Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Alles scheint zu fliegen

30.12.2024. Die Initiativen für die Freilassung von Boualem Sansal lassen nicht nach: Eine Gruppe aus Autoren und Universitätsleuten veröffentlicht einen Aufruf in L'Express. Der algerische Präsident Abdelmadjid Tebboune griff Sansal in seiner Neujahrsansprache derweil scharf an, berichtet Marianne. Die FAZ amüsiert sich in Tallinn mit den Bildern des estnischen "Kosmo-Erotikers" Ülo Sooster, dem auch die Sowjets das Lachen nicht austreiben konnten. Die Filmkritiker bejubeln Dominik Grafs neuen "Polizeiruf"-Krimi "Jenseits des Rechts". 

Von der südostasiatischen Schleichkatze ausgeschieden

28.12.2024. Der Guardian gleitet auf Zen-Wolken in London durch die superflachen Gemälde von Takashi Murakami. Politische Kunst verlor ihre Bedeutung, als Haltungen selbst zur Marke der Künstler wurden, konstatiert Zeit Online. Die FAZ lacht, seufzt und grübelt in Fritz Senns im Laufe von Jahrzehnten aufgebauter James-Joyce-Spezialbibliothek in Zürich. Die SZ nimmt Abschied vom guten alten Esszimmer. Und alle trauern um Hannelore Hoger, die kühle Laborantin mit dem rauen Charme, wie die FR schreibt.

Hör auf, sie stirbt!

27.12.2024. Monopol gibt sich im Museum Küppersmühle Miquel Barcelós rauschhaften Genüssen hin. In der Welt erzählt die iranische Schauspielerin und Frauenrechtlerin Mahsa Rostami von ihrer schmerzhaften Begegnung mit der iranischen Polizei. Die FAZ besucht in Nordostnorwegen das erste samische Theater von Snøhetta. Die GEMA verklagt OpenAI wegen Urheberrechtsbedenken, die SZ berichtet. Alle Jahre wieder lauschen Medium und Tagesspiegel Bachs Weihnachtsoratorium mit dem Rundfunk Sinfonieorchester Berlin.

Besänftigt die Biester

24.12.2024. Frauen müssen mindestens einen Löwen zähmen, um zur Ikone zu werden, lernt der Tagesspiegel in Frankfurt. In der Zeit erkennt Navid Kermani in Mohammad Rasoulofs "Die Saat des heiligen Feigenbaums" das mythische Drama der iranischen Gesellschaft. Ebenfalls in der Zeit erklärt Han Kang, welche Bedeutung Träume für ihre Romane haben. Die FAZ gibt sich in Paris mit Hexern, Göttern und Zombis auf einem haitianischen Friedhof die Klinke in die Hand. Und die Welt fragt fassungslos: Warum braucht Berlin vier Jahrzehnte, um am Molkenmarkt drei Blocks zu bebauen?

Leise rieselt der Papier-Schnee

23.12.2024. Die Kritiker sind begeistert von Mohammad Rasoulofs heimlich im Iran gedrehten Film "Die Saat des heiligen Feigenbaums". Die Nachtkritik freut sich in Hakan Savaş Micans Berliner Adaption von Necati Öziris Roman "Vatermal" über "schön rotzige" Frauenfiguren. Der Filmdienst führt durch das ungarische Gegenwartskino unter Viktor Orbán. Zeit Online erklärt uns, wie sich die Musik der Neuen Neuen Deutsche Welle nochmal genau anhört. Und die NZZ stellt fest: Die Luxusmodemarken haben es die letzten Jahre übertrieben mit der scheinbaren Exklusivität.

Weihnachten und Ostern an einem Tag

21.12.2024. Der Tagesspiegel verliert sich in Paris staunend in den schimmernden Fäden der kolumbianischen Webkünstlerin Olga de Amaral. Der russische Maler Nikolai Estis erklärt in der FAZ, warum er es hasst, seine Bilder zu verkaufen. Der ukrainische Schriftsteller Sergej Gerassimow wirft in der NZZ Schlaglichter auf Weihnachten in Charkiw im dritten Jahr des Ukrainekriegs. Die Autorin Lea Streisand erzählt in einem FAS-Essay von Weihnachten und Sparkultur. Der iranische Regisseur Mohammad Rasoulof rühmt im Interview mit der taz die Kunst und den Mut der jüngsten Generation iranischer Regisseure. Van freut sich über das Weihnachtswunder Bach in der ARD.

Der Aberwitz dieser Dunkelwelt

20.12.2024. Der Filmemacher Jean-Pierre Lledo fragt sich im Gespräch mit Times of Israel, inwieweit Frankreich mit der Inhaftierung Boualem Sansals unter Druck gesetzt werden soll, die von Algerien gewollte Grenze zu Marokko zu akzeptieren. Die FAZ fährt mit Richard Strauss' "Salome" in Antwerpen Richtung Untergang. Weder FAZ noch Artechock sind mit der Novelle des Filmförderungsgesetzes zufrieden. Monopol schildert, wie sich die Jüdische Kunstschule Berlin für Verständigung und gegen Boykott einsetzt. Umweltfreundliche Architektur hat eine lange Geschichte, wie die taz in Schleswig-Holstein lernt.

Das Laster ist hier verboten

19.12.2024. Großes Aufatmen in der Kunstwelt: Mit der Entscheidung für Naomi Beckwith als Leiterin der Documenta 16 setzt die Kommission nicht mehr auf "Experimente aus dem globalen Süden". Derweil bangen die Filmkritiker angesichts der Diskussion, die heute im Bundestag über die Reform der Filmförderung geführt wird: In der FAZ fleht Volker Schlöndorff: Sichert das Überleben des Films in unserem Land. taz und FAZ blicken in Berlin mit Baudelaire in die Abgründe von Covid-Zellen und Kabuler Schönheitssalons. Und der Perlentaucher feiert mit Payal Kapadias "All We Imagine as Light" die neonlichtfunkelnde Schönheit Mumbais.

Vorzugsweise im Schlafanzug

18.12.2024. Die Berliner Zeitung verliert sich in David Schnells farbstarken Halluzinationen im Berliner Mies-van-der-Rohe-Haus. Monopol schaut Martina Morger im Baseler Museum Tinguely beim Ablecken von Schaufenstern zu. Der Tagesspiegel spaziert mit dem Verlegerpaar Angelika und Bernd Erhard Fischer durchs Berliner Umland und entdeckt Löcher in der Zeit. Die Pianistin Hanni Liang erklärt der FAZ, wie ihre Konzerte der Vereinzelung in der modernen Welt entgegen wirken. Und die SZ rät Kindern zu Gruselfilmen, um zu lernen, mit Furcht umzugehen.

Latte-Macchiato-Bourgeoisie

17.12.2024. Die FAZ jubelt: Mit seinem Beethoven-Stück "Tiefer Graben 8" findet Christoph Marthaler am Theater Basel wieder zu alter Größe zurück. In der SZ verrät der iranische, vor dem Regime geflohene, Regisseur Mohammad Rasoulof, wie man heimlich einen Film dreht. Rainald Goetz ist wieder online! So freut sich der Tagesspiegel über die heimlichen Instagram-Aktivitäten des Schriftstellers. Backstage Classical bittet um Mithilfe: die unabhängige, kritische Berichterstattung gefällt nicht allen.