Efeu - Die Kulturrundschau

Die Maßlosigkeit, das Schlingern

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04.02.2014. Die totale Isar-Dominanz beim Theatertreffen beschäftigt alle Zeitungen: Vier von zehn Einladungen gingen nach München. Die taz lässt sich vom dänischen DJ-Duo Den Sorte Skoles erklären, warum eine pauschale Abgeltung für Samples nötig ist. Der Standard lernt im Museumsquartier die bulgarische Mauer kennen. The Atlantic erzählt eine Kulturgeschichte des Männerbarts. Und alle trauern immer noch um Philip Seymour Hoffman.

Bühne

Viel München, kaum Berlin beim kommenden Theatertreffen, berichtet in der Welt Matthias Heine, der durch die teilnehmenden Inszenierungen führt und dabei ein Detail hervorhebt: "Auffällig ist, dass die Jury drei Neuanfänge in wichtigen deutschen Städten komplett ignoriert: Weder Köln, noch das Berliner Maxim-Gorki-Theater noch das Deutsche Schauspielhaus Hamburg wurden für einladungswürdig befunden." Patrick Wildermann greift im Tagesspiegel lakonisch auf Parallelen zu weiteren asymmetrischen Lagen im Berlin-Münchner Verhältnis zurück, um sich dann aber doch noch eine Handvoll Trost aus den Rippen zu schneiden: "Totale Isar-Dominanz, wie man sie vom FC Bayern kennt. Fast unheimlich. Berlin dagegen: Hertha-mäßig schwach vertreten ... [Doch] eine der vier eingeladenen Münchner Inszenierungen - 'Reise ans Ende der Nacht' von Louis-Ferdinand Céline - verantwortet Frank Castorf." In der SZ findet Christine Dössel die Auswahl - bei aller Freude über die vier Einladungen für München - "schade, mutlos und auch ein bisschen fade".

Weiteres: Trashpapst John Waters kommt für eine Theatertour nach Deutschland. Im Freitag steht er Jürgen Ziemer Rede und Antwort. Wobei man John Waters nicht nur lesen, sondern unbedingt erleben sollte. Auf Youtube bietet sich die Möglichkeit dazu:



Besprochen werden Kenneth MacMillans Choreografie "Anastasia" mit dem Ballett des Saarländischen Staatstheaters Saarbrücken (FAZ) und die Uraufführung der Stücke "Intensivtäter" von Paul Brodowsky und "Seattle" von Dirk Laucke am Theater Freiburg (FAZ, nachtkritik).
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Musik

Über dieses Album und seine Produktion sollte man eine Debatte führen, schlägt Jens Uthoff in der taz vor. Es geht um "Lektion III" von den DJs Den Sorte Skoles, das komplett aus - allerdings nicht lizenzierten - Samples besteht. Weshalb das Album nun als Download und Stream verschenkt wird: "Die Lizenzierung wollte das Duo laut Auskunft mit dem Weltverband der Phonoindustrie (IFPI) pauschal regeln. Vergeblich. ... Das Einholen aller Copyrights - Track by Track - hätte das Projekt verhindert. In einem Interview mit dem Blog Nothing but hope and passion fordern Den Sorte Skole eine pauschale Abgabe und das verpflichtende Registrieren von Samples. Es ist wert, Lizenzierungsfragen und deren Vereinfachung am Beispiel des dänischen Duos zu diskutieren."



Weitere Artikel: Philipp Rhensius resümiert in der taz das Berliner CTM-Festival. Verena Fischer-Zernin und Matthias Gretzschel trauern in der Welt, Ulrich Amling im Tagesspiegel um den Dirigent Gerd Albrecht. In der Welt begutachtet Michael Pilz das neue, "auf hinreißende Art verwirrende" Video von Shakira und Rihanna.
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Stichwörter: Copyright, DJs, Rihanna

Literatur

Das musste ja passieren: Katholik und Schriftsteller Matthias Matussek feiert seinen Springer-Einstand mit einem Porträt über Schriftsteller und Katholik Martin Mosebach. Gemeinsam leert man zwei Flaschen Wein, kommt auf katholische Sexualmoral zu sprechen und gibt einander Tipps für die Schreibstube. Wegen der Demonstrationen hessischer Dialektdetails verpasst Matussek schließlich seinen Zug.

Außerdem: In der Berliner Zeitung berichtet Jutta Harms ausführlich über das Internationale beim internationalen Comicfestival in Angoulême. In der NZZ setzt Christian Gasser den Schwerpunkt auf den "unbestrittenen Höhepunkt" in Angoulême, die Ausstellung "Tardi et la grande guerre". Wolfgang Schneider berichtet über eine vom British Council in Berlin veranstaltete Jubiläumstagung zum 450. Geburtstag Shakespeares (FAZ).

Besprochen werden u.a. Nathanael Wests neu übersetzter Roman "Der Tag der Heuschrecke" (NZZ) und Janet Frames Roman "Auf dem Maniototo" (NZZ). Mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr.
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Kunst

Anne Katrin Feßler schreibt im Standard kurz über die Ausstellung "Places of Transition" im Wiener Museumsquartier, die konkrete, lokale Aspekte des globalen Wandels vorstellt: "Sich Grenzen zu öffnen, um dafür andere hinter sich zu schließen; auf diese sehr gängige Praxis der Abschottung verweist Vikenti Komitski mit seiner mobilen Pop-Up-Wall: Zwar haben sich Bulgaren den Arbeitsmarkt im EU-Raum erobert, wehren aber mit einem 30-Kilometer-Zaun nun den syrischen Flüchtlingstrom ab."

Außerdem: In der Berliner Zeitung liefert Nikolaus Bernau Hintergründe zur neuerlichen Diskussion über die Entwürfe für das Kulturforum Berlin heute Abend.
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Stichwörter: Bernau, Kulturforum

Film

Alle trauern um den überraschend gestorbenen Schauspieler Philip Seymour Hoffman. In der taz verabschiedet sich Sven von Reden von "einem der bedeutendsten US-Schauspieler seiner Generation", der - selten mit Hauptrollen gesegnet - auch in Nebenrollen zu brillieren wusste: "Im Zweifelsfall reichten ihm wenige Leinwandminuten, um im Gedächtnis zu bleiben." In der Welt sieht Dirk Peitz schon jetzt fassungslos eine tiefe Lücke im amerikanischen Kino klaffen - "Wer soll denn jetzt diese Figuren spielen, wegen denen so viele Filme dann doch Seele hatten, etwas zutiefst Menschliches, häufig Abgründiges, still Verzweifeltes, latent Hoffnungsloses?" - und empfiehlt dringend die Lektüre dieses Porträts von 2008 aus dem New York Times Magazine. Daniel Kothenschulte würdigt Hoffmans Spiel in der FR und sieht mit seinem Tod auch das gute amerikanische Kino näher an seinen Untergang gerückt: "Hoffmans Spezialität bestand darin, nicht einfach Menschen zu spielen, wie sie sind. Er spielte sie so, wie sie sich selbst spielen, wenn sie mehr sein wollen als sie sind. "Die Maßlosigkeit, das Schlingern, die sein Spiel charakterisierten, lagen wohl auch seinem eigenen Lebensentwurf zugrunde", schreibt Patrick Straumann in der NZZ. Auf Vimeo gibt es bereits ein zu Herzen gehendes Tributvideo:



Dylan Farrows neuerlich geäußerte Missbrauchsvorwürfe gegen Woody Allen lassen Cristina Nord in der taz vor allem ratlos zurück: "Nichts ist erreicht, wenn man sich nun fragt, ob man noch Filme von Woody Allen gucken darf. Wer meint, er sei ein besserer Mensch, weil er auf 'Manhattan' oder 'Der Stadtneurotiker' verzichtet, macht es sich leicht. Ungleich schwieriger ist es anzuerkennen, dass einen die Geschichte, die Dylan Farrow auf der Website der New York Times vorträgt, traurig und ratlos macht. Wenn man daraus überhaupt einen Schluss ziehen möchte, dann vielleicht den, die eigene Fähigkeit zur Empathie besser auszubilden." In der Welt liefert Damir Fras Hintergründe.

Außerdem: Lars von Trier ist gewiss kein guter Mensch, aber "einer der interessantesten Regisseure der Gegenwart", schreibt Ekkehard Knörer in seinem Porträt des dänischen Autorenfilmers im Freitag. In der taz berichtet Isabella Reicher vom Filmfestival in Rotterdam. Besprochen werden das Remake von Paul Verhoevens Science-Fiction-Klassiker "RoboCop" (Berliner Zeitung), der ZDF-Fernsehfilm "Mein Mann, ein Mörder" (Welt) und Roger Michells neuer Film "Le Weekend" (taz).
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Design

Auch bei uns ist er zurück: der Männerbart. Sogar in seiner wilhelminischen Form schmückt er derzeit diverse Models, die für schicke Label fotografiert werden. In The Atlantic erzählt Sean Trainor eine kleine Kulturgeschichte des Männerbarts seit dem 18. Jahrhundert. "Wie unzählig andere Geschichten ist auch diese voller Widersprüche. Sie beginnt mit weißen Amerikanern, die zur Zeit der Revolution Rasieren als eine Angelegenheit von "Minderwertigen" betrachteten. Sie geht weiter mit schwarzen Unternehmern, die es in eine Quelle von Reichtum und Prestige verwandelten. Und sie schließt mit der Anerkennung des Bartes - einer aus der Verzweiflung geborenen Mode, die sich in ein Symbol männlicher Autorität und weißer Überlegenheit verwandelte."
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Stichwörter: Models