Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Adiós, Super-Mario

14.04.2025. Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa ist tot: Die Zeitungen trauern um einen Autor, der politische Missstände aufgezeigt und mit der "atemberaubenden Vitalität lateinamerikanischer Wirklichkeiten" gespielt hat. Die Welt feiert die Ambivalenz von Stefanie Reinspergers Sissi am Burgtheater, die SZ hingegen nervt der Feminismus in einfacher Sprache von Mareike Fallwickls Stück. Backstage Classical kritisiert die ARD, die klassische Konzerte auf Youtube hochlädt.

Eine lebenslange Abspaltung

12.04.2025. Die FAZ staunt im Gropius Bau über Yoko Ono. Die Literaturkritiker begrübeln Unselds Schweigen über seine NSDAP-Mitgliedschaft. In der FAZ erklärt Jürgen Habermas, er und Kluge hätten aber nichts davon gewusst. Die nachtkritik fragt, ob sie sich gemeint fühlen soll, wenn Emre Akal in seiner Münchner Inszenierung von Fassbinders "Katzelmacher" den Rassismus in die Mittelschicht verlegt. Die taz kann sich in Köln kaum satt sehen an den  Kinderspielen aus aller Welt, die Francis Alÿs gefilmt hat.

Deutet sich hier ein Gewitter an

11.04.2025. Die Feuilletons diskutieren über Siegfried Unselds NSDAP-Mitgliedschaft: Die FR wundert sich über die späte Entdeckung, die NZZ vermutet gar ein "intellektuelles Kartell des Schweigens". Peter Truschner fragt sich im Perlentaucher, ob Juergen Tellers Auschwitz-Buch den Ort wirklich neu beleuchten kann. Die FR bestaunt im Wallraf-Richartz-Museum die Impressionisten-Sammlung des Ehepaars Brown. Die taz stellt fest: Immer mehr Frauen nehmen die Turntables als DJs für sich ein.

Variationen auf ein Thema, das nie alt wird

10.04.2025. In der Zeit eröffnet der Historiker Thomas Gruber einen Zufallsfund: Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld war ab 1942 NSDAP-Mitglied. Der Tagesspiegel wundert sich, dass beim Blick in Unselds Biografie niemand vorher danach gefragt hat. Die FAZ erliegt in Paris dem verwegenen Zauber leuchtender Landmaschinen auf David Hockneys iPad-Malereien. Der Filmdienst empfiehlt Jan Schomburgs ZDF-Serie "Die Affäre Cum-Ex", die auch die Verbindungen zur Politik andeutet.

So hell und hoffnungsvoll

09.04.2025. Paolo Sorrentinos "Parthenope" ist eine filmische Liebeserklärung an Neapel und an die Schönheit schöner Frauen, in der alles ein bisschen zu üppig geraten ist, wie die taz findet. Wenn Stephen Lawless am Theater Lübeck Wagner inszeniert, wird nicht mehr aus Liebe gestorben, staunt van. Synchronsprecher europaweit schlagen Alarm, berichtet die SZ: KI bedroht ihre Arbeit. Die Welt flaniert in Karlsruhe durch eine Medienkunst-Ausstellung und meint: die klassischen Künste sind irgendwie sinnlicher. Musiker, die sich als Rebellen inszenieren, bringen uns nicht weiter, meint der Jazzer Wynton Marsalis im NZZ-Gespräch.

Dass Küsse fallen

08.04.2025. Die FAZ berichtet von der russischsprachigen Buchmesse "Berlin Bebelplatz", die vor allem literarischen Dissidenten Gehör verschaffen will. Die SZ hängt in einer Bochumer Ausstellung auf dem "Hug Sofa" der Künstlerin Valentina Karga ab und schaut sich dabei Videos vom Klimawandel an. Die FR würde in einer Wiesbadener Inszenierung des "Barbiers von Sevilla" am liebsten mit Nikolaus Habjans Puppen über die Bühne fliegen. Und die NZZ macht in einer Zürcher Ausstellung über die frühen Techno-Jahre die Nacht zum Tag. Und Peter Handke ist sich in der NZZ sicher: Europa hat Selenski zum Krieg ermuntert...

Sozusagen die analoge Hippie-Antwort

07.04.2025. Die SZ ist Schorsch Kamerun dankbar, dass er in seiner Musik-Revue "Große Gewinne Schwere Verluste" am Deutschen Theater Berlin die Hauptstadt mal wieder in purer Lebensfreude erstrahlen lässt. Die FAZ blickt in einer Ausstellung im Lenbachhaus wehmütig auf die Landschaften vergangener Zeiten. Die taz fühlt sich in Fleur Fortunés Science-Fiction-Film "The Assessment" an Kafka und Mondrian erinnert. Außerdem trauert sie um den Singersongwriter Michael Hurley, der alles mögliche war, aber niemals "career-minded". Die FAS greift eine amerikanische Kunstdebatte auf: Ist es reaktionär gegen "woke" zu sein?

Sprich, Cecilia, sprich!

05.04.2025. Im Perlentaucher protestiert der Schriftsteller Christian Kortmann gegen die schlechten Bedingungen, die sogenannte Schriftstellerstipendien und Stadtschreiberstellen bieten. Das Kino ist heute nicht mehr so frei wie früher, klagt der italienische Regisseur Paolo Sorrentino in der WamS. In der FAZ schwärmt der slowakische Schriftsteller Michal Hvorecký von der atemberaubenden Schönheit der Cecilia Gonzaga, die Donatello in einer Büste verewigt hat, zu sehen im slowakischen Zips.

Barfuß auf der glühenden Lava

04.04.2025. Die Raubkunst-Affäre in Bayern zieht immer weitere Kreise: FAZ, SZ und NZZ vermuten, dass Bernhard Maaz als Sündenbock für das Fehlverhalten von Minister Markus Blume herhalten muss. Wie schwierig es war, im Nachwende-Osten aufzuwachsen, lernt der Tagesspiegel von Constanze Klaues Film "Mit der Faust in die Welt schlagen" nach dem Roman von Lukas Rietzschel. Kader Attous "Prélude" überzeugt die FR auf dem Tanzmainz-Festival durch seine Rhythmusbetontheit. SpOn kann in der Debatte um den Preis der Leipziger Buchmesse an Kristine Bilkau nicht nachvollziehen, woher der Vorwurf kommt, männliche Kritiker würden ihr den Preis nicht gönnen.

Als ob gerade etwas verweht

03.04.2025. Nach der Raubkunst-Affäre in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen entlässt Bayerns Kulturminister Markus Blume deren Generaldirektor Bernhard Maaz, verkündet die SZ. Es lag noch viel mehr im Argen, mutmaßt die FR. Die taz würde im Berliner Haus am Waldsee gern an Ull Hohns schwefelgelben Gemälden über amerikanischen Kolonialismus lecken. Die Zeit fühlt sich unwohl, wenn Blixa Bargeld von Claudia Roth das Bundesverdienstkreuz erhält. Und alle trauern um Hollywoods leuchtenden Boomer Val Kilmer.