Efeu - Die Kulturrundschau

Wer was wann gewusst haben sollte

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24.06.2014. Der Burgtheater-Skandal zieht weitere Kreise: Nun ist der mächtigste Mann des österreichischen Theaters, der Chef der Bundestheater-Holding Georg Springer zurückgetreten. Eines der Probleme: Es könnten noch knapp zwei Millionen Euro für Ex-Intendant Matthias Hartmann fällig werden. Alle Wiener Zeitungen berichten. In der FAZ führt Dietmar Dath durch sämtliche Verästelungen der neuesten Horror-Literatur. Ebenso freut sich die FAZ über eine wiedergefundene Magdalena in Ekstase von Artemisia Gentileschi. Und die Welt hat herausgefunden: Die höchsten Hochhäuser Chinas sind Luftschlösser.

Kunst



Freudig meldet Rose-Maria Gropp in der FAZ den Fund einer "Maria Magdalena" von Artemisia Gentileschi: Dieses sei "extraordinär. Es zeigt die Magdalena in Ekstase und ist vermutlich intimes Selbstbildnis der sehr jungen Künstlerin." Mehr dazu hier.

Außerdem: Jüngst hat das britische Architekturbüro Chetwoods bekannt gegeben, es werde in der chinesichen Stadt Wuhan die höchsten Hochhäuser aller Zeiten bauen. Nur die Stadt Wuhan wusste davon noch nichts, hat China-Korrespondent Johnny Erlinger für die Welt herausgefunden. Architekten nutzen solche Meldungen zur PR, informiert Erling, der allerdings auch einen anhaltenden Hochhausboom in China ausmacht.

Besprochen werden Alec Soths Ausstellung "The Little Brown Mushroom Ping-Pong Reading Room" im Sprengel Museum in Hannover (taz), die Ausstellung "Nach Ägypten! Die Reisen von Max Slevogt und Paul Klee" im Dresdner Albertinum (Welt), die Ausstellung "Nature After Nature" im Fridericianum Kassel (FAZ) und die Ausstellung "Experiment Metropole - 1873: Wien und die Weltausstellung" im Wien Museum (SZ).
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Literatur

Horror-Geek Dietmar Dath führt im ganzseitigen Feuilletonaufmacher der FAZ ohne Rücksicht auf Mediengrenzen durch die vielen Nischen und Manifestationen seines Lieblingsgenres und stellt dabei begeistert fest, dass es "im reichen Westen und Norden - also nicht in Japan, Mittel- und Südamerika und Afrika, wo sie stets wohlauf war - seit etwa fünf Jahren wieder so interessant geworden ist, wie sie in diesen Regionen zuletzt Mitte der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde (...). Die neue Blüte findet in Zeitschriften (Black Static, Cemetery Dance, Subterranean), speziellen Verlagen (in Deutschland etwa Festa), Erzählungssammlungen, Romanen und auf besonderen Websites (www.thehorrorzine.com, www.chizine.com) statt. Sie reicht von Schöpfungen eingestandenen Trash-Wahnsinns (Weissblech-Comicverlag) bis in die respektablen Bezirke, wo die Literaturkritik für Gebildete ihre Fische fängt." Als Beispiel für letzteres führt er die schwedische Autorin Karin Tidbeck an.

Weiteres: Rainald Goetz" Arztroman "Irre" ist in seinem Genre hierzulande ein Solitär geblieben, stellt Gerrit Bartels im Tagesspiegel betrübt fest. Den Comic treibt es hierzulande ins Museum, meint Andreas Platthaus in der FAZ nach dem Besuch des Comic-Salons in Erlangen, wo ihm einige Veranstaltungen dieses Fazit nahelegten. Katja Lütghe von der taz war ebenfalls vor Ort, doch hatte sie vor allem Augen für den für sein Lebenswerk ausgezeichneten Ralf König, der sich in Fatsuit und Paillettenkleid präsentierte. Hubert Wetzel begibt sich in der SZ unter anderem bei Remarque und Jünger auf die Suche nach literarischen Spuren der Ereignisse an der Front bei Flandern im Ersten Weltkrieg. Nach der Lektüre von Saša Stanišićs Erfolgsroman "Vor dem Fest" reist Verena Auffermann für die SZ in die Uckermark ins Dörfchen Fürstenwerder, das dem Autor als Inspiration für sein Buch diente, um dort der lokalen Buchhandlung einen Besuch abzustatten.

Besprochen werden Vittorio Hösles "Kurze Geschichte der deutschen Philosophie" (Zeit), Tatjanas Gromacas "Eines Tages" (Tagesspiegel), Margret Franzliks Erinnerungen an ihren Ehemann, den Schriftsteller Wolfgang Hilbig (Tagesspiegel), Corrado Augias" Buch über "Die Geheimnisse Italiens" (FAZ), Michael Chabons "Telegraph Aveneu" (Tagesspiegel) und Véronique Olmis "Das Glück, wie es hätte sein können" (FR).
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Musik

Nadine Lange trifft sich für den Tagesspiegel mit der Sängerin Dotschy Reinhardt. In der Berliner Zeitung plaudert Katja Schwemmers mit Country-Ikone Dolly Parton. Für die SZ schreibt Gökalp Babayigit eine Popkolumne.

Besprochen werden ein Eric Dolphy zu dessen 50. Todestag gewidmeter Konzertabend in Berlin (Tagesspiegel),das neue Album von How to Dress Well (Pitchfork), der Mitschnitt des Eröffnungskonzerts zur WM 1994 von Pavarotti, José Carreras und Placido Domingo (Tagesspiegel), Conor Obersts neues Album "Upside Down Mountain" (FAZ) und das Album "Alles leuchtet" der Rapperin Fiva (ZeitOnline).
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Film

Für den Tagesspiegel hat Gunda Bartels den gerade siebzig Jahre alt gewordenen Regisseur Volker Koepp besucht. Beim Filmforum Bremen führt Marco Koch durch aktuelle Geschehnisse in der deutschen Filmblogosphäre.
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Stichwörter: Volker Koepp

Bühne

Der Burgtheater-Skandal zieht immer weitere Kreise, berichten Renate Graber und Andrea Schurian im Wiener Standard. Nun ist Georg Springer, Chef der Bundestheater-Holding, zurückgetreten. Begonnen hatte es mit den Entlassungen der kaufmännischen Direktorin Silvia Stantejsky und des Intendanten Matthias Hartmann wegen "kreativen Finanzgebarens": "Seither wird darüber gestritten, wer was wann gewusst haben sollte oder eben nicht gewusst haben wollte, was hätte verhindert werden können oder, genauer gesagt, verhindert werden müssen." Eines der Probleme: Sollte die Entlassung Hartmanns rechtlich nicht wasserdicht sein, muss der Ex-Intendant bis August 2019 bezahlt werden - Kosten: knapp zwei Millionen Euro. Der Prozess steht jetzt an. Die Presse bringt zum Thema ein ganzes Dossier, ebenso der Kurier inklusive kleinem Hartmann-Interview.

Weitere Artikel: Patrick Wildermann berichtet im Tagesspiegel, Alexander Kohlmann in der taz vom Braunchweiger Festival Theaterformen. Seine Kollegin Sandra Luzina war unterdessen in der Berliner Akademie der Künste bei den Proben von Oskar Schlemmers Avantgarde-Tanzstück "Das Triadische Ballett" von 1922. Für die Welt unterhält sich Tom Mustroph mit Matthias von Hartz vom Berliner Theaterfestival "Foreign Affairs". Peter Laudenbach staunt in der SZ über das "kleine, tolle Theaterwunder", das ausgerechnet im hype-fernen Berliner Wedding dem regelmäßig ausverkauften Prime-Time-Theater mit ihrem aus Herz, Schnauze und viel Hipsterspott bestehenden Programm gelungen ist.

Besprochen werden die in Zürich aufgeführte Westernoper "Das Mädchen aus dem Goldenen Westen" (SZ), Eva-Maria Höckmayers Inszenierung von Frederick Delius" "Romeo und Julia auf dem Dorfe" am Frankfurter Opernhaus (FAZ) und der von Giorgio Madia choreografierte "Don Juan" am Staatsballett Berlin (taz).
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