Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
26.03.2026. FR und SZ applaudieren einmal mehr Richard Linklater, der Ethan Hawke in "Blue Moon" den weltbesten Anbeter von Schönheit spielen lässt. Die taz blickt in Berlin mit der schwedischen Fotografin Klara Lidén in Gullys, Mülleimer und unter Teppiche. Der Tagesspiegel dankt dem Berliner HKW, dass es an das Schicksal der Tirailleurs erinnert. In der FAZ befürchtet die Komponistin Charlotte Seither eine Übernahme der GEMA durch die Fraktion der Unterhaltungsmusik. Außerdem hat die FAZ dank Richard Brunels Inszenierung von Brittens "Billy Budd" in Lyon wieder Hoffnung in die Zukunft der Oper.
25.03.2026. Die FAZ staunt, dass Rapper plötzlich Mädchenpop gut finden. Die taz lernt in einer Grönland-Ausstellung in Bern ein Land voller Gegensätze kennen. Will das Wiener Burgtheater wirklich nicht mehr als ein besseres Stadttheater sein, fragt die Welt. Der Standard fühlt sich von dem metaphysischen Trübsinn der Heavy-Metal-Band Neurosis verstanden. Backstage Classical überlegt, warum einige Journalisten unbedingt übergriffige Intendanten und Musiker verteidigen wollen.
24.03.2026. Russland will in seinem Biennale Pavillon einen "Raum für Dialog und Austausch" schaffen: Die taz findet das ziemlich zynisch. Die FAZ ist in der Den Haager Ausstellung "Birds" ein wenig orientierungslos, erfreut sich aber am exquisiten "Distelfink" von Carel Fabritius. Die Zeitungen diskutieren das Ballett "Nurejew" an der Deutschen Oper: Warum hat sich Choreograf Yuri Possokhov nie zu seinen Engagements in Russland geäußert, fragt die taz. Die FR ist begeistert von der Opulenz, die FAZ findet die Inszenierung altmodisch.
23.03.2026. Die Kritiker resümieren die Leipziger Buchmesse: Die SZ hofft, dass die Debatten um Weimer zu weiterer Reflexion über rechts und links anregen, die FAZ hätte sich gewünscht, dass mehr über KI und weniger über Weimer gesprochen wird. Meredith Monks rhythmische Körperbeherrschung begeistert den Tagesspiegel. Mit Rem Koolhaas' Erweiterungsbau des New Museum blicken FAZ und Zeit in die Zukunft. Die Wiederentdeckung des Komponisten Walter Braunfels bringt die Kritiker zum Jubeln. Die FAZ eröffnet eine Debatte über die Relevanz deutscher Bühnen.
21.03.2026. Die SZ ist hin und weg von Kirill Serebrennikovs und Yuri Possokhovs Ballett "Nurejew", das in Moskau vom Spielplan genommen wurde und nun in Berlin zu sehen ist. Die Zeit hört beim Literaturfestival LIT:potsdam gerne Salman Rushdie zu, der erklärt, warum Diktatoren so viel Angst vor Künstlern haben. Im Gespräch mit der FAS erzählt die Regisseurin Maryam Touzani, wie sie die Sinnlichkeit des Alterns in ihren Filmen festhalten will. Durch die Enttarnung von Banksy werden alle ärmer, meint die NZZ: Er selbst, seine Fans und die Medien.
20.03.2026. Die Preise der Leipziger Buchmesse wurden verliehen: Belletristiksiegerin ist Katerina Poladjan mit ihrem Roman "Goldstrand". Vielleicht weil sich Poladjan den Themen Krieg und Flucht märchenhaft nähert, glaubt die Welt. Aber Mut zur Politik hat sie auch, sekundiert die FAZ. Nach dem jüngsten offenen Brief, der Israels Ausschluss von der Biennale in Venedig fordert, fragt die Welt die Unterzeichner: Regimetreue Kunst aus Katar und Saudi-Arabien ist aber okay? Die FAZ stellt in Amsterdam genervt fest: Die Zukunft der Oper ist nur noch politisch, queer und of colour. Die SZ erlebt dank Omer Meir Wellber in Hamburg einen ganz neuen Mozart.
19.03.2026. Die FAZ erkennt bei der Performance "This resting, patience" von Ewa Dziarnowska und Leah Marojević in Dresden, dass in der Ruhe Erotik und Kraft liegt. Vom Leben im Wohlstand können Schriftsteller heute nur noch träumen, hält die NZZ fest. Der Perlentaucher öffnet mit Lea Hartlaubs eigenwilligem Film "sr" eine "Wunderkammer des Giraffenwissens". Taz und Tagesspiegel trauern um Bettina Köster, die die Postpunk-Szene mit ihren Bands Mania D und Malaria prägte.
18.03.2026. Banksy ist (vielleicht) enttarnt, jetzt streiten die Feuilletons, ob das eine gute Sache ist. Der Tagesspiegel meint klar: nein, die SZ ist sich nicht so sicher. Die FAZ taucht in Frankfurt in die Wellen des Strands von Etretat, der zahlreiche Maler inspirierte. Außerdem unterhält sie sich mit dem Buchpreisträger Miljenko Jergović über Literatur und Kriegserfahrung. Die taz erklärt, warum Paolo Sorrentinos wunderschön fotografierter Film "La Grazia" über einen Machtpolitiker problematisch ist.
17.03.2026. Die FAZ inhaliert die Musik in Bernd Frankes neuer Oper "Coming up for air" in Leipzig ein wie ein gutes Parfum. Die taz würdigt den bosnischen Schriftsteller Miljenko Jergović, in dessen Werk sich die geballte osteuropäische Erfahrung der letzten vierzig Jahre spiegele. Die Filmkritiker denken weiter über die Oscar-Verleihung nach: politisch war alles sehr zahm, wundert sich die Welt. Die SZ findet allerdings eine Ausnahme: David Borensteins Doku "Mr Nobody Against Putin".
16.03.2026. In der Nacht wurden die Oscars verliehen - Paul Thomas Andersons "One Battle After Another" hat die meisten Auszeichnungen abgeräumt. David Borenstein, der für seinen Dokumentarfilm über Putin ausgezeichnet wurde, warnt vor der Gleichschaltung der Medien. Der Zürcher "Sommernachtstraum" in Pinar Karabuluts Regie wartet laut Nachtkritik mit seltsam schönen Feen und Geistern auf. Der frühere Rapper Kollegah betreibt nun ein Fitnessstudio mit dem Rechtsextremen Heidrich Kopelke, hat die SZ recherchiert. In der Welt plädiert die Germanistin Inge Blatt für schwierige Literatur an Schulen. Der Perlentaucher empfiehlt Abdellah Taias neuen Roman über Schwulsein in Marokko.