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27.12.2025. Die Welt ärgert sich über die deutschen Behörden, die den Asylantrag des iranischen Regisseurs Jafar Najafi abgelehnt haben, obwohl der in der Heimat ins Visier der Revolutionsgarden geraten ist. Eskapismus gibt es in der ukrainischen Kunstszene nicht mehr, erklärt die Kuratorin Alona Karavai im taz-Gespräch. Welt und SZ bekommen in einer Bonner Ausstellung gezeigt, dass die Arbeitswelt von 1890 bis 1940 der heutigen gar nicht so unähnlich war. Die taz porträtiert außerdem die ukrainische Lyrikerin Yaryna Chornohuz, die in ihrem Heimatland an der Front kämpfte.
Hanns-Georg Rodek ärgert sich in der Welt über die Betonköpfe beim Bundesamt für Migration, die den Asylantrag des iranischen Regisseurs JafarNajafi abgelehnt haben: Während er sich wegen eines Filmfestivals in Deutschland aufhielt, wurde in seiner Heimat seine Wohnung durchsucht und Filmmaterial beschlagnahmt. "In sozialen Netzwerken erhielt Najafi daraufhin Drohungen, er ist offenbar ins Visier der Revolutionsgarden geraten", doch was Najafi in den Augen des Bundesamtes fehlte, "waren handfeste Beweise für seine Gefährdung, wie ein Haftbefehl oder eine Verurteilung. Doch die gibt es selten. Die Unterdrücker vom Regime gehen subtiler vor, wenn die fragliche Person eine gewisse internationale Bekanntheit besitzt, mit Drohungen im Netz, Passentzug, Durchsuchungen, Vorladungen, Verleumdung. ... Von den Großen des iranischen Kinos lebt und arbeitet kaum mehr einer in der Heimat."
Dazu passend läuft ab dem 8. Januar JafarPanahis aktueller, erneut unter klandestinen Bedingungen gedrehter Film "Ein einfacher Unfall" in den deutschen Kinos an. Der Film handelt von einem ehemaligen Insassen eines iranischen Foltergefängnisses, der wieder in Freiheit seinen früheren Peiniger zu erkennen glaubt. "Politische Gefangene entwickeln während der Haft starke innere Bilder", sagt der Regisseur im taz-Gespräch mit Thomas Abeltshauser. "Oft sind ihnen die Augen verbunden, sie sehen ihre Verhörer nicht. Die Vorstellungskraft arbeitet ununterbrochen: Wie sieht dieser Mensch aus? Würde ich ihn draußen erkennen? Kenne ich ihn vielleicht? Diese Fragen begleiten fast alle politischen Gefangenen. Als ich 2022/23 im Gefängnis war, wurden meine Ohren extrem empfindlich. Ich konnte Menschen allein an ihrer Stimme erkennen."
Georg Seeßlen denkt in einem epischen und schön mäandernden Jungle-World-Essay über Schönheit im Film (aber auch: über schöne Filme) nach. Die findet man zwar nicht nur, aber eben auch dort, wo das geschmackssichere juste milieu sonst eher nicht hinsieht, etwa im Heimatfilm, wo die Alpen noch vor ihrer touristischen Erschließung zu sehen sind. "Filme sind in gewisser Weise Container von Partialschönheiten, erfüllt mit der bereits anerkannten Schönheit von Landschaft, Menschen, Architektur, Objekten, Farben und Formen, für die man sogar Hässliches und Dummes drumherum in Kauf nimmt; jedenfalls wenn man kein cineastischer Puritaner ist. ... Die Schönheit im Film ist Verwandlung einer primären Schönheit in eine sekundäre, und wie mit dem Schönheitsvorrat der Künste geschieht das auch mit der Schönheit menschlicher Erscheinungen, Körper, Gesten, Physiognomien und Selbstinszenierungen. DavidBowie zum Beispiel war im Film so schön, weil er es verstand, seine Bühnen-Persona cineastisch zu transformieren, ohne sie vollständig vergessen zu lassen."
Die meisten denken hier wahrscheinlich an Bowies "Mann, der vom Himmel fiel", wer in den Achtzigern Kind war, erinnert sich eher an Bowie als sardonisch-verführerischer Koboldkönig im Fantasyklassiker "Labyrinth":
Bestellen Sie bei eichendorff21!Weitere Artikel: Kamil Moll spricht für den Filmdienst mit HafsiaHerzi über deren (im Perlentaucher von Robert Wagner besprochene) Verfilmung von FatimaDaas' "Die jüngste Tochter" (mehr zum Film bereits hier). Marian Wilhelm plaudert für den Standard mit MadsMikkelsen, der aktuell in dänischen Komödie "Therapie für Wikinger" im Kino zu sehen ist (Besprechungen des Films bringen Welt und FAZ). Judith von Sternburg schreibt in der FR einen Nachruf auf den TV-Schauspieler Uwe Kockisch. Rainer Moritz (NZZ) erinnert an HildegardKnef, die morgen vor hundert Jahren geboren wurde. Dlf Kulturspendiert aus diesem Anlass eine "Lange Nacht" über die Knef von Sylvia Roth. Bereits heute hundert Jahre alt würde MichelPiccoli, an den Ralph Eue in der NZZerinnert. Arno Widmann rekonstruiert in der FR die Umstände, als "Der Kommissar" 1969 in die Flimmerstuben der Bundesrepublik trat (hier alle Folgen des Fernsehklassikers in einer Youtube-Playlist vom ZDF).
Besprochen werden TomGormicans Trashfilm-Remake "Anaconda" mit JackBlack und PaulRudd (Perlentaucher, Standard, Welt), Philipp Stölzls "Der Medicus II" (Welt), die Mehrteiler "Ku'damm 77", der für heute in der ZDF-Mediathek erwartet wird (Tsp) und CraigBrewers "Song Sung Blue" (NZZ).
"Die Stärke der Ausstellung liegt vor allem in den Parallelen, die sie zur Gegenwart zieht", stellt Alexander Menden für die SZ fest: "So ist die gegenwärtige Debatte über die richtige 'Work-Life-Balance' ja überhaupt nur möglich, weil während der Industrialisierung erstmals kategorisch zwischen Arbeit und Freizeit unterschieden wurde. Ob ein Arbeiter, der mit Mörtelkelle und Hammer arbeitete, zur Freizeitgestaltung dann zum Tennisschläger griff, wie es Arthur Segals modernes Stillleben 'Spiel und Arbeit' (1931) suggeriert, darf allerdings bezweifelt werden."
Im taz-Gespräch befragt Fabian Bechtle die ukrainische Kuratorin Alona Karavai: Was wird aus einer Kunstszene, deren Land sich im ständigen Ausnahmezustand befindet? Bietet sie auch noch eine Möglichkeit zur Ablenkung? "Eskapismus gibt es kaum. Das vermissen einige Leute - und ich vermisse das auch. Es gibt ziemlich wenige Künstlerinnen und Künstler, die sagen: Okay, wir gehen jetzt in die abstrakte Form. Die jetzige Kunst in der Ukraine ist sehr realitätsnah. Man ist fast darin gefangen, kann über nichts anderes sprechen. Da spielt auch so etwas wie Selbstzensur eine Rolle, denn es gibt diese große Sache, die Katastrophe, die alles andere ausblendet. Dann sind die kleinen privaten Katastrophen unwichtig. Obwohl auch sie Räume eröffnen, in denen man über etwas anderes nachdenken kann, über die Zukunft, über Visionen. Diese Räume sind notwendig. Wir brauchen ebenso eine Kunst dafür, Kunst muss auch verschieden sein können."
Weiteres: Der Literaturwissenschaftler Thomas Combrink erinnert auf den "Bilder und Zeiten" - Seiten der FAZ an die Malerei des Filmemachers und Schriftstellers Herbert Achternbusch. Im Tagesspiegelschreibt Christiane Meixner den Nachruf auf die Berliner Bildhauerin Gisela von Bruchhausen, die im Alter von 85 Jahren gestorben ist. Besprochen wird die Ausstellung "Willem de Rooij. Valkenburg." im Centraal Museum Utrecht (FAZ).
Auf den Spuren Joseph Roths begleitet Jakob Hayner für die Welt den Regisseur Jan-Christoph Gockel und eine Schauspieler-Truppe vom Wiener Volkstheater und vom Nationaltheater Lwiw, früher Lemberg. In einer Kooperation haben die beiden Theater das Stück "Ukrainomania" geschaffen, das erst in Wien und dann in Lwiw gezeigt werden wird, erklärt Hayner. Es ist "eine wechselseitige Befragung zwischen Wien und Lwiw, mit dem in Identitätsfragen notorisch unzuverlässigen Roth als Vehikel. Der schrieb in den 1920ern als Feuilletonist und Reisereporter über die 'Ukrainomanie', die exotistische Begeisterung für den ukrainischen Nationalismus in Metropolen wie Wien und Berlin. Roth hingegen fürchtete eine Bedrohung für das utopische Vielvölkergemisch Galiziens. Seinen seismografischen Sinn für kommende Katastrophen bringen Gockel und Philipp als Revue auf die Bühne. Für sie ist Roth kein Nostalgiker, sondern ein hochaktueller Experte für Zusammenbruchsszenarien."
Jens Uthoff porträtiert für die taz die in ihrer ukrainischen Heimat populäre Lyrikerin YarynaChornohuz, die als Soldatin in zahlreiche Gefechte an der Front verwickelt war und nun als Drohnenpilotin arbeitet. In ihrem Fronturlaub war sie nun für ein paar Tage in Frankfurt, für eine Veranstaltung, an der auch weitere ukrainische Literaten teilnahmen. Ihre "Gedichte erzählen von der Barbarei an der Front, der Ton ist dabei nüchtern, reduziert, tagebuchartig. ... Sie braucht die Lyrik, um zu überleben, sagt sie. ... 'Die Kunst hilft mir, meine Menschlichkeit zu bewahren. ... Ich bin von Heideggers Existenzphilosophie geprägt.' Der Begriff des 'Daseins" habe sie inspiriert, er hat ihrem jüngsten Gedichtband den Namen gegeben. 'Die Idee, jede Minute der Präsenz auf und in der Welt stark spüren zu wollen, leuchtet mir ein; gerade jetzt, wo ich Dienst an der Front leiste', sagt sie. Die Worte Leben und Tod haben für sie eine Bedeutungsverschiebung erfahren. 'Das Konzept des Todes hat sich für mich vollständig verändert. Ich weiß, dass er in jedem Augenblick kommen kann.'" Eine deutsche Übersetzung von Chornohuz' Gedichten ist für Ende Januar angekündigt und bereits vorbestellbar.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Weiteres: Cornelia Geißler geht für die FR mit KaterinaPoladjan in Berlin spazieren, um mit der Schriftstellerin über deren Roman "Goldstrand" zu reden. Julian Weber spricht für die taz mit dem britischen SF- und Fantasy-Autor MichaelMoorcock, dessen Opus Magnum "Mutter London" nun erstmals auf Deutsch vorliegt. Dass der Papst bei seiner Weihnachtsansprache in seiner Forderung nach Weltfrieden den LyrikerJehudaAmichai und damit "einen der Begründer der modernen hebräisch-israelischen Dichtung, zitiert hat, dürfte eine "Premiere" sein, meint Gustav Seibt in der SZ. Die Zeit hat Christoph Schröders Gespräch mit RicardaMessner über deren Debütroman "Wo der Name wohnt" online nachgereicht. Sara Peschke spricht für die SZ mit HollyBrickley über deren Debütroman "Deep Cuts". Der Unbill der Gegenwart müsste man nur mit genügend Liebe entgegentreten, ist der SchriftstellerDanielSchreiber im taz-Gespräch mit Nina Apin überzeugt. Timo Posselt erzählt auf Zeit Online von seiner Begegnung mit dem SchriftstellerSeánHewitt. Der Verleger Mark Lehmstedt trauert im "Literarischen Leben" der FAZ um das Grafische Viertel in Leipzig, das mit dem Ende der letzten verbliebenen Buchdruckerei nun endgültig Geschichte ist. Timo Lindeman blickt für die Jungle World auf OscarWildes Idee von Schönheit. In "Bilder und Zeiten" der FAZ findet sich ein großer Essay von Andreas Platthaus über AnthonyPowell und wie dieser einst Goethe zitierte.
Besprochen werden unter anderem MaxBaitingers "Hallimasch" (FR), MarcDegens' Schlüsselroman "Verführung der Unschuldigen" über den Plagiatsskandal um HeleneHegemanns Roman "Axolotl Roadkill" (FAZ) und AndrásViskys "Die Aussiedlung" (SZ).
In der nun offenbar leider standardmäßig verpaywallten Frankfurter Anthologie schreibt Jan Brachmann über HildegardKnefs "Jene irritierte Auster":
Deutschrap hat sich zu Tode gesiegt, ist Jens Ulrich Eckhard im Welt-Kommentar überzeugt. Zwar dominiert das Genre Listen wie etwa die meistgestreamten Acts in Deutschland. "Doch akustisch betrachtet handelt es sich bei den Chartstürmern um einen weitestgehend gleich klingenden Mischmasch aus Trap-Beats, Autotune-Hooks und dahingenuschelten Texten. Deutschrap ist zur generischen Leierkastenmusik der Gen Z verkommen. Vom Kreativitätsschub, der das Genre in den gut zehn Jahren von etwa 2005 bis 2015 durchfuhr, keine Spur mehr. ... Dagegen wirkt die Szene heute wie ein stickiger Klassenraum, in dem ein paar Kids apathisch auf ihren Geräten herumwischen."
Außerdem: Die Agenturen melden dass PerryBamonte, der Gitarrist und Keyboarder von TheCure, gestorben ist. Der Tages-Anzeigerverkündet die besten Popsongs des Jahres.
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