Efeu - Die Kulturrundschau
Aus derberen Kontexten bekannte Zoten
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Film

2004 hat bereits Costa-Gavras Donald E. Westlakes Roman "The Ax" verfilmt, nun verlegt der koreanische Genrefilm-Auteur Park Chan-wook den Stoff nach Südkorea und kleidet ihn ins Gewand eines satirischen Thrillers: In "No Other Choice" setzt sich ein Mann mit allen teils drastischen Mitteln dagegen zur Wehr, von seinem Arbeitgeber in den sozialen Abstieg wegrationalisiert zu werden. "Die eindeutige kapitalismuskritische Parabel, die der Inhalt vorgibt", ist dabei allerdings nicht entstanden, stellt Michael Kienzl im Perlentaucher fest. "Tatsächlich ist nicht immer klar, was genau Park an dieser Geschichte interessiert. Virtuos und elegant inszeniert ist sie zweifellos. Ständig dreht die Kamera Pirouetten, während die Bilder mit schrägen Perspektiven, Spiegelungen und Überblendungen neu in Schwingung versetzt werden." Aber "für die Zeit und Umwege, die sich 'No Other Choice' über seine ausladenden 140 Minuten Laufzeit hinweg gönnt, wirkt die Handlung aber letztlich ein wenig zu schlicht und vorhersehbar. Holprig erscheint mitunter auch der Wechsel zwischen ernsthafter Dramatik und überzeichneter Farce."

Sehr bekümmert reagiert Georg Seeßlen (Zeit Online) auf das Muppet-Revival auf DisneyPlus, bei dem für ein Special, das womöglich noch in eine Wiederaufnahme des Formats münden könnte, das alte Vaudeville-Setting der ursprünglichen Show aus den Siebzigern wieder aufgegriffen wurde. Aber, ach, der alte Charme ist dahin: "Dass es statt der Show-Schicksalsgemeinschaft mehr um sozialen Sadismus, statt der Selbstironie mehr um Narzissmus, statt der muppet-menschlichen Komödie mehr um aus derberen Kontexten bekannte Zoten geht - dafür können die Muppets nichts, vielleicht nicht einmal ihre Autoren und Produzenten. Die Zeiten haben sich geändert, und diesmal wollen sich die Muppets ihnen, wenigstens ein bisschen, anpassen, ... aber auch irgendwie die Alten bleiben. ... Dass es dazwischen keinen harmonischen Kompromiss gibt, zeigt vielleicht ein wenig von der kulturellen Bruchlinie, die von den Medien in den Alltag reicht. Nicht einmal mithilfe der Muppets können wir so tun, als ginge irgendetwas immer weiter."
Weitere Artikel: Irene Genhart resümiert im Filmdienst die Solothurner Filmtage. Karl Gedlicka empfiehlt im Standard die Jarmusch-Retro im Wiener Metro-Kino. Christian Schröder (Tsp) und Andreas Kilb (FAZ) gratulieren Charlotte Rampling zum 80. Geburtstag.
Besprochen werden Koya Kamuras gleichnamige Verfilmung von Elisa Shua Dusapins Roman "Ein Winter in Sokcho" (FR, taz), Hasan Hadis irakischer Film "Ein Kuchen für den Präsidenten" (FAZ, Artechock, mehr dazu bereits hier), die DVD-Ausgabe von Larry Yangs Actionthriller "Shadow Chase" mit Jackie Chan (taz), Francis Meletzkys "Der Schimmelreiter" (Artechock), Lauro Cress' "Ungeduld des Herzens" (Artechock), Stefan Jungs "Lydia - Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus" über die Tochter von Alfred Escher (NZZ), Lauro Cress' "Ungeduld des Herzens" (critic.de), Brett Ratners "Melania" (critic.de), Katarina Schicklings 3sat-Doku "Das Kentler-Experiment - staatlich finanzierter Kindesmissbrauch" (taz) und die Netflix-Serie "Unfamiliar", in der deutsche und russische Agenten in Berlin aufeinander prallen (FAZ).
Architektur
Literatur
Kunst

FAZ-Kritiker Stefan Trinks möchte die Werke der österreichischen Malerin Tina Blau am liebsten direkt von der Wand des MPK Kaiserslautern stehlen, wo man die Impressionistin wiederentdecken kann. Obwohl sie in Österreich, aber auch international, Erfolge feierte, blieb Blau in Deutschland weitgehend unbekannt. Für Trinks ist das völlig unbegreiflich, der unter anderem vor ihren Bildern aus dem Prater ins Staunen gerät: "Sie findet zu einem sehr eigenen Stil, indem sie das Spiel aus Licht und Schatten intensiviert und in der malerisch baumbestandenen Prater-Parklandschaft Merkmale der den Impressionisten vorausgegangenen Schule von Barbizon einflicht, aber beispielsweise das Kaiserslauterner Prater-Bild auch nachträglich im Atelier mit minutiösen Schilderungen Hunderter sich im Wind biegender Grashalme versieht, was ein Monet ebenfalls nicht getan hätte. Traumschön ist ihre herbstlich eingefärbte Allee auf der 'Praterlandschaft' von 1915/16 mit ihren spalierstehenden Baumindividuen (...), denen - als Intervention einer zeitgenössischen Künstlerin - Simone Nieweg mit ihren Fotografien stimmig sekundiert."
Weitere Artikel: Die Rückgabe des Tänzerinnen-Brunnens von Georg Kolbe an die Nachfahren des jüdischen Vorbesitzers steht kurz bevor, meldet Nicola Kuhn im Tagesspiegel. In der Zeit unterhalten sich Jolinde Hüchtker und Tobias Timm mit der deutschen Kuratorin Julia Stoschek über ihre Videokunst-Ausstellung "What a wonderful World: An Audiovisual Poem" in der Stoschek-Foundation Los Angeles. Tilman Baumgärtel beklagt in der taz die diesjährige "Wurstigkeit" und "Beliebigkeit" des Festivals "Transmediale".
Musik
Bühne
Weitere Artikel: Die italienische Regierung setzt ihre politische Agenda in der Kultur weiterhin konsequent um, berichtet Ulrike Sauer in der NZZ: Der neueste Coup ist die Einsetzung der rechtsgerichteten Dirigentin Beatrice Venezi als Intendantin des Teatro La Fenice, die ob Venezis Unerfahrenheit für Kritik sorgt. In der FAZ unterhält sich der Schriftsteller Christoph Hein mit Michael Ernst über seine Arbeit als Opernlibrettist für den Komponisten György Kurtág. Besprochen werden Tobias Kratzers Inszenierung von Olga Neuwirths Oper "Monster's Paradise" an der Staatsoper Hamburg (Zeit) und Matthew Dunsters Inszenierung von "Die Tribute von Panem" im Carry Warf Theatre in London (SZ).



