ein Ferngespräch" über den künstlerischen Aufbruch in der Weimarer Republik im Münchner Lenbachhaus (taz).
Bühne
Nach dem offenen Brief, der die Jury des Theatertreffens für die Aussetzung der Frauenquote kritisiert (unsere Resümees), schäumen die TheaterkritikerInnen - allen voran jene, die aktuell Teil der Jury sind, wie Christine Wahl im Tagesspiegel, oder Jakob Hayner (Welt), der ab 2027 in der Jury sitzen wird. Sollen die Unterzeichner doch offen sagen, dass sie statt einer Jury eine weitere Antidiskriminierungsstelle und Förderpreise verlangen, schreibt Hayner und ärgert sich, dass hier mal wieder nur eine "Symboldebatte" geführt und nicht über strukturelle Ungleichheit gesprochen wird: "Eine ehrliche Debatte über Ungleichheit im Theater beginnt mit dem längst Überfälligen: der Offenlegung von Gehältern und Gagen. Allen voran bitte die bereits erwähnten Intendanten. Schreiben Sie einen offenen Brief an sich selbst, die Theatertreffen-Jury ist der falsche Empfänger! Verpflichten Sie sich zu transparenter und gerechter Entlohnung! Dafür braucht es weder Quote noch offene Briefe, sondern nur Ehrlichkeit und ein Ende der üblichen Tartüffereien der Theaterblase. Bei der Gelegenheit sollte man endlich auch einmal darüber nachdenken, warum man Menschen aus der Arbeiterklasse im Kulturbetrieb mit der Lupe suchen muss."
Sehr ähnlich argumentiert Christine Wahl (Tsp), die zudem darauf hinweist, dass der "Anteil regieführender Frauen … von rund 28 Prozent in der Saison 2018/19 auf 43 Prozent in 2023/2024 gestiegen" ist man und Intendantinnen "gottlob nicht mehr mit der Lupe suchen" muss. In der SZ beschwichtigt Christine Lutz: "Wenn diese Debatte am Ende nur dafür gut ist, dass sich einige jetzt sehr kritisch selbst befragen, hat sie schon etwas bewirkt."
Weitere Artikel: In der FAS schreibt der Schauspieler Christian Berkel eine Hommage an die Dramatikerin Yasmina Reza. In der FAZ hält Jürgen Kaube Milo Rau für nicht mehr als einen "Diskursdarsteller" und dessen Idee, Peter Thiel zu den Wiener Festwochen einzuladen, für "reflexives Knallerbsentum". Besprochen werden David Hermanns Inszenierung von Salvatore Sciarrinos Oper "L'Agamennone" (NZZ) und das Stück "Israel & Mohamed" des spanischen Flamenco-Tänzers Israel Galván und des Theatermachers Mohamed El Khatib bei den Ruhrfestspielen (FAZ).
Sehr ähnlich argumentiert Christine Wahl (Tsp), die zudem darauf hinweist, dass der "Anteil regieführender Frauen … von rund 28 Prozent in der Saison 2018/19 auf 43 Prozent in 2023/2024 gestiegen" ist man und Intendantinnen "gottlob nicht mehr mit der Lupe suchen" muss. In der SZ beschwichtigt Christine Lutz: "Wenn diese Debatte am Ende nur dafür gut ist, dass sich einige jetzt sehr kritisch selbst befragen, hat sie schon etwas bewirkt."
Weitere Artikel: In der FAS schreibt der Schauspieler Christian Berkel eine Hommage an die Dramatikerin Yasmina Reza. In der FAZ hält Jürgen Kaube Milo Rau für nicht mehr als einen "Diskursdarsteller" und dessen Idee, Peter Thiel zu den Wiener Festwochen einzuladen, für "reflexives Knallerbsentum". Besprochen werden David Hermanns Inszenierung von Salvatore Sciarrinos Oper "L'Agamennone" (NZZ) und das Stück "Israel & Mohamed" des spanischen Flamenco-Tänzers Israel Galván und des Theatermachers Mohamed El Khatib bei den Ruhrfestspielen (FAZ).
Film
Michael Hanfeld hat in der FAZ viel Verständnis dafür, dass Nastassja Kinski erwirken möchte, dass ihre im Alter von 13 Jahren gedrehte Nacktszene aus Wim Wenders' "Falsche Bewegung" von 1975 nachträglich entfernt wird (mehr dazu hier). Mit dem NDR hat sich die Schauspielerin bereits geeinigt, dass der "Tatort"-Film "Reifezeugnis", in dem sie ebenfalls einen Nacktauftritt als Minderjährige hat, zumindest "bis auf weiteres" nicht mehr ausgestrahlt wird. Der Sender gibt sich diesbezüglich allerdings sehr schmallippig und will sich inhaltlich dazu auch nicht äußern. "Es ist für die Macher augenscheinlich schwierig, sich auch 50 Jahre später die Frage vorzulegen, ob die Kunstfreiheit alle Mittel heiligt und was daraus folgt, dass man es heute - eigentlich - besser weiß und nicht Kinder sexualisiert und nackt vor die Kamera zerrt. ... Ist das Anliegen der Schauspielerin Nastassja Kinski keine inhaltliche Einlassung wert?"
Wenders selbst sprach die Sache gestern bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises an und beteuerte, dass er solche Szenen heute nicht mehr drehen würde. Wenders wünscht sich eine Debatte, melden die Agenturen: "Aus Kinskis Forderung ergebe sich eine Frage, die 'euch alle' angeht, sagte Wenders an die Filmschaffenden im Publikum gerichtet: 'Wie geht man mit Filmerbe um?' Dürfe und solle man eine Szene schneiden, wenn sie einer Schauspielerin - 'die ich sehr verehrt habe und verehre' - weh tue? Er sei mit dieser Frage ziemlich allein und ratlos, fügte der Regisseur hinzu. Es sei eine moralische Frage. Wenders bat die Deutsche Filmakademie um eine Diskussion zu diesem Thema, insbesondere mit jüngeren Leuten. 'Ich möchte es nicht alleine tragen.' Angenommen, er kürze den Film, dann sei das ein Präzedenzfall, der 'euch alle' treffe. 'Dann ist es bei allen anderen Filmen später möglich.'"
Außerdem: Marie-Luise Goldmann denkt in der WamS über den aktuellen Horrorfilmboom nach - und wie dieser gesellschaftliche Ängste spiegelt. Beim Deutschen Filmpreis hat Mascha Schilinskis "In die Sonne schauen" mit zehn Lolas ordentlich abgeräumt, melden die Agenturen. Diesen "Film, logistisch aufwendig, visuell experimentierfreudig, aber mit einem Schnürsenkel-Budget ausgestattet, dürfte es in der aktuellen deutschen Förderlandschaft eigentlich gar nicht geben", freut sich Andreas Busche im Tagesspiegel. Gunda Bartels (Tsp), Sarah Hines (WamS) und Alina Renner (FAS) erinnern an Marilyn Monroe, die vor hundert Jahren geboren wurde.
Besprochen werden Pedro Pinhos "I Only Rest in the Storm" (FAZ, mehr dazu bereits hier), Kent Jones' "Late Fame" mit Willem Dafoe nach einer Novelle von Arthur Schnitzler (Standard), Alain Gomis' "Dao" (FAS), Simon Ostermanns "Sommer auf Asphalt" mit Christoph Maria Herbst (WamS) und die Netflix-Serie "Legends" (FAZ).
Wenders selbst sprach die Sache gestern bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises an und beteuerte, dass er solche Szenen heute nicht mehr drehen würde. Wenders wünscht sich eine Debatte, melden die Agenturen: "Aus Kinskis Forderung ergebe sich eine Frage, die 'euch alle' angeht, sagte Wenders an die Filmschaffenden im Publikum gerichtet: 'Wie geht man mit Filmerbe um?' Dürfe und solle man eine Szene schneiden, wenn sie einer Schauspielerin - 'die ich sehr verehrt habe und verehre' - weh tue? Er sei mit dieser Frage ziemlich allein und ratlos, fügte der Regisseur hinzu. Es sei eine moralische Frage. Wenders bat die Deutsche Filmakademie um eine Diskussion zu diesem Thema, insbesondere mit jüngeren Leuten. 'Ich möchte es nicht alleine tragen.' Angenommen, er kürze den Film, dann sei das ein Präzedenzfall, der 'euch alle' treffe. 'Dann ist es bei allen anderen Filmen später möglich.'"
Außerdem: Marie-Luise Goldmann denkt in der WamS über den aktuellen Horrorfilmboom nach - und wie dieser gesellschaftliche Ängste spiegelt. Beim Deutschen Filmpreis hat Mascha Schilinskis "In die Sonne schauen" mit zehn Lolas ordentlich abgeräumt, melden die Agenturen. Diesen "Film, logistisch aufwendig, visuell experimentierfreudig, aber mit einem Schnürsenkel-Budget ausgestattet, dürfte es in der aktuellen deutschen Förderlandschaft eigentlich gar nicht geben", freut sich Andreas Busche im Tagesspiegel. Gunda Bartels (Tsp), Sarah Hines (WamS) und Alina Renner (FAS) erinnern an Marilyn Monroe, die vor hundert Jahren geboren wurde.
Besprochen werden Pedro Pinhos "I Only Rest in the Storm" (FAZ, mehr dazu bereits hier), Kent Jones' "Late Fame" mit Willem Dafoe nach einer Novelle von Arthur Schnitzler (Standard), Alain Gomis' "Dao" (FAS), Simon Ostermanns "Sommer auf Asphalt" mit Christoph Maria Herbst (WamS) und die Netflix-Serie "Legends" (FAZ).
Design
Ernst Moeckls Z-Stuhl - auch Känguruh-Stuhl genannt - soll zurückkehren, dafür will der Stuttgarter Hersteller Richard Lampert sorgen, berichtet Florian Siebeck in der FAS. Dass der Stuhl heute als DDR-Produkt gilt, ist im übrigen eine falsche Zuordnung. Entstanden ist der Entwurf in Ulm, "Moeckl war Westdeutscher, und die Horn Collection, die den Stuhl Ende der Sechzigerjahre in Auftrag gab, saß in Baden-Württemberg. Und doch: Es gab ihn auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs. ... Dabei passte der Entwurf nicht einmal besonders gut zu jener funktional-vernunftgetriebenen Ästhetik der Ulmer Schule, aus der Moeckl kam. Dafür umso besser zum Raumfahrtzeitalter, wo Möbel entstanden, die nicht länger brav den vertrauten Gesetzen bürgerlicher Wohnlogik folgten. ... Wie viele Gestalter reizte auch Moeckl die Idee eines Freischwingers aus einem Guss. Der 'Z-Stuhl' war nicht, wie gelegentlich behauptet wird, die Ost-Kopie des berühmten 'Panton Chair'. Er war eher die deutsche Antwort darauf, vielleicht sogar eine kleine Korrektur."
Außerdem: Jana Janika Bach erzählt in der taz die Geschichte der Möbeldesignerin und Architektin Charlotte Perriand, der im Salzburger Museum der Moderne derzeit eine Retrospektive gewidmet wird.
Außerdem: Jana Janika Bach erzählt in der taz die Geschichte der Möbeldesignerin und Architektin Charlotte Perriand, der im Salzburger Museum der Moderne derzeit eine Retrospektive gewidmet wird.
Literatur

Besprochen werden unter anderem Heike Geißlers "Michaela Kohlhaas" (taz), Antonio Scuratis "M - Das Ende und der Anfang" (taz), Tobi Dahmens und Akram Al Sauds Comic "Al-Fazia' - Das Grauen" (taz), Theodor Lessings "Natur und Ethik. Kleine Schriften 1924" (taz), Ian Kumekawas "Beliebige Fracht" (taz), James Krüss' "Die Haiteks oder Was kostet die Welt" (FR), Martin Piekars "Vom Fällen eines Stammbaums" (FAS), Petra Morsbachs "Orion" (FAZ) und Robert Seethalers "Die Straße" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
In der "Frankfurter Anthologie" schreibt Stephan Opitz über H. C. Artmanns "wo land und leut in eintracht hausen":
"wo land und leut in eintracht hausen,
hält auch der tiger fried und heim,
im wald ertönt nur holdes brausen ..."
Architektur
Im Aufmacher des FAS-Feuilletons betrachtet Niklas Maak den Entwurf eines Hotelgebäudes, das das niederländische Architektenteam MVRDV an der Waterkant in Rotterdam plant: Ein felsartiges Gebäude, das von Pflanzen und ganzen Bergwäldern besiedelt werden soll. Könnte in Zeiten des Klimawandels und gestiegener Hitze so die Architektur der Zukunft aussehen, fragt sich Maak, denn "der Städtebau der Moderne ist auf derartige Hitze nicht eingestellt. ... Durch den Klimawandel gibt es deutlich mehr Hitzetote als in früheren Jahren, dazu kommt, dass immer mehr Menschen in die Städte ziehen - und die Bevölkerung dort gleichzeitig immer älter und damit für Hitze anfälliger wird. Was bedeutet das für das Bauen? Zunächst einmal, dass auf das Jahrhundert von Licht, Luft und Sonne ein Zeitalter folgt, in dem es der Architektur vor allem um Verschattung und Kühlung gehen wird: das Zeitalter des Schattens. Vielleicht werden moderne Fassaden, wie man sie kennt und heute noch baut - also relativ dünne Membranen aus Glas und Stahl zwischen Innenraum und Straße -, bald ein Ding der Vergangenheit sein und durch tiefe vertikale Landschaften abgelöst."
Joachim Göres (taz) lernt in der Ausstellung "Platte Ost/West. Wohnen und Bauen in Großtafelbauweise" im Stadtmuseum Dresden nicht nur die Gründe für den Plattenbau im Osten kennen, sondern erfährt, dass "man auch in der Bundesrepublik auf die industrielle Vorfertigung von standardisierten Modulen setzte. In München-Neuperlach entstanden so 25.000 neue Plattenbauwohnungen bis 1975 - die aber nicht als Plattenbauten wahrgenommen werden. 'In der BRD wurden die Fugen zum Teil verputzt. Außerdem gab es mehr Varianten als in der DDR. Die Kritik richtete sich im Westen gegen die mangelnde Beteiligung der Mieter an der Planung, nicht gegen die Produktionsweise', sagt Co-Kurator Jonas Malzahn."
Weitere Artikel: Für die taz besucht Andreas Fanizadeh die von dem Architekten Hans Glas entworfene Villa Rezek in Wien, deren jüdische Besitzer nur vier Jahre dort leben konnten, bis sie 1938 in die USA flüchten mussten. Besprochen wird außerdem eine Charlotte-Perriand-Ausstellung im Salzburger Museum der Moderne (taz).
Joachim Göres (taz) lernt in der Ausstellung "Platte Ost/West. Wohnen und Bauen in Großtafelbauweise" im Stadtmuseum Dresden nicht nur die Gründe für den Plattenbau im Osten kennen, sondern erfährt, dass "man auch in der Bundesrepublik auf die industrielle Vorfertigung von standardisierten Modulen setzte. In München-Neuperlach entstanden so 25.000 neue Plattenbauwohnungen bis 1975 - die aber nicht als Plattenbauten wahrgenommen werden. 'In der BRD wurden die Fugen zum Teil verputzt. Außerdem gab es mehr Varianten als in der DDR. Die Kritik richtete sich im Westen gegen die mangelnde Beteiligung der Mieter an der Planung, nicht gegen die Produktionsweise', sagt Co-Kurator Jonas Malzahn."
Weitere Artikel: Für die taz besucht Andreas Fanizadeh die von dem Architekten Hans Glas entworfene Villa Rezek in Wien, deren jüdische Besitzer nur vier Jahre dort leben konnten, bis sie 1938 in die USA flüchten mussten. Besprochen wird außerdem eine Charlotte-Perriand-Ausstellung im Salzburger Museum der Moderne (taz).
Musik
Unter viel öffentlichkeitswirksamem Tamtam bringen die Toten Hosen ihr angeblich letztes Studioalbum "Trink aus, wir müssen gehen" auf den Markt. Die Alben der Hosen bilden längst den Soundtrack der Bundesrepublik der letzten knapp 45 Jahre, schreibt Dennis Sand in der Welt. Und "auch dieses Album erzählt etwas über Deutschland. Es lebt noch immer vom Sound der großen Tage, von Erinnerungen, die zuverlässig wärmen, und Melodien, die längst zum Inventar der Republik gehören. Doch wie das Land selbst wirkt die Band inzwischen weniger auf der Suche nach dem Neuen als mit der Verwaltung des Bekannten beschäftigt. Und vielleicht liegt genau darin das eigentliche Problem. Nicht, dass dieses Album schlecht wäre. Nein, dass ausgerechnet eine Band, die einst von Aufbruch, Risiko und Kontrollverlust lebte, ihren Abschied mit einem Werk gestaltet, das vor allem nach Verlässlichkeit klingt. Die Toten Hosen verabschieden sich so, wie sie zuletzt waren, als ein fester Bestandteil des deutschen Kulturbetriebs. Souverän. Routiniert. Mit allen vertrauten Gesten."
Nikolai Ott kann der Platte in der FAZ mehr abgewinnen: "Viele Songs sind dem Rechtsruck der Gesellschaft gewidmet. Der Muff, gegen den die 'Opel-Gang' einst anschrieb, ist zurückgekehrt. In all dem wird klar, wie sehr sich die Toten Hosen mit der neuen Bundesrepublik arrangiert hatten. Der lange Marsch durch die musikalischen Institutionen hatte nicht nur viele Alben abgeworfen, sondern seinen Teil zur Liberalisierung der Bundesrepublik beigetragen. Jetzt werden nicht nur die Knie schwer, sondern einst erkämpfte Errungenschaften stehen wieder zur Disposition. Dass nicht nur für die Fans, sondern auch für die Band selbst ein melancholischer Schleier über allem schwebt, macht das neue Album deswegen so besonders."
Ärzte-Fans müssen übrigens eine Kröte schlucken: Das erste Lied auf dem Album wurde von Ärzte-Sänger Farin Urlaub getextet, komponiert und gesungen.
Außerdem: Lena Kampf, Ralf Wiegand und Lea Weinmann berichten in der SZ von weiteren Frauen, mit denen Konstantin Wecker Affären gehabt haben soll, obwohl diese erst 17 Jahre alt waren. "Wie Magie erscheint", dass in Berlin tatsächlich und dann auch noch im Stadtzentrum neue Technoclubs - wie etwa das AMT in den Kellern unter den S-Bahnbögen beim Alexanderplatz - gegründet werden, schreibt Ruth Lang Fuentes in der taz. Joachim Göres liefert in der taz einen Überblick über die Jazzfestivals des Sommers. Robert Mießner stellt ebenfalls in der taz Festivals für "abenteuerliche Musik" vor.
Besprochen werden die Arte-Doku "Brian Jones und die Rolling Stones" (FD), das neue Album von Death Cab for Cutie (FAS) und Aldous Hardings Album "Train On The Island" (FR).
Nikolai Ott kann der Platte in der FAZ mehr abgewinnen: "Viele Songs sind dem Rechtsruck der Gesellschaft gewidmet. Der Muff, gegen den die 'Opel-Gang' einst anschrieb, ist zurückgekehrt. In all dem wird klar, wie sehr sich die Toten Hosen mit der neuen Bundesrepublik arrangiert hatten. Der lange Marsch durch die musikalischen Institutionen hatte nicht nur viele Alben abgeworfen, sondern seinen Teil zur Liberalisierung der Bundesrepublik beigetragen. Jetzt werden nicht nur die Knie schwer, sondern einst erkämpfte Errungenschaften stehen wieder zur Disposition. Dass nicht nur für die Fans, sondern auch für die Band selbst ein melancholischer Schleier über allem schwebt, macht das neue Album deswegen so besonders."
Ärzte-Fans müssen übrigens eine Kröte schlucken: Das erste Lied auf dem Album wurde von Ärzte-Sänger Farin Urlaub getextet, komponiert und gesungen.
Außerdem: Lena Kampf, Ralf Wiegand und Lea Weinmann berichten in der SZ von weiteren Frauen, mit denen Konstantin Wecker Affären gehabt haben soll, obwohl diese erst 17 Jahre alt waren. "Wie Magie erscheint", dass in Berlin tatsächlich und dann auch noch im Stadtzentrum neue Technoclubs - wie etwa das AMT in den Kellern unter den S-Bahnbögen beim Alexanderplatz - gegründet werden, schreibt Ruth Lang Fuentes in der taz. Joachim Göres liefert in der taz einen Überblick über die Jazzfestivals des Sommers. Robert Mießner stellt ebenfalls in der taz Festivals für "abenteuerliche Musik" vor.
Besprochen werden die Arte-Doku "Brian Jones und die Rolling Stones" (FD), das neue Album von Death Cab for Cutie (FAS) und Aldous Hardings Album "Train On The Island" (FR).
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