Efeu - Die Kulturrundschau

Warum das Lebensende am Höhepunkt?

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07.05.2014. Maria Lassnig ist tot. Der Standard und Die Presse trauern um Österreichs große Künstlerin, die in die Malerei Spannungsfarben, Schmerzfarben und Krebsangstfarben eingeführt hat. Die NZZ sichtet die Sammlung des Louvre Abu Dhabi in Paris. Als Therapeutikum gegen deutschen Humor empfiehlt Zeit Online Benjamin Heisenbergs Psychoanalyse-Komödie "Über-Ich und Du".

Kunst

Im Standard schreibt Andrea Schurian einen schönen Nachruf auf die Maria Lassnig, die ihr zuletzt noch sagte: "'Den Tod habe ich abgelehnt und fand es eine wahnsinnige Verschwendung, dass das Leben plötzlich aus ist. Warum das Lebensende am Höhepunkt? Aber jetzt sehe ich, dass man sich von der Welt langsam entfernt. Eigentlich stelle ich mir meinen Tod sehr sanft vor.' Maria Lassnig, die große österreichische Malerin war zeitlebens ironisch und selbstironisch, bitterböse, sehnsuchtsvoll und abgeklärt. Jugendfrisch und altersweise. Kämpferisch und poetisch. Alles. Nur nicht altersmilde oder gar sentimental."

Und in der Presse erklärt Almuth Spiegler Lassnigs Programm der harten, schonungslosen Selbstbeobachtung: "Hunderte Selbstporträts, die sie 'wie mit geschlossenen Augen' auf die Leinwand bannte. 'Ich habe damals entdeckt', so Lassnig, 'dass ich das malen möchte, was ich spüre.' Gleichsam nackt trete sie jedes Mal vor die Leinwand, ohne Hilfsmittel, ohne Spiegel. Dafür mit den 'Urzustandswerkzeugen', mit Pinsel und Stift. Bestimmte Farben wählte sie nach bestimmten Zuständen aus, erfand so Krebsangstfarben, Schmerzfarben, Druckfarben, Spannungsfarben, Dehnungsfarben, Kälte- und Wärmefarben." (Maria Lassnig: Die Mehlspeisenmadonna)

"Hochkarätig, aber profillos" findet Marc Zitzmann die junge Sammlung des Louvre Abu Dhabi, die derzeit in Paris zu besichtigen ist und mit der die Politik den französischen Museen eine echte "Katastrophe" eingehandelt hat: "Diese sind verpflichtet, über zehn Jahre hinweg jährlich 300, dann 250 und endlich 200 Werke (darunter ein Drittel aus dem Louvre) für eine völlig unübliche Leihdauer von zwölf Monaten nach Abu Dhabi zu schicken, um die noch im Aufbau befindliche Sammlung aufzustocken. Bei diesen Leihgaben wird es sich um Spitzenwerke handeln, die fast alle aus den Museumssälen des Louvre oder des Musée d'Orsay geholt werden müssen - etwa Leonardo da Vincis 'Belle Ferronnière' oder Manets 'Fifre'."

Frederik Hanssen (Tagesspiegel) bringt Hintergründe zum geplanten Umbau des Magazingebäudes der Berliner Staatsoper zur Barenboim-Said-Akademie. Im Tagesspiegel schreibt Jan Oberländer über den Fotograf Harald Hauswald, der die letzten Tage der DDR dokumentierte. Außerdem präsentiert die Zeit in einer Bilderstrecke Farbaufnahmen aus den USA des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Besprochen werden Erwin Wurms Kunst-Installation "One Minute Sculptures" im Frankfurter Städel Museum (FR) und Ulla von Brandenburgs Ausstellung "Drinnen ist nicht Draußen" im Kunstverein Hannover (Freitag).
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Literatur

Die FAZ bringt einen ganzseitigen Auszug aus Arthur Schnitzlers bislang unveröffentlichter Novelle "Später Ruhm". "Es ist schon sehr viel mehr vom großen Schnitzler in dieser Novelle zu erkennen, als ihr Verfasser selbst geahnt haben dürfte", merkt Hubert Spiegel dazu an.

Besprochen werden Sibylle Lewitscharoffs neuer Roman "Killmousky" ("Um dies einen 'grandiosen Kriminalroman' zu nennen, muss man schon für die Suhrkamp-Werbung arbeiten", unkt Jochen Vogt im Freitag), Alison Bechdels Comic "Wer ist hier die Mutter?" (Tagesspiegel - mehr), Volker Brauns Arbeitsbuch "Werktage 2" (FR), Loic Dauvilliers und Glen Chaprons Comicadaption von Yasmina Khadras Roman "Das Attentat" (Tagesspiegel), Heinz Helles Roman "Der beruhigende Klang von explodierendem Kerosin" (Tagesspiegel - mehr), Ludwig Heinrich von Jakobs autobiografische Schrift "Denkwürdigkeiten" (NZZ) Louise Erdrichs Roman "Das Haus des Windes" (FAZ) und Najem Walis Roman "Bagdad Marlboro" (SZ - mehr).
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Musik

Einige Hip-Hop-Texte sind sprachlich vielfältiger als Shakespeare, meldet Maria-Xenia Hardt in der FAZ unter Rückgriff auf die Ergebnisse einer Computerauswertung. Allerdings möchte sie auch nichts auf Shakespeares Punchlines kommen lassen. Alle lieben, alle porträtieren Friedrich Liechtenstein: Heute ist Gunda Bartels dran, die im Tagesspiegel über den Berliner Bohèmien aus Anlass seines Auftritts beim Festival für "Doofe Musik" schreibt. Außerdem neu beim Rolling Stone: Eric Pfeils neuester Eintrag im Poptagebuch.
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Design

(via Jezebel) Bei der jährlichen Wohltätigkeitsgala des Metropolitan Museums (Karte: 25.000 Dollar) konnte man sogar auf dem Klo glamouröse Fotos machen. Uns gefallen am besten - in dieser Reihenfolge - Kirsten Dunst wegen ihres galaktischen Minimalismus, Maggie Gyllenhaal wegen ihres 70er Jahre Mimimalismus, die Olsen Schwestern wegen ihres hexenhaften Charmes und Diane Krüger wegen ihres puren Hübschseins. Alle Fotos auf einen Blick bei Jezebel.
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Bühne

Besprochen werden Robert Borgmans beim Berliner Theatertreffen aufgeführter "Onkel Wanja" (Berliner Zeitung), die Sarajevoer Ausgabe von Hans-Werner Kroesingers und Regine Duras fernerhin in Belgrad und Istanbul Station machenden Dokutheater-Stücks "1914/2014: Schlachtfeld Erinnerung" (taz) und Amir Reza Koohestanis im Mousonturm Frankfurt aufgeführtes Stück "Timeloss" (taz)
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Film

Dass mit Benjamin Heisenbergs Psychoanalyse-Komödie "Über-Ich und Du" ausgerechnet ein Film aus dem Umfeld der vermeintlich drögen Berliner Schule die deutsche Komödie wiederbelebt, sollte Humor-Produzenten zu denken geben, meint Andreas Busche in Zeit Online: "Womit das Problem der deutschen Komödie umrissen ist: Je eindeutiger die Witze, desto undifferenzierter wird ihr Zielobjekt. Der Erkenntniswert deutschen Humors bleibt überschaubar. So belässt Heisenberg seine Figuren und ihre Verstrickungen lieber im Vagen, und die Stimmen, die in 'Über-Ich und Du' ständig zu hören sind, könnten ebenso gut aus den Heißluftballons kommen, die immer wieder ohne Grund über den Protagonisten auftauchen, wie pure Einbildung sein."

In der taz empfiehlt Bert Rebhandl die Berliner Filmreihe "Korrespondenzen - Sechs filmische Briefwechsel": "Was die Selbstreflexion des Kinos anlangt, sind diese Korrespondenzen eine Fundgrube par excellence. Vor allem aber sind sie ein Dokument der unerhörten Intelligenz, die dieser im Alltag immer wieder so triviale Betrieb hervorbringt und unterhält, den wir Weltkino nennen."

Außerdem: Hanns-Georg Rodek schreibt einen Nachruf auf Tatiana Samoilowa, den größten Star des sowjetischen Kinos: Mit "Wenn die Kraniche ziehen" bracht sie Cannes zum Weinen! Für die Berliner Zeitung hat sich Susanne Lenz mit dem Regisseur Andreas Prochaskas unterhalten, dessen Alpenwestern "Das finstere Tal" (hier ein Pressespiegel) für den Deutschen Filmpreis nomininert ist. Der Freitag bringt eine Übersetzung von Oliver Burkemans Porträt des "Breaking Bad"-Hauptdarstellers Bryan Cranston aus dem Guardian. Und Marco Koch vom Filmforum Bremen führt wieder durch Aktualitäten aus der deutschen Filmblogosphäre.

Besprochen werden Jason Reitmans neuer Film "Labor Day" (Berliner Zeitung, critic.de) und die norwegische Teenie-Komödie "Turn Me On" (critic.de, "höchst ungezogen emanzipativ" meint Dietmar Dath in der FAZ).
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