Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
07.01.2026. Béla Tarr ist tot. Die FR trauert um einen Meister des Slow Cinema, dessen Filme an Liturgien erinnerten. Die FAZ bewundert Tarrs maximale Erstreckung der Vorstellungskraft. Außerdem begegnet sie in einer Ausstellung im Engadin der aufregenden Avantgardistin Edita Schubert. Die Welt lauscht in Neapel einer lyrisch mäandernden Morricone-Oper. Die taz stellt den Berliner Rapper Baran Kok vor, der sich der Homophobie im Deutschrap widersetzt.
06.01.2026. Die taz freut sich im MK Hamburg in der Ausstellung "Früher hießen wir Gastarbeiter" über die selbstbewussten Selbstporträts der griechischen Künsterlin Asimina Paradissa. Das Museum für bildende Künste in Leipzig zeigt in einer Installation der israelischen Künstlerin Shlomit Lehavi die Biografien wichtiger jüdischer Mäzene - endlich, seufzt die FAZ. Der Filmdienst blickt voraus auf das Kinojahr 2026. Die NZZ entdeckt mit Aufnahmen der Werke Frank Martins einen "der am meisten unterschätzten Komponisten" wieder.
05.01.2026. Im Interview mit Regisseurin Alison Kuhn lernt die taz die wütenden Frauen kennen, die in ihrem Debütfilm "Holy Meat" schon mal ein Schwein köpfen, um Machtstrukturen zu durchbrechen. Die FAS ärgert sich über die Versuche der italienischen Neuen Rechten, Pasolini als Ikone den Linken wegzunehmen. Dem Klassikbetrieb kreidet Backstage Classical eine zunehmend unreflektierte Eventkultur an. Wie Kunst das Exil solidarisch aufgreift, zeigt der FAZ eine Ausstellung von Nairy Bagharamian in Brüssel. Die Oper hat in Südkorea eine rosige Zukunft vor sich, freut sich ebenfalls die FAZ.
03.01.2026. Dass gerade kapitalismuskritische Kunst von Kapitalisten geliebt wird, ist ein Dilemma für die Künstler, erkennt die FAS. Die SZ geht vor der Cellistin Raphaela Gromes in die Knie. Der Standard besucht ein besonders schönes Exemplar der Wiener Moderne: die Villa Rezek. In der FAZ fragt sich der Literaturwissenschaftler Markus Steinmayr, warum Tolkiens "Herr der Ringe" plötzlich von den Rechten geliebt wird.
02.01.2026. Jafar Panahi darf offiziell im Iran zwar wieder Filme drehen, aber behindert werden die Dreharbeiten durch das Regime dennoch, erzählt er der FAS. Die Welt befürchtet, dass durch den "Bauturbo" Fehler des Wiederaufbaus wiederholt werden. Wenn es ein kompletter KI-Act an die Spitze der R&B-Charts schafft, ist die Musikererwartung inzwischen offenbar recht simpel, stellt die taz fest. Die FAZ lässt sich in Bonn von dem Künstler Gregory Crewdson den ganzen Horror des American Way of Living vor Augen führen. Außerdem vermisst sie die göttlichen und virilen Diven in der Oper. Und der Perlentaucher wünscht all seinen Lesern ein frohes neues Jahr!
31.12.2025. Die Zeit erfreut sich in einer Hamburger Ausstellung an sakraler wie profaner Katzen-Kunst. Die taz fröstelt es in François Ozons Camus-Adaption "Der Fremde". Der Tagesspiegel erinnert an den Stadtplaner James Hobrecht, ohne den Berlin nicht aussehen würde, wie es aussieht. Warum interessiert sich niemand mehr für Jean Paul, fragt Franzobel in der Welt. Die SZ freut sich über eine 84 CDs umfassende Box mit Aufnahmen von Friedrich Gulda.
30.12.2025. Die FAZ ist ganz begeistert von der Vorstellung eines Berliner "House of Jazz", das sich nun bald realisieren könnte. Ebendort sorgt sich der Komponist Samuel Penderbayne um den Zustand der Neuen und zeitgenössischen Musik. Mit fast hundert Jahren Verspätung kommt Julia Kerrs verrückte Zeitreise-Oper "Der Chronoplan" bald auf die Bühne, jubelt die Zeit. Die taz bewundert, wie das Mädchen Doris aus Irmgard Keuns Roman "Das kunstseidene Mädchen" beim Figurentheater in Bremen zwischen existenzieller Trauer und Kessheit schillert.
29.12.2025. Brigitte Bardot ist tot: Die Kritiker erinnern an eine Schauspielerin, die sich zwischen emanzipierter Weiblichkeit und männlichem Blick bewegt hat, politisch aber ziemlich weit rechts stand. Mit Claire M Singer und ihrem neuen Album unternimmt die taz anregende Spaziergänge durch Schottland. Die FR lauscht in Peter Ronnefelds Oper in Bonn einer Ameise beim Gesangsunterricht. In Russland wird es immer schwieriger, die stalinistischen Verbrechen auch künstlerisch aufzuarbeiten, stellt die FAZ fest.
27.12.2025. Die Welt ärgert sich über die deutschen Behörden, die den Asylantrag des iranischen Regisseurs Jafar Najafi abgelehnt haben, obwohl der in der Heimat ins Visier der Revolutionsgarden geraten ist. Eskapismus gibt es in der ukrainischen Kunstszene nicht mehr, erklärt die Kuratorin Alona Karavai im taz-Gespräch. Welt und SZ bekommen in einer Bonner Ausstellung gezeigt, dass die Arbeitswelt von 1890 bis 1940 der heutigen gar nicht so unähnlich war. Die taz porträtiert außerdem die ukrainische Lyrikerin Yaryna Chornohuz, die in ihrem Heimatland an der Front kämpfte.
24.12.2025. Der französische Theaterimpressario Joël Pommerat verzaubert die FAZ in Paris mit einer Symphonie des Grauens. critic.de begeistert sich für die Freiräume in Hafsia Herzis Banlieu-Film "Die jüngste Tochter". Warum ist der Kunst nur die Erzählung abhanden gekommen, wundert sich die Welt. Die SZ spaziert in Weil am Rhein beeindruckt durch das von Stararchitekt Balkrishna Doshi entworfene Doshi Retreat. Die Ukraine hat ihre Kulturszene viel zu wenig gefördert, meint die ukrainische Künstlerin Kateryna Lysovenko in der Presse. Wir wünschen allen Lesern ein frohes Weihnachtsfest!