Efeu - Die Kulturrundschau
Kapitalismus ist schlimm, Männer sind schuld
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21.04.2026. Die taz stellt den kurdisch-stämmigen Modedesigner Sezgin Kivrim vor, der mit der kurdischen Flagge auf einem Pulli einen Shitstorm ausgelöst hat. Die FAZ wandert durch die poststrukturalistisch angelegten Ausstellungsräume der neuen David Geffen Galleries in LA und überlegt, was Elitismus ist. Monopol feiert in Baden-Baden die so unheimliche wie schöne Kunst von Katharina Wulff. Die NZZ wirft jungen Schriftstellerinnen wie Sally Rooney und Caroline Wahl vor, nur sozialverträglich aufmüpfig zu sein.
9punkt - Die Debattenrundschau
vom
21.04.2026
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Lilly Schröder porträtiert in der taz den kurdisch-stämmigen Modedesigner Sezgin Kivrim, der die kurdische Flagge in einen Pulli gestrickt hat,, damit viral gegangen ist und sich dafür einen Shitstorm aus anti-kurdischen Kreisen eingefangen hat: "'Ich hätte nicht gedacht, dass Menschen sich von der Sichtbarkeit einer Kultur so getriggerd fühlen', sagt Kivrim, insbesondere, weil er sie an keiner Stelle mit Staaten wie Irak, Syrien, Iran oder Türkei in Verbindung gesetzt habe." Dies "sei eine bewusste Entscheidung gewesen. 'Die kurdische Geschichte wird immer nur über Unterdrückung und Leid erzählt', sagt er. 'Ich will aber über die schönen Dinge unserer Kultur sprechen: unsere Bräuche und Traditionen, Gemeinschaft und Zusammenhalt - über Sonnenblumenkerne essen und Tee trinken.' ... Die Mode von Sezgin verbindet Tradition und Moderne: Handarbeit und Blümchenstoffe der Oma treffen auf zeitgenössisches Modedesign. Damit möchte Kivrim dem Narrativ, dass Kurden 'zurückgebliebene Bauern in den Bergen' seien, etwas entgegensetzen."
Helmut Stalder erinnert in der NZZ an den Installateur Walter Franke, der einst zahlreiche Normen ins Industriedesign eingeführt hat, unter anderem "die Schweizer Küchen-Norm, das Schalensystem Gastro-Norm, das normierte Bierfass und die durchorganisierten Systemküchen in Schnellrestaurants. Der Metallbauer prägte damit die Kultur des Kochens rund um den Erdball."
Kunst

Weitere Artikel: In der SZ schreibt Peter Richter den Nachruf auf Brigitte Meese, Mutter, "Modell, Muse, Mitarbeiterin" des Künstlers Jonathan Meese, die im Alter von 96 Jahren verstorben ist. Besprochen wird die Ausstellung "D'Ette Nogle: 'Let it R.I:P.' im Kunstverein Braunschweig (taz).
Bühne

SZ-Kritikerin Christiane Lutz rechnet es Regisseur Jan Friedrich hoch an, dass sie zur Abwechslung mal gut gelaunt aus dem Theater kommt. Seine Adaption von Tonio Schachingers mit dem Buchpreis ausgezeichneter Gaming-Geschichte "Echtzeitalter" am Münchner Volkstheater ist witzig, unterhaltsam und sensibel: "Till und seine Mitschüler tragen in den Klassenzimmerszenen Masken mit puppenhaft verzagten Gesichtsausdrücken und 'grüne Polohemden und braune Segelschuhe, rosa Poloblusen und weiße Jeans', wenig subtile Hinweise auf ihren sozialen Status. Die Schauspieler wechseln fliegend und mitreißend zwischen allen weiteren Rollen, es wird gerauft, gepöbelt, gesäftelt, geraucht, getanzt." . Als "Tills Vater an Krebs stirbt, ist das ein für die Zuschauer überraschender Moment und für Till eine ausschließlich persönliche Angelegenheit, mit wenigen, exakt eingesetzten Blicken und Worten auf der Bühne doch nachspürbar." Friedrich bleibt nah an der Vorlage und damit leider etwas hinter den "gigantischen Möglichkeiten des Theaters" zurück, merkt Lutz an, die trotzdem sehr zufrieden ist.
Besprochen wird Zufit Simons Inszenierung von "The Fight Club" zur Eröffnung des Best OFF Festival Freier Theater in Hannover (taz), Marta Górnickas Inszenierung von "Kassandra" am Maxim Gorki Theater (FAZ), Jorinde Dröses Inszenierung von Caren Jeß' Stück "Bookpink New Arrivals" am Deutschen Theater Berlin (taz), Marc von Hennings Inszenierung seines Stücks "Unruhe am Rand der Schöpfung" im Theater am Leibnizplatz in Bremen (taz) und Paloma Muñoz' Choreografie "Im Mohnfeld" im Mainzer Staatstheater (FR).
Architektur

Frauke Steffens besucht für die FAZ die Eröffnung der neuen David Geffen Galleries des LACMA in Los Angeles. Ersonnen hat den 724 Millionen Dollar teuren Neubau der Schweizer Architekt Peter Zumthor mit dem Segen von Museumsdirektor Michael Govan. Schon seit zwanzig Jahren wird über den Bau gestritten, resümiert die Kritikerin: über das Material (Beton), den hohen Preis, und auch die neue Ausstellungsstrategie ist nicht für jedermann gemacht. "Im Inneren zeigt sich schnell, dass der Direktor und sein Architekt in der Konzeption der Ausstellungsräume einem poststrukturalistischen Ansatz folgen, wie ihn zum Beispiel auch die Erweiterung des MoMA in New York prägt: weg von starren Schauen in klassischer didaktischer Absicht hin zu Ausstellungen, die Querverbindungen zwischen Kulturen und Epochen sichtbar machen und auf den Anspruch verzichten, zur Bildung ihrer Besucher beizutragen (...)" Der Kritikerin gefällt das ganz gut, niedrigschwellig ist das aber nicht: "Ein 'Wohnzimmer für die Angelenos' solle das neue LACMA werden, gibt Govan den Besuchern am Ende mit auf den Weg. Der Eintritt in dieses Wohnzimmer kostet allerdings am Wochenende, wenn die meisten Menschen Zeit haben, 25 Dollar Eintritt. Vielleicht wäre etwas mehr Ehrlichkeit angebracht", denkt sich Steffens, die das ganze vor allem für einen Egotrip Govans hält.
Musik
Literatur
"Hinter der Kulisse aus ökonomischer Teilhabe, sexueller Selbstverfügung und moralischer Eindeutigkeit herrscht eine merkwürdige Leere", beobachtet Sara Rukaj, online (aber hinter einer paywall) nachgereicht in der NZZ am Sonntag, eine Tendenz unter jungen Schriftstellerinnen - sie nennt vor allem Sally Rooney und Caroline Wahl - , die Aufmüpfigkeit zwar markieren, dabei aber "sozialverträglich" bleiben, weil sie bloß eine einstudierte Rolle erfüllen. Entsprechend gefällig sei auch ihre Literatur: "Haltung ohne Konsequenz, Kritik ohne Erkenntnisgewinn, garniert mit einer Larmoyanz, die niemand ernsthaft beeindruckt, aber viele zuverlässig nervt. Kapitalismus ist schlimm, Männer sind schuld, Eltern beschädigt, und das Ich eine Dauerbaustelle mit Anspruch auf Subventionierung. ... Bleibt die Frage, wohin sie alle verschwunden sind - die unbequemen, widersprüchlichen, mitunter auch unsympathischen Frauen, die weder gefallen noch erziehen wollen. Die 'böse Frau', einst eine literarische Figur von beträchtlicher Ausdauer, ist heute weitgehend verschwunden. Dabei war sie gerade deshalb interessant, weil sie irritierte, widersprach - und damit zum eigenständigen Denken zwang." Rukaj nennt hier vor allem die Literatur von Patricia Highsmith, Elfriede Jelinek und Leïla Slimani.
Weiteres: Jan Wiele berichtet in der FAZ vom Hildesheimer Festival Litglow, das der literarische Nachwuchs organisiert hat und "jugendlichen Charme mit erwachsenen Existenzsorgen, aber auch Hoffnungen verbindet". Besprochen werden unter anderem Ali Smiths "Gliff" (FR), Judith Schalanskys Poetikvorlesung "Marmor, Quecksilber, Nebel" (FAZ) und Curtis Sittenfelds Erzählungsband "Mittelalte Frauen" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Weiteres: Jan Wiele berichtet in der FAZ vom Hildesheimer Festival Litglow, das der literarische Nachwuchs organisiert hat und "jugendlichen Charme mit erwachsenen Existenzsorgen, aber auch Hoffnungen verbindet". Besprochen werden unter anderem Ali Smiths "Gliff" (FR), Judith Schalanskys Poetikvorlesung "Marmor, Quecksilber, Nebel" (FAZ) und Curtis Sittenfelds Erzählungsband "Mittelalte Frauen" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Film

Weiteres: Valerie Dirk porträtiert im Standard den österreichischen Dokumentarfilmemacher Richard Ladkani, der eben einen Film über die indigene Aktivistin Juma Xipaia gedreht hat. Tobias Sedlmaier spricht in der NZZ mit der Schweizer Regisseurin Natascha Beller über die Rahmenbedingungen von Dreharbeiten in der Schweiz. In der FAZ gratuliert Dietmar Dath Claire Denis zum 80. Geburtstag. Marius Nobach schreibt im Filmdienst einen Nachruf auf die Schauspielerin Nathalie Baye, die unter anderem für Truffaut vor der Kamera stand.
Besprochen werden Julia Roeslers "Luisa" über sexuellen Missbrauch in einem Pflegeheim für Behinderte (taz), Lee Cronins Horrorfilm "The Mummy" (Standard, unsere Kritik), die dritte Staffel der HBO-Serie "Euphoria" (NZZ) und die ZDF-Serie "Escort Boys" (FAZ).
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