Najem Wali

Bagdad Marlboro

Roman
Cover: Bagdad Marlboro
Carl Hanser Verlag, München 2014
ISBN 9783446244856
Gebunden, 350 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich. Ein Jahr nach dem Einmarsch der Amerikaner in den Irak wird der Erzähler in Bagdad von einem Unbekannten kontaktiert. Der ehemalige Leutnant der US-Armee war während des zweiten Golfkriegs an der Tötung wehrloser irakischer Soldaten beteiligt. Nun möchte er dem Erzähler ein Heft übergeben, in dem die Träume und Wünsche jener Soldaten verzeichnet sind - er will Buße tun und die Namen der Opfer vor dem Vergessen retten. In seinem neuen großen Roman über Freundschaft, Verrat und Schuld zeigt Najem Wali, wie leicht und blind sich die Geschichte wiederholt - und wie man mit Literatur dagegen ankämpfen kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.06.2014

Mit großem Interesse hat Rezensent Stefan Weidner den vierten Roman des in Basra geborenen und in Berlin lebenden Schriftstellers Najem Wali gelesen. Der Kritiker betont, dass dieses Buch aus der Vielzahl von Irak-Kriegsromanen hervorsteche, da Wali seine Erzählung vom iranisch-irakischen Krieg Anfang der achtziger Jahre über die Kämpfe in Kurdistan und den Kuweit-Krieg bis zum amerikanischen Einmarsch und dem grausamen Nachkrieg ausweite: Weidner liest die Geschichte zweier Freunde, die sich über die Liebe zur Poesie kennenlernen, der eine Iraker, der andere Amerikaner, und die beide zu Mördern werden. Der Rezensent bewundert die Gabe des Autors, sich in seine zahlreichen Haupt- und Nebenfiguren einzufühlen, dabei umfangreiche Nebenerzählungen nach dem Prinzip von "Tausendundeine Nacht" einzubinden und dennoch die Geschichte seines spannenden Romans nie aus den Augen zu verlieren. Darüber hinaus erhält Weidner hier tiefe Einblicke in den qualvollen Alltag der Iraker und liest neben den eingeflochtenen Gedichten von Sargon Boulus auch einiges über die Geschichte des Whistleblowers Bradley Manning.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.06.2014

Keineswegs als hasserfüllte politische Abrechnung mit den USA, sondern vielmehr als einen ergreifenden und bewegenden Roman über Krieg, Tod und Freundschaft im Irak nach 2003 liest Ingo Arend den Roman "Bagdad Marlboro" von Najem Walis. Unfähig, an das alte Leben wieder anzuknüpfen - gar unfähig überhaupt noch zu leben -, wandeln die zwei Protagonisten Salman Madi und Daniel Brooks durch ihre nicht zu bewältigenden Traumata, fasst der Rezensent zusammen. Die einzige Hoffnung liegt für ihn in der Erzählung: Katharsis durch das aufgeschriebene Wort. Und diese feiert Arend als Prosa von Weltrang.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.05.2014

Keine leichte Kost, der neue Roman von Najem Wali, stellt Karl-Markus Gauß klar: inhaltlich - es geht um einen "Strudel von Mord und Rache, Gegenmord und Widerache" und die Verheerungen, die 35 Jahre kriegerischer Auseinandersetzungen dem Irak zugefügt haben - ist er deprimierend, und auch strukturell stellt er den Leser mit vielen Zeitsprüngen vor eine Herausforderung. Doch der Rezensent lässt keinen Zweifel daran, dass es sich um eine lohnende Lektüre handelt. Dem im deutschen Exil lebenden irakischen Autor ist ein "anspruchsvoller, packender Kriegsroman" gelungen, mit literarischer Raffinesse und tiefen Einblicken in die irakischen Wunden, meint Gauß.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.04.2014

"Die Hölle ist tatsächlich etwas verstörend Gegenwärtiges", lernt ein tief beeindruckter Rezensent Andreas Pflitsch aus dem neuen Roman von Najem Wali. Wali erzählt hier nicht eine Geschichte, sondern mehrere, über mehrere Personen - ein irakischer Erzähler, ein arabischer Dichter, ein amerikanischer Soldat - und Kriege: der iranisch-irakische Krieg, der Kuweit-Krieg, der zweite Irakkrieg. Zwischen den drei Personen schafft ein Brief die Verbindung. Alle drei leiden unter den entsetzlichen Grausamkeiten, die sie erlebt und verübt haben. Dem Dichter haben sie die Sprache geraubt, doch lässt Wali keinen Zweifel, dass am Ende nur das Erzählen die Sprachlosigkeit überwinden kann. Ein Paradox, doch hat es Methode, so Pflitsch. Walis verschachtelte Erzählweise lässt den Leser lange im Dunkeln darüber, was genau passiert ist. Er ist verunsichert, ähnlich wie die Protagonisten im Roman, erklärt der Rezensent. Nur langsam lernt man verstehen.