Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Blitzaktion von nur 28 Minuten

16.07.2024. Die FAZ bespricht Kirill Serebrennikows Film über die in Russland tabuisierte Homosexualität Tschaikowskis. Die taz freut sich, dass Remagen an die Künstlerinnen des Dada erinnert. FAZ und NZZ sind sich uneins: Ist William Kentridges Kammeroper "The Great Yes, the Great No" über südafrikanische Intellektuelle, die gemeinsam mit europäischen Flüchtlingen vor den Nazis fliehen, ein frischer Blick über den eurozentrischen Tellerrand oder kulturelle Aneignung? Der Standard langweilt sich, wenn Eminem mal wieder gegen Feministinnen und Liberale ätzt.

Metaphern für die verletzte Seele

15.07.2024. Die SZ watet bei Roger Vontobels Inszenierung von "Der Diplomat" bei den Nibelungenfestspielen in Worms im Blut. Eine Ausstellung in Rom, die Louise Bourgeois' Werke neben die der Alten Meister stellt, bringt bei der Welt alle Sinne zum Vibrieren. Zeit Online findet in einer Ausstellung in Marbach heraus, was den Erfolg von Verleger Siegfried Unseld ausmachte. Der Freitag findet: Das Mysterium Taylor Swift ist gar keines. Und die FAZ gibt Entwarnung: Mit einer Übernahme von Literatur durch KI sei auch in Zukunft nicht zu rechnen.

Sprachenergiefantasie

13.07.2024. Der Tagesspiegel betrachtet ehrfürchtig das rotgesichtige genießerische Bürgertum, das sich von Frans Hals verewigen ließ. Wenn jemand die Tragödie an deutschen Bühnen retten kann, dann Ramón del Valle-Inclán mit seinen Schauerpossen, versichert die FAZ - und macht sich anschließend zu einer Reise ins rumänische Babadag auf, wo Europa noch in Saft und Kraft steht. Der Filmdienst übt vergleichende Blickbewegungen in einer Berliner Thomas-Arslan-Ausstellung. Die taz steht im Humboldt-Forum und fragt: Warum nur sechs Quadratmeter für die Ostpunks?

Die ganze Dimension des menschlichen Horrors

12.07.2024. Literaturklassiker in einfacher Sprache? Was bleibt da noch von der Literatur, fragt sich die NZZ. FR und FAZ erfreuen sich an der postkolonialen Avantgarde der Casablanca Art School, die die Schirn ausstellt. FAZ und NZZ sind sich noch nicht ganz sicher, was sie mit der Stückeauswahl der Münchner Opernfestspiele anfangen sollen. Die Filmkritiker trauern um die Schauspielerin Shelley Duval, die Kunstkritiker um den Fotografen Thomas Hoepker.

Es ist beängstigend

11.07.2024. Die SZ ist genervt vom risikolosen Radical Chic an deutschen Bühnen, wie ihn zuletzt Oliver Frljić in der Berliner Zeitung zur Schau trug. Heute hofft in der Berliner Zeitung Thomas Ostermeier auf eine linke Volksfront in Deutschland, die mit dem kapitalistischen System auch dem Faschismus an den Kragen geht. In der Welt erklärt Nadja Tolokonnikowa von Pussy Riot, dass in Diktaturen Aktivismus selten sexy, aber immer gefährlich ist. Die FAZ feiert die Malerin Eva Beresin in der Wiener Albertina. Der Filmdienst bedauert, dass sich das Reflexionsniveau von Joachim A. Lang in seinem Film über Nazideutschland "Führer und Verführer" leider nicht zeigt.

Mitsamt zotteligem Hündchen

10.07.2024. Wo bleiben in Paris im Olympiajahr die architektonischen Utopien, fragt sich die SZ. Die FR flaniert durch eine Ausstellung im Städel und taucht ein in die Welt der Pariser Künstlerinnen-WGs. Die FAZ bejubelt die Wiederaufführung von Abel Gances Stummfilmepos "Napoleon" - eine atemberaubende Sinfonie des Grauens. Solidarität mit Israel zahlt sich in der Clubszene nicht aus, muss das Berliner About Blank laut Tagesspiegel derzeit erfahren. Die Musikindustrie muss die Gefahr durch KI endlich Ernst nehmen findet die SZ: Star-Wars-Powerballaden kann die künstliche Intelligenz schon. 

Nur in Karmesinrot konturiert

09.07.2024. Der Freitag unterhält sich mit René Aguigah über seine James Baldwin-Biografie und versucht, das Verhältnis zwischen Literat und Aktivist zu ergründen. Die Tochter von Alice Munro macht ihrer Mutter schwere Vorwürfe, berichtet die SZ. Die FAZ entdeckt im Grimaldi Forum in Monacco das "Sublime" in den Bildern William Turners. Außerdem begeistert sie sich für die Vielfalt und das Versöhnliche auf dem neuen Album von Swamp Dogg.

Ur-Seele der Welt

08.07.2024. Die SZ lernt von Maryam Moghadams und Behtash Sanaeehas Film "Ein kleines Stück vom Kuchen" Widerstand durch Genuss und Lebensfreude. Die Welt bewundert in London prunkvolle Roben - von Belle-Époque Maler John Singer Sargent auf ewig konserviert. Der Spiegel freundet sich mit Taylor Swift an. Die "Zauberflöte" und Südafrika - wer hätte gedacht, dass das so gut zusammenpasst, jubelt die nmz bei einer Inszenierung von Mark Dornford-May in Hannover. Die NZZ bangt um das Imperium von Mode-König Giorgio Armani.

Hoffen darf man ja

06.07.2024. Die taz bewundert in Wolfsburg, wie die dominikanisch-amerikanische Künstlerin Firelei Báez mit Fruchtzellen und Haarknoten in leuchtenden Farben gegen Rassismus ankämpft. Außerdem wirft die taz einen düsteren Blick in den Parallel-Literaturbetrieb, den die Neue Rechte seit Jahren aufbaut. Im WamS-Gespräch erklärt Joachim A. Lang, warum er in seinem Film "Führer und Verführer" neue Bilder von Hitler schaffen will. In der Berliner Zeitung wirft Gorki-Regisseur Oliver Frljić der deutschen Kulturpolitik und den Medien Unterdrückung Andersdenkender und Frauenfeindlichkeit vor.

Eine ständige subkutane Aktion

05.07.2024. Die NZZ glaubt nicht, dass das  Trump-Biopic "The Apprentice" je in die Kinos kommt: Die amerikanische Filmindustrie hat zu viel Angst vor dem Ruin. Die taz entdeckt mit Open Ground das neue Berghain ausgerechnet in Wuppertal. Die SZ setzt sich gegen Machtmissbrauch in der Tanzszene ein. Der NZZ ist außerdem nicht wohl zumute, wenn ein Zusammenschluss französischer Rapper Protest gegen den Rechtsruck in Frankreich mit Verschwörungstheorien verquickt.