Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
25.08.2025. Die Zeit würde Filmkömodien gerne unter Artenschutz stellen, so selten sind sie im Kino geworden. Für den abstrakt-expressionistischen Künstler Clyfford Still fährt die FAZ gerne nach Denver. Die Welt sieht mit Paul Poirets Kreationen, wie sich die Damenmode im 20. Jahrhundert zu mehr Bequemlichkeit entwickelte, ohne an Schmuck einzubüßen. Die NZZ bewundert beim Lucerne Festival Dirigentenkunst, die im "Grenzbereich zur Magie und zum Irrationalen" liegt.
23.08.2025. Mascha Schilinskis Cannes-Erfolg "In die Sonne schauen" soll bei den Oscars antreten - "mutig" findet die Welt das, ob des hohen Anspruchs. Die Literaturwelt trauert um den Jahrhundertdichter Eugen Gomringer: Seine Lyrik stand mitten im "gelebten Leben", erinnert die SZ. FAZ und nachtkritik feiern in Ivo van Hoves Musical-Hybrid "I Did It My Way" bei der Ruhrtriennale weniger den Star Lars Eidinger als die "provokant schillernde" Sängerin Larissa Sirah Herden.
22.08.2025. Die Welt verfällt der verstörenden Sogkraft der kollektiven Alpträume von Kaari Upson, die in Humlebæk die Beine ihrer Mutter von der Decke baumeln lässt. Katrin Jaquet projiziert in ihrem Fotobuch "fam" indes ihre Mutter in die eigene Mundhöhle, staunt Peter Truschner im Perlentaucher-Fotolot. Mutig findet es die SZ, dass Mascha Schilinskis Mehr-Generationen-Porträt "In die Sonne schauen" als deutscher Beitrag ins Oscarrennen geht. Zeit Online und SZ feiern den Zuckerschock-Soul auf dem neuen Album von Dijon.
21.08.2025. Die taz reist zum Freedom Festival ins estnische Narva und erlebt nicht nur widerständiges politsches Theater, sondern auch eine russischsprachige Bevölkerung, die keineswegs "heimgeholt" werden will. Die FAZ bewundert die neue deutsche Botschaft in Wien, die gegen Spähangriffe durch Russland geschützt wurde. Die Welt räumt ein, dass die Denkmalschutzbehörden nicht ganz unschuldig an den vielen Abrissen sind. Und dem Perlentaucher werden in Celine Songs RomCom über das Datingverhalten moderner Großstädter dann doch zu viele Probleme gewälzt.
20.08.2025. Die Feuilletons diskutieren die gestern erschienene Longlist für den Deutschen Buchpreis. Die SZ lobt die ausgewogene Besetzung der Liste, die FAZ legt sich bereits auf einen Favoriten fest. Die Documenta stellt derweil das künstlerische Leitungsteam für die kommende Ausgabe vor - und geht dabei auf Nummer sicher, findet die Welt. Die Zeit gedenkt des Labelbetreibers Alfred Hilsberg, der sich um die deutsche Nischenmusik von Punk bis Hamburger Schule verdient gemacht hat. Die FAZ ärgert sich darüber, dass der literarische Trend zur Autofiktion mehr und mehr in Authentizitäts-Kitsch erstarrt.
19.08.2025. Die Theaterkritiker applaudieren bei den Salzburger Festspielen: Birgit Kajtna-Wönigs Inszenierung des Mozart-Fragments "Zaide" ist finster, hoffnungslos und musikalisch brillant, jubeln FR und SZ. Die NZZ lauscht mit Julian Charrière im Tinguely-Museum in Basel in völliger Dunkelheit dem Gemurmel der Ozeane. Die SZ plaudert mit Denis Scheck über Franz Kafkas Ernährungsgewohnheiten. Und die Filmkritiker trauern um den Schauspieler Terence Stamp, der für den Neuanfang des britischen Kinos in den Sechzigerjahren stand.
18.08.2025. Kirill Serebrennikovs Bühnenfassung von Vladimir Sorokins hellsichtigem Roman "Der Schneesturm" trägt für die Kritiker in Salzburg dann doch ein bisschen zu dick auf. Das Filmfestival Locarno ist zu Ende: Der goldene Löwe ging an Sho Miyake, dessen wortkarg-hypnotischer Film die FR beeindruckt hat. Der Tagesspiegel hätte sich darüber hinaus mehr Aufmerksamkeit für Julian Radlmaiers Film gewünscht. Dass die Trump-Regierung die Smithsonian-Stiftung zum 'amerikanischen Exzeptionalismus' zwingen will, erinnert die taz an faschistische Regime.
16.08.2025. In der SZ sprechen Daniela Dröscher und Christian Baron über den Preis des autofiktionalen Schreibens. Die NZZ durchleutet den den Manga- und Anime-Hype der letzten Jahre. Die taz stellt Simin Jalilian und ihre expressive Malerei. Die FAS empfiehlt in diesem Sommer Ausstellungen zu abstrakter Kunst. Die nachtkritik amüsiert sich nach dem Dritten Weltkrieg bei den Sandsteinspielen im sächsischen Schöna. Und die FAZ lernt im Jüdischen Museum Berlin mehr als 60 Pionierinnen des Designs kennen, die die Nazizeit nur selten überlebten.
15.08.2025. Die FAZ betrachtet in Paris Raymond Depardons "taktvoll-dokumentarische" Fotos von Auschwitz. Das Toronto International Film Festival, das einen Dokumentarfilm nicht zeigen wollte, weil die Bildrechte der Hamas verletzt werden könnten, lenkt nun ein, meldet die Jüdische Allgemeine, wenn auch nur rhetorisch. Gerichte werden klären müssen, ob Trumps Eingriff in die Bundesmuseen verfassungskonform ist, meint die Welt. Die taz hört sich durch die besten Metal-Veröffentlichungen aus dem globalen Süden, die nicht selten zensiert wurden.
14.08.2025. Die Feuilletons gratulieren Wim Wenders zum Achtzigsten: Die FAZ folgt seiner Entwicklung vom "einsamen Wanderer" zum "epischen Erzähler", der Tagesspiegel würdigt seinen "sense of place". Chemnitz war einmal das "sächsische Manchester" und eine wichtige Station in der Karriere Edvard Munchs, lernt Monopol in einer Ausstellung in den Kunstsammlungen Chemnitz. Das Toronto Filmfestival hat Barry Avrichs Film "The Road Between Us", der Material der Hamas-Massaker zeigt, aus dem Programm genommen - angeblich wegen Urheberrechtsbedenken, meldet Deadline.