Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
27.06.2025. Die Feuilletons resümieren den Auftakt des Bachmann-Wettlesens, bei dem Nava Ebrahimi den "Endzeitfaschismus" in der Welt beklagte. Viel mehr fiel ihr leider nicht ein, seufzt die SZ. Monopol bewundert in München Straßenfotografie aus Mali. Die FR erfährt in Sylvie Kürstens Dokufilm über die Künstlergruppe Clara Mosch, wie rebellisch DDR-Kunst sein konnte. Die taz lauscht auf einem Album von Ndagga Rhythm Force dem Westafrika der Zukunft.
26.06.2025. Die Feuilletons rasen in Joseph Kosinskis Motorsportfilm "F1" mit Brad Pitt über die Rennstrecke: Ein Film wie ein gutes Rennauto, freut sich der Perlentaucher. Monopol entdeckt auf der Momentum-Biennale im norwegischen Moss Kunst in Scheunen und auf Feldern. In der Zeit erzählt Barbara Kingsolver von ihrer Kindheit in Hilbilly-Land. Die FAZ beweint mit Miley Cyrus besonders leidenschaftlich die untergegangene "Abba-bis-Madonna-Welt".
25.06.2025. Gestern fand in Algier der Berufungsprozess für Boualem Sansal statt, berichtet Le Point: Gefordert werden nun zehn Jahre Haft, auch Sansals neuem Anwalt wurde das Visum verwehrt. Die SZ nimmt die Bayerischen Kunstsammlungen weiterhin unter die Lupe und stellt massive Sicherheitsmängel fest. Die Welt erliegt in Tübingen überschwänglichen Architekturvisionen seit 1900. Zeit Online spricht mit jungen Filmschaffenden über die miesen Rahmenbedingungen, unter denen in Deutschland Filme gedreht werden müssen. Und in Stratford soll Shakespeare "dekolonisiert" werden, weiß die NZZ.
24.06.2025. Die Welt schmilzt bei Ina Weisses Film "Zikaden" über prekäre Frauen-Existenzen in Ost und West dahin. Die FAZ rebelliert in einer Ausstellung in der Landesgalerie Niederösterreich mit Blumen gegen Unrechtsregime. Die NZZ wird bei Marcos Darbyshires Inszenierung der Puccini-Oper "Tosca" in St. Gallen fast verprügelt. Die FAZ erwartet außerdem vom Musikprogramm der Wiener Festwochen nächstes Mal mehr als oberflächliche Gesten der Betroffenheit.
23.06.2025. Putin war schon immer ein Zensor, aber "nun ist die Zeit gekommen, um die unabhängige Kultur in allen ihren Formen zu vernichten: Kino, Theater, Musik und schließlich die Literatur", schreibt Viktor Jerofejew in der FAZ. taz und FAZ lernen von Mohammad Rasoulofs Stück "Destination: Origin" in Berlin, wie sich Exilerfahrungen in Körper einschreiben. Christina Tscharyiskis Horvath-Inszenierung überzeugt die Nachtkritik durch ihre "Demaskierung des Bewusstseins." Die NZZ stellt Meinolf Brüsers Bach-Buch vor. Und die Zeitungen trauern um die Schweizer Schriftstellerin Gertrud Leutenegger.
21.06.2025. Die FAS unerhält sich mit Mika Kaurismäki über die Monheim Triennale für ungeschriebene Musik, die Kaurismäki in "Every note you play" dokumentiert hat. Die nachtkritik hätte sich mehr Zeit zum Nachdenken gewünscht in Charlotte Sprengers Mannheimer Inszenierung von Schillers "Kabale und Liebe". Die FAZ bestaunt in der Fondation Beyeler den präzisen Nachthimmel der litauische Künstlerin Vija Celmins. Zeit online hört Haim.
20.06.2025. Milo Rau inszeniert den "Prozess Pelicot" in einer Wiener Kirche als "Mosaik des Grauen", berichten die Kritiker. Einen Gottesdienst der anderen Art erlebt die FAZ, wenn Bruce Springsteen als letzter großer Transatlantiker in Frankfurt sein Herz heraussingt. Einen Film zum richtigen Zeitpunkt annonciert die taz mit Nima Sarvestanis Dokumentation über den Iran. Und Monopol blickt in Helsinki auf aufblasbare Bronze-Delfine.
19.06.2025. Der Guardian ist überwältigt von Jenny Savilles gigantischen Frauenporträts, die ihm in der National Portrait Gallery in London sehr nahe kommen. Die taz feiert Naoko Yamadas Animationsfilm "The Color within", in dem ein Mädchen die Gefühle der anderen als Farben wahrnimmt. VAN möchte mehr Mädchen in Knabenchören hören. Die taz hört derweil Jarvis Cockers Comeback-Album.
18.06.2025. Die Feuilletons trauern um den Ausnahmepianisten Alfred Brendel. Er war, womöglich, der Stellvertreter Beethovens und Schuberts auf Erden, schwärmt die Welt. Die Zeit freut sich darüber, dass auf der Berlin Biennale statt postkolonialer Sittenstrenge Comedy und lyrische Absurdität reüssieren. Die SZ startet einen weiteren Frontalangriff auf Bayerns Kunstminister Markus Blume in Sachen Raubkunstaffäre. Critic.de gedenkt der Off-Kino-Legende Bernhard Marsch. Monopol lernt bei Hermann Nitschs "6-Tage-Spiel"-Performance den Geruch von Blut kennen.
17.06.2025. FAZ und FR wird in Johannes Eraths Inszenierung der Händel-Oper "Alcina" an der Oper Frankfurt optisch einiges geboten: Variété, Zirkus und sogar eine zersägte Frau. "Für mich ist Russland im Moment ein Monster und nichts anderes", sagt die russische Filmemacherin Svetlana Rodina im Tages-Anzeiger. Zeit Online sorgt sich um die Zukunft des Musikvideos. Und die Musikkritiker trauern um den Freejazzer und Experimentalmusiker Sven-Åke Johansson.