Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

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01.08.2025. "Schreiben wird zur Wunschtechnik", fürchtet Clemens J. Setz mit Blick auf die Zukunft der KI in der Literatur. Das Visuelle ist politisch, lernt die SZ in der radikalen Wolfgang-Tillmans-Schau im Centre Pompidou. Die FAZ bohrt sich mit dem Fotografen Gregor Sailer unter die Baustelle des Brenner Basistunnels. Der Freitag schaut gern zu, wenn die patente DDR-Elektrikerin Wilma in Maren-Kea Freeses "Wilma will mehr" Pech in persönliches Glück verwandelt. Und die Agenturen melden den Tod des Regisseurs Robert Wilson.

Gehen wir zurück an den Ursprung

31.07.2025. Ein echtes Theaterjuwel findet die SZ im Salzburger Marionettentheater mit Igor Strawinskys "Geschichte vom Soldaten", die mit Puppen von Georg Baselitz erzählt wird. Im Zeit-Interview spricht Isabel Allende über ihren Roman "Mein Name ist Emilia", der vom Militärputsch in Chile im 19. Jahrhundert handelt. Die FAZ bestaunt derweil das nachhaltige Bauprojekt Thoravej 29 in Kopenhagen. Die FR jubelt über die befreiende Nichtsnutzigkeit von Akiva Schaffers Reboot des Nonsense-Klassikers "Die Nackte Kanone". 

Theater als Zauberbude

30.07.2025. Die Schreihälse, die die Eröffnung der Salzburger Festspiele störten, sind keine Friedensaktivisten, sondern Hamas-Fans, stellt der Spiegel klar. Theater gespielt wird in Salzburg aber auch: An Julien Gosselins in Salzburg aufgeführtem Bühnenspektakel "La Passe" scheiden sich die Geister. Vor allem das irre Lachen der Hauptdarstellerin Victoria Quesnel findet großen Anklang bei der Nachtkritik, der SZ ist das alles ein bisschen zu hysterisch. Die Reform der Filmförderung kommt dank geschickter Lobbyarbeit womöglich doch noch in Schwung, hofft die FAZ. Kaum noch Gegenwart, nur noch aufgewärmte Vergangenheit bietet die Popmusik dieser Tage, stöhnt die Welt.

Es wird geballert, Freunde

29.07.2025. Die FAZ sieht sich in der russischen Kunstszene um, in der das Tabu, den Krieg nicht zu thematisieren, nicht gilt, wenn die "militärische Spezialoperation" gefeiert wird. In Bonn begegnet die FAZ derweil dem treuesten Begleiter des Menschen. Dank Peter Sellars erfahren die Theaterkritiker bei den Salzburger Festspielen, wie sehr Mahler und Schönberg harmonieren. Die SZ schwebt wie eine klirrende Partikelwolke durch Nikias Chryssos' und Viktor Jakovleskis Techno-Film "Rave On". Und Zeit Online überlegt, ob enge Fan-Beziehungen Spotify die Kunden abgraben.

Gegen die alltägliche Hässlichkeit

28.07.2025. Die Kritiker geben sich auf dem grünen Hügel die Klinke in die Hand: Die FAZ bestaunt eine bunte Kuh als Zeichen für die Aufgeblasenheit der Debatte um Kunst als Ausdruck von Nationalstolz, die SZ ärgert sich über die Harmlosigkeit der "Meistersinger"-Inszenierung von Matthias Davids. Die FAZ sieht mit den Kunstwerken von Lovis Corinth, wie erratisch die Auswahl verbotener Werke durch die Nazis wirklich war. Und sie macht sich Gedanken, was es bedeutet, wenn Curtis Yarvin die Biennale in Venedig kapert. Die Welt erinnert an die schwarze Komponistin Florence Price. Und die FAZ trauert um den Designer Peter Schmidt.

Bei D-Dur sehe ich Gelb

26.07.2025. Literatur muss vor dem Krieg scheitern und trotzdem davon künden, erklärte Serhij Zhadan in seiner Rede zur Verleihung des Österreichischen Staatspreises für Europäische Literatur, die die taz abdruckt. Der Guardian erfährt in einer Andy Goldsworthy - Retrospektive in der Royal Academy of Scotland, wie schockierend Natur sein kann. Die FAZ lernt im "Palais de l'art déco" in Saint Quentin wie japanischer Jugendstil aussieht. Die SZ erklärt einer lange vernachlässigten Architekturform ihre Liebe: der Treppe

Der Horror, der Horror

25.07.2025. Die FR unternimmt mit der Malerin Toyin Ojih Odutola Fantasiereisen per U-Bahn vom Hamburger Bahnhof bis nach Westafrika. Die taz verschafft sich im Zürcher Cabaret Voltaire mit den Schlangen und Skorpionen von Emma Jung Zugang zum Unbewussten. Die FAZ blickt auf den Bücherherbst und birgt ein paar Schätze. Artechock ärgert sich, dass die Medien den Tod des Produzenten Rob Houwer einfach verpennt haben. Und: das Museum berlin modern wird teurer und später fertig, meldet unter anderem der Tagesspiegel.

Das ist mir wurscht!

24.07.2025. Die Zeit blickt auf das Bühnen-Imperium des russischen Dirigenten Valery Gergiev. Der Perlentaucher bewundert in Charlène Faviers Biopic über die Femen-Aktivistin Oksana Schatschko den Mut einer jungen Frau, Madonnen, die Burka tragen und Erzengel mit Sturmgewehr. FR und Zeit freuen sich tierisch über Adam Elliotts Knete-Animationsfilm "Memoiren einer Schnecke". Die NZZ erklärt, warum sich Koreaner bis ins 20. Jahrhundert nicht im Spiegel anschauten - es lag an der Architektur. 

Das ist Pop-Essenz

23.07.2025. Die Feuilletons trauern um den legendären Rocker und Fledermaus-Kopfabbeißer Ozzy Osbourne, dessen anarchische, dunkle Kraft der Standard auch noch im hohen Alter zu spüren vermochte. Die Zeit erlebt einen intensiven Abend mit Milo Raus "Prozess Pelicot" in Avignon, wo viele die Täter persönlich kennen. In Zeiten von KI wird menschliche Autorenschaft zum literarischen Gütesiegel, lernt die SZ. Die in Berlin ausgestellte Fotografin Marta Astfalck-Vietz macht sich in ihren Bildern selbst zur Spielfigur, staunt die FAZ. Die Welt schimpft über marodierende Kiffer in Mahler-Konzerten.

Beliebigkeit einer Generation Yolo

22.07.2025. Die FAZ widmet sich dem Thema Übersetzung und KI: Japanisch kann die Künstliche Intelligenz jedenfalls noch nicht so gut, stellt sie fest. Wird es in Russland bald verboten sein, Harry Potter zu streamen? Ein neues Gesetz könnte dafür sorgen, berichtet die FR. Der Guardian schwärmt in einer Ausstellung in Sydney von den "glühenden" Monden der Malerin Janet Dawson. Die Welt trauert derweil um den Deutschrap, der im Sterben liegt.