Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Neue Formen der Wirklichkeitsauslegung

29.09.2025. Georg Stefan Troller ist im Alter von 103 Jahren gestorben: Die NZZ verneigt sich vor dem "Grandseigneur des Fernsehens", die FAZ erinnert an die "völlig selbstgewisse Stimme", mit der Troller erzählt hat. SZ und FAZ  loben das großartige Spiel der beiden Hauptfiguren in Barbara Freys Inszenierung von Ödön von Horvaths "Kasimir und Karoline" am Münchner Residenztheater. Die Gemälde Georges de la Tours überzeugen Welt und Zeit in Paris durch ihre "virtuose Lichtregie."  

Man stirbt eben nur einmal

27.09.2025. Der Standard kommt im Mumok dem Zufall auf die Spur, der den Künstler Tobias Pils leitet. Tobias Kratzer ist das Beste, was der Hamburger Oper passieren konnte, jubelt der Spiegel über den neuen Intendanten. Die NZZ staunt über die Ehrenrunde, die Claus Peymann noch um das Burgtheater drehen durfte. Die Filmkritiker trauern um Hartmut Bitomsky, der mit Harun Farocki den Filmflügel der Kritischen Theorie bildete. Die taz porträtiert den kurdischen Schriftsteller Menaf Osman, der im türkischen Gefängnis schwer gefoltert wurde. Die European Broadcast Union will ihre Mitglieder über die Teilnahme von Israel beim nächsten ESC abstimmen lassen, berichten Zeit online und die taz.

König, Kaiser will ich werden

26.09.2025. Die SZ trauert um den Berenberg Verlag, der im Frühjahr schließt. Die nachtkritik durchlebt in der Volksbühne acht Stunden Totaltheater mit Vegard Vinges Inszenierung von Ibsens "Peer Gynt". Monopol stellt die Künstlerin Schirin Kretschmann vor. Im Tagesspiegel findet es Michael Barenboim total okay, den Dirigenten Lahav Shani auszuladen, weil er Israeli ist. Die taz feiert den Northern Soul. Und: Der Filmessayist Hartmut Bitomsky ist gestorben. 

Jeder tritt in den Traum des anderen ein

25.09.2025. Die Filmkritiker trauern um Claudia Cardinale: Sie war die Kino-Göttin des 20. Jahrhunderts, schreibt Zeit Online, die FAZ erinnert an ihren legendären Tanz mit Burt Lancaster in Viscontis "Der Leopard". Die taz bewundert das Spiel mit Verhüllung und Offenbarung in den Werken der iranischen Künstlerin Parastou Forouhar, die in Chemnitz ausstellt. Die FR begrüßt die philippinische Künstlerin Stephanie Comilang in der Schirn-Kunsthalle. Im Zeit-Interview skizzieren Regisseur Tobias Kratzer und der Dirigent Omer Meir Wellber ihre Pläne für die Hamburger Oper.  

Gute Nacht, Herr Direktor

24.09.2025. Das Burgtheater gedenkt in einer spektakulären Trauerfeier seines langjährigen Intendanten Claus Peymann - in der FAZ schreibt Christoph Ransmayr höchstpersönlich. Die NZZ bejubelt Paul Thomas Andersons lebendigen, unberechenbaren Film "One Battle After Another" - critic.de hingegen ist das alles nicht frei und crazy genug. Die FAZ schwelgt im Frankfurter Städel in den Farbwelten des österreichischen Malers Carl Schuch. Der Standard fühlt sich veräppelt, weil Popstars ihre Lieder immer seltener selbst schreiben. Und: Trauer um Claudia Cardinale.

Eine recht handliche Keule

23.09.2025. Mariame Cléments Frankfurter "Così fan tutte"-Inszenierung wird dem Stoff mit klugen Aktualisierungen gerecht, lobt die FAZ. Zeit Online bewundert, wie energisch Spanien zum "Hollywood Europas" avancieren will. Die taz betrachtet in Oldenburg mit Begeisterung den melancholischen Herkules des Bildhauers Ludwig Münstermann. Die Musikkritiker staunen beim Musikfest Berlin über Marc Blitzsteins im Jahr 1929 komponierte Bauhaus-Oper "Parabola and Cirula". 

Die Kreons dieser Welt

22.09.2025. Das Internationale Literaturfestival Berlin hat einen Solidaritätsabend für die Ukraine veranstaltet und der Tagesspiegel lernt von Katja Petrowskaja, Yevgeniy Breyger und Tanja Maljartschuk, dass es in Kriegszeiten eigentlich unmöglich ist, Literatur zu schreiben. Michel Friedman wird vom Literaturhaus Uwe Johnson in Klütz ausgeladen, aus Angst vor den Rechten, weiß die FAZ. Die Kritiker sind begeistert von Sophokles' "Antigone", die Selen Kara mit einem umwerfenden Ensemble auf die Bühne des Schauspiels Frankfurt bringt. Das neue Schiedsgericht wird es den Museen leicht machen, sich vom Raubkunstverdacht freizusprechen, fürchtet die SZ. Der Standard berichtet, dass das von Lahav Shani dirigierte Konzert in Wien wegen Störungen propalästinensischer Aktivisten minutenlang unterbrochen werden musste.

Kühe sind hier alle

20.09.2025. Der Guardian besucht die Calder Gardens in Philadelphia und versucht eine rein ästhetische Begegnung mit dem Künstler. Die Welt versteht nicht, warum die Deutsche Filmakademie den "Fünf-Punkte-Plan gegen den Antisemitismus" nicht mittragen will. Der Standard besucht in der Wiener Albertina eine Ausstellung über den Einfluss der Gotik auf die Moderne. In Monopol erklärt Jaime Martínez, Leiter der Artbo in Bogotá, das Hauptthema moderner kolumbianischer Kunst. Zeit online hört entgeistert das Emo-Geträller von Nina Chuba. Der italienische Autor Fabio Stassi reist für die FAZ auf den Spuren von Antonio Tabucchi nach Kreta.

Das Publikum gibt sich Mühe

19.09.2025. Das van Magazin stellt Marc Blitzsteins geometrische Oper "Parabola and Circula" vor, die 96 Jahre nach ihrer Entstehung beim Musikfest Berlin uraufgeführt wird. Die Berliner Zeitung übt im Deutschen Theater begeistert Neusinn, Quersinn, Fremdsinn oder Unsinn mit Nele Stuhlers "Leichtem Gesang". Der Standard besucht die Wiener Ausstellung der queer-feministischen Künstlerin Ashley Hans Scheirl. Selbst dem Spiegel ist unwohl beim dem von Brian Eno organisierten "Together for Palestine"-Benefizfestival: Die israelischen Opfer des 7. Oktobers wurden nicht einmal erwähnt.

Das Gefühl, nicht in Sansibar zu sein

18.09.2025. Die Filmkritiker verabschieden sich mit Christian Petzolds Film "Miroirs No. 3" vom Sommer. Die taz porträtiert die ugandische Schriftstellerin Stella Nyanzi, die sich mit den Obrigkeiten ihres Heimatlandes angelegt hat und im Exil in Berlin lebt. Die Zeit berichtet, wie Ai Wei Wei mit weißgestrichenen Uniformen für Irritation in Kiew sorgt. Die FAZ tanzt bei der Ruhrtriennale Pas de deux mit der israelischen Choreografin Sharon Eyal.