Peggy Mädler

Selbstregulierung des Herzens

Roman
Cover: Selbstregulierung des Herzens
Galiani Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783869713359
Gebunden, 304 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Selbstregulierung des Herzens entfaltet ein vielfältiges Panorama des Lebens in der DDR und im frisch wiedervereinigten Deutschland. Im Zentrum stehen Georg, der anfangs noch hofft seinen Staat mithilfe von ersten Computern und Kybernetik vorwärtszubringen, und die Künstlerin Mona. Um sie herum entwickelt sich ein reiches Ensemble an Figuren: der illusionslose Intellektuelle Roland, der in den Westen flieht; Marlies, die versucht,das System von innen zu reformieren, sowie die Künstlerfreunde Monas. Alle treffen sich in einem Dorf in der Nähe von Wandlitz, wo bald seltsame geheime Bautätigkeiten beginnen. Mit stiller Wucht schreibt Peggy Mädler über das Flirren zwischen Halt und Auflösung - über Nähe und Entfremdung, Anpassung und Resilienz.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.03.2026

Wenn die Schriftstellerin Peggy Mädler in ihrem neuen Roman eine ostdeutsche Dorfgeschichte der achtziger Jahre entwirft, dann zeichnet sie kein Skandalbild, so viel steht für Rezensentin Insa Wilke fest. Aber sie schaffe auch kein nostalgisches oder verharmlosendes DDR-Idyll. Vielmehr erzähle Mädler ganz aus der Innenperspektive ihrer beiden Hauptfiguren, dem Programmierer Georg und der Malerin Mona, die beide den Ansprüchen des Lebens in Ost-Berlin in einem Brandenburger Dorf zu entkommen versuchen. Der Rezensentin gefällt, wie ruhig Mädler erzählt, wie selbstverständlich sich die Menschen in ihrem Leben und im System einrichten. Der Idylle entgegen wirkt die Kybernetik, betont Wilke, aber auch der Blick von außen, dem sich 1989 eine misstrauische, verschlossene und verhärtete Gesellschaft zeigte.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 06.03.2026

Ein DDR-Roman ist Peggy Mädlers "Selbstregulierung des Herzens", aber keiner der lauten Art, kein Debattenroman, der mit den großen Diskursen liebäugelt, erklärt Rezensent Helmut Böttiger. Mädler schreibt sich nah an ihre Figuren heran, ihre Stimmungen, ihre "Sprach- und Denkformen" und macht so das Leben in der DDR nachvollziehbar - nicht durch oktryoierte Erklärungen, nicht durch Psychologisierung oder Romantisierung, sondern von innen heraus, so Böttiger. Einfühlsam und versiert, auf zurückhaltende, konzentrierte Weise erzählt Mädler von den Wirtschaftsstudenten Georg und Roland etwa, die sich von der Aufbruchsstimmung der 60er Jahre anstecken lassen, vom Fritzsch, der sich aus alten Holztüren ein Bungalow zimmert oder von Mona, Konrad, Rita und Volker, deren Kommune langsam in die Brüche geht. Anhand dieser sehr realistischen Geschichten macht die Autorin die "Selbstregulierung des Herzens" sichtbar - das Zurechtkommen in der Mangelwirtschaft - und erklärt somit auch das Scheitern dieses Systems aus dem Alltag der Menschen, so der bewundernde Rezensent.

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