Aus dem Englischen von Barbara Köhler. Die in Paris lebende amerikanische Autorin Gertrude Stein (1874-1946) gehörte zu den "Prominenten" des 20. Jahrhunderts. Für ihr Leben und ihre "Sprüche" interessierten sich die Medien bis zu ihrem Tod. Schwieriger war es mit ihren Schriften. Erleichtert stürzte man sich deshalb auf ihre geradezu leutselige Autobiographie von Alice B.Toklas (1933). Am berühmtesten unter ihren "eigeneren" Texten sind die Prosagedichte aus dem Jahr 1914: Tender Buttons. Rätselhaft und täuschend einfach, durch Verständnis kaum aufzulösen - so funkeln sie noch heute und provozieren, auch Gelächter. Neunzig Jahre nach Erscheinen legt die Lyrikerin Barbara Köhler nun die erste inspirierte Übertragung vor. Sie beginnt mit dem Titel: Tender Buttons - Zarte knöpft. Zarte knöpft? Mit Übersetzung direkt ist es bei diesem Buch nicht getan.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.06.2005
Man solle diese Textminiaturen "betrachten wie Bilder", rät die Rezensentin Sieglinde Geisel sich und damit den Lesern. Gertrude Stein selbst habe sie als "kubistische Stillleben" bezeichnet. Bei fremdsprachigen Texten, die keinen herkömmlichen Sinn ergäben, sei die "Übertragung" eine Art Parallelaktion, ein mit- und weiterspielen um "neue Muster von Sinn und Unsinn". Im Gegensatz zur bisherigen Übertragung von Marie-Anne Striebel zeichne sich die der Dichterin Barbara Köhler aus durch "Beweglichkeit, Luftigkeit und Witz". Wenn es ihr opportun erscheine, lege sie durchaus auch mal "Hand ans Deutsche", schreibt eine inspirierte Rezensentin. Köhler sei eine an Wittgenstein und Genauigkeit interessierte Autorin und Übersetzerin, mit "großer Lust am Kniffeln und Knobeln". Zudem habe sie ein beeindruckendes Nachwort geschrieben, selbstverständlich sowohl inhaltlich als auch stilistisch.
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