Efeu - Die Kulturrundschau
Die zitternde Flüssigkeit im Glas
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
21.06.2024. Für die Mark Rothko-Ausstellung reist die FAZ gerne nach Norwegen. Der Spiegel wundert sich über eine abgesagte Kolonialismus-Ausstellung in Dresden und fragt nach Gründen. Die taz lässt sich vom Vulgärfeminismus im Hamburger Schauspielhaus zum Lachen bringen. Die NZZ spornt zur (Wieder-)Entdeckung von Komponistinnen auch außerhalb der Forschung an. Mit Frank Witzel fragt sich die FR, wie Gerechtigkeit im Literaturbetrieb aussehen könnte. Und die Feuilletons trauern um Donald Sutherland.
9punkt - Die Debattenrundschau
vom
21.06.2024
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Kunst

Norwegen ist zwar nicht unbedingt um die Ecke, aber die Reise allein schon wegen der Ausstellung "Mark Rothko. Paintings on Paper" im Osloer Nationalmuseum wert, bekräftigt Alexandra Wach in der FAZ. Es werden Papierarbeiten gezeigt, die in den letzten zwei Jahren seines Lebens entstanden sind, nach einem Herzinfarkt und vor dem Suizid, wobei die Ausstellung mit einem diesbezüglichen Mythos aufräumt: "Die Ausstellung widerspricht der These, der angeschlagene Maler hätte seinen Tod in Grau, Braun und Schwarz vorhergesagt. Einen nachvollziehbaren Beweis bleibt man nicht schuldig. Hinter dem braun-grauen Raum befindet sich eine weitere Galerie, die ätherische Bilder enthält, deren Farbtöne immer heller werden, insbesondere die Pastelle aus sanftem Rosa und verschwommenem Himmelblau, umhüllt von wolkenartigem Grauweiß. (...) Rothko selbst sagte damals über die immense Bandbreite seiner Malerei: 'Glauben Sie, meine Bilder seien ruhig, wie Fenster in einer Kathedrale? Dann sollten Sie noch einmal nachschauen. Ich bin der gewalttätigste aller amerikanischen Maler.'"
Die aserbaidschanische Künstlerin Sabina Shikhlinskaya stellt ihre regimekritische Kunst in der Freiburger E-Werk-Galerie für Gegenwartskunst aus und lehrt Kerstin Holm für die FAZ mit "Life on Borrow", was es bedeutet, wenn Kunst nur noch außerhalb des Landes kritisch sein kann: "Das Hauptwerk der Schau, ein etwa zweiminütiges, auf einem Riesenbildschirm in Endlosschleife laufendes Video namens 'Gefährliches Rot' (russisch: Opasnyj krasnyj) lässt in einem aus tiefroten Früchten, frischen Innereien und Tierköpfen komponierten Stillleben die in barockem Luxus versteckte Gewalt hervorbrechen. Plötzlich hervorspringende Katzen bringen die Granatäpfel, die zitternde Flüssigkeit im Glas, die Fleischstücke, die in christlicher Ikonographie Brutalität nur assoziieren, in blutige Unordnung. Dazu hat sie eine vierkanalige Video-Arbeit gleichen Namens gestellt, in der sie eigene Gemälde nach Pressefotos von der Verhaftung eines Demonstranten oder einer Selbstverbrennung in einer Geste des Protests mit revolutionär roter Farbe übermalt. Das Bild von der Festnahme könne sie in Baku, wo nach der Verhaftung etlicher Journalisten die Angst herrsche, nirgends ausstellen, versichert Shikhlinskaya."
Die Gastkuratorin Zoé Samudzi sollte im Dresdner Museum Albertinum eigentlich vorgestern die Schau "Das Jahr 1983" eröffnen, nun hat sie plötzlich abgesagt, Ulrike Knöfel fragt sich bei Spon, woran es liegt: "Was man genau in der Schau hätte sehen können, ist im Detail nicht bekannt. Samudzi wollte selbst wohl die Gelegenheit der Ausstellung nutzen, um ihre Sicht aufs heutige Deutschland darzulegen. Auf Instagram schrieb sie: 'Wir wissen, dass das Ethos, das Deutschland in seiner kurzen Phase als imperiale Macht angetrieben hat, nie verschwunden ist'. Sie legte nach, 'dass die gegenwärtige völkermordende Außenpolitik eng mit den Grausamkeiten des faschistischen Imperialismus verbunden ist'. Kontroverse Behauptungen wie diese wären in der Dresdner Schau selbst nur möglich gewesen, wenn sie als Meinungsäußerungen der Kuratorin gekennzeichnet - und nicht als vermeintlicher Fakt wiedergegeben worden wären." An der Vorbereitung der Ausstellung waren auch BDS-nahe Künstlerinnen und Künstler beteiligt, weiß Knöfel.
Weiteres: Das Museum Reinhard Ernst eröffnet in Wiesbaden, Lisa Berins ist für die FR zugegen und stellt fest, dass mit "Farbe ist alles!" gleich zum Auftakt eine sehenswerte Auswahl aus der Sammlung des Gründers und Stifters gezeigt wird. Mit dem Preis der Nationalgalerie wird künftig keine Einzelperson mehr ausgezeichnet, sondern gleich die ganze Shortlist. Das stößt bei Welt-Kritiker Marcus Woeller auf Unverständnis: "Mit der Überbetonung des Kollektiven wird eine qualitative Entscheidung diskreditiert; die Jury delegitimiert sich selbst. Das entwertet nicht nur einen bedeutenden Kunstpreis, sondern missachtet das Interesse des Publikums am künstlerischen Wettkampf. Vor allem aber schwächt das die kritische Urteilskraft des Kunstbetriebs, die nicht nur nach den Erfahrungen einer kollektiv verantwortungslosen Documenta dringend gestärkt werden sollte." Die FAZ macht sich Gedanken zur Geschichte und Geschichtsschreibung der Fotografie und stellt mit Raoul de Keysers "Krijtlijnen hoek" das erste von elf Bildern mit Fußballthema vor, die anlässlich der Europameisterschaft näher betrachtet werden.
Besprochen werden: Nancy Holts "Circle of Light" im Martin-Gropius-Bau (SZ), Kate Andrews' "The Semantics of Softer Landings" in der Städtischen Galerie Bremen (taz) und Helena Uambembes "On the Site of the Okawango" in der Galerie Anton Janizewski (Tagesspiegel).
Musik
In der NZZ freut sich Christian Wildhagen darüber, dass zwar immer mehr Komponistinnen dem Vergessen entrissen werden. Bislang ist diese Bewegung aber noch sehr akademisch und beschränkt sich oft bloß auf Abhandlungen. "Eine lebendige Rezeption in den Konzertprogrammen, in der sich der Nachlass früherer Epochen auf seine Repertoiretauglichkeit befragen liesse, findet zu wenig statt." Das ist "kein Wunder, solange die heutzutage gespielten klassischen Werke immer noch zu weit über neunzig Prozent von Männern stammen - die Beharrungskräfte des Musikbetriebs sind immens. ... Der Musikbetrieb wird sich folglich über kurz oder lang einer Selbstrevision unterziehen müssen. Sie ist ihm schon einmal geglückt: bei der barocken und vorbarocken Musik." Dazu passend befasst sich Georg Beck in einem großen VAN-Essay ausführlich mit der Komponistin Maria Herz, auf deren vor ein paar Jahren wiederentdeckte Arbeiten sich im Betrieb gerade viele stürzen (mehr dazu bereits hier, im Archiv des Dlf Kultur findet sich außerdem ein großes Feature über sie).
Außerdem: Maxi Broecking porträtiert für die taz den südafrikanischen Jazzmusiker Nduduzo Makhathini, der gerade ein neues Album auf Blue Note veröffentlicht hat. Axel Brüggemann wirft für Backstage Classical einen Blick auf die Lage nach den Vorwürfen gegen François-Xavier Roth. Der Geiger Renaud Capuçon spricht in der FAZ mit Jan Brachmann über die Musik von Gabriel Fauré, dessen Kammermusik er gerade mit eingespielt hat. In der FAZ gratuliert Edo Reents Kinks-Musiker Ray Davies zum 80. Geburtstag. Julian Weber schreibt in der taz einen Nachruf auf den No-Wave-Musiker James Chance. In der Frankfurter Pop-Anthologie schreibt Jens Balkenborg über Beiruts Song "Nantes":
Besprochen werden Charli XCXs Album "Brat" (NZZ, mehr dazu bereits hier), ein Konzert von Mike Pattons Band Mr. Bungle in Berlin (Tsp), eine neue CD von Oscar Verhaar mit Händel-Aufnahmen (VAN), ein Konzert der Camerata Salzburg mit Hélène Grimaud in Berlin (VAN), ein von Herbert Blomstedt dirigiertes Mozart-Konzert des Tonhalle-Orchesters Zürich (NZZ), DIIVs neues Shoegaze-Album "Frog in Boiling Water" (taz) und das zweite Album der Staples Jr. Singers nach nur 50 Jahren (Zeit Online).
Außerdem: Maxi Broecking porträtiert für die taz den südafrikanischen Jazzmusiker Nduduzo Makhathini, der gerade ein neues Album auf Blue Note veröffentlicht hat. Axel Brüggemann wirft für Backstage Classical einen Blick auf die Lage nach den Vorwürfen gegen François-Xavier Roth. Der Geiger Renaud Capuçon spricht in der FAZ mit Jan Brachmann über die Musik von Gabriel Fauré, dessen Kammermusik er gerade mit eingespielt hat. In der FAZ gratuliert Edo Reents Kinks-Musiker Ray Davies zum 80. Geburtstag. Julian Weber schreibt in der taz einen Nachruf auf den No-Wave-Musiker James Chance. In der Frankfurter Pop-Anthologie schreibt Jens Balkenborg über Beiruts Song "Nantes":
Besprochen werden Charli XCXs Album "Brat" (NZZ, mehr dazu bereits hier), ein Konzert von Mike Pattons Band Mr. Bungle in Berlin (Tsp), eine neue CD von Oscar Verhaar mit Händel-Aufnahmen (VAN), ein Konzert der Camerata Salzburg mit Hélène Grimaud in Berlin (VAN), ein von Herbert Blomstedt dirigiertes Mozart-Konzert des Tonhalle-Orchesters Zürich (NZZ), DIIVs neues Shoegaze-Album "Frog in Boiling Water" (taz) und das zweite Album der Staples Jr. Singers nach nur 50 Jahren (Zeit Online).
Film
Donald Sutherland. Er konnte sanft sein. Er konnte Angst machen. Jetzt ist er im Alter von 88 Jahren gestorben
Er "war ein seltsam schöner, hochgewachsener Mann, der die Räume mit seiner Aura füllte, sobald er sie betrat", schreibt Andreas Scheiner in der NZZ. "Er konnte urkomisch sein, wie in der Rolle des verrückten Hawkeye Pierce in Robert Altmanns 'M*A*S*H' (1970), oder 'die traurigste Figur unter Gottes Sonne' spielen, wie er es für Frederico Fellini in 'Casanova' (1976) tat. ... Liebe, Kino, Politik - das gehörte bei Sutherland immer zusammen. Elegantes Konterkarieren war seine Kunst." Er "entwickelte sich im Kino und Fernsehen über die Jahrzehnte zu einer grauen Eminenz, deren Spezialgebiet aristokratische alte Löwen waren: Männer, die aus Geld und Verachtung gemacht schienen und die genau wussten, wie flüchtig Macht sein kann."
SZ-Kritiker David Steinitz erinnert sich an das "Erdbeben", das Sutherland einst mit Nicolas Roegs Kunst-Horrorfilm "Wenn die Gondeln Trauer tragen" in ihm ausgelöst hat: "Es ist die Geschichte einer nicht überwindbaren Trauer, die sich in kein Schauspielergesicht davor und danach so eingefräst hat wie in das von Donald Sutherland. Während er zu Beginn des Films das tote Kind in den Armen hält, weiß man bereits durch eine einzige Großaufnahme seines Gesichts, dass dieser Mann in seinem Leben kein Glück mehr spüren wird." Der einzige Schatten auf Sutherlands annähernd 60 Jahre währender Hollywood-Karriere ist nur der, er "nie für einen Oscar nominiert gewesen ist", schreibt Andreas Busche im Tagesspiegel. "Aber eigentlich war Sutherland auch viel zu abgeklärt für die amerikanische Filmindustrie. ... Das Böse und das Kindliche lagen im Spiel von Sutherland stets dicht beieinander, weswegen er in den Siebzigern wohl auch für die großen Regisseure des europäischen Autorenfilms so interessant war."
Die Regisseurin Julia von Heinz ärgert sich in einem Gastbeitrag für Zeit Online, dass Filme über die Shoah bei Produzenten, Kritikern und dem Publikum angeblich auf immer mehr Skepsis stoßen. Fast noch mehr ärgert sie aber, dass Filme über den Mord der Deutschen an den Juden ganz besonders penibel beurteilt und bewertet werden und dabei ein intellektuell besonders hochstehendes Soll zu erreichen haben: "Es kommt mir zynisch vor, die Tatsache zu ignorieren, dass man mit Mitteln des Spielfilms Herz und Verstand der Menschen erreichen kann. ... Es geht bei Filmen zum Holocaust nicht um die Frage, ob etwas gut, schlecht, zu unterhaltsam, zu emotional ist. Es geht um Angemessenheit. Und diese kann sich erst zeigen, wenn man beurteilen kann, ob der Film auch eine angemessene Reaktion hervorruft. Hat er Menschen bewegt, sensibilisiert, einen wichtigen Diskurs eröffnet, das Thema für eine neue Generation zugänglich gemacht?"
Weitere Artikel: Auf Artechock empfiehlt Rüdiger Suchsland die Berliner Ausstellung und Kino-Retrospektive zu den Filmen von Thomas Arslan. Paul Jandl beobachtet in der NZZ mit Kummer den Niedergang der Vorabendserien.
Besprochen werden Eva Trobischs Palliativ-Liebesdrama "Ivo" (Artechock, Zeit, unsere Kritik), Jeff Nichols' "The Bikeriders" (Welt, Artechock, mehr dazu bereits hier), Hans Blocks und Moritz Riesewiecks "Eternal You - Vom Ende der Endlichkeit" über das digitale Weiterleben nach dem Tod (FAZ), Kiah Roache-Turners "Sting" (Artechock), die Netflix-Doku "Black Barbie" (Standard), die im Opernmilieu angesiedelte ARD-Miniserie "For the Drama" (FAZ), Giacomo Abbruzzeses in Österreich startender "Disco Boy" mit Franz Rogowski (Standard) und David Bellos' Buch über Jacques Tati (FAZ).
RIP Donald Sutherland (1935-2024)
- DepressedBergman (@DannyDrinksWine) June 20, 2024
Invasion of the Body Snatchers (1978)
Director: Philip Kaufman pic.twitter.com/UNpVTmiQhx
Er "war ein seltsam schöner, hochgewachsener Mann, der die Räume mit seiner Aura füllte, sobald er sie betrat", schreibt Andreas Scheiner in der NZZ. "Er konnte urkomisch sein, wie in der Rolle des verrückten Hawkeye Pierce in Robert Altmanns 'M*A*S*H' (1970), oder 'die traurigste Figur unter Gottes Sonne' spielen, wie er es für Frederico Fellini in 'Casanova' (1976) tat. ... Liebe, Kino, Politik - das gehörte bei Sutherland immer zusammen. Elegantes Konterkarieren war seine Kunst." Er "entwickelte sich im Kino und Fernsehen über die Jahrzehnte zu einer grauen Eminenz, deren Spezialgebiet aristokratische alte Löwen waren: Männer, die aus Geld und Verachtung gemacht schienen und die genau wussten, wie flüchtig Macht sein kann."
SZ-Kritiker David Steinitz erinnert sich an das "Erdbeben", das Sutherland einst mit Nicolas Roegs Kunst-Horrorfilm "Wenn die Gondeln Trauer tragen" in ihm ausgelöst hat: "Es ist die Geschichte einer nicht überwindbaren Trauer, die sich in kein Schauspielergesicht davor und danach so eingefräst hat wie in das von Donald Sutherland. Während er zu Beginn des Films das tote Kind in den Armen hält, weiß man bereits durch eine einzige Großaufnahme seines Gesichts, dass dieser Mann in seinem Leben kein Glück mehr spüren wird." Der einzige Schatten auf Sutherlands annähernd 60 Jahre währender Hollywood-Karriere ist nur der, er "nie für einen Oscar nominiert gewesen ist", schreibt Andreas Busche im Tagesspiegel. "Aber eigentlich war Sutherland auch viel zu abgeklärt für die amerikanische Filmindustrie. ... Das Böse und das Kindliche lagen im Spiel von Sutherland stets dicht beieinander, weswegen er in den Siebzigern wohl auch für die großen Regisseure des europäischen Autorenfilms so interessant war."
Die Regisseurin Julia von Heinz ärgert sich in einem Gastbeitrag für Zeit Online, dass Filme über die Shoah bei Produzenten, Kritikern und dem Publikum angeblich auf immer mehr Skepsis stoßen. Fast noch mehr ärgert sie aber, dass Filme über den Mord der Deutschen an den Juden ganz besonders penibel beurteilt und bewertet werden und dabei ein intellektuell besonders hochstehendes Soll zu erreichen haben: "Es kommt mir zynisch vor, die Tatsache zu ignorieren, dass man mit Mitteln des Spielfilms Herz und Verstand der Menschen erreichen kann. ... Es geht bei Filmen zum Holocaust nicht um die Frage, ob etwas gut, schlecht, zu unterhaltsam, zu emotional ist. Es geht um Angemessenheit. Und diese kann sich erst zeigen, wenn man beurteilen kann, ob der Film auch eine angemessene Reaktion hervorruft. Hat er Menschen bewegt, sensibilisiert, einen wichtigen Diskurs eröffnet, das Thema für eine neue Generation zugänglich gemacht?"
Weitere Artikel: Auf Artechock empfiehlt Rüdiger Suchsland die Berliner Ausstellung und Kino-Retrospektive zu den Filmen von Thomas Arslan. Paul Jandl beobachtet in der NZZ mit Kummer den Niedergang der Vorabendserien.
Besprochen werden Eva Trobischs Palliativ-Liebesdrama "Ivo" (Artechock, Zeit, unsere Kritik), Jeff Nichols' "The Bikeriders" (Welt, Artechock, mehr dazu bereits hier), Hans Blocks und Moritz Riesewiecks "Eternal You - Vom Ende der Endlichkeit" über das digitale Weiterleben nach dem Tod (FAZ), Kiah Roache-Turners "Sting" (Artechock), die Netflix-Doku "Black Barbie" (Standard), die im Opernmilieu angesiedelte ARD-Miniserie "For the Drama" (FAZ), Giacomo Abbruzzeses in Österreich startender "Disco Boy" mit Franz Rogowski (Standard) und David Bellos' Buch über Jacques Tati (FAZ).
Literatur

Außerdem: Für die Welt porträtiert Sarah Pines den Comiczeichner Joann Sfar. Besprochen werden unter anderem Marianna Kijanowskas Lyrikband "Babyn Jar. Stimmen" (Standard), Lilly Gollackners SF-Roman "Die Schattenmacherin" (FR) und Daisy Hildyards "Notstand" (SZ). Mehr ab 14 Uhr in unserer aktuellen Bücherschau.
Bühne
Im Schauspielhaus Hamburg lässt sich Jens Fischer für die taz vom Vulgärfeminismus zum Lachen, aber nicht unbedingt zu einer tieferen Analyse bringen. "Die Schattenpräsidentinnen oder: Hinter jedem großen Idioten gibt es sieben Frauen, die versuchen, ihn am Leben zu halten" von Selina Fillinger handelt von den Frauen im Leben des amerikanischen Präsidenten und ihr (bereitwilligen) Unterdrückung, er selbst tritt nie in Erscheinung: "Der Einstieg mit vollem Karacho macht gleich Glanz und Problem der Umsetzung deutlich. Wer in rasendem Sprechtempo mit bissig-bösem Pointen, vulgären Ausrastern, rüder Zickigkeit, puffärmeliger Comicpuppenlustigkeit, betonierten Turmfrisuren und schrillschraubig hochgetunten Klischees einsteigt, hat sofort die Sitcom-Lacher auf seiner Seite. Steigerungsmöglichkeiten fehlen jedoch. So versucht Regisseurin Claudia Bauer mit gutem Timing das Energie-Level hochzuhalten. Dazu werden noch Gags addiert. Die einzelnen Szenen werden wie Runden beim Boxen angekündigt: Statt in feministischer Solidarität miteinander, wird gegeneinander agiert, zumindest verbal. Die Auseinandersetzungen kommen als rein äußerliche Virtuosennummern daher, was den Abend trubelig bewegt, aber nicht lebendig macht."
Besprochen werden: "Shout Aloud" von der Yasmeen Godder Company am Schauspiel Frankfurt (FR) und "Gulliver im Land der Riesen" von Ronny Jakubaschk am Neuen Theater Halle (Nachtkritik).
Besprochen werden: "Shout Aloud" von der Yasmeen Godder Company am Schauspiel Frankfurt (FR) und "Gulliver im Land der Riesen" von Ronny Jakubaschk am Neuen Theater Halle (Nachtkritik).
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