Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
05.09.2025. Die FR kürt Kaouther Ben Hanias "The Voice of Hind Rajab" über das Leid palästinensischer Kinder zum Favoriten für den Goldenen Löwen. Der Film tarnt politische Intervention als Kino, empört sich die Welt. Zeit Online gerät mit David Byrnes neuem Album in religiöse Ekstase, die taz ist indes genervt von der guten Laune. Die SZ fragt sich in Düsseldorf beim Anblick offener Ani: Was soll das? Und alle trauern um Giorgio Armani, der Frauen maskuliner und Männer femininer kleidete, wie die NZZ erinnert.
04.09.2025. Im Tagesspiegel erklärt Michal Kosakowski, wie er in seinem Film "Holofiction" das Systematische des NS-Massenmords erfahrbar machen will. Die Welt kann in Marcin Wierzchowskis Dokumentarfilm "Das deutsche Volk" das ganze Ausmaß behördlichen Versagens nach dem Anschlag von Hanau nachvollziehen. Das Ende der Geschichte hat stattgefunden, aber leider nur in den liberalen demokratischen Institutionen, konstatiert Milo Rau in der nachtkritik.
03.09.2025. Die Filmfestspiele Venedig gehen dem Ende entgegen und haben laut critic.de einen neuen Löwen-Favoriten: Mona Fastvolds pulsierendes, formvollendetes Biopic "The Testament of Ann Lee". Die taz begeistert sich einerseits für die in Maastricht ausgestellten fräsenden und ratternden elektronischen Skulpturen Carl Chengs. Und andererseits für die walzenartige Musik der Ruhrpott-Metal-Band Kreator. Die SZ erklärt uns das erstaunliche Comeback der Musikkassette.
02.09.2025. Dreißig Jahre nach seiner Uraufführung ist William Kentridges Stück "Faust in Africa!" mehr ein "faszinierendes Kunstwerk" als ein aufrüttelndes Manifest, stellt die SZ beim Zürcher Theaterspektakel fest. Die FAZ schläft bei Jim Jarmuschs neuem Film "Father, Mother, Sister, Brother" beinahe auf dem Kinosessel ein. Der Guardian sieht mit den frühen Arbeiten Stephen Shores in die Gesichter New Yorks. Die Architekturwelt trauert um den Stadtplaner Hans Stimmann.
01.09.2025. Die Filmfestspiele Venedig sind in vollem Gange: Guillermo del Toros "Frankenstein"spaltet die Gemüter: Die Welt staunt über den "großen Monstermacher", die SZ fragt sich, ob es wirklich noch mehr Adaptionen des Stoffs braucht. Olivier Assayas' "Der Magier im Kreml" sorgt hingegen für Enttäuschung. Der neu gestaltete Sainsbury-Flügel der Londoner National Gallery überzeugt die FAZ damit, dass er interessante Verbindungen zwischen Künstlern zeigt. Die nmz lauscht Ernst von Rezniceks Eulenspiegel-Oper in Hildesheim gebannt. Der Saisonauftakt der Berliner Philharmoniker ist rundum gelungen, lobt die FAZ.
30.08.2025. Zeit Online liegt in Venedig Julia Roberts zu Füßen, die in Luca Guadagninos "After The Hunt" Foucaults Konzept der Bestrafung irisierende Energie verleiht. Als gute Nachricht für die Literatur und für die Kunstfreiheit wertet die FAS die gescheiterte Klage des Galeristen Johann König gegen Chistoph Peters' Roman "Innerstädtischer Tod". Die FAZ kehrt mit dem Fotografen Timm Rautert zurück nach Leipzig im Jahr 1972. Die FR blickt leicht irritiert auf die Ideen für das geplante Frankfurter Haus der Demokratie.
29.08.2025. Sabeha Sansal, eine der beiden Töchter von Boualem Sansal, erhebt im Figaro schwere Vorwürfe gegen Emmanuel Macron und die französische Regierung. Die FAZ amüsiert sich über die Abscheu der Kollegen bei der Vorführung von Yorgos Lanthismos' "Bugonia" in Venedig. Hyperallergic entfernt sich in London mit den surrealistisch-satirischen Bildern von Edward Burra mit hoher Geschwindigkeit von Konventionen. taz und Tagesspiegel applaudieren einmal mehr dem Gefängnistheater aufBruch, das Brechts "Mann ist Mann" auf die Bühne bringt.
28.08.2025. Die Filmkritiker feiern Mascha Schilinskis deutschen Oscar-Beitrag "In die Sonne schauen": So etwas hat man im deutschen Kino schon lange nicht mehr gesehen, staunt der Perlentaucher. In der Zeit verrät Direktorin Laurence Des Cars, wie der Louvre nach der Sanierung aussehen könnte. Ebenfalls in der Zeit erklärt Leif Randt, wie Emotionen zur Währung wurden. Die taz wird in Berlin zugleich angezogen und abgestoßen von Dylan Spaskys gehäuteten Teddybären.
27.08.2025. Heute starten die Filmfestspiele in Venedig - mit vielen Stars, aber ohne die israelische Schauspielerin Gal Gadot, die nach Protesten propalästinensischer Aktivisten abgesagt hat. Die FAZ möchte derweil Woody Allen nicht für dessen virtuelle Beteiligung an einem russischen Filmfestival verurteilen. Die taz begeistert sich in Braunschweig für die Pop-Art-Künstlerin Sine Hansen, bei der Zangen zu beseelten Wesen werden. Die Zeit hat die Nase voll von zeitgenössischer Architektur. Sind Julien Gosselins Theaterarbeiten bloßes Kunsthandwerk oder höhere Bühnenmagie? Dieser Frage spürt die Welt nach.
26.08.2025. taz und Nachtkritik hören beim Kunstfest Weimar der russischen Journalistin Jelena Kostjutschenko beim Streiten mit ihrer putin-treuen Mutter zu. Es ist immer noch besser, sich eine düstere Zukunft vorstellen zu können, als gar keine, meint im Zeit-Online-Gespräch die Schriftstellerin Fiona Sironics. Die FAZ feiert den Pianisten Alexander Lonquich. Monopol lässt sich von der südafrikanischen Künstlerin Helena Uambembe durch ein Dorf führen, in dem nur noch Blumen wohnen.