Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Als fahre der Wind hinein

13.08.2025. Der Standard applaudiert Christophe Honorés Film "Marcello Mio", in dem Chiara Mastroianni ihren Vater Marcello Mastroianni spielt. Die FAZ findet sich in Versailles von Angesicht zu Angesicht mit dem Sonnenkönig wieder - oder zumindest mit seiner prächtigen Büste, geschaffen von Gian Lorenzo Bernini. Die Welt lauscht bei den "Kleinen Nachtmusiken" der Salzburger Festspiele einer zirpenden Zauberflöte. Die taz feiert einhundert Jahre "Berliner Moderne". 

Radikal politisch bis radikal dumm

12.08.2025. Zombies, Zahnschmerzen und Penisse, die an Bäumen wachsen: Dem Standard schwirrt nach Radu Judes "Dracula"-Film, der beim Filmfestival Locarno zu sehen war, der Kopf. Die SZ erinnert anlässlich des 70. Todestages von Thomas Mann an dessen Exiljahre in den USA, als er im Verdacht stand, Kommunist zu sein. Die FR trauert mit den Korallen-Drucken der australischen Künstlerin Janet Laurence um das "verbrannte Meer". 

Großzügigkeit für alle

11.08.2025. Bei den Innsbrucker Festwochen sind die Kritiker gespaltener Meinung, was Antonio Caldaras dreihundert Jahre alte Oper "Ifigenia in Aulide" angeht: Schlechter Trash, sagt die SZ, guter Trash, findet der Standard. Hinrich Baller ist tot: Der Architekt hat Berlin mit eigenwillig-symphatischen Bauten geprägt, erinnern sich die Zeitungen. Die Welt besucht die Wim-Wenders-Ausstellung in Bonn. Die SZ ist noch auf der Suche nach dem diesjährigen Sommerhit. Aber immerhin gibt es eine sensationelle Nick-Drake-Box, freut sich die FAZ.

Er hält die Putzfrau für einen 'Repto'

09.08.2025. Wie hielt es Dimitri Schostakowitsch mit Stalin, fragen sich die Feuilletons zum heutigen 50. Todestag des russischen Komponisten. In Russland jedenfalls werden die subversiven Botschaften seiner Musik einfach geleugnet, weiß die FAZ. Die taz lernt in Julian Vogels und Johannes Büttners Film "Soldaten des Lichts" die gefährlichen Heilmethoden von Verschwörungstheoretikern kennen. In der NZZ glaubt die in Russland geborene Schriftstellerin Anna Prizkau nicht an die Kraft politischer Literatur. Und der Guardian blickt in Paris zurück auf 5000 Jahre Geschichte Gazas.

Ohne süßliche Zuspitzung

08.08.2025. Die Welt berichtet von Doppelmoral am Royal Opera House in London: Mit Anna Netrebko wird gern wieder zusammengearbeitet, eine Koproduktion mit der Israeli Opera in Tel Aviv wurde nach Protesten der Mitarbeiter indes kurzfristig abgesagt. Wenn es die Deutschen nicht gerade mit Humor versuchen, haben deutsche Filme durchaus Erfolg im Ausland, bemerkt der Filmdienst. Mehr als 20.000 aller pro Tag neu hochgeladenen Songs sind von KI generiert, hält die taz fassungslos fest. Die FAZ bewundert im Centre Pompidou in Metz Kunst, die aus Kopien entstanden ist. Und alle trauern um Jazzlegende Eddie Palmieri.

Mit einem Rechen geharkt

07.08.2025. Die Welt lässt sich von Christoph Wiesner, Chef der Rencontres d'Arles, erklären, wie Bilder Widerstand leisten. In der Zeit erzählt Thriller-Autor Marc Elsberg, wie ihm Künstliche Intelligenz die Arbeit erleichtert. Die FR amüsiert sich in Bayreuth mit Karikaturen zu Richard Wagners Musik. Die FAZ hört tiefe Trauer und einen Unterton von Gewalt, wenn Igor Levit bei den Salzburger Festspielen eine Klaviersonate von Schostakowitsch spielt.

Ausgedachtes über Eisenbahnen und Katzen

06.08.2025. FAZ und SZ ziehen sich in der Münchner Ausstellung "Für Kinder" in einen zeltartigen Mutterleib zurück. In der Welt erklärt der Psychologe und Schriftsteller Leon Engler, was die moderne Psychologie mit Botanik zu tun hat. Der Guardian reist in New York durch achtzig Jahre amerikanische Kunstgeschichte. Die FAZ porträtiert den Designer Rafael Horzon, der "neue Wirklichkeiten" schafft, aber anwaltlich verfügt hat, nicht Künstler genannt zu werden. Und der Filmdienst schaut Helge Schneider bestens gelaunt dabei zu, wenn er im "Klimperclown" sein geglücktes Leben dokumentiert.

Hier steppt der Cyborg

05.08.2025. Die SZ erzählt eine Literaturgeschichte des Autounfalls. Die FAZ bringt ein dringendes Plädoyer für Tim Ellrichs Debütfilm "Im Haus meiner Eltern", der in der Mediathek des ZDF zu sehen ist. In Kiel betrachtet die taz Philip-Lorca diCorcias Porträts männlicher Prostituierter aus derr Reagan-Ära porträtierte. Die Theaterkritiker feiern Oliver Mommsen, der an der Komödie am Kurfürstendamm alle Charaktere von Tschechows "Onkel Wanja" verkörpert. Die SZ denkt mit Musik der Spice Girls darüber nach, wo die Neunziger feministisch so standen.

Ein demokratisches Störgeräusch

04.08.2025. Die taz hat ausgeprägte Zweifel, ob Wolfram Weimers Filmförderung den deutschen Film wirklich konkurrenzfähig machen wird. Die Welt lässt sich auf dem Jerusalem Film Festival von Nadav Lapids wilder Satire auf Israels unmoralische Eliten begeistern. Die Kritiker treffen sich in Salzburg bei Ulrich Rasches Donizetti-Inszenierung "Maria Stuarda": Der Standard lobt die Stimmen, der Tagesspiegel betont den politischen Charakter des Stücks. Die NZZ bestaunt den tintenklecksförmigen Neubau des LA County Museum of Art von Peter Zumthor.

Konzentration auf das Sichtbare

02.08.2025. Die Theaterkritiker trauern um Robert Wilson, den unbeugsamen Radikalen unter den Theatermachern. Außerdem: Die FAZ bestaunt in Paris die fantastischen Roben von Charles Frederick Worth und Paul Poiret. Die SZ versteht, warum der Schauspieler Pedro Pascal derzeit so beliebt ist: Er ist so nett!  Die FAZ versteht, warum die Arbeiterfotografie der Weimarer Republik derzeit so beliebt ist: Sie ist so emotional. Die FR verzweifelt an der Pop-Linken und ihrer Hamas-Verehrung. Im Interview mit der FAS spricht der Autor Jiaming Tang über Homosexualität in China, wo sie kulturell nicht existiert.