Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
17.09.2025. Robert Redford ist tot; die SZ erinnert an die unbefleckte Präsenz des Stars, die Zeit trauert um einen Surferboy mit linkem Gewissen. Außerdem diskutieren die Feuilletons die Buchpreis-Shortlist, die laut FAZ von komplexen Romanen über Gewalterfahrungen dominiert wird. Zeit online findet Trost in einem Konzert von Lahav Shani und den Münchner Philharmoniker, die nach ihrer Ausladung in Gent in Berlin auftraten.
16.09.2025. Update: Die Shortlist für den Deutschen Buchpreis ist da! Die Nachtkritik verliert sich mit Freuden in den Verfremdungseffekten von Felicitas Bruckers Bühnenadaption des Haneke-Films "Caché" am Wiener Volkstheater. Die FAZ lernt in einer Ausstellung über Ernst Ludwig Kirchner in Bern einige Schrullen des Brücke-Malers kennen. Jungle World träumt nach Michael Dwecks und Gregory Kershaws Dokumentarfilm "Gaucho Gaucho" von einem Leben als Rinderhirt in der argentinischen Prärie. Die NZZ würdigt Devonté Hynes a.ka. Blood Orange anlässlich seines neuen Albums als "Doktor Faust der Pop-Musik".
15.09.2025. Die FAZ findet die Aussagen von Jan Briers, dem Leiter des Flanders Festival in Gent, zur Causa Lahav Shani "desaströs". Nachtkritik und FR tauchen am Schauspiel Frankfurt in die originellen Bilder der Regisseurin Luise Voigt ein. Der Tagesspiegel konstatiert, dass in Hollywood kaum noch jemand zu Israel hält. Ein Grund zu Freude und Hoffnung ist für die SZ die Wiedereröffnung der Synagoge in der Münchner Reichenbachstraße.
13.09.2025. Die FAS ist gleichzeitig berauscht und nüchtern, wenn sie in der Julia Stoschek Foundation in Berlin Mark Leckeys sprechende Kühlschränke trifft. Die nachtkritik erlebt, wie sich in Jan Philipp Glogers Einstands-Stück am Volkstheater Wien ein Komet in die Erde verliebt. SZ und FAZ diskutieren weiter über die Ausladung der Münchner Philharmoniker und ihres israelischen Dirigenten Lahav Shani vom Flandern Festival in Gent.
12.09.2025. Groß ist die Entrüstung, dass das Flandern Festival in Gent Lahav Shani abesagt hat: Eine moralische Bankrotterklärung, schimpft die Welt, ein lupenreines Beispiel für israelbezogenen Antisemitismus, meint die FAZ. Kay Voges bringt in Köln ein Nachspiel zur AfD-Recherche von Correctiv auf die Bühne: Erhellend, findet die SZ, kennt man alles schon, winkt die Welt ab. Die NZZ lernt in Bern von Ernst Ludwig Kirchner, wie man die perfekte Ausstellung kuratiert. Ein letztes Mal brechen die Schwestern Gisela Getty und Jutta Winkelmann gemeinsam ein Tabu, erkennt der Tagesspiegel.
11.09.2025. Die Welt legt offen, wie sich die Golfstaaten mit massiven Finanzspritzen für die Opernwelt weißwaschen. Die taz blickt in den bewölkten Himmel über Emden und entdeckt Kriegsszenen. Die Zeit porträtiert den größten deutschen Vertreter der Pop-Art: Den DDR-Maler Hans Ticha. Die NZZ lernt in Michele Ciriglianos Dokumentarfilm "Architektur des Glücks", wie ein Casino ein ganzes Dorf in den Ruin stürzte. 54books traut dem Hype um Nelio Biedermanns Roman "Lázár" nicht. Und Backstage Classical ist fassunglos, dass das Flanders Festival in Gent den designierten Chefdirigenten Lahav Shani ausgeladen hat.
10.09.2025. Was ist los mit Ethan Coen, fragen die Filmkritiker nach seinem Film "Drive-In Dolls". Kamel Daoud erklärt im Welt-Gespräch, warum er sowohl die Intellektuellen des Postkolonialismus als auch Islamisten gegen sich aufbringt. Die FAZ staunt im Städel über die skulpturalen Videos der Bildhauerin Asta Gröting. Ebenfalls die SZ erinnert an den italienischen Komponisten Luciano Berio, der in brillanter Manier die gesamte Moderne remixte.
09.09.2025. Die Kulturkritik ist zum zahnlosen Tiger geworden, ruft die SZ angesichts der Besprechungen der neuen Bücher von Caroline Wahl und Ulf Poschardt. Zeit Online stellt fest, dass auch in der Literatur die Grenzen zwischen Links und Rechts zunehmend verschwimmen. Die FAZ reist mit Max Emanuel Cenčićs Inszenierung von Francesco Cavallis Oper "Pompeo Magno" ins Venedig des Jahres 1666. Die Musikkritik trauert um den Dirigenten Christoph von Dohnányi.
08.09.2025. Dass Jim Jarmuschs Film in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde, lässt die Kritiker einigermaßen ratlos zurück: Für die NZZ ist es "schlimmstes Boomer-Kino", die taz fragt sich, ob die Auszeichnung vielleicht als verkappter Lebenswerkpreis zu verstehen ist. Begeistert sind dafür alle Kritiker von Jens Harzers Einstand am Berliner Ensemble: In Oscar Wildes "De Profundis" sieht die FAZ einen "Künstler mit zerschlagener Seele", die Nachtkritik kommt mit Harzers Spiel so nah an den Text wie nie zuvor. Alexander Melnikov spielt Rachmaninow auf dessen Flügel so, wie die FAZ ihn noch nicht gehört hat.
06.09.2025. Die nachtkritik feiert Antú Romero Nunes' maximal verunsichernde, genderfluide "Hamlet"-Inszenierung am Theater Basel. Der Standard erkennt eine vollkommen zeitgenössische Figur in dem Mörder aus Sartres Politdrama "Die schmutzigen Hände", das David Bösch in Wien inszeniert hat. In der SZ feiert Barbara Vinken den männlichen Körper, über den Giorgio Armani den Schimmer der ewig jungen olympischen Götter warf. Die FAZ dokumentiert Cécile Wajsbrots Rede zur Eröffnung des Via Nova Kunstfests Corvey. Die Welt lässt sich vom 98-jährigen Herbert Blomstedt das Fagottsolo aus Sibelius' Fünfter vorsingen.