Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
21.03.2025. Der Prozess gegen Boualem Sansal in Algerien wurde eröffnet, die Staatsanwaltschaft fordert zehn Jahre Haft, berichtet Le Monde. Die FAZ schwelgt mit den Designs von Willy Fleckhaus im Wiener Fotomuseum WestLicht im Aufbruchsgeist der Sechziger. Schwesternschaft und Rivalität erlebt die taz mit Karin Beiers Inszenierung der Donizetti-Oper "Maria Stuarda" auf der Bühne der Hamburger Staatsoper. Die neue Schweizer Kommission für Raubkunst stößt nicht nur auf Gegenliebe, weiß die NZZ.
20.03.2025. Die Welt feiert in London brasilianische Kunst, die dem identitätspolitischen Kulturknast entkommen ist. Artechock wiederum goutiert Tom Tykwers Film "Das Licht" als Befreiungsschlag aus dem allzuengen Plotgefängnis. Die Zeit, deren Literaturbeilage heute erschienen ist, plaudert mit Juli Zeh und David Finck über deren Leben als schriftstellerndes Paar. Die SZ geht vor der Sopranistin Corinne Winters auf die Knie, die in Leoš Janáčeks "Katja Kabanova" zur Rebellin reift. Die Welt wirft dem Spiegel wegen eines Artikels über das vermeintliche Mobbing von Müttern am Berliner Ensemble Verdachtsberichterstattung vor.
19.03.2025. Die FAZ kniet nieder vor Jamie Lee Curtis, die in Gia Coppolas Film "The Last Showgirl" sogar Pamela Anderson die Show stiehlt. Die taz ist gerührt vom Anblick welken Kohls - in einer Münchner Ausstellung des Ikebana-Künstlers Kosen Ohtsubo. Sensibilität war ein Fremdwort in der DDR, lernt die FR von Annett Gröschner. Die Welt applaudiert Katharina Wagners Lohengrin-Krimi in Barcelona. Außerdem spaziert die FAZ über den generalüberholten Berliner Gendarmenmarkt und wäre lieber in Rom oder Madrid.
18.03.2025. taz und FAZ feiern die Opulenz, mit der Robert Carsen in Berlin in Leoš Janáčeks selten gespielter Oper "Die Ausflüge des Herrn Brouček" elfenhafte Aliens Ballett tanzen lässt. Dank des mexikanischen Künstlers Mario García Torres ist die Documenta zu ihrem Siebzigsten in uneingeschränkter Feierlaune, freut sich Monopol. Und die Feuilletons trauern um Peter Bichsel, das helvetische Monument, das aus dem Unscheinbaren etwas Bedeutendes zog, und um Rosenstolz-Sängerin Anna R, "die Zarah Leander der deutschen Wiedervereinigung", wie die Welt schreibt.
17.03.2025. Der Tagesspiegel wird mitgerissen von der "archaischen Kraft" in Barrie Koskys Inszenierung der Glass-Oper "Echnaton". Die FAZ kritisiert das Bolschoi-Ballett, das eine Choreografie des Putinkritikers Alexei Ratmansky aufführt, ohne seinen Namen zu nennen. Zeit Online staunt beim International Countryfestival in Berlin über die immense Popularität dieser Musik: Liegt es an der Ehrlichkeit des Genres? In der FAZ erinnert der Literaturwissenschaftler Wolfgang Hottner an den norwegischen Schriftsteller Dag Solstad.
15.03.2025. Die Theaterkritiker schmelzen in Christoph Marthalers Volksbühnen-Inszenierung "Wachs oder Wirklichkeit" dahin: wundervoll verspult, schwärmt die Welt, aber auch tief schürfend, versichert die nachtkritik, FAZ und Tagesspiegel stimmen in das Lob ein. Die SZ erzählt die Geschichte der riesigen Kunstsammlung des Schweizer Immobilienbesitzers Bruno Stefanini, der neben Bildern auch die Turnschuhe von Sissi sammelte oder Wollknäuel und Metallstäbchen. Brauchen wir das Museum wirklich als moralische Anstalt, fragt die FAZ.
14.03.2025. In der SZ erzählt Yasmina Reza vom "alltäglichen Unglück", das es bei Gerichtsprozessen zu beobachten gibt. Fasziniert besucht die nachtkritik das Hamburger Schauspielhaus, in dem Karin Henkel Tove Ditlevsens "Die Abweichlerin" auf die Bühne gebracht hat. Die FAZ betrachtet im Rijksmuseum Amsterdam, wie der amerikanische Foto-Kanon neu justiert wird. Der Perlentaucher feierte gestern 25-jähriges Jubiläum im Deutschen Literaturarchiv Marbach. Und alle trauern um die Komponistin Sofia Gubaidulina.
13.03.2025. Die Filmkritiker sind sich uneins über Walter Salles' "Für immer hier" über die brutalen Übergriffe in den Siebzigern der brasilianischen Diktatur auf die linksbürgerliche Paiva-Familie: Einen wirklich wichtigen Film sehen Perlentaucher und FAZ, die NZZ meint, hier werde nur das Leid von Privilegierten gezeigt. Die FAZ lässt sich in Düsseldorf alle Formen von Mutterschaft von Mama bis Merkel vorführen. Bei VAN erklärt die Geigerin Lisa Batiashvili, warum sie nicht mehr in Russland, aber immer noch in den USA auftritt. Und die nachtkritik zieht Bilanz nach 20 Jahren postmigrantischem Theater.
12.03.2025. Der Perlentaucher resümiert seine Kritikerumfrage zur deutschen Gegenwartsliteratur: Aus einem breit gefächerten Feld ragt Emine Sevgi Özdamar heraus. Ein Keith-Jarrett-Film ohne Keith-Jarrett-Musik: Regisseur Ido Fluk erzählt in seinem neuen Film vom legendären "Köln-Concert" des Pianisten - der leider die Rechte zu den Aufnahmen seines Spiels nicht freigibt, berichtet critic.de. Der Standard freut sich darüber, dass die Band Burning Hell in ihrem neuen Album alles und jeden unterbringt - von Baudrillard bis Klimawandel.
11.03.2025. Der Perlentaucher veröffentlicht Thierry Chervels Interview mit Kamel Daoud, der mit ihm über die fatale Situation seines Freundes Boualem Sansal und die Machtdemonstrationen des algerischen Regimes gesprochen hat. Die FAZ erkennt dank Isa Genzken im Frankfurter Liebieghaus, dass die Gottkönigin Nofretete mit Sonnenbrille sogar noch eleganter ausgesehen hätte. Jungle World widmet Hirokazu Koreedas feinsinniger Mini-Serie "Asura" über ein japanisches Kleinfamilien-Chaos endlich die verdiente Aufmerksamkeit.