Efeu - Die Kulturrundschau
Besänftigt die Biester
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24.12.2024. Frauen müssen mindestens einen Löwen zähmen, um zur Ikone zu werden, lernt der Tagesspiegel in Frankfurt. In der Zeit erkennt Navid Kermani in Mohammad Rasoulofs "Die Saat des heiligen Feigenbaums" das mythische Drama der iranischen Gesellschaft. Ebenfalls in der Zeit erklärt Han Kang, welche Bedeutung Träume für ihre Romane haben. Die FAZ gibt sich in Paris mit Hexern, Göttern und Zombis auf einem haitianischen Friedhof die Klinke in die Hand. Und die Welt fragt fassungslos: Warum braucht Berlin vier Jahrzehnte, um am Molkenmarkt drei Blocks zu bebauen?
9punkt - Die Debattenrundschau
vom
24.12.2024
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Kunst

Auch um zur Märtyrerin zu werden, müssen Frauen mehr leisten als Männer, erkennt Christiane Peitz im Tagesspiegel in der Ausstellung "Ikona. Heilige Frauen" im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt, die ihr anhand von 78 Ikonen vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart ungeschönt zeigt, welche Willensstärke Frauen nicht selten gegen sexualisierte Gewalt oder Machtmissbrauch aufbringen mussten: "Die heilige Thekla zum Beispiel. Sie stammt aus Ikonium, heutige Türkei, verweigerte sich der Zwangsheirat und sollte dafür mit dem Leben bezahlen. Aber ein Regenguss löscht ihren Scheiterhaufen, sie zähmt die Löwen, denen sie zum Fraß vorgeworfen wird, besänftigt die Biester in der Schlangengrube, die vor ihr Männchen machen, auch die wilden Stiere verschonen sie. Die Frau ist nicht totzukriegen. Bis ins hohe Alter lebte Thekla als Eremitin in den Bergen. Ähnliche Legenden finden sich auf etlichen Ikonen in der Frankfurter Ausstellung. Da ist Paraskeva, ebenfalls aus der Türkei. Sie übersteht Geißelungen, Eisenhaken-Folter und Kerzenverbrennung, stürzt Statuen per Gebet."

Wie man durch Haitis Voodoo-Religion zum Untoten wird, lernt Stefan Trinks (FAZ) in der Ausstellung "Zombis. La mort n'est pas une fin?" im Musée du Quai Branly in Paris. Es braucht ein "schweres Vergehen, dessen Urheber durch eine Geheimgesellschaft zur Zombifizierung verurteilt wird; eine Droge, die einen todesähnlichen Zustand herbeiführt; ein Friedhof, auf dem der Schuldige erst begraben, kurz darauf dann exhumiert wird; endlich ein bokor genannter Herr und Hexer, dem der nunmehrige Zombi dient." In der Ausstellung ist gar ein Friedhof nachgebildet: "In Haiti ein Ort des Lebens, wo Priesterinnen und Priester, Eingeweihte und Hexer, Götter und Zombis einander die Klinke in die Hand geben ... Mit Nachdruck arbeitet die Schau heraus, dass Zombis in den dreieinhalb Jahrhunderten des atlantischen Sklavenhandels aus der widernatürlichen, ja verbrecherischen Hybridisierung dreier Kulturkreise geboren wurden: jenem Westafrikas, wo vielerorts der Glaube an irrende Seelen und leblose Körper verbreitet war, die zeit- und teilweise Vitalität zurückerlangen können; jenem Europas, das geschätzt zwölf Millionen Männer, Frauen und Kinder in untote Arbeitssklaven verwandelte; und jenem der auf den karibischen Zielinseln (und namentlich auf Hispaniola, wo das heutige Haiti liegt) lebenden Urvölker, die ihr Wissen in Sachen Drogen an die Deportierten weitergaben."
Im Monopol-Magazin spricht der syrische Künstler Tammam Azzam, der mit Collagen aus Kriegsruinen bekannt wurde, über das Kunstschaffen unter Assad: "Wenn du in Syrien lebst, gibt es etwas in dir, was dein eigenes Verhalten konstant beobachtet, um nicht zu riskieren, festgenommen zu werden. Es war jedoch immer einfacher, visuelle Kunst zu machen, als zu schreiben, weil es weniger konkret ist als Worte. Allerdings gab es auch unendlich viele Künstler, die bis zu diesem Moment ins Gefängnis gekommen sind. Am Ende war es dem Regime egal, welche Kunst du gemacht hast, aber es war niemals egal, wenn sie kritisch war."
Weitere Artikel: In der taz erinnert Hili Perlson an das vor fünfzig Jahren aus dem Oratorio di San Lorenzo in Palermo gestohlene Caravaggio-Gemälde "Die Geburt Christi mit den Heiligen Laurentius und Franz von Assisi", das an Platz zwei der meistgesuchten Kunstwerke weltweit steht. Seit 2010 werden immer neue zeitgenössische Künstler gebeten, für die Stelle des geraubten Gemäldes ein eigenes Werk zu schaffen, dieses Jahr wird es von Michelangelo Pistoletto kommen, so Perlson: "Pistolettos Neuinterpretation des Caravaggio-Gemäldes, so viel hatte der Künstler vorab der taz verraten, wird seine ikonische Spiegelmalerei aufgreifen. Auf einer großen spiegelnden Fläche soll eine Kopie des Engels aus dem originalen Gemälde angebracht werden." Das Neuköllner Kulturzentrum Oyoun soll schon bis Ende des Jahres ausziehen, meldet Susanne Memarnia in der taz. In der FAZ denkt Stefan Trinks über Darstellungen der Geburt Christi in einem ruinösen Palast-Stall nach. Ebenfalls für die FAZ besucht Kerstin Holm das von dem ehemaligen Spiegel-Korrespondenten Norbert Kuchinke gegründete russisch-orthodoxe Kloster in Götschendorf in der Uckermark, wo zwar Russen, Ukrainer und Belorussen zusammen leben und beten dürfen - dafür mischt sich das Moskauer Patriarchat in der Frage der künstlerischen Gestaltung ein.
Besprochen wird die Ausstellung "Access Kafka", die im Jüdischen Museum in Berlin (taz) und eine Ausstellung über zeitgenössische japanische Teekeramik im Zürcher Museum Rietberg (NZZ).
Literatur

Außerdem: Im Tagesspiegel gratuliert Sophia-Caroline Kosel dem DDR-Comicmagazin Mosaik zum 70-jährigen Bestehen. Besprochen werden unter anderem Brigitte Reimanns "Franziska Linkerhand" (taz), Elke Schmitters "Alles, was ich über Liebe weiß, steht in diesem Buch" (FR), Christiane Neudeckers Erzählungsband "Die Welt wartet" (FAZ), Lyndal Ropers "Für die Freiheit. Der Bauernkrieg 1525" (Zeit) und Clemens J. Setz' "Das All im eignen Fell" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Bühne

Gaetano Donizettis Oper "Die Regimentstochter" über das von 50 französischen Soldatenadoptivvätern betreute Findelkind Marie, das sich später als Adlige entpuppt, ist schon "wunderlich" genug, findet Reinhard J. Brembeck in der SZ. Aber was Damiano Michieletto da mit Sunnyi Melles, Xabier Anduaga und Pretty Yende auf die Bühne der Bayrischen Staatsoper in München gebracht hat, grenzt für Brembeck an ein Wunder, nicht nur wegen der neun hohen Cs von Anduaga. "Regisseur Michieletto lässt in historischen Uniformen, Livree und Reifröcken spielen, er unterläuft die so evozierte Steife des Ancien Régime durch Tapsigkeit und Trotteltum, durchs Linkische und Lebensfremde, durchs Komische und Klamaukhafte. Das macht dieses Kostümtheater zu einem Genuss. 'Die Regimentstochter' beschreibt das Absterben einer überlebten Gesellschaftsordnung und das Aufkommen einer revolutionär neuen, den Übergang vom Feudalismus zur Romantik. Es gehört wenig Fantasie dazu, das aufs Heute zu projizieren, wo weltweit die Nachkriegsordnung zusammenbricht, ohne dass allerdings das Neue klar erkennbar wäre. Über dessen Beschaffenheit wagt Michieletto keine Prognose. Er nimmt Donizettis Gesellschaftsanalyse ernst, er sieht die Parallele zum Heute, aber überfrachtet das Stück nie mit bierernster Gescheitmeierei."
Weitere Artikel: In der taz staunt Tom Mustroph, wie oft Brigitte Reimanns Roman "Franziska Linkerhand" dieses Jahr für deutsche Bühnen adaptiert wurde.
Besprochen werden Felix Seilers Inszenierung von Jacques Offenbachs "Robinson Crusoé" an der Komischen Oper (Tsp), James Wiltons Tanzstück "Midwinter" am Theater Osnabrück (taz) und Robert Carsens Inszenierung von Jean-Philippe Rameaus Opéra-ballet "Les Fêtes d'Hébé" an der Pariser Opéra-Comique (Welt).
Film

Mohammad Rasoulofs "Die Saat des heiligen Feigenbaums", der diesen Donnerstag in die deutschen Kinos kommt, ist im Hinblick auf den (nur vorerst) gescheiterten Aufstand der Frauen im Iran vor zwei Jahren der "Film, der diese Zäsur, diesen Epochenbruch für alle Zeit markiert, indem er den Aufstand der Töchter gegen die Väter atemberaubend realistisch in eine einzelne Familie verlegt", schreibt der Schriftsteller Navid Kermani in der Zeit. "Allein an den Gesichtszügen der jungen Schauspielerinnen Mahsa Rostami und Setareh Maleki lässt sich die Entwicklung einer ganzen Gesellschaft ablesen: von den Selfie-Schmollmündern über die zunächst naive Erregung, als die ersten Videos von demonstrierenden Mädchen von Smartphone zu Smartphone gehen, bis hin zum Schock, als die eigene Freundin von Streumunition ins Auge getroffen wird. Und zwischen Vater und Töchtern steht die Mutter, in ihrem Mitläufertum ebenfalls großartig gespielt von Soheila Golestani. Den Glauben an die herrschende Ordnung, der sie den sozialen Aufstieg verdankt, verliert sie nicht, als ihr Mann zum Täter wird - sondern erst, als ihre Töchter Opfer sind. Mit diesen vier Personen, einer ziemlich typischen Kleinfamilie des heutigen Irans, führt Rasoulof ein gleichsam mythisches Drama auf." Für die Welt bespricht Amira Aslani den Film.
Außerdem: Das Team von critic.de resümiert die schönsten Kinomomente des Jahres. Valerie Dirk macht sich im Standard Gedanken über "Der Zauberer von Oz" und dessen Prequel "Wicked", das gerade im Kino läuft (unsere Kritik). Christoph Amend und Jochen Wegner plauschen für Zeit Online mit Hape Kerkeling, der gerade seinen 60. Geburtstag gefeiert hat. Tilman Spreckelsen wirft für die FAZ einen Blick auf die aktuellen Weihnachtsmärchen der Öffentlich-Rechtlichen.
Besprochen werden Luca Guadagninos Burroughs-Verfilmung "Queer" mit Daniel Craig (Tsp, FD), Michaela Krützens Buch "Zeitverschwendung. Gammeln, Warten, Driften in Film und Literatur" (NZZ) und die Netflix-Serienadaption von Gabriel García Márquez' "Hundert Jahre Einsamkeit" (NZZ).
Musik
SZ-Kritiker Andrian Kreye begibt sich auf die Spur der Neo-Psychedelic, die sich gerade in ganz unterschiedlichen musikalischen Zusammenhängen formiert. Als einen der zentralen Protagonisten hat er den früheren Techno-DJ Jon Hopkins identifiziert, der stilecht auch dafür wirbt, psychedelische Substanzen zu therapeutischen Zwecken einzusetzen. Wie klingt die Musik? Mit straighten Technobeats unterlegt Hopkins seine Musik jedenfalls schon länger nicht mehr. "Bis man bemerkt, dass unter dem Klang noch ein Unterschall pulsiert, hat einen Jon Hopkins eingefangen, und es ist schon fast eine Viertelstunde vergangen. Da tun sich Räume auf, in denen die Zeitrechnungen der Popmusik nicht mehr gelten." Sein aktuelles Album "'Ritual' funktioniert (...) wie ein Gebäude von Zaha Hadid, das einen mit harmonischen Schwungformen ins Innere zieht, immer weiter, bis man gar nicht mehr weiß, wo der Ausgang ist. Das ist aber auch egal. Man will da gar nicht mehr ins Freie mit seinen Alltagsgebäuden und Straßen. Es gibt hier genug zu entdecken, um einfach zu bleiben."
Außerdem: Jan Brachmann denkt im FAZ-Kommentar über deutsche und französische Vorlieben in der Weihnachtsmusik nach. Jochen Overbeck wirft für die Zeit einen Blick auf das Phänomen Post Malone, der "schon immer cringe" war. In der FAZ gratuliert Hubert Spiegel Annie Lennox zum 70. Geburtstag.
Besprochen werden David Kunacs und Sebastian Dehnhardts in der ARD-Mediathek gezeigter Dokumentarfilm "Udo!" über Udo Jürgens, der vor zehn Jahren gestorben ist (FAZ), und neue "auffällige Musik", darunter Asya Fateyevas Versuch, gemeinsam mit der Lautten Compagney ABBA-Songs in Barockarrangements zu packen (Standard).
Außerdem: Jan Brachmann denkt im FAZ-Kommentar über deutsche und französische Vorlieben in der Weihnachtsmusik nach. Jochen Overbeck wirft für die Zeit einen Blick auf das Phänomen Post Malone, der "schon immer cringe" war. In der FAZ gratuliert Hubert Spiegel Annie Lennox zum 70. Geburtstag.
Besprochen werden David Kunacs und Sebastian Dehnhardts in der ARD-Mediathek gezeigter Dokumentarfilm "Udo!" über Udo Jürgens, der vor zehn Jahren gestorben ist (FAZ), und neue "auffällige Musik", darunter Asya Fateyevas Versuch, gemeinsam mit der Lautten Compagney ABBA-Songs in Barockarrangements zu packen (Standard).
Architektur
Seit den Neunzigerjahren soll der Berliner Molkenmarkt bebaut werden, ab Januar 2025 dürfen sich Architekturbüros europaweit endlich bewerben, um acht neue Häuser auf Berlins ältesten Platz zu setzen, weiß Boris Pofalla in der Welt und fragt: Warum braucht Berlin vier Jahrzehnte, um drei Blocks zu bauen? "Ein Grund sind die archäologischen Ausgrabungen ... Aber Archäologie ist nicht der wichtigste Grund, warum hier ein Plan den anderen auslöscht. Es sind die enormen, teils widersprüchlichen Anforderungen, die an das neue Quartier gestellt werden - und die viel davon erzählen, wie Deutschland im Jahr 2024 tickt. Der Molkenmarkt erinnert an das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 und an den Flughafen BER. Im alten Herzen der Hauptstadt, zwischen Spreeufer, Rotem Rathaus, Nikolaiviertel und dem letzten Rest der Stadtmauer soll nämlich etwas entstehen, wovon man als Mensch des 21. Jahrhunderts nur träumen kann, 'ein lebenswertes und zukunftsfähiges Quartier mit nutzungsflexiblen Gebäuden, klimaresilienten Freiräumen, innovativem Mobilitätskonzept, vielfältigen Kulturangeboten und einem hohen Anspruch an die architektonische und gestalterische Qualität'. 'Das Quartier', so heißt es in der vom Senat online publizierten 'Charta Molkenmarkt', 'wird sich zu den Baudenkmalen der Umgebung positionieren, deren Individualität unterstreichen, die Entwicklung von Geschichte ablesbar machen und sensibel darauf reagieren.'"
Die alte Hamburger Oper ist in die Jahre gekommen und wird nur notdürftig "spielfähig" gehalten, Bedarf nach einer neuen Oper sehen die Hamburger allerdings nicht - mit einer Ausnahme: Der Milliardär Klaus-Michael Kühne träumt davon, auf dem westlichen Zipfel des Baakenhöfts, dem letzten unbebauten Part der Hafencity, einen gigantischen Prestigebau zu schaffen, ob die Stadt will oder nicht, berichtet Florian Zinnecker in der Zeit. Bis zu 350 Millionen Euro könnte der Spaß kosten, die Größenordnung hält Kühne für denkbar. Aber: "Er bliebe Eigentümer der Oper und würde sie an die Stadt vermieten; überdies bekäme er im Gegenzug die alte Oper in der Innenstadt, dürfe das denkmalgeschützte Gebäude abreißen und auf dem Grundstück ein Investorenprojekt entwickeln. Letzteres im Übrigen zusammen mit dem österreichischen Immobilientycoon René Benko, mit dem Kühne bereits ein benachbartes Innenstadt-Grundstück bestellte, auf dem bis dahin eine Einkaufspassage stand. Unter anderem mit Geld von Kühne begann Benko außerdem, einen von David Chipperfield entworfenen, 245 Meter hohen Wolkenkratzer in der HafenCity zu bauen, den sogenannten Elbtower. Heute ist Benko pleite, das Grundstück neben der Oper eine Brache, und auf der Elbtower-Baustelle tut sich seit mehr als einem Jahr nichts mehr. In der Insolvenz versenkte Kühne nach eigenen Angaben etwa eine halbe Milliarde Euro."
Weitere Artikel: Seit 2009 wird in Berlin das "House of One" geplant, in dem Juden, Muslime und Christen in den Dialog treten sollen, Geld ist eingeworben, die Grundpfeiler stehen, aber bis heute fehlt eine Baustelle, seufzt Claudius Prösser in der taz: "Stiftungs-Sprecherin Kerstin Krupp verweist gegenüber der taz auf die stark gestiegenen Gesamtkosten: Wurden 2014 zum Start des Crowdfundings knapp 44 Millionen Euro veranschlagt, rechnet man nun aufgrund explodierender Preise in der Baubranche mit fast 70 Millionen." In der FAZ bewundert Ulf Meyer das von Shigeru Ban aus Tokio entworfene Städtische Museum in Toyota.
Die alte Hamburger Oper ist in die Jahre gekommen und wird nur notdürftig "spielfähig" gehalten, Bedarf nach einer neuen Oper sehen die Hamburger allerdings nicht - mit einer Ausnahme: Der Milliardär Klaus-Michael Kühne träumt davon, auf dem westlichen Zipfel des Baakenhöfts, dem letzten unbebauten Part der Hafencity, einen gigantischen Prestigebau zu schaffen, ob die Stadt will oder nicht, berichtet Florian Zinnecker in der Zeit. Bis zu 350 Millionen Euro könnte der Spaß kosten, die Größenordnung hält Kühne für denkbar. Aber: "Er bliebe Eigentümer der Oper und würde sie an die Stadt vermieten; überdies bekäme er im Gegenzug die alte Oper in der Innenstadt, dürfe das denkmalgeschützte Gebäude abreißen und auf dem Grundstück ein Investorenprojekt entwickeln. Letzteres im Übrigen zusammen mit dem österreichischen Immobilientycoon René Benko, mit dem Kühne bereits ein benachbartes Innenstadt-Grundstück bestellte, auf dem bis dahin eine Einkaufspassage stand. Unter anderem mit Geld von Kühne begann Benko außerdem, einen von David Chipperfield entworfenen, 245 Meter hohen Wolkenkratzer in der HafenCity zu bauen, den sogenannten Elbtower. Heute ist Benko pleite, das Grundstück neben der Oper eine Brache, und auf der Elbtower-Baustelle tut sich seit mehr als einem Jahr nichts mehr. In der Insolvenz versenkte Kühne nach eigenen Angaben etwa eine halbe Milliarde Euro."
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