Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
23.12.2025. Die Art Basel eröffnet einen weiteren Ableger in Katar - aber bitte keine nackten Frauen zeigen! Der Direktor der Messe hat damit in der NZZ kein Problem. Wie man der Zensur entgeht, lernt die FR in einer Hans-Ticha-Retrospektive in Rostock. Der Tagesspiegel freut sich, dass Guido Masanetz' Klassenkampfstück "In Frisco ist der Teufel los" erstmals auch im Westen zu sehen ist. Die FAZ fragt sich, ob nicht auch Verlage und Buchhandlungen längst die Nase über die Literaturkritik rümpfen. Und alle trauern um Chris Rea.
22.12.2025. Sergei Loznitsas Film "Zwei Staatsanwälte" wirft die überzeugte taz zurück in den stalinistischen Terror. Wer genau bei der ARD hat eigentlich diese schwachsinnige Mozart-Serie durchgewunken, fragt der Mozartforscher Ulrich Konrad in der FAZ. Claudia Bossards Inszenierung von Schillers "Räubern" am Deutschen Theater finden die Kritiker ziemlich cringe. Für eine Lesung mit Joachim Lottmann in Berlin lässt die SZ alles stehen und liegen. Und alle trauern um den österreichischen Künstler Arnulf Rainer.
20.12.2025. Die Theaterkritiker fegt es von den Sitzen: Gleich zwei Mal großes Schauspielertheater in Wien - als Ensemble-Gesamtglanzleistung in Simon Stones Ibsen-Projekt "Das Ferienhaus" am Burgtheater und Lore Stefaneks Monolog als Goebbels-Sekretärin Brunhilde Pomsel am Theater in der Josefstadt. Die FAZ bewundert im Münchner Museum Fünf Kontinente die Schnitzkunst der Maori. Die taz ist fassungslos, dass der Asylantrag des im Iran bedrohten Regisseurs Jafar Najafi abgelehnt wurde. Die SZ begeistert sich für Fotzenrap.
19.12.2025. Die FAZ entflieht im Berliner Brücke-Museum mit berückenden Seestücken von Karl Schmidt-Rotluff für einen Moment den Katastrophen der Welt. Anfang des Jahrtausends kam das aufregendste Kino der Welt aus Asien, erinnert sich die FR. Und alle trauern um den niederländischen Choreografen Hans van Manen, den "Mondrian des Tanzes".
18.12.2025. Die Kritiker sind untröstlich über den überraschenden Tod des Filmemachers Rosa von Praunheim, der die Schwulenbewegung in die Mitte der Gesellschaft trug: So einen wie ihn gibt es nur einmal, seufzt die FAZ. Wolfram Weimers "Investitionsbooster" für den deutschen Film ist eine Farce, errechnet die Welt. Monopol lauscht in einer New Yorker Ausstellung der Stille in den Selbstporträts der finnischen Malerin Helene Schjerfbeck. Zeit Online hört sich angeekelt den Antisemitismus im Deutschland-Song von Rapper Kollegah an, der vor allem Rechte begeistert.
17.12.2025. Allseitige Begeisterung über die von Christian Thielemann dirigierte Jubiläumsaufführung von Alban Bergs "Wozzeck" in Berlin - van ist insbesondere von der Besetzung beglückt. Herta Müller taucht in der Zeit tief in András Viskys Arbeitslagerroman "Die Aussiedlung" ein. Der Tagesspiegel ärgert sich darüber, wie durch Xavier Naidoos Comeback Antisemitismus normalisiert wird. Wenig Freude hatten die Filmkritiker an James Camerons Blockbuster "Avatar 3": Während die Welt Indigenenkitsch diagnostiziert, hofft die gleichfalls enttäuschte FAZ, dass der Film mit seinem Erfolg das Kino rettet.
16.12.2025. Die Filmkritiker sind entsetzt über den Mord an Regisseur Rob Reiner und seiner Frau. Die FAZ lässt sich von der singenden Ameisenkönigin aus Peter Ronnefelds grotesker Oper "Die Ameise" betören, die in Bonn zu sehen war. Die SZ gibt mit den Fadenkunstwerken der japanischen Künstlerin Kazuko Miyamoto bereitwillig eindeutige Perspektiven auf. Zeit Online fragt, warum unter Popstars in letzter Zeit der Nonnen-Look so beliebt ist.
15.12.2025. Die Nachtkritik berichtet vom israelischen Theaterfestival "Isradrama" - und über den Boykott israelischer Künstler in Europa. Jens Balzer beobachtet in Zeit online mit Sorge die Verschmelzung von Fiktion, KI und Fanfiction bei Disney. Die Frankfurter Zeitungen vertiefen sich in "Das Bildnis des Dorian Gray" an den Frankfurter Bühnen. Aus den dunklen Kellerecken des britischen Postpunk kommt möglicherweise ein großer neuer Star, hofft der Standard: Sofia Isella.
13.12.2025. Die Welt staunt, wie es Eva Victor gelingt, das Trauma einer Vergewaltigung in ihrem Film "Sorry, Baby" in eine "leichtherzige Tragikomödie" zu verpacken. Die SZ ist entsetzt über die ARD-Serie "Mozart/Mozart", in der man fast keinen Mozart hören kann. Hyperallergic ergründet im Jüdischen Museum in New York die beunruhigenden Körperlandschaften der Malerin Joan Semmel. Im FAZ-Interview spricht sich die Schriftstellerin Linn Ullmann gegen Canceln in der Kunst aus.
12.12.2025. In der Welt ärgert sich die Kunsthistorikerin Anna Wienert, dass jüdische Künstler nach 1945 keine Aufmerksamkeit erhielten - im Gegensatz zu Gerhard Richter und Anselm Kiefer. In der taz werfen die Schriftsteller Clemens Böckmann und Domenico Müllensiefen Mariam Lau von der Zeit vor, mit ihrer Rezension eines neurechten Romans, die Rechte weiter in die gesellschaftliche Mitte zu holen. Monopol bewundert in Bremen Künstlerinnen hinter Blumenstillleben in Gemälden von Sibylle Springer. Und die FAZ blickt mit Martin Helmchen und Schuberts Klaviersonaten ins Auge des Sturms.