Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
14.03.2026. Ist Hyperpop jetzt subversiv oder schon total kommerzialisiert? Egal, findet die Zeit, wenn er so viel Humor hat wie Danny L Harles Album "Cerulean". In der taz fühlt sich Markus Achter vom bayerischen Indie-Urgestein The Notwist zu klaustrophobisch zum Tanzen. Die FAZ feiert in "Bilder und Zeiten" den schizophrenen tschechischen Dichter Ivan Blatný. Die taz bewundert im Wuppertaler Skulpturenpark Arbeiten von Rebecca Horn. Die neue musikzeitung schwelgt in der opulenten Musik von Edouard Lalos Opernmelodram "Le Roi d'Ys". Der Filmdienst würdigt den Komiker Jerry Lewis, der am Montag Hundertsten feiern könnte.
13.03.2026. Mit Verspätung ist der Pritzker-Preis an den chilenischen Architekten Smiljan Radić Clarke verliehen worden: Ein "Lückenbüßer", meint die Welt. Wie kann Clarke den Preis überhaupt annehmen, fragt die SZ. Mit Blick auf die diesjährigen Oscarnominierungen scheinen die USA noch nicht verloren, atmet die SZ außerdem auf. Die FAZ feiert mit Amöben von Yayoi Kusama den 50. Geburtstag des Museums Ludwig. Der Tagesspiegel bewundert Sasha Waltz, die mit 63 Jahren endlich wieder selbst tanzt. Und im Perlentaucher stellt Angela Schader den Autor Rabih Alameddine vor, der sich in seinem Werk mit der traumatischen Geschichte seiner libanesischen Heimat auseinandersetzt.
12.03.2026. Bei der Biennale sollte die Kunst zählen und nicht der Pass, findet die Zeit mit Blick auf Russland. Die NZZ findet das naiv. Olesia Ostrovska, Direktorin des Kunstarsenals in Kiew, erzählt in der SZ, wie sich Museen in der Ukraine auf die Kriegsinvaliden einstellen. Die Filmkritiker begeistern sich für Mona Fastvolds "The Testament of Ann Lee" über die Gründerin der Shaker. Die FAZ schwärmt in Dessau von Sebastian Webers unwahrscheinlicher Fusion von Stepptanz und zeitgenössischem Tanz.
11.03.2026. Russland wieder auf der Biennale in Venedig? Die Feuilletons sind weiterhin nicht einverstanden. Die Welt spricht mit dem ukrainischen Künstler Pavlo Makov, den das europäische Appeasement nicht wundert. Richard Linklaters "Nouvelle Vague" zeigt, wie Godard & Co 1960 in Paris wie nebenbei ein Meisterwerk herunterkurbelten, freut sich der Perlentaucher. Die taz applaudiert der US-Indieband Geese, die nicht nur die Konzerthallen erobert, sondern auch eine eigene Memekultur hervorgebracht hat.
10.03.2026. Die FAZ ist schwer beeindruckt, wie Ilse Ritter am Hamburger Schauspielhaus Inger Christensens Gedicht "Alphabet" und die Atombombe evoziert. In Mailand schneit es aus Chiharu Shiotas Installation "The Moment the Snow Melts" auf die NZZ. Der Standard unterhält sich mit der Regisseurin Louise Unmack Kjeldsen über die Tücken der Wechseljahre. Die Popkritiker trauern um Country Joe McDonald, der "Musik für irre Trips" machte.
09.03.2026. Dass Russland seinen Pavillon auf der Biennale in Venedig dieses Jahr wieder selbst bespielen soll, sorgt für großen Unmut beim Tagesspiegel. Armin Petras bringt in Bremen Tolstois "Krieg und Frieden" auf die Bühne: Ein Stück voller emotionaler Kraft und Gegenwartsbezüge, wenn auch am Ende etwas zu melodramatisch, finden die Kritiker. In Nürnberg feiert Monopol die erste Ausstellung Julia Heywards in Europa. Der Schriftsteller John Niven warnt in der SZ nicht lesende Männer vor dem Verlust ihrer Empathiefähigkeit. Die taz empfiehlt allerwärmstens Isa Willingers Doku-Film "No Mercy".
07.03.2026. Im Gespräch mit der Literarischen Welt bekennt Michel Houellebecq, wie wenig er vom Konzept der Freiheit hält. Das Frankfurter Städel sammelt jetzt Spenden, um eben jene Freiheit zu behalten. Kann das gelingen, fragt sich die FAZ. Die NZZ bewundert an der Sagrada Familia den höchsten Kirchturm der Welt, der pünktlich zu Antoni Gaudis hundertstem Todestag fertig geworden ist. Der Standard verpasst sich einen Serotonin-Schub mit dem neuen Album von Harry Styles.
06.03.2026. Die NZZ lernt im Kunsthaus Zürich dank Kerry James Marshall, wieviele Schwarztöne es gibt. Artechock und FAZ applaudieren Kristen Stewart, die in ihrem Regiedebüt "The Chronology of Water" wahre Wunder vollbringt. Die FAZ betrachtet in Kopenhagen die frühen Schädel von Jean-Michel Basquiat. Und die Feuilletons trauern um den großen Schriftsteller António Lobo Antunes.
05.03.2026. Tricia Tuttle darf bleiben, muss aber künftig mit einem "beratenden Forum" arbeiten und sich an einen Verhaltenskodex halten. Es bleibt dennoch ein Drahtseilakt, wie in Zukunft mit Antisemitismus auf der Berlinale umzugehen ist, glauben Welt und taz. Gegenwartskunst in den USA strahlt vor allem Trauer und Verzweiflung aus, bemerkt die FAZ auf der Whitney Biennale in New York. Die Zeit ravt zu Harry Styles' kosmischen Unterwasserortungsgeräuschen. Und alle trauern um Peter Schneider, der die jungen Linken aus dem eisernen Gehäuse der Theorien befreite, wie die Zeit schreibt.
04.03.2026. Tricia Tuttle will bleiben, aber damit ist die jüngste Berlinale-Aufregung noch nicht vorbei. Die FAZ warnt Wolfram Weimer vor einem allzu rigiden Verhaltenskodex, auch die taz stellt sich hinter Tuttle. Die Welt schimpft über Theaterstücke, die sich in selbstgerechter AfD-Kritik gefallen. Die FAZ bejubelt eine hochkomische Wiener Gassmann-Oper, die das Publikum zum Zahnarzt schickt. Die SZ weiß, warum keiner mehr nach Berlin will. Peter Schneider ist tot - wir verlinken erste Nachrufe.