Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Fieberdelirien aus der Serienproduktion

28.04.2025. Die FAZ erinnert Rieke Süßkows Inszenierung von Jean Genets "Zofen" daran, wie radikal fremd die Avantgarde mal war, die FR findet sie eher dekorativ. Die Zivilisation ist ins Wanken geraten, lernt die FAZ von den Klimawandel dokumentierenden Fotografien in der Kunsthalle München. Backstage Classical unterhält sich mit der israelischen Sopranistin Chen Reiss über den wachsenden Antisemitismus in der E-Musik-Szene. Ist der Schweizer Pass eine Design-Ikone, möchte der Tages-Anzeiger wissen.

Und dann ist es plötzlich vorbei

26.04.2025. Im FAZ-Interview ist der Filmregisseur Michael Lokshin schockiert, wie schnell sich der "neue Stalinismus" in Russland ausbreitete. Der syrische Schriftsteller Ahmad Katlesh schildert auf Zeit Online das Grauen, das ihn bei seiner Rückkehr nach Syrien erwartete. Die FAZ lernt in Chemnitz Künstler des Realismus' aus 22 Ländern kennen. Die SZ gerät in Trance, wenn Igor Levit unter Leitung von Marina Abramović dreizehn Stunden lang Erik Saties "Vexations" spielt. Und die FAS denkt heute ausgiebig über Original und Fälschung nach.

Verhaltensanreicherung

25.04.2025. Der Guardian wartet mit Antony Gormleys Menschen aus Blei bang darauf, abgefeuert zu werden. Besteht der Musikjournalismus eigentlich nur noch aus Gossip und Skandälchen, seufzt die taz. Die FAZ fragt sich, was Zootiere eigentlich von Erlebnisarchitektur halten. Der Standard stellt österreichische Literatinnen vor, die einen modernen Heimatbegriff pflegen.

Vergeblich versuchen sie zu gefallen

24.04.2025. Der Perlentaucher hört die Farben im Laub rascheln in Naoko Yamadas synästhetischem Animefilm "The Colors Within" über zwei Mädchen in einem religiösen Internat. Die SZ staunt über die bahnbrechende Idee der Oscar-Akademie: Die Juroren sollen die Filme künftig auch anschauen. Die FAZ erfährt in den Bildern von Céline Ducrot und Cathrin Hoffmann in Gießen: Auch im Posthumanismus sind Frauen noch dem männlichen Blick unterworfen. In der Welt hält der Literaturwissenschaftler Alexander Pschera mit Blick auf dessen Briefe fest: Ernst Jünger war kein Pazifist.

Maries Geist

23.04.2025. In der Zeit fragen Charlotte Gneuß und Dana Vowinckel, ob nicht wenigstens die jüdischen Suhrkamp-Autoren ein Recht darauf hatten zu wissen, dass Siegfried Unseld in der NSDAP war. Warum, empört sich die Welt, kaufen die Freunde der Nationalgalerie 2024 ein Werk der Künstlerin Jumana Mannas, die nach dem 7. Oktober die Mordtaten der Hamas feierte? Zwischen E und U muss in der Musik auch weiterhin unterschieden werden, sonst ist unsere geistige Versorgung in Gefahr, meint der Komponist Helmut Lachenmann ebenfalls in der FAZ. Und: Die Feuilletons trauern um den Schweizer Germanisten Peter von Matt.

Menschheit in der Klemme

22.04.2025. Die SZ bewundert, wie Raoul Peck in seinem Dokumentarfilm das Leben des südafrikanischen Fotografen Ernest Cole anhand von dessen Aufnahmen erzählt. Die NZZ staunt, wie Norman Foster einen 60-stöckigen Bankenkoloss in New York auf Zehenspitzen tänzeln lässt. Die taz demontiert in Berlin den Heroismus von Georg Kolbes Skulpturen. Und der FAZ ist unwohl, wenn Sandra Hüller in Halle eine genderneutrale Penthesilea auf die Bühne bringt.

Sanft entchristlicht

19.04.2025. Die FAZ beäugt beim Photo Brussels Festival skeptisch die "alternative Vergangenheit", die durch Künstliche Intelligenz geschaffen wird. Die SZ sieht in der aufgedeckten NSDAP-Mitgliedschaft von Siegfried Unseld eine "Fallstudie des deutschen Kleinbürgertums". Die Filmkritiker werden umgehauen von Ryan Cooglers "Blood & Sinners", der gleichzeitig Vampirfilm, Drama über Rassismus und Horrorfilm aus schwarzer Perspektive ist. Die Welt würde sich wünschen, dass Christian Thielemann als  Generalmusikdirektor der Staatsoper klare Kante in kulturpolitischen Fragen zeigt.

Das Cabrio als Pazifist

17.04.2025. Siegfried Unseld hat seine NSDAP-Mitgliedschaft nicht verschwiegen, finden zwei Forscher aus Marbach für die FAZ heraus. Die Zeit hält an ihrem Blick auf die Sache fest und kritisiert sein späteres Schweigen. Die SZ blickt in der Bundeskunsthalle Bonn in die bis heute nachwirkenden Abgründe der Lebensreformbewegung, von denen deutsche Institutionen lieber nicht allzu viel wissen wollen. Die Filmkritiker erleben in Alex Garlands und Ray Mendozas "Warfare" den puren Krieg ganz ohne "weltdeuterisches Mackertum".

Er kam, sang und siegte

16.04.2025. Die FAZ ist hin und weg von Nadezhda Karyazina, die sich in Simon McBurneys Salzburger "Chowanschtschina"-Inszenierung bis in größte Gottesnähe singt. Die Zeit ist irritiert, dass manch einer  Siegfried Unselds NSDAP-Mitgliedschaft als Nebensächlichkeit abtun will. "Liebe", ein Film des Berlinale-Gewinners Dag Johan Haugeruds, ist zwar literarisch grundiert, findet jedoch zu einer sinnlichen Sprache des Kinos, freut sich der Filmdienst. Die Feuilletons verabschieden sich von Peter Seiffert - der weltweit gefeierte Tenor war ein Wagner-Held aus dem Bilderbuch, findet die Welt.

Eskapade gut situierter Gesellschaftsdamen

15.04.2025. Der Berliner Senat überlegt, die ehemaligen Ost-Berliner Theater umzustrukturieren, berichtet die taz, Theatermacher bangen um ihre Jobs. Die NZZ lässt sich in London von Tuschezeichnungen Victor Hugos auf Wendeltreppen in die Hölle führen. Die FAZ zeichnet Mario Vargas Llosas Wandel vom glühenden Linken zum passionierten Liberalen nach.