Efeu - Die Kulturrundschau
Schatten und Sonne streiten manichäisch
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
11.07.2026. Die SZ feiert beim Festival d'Avignon Kunst und Mord, die Poesie und das Böse in Julien Gosselins Spektakel "Maldoror". Die Welt macht es sich in Avignon lieber richtig ungemütlich mit Carolina Bianchis "Uma Luz Cordial", das die Brutalität eines sensationslüsternen Literaturbetriebs ausleuchtet. Die taz porträtiert die Lyrikerin Ann Cotten. Die SZ erzählt, wie Odysseus von Übersetzerinnen gesehen wird: als einfallsreicher Heiratsschwindler. Die FAZ bestaunt Wunderwerke der Lichtmalerei im Kunst Museum Winterthur. Die Welt bewundert das edle Understatement des neuen Konzertsaals für das Musikfestival "Rencontres" in Evian-les-Bains.
9punkt - Die Debattenrundschau
vom
11.07.2026
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Bühne


Weitere Artikel: Mira Anneli Naß begleitet für die taz den Sprech- und Musikrundgang "Schlamassel", der die Geschichte des einst von jüdischen Zwangsarbeitern geschaffenen Stuttgarter Höhenparks Killesberg "mit aktuellen jüdischen Perspektiven" konfrontiert: "Auszüge aus Interviews mit Stuttgarter Jüdinnen und Juden erzählen von deren Verhältnis zu Deutschland und Israel, vom Rechtsruck in beiden Gesellschaften, vom deutschen Umgang mit Geschichte und einer ritualisierten Erinnerungskultur, von Antisemitismus und dem 7. Oktober, aber auch von romantischen Verabredungen oder LSD-Trips im Park." Konstantin Sakkas erzählt in der NZZ die Geschichte von Wagners "Rienzi", der jetzt erstmals in Bayreuth gespielt werden soll, obwohl Wagner und Frau Cosima ihn "zu undeutsch" fanden für das Festspielhaus. Der scheidende Düsseldorfer Theaterintendant Wilfried Schulz blickt im Interview mit der nachtkritik auf gut vier Jahrzehnte Theaterschaffen zurück. Hannes Hintermeier besucht für die FAZ das wiedereröffnete Münchner Valentin-Karlstadt-Musäum.
Literatur

Mit vorsichtiger Skepsis sieht Felix Stephan in der SZ Christopher Nolans als Autorenfilm-Blockbuster-Event des Jahres sich ankündigender "Odyssee"-Verfilmung entgegen: Trailer und Marketing lassen darauf schließen, dass hier einmal mehr ein Odysseus in der betont männlichen Lesart der Figur zu erwarten ist. Doch jüngere, von Frauen besorgte "Odyssee"-Übersetzungen aus dem englischen Sprachraum deuten die Figur mitunter anders - im Grunde als unzuverlässigen Erzähler: "Wo die traditionelle Überlieferung einen strahlenden, tugendhaften Helden sehen möchte, (...) sehen Emily Wilson und Mary Beard einen Mann, dem in allererster Linie nicht zu vertrauen ist, einen verschlagenen, aber fraglos charismatischen und einfallsreichen Heiratsschwindler." Pamela Jahns NZZ-Gespräch mit Nolan ist allerdings zu entnehmen, dass der Regisseur bei seiner Arbeit durchaus auch auf Wilsons Übersetzung zurückgegriffen hat.

Besprochen werden unter anderem Lara Rüters "Affenliebe" (FR), Jean-Philippe Kindlers "Hier ist der Beginn und das Ende ist dort" (taz), Madeline Cashs "Verlorene Schäfchen" (taz), Maylis de Kerangals "Brandung" (online nachgereicht von der Welt) und Lily Kings "Herz König" (FAS).
In der Frankfurter Anthologie schreibt Hans Christoph Buch über Carola Nehers "Sport":
"Ich liebe den Sport
Tous les sports d'été et d'hiver
Eishockey ..."
Musik
Axel Brüggemann (Backstage Classical) beobachtet "einen Trend in der Klassikbranche: Die klassische Künstleragentur gerät als eigenständiges Geschäftsmodell zunehmend unter Druck." Hans-Christian Rößler porträtiert in der FAS den Dirigenten David Afkham, der nach zwölf Jahren das Spanische Nationalorchester verlässt. Jakob Thaller fragt sich im Standard, warum Popkonzerte eigentlich immer spektakulärer, aber auch immer teurer werden müssen. Adrian Schräder porträtiert in der NZZ den anonym hinter roter Maske auftretenden Soulmusiker Pale Jay.
Weiteres: Im "Musikfeuilleton" von Dlf Kultur erinnert Michael Stegemann an den vor 300 Jahren gestorbenen Komponisten Michel-Richard Delalande. Besprochen werden ein NDR-Podcast, der kritisch auf das Metalfestival Wacken blickt (SZ), Reinhold Heils bereits Mitte der Neunziger aufgenommenes, aber erst heute veröffentlichtes "The Electric Heidiland" (FR), ein Buch der Literaturwissenschaftlerin Stephanie Burt über Taylor Swift (FAZ) und Sienna Spiros Debütalbum "The Visitor" (SZ). Außerdem bringt die NZZ eine umfangreiche Beilage zum Lucerne Festival.
Weiteres: Im "Musikfeuilleton" von Dlf Kultur erinnert Michael Stegemann an den vor 300 Jahren gestorbenen Komponisten Michel-Richard Delalande. Besprochen werden ein NDR-Podcast, der kritisch auf das Metalfestival Wacken blickt (SZ), Reinhold Heils bereits Mitte der Neunziger aufgenommenes, aber erst heute veröffentlichtes "The Electric Heidiland" (FR), ein Buch der Literaturwissenschaftlerin Stephanie Burt über Taylor Swift (FAZ) und Sienna Spiros Debütalbum "The Visitor" (SZ). Außerdem bringt die NZZ eine umfangreiche Beilage zum Lucerne Festival.
Film
Der Aufschrei in den Schauspielgilden und -gewerkschaften ist groß darüber, dass die mit viel Aufwand lancierte KI-"Schauspielerin" Tilly Norwood demnächst in ihrem ersten Film zu sehen sein soll. Aber warum eigentlich, fragt sich Jens Balzer auf Zeit Online: Norwoods bisherige Instagram-Präsenz ist auch nicht lebloser und durchformatierter als die vieler Influencer und Stars. Vielleicht sollte "die Generation aktueller Schauspiel-, Pop- und Instagram-Stars die neue Konkurrenz durch KI-Figuren nicht als Anlass nehmen, um sich zu beschweren und einmal wieder den Untergang des Abendlands zu beschwören - sondern um einmal sehr gründlich über die Qualität des eigenen Treibens und Tuns nachzudenken."
Eine saftige Erhöhung der Filmförderung und entsprechende Planungssicherheit für Produzenten - ein solches "Großmanöver" hatte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer der hiesigen Branche vor nicht allzu langer Zeit versprochen. Viel geblieben ist davon nicht, berichtet Tim Caspar Boehme in der taz: "Wie der Grünen-Politiker Sven Lehmann, Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien, diese Woche kritisierte, habe sich der von Weimer versprochene Durchbruch als 'kurzes Strohfeuer' erwiesen: 'Die Mittel für die Filmförderung sollen um mehr als 35 Millionen Euro auf 214 Millionen Euro gekürzt werden. Gleichzeitig sind für das Zukunftsprogramm Kino überhaupt keine Mittel mehr vorgesehen', so Lehmann. ... Ein 'Großmanöver' ohne die Kinos? ... Vielleicht denkt Weimer bei der Filmförderung mehr an Blockbuster als an Kinos. Wozu gibt es schließlich Streaming?"
Während immer mehr Blockbuster an den Kassen straucheln und stürzen, zeichnet mit "Backrooms" und "Obsession" der preisgünstig produzierte, an Internet-Subkulturen andockende Horrorfilm seinen Produzenten angesichts astronomischer Millionengewinne ein Lächeln ins Gesicht. Das Problem ist durchaus hausgemacht, meint Kira Kramer in der FAZ: Die großen Hollywoodboliden werden immer teurer und kapitalintensiver - und mit jedem Dollar schwindet die Risikofreudigkeit der Produzenten, die ihre Produkte und ihren Markt aber genau dadurch sabotieren. "Wer solche Summen in ein Sequel steckt, muss Kanten glatt schleifen, um den Markt zu bedienen. ... Wer hingegen nur 750.000 Dollar riskiert, kann einem Debütanten eine Idee durchgehen lassen, die als Pitch wenige überzeugt hätte. Diese Experimentierfreude fehlte Hollywood zuletzt."
Weitere Artikel: Im Filmdienst ärgert sich Hanns-Georg Rodek, dass sich keine Institution für den Nachlass des unter Pseudonym auftretenden Filmhistorikers Johann Caspar Glenzdorf interessiert, der in den Sechzigern ein umfassendes Filmlexikon veröffentlicht hat und dafür jahrelang minutiös recherchiert hat, doch "die Ankaufetats der Institutionen sind offenbar dermaßen ausgehungert, dass für alles, was nicht Marlene Dietrich oder Rainer Werner Fassbinder heißt, anscheinend kein Geld mehr vorhanden ist." Heike Holdinghausen spricht für die taz mit Nepomuk Pfaff über dessen Naturdoku "Insekten - Helden im Verborgenen". Der Überfall auf das Musée du Louvre im Herbst vergangenen Jahres hatte wirklich "gar nichts" mit den smarten, geradezu künstlerischen Meisterleistungen von fiktiven Gentlemen-Gangstern wie Arsène Lupin zu tun, schreibt Rose-Maria Gropp in "Bilder und Zeiten" der FAZ. Besprochen werden Abu Bakr Shawkys austro-ägyptische Culture-Clash-Komödie "The Stories" (Standard) und die Netflix-Neuauflage von "Unsere kleine Farm" (FAZ).
Und: Genügend Lesestoff für ein bis zwei Wochenenden: Das Team von critic.de - darunter auch Namen, die Sie von den Kinokritiken des Perlentaucher kennen - erzählt in kleinen Essays, Schlaglichtern und Notizen von den Entdeckungen, die sich beim auf filmhistorische Bergungsarbeit spezialisierten Festival Il Cinema Ritrovato in Bologna machen ließen.
Eine saftige Erhöhung der Filmförderung und entsprechende Planungssicherheit für Produzenten - ein solches "Großmanöver" hatte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer der hiesigen Branche vor nicht allzu langer Zeit versprochen. Viel geblieben ist davon nicht, berichtet Tim Caspar Boehme in der taz: "Wie der Grünen-Politiker Sven Lehmann, Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien, diese Woche kritisierte, habe sich der von Weimer versprochene Durchbruch als 'kurzes Strohfeuer' erwiesen: 'Die Mittel für die Filmförderung sollen um mehr als 35 Millionen Euro auf 214 Millionen Euro gekürzt werden. Gleichzeitig sind für das Zukunftsprogramm Kino überhaupt keine Mittel mehr vorgesehen', so Lehmann. ... Ein 'Großmanöver' ohne die Kinos? ... Vielleicht denkt Weimer bei der Filmförderung mehr an Blockbuster als an Kinos. Wozu gibt es schließlich Streaming?"
Während immer mehr Blockbuster an den Kassen straucheln und stürzen, zeichnet mit "Backrooms" und "Obsession" der preisgünstig produzierte, an Internet-Subkulturen andockende Horrorfilm seinen Produzenten angesichts astronomischer Millionengewinne ein Lächeln ins Gesicht. Das Problem ist durchaus hausgemacht, meint Kira Kramer in der FAZ: Die großen Hollywoodboliden werden immer teurer und kapitalintensiver - und mit jedem Dollar schwindet die Risikofreudigkeit der Produzenten, die ihre Produkte und ihren Markt aber genau dadurch sabotieren. "Wer solche Summen in ein Sequel steckt, muss Kanten glatt schleifen, um den Markt zu bedienen. ... Wer hingegen nur 750.000 Dollar riskiert, kann einem Debütanten eine Idee durchgehen lassen, die als Pitch wenige überzeugt hätte. Diese Experimentierfreude fehlte Hollywood zuletzt."
Weitere Artikel: Im Filmdienst ärgert sich Hanns-Georg Rodek, dass sich keine Institution für den Nachlass des unter Pseudonym auftretenden Filmhistorikers Johann Caspar Glenzdorf interessiert, der in den Sechzigern ein umfassendes Filmlexikon veröffentlicht hat und dafür jahrelang minutiös recherchiert hat, doch "die Ankaufetats der Institutionen sind offenbar dermaßen ausgehungert, dass für alles, was nicht Marlene Dietrich oder Rainer Werner Fassbinder heißt, anscheinend kein Geld mehr vorhanden ist." Heike Holdinghausen spricht für die taz mit Nepomuk Pfaff über dessen Naturdoku "Insekten - Helden im Verborgenen". Der Überfall auf das Musée du Louvre im Herbst vergangenen Jahres hatte wirklich "gar nichts" mit den smarten, geradezu künstlerischen Meisterleistungen von fiktiven Gentlemen-Gangstern wie Arsène Lupin zu tun, schreibt Rose-Maria Gropp in "Bilder und Zeiten" der FAZ. Besprochen werden Abu Bakr Shawkys austro-ägyptische Culture-Clash-Komödie "The Stories" (Standard) und die Netflix-Neuauflage von "Unsere kleine Farm" (FAZ).
Und: Genügend Lesestoff für ein bis zwei Wochenenden: Das Team von critic.de - darunter auch Namen, die Sie von den Kinokritiken des Perlentaucher kennen - erzählt in kleinen Essays, Schlaglichtern und Notizen von den Entdeckungen, die sich beim auf filmhistorische Bergungsarbeit spezialisierten Festival Il Cinema Ritrovato in Bologna machen ließen.
Kunst

Architektur


Und: Ulf Meyer schreibt in der FAZ zum hundertsten Geburtstag des Architekten Oswald Mathias Ungers.
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