Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Erinnerungen an Süße und Delikatesse

10.03.2025. Die FAZ erschauert abwechselnd vor Lust und vor Grauen, wenn Joana Mallwitz Ravels "La Valse" bei den Berliner Philharmonikern in den Abgrund führt. Die taz spürt göttliche Kräfte in Emanuel Gats Tanzstück "Freedom Sonata" am Haus der Berliner Festspiele. Im Perlentaucher stellt Angela Schader die amerikanische Autorin Sarah Bernstein vor, die die Frage nach dem Zusammenleben europäischer Juden und Nichtjuden im Schatten der Shoah stellt. Sieglinde Geisel und Marc Reichwein antworten außerdem auf die Perlentaucher-Kritikerumfrage. 

Die "uh-nanas" und "uh-gagas"

08.03.2025. Die Welt berichtet vom Solidaritäts-Abend für Boualem Sansal, bei dem Kamel Daoud mit wenig Hoffnung auf die Situation seines Freundes blickte. Die FAZ verneigt sich bei Thomas Ostermeiers Londoner Inszenierung von Anton Tschechows "Die Möwe" vor Cate Blanchetts Performance als alternder Diva. Zeit Online ärgert sich, dass RaMell Ross' geniale Verfilmung von Colson Whiteheads Roman "Nickel Boys" von der Filmwelt größtenteils ignoriert wurde. Die Musikkritiker feiern außerdem das neue Album der "Königin des Nonsens" Lady Gaga.

Immer ist da ein Widerstand

07.03.2025. Ziemlich entsetzt ist der Historiker Michael Wolffsohn in der NZZ über Yuval Abrahams und Basel Adras Doku-Film "No Other Land": Zu einseitig ist ihr die propalästinensische Darstellung.  Der Tagesspiegel reist nach Amsterdam, um den 80. Geburtstag des "notorischen Ruhestörers" Anselm Kiefer zu feiern. Und alle trauern um den Musiker Roy Ayers. Der Geiger Christian Tetzlaff  erklärt im Podcast von Backstage Classical, warum Amerika künftig auf ihn verzichten muss.l

Angst in Hymnen

06.03.2025. Der Tagesspiegel lauscht den stummen Botschaften von Pilzen, die Shu Lea Cheang durchs Münchner Haus der Kunst sendet. Die SZ weiß: Seit 2022 wusste man in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, welche Werke restituiert werden müssten. Gelungener Protest oder hohler Ketamin-Rave? Die Zeit klatscht Beifall, wenn Anne Imhof Teenager gegen Trump auf SUVs toben lässt. Mehr ist nicht drin?, fragt dagegen bestürzt Hyperallergic. Die taz klärt Trump, der dem Land klassische Architektur verordnet, über Repräsentationen von Macht auf. Die Zeit trifft sich mit Christian Kracht in Kalkutta.

Flammender Engel wider Willen

05.03.2025. Der taz wird in einer Istanbuler Ausstellung von Ahmet Güneştekin das Dilemma politischer Pop-Art vor Augen geführt: Kritische Ideen, gefällige Umsetzung. Eher um nichts als um alles geht es in Bong Joon-hos Science-Fiction-Spektakel "Mickey 17", ärgert sich die NZZ. Der Standard macht sich auf zum Theater an der Ruhr, wo mutige Theatermacher Pasolini gegen rechte Scharfmacher in Stellung bringen. Amerikanische Filmproduzenten schauen nur aufs Geld, meint Horrorfilmregisseur Tilman Singer in einem Roundtable-Gespräch auf critic.de - und findet das gar nicht mal so schlecht.

Nur irgendwie kratzt die Seide

04.03.2025. Nachlese zu einem ziemlich braven Oscar-Abend: Niemand zeigte Zähne, seufzt Zeit Online. Fürchtet die Filmszene Trumps Rache, fragt die NZZ. Kamel Daoud überlegt in Le Point, weshalb sich so wenige algerische Schriftsteller für Boualem Sansal aussprechen: "Man darf ihn nicht unterstützen, weil man riskiert, im Namen der angeblichen Befreier Palästinas gelyncht zu werden." Der Tagesspiegel blickt in Eberswalde auf Federzeichnungen von Lea Grundig auf das Wüten der Nazis. Und die Theaterkritiker bewundern, wie Jan Bosse mit Ayad Akthar in Wien KI auf die Bühne bringt.

Besteige dieses dunkle Roß und eile her

03.03.2025. Die Oscars bieten einige Überraschungen: Sean Bakers Independentfilm "Anora" über eine Sexarbeiterin, die sich von einem Russen nichts bieten lässt, ist der klare Gewinner: "Die Amerikaner sind offenbar begeistert davon, dass sich endlich mal jemand gegen einen mächtigen Russen behauptet", meint Moderator Conan O'Brien. "Falls die Russen kommen: Wir sind vorbereitet", warnt der estnische Schriftsteller Paavo Matsin beim Internationalen Literaturfestival Odessa, wie die SZ berichtet. Die FAZ schult in Remagen ihre Wahrnehmung mit den Nebelschwaden von Axel Hütte. taz und SZ erschrecken angesichts der Aktualität von Jette Steckels "Mephisto" in Hamburg.

In sich wachsen und mutig zu werden

01.03.2025. Die entsetzte FAZ lernt aus Sergei Loznitsas Doku "Die Invasion" (Arte), was russische Besatzung für die Ukraine bedeutet. In der FAS fragt Hito Steyerl: Wie kriegt man die Kunstfreiheit in die Kunst zurück? Die Welt geht mit der Künstlerin Leiko Ikemura eine Häsin gießen. Die Theaterkritiker liegen Stefanie Reinsperger zu Füßen, die in Dušan David Pařízeks Inszenierung von Brechts "Heiliger Johanna der Schlachthöfe" den Großkapitalisten Mauler gibt. Die Welt staunt außerdem, wie gut Brecht mit Ayn Rand zusammengeht. Der Abend ist nichts für Freunde veganen Theaters, warnt die SZ.

Da bröckeln die Jahrhunderte

28.02.2025. Alle trauern um Gene Hackman, der aus dem Alltäglichen etwas ganz Besonderes machen konnte. Der bayerische Kulturminister kündigt Rechtssicherheit für Restitutionen an, der Tagesspiegel bleibt skeptisch. Ebenfalls der Tagesspiegel entdeckt in der Berliner Akademie der Künste die DDR-Ästhetik des Dorfes Berka, das Ute und Werner Mahler und Ludwig Schirmer über siebzig Jahre fotografiert haben. Das Theaterkollektiv tutti d*amore räumt in der Deutschen Oper mit Wagnermythen und Operettenklischees auf, die taz schaut zu. Außerdem ärgert sie sich über die Machenschaften von Spotify.

Manchmal wird einfach ein Ohrläppchen abgezwickt

27.02.2025. Aktualisiert: Gene Hackman und seine Frau wurden tot aufgefunden, meldet Variety. Der Tagesspiegel bewundert Surrealistinnen aus Brasilien, Dänemark und der Schweiz in Hamburg. Während Bernhard Maaz, Direktor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, der SZ in der FAZ "Falschbehauptung" vorwirft, fordert der bayerische Landtag eilig eine Neuausrichtung der Provenienzforschung, meldet die SZ. taz und SZ kriechen mit Stefanie Sargnagel in Wien in den Darm der feinen Wiener Gesellschaft. James Mangolds "Like A Complete Unknown" über Bob Dylan mag ein wenig brav sein, vor Timothée Chalamet verneigt sich die Zeit allerdings.